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Wer hat das Wisent gerettet?



cajun:   Wisent News aus dem Neandertal:
Nach dem Ableben zweier betagter K├╝he, erhofft man sich einen Restart mit einer neuen Gruppe und Anlage.
Trauer im Neandertal in Mettmann : Abschied von ?Nugana? und ?Nutella?
?Nutella? und ?Nugana?, mussten jetzt mit 22 beziehungsweise 23 Jahren aus Altersgr├╝nden eingeschl├Ąfert werden.
Das Eiszeitliche Wildgehege Neandertal hat eine lange Tradition der Wisenthaltung und ?zucht. Ende der 1990er Jahre wurde die Wisentzucht aufgegeben und nur noch eine kleine Schauherde mit zun├Ąchst drei K├╝hen und einem kastrierten Stier gehalten. Nach und nach sind diese Tiere aus Altersgr├╝nden gestorben.

Seit sieben Jahren lebten nur noch die beiden im Neandertal geborenen K├╝he ?Nugana? und ?Nutella? in ihrem Gehege. Sie hatten beide ein sch├Ânes Leben auf den saftigen Wiesen im Neandertal und haben in jungen Jahren auch zur Wisentzucht beigetragen.

Nun aber konnte man den beiden 22 und 23 Jahre alten Damen im letzten Jahr deutliche Alterserscheinungen anmerken. Besonders ?Nugana? konnte sich zunehmend schlechter bewegen, hatte eine Eintr├╝bung des Augenlichts und nahm auch deutlich ab.
Das Hegepersonal hat in regelm├Ą├čiger Absprache mit den betreuenden Tier├Ąrzten versucht, ├╝ber Zuf├╝tterung den Allgemeinzustand der Tiere zu verbessern, konnte das Ende aber letztlich nur aufschieben. Da es keinem der beiden Tiere zugemutet werden konnte, alleine zu bleiben oder sich in ihrem hohen Alter noch an eine fremde Herde zu gew├Âhnen, mussten jetzt beide Wisente in Abstimmung mit und unter Aufsicht von Tier├Ąrzten eingeschl├Ąfert werden. Das teilten jetzt die Untere Naturschutzbeh├Ârde des Kreises als Tr├Ąger des Wildgeheges und der Naturschutzverein Neandertal mit.

Gleichwohl m├Âchte der Kreis Mettmann zur Arterhaltung des vom Aussterben bedrohten Wisents beitragen und daher die Zucht wieder aufnehmen.

Hierf├╝r entsteht zurzeit auf den hoch gelegenen Fl├Ąchen des Wildgeheges in Erkrath-Hochdahl mit dem ?Neandertalhof? eine Wisentzuchtanlage. Voraussichtlich im kommenden Fr├╝hjahr sollen die ersten Jung-K├╝he im Gehege Einzug halten.
https://rp-online.de/nrw/staedte/mettmann/neandertal-wisent-damen-nugana-und-nutella-mussten-altersbedingt-eingeschlaefert-werden_aid-54537613
(17.11.2020, 15:35)
th.oma.s:   naja und nicht nur bialowieza. ist m.e. trotzdem bemerkenswert so eine sache in diesem land durchzuziehen. wenn ich daran denke, was mittlerweile f├╝r ein lebensraumpotential da ist und wie z├Âgerlich man mit der freisetzung wegen allerm├Âglicher besitzst├Ąnde, zust├Ąndig-keiten umd meines erachtens auch gleichg├╝ltigkeit einfach nicht an die sache ran geht.
(20.04.2010, 21:32)
WolfDrei:   Bisher glaubte ich, Bialowieza l├Ąge auch in Europa
(20.04.2010, 19:59)
cajun:   Das nenne ich doch mal einen furiosen Start f├╝r das Projekt:

Wisent-Projekt l├Ąuft nach turbulentem Start planm├Ą├čig

Jungbulle suchte die Freiheit - Alle Tiere wohlauf
Europaweit einmaliges Artenschutzprojekt beginnt

