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Wer hat das Wisent gerettet?



cajun:   Auch in Tschechien wird flei√üig ausgewildert.
taborsky.denik.cz ‚Äď 31. M√§rz 2021
ZubŇôice se brzy dostanou ze zoo do sv√©ho pŇôirozen√©ho prostŇôed√≠
Wisentk√ľhe werden bald aus dem Zoo in ihren nat√ľrlichen Lebensraum zur√ľckkehren
Am Donnerstag wird der Zoo T√°bor zwei Wisentk√ľhe in das Reservat in Milovice entlassen. Tara und Norisa werden aus Tabor in das gro√üe Naturschutzgebiet in der N√§he von Milovice reisen. Nach der Freilassung des Wisents T√°bor in der N√§he von Rokycany im letzten Jahr ist dies ein weiterer Meilenstein im Wiederansiedlungsprogramm, das vor f√ľnf Jahren in T√°bor mit der Bildung einer Wisentherde begonnen wurde. "Das Programm zur Wiederansiedlung des Wisents in der tschechischen Natur ist ein Schl√ľsselprogramm des Zoos T√°bor, dessen Hauptaufgabe der Schutz gef√§hrdeter Tierarten ist", sagt EvŇĺen Korec, Direktor des Zoos in T√°bor. Ein drittes Weibchen, Karla, wird T√°bor in diesem Jahr ebenfalls verlassen. Es wird im neu errichteten serbischen Reservat Stara Planina ein neues Zuhause finden. Der Zoo in T√°bor widmet sich seit 2016 der Wiederansiedlung des Wisents in der Natur, als er im Mai erstmals vier K√ľhe der sogenannten Tieflandlinie des Wisents holte. Anfang Mai 2016 wurden zwei Wisentk√ľhe, die damals fast zweij√§hrige Usjana und die vierj√§hrige Uselina, in das neue Gehege des Zoos T√°bor gebracht, die aus einer deutschen Privathaltung auf Usedom stammen. Kurz darauf wurden zwei weitere, 2015 geborene junge K√ľhe - Norisa und Norma - aus dem N√ľrnberger Tiergarten in den Zoo T√°bor gebracht. Ende 2016 gesellte sich zu diesen weiblichen Tieren Zuchtstier Poczekaj, der am 22. November aus Niepolomice, Polen, eintraf. (Autor der Quelle: Filip SuŇ°anka, Zoo T√°bor √úbersetzung Zoopresseschau)

Habe nur ich den Eindruck, dass es in Sachen Auswilderung bei den Wisenten enorm an Fahrt aufnimmt in den letzten zwei Jahren?
(06.04.2021, 16:41)
cajun:   Hierbei kooperieren nicht nur Kolmarden und Berlin:
"Visent från Kolmården ska utplaceras i Azerbajdzjan
Wisent aus Kolmården wird in Aserbaidshan ausgewildert
Morgen zieht Kolm√•rdens 3-j√§hriger Wisentstier Knock nach Berlin, wo er mit sieben weiteren Wisenten eine neue Herde bilden wird. Es ist geplant, die neue Wisentherde in einem Nationalpark in Aserbaidshan auszuwildern, einem Gebiet, in dem Wisente einst frei lebten, bevor sie in den 1920er Jahren im Grunde ausgerottet wurden. Das europ√§ische Auswilderungsprojekt ist Teil der Arbeit von Kolm√•rden f√ľr die Erhaltung gef√§hrdeter Arten. Knock wurde im Juni 2018 in Kolm√•rden geboren. Am 24. M√§rz zieht er in den Tierpark Berlin, wo er sieben weitere Wisente aus vier verschiedenen europ√§ischen Zoos kennenlernt. Im November wird die Herde erstmals in ein Akklimatisierungsgebiet von ca. 300 Hektar verlegt, wo sie sich an ihre neue Umgebung anpassen kann. Im Fr√ľhjahr 2022 wird die Herde im Shahdag-Nationalpark, einem Gebiet von √ľber 40.000 Hektar im Kaukasus in Aserbaidshan, freigelassen.(Quelle: Pressemitteilung, √úbersetzung Zoopresseschau)
(06.04.2021, 16:29)
Michael Mettler:   P.S. In alten B?chern findet man auch ?fter "der Guanako". Taucht wie die Beispiele Pony und Zebu u.a. in der von Ludwig Heck bearbeiteten Brehm-Ausgabe mit m?nnlichem Artikel auf. Wie auch der Wisent ;-)
(03.03.2021, 23:31)
Michael Mettler:   Lebendige Sprache. Manch Altvorderer w?rde wahrscheinlich den Kopf dar?ber sch?tteln, dass wir heute DAS Zebu und DAS Pony sagen (statt wie fr?her der Zebu und der Pony - ja, auch das Pferd, nicht nur die Frisur). In ?lterer Literatur findet man auch noch DEN Nyala (oder DAS Nyala), DAS Impala, DEN Aguti, DEN Paka und andere Beispiele. Das ist dann "r?ckw?rts gew?hnungsbed?rftig".

?brigens habe ich in neuerer Zeit in Zeitungs- und Fernsehberichten auch schon mehrfach "das Bison" gelesen/geh?rt. Daran werde ich mich auch nicht gern gew?hnen.
(03.03.2021, 20:52)
Sacha:   @cajun: ohje, peinlich, sorry (ich war so ?berzeugt, dass das noch niemand aufgegriffen hat, dass ich gar nicht nach unten gescrollt habe)
(03.03.2021, 20:28)
cajun:   @Sacha: DAS ?berlegte bereits Carsten Vick ganz unten im Thread im Jahre 2007. Ge?ndert hat er es dann wohl aber nicht...
(03.03.2021, 17:25)
Sacha:   Geht es nur mir so oder st?ren sich noch andere am "neuen" Pronomen (= DAS) f?r diese Art? F?r mich jedenfalls wird es immer DER Wisent bleiben. Die n?chstverwandte Art heisst schliesslich auch DER Bison oder DER Indianerb?ffel (und DER Anoa, DER Banteng, DER Gaur usw.)
(03.03.2021, 14:39)
cajun:   Auch schwedische Einrichtungen beteiligen sich an den Projekten zur Auswilderung in Rum?nien.mynewsdesk.com/se ? 10. Feb. 2021
Visenttjurens flytt fr?n H??r till Rum?nien
Umzug des Wisentstiers von H??r nach Rum?nien
Der Wisentstier Skrim ist von seiner Heimat Sk?nes Djurpark in H??r nach Rum?nien gezogen. Er ist Teil eines Projekts, dessen Ziel es ist, Wisente in freier Wildbahn wieder anzusiedeln. Am Freitag wurde der Wisentstier auf einen Sondertransport in die Fagaras-Berge in den rum?nischen Karpaten verladen. Er ist jetzt angekommen und wurde von der FCC, Foundation Conservation Carpathia, empfangen, die ihn auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereiten wird. Der Wisentstier Skrim wurde 2017 im Sk?nes Djurpark geboren. Hier ist er mit dem Rest der Wisentherde herangewachsen und heute ist er ein gro?er und stattlicher Stier. "Er ist wirklich gro?, obwohl er erst vier Jahre alt ist. Er wiegt deutlich mehr als seine Mitreisenden", sagt Anna Blinkowski, Zoologische Direktorin in Sk?nes Djurpark. Skrim reiste zusammen mit f?nf anderen schwedischen Wisenten, zwei aus Eriksberg und zwei aus Bor?s. Die Gruppe ist jetzt in Rum?nien angekommen und wurde von der FCC empfangen, die hinter dem Gr?ndungsprojekt steht. Zun?chst werden die Wisente einige Wochen in einem Quarant?negehege gehalten, wo sie einer engen tier?rztlichen ?berwachung unterzogen werden. Dann werden sie in ein gr??eres Gehege gebracht, wo sie sich akklimatisieren und sich an die neue Umgebung gew?hnen. Bereits im Fr?hjahr ist geplant, die Wisente freizulassen, wo sie zusammen eine neue Herde bilden oder sich den Wisenten anschlie?en k?nnen, die zuvor in der Region freigelassen wurden.
Quelle:https://www.mynewsdesk.com/se/skanes_djurpark/pressreleases/visenttjurens-flytt-fraan-hoeoer-till-rumaenien-3071270
?bersetzung Zoopresseschau
(03.03.2021, 14:09)
cajun:   Eine Meldung zu den neuesten Projekten im Kaukasus:
Wisentbaby im Berliner Tierpark geboren
Warum es Tian einmal in den Kaukasus ziehen könnte
Das Adventsbaby im Tierpark ist dieses Jahr groß geraten: Wisentbulle Tian wird später bis zu 800 Kilo wiegen ? und lebt dann womöglich in freier Wildbahn.
Ein wenig unsicher auf den Beinen stakst der kleine Wisentbulle Tian im Berliner Tierpark noch herum. Aber das wird schon. Tian, geboren am 12. Dezember, hat eine Perspektive, die f√ľr Zootiere selten ist: Er k√∂nnte sp√§ter einmal im Kaukasus herumwandern - ohne Z√§une.
Bulle Beppo, der vor zwei Jahren im Berliner Zoo zur Welt kam, lebt seit November bereits im Norden Aserbaidschans. Dank solcher Auswilderungsprogramme in Kooperation mit Zoos nehmen europäische Wisente eine ungewöhnlich positive Entwicklung. Sie rutschten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) nun eine Stufe nach unten - und gelten damit als weniger bedroht.