Bad Berleburg, 24. M├Ąrz 2010. Die Freisetzung der Wisente im Rothaargebirge verlief turbulenter als geplant: Nach dem ├ľffnen der Lkw-T├╝r st├╝rmte der dreij├Ąhrige Jungbulle ┬äEgnar" in die Freiheit, ├╝berwand den Zaun des Eingew├Âhnungsgeheges und suchte Schutz im angrenzenden Wald. Bereits wenige Minuten sp├Ąter gelang es den Tierpflegern und Kreisveterin├Ąr Dr. Wilhelm Pelger den Jungbullen mit Hilfe eines Bet├Ąubungsgewehrs so lange au├čer Gefecht zu setzen, bis er wohlbehalten ins vorbereitete Gehege zur├╝ck gebracht werden konnte.
„Im Vorfeld der europaweit einmaligen Auswilderungsaktion haben unsere Experten verschiedene Szenarien durchgeplant und dabei auch einen Fall wie diesen durchgespielt. Wir waren also gut darauf vorbereitet. Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für Tier oder Mensch. Wisente sind Wildtiere und verhalten sich eben entsprechend. Wichtig ist: es ist niemand zu Schaden gekommen und Egnar ist wohlauf", sagt Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und zweiter Vorsitzender des Wisent-Vereins.
┬äEgnar geht es gut, es besteht keine Gefahr f├╝r ihn. Er befindet sich aktuell wieder im Gehege und wird morgen noch einmal untersucht. Auch alle anderen Wisente sind in sehr guter Verfassung", sagt Kreisveterin├Ąr Dr. Wilhelm Pelger.
Nach dem turbulenten Start verlief die Aktion planm├Ą├čig. Mit zeitlicher Verz├Âgerung konnten alle neun Tiere bis zum Abend in das Auswilderungsgehege entlassen werden.
Die im ca. 4.326 Hektar gro├čen Projektgebiet in Siegen-Wittgenstein eingetroffenen Wisente stammen vor allem aus Zuchtstationen und Tierparks und werden f├╝r voraussichtlich ein Jahr in einem gro├čz├╝gigen Eingew├Âhnungsgehege unter wissenschaftlicher Begleitung auf ihre sp├Ątere Freisetzung vorbereitet. Danach sollen mittelfristig bis zu 25 Wisente durch die W├Ąlder des Rothaargebirges streifen.
Die frei lebende Herde soll unter anderem dazu beitragen die genetische Variabilit├Ąt der Art zu erh├Âhen. Das Eingew├Âhnungsgebiet selbst ist unzug├Ąnglich. Noch in diesem Jahr sollen Besucher daher in einem Erlebnisschaugehege einen Eindruck von Wisenten in freier Wildbahn gewinnen k├Ânnen. Geplant ist auch ein Informationszentrum ├╝ber den Wisent.Initiator des Artenschutzprojektes, das unter der Schirmherrschaft von Ministerpr├Ąsident Dr. J├╝rgen R├╝ttgers steht, ist neben der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer der auf die Umsetzung von Naturschutz-Gro├čprojekten spezialisierte Verein Taurus Naturentwicklung e.V. (Jena). Gro├če Unterst├╝tzung erf├Ąhrt das durch das Bundesamt f├╝r Naturschutz durch Mittel des Bundesumweltministeriums und das Ministerium f├╝r Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gef├Ârderte Projekt durch den Kreis Siegen-Wittgenstein und die Stadt Bad Berleburg.

Quelle: http://www.wisente-rothaargebirge.de/cms/front_content.php?idcat=36

Die HP scheint wieder regelm├Ą├čig aktualisiert zu werden.