Vor rund 100 Jahren h√§tte das kaum ein Wisent-Freund f√ľr m√∂glich gehalten. 1927 galt die Art nach dem Abschuss des letzten Bullen im Kaukasus als ausgerottet. W√§ren da nicht ein paar Zoodirektoren und Privathalter gewesen, die vier Jahre zuvor in Berlin die Gesellschaft zur Erhaltung der Wisente gegr√ľndet hatten. Als Vorl√§ufer der sp√§teren europ√§ischen Erhaltungszuchtprogramme begannen sie, die Tiere in menschlicher Obhut zu z√ľchten.
Bereits seit den 1950er Jahren werden Wisente aus Zoos wieder ausgewildert. Waschechte Berliner leben heute zum Beispiel in Rum√§nien. In Aserbaidschan sollen sie ab dem Fr√ľhjahr im rund 130 000 Hektar gro√üen Nationalpark Shahdag frei herumwandern. Noch sind sie in einem gro√üen Gehege und √ľben, mit der Natur klarzukommen.
Tian könnte mit zwei Jahren ausgewildert werden
Auch Tians Mutter Oria sollte urspr√ľnglich mit nach Aserbaidschan. Doch da sie tr√§chtig war, reiste Bulle Beppo mit Artgenossen aus anderen europ√§ischen Zoos erst einmal allein gen Osten.
Tian k√∂nnte ihm folgen, wenn er zwei Jahre alt ist, sagt Florian Sicks, Kurator im Tierpark. ?Da spricht bisher nichts dagegen.? Auch f√ľr Oria, die in Berlin ihr erstes Junges bekam, gibt es gute Chancen. Die endg√ľltige Entscheidung h√§ngt nach Angaben des Tierparks aber von vielen Faktoren in den Auswilderungsprogrammen ab.
Wisente sind die größten Landsäugetiere Europas
Wuchtige Sch√§del und muskul√∂se Vorderk√∂rper - Wisente sind auch in Zoos wilde Tiere geblieben. Mit einer gem√ľtlichen Hausrind-Herde haben sie wenig gemeinsam. Die Absperrungen um das Gehege m√ľssten sehr stabil sein, berichtet Sicks - und die Tierpfleger achtsam. Rund 800 Kilo k√∂nnen ausgewachsene Bullen auf die Waage bringen, fast 1,90 Meter gro√ü und drei Meter lang werden. Es sind die gr√∂√üten europ√§ischen Lands√§ugetiere - und durchaus kampfeslustig, wenn es um die Rangordnung in der Herde geht.
?Dass ein ehemals ausgerottetes Tier von der hohen Gefährdungsstufe wieder herunterkommt, das ist eine Ausnahme?, sagt Sicks. Nach IUCN-Angaben haben sich Wisente von 1800 Tieren im Jahr 2003 auf mehr als 6200 in freier Wildbahn vermehrt. Geht das so positiv weiter, könnten sie in naher Zukunft keine gefährdete Art mehr sein.
Die gr√∂√üten Best√§nde gibt es nach IUCN-Angaben heute in Polen, Wei√ürussland und Russland. Auch Deutschland hat ein kleines Ansiedlungsprojekt im Rothaargebirge laufen. Aktuell w√ľrden in ganz Europa 47 gro√üe Herden beobachtet, hei√üt es bei IUCN. Dazu tragen einige Tiere Sender. Ein Problem bleibt aber der kleine Gen-Pool - und die weite Streuung der Tiere, oft ohne Begegnungsm√∂glichkeit.
Mehr als 200 Wisente wurden schon in Berlin geboren
So muss der Mensch weiter nachhelfen, um durch Zuchtb√ľcher und mit gezielten Tiertransporten in die einzelnen Wisent-Regionen f√ľr ausreichend genetische Vielfalt zu sorgen. Zuf√ľttern muss im Winter auch in der Natur manchmal sein - bis es ausreichend Weideland f√ľr die wilden Herden gibt, ohne Konkurrenz zur Hausviehhaltung.
?Bis das regional alles wieder zusammenw√§chst, dauert es noch Jahrzehnte?, sagt Sicks. In Aserbaidschan lebten nun rund 20 Tiere aus zahlreichen Zoos. Wisente sind aber keine Karnickel - sie vermehren sich sehr langsam. Auch in Berlin gibt es nicht jedes Jahr ein Jungtier. Daf√ľr eine lange Tradition - schon seit 1872 z√§hlen Wisente im Zoo zum Bestand, seit 1955 auch im damals neu er√∂ffneten Tierpark. Mehr als 200 dieser Wildrinder sind in Berlin zur Welt gekommen.
Auch Regionen wie der Kaukasus profitieren von der Wiederansiedlung. ?Durch ihren gro√üen Nahrungsbedarf √ľben Wisente einen beachtlichen Einfluss auf die Vegetation aus?, erl√§utert Aurel Heidelberg, Experte f√ľr den WWF. ?Dank ihnen entstehen im Wald offene Fl√§chen und damit Lichtungen und Sonneneinstrahlung bis zum Boden.? Dies unterst√ľtze die Strukturierung der Bergw√§lder mit Nischen f√ľr viele andere Tier- und Pflanzenarten. Das Auswilderungsprojekt ist eine gemeinsame Initiative des aserbaidschanischen Umweltministeriums, des WWF und des europ√§ischen Verbands der Zoos. (dpa)

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/wisentbaby-im-berliner-tierpark-geboren-warum-es-tian-einmal-in-den-kaukasus-ziehen-koennte/26745300.html
(28.12.2020, 14:48)
cajun:   Wisent News aus dem Neandertal:
Nach dem Ableben zweier betagter K√ľhe, erhofft man sich einen Restart mit einer neuen Gruppe und Anlage.
Trauer im Neandertal in Mettmann : Abschied von ?Nugana? und ?Nutella?
?Nutella? und ?Nugana?, mussten jetzt mit 22 beziehungsweise 23 Jahren aus Altersgr√ľnden eingeschl√§fert werden.
Das Eiszeitliche Wildgehege Neandertal hat eine lange Tradition der Wisenthaltung und ?zucht. Ende der 1990er Jahre wurde die Wisentzucht aufgegeben und nur noch eine kleine Schauherde mit zun√§chst drei K√ľhen und einem kastrierten Stier gehalten. Nach und nach sind diese Tiere aus Altersgr√ľnden gestorben.

Seit sieben Jahren lebten nur noch die beiden im Neandertal geborenen K√ľhe ?Nugana? und ?Nutella? in ihrem Gehege. Sie hatten beide ein sch√∂nes Leben auf den saftigen Wiesen im Neandertal und haben in jungen Jahren auch zur Wisentzucht beigetragen.

Nun aber konnte man den beiden 22 und 23 Jahre alten Damen im letzten Jahr deutliche Alterserscheinungen anmerken. Besonders ?Nugana? konnte sich zunehmend schlechter bewegen, hatte eine Eintr√ľbung des Augenlichts und nahm auch deutlich ab.
Das Hegepersonal hat in regelm√§√üiger Absprache mit den betreuenden Tier√§rzten versucht, √ľber Zuf√ľtterung den Allgemeinzustand der Tiere zu verbessern, konnte das Ende aber letztlich nur aufschieben. Da es keinem der beiden Tiere zugemutet werden konnte, alleine zu bleiben oder sich in ihrem hohen Alter noch an eine fremde Herde zu gew√∂hnen, mussten jetzt beide Wisente in Abstimmung mit und unter Aufsicht von Tier√§rzten eingeschl√§fert werden. Das teilten jetzt die Untere Naturschutzbeh√∂rde des Kreises als Tr√§ger des Wildgeheges und der Naturschutzverein Neandertal mit.

Gleichwohl möchte der Kreis Mettmann zur Arterhaltung des vom Aussterben bedrohten Wisents beitragen und daher die Zucht wieder aufnehmen.