(20.04.2010, 19:18)
Liz Thieme:   Ein im Rostocker Zoo geborener Wisentbulle wird sein Leben mit Artgenossen in freier Natur verbringen k├Ânnen. Das eineinhalbj├Ąhrige Tier geh├Ârt zu einer neunk├Âpfigen Wisentgruppe, die ab 3. Februar im westf├Ąlischen Rothaargebirge ausgewildert wird. Die ersten Tiere der Urviecher werden zun├Ąchst in einem Eingew├Âhnungsgehege aufgenommen, um sich sp├Ąter auf einem 4300 Hektar gro├čen Gel├Ąnde anzusiedeln. Das ist Teil eines der aktuell gr├Â├čten internationalen Artenschutzprojekte.
Leitkuh Danga kommt aus Schleswig-Holstein, Bulle Egnar aus Hardehausen bei Paderborn. M├Ąnnliche und weibliche Jungtiere komplettieren die Herde. Die Kosten f├╝r die Auswilderung wird mit 1,5 Millionen Euro beziffert. Der Ideengeber zur Ansiedlung frei lebender Wisente und Grundst├╝ckseigent├╝mer Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist am Ziel seiner Tr├Ąume. Kommenden Mittwoch werden die ersten Wisente ausgewildert.
(12.02.2010, 21:10)
cajun:   @IP66: Das vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt der eingestellte link in meinem vorherigen Posting vielleicht eine Antwort, wie man den Lebensraum im Rothaargebirge beurteilt.

Beim surfen bin ich noch auf eine andere Seite gesto├čen, die ich noch mal als link einstellen werde. Ich wei├č nicht ob sie schon anderweitig im Forum steht, aber sie liest sich sehr interessant und enth├Ąlt auch einen Kommentar zum Unterartenstatus von Rotwild in Europa als Nebenprodukt eines Wisentnewsletters. Ohne Garantie auf Vollst├Ąndigkeit oder Richtigkeit: einfach mal "dr├╝ber lesen". :-)

http://biphost.spray.se/bison-info/bnd_204.htm


(25.11.2008, 20:15)
IP66:   Ist so eine kalte Mittelgebirgslandschaft denn ein geeignetes Biotop - ich verbinde Wisente eher mit den W├Ąldern Preu├čens, den Ebenen Masowiens oder den doch schon eher mediterranen T├Ąlern des Kaukasus ...
(25.11.2008, 17:55)
cajun:   Gibt es eigentlich Neuigkeiten vom Wisentprojekt im Rothaargebirge?
Die News enden im Februar diesen Jahres, allerdings ist der Zeitplan so, das eigentlich aktuell die Tier in ihr Eingew├Âhnungsgehege kommen m├╝ssten.

http://www.wisente-rothaargebirge.de/


(24.11.2008, 23:06)
?:   Wisente finden zumeist Abnehmer in Wildparks und Wildgehegen, Bisons teilweise bei Privatz├╝chtern , teilweise werden ├╝berz├Ąhlige Tiere geschlachtet und verf├╝ttert.
(09.06.2007, 13:23)
Herr Horst:   In vielen Zoos die ich kenne werden jedes Jahr Jungtiere bei den Wisenten bzw. Bisons geboren, wo kommen die denn alle hin?
(09.06.2007, 11:34)
IP66:   Hoffentlich wu├čte Heck das mit den Ariern und den Yaks - um einen nationalsozialistsichen Funktionstr├Ąger zu beruhigen, der sich ├╝ber die falsch verpartnerten Auerochsen aufregen wollte.
(27.03.2007, 11:10)
Michael Mettler:   In Lutz Hecks "Tiere - Mein Abenteuer" von 1952 finden sich Teile der Wisent-Geschichte aus seinem Buch von 1941 wieder, wenn auch komplett umgeschrieben. So finden die fr├╝heren deutschen Machthaber hier keine Erw├Ąhnung mehr, die Einrichtung der Wisentzucht in Springe erfolgte lediglich "mit vollster staatlicher Unterst├╝tzung"....