Hierf√ľr entsteht zurzeit auf den hoch gelegenen Fl√§chen des Wildgeheges in Erkrath-Hochdahl mit dem ?Neandertalhof? eine Wisentzuchtanlage. Voraussichtlich im kommenden Fr√ľhjahr sollen die ersten Jung-K√ľhe im Gehege Einzug halten.
https://rp-online.de/nrw/staedte/mettmann/neandertal-wisent-damen-nugana-und-nutella-mussten-altersbedingt-eingeschlaefert-werden_aid-54537613
(17.11.2020, 15:35)
th.oma.s:   naja und nicht nur bialowieza. ist m.e. trotzdem bemerkenswert so eine sache in diesem land durchzuziehen. wenn ich daran denke, was mittlerweile f√ľr ein lebensraumpotential da ist und wie z√∂gerlich man mit der freisetzung wegen allerm√∂glicher besitzst√§nde, zust√§ndig-keiten umd meines erachtens auch gleichg√ľltigkeit einfach nicht an die sache ran geht.
(20.04.2010, 21:32)
WolfDrei:   Bisher glaubte ich, Bialowieza l√§ge auch in Europa
(20.04.2010, 19:59)
cajun:   Das nenne ich doch mal einen furiosen Start f√ľr das Projekt:

Wisent-Projekt läuft nach turbulentem Start planmäßig

Jungbulle suchte die Freiheit - Alle Tiere wohlauf
Europaweit einmaliges Artenschutzprojekt beginnt

Bad Berleburg, 24. M√§rz 2010. Die Freisetzung der Wisente im Rothaargebirge verlief turbulenter als geplant: Nach dem √Ėffnen der Lkw-T√ľr st√ľrmte der dreij√§hrige Jungbulle ‚ÄěEgnar" in die Freiheit, √ľberwand den Zaun des Eingew√∂hnungsgeheges und suchte Schutz im angrenzenden Wald. Bereits wenige Minuten sp√§ter gelang es den Tierpflegern und Kreisveterin√§r Dr. Wilhelm Pelger den Jungbullen mit Hilfe eines Bet√§ubungsgewehrs so lange au√üer Gefecht zu setzen, bis er wohlbehalten ins vorbereitete Gehege zur√ľck gebracht werden konnte.
‚ÄěIm Vorfeld der europaweit einmaligen Auswilderungsaktion haben unsere Experten verschiedene Szenarien durchgeplant und dabei auch einen Fall wie diesen durchgespielt. Wir waren also gut darauf vorbereitet. Es bestand zu keiner Zeit Gefahr f√ľr Tier oder Mensch. Wisente sind Wildtiere und verhalten sich eben entsprechend. Wichtig ist: es ist niemand zu Schaden gekommen und Egnar ist wohlauf", sagt Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und zweiter Vorsitzender des Wisent-Vereins.
‚ÄěEgnar geht es gut, es besteht keine Gefahr f√ľr ihn. Er befindet sich aktuell wieder im Gehege und wird morgen noch einmal untersucht. Auch alle anderen Wisente sind in sehr guter Verfassung", sagt Kreisveterin√§r Dr. Wilhelm Pelger.
Nach dem turbulenten Start verlief die Aktion planmäßig. Mit zeitlicher Verzögerung konnten alle neun Tiere bis zum Abend in das Auswilderungsgehege entlassen werden.
Die im ca. 4.326 Hektar gro√üen Projektgebiet in Siegen-Wittgenstein eingetroffenen Wisente stammen vor allem aus Zuchtstationen und Tierparks und werden f√ľr voraussichtlich ein Jahr in einem gro√üz√ľgigen Eingew√∂hnungsgehege unter wissenschaftlicher Begleitung auf ihre sp√§tere Freisetzung vorbereitet. Danach sollen mittelfristig bis zu 25 Wisente durch die W√§lder des Rothaargebirges streifen.
Die frei lebende Herde soll unter anderem dazu beitragen die genetische Variabilit√§t der Art zu erh√∂hen. Das Eingew√∂hnungsgebiet selbst ist unzug√§nglich. Noch in diesem Jahr sollen Besucher daher in einem Erlebnisschaugehege einen Eindruck von Wisenten in freier Wildbahn gewinnen k√∂nnen. Geplant ist auch ein Informationszentrum √ľber den Wisent.Initiator des Artenschutzprojektes, das unter der Schirmherrschaft von Ministerpr√§sident Dr. J√ľrgen R√ľttgers steht, ist neben der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer der auf die Umsetzung von Naturschutz-Gro√üprojekten spezialisierte Verein Taurus Naturentwicklung e.V. (Jena). Gro√üe Unterst√ľtzung erf√§hrt das durch das Bundesamt f√ľr Naturschutz durch Mittel des Bundesumweltministeriums und das Ministerium f√ľr Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gef√∂rderte Projekt durch den Kreis Siegen-Wittgenstein und die Stadt Bad Berleburg.

Quelle: http://www.wisente-rothaargebirge.de/cms/front_content.php?idcat=36

Die HP scheint wieder regelmäßig aktualisiert zu werden.

(20.04.2010, 19:18)
Liz Thieme:   Ein im Rostocker Zoo geborener Wisentbulle wird sein Leben mit Artgenossen in freier Natur verbringen k√∂nnen. Das eineinhalbj√§hrige Tier geh√∂rt zu einer neunk√∂pfigen Wisentgruppe, die ab 3. Februar im westf√§lischen Rothaargebirge ausgewildert wird. Die ersten Tiere der Urviecher werden zun√§chst in einem Eingew√∂hnungsgehege aufgenommen, um sich sp√§ter auf einem 4300 Hektar gro√üen Gel√§nde anzusiedeln. Das ist Teil eines der aktuell gr√∂√üten internationalen Artenschutzprojekte.
Leitkuh Danga kommt aus Schleswig-Holstein, Bulle Egnar aus Hardehausen bei Paderborn. M√§nnliche und weibliche Jungtiere komplettieren die Herde. Die Kosten f√ľr die Auswilderung wird mit 1,5 Millionen Euro beziffert. Der Ideengeber zur Ansiedlung frei lebender Wisente und Grundst√ľckseigent√ľmer Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist am Ziel seiner Tr√§ume. Kommenden Mittwoch werden die ersten Wisente ausgewildert.
(12.02.2010, 21:10)
cajun:   @IP66: Das vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings gibt der eingestellte link in meinem vorherigen Posting vielleicht eine Antwort, wie man den Lebensraum im Rothaargebirge beurteilt.

Beim surfen bin ich noch auf eine andere Seite gesto√üen, die ich noch mal als link einstellen werde. Ich wei√ü nicht ob sie schon anderweitig im Forum steht, aber sie liest sich sehr interessant und enth√§lt auch einen Kommentar zum Unterartenstatus von Rotwild in Europa als Nebenprodukt eines Wisentnewsletters. Ohne Garantie auf Vollst√§ndigkeit oder Richtigkeit: einfach mal "dr√ľber lesen". :-)

http://biphost.spray.se/bison-info/bnd_204.htm


(25.11.2008, 20:15)
IP66:   Ist so eine kalte Mittelgebirgslandschaft denn ein geeignetes Biotop - ich verbinde Wisente eher mit den W√§ldern Preu√üens, den Ebenen Masowiens oder den doch schon eher mediterranen T√§lern des Kaukasus ...
(25.11.2008, 17:55)
cajun:   Gibt es eigentlich Neuigkeiten vom Wisentprojekt im Rothaargebirge?
Die News enden im Februar diesen Jahres, allerdings ist der Zeitplan so, das eigentlich aktuell die Tier in ihr Eingew√∂hnungsgehege kommen m√ľssten.

http://www.wisente-rothaargebirge.de/


(24.11.2008, 23:06)
?:   Wisente finden zumeist Abnehmer in Wildparks und Wildgehegen, Bisons teilweise bei Privatz√ľchtern , teilweise werden √ľberz√§hlige Tiere geschlachtet und verf√ľttert.
(09.06.2007, 13:23)
Herr Horst:   In vielen Zoos die ich kenne werden jedes Jahr Jungtiere bei den Wisenten bzw. Bisons geboren, wo kommen die denn alle hin?
(09.06.2007, 11:34)
IP66:   Hoffentlich wu√üte Heck das mit den Ariern und den Yaks - um einen nationalsozialistsichen Funktionstr√§ger zu beruhigen, der sich √ľber die falsch verpartnerten Auerochsen aufregen wollte.
(27.03.2007, 11:10)
Michael Mettler:   In Lutz Hecks "Tiere - Mein Abenteuer" von 1952 finden sich Teile der Wisent-Geschichte aus seinem Buch von 1941 wieder, wenn auch komplett umgeschrieben. So finden die fr√ľheren deutschen Machthaber hier keine Erw√§hnung mehr, die Einrichtung der Wisentzucht in Springe erfolgte lediglich "mit vollster staatlicher Unterst√ľtzung"....