Erstaunlicherweise taucht hier in Zusammenhang mit der Verdr├Ąngungszucht und im Gegensatz zu seinem elf Jahre vorher erschienenen Buch auch Heck sen. auf: "Da entstand der Plan, der von meinem Vater verfochten und von meinem Bruder und mir in die Tat umgesetzt wurde...."
(26.03.2007, 14:17)
WolfDreier:   Das mit den Yaks im "deutschen" Zoo hat insofern eine "Berechtigung", da man die Herkunft der Arier nach nationalsozialistischer Sicht u.a. in Tibet geortet hatte. Ernst Sch├Ąfer ist unter Nutzung dieser "Theorie" so erst zu seinen Tibetforschungen gekommen.
(26.03.2007, 13:41)
IP66:   Ich frage mich mittlerweile, wo ich den entsprechenden Hinweis gelesen habe. Es kann nat├╝rlich sein, da├č die Sache geplant war und man auch gerne die Mittel f├╝r ein weiteres Rindergehege in Anspruch nahm, dann aber doch auf die Yaks zur├╝ckgriff, die doch im "deutschen Zoo" selbst bei Zugrundelegung nationalsozialistischer Ausdehnungsbegriffe nicht recht etwas zu suchen hatten. Auf der anderen Seite finde ich es seltsam, da├č derleichen in einer Diktatur m├Âglich war, zumal an so prominenter Stelle. Man darf aber nicht vergessen, da├č es wohl eine Beziehung zwischen Herrn Kl├Âs und der Familie Heck gab und er mir in Fragen nationalsozialistischer Belastungen gerade bei der j├╝ngeren Heck-Generation immer sehr vorsichtig vorkam. In seinen Zoogeschichten habe ich zwar nicht den Eindruck, da├č er Dinge besch├Ânigen wollte, aber doch den, da├č er die Rolle des Zoos vielleicht weniger politisch wahrnimmt, als sie es war, zumal er den Vorkriegszoo ja immer als ein Vorbild verstanden hat. Und ich halte es in der Tat nicht f├╝r so einfach, den beiden Hecks als Zooleitern in Berlin wirklich gerecht zu werden. Aber vielleicht finde ich meine Quelle ja doch noch, und es er├╝brigt sich, mit Tendenzen argumentieren zu m├╝ssen.
(26.03.2007, 11:09)
Karsten Vick:   Dass dieses von Ihnen genannte Gehege (entspricht ungef├Ąhr dem jetzigen Bartschweingehege) jemals eine Reserveherde Wisente beherbergte, daf├╝r spricht weder mein 1941er Zoof├╝hrer noch Kl├Âs' bauhistorisches Zoobuch. In letzterem wird es als Yakgehege betitelt, in ersterem gar keine Besetzung genannt, daneben standen 1,8 "Auerochsen", Yaks werden gar nicht erw├Ąhnt, die Wisente nur in ihrem Blockhaus.
(25.03.2007, 22:46)
IP66:   Waren die Wisente eigentlich Bestandteil des "deutschen Zoos" an der R├╝ckseite des Rinderreviers. Jedenfalls k├Ânnte das den gro├čen Bestand erkl├Ąren, denn dann standen mit dem alten Wisentgehege am russischen Blockhaus und dem neuen neben den Auerochsen-R├╝ckz├╝chtungen ja zwei Gehege zur Verf├╝gung.
Priemel hat also im Grunde so etwas organisiert wie ein nationales EEP - w├Ąhrend in Sachen Milu und Hawai-Gans ja eher die Methode war, einen privaten Zuchtstamm in einer privaten Haltung zu installieren.
(25.03.2007, 11:05)
Karsten Vick:   Die Angabe auf Seite 126 bezieht sich auf den Bombenangriff November 1943, nicht auf das Kriegsende. Und sie waren zu der Zeit gar nicht in Berlin, siehe Zoo-Chronik "Von der Menagerie zum Tierparadies". S. 124 stehen sie zwar auch bei den ├ťberlebenden der Bombenn├Ąchte, S. 117 sind aber schon im April bis September 1943 12 Wisente nach Augsburg, Breslau und in die Schorfheide ausgelagert und S. 122 schreibt Lutz Heck: S├äMTLICHE Wisente sind (durch Auslagerung) gerettet. Man kann es auch so lesen, dass nach November 43 noch mal Wisente ausgelagert wurden, aber ich glaube nicht, dass Anfang 43 vierundzwanzig Wisente in Berlin standen. Erna Mohr wirds genau wissen.
(25.03.2007, 10:15)
Carsten:   Vielleicht ausgelagert oder irgendwo eingestellt?