Erstaunlicherweise taucht hier in Zusammenhang mit der Verdrängungszucht und im Gegensatz zu seinem elf Jahre vorher erschienenen Buch auch Heck sen. auf: "Da entstand der Plan, der von meinem Vater verfochten und von meinem Bruder und mir in die Tat umgesetzt wurde...."
(26.03.2007, 14:17)
WolfDreier:   Das mit den Yaks im "deutschen" Zoo hat insofern eine "Berechtigung", da man die Herkunft der Arier nach nationalsozialistischer Sicht u.a. in Tibet geortet hatte. Ernst Sch√§fer ist unter Nutzung dieser "Theorie" so erst zu seinen Tibetforschungen gekommen.
(26.03.2007, 13:41)
IP66:   Ich frage mich mittlerweile, wo ich den entsprechenden Hinweis gelesen habe. Es kann nat√ľrlich sein, da√ü die Sache geplant war und man auch gerne die Mittel f√ľr ein weiteres Rindergehege in Anspruch nahm, dann aber doch auf die Yaks zur√ľckgriff, die doch im "deutschen Zoo" selbst bei Zugrundelegung nationalsozialistischer Ausdehnungsbegriffe nicht recht etwas zu suchen hatten. Auf der anderen Seite finde ich es seltsam, da√ü derleichen in einer Diktatur m√∂glich war, zumal an so prominenter Stelle. Man darf aber nicht vergessen, da√ü es wohl eine Beziehung zwischen Herrn Kl√∂s und der Familie Heck gab und er mir in Fragen nationalsozialistischer Belastungen gerade bei der j√ľngeren Heck-Generation immer sehr vorsichtig vorkam. In seinen Zoogeschichten habe ich zwar nicht den Eindruck, da√ü er Dinge besch√∂nigen wollte, aber doch den, da√ü er die Rolle des Zoos vielleicht weniger politisch wahrnimmt, als sie es war, zumal er den Vorkriegszoo ja immer als ein Vorbild verstanden hat. Und ich halte es in der Tat nicht f√ľr so einfach, den beiden Hecks als Zooleitern in Berlin wirklich gerecht zu werden. Aber vielleicht finde ich meine Quelle ja doch noch, und es er√ľbrigt sich, mit Tendenzen argumentieren zu m√ľssen.
(26.03.2007, 11:09)
Karsten Vick:   Dass dieses von Ihnen genannte Gehege (entspricht ungef√§hr dem jetzigen Bartschweingehege) jemals eine Reserveherde Wisente beherbergte, daf√ľr spricht weder mein 1941er Zoof√ľhrer noch Kl√∂s' bauhistorisches Zoobuch. In letzterem wird es als Yakgehege betitelt, in ersterem gar keine Besetzung genannt, daneben standen 1,8 "Auerochsen", Yaks werden gar nicht erw√§hnt, die Wisente nur in ihrem Blockhaus.
(25.03.2007, 22:46)
IP66:   Waren die Wisente eigentlich Bestandteil des "deutschen Zoos" an der R√ľckseite des Rinderreviers. Jedenfalls k√∂nnte das den gro√üen Bestand erkl√§ren, denn dann standen mit dem alten Wisentgehege am russischen Blockhaus und dem neuen neben den Auerochsen-R√ľckz√ľchtungen ja zwei Gehege zur Verf√ľgung.
Priemel hat also im Grunde so etwas organisiert wie ein nationales EEP - während in Sachen Milu und Hawai-Gans ja eher die Methode war, einen privaten Zuchtstamm in einer privaten Haltung zu installieren.
(25.03.2007, 11:05)
Karsten Vick:   Die Angabe auf Seite 126 bezieht sich auf den Bombenangriff November 1943, nicht auf das Kriegsende. Und sie waren zu der Zeit gar nicht in Berlin, siehe Zoo-Chronik "Von der Menagerie zum Tierparadies". S. 124 stehen sie zwar auch bei den √úberlebenden der Bombenn√§chte, S. 117 sind aber schon im April bis September 1943 12 Wisente nach Augsburg, Breslau und in die Schorfheide ausgelagert und S. 122 schreibt Lutz Heck: S√ĄMTLICHE Wisente sind (durch Auslagerung) gerettet. Man kann es auch so lesen, dass nach November 43 noch mal Wisente ausgelagert wurden, aber ich glaube nicht, dass Anfang 43 vierundzwanzig Wisente in Berlin standen. Erna Mohr wirds genau wissen.
(25.03.2007, 10:15)
Carsten:   Vielleicht ausgelagert oder irgendwo eingestellt?