Oder da hat einfach jemand nen Bock geschossen, g... Dann ist nat├╝rlich die Frage, ob Seite 126 oder 240 richtig ist...
(24.03.2007, 23:50)
Michael Mettler:   Wie beim Davidshirsch st├Â├čt man auch beim Wisent auf interessante Widerspr├╝che. In der Berlin-Chronik "Die Arche Noah an der Spree" steht auf S. 240: "Auch der alte Berliner Zoo besa├č vor dem 2. Weltkrieg eine bekannte Zucht reinbl├╝tiger Wisente, die leider restlos vernichtet wurde." Auf S. 126 des selben Buches finden sich aber unter den Tieren, welche das Kriegsinferno ├╝berlebt hatten, auch "zw├Âlf Wisente". Wie ist denn das zu erkl├Ąren?
(24.03.2007, 22:53)
Michael Mettler:   @IP66: Priemel hat die Wisente nicht in Frankfurt zusammengeholt, die blieben doch weitgehend an ihren Standorten. Da, so weit ich mich erinnere, das Geschlechterverh├Ąltnis ohnehin relativ ausgeglichen war, h├Ątte man eh viele Bullen getrennt unterbringen m├╝ssen - die wurden ja dann teilweise f├╝r die Verdr├Ąngungszucht genutzt.
(24.03.2007, 19:06)
Walter Koch:   Inzucht aus der Not, keine weiteren
Tiere zur Verf├╝gung, ist akzeptabel.
Aber Inzucht aus Bequemlichkeit und
organisatorischen Schwierigkeiten ist
abzulehnen.

Letzteres l├Ąuft der Aufgabe "letzte Zu-
flucht Zoo" einfach zuwider. Auch die
positiven Ergebnisse beim Milu und z.B.
bei der Mendesantilope sind keine Frei-
fahrtscheine f├╝r die bewu├čte Schaffung
von Flaschenh├Ąlsen.

Es war ein Wisent-Kenner, der selbst
eine Herde betreut, der sagte: Der
Wisent verkommt zur Ratte. Und weiter
Sinngem├Ą├č: Die Zucht mu├č wieder ernst
genommen werden.
(24.03.2007, 16:20)
IP66:   Ich will niemanden nerven und stimme Herrn Mettlers Berichten zur bevorzugten Gehegegr├Â├če von Herrn Heck sen. durchaus zu, mu├č aber darauf beharren, da├č f├╝r die Wisente in Berlin denkbar viel Platz war, mehr als f├╝r ihre Artgenossen in K├Âln oder Duisburg zur Nachkriegszeit, denn das Gehege vor dem russischen Blockhaus ist das von Heck geschaffene. Und wenn Herr Priemel die Wisente wirklich in Frankfurt zusammengezogen hat, standen sie da doch nicht in gr├Â├čeren Gehegen als in Berlin.
(24.03.2007, 16:05)
Michael Mettler:   Laut Lutz Hecks "Auf Tiersuche in weiter Welt" von 1941, wo der Wisent-Erhaltung ein ganzes Kapitel gewidmet ist, geht ├╝brigens die Gr├╝ndung des Wisentgeheges in Springe allein auf die Initiative von Heck jun. zur├╝ck; sein Vater findet darin keine Erw├Ąhnung. G├Âring schaltete sich erst sp├Ąter (etwa 1933) in die Wisenthege ein, und es liest sich so, als sei auf seinen Erlass hin der damalige, bisonbl├╝tige Springer Bestand in die Schorfheide ├╝berf├╝hrt worden, um die Zucht dort und in anderen Gattern auf breitere Basis zu stellen - unter anderem durch den Import von Bisonk├╝hen aus Kanada. S├Ąmtliche m├Ąnnlichen Nachkommen der Verdr├Ąngungszucht wurden abgeschossen, nur die K├╝he immer wieder mit reinen Wisentbullen verpaart.
(24.03.2007, 09:41)
Karsten Vick:   Wer bei einem bekannten Bestand von fast 400 Tieren plus X im Kaukasus von Inzucht und Schw├Ąche jammert, der wird sicher nicht mit den 18 definitiv letzten Artvertretern hoffnungsvoll ein Erhaltungszuchtprogramm beginnen, von der Platzfrage mal ganz abgesehen.
(18 bezieht sich nat├╝rlich auf den Milu, aber die Themen sind ja sowieso vernetzt)
(23.03.2007, 23:16)
Michael Mettler:   Aus einer Textstelle seiner Lebenserinnerungen geht hervor, dass Heck senior trotz allen Lobes f├╝r den M├╝nchner Geo-Zoo seines Sohnes Heinz nicht viel von gro├čen Gehegen hielt, da das in seinen Augen ung├╝nstige Verh├Ąltnis zwischen verbrauchter Fl├Ąche und d├╝nnem Besatz f├╝r weniger Aufmerksamkeit beim Publikum sorge und dem Konzept der systematischen Tiersammlung im Wege stehe.... Folglich wurden auch nur in Ma├čen Freisichtgehege im Berliner Zoo seiner ├ära angelegt, da kleine K├Ąfige und Gitterausl├Ąufe eben mehr Tierarten auf der selben Fl├Ąche zulie├čen. Somit war auch kein Platz f├╝r die Bildung einer gr├Â├čeren Herde irgendeines bedrohten Huftieres, da Heck andere Aufgaben wichtiger schienen. "Bei Heck heckt alles" war zwar der Ruf, den er sich schon als junger Tierg├Ąrtner erworben hatte - aber das war noch zu seiner K├Âlner Zeit....
(23.03.2007, 16:55)
IP66:   Vielleicht sah Heck Erhaltungszucht auch wirklich nicht als seine Aufgabe. Die Erhaltung des Wisent erfolgte ja erst einmal "in situ" und auf Initiative der russischen Krone, bei den Milus war es ein englischer Landadliger, der eben auch nicht s├Ąmtliche erreichbaren Hirscharten dieser Welt ausstellen mu├čte - oder konnte. Schlie├člich nahm man das Aussterben von Arten in den Zoos im 19. Jahrhundert vielleicht weniger ernst als heute - wobei ja auch heute manch seltenes Exemplar ohne gro├če Aufmwerksamkeit des Publikums dahinlebt - man denke an die wei├čen Uakaris oder die Wei├čnasensakis in K├Âln.
(23.03.2007, 16:45)
Michael Mettler:   Wenn ich mir Hecks Einstellung vor Augen halte und dazu seine recht n├╝chterne Abhandlung des Themas Milu, wage ich zu bezweifeln, dass er oder auch jeder andere Zoodirektor seiner ├ära sich wirklich mit Gedanken an etwas befasst hat, was wir heute Erhaltungszuchtprogramm nennen w├╝rden. Immerhin geh├Ârten zu Hecks Lebzeiten Tiere wie Quagga, Burchellzebra, Schomburgkhirsch, Wandertaube oder Carolinasittich zu den Bewohnern verschiedener Zoos, bei denen man sich keine sonderliche M├╝he machte, versprengte Einzeltiere zu Zuchtbest├Ąnden zusammen zu f├╝hren.

Eine aktive Rolle des Berliner Zoos dieser ├ära in der Artrettung scheint es nach meinem Empfinden und dem, was ich an ├Ąlteren Quellen bisher gelesen habe, nicht gegeben zu haben. Wenn jemand mit aus dem reichhaltigen Berliner "Fundus" stammenden Tieren eine Art rettete, hatte man sicherlich nichts dagegen, aber von Eigeninitiative ist nirgends etwas ├ťberzeugendes zu sp├╝ren.
(23.03.2007, 16:31)
Karsten Vick:   Sch├Ân, Ingo, dass du dich immerhin angesprochen gef├╝hlt hast;-) Vielleicht findest du mal die Zeit, einige Zoodaten zu liefern. Dass Erna Mohrs Buch den Stand von 1952 darstellt, ist nicht weiter schlimm, denn die spannendste Zeit war davor. Danach gings eigentlich nur noch aufw├Ąrts.
Die Einsch├Ątzung Hecks ├╝ber den Wildbestand zu der Zeit sind eindeutig zu pessimistisch, aber er konnte es auch z. T. nicht besser wissen.
Im Kaukasus haben zu der Zeit noch gesch├Ątzte 1000 Tiere gelebt, teils sogar noch auf der persischen Seite der Grenze, aber der europ├Ąischen Gelehrtenwelt war dar├╝ber kaum etwas bekannt. In Bialowieza waren die Tierzahlen genau bekannt und der damals ablesbare Trend konnte einen schon pessimistisch stimmen: 1803 verbot Zar Alexander I. die Wisentjagd und setzte eine Reihe von Ma├čnahmen zur Bestandssteigerung ein. Die Folge war ein Anstieg der Population mit dem H├Âhepunkt von 1898 Tieren im Jahre 1857. Von da an aber gings wieder bergab, nat├╝rlich nicht wegen "Inzucht", sondern wegen totaler ├ťberbelegung des Reviers, damit steigender Krankheits- und Parasitenanf├Ąlligkeit. Bis 1890 war der Bestand auf 391 gesunken, kein Wunder, dass Heck an ein baldiges Aussterben glaubte.
(23.03.2007, 15:04)
Michael Mettler:   Nun, Heck erw├Ąhnt ja Unfruchtbarkeit und Schw├Ąchlichkeit der Nachzucht der kaiserlichen Wisente. Seine wenig zuversichtliche Einstellung d├╝rfte dann vielleicht darin begr├╝ndet sein, dass dies bei seinen eigenen Tieren nicht viel anders war.
(23.03.2007, 12:42)
IP66:   Interessant ist, da├č Heck f├╝r seine Herde ja sogar einen - russischen - Stilbau nebst recht ger├Ąumigem Gehege errichtet hatte und es trotzdem mit der Zucht so recht nicht vorw├Ąrts ging. K├Âln hat doch bis in die 70er in einem verglichbar gro├čen resp. kleinen Gehege Wisente gez├╝chtet. Und schlie├člich wird Alexander II. seine Prachtiere ja nicht nur nach Berlin verschenkt haben.
(23.03.2007, 11:01)
Michael Mettler:   In Ludwig Hecks "Lebendige Bilder aus dem Reich der Tiere" von ca. 1899 findet sich unter dem Bild zweier Wisente im Berliner Zoo ein Text, der eher nach Abschiedsrede als nach geplanter Artrettung klingt:

"Die Tage ihres Daseins sind gez├Ąhlt, sie sind unrettbar dem Aussterben verfallen. (...) Der russische Wisent wird zwar im Leibrevier des russischen Kaisers zu Bjelowjesha (polnisch Bialowiczka) streng geschont, geht dort aber an seiner eigenen Unfruchtbarkeit und der Schw├Ąchlichkeit der Nachzucht, die nat├╝rlich nur Inzucht ist, langsam zu Grunde. Im Kaukasus kommt er auch noch vor, aber so vereinzelt und unst├Ąt, dass dort ebenfalls bereits das Ende abzusehen ist. Durch die Gnade Kaiser Alexander II. wurden seinerzeit eine ganze Anzahl zoologischer G├Ąrten mit den pr├Ąchtigen Schaust├╝cken versorgt. Nachschub ist aber inzwischen nicht erfolgt, und so ist heute unsere Zucht von 6 St├╝ck die einzige forterhaltene in einem zoologischen Garten und neben einer kleinen Herde des F├╝rsten Pless auch die einzige ausserhalb Bialowiczkas."

Um nochmals die Querverbindung zum Milu zu schaffen: Wenn man sich diese pessimistische Einstellung Hecks (quasi die Verwaltung des Untergangs) ansieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass eben dieser Heck zu den "Helden der Zoowelt" geh├Ârt haben soll, der seine Davidshirsche voller Hoffnung f├╝r eine Erhaltungszucht zur Verf├╝gung stellte. Denn der Milu war zu dieser Zeit in einer absolut vergleichbaren Situation.
(22.03.2007, 23:58)
Ingo Rossi:   Leider fehlt mir im Moment die Zeit ausf├╝hrlicher zu berichetn, aber das Buch von E.Mohr lohnt sich wirklich.
Sie beschreibt recht ausf├╝hrlich die Best├Ąnde der damaligen zeit, auch gubt es Ahnentafeln. Beigelegt ist eine Ahnentafel der Wisentkuh Avena (*23.08.48)aus der schwedichen Johnson-Herde. Auch beschreibt sie die zwischen den Kriegen bestehenden Best├Ąnde in Europa.
Der Nachdruck ist, wie das Original, in der Neuen-Brehm-B├╝cherei erschienen und bestimmt auch bei Dr.Sch├╝ling zu bestellen.
Erscheinungsjahr ist allerdings 1952 und da enden auch die Informationen.
W├╝rde gerne mehr daraus berichten, aber leider ruft die Arbeit zu laut. Bei Bedarf aber gerne n├Ąchste Woche.
(22.03.2007, 18:00)
Karsten Vick:   Ach ja, nicht nur ich bevorzuge bei Wisenten und Pythons den m├Ąnnlichen Artikel, hier gibt mir der Duden auch recht. Ich werde mir erlauben, den Threadtitel zu ├Ąndern...
(22.03.2007, 17:26)
Karsten Vick:   Nicht vor 7-8, sondern vor 13-14 Jahren, n├Ąmlich 1993 war das.
Ansonsten gibt es zum Wisent im Gegensatz zum Davidshirsch eine Quelle, in der, so hoffe ich jedenfalls, ALLES drinsteht was wissenswert ist, und das ist die schon von mir genannte Wisentmonografie von Erna Mohr. Diese Frau kannte sicherlich alle 56 Restwisente nach dem I. Weltkrieg pers├Ânlich und hatte gro├če Erfahrungen mit diesem Tier. Nach Werner Trenses Lebenserinnerungen konnte sie sogar liebesm├╝de Wisentstiere wieder zum Springen bringen (wie sie das machte wei├č er nicht, da Erna keine Zuschauer dabei haben wollte). Jedenfalls muss hier erstmal ein Besitzer dieses Buches seine Stimme abgeben, ich werd hier nicht wieder anfangen zu orakeln;-)
(22.03.2007, 17:24)
WolfDrei:   U. a. ist einiges ├╝ber die Gr├╝ndung in einem Beitrag von Dr. Fr├Ądrich im "Bongo" zu finden-so vor 7-8 Jahren
(22.03.2007, 13:14)
IP66:   Nachdem sich so ziemlich alls Gewi├čheiten in Sachen Rettung des Milus in Luft aufgel├Âst haben, wollte ich die selbe Frage in Sachen Wisent stellen. Hier war immerhin ein Zoodirektor am Werk, Herr Priemel aus Frankfurt. Aber wo standen die Zuchtgruppen eigentlich? Wurden die Ausgangstiere zusammengekauft oder zusammengeschenkt? Wie sah die Mitgliederliste der Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents aus?
(22.03.2007, 11:57)

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