Oder da hat einfach jemand nen Bock geschossen, g... Dann ist nat√ľrlich die Frage, ob Seite 126 oder 240 richtig ist...
(24.03.2007, 23:50)
Michael Mettler:   Wie beim Davidshirsch st√∂√üt man auch beim Wisent auf interessante Widerspr√ľche. In der Berlin-Chronik "Die Arche Noah an der Spree" steht auf S. 240: "Auch der alte Berliner Zoo besa√ü vor dem 2. Weltkrieg eine bekannte Zucht reinbl√ľtiger Wisente, die leider restlos vernichtet wurde." Auf S. 126 des selben Buches finden sich aber unter den Tieren, welche das Kriegsinferno √ľberlebt hatten, auch "zw√∂lf Wisente". Wie ist denn das zu erkl√§ren?
(24.03.2007, 22:53)
Michael Mettler:   @IP66: Priemel hat die Wisente nicht in Frankfurt zusammengeholt, die blieben doch weitgehend an ihren Standorten. Da, so weit ich mich erinnere, das Geschlechterverh√§ltnis ohnehin relativ ausgeglichen war, h√§tte man eh viele Bullen getrennt unterbringen m√ľssen - die wurden ja dann teilweise f√ľr die Verdr√§ngungszucht genutzt.
(24.03.2007, 19:06)
Walter Koch:   Inzucht aus der Not, keine weiteren
Tiere zur Verf√ľgung, ist akzeptabel.
Aber Inzucht aus Bequemlichkeit und
organisatorischen Schwierigkeiten ist
abzulehnen.

Letzteres läuft der Aufgabe "letzte Zu-
flucht Zoo" einfach zuwider. Auch die
positiven Ergebnisse beim Milu und z.B.
bei der Mendesantilope sind keine Frei-
fahrtscheine f√ľr die bewu√üte Schaffung
von Flaschenhälsen.

Es war ein Wisent-Kenner, der selbst
eine Herde betreut, der sagte: Der
Wisent verkommt zur Ratte. Und weiter
Sinngemäß: Die Zucht muß wieder ernst
genommen werden.
(24.03.2007, 16:20)
IP66:   Ich will niemanden nerven und stimme Herrn Mettlers Berichten zur bevorzugten Gehegegr√∂√üe von Herrn Heck sen. durchaus zu, mu√ü aber darauf beharren, da√ü f√ľr die Wisente in Berlin denkbar viel Platz war, mehr als f√ľr ihre Artgenossen in K√∂ln oder Duisburg zur Nachkriegszeit, denn das Gehege vor dem russischen Blockhaus ist das von Heck geschaffene. Und wenn Herr Priemel die Wisente wirklich in Frankfurt zusammengezogen hat, standen sie da doch nicht in gr√∂√üeren Gehegen als in Berlin.
(24.03.2007, 16:05)
Michael Mettler:   Laut Lutz Hecks "Auf Tiersuche in weiter Welt" von 1941, wo der Wisent-Erhaltung ein ganzes Kapitel gewidmet ist, geht √ľbrigens die Gr√ľndung des Wisentgeheges in Springe allein auf die Initiative von Heck jun. zur√ľck; sein Vater findet darin keine Erw√§hnung. G√∂ring schaltete sich erst sp√§ter (etwa 1933) in die Wisenthege ein, und es liest sich so, als sei auf seinen Erlass hin der damalige, bisonbl√ľtige Springer Bestand in die Schorfheide √ľberf√ľhrt worden, um die Zucht dort und in anderen Gattern auf breitere Basis zu stellen - unter anderem durch den Import von Bisonk√ľhen aus Kanada. S√§mtliche m√§nnlichen Nachkommen der Verdr√§ngungszucht wurden abgeschossen, nur die K√ľhe immer wieder mit reinen Wisentbullen verpaart.
(24.03.2007, 09:41)
Karsten Vick:   Wer bei einem bekannten Bestand von fast 400 Tieren plus X im Kaukasus von Inzucht und Schw√§che jammert, der wird sicher nicht mit den 18 definitiv letzten Artvertretern hoffnungsvoll ein Erhaltungszuchtprogramm beginnen, von der Platzfrage mal ganz abgesehen.
(18 bezieht sich nat√ľrlich auf den Milu, aber die Themen sind ja sowieso vernetzt)
(23.03.2007, 23:16)
Michael Mettler:   Aus einer Textstelle seiner Lebenserinnerungen geht hervor, dass Heck senior trotz allen Lobes f√ľr den M√ľnchner Geo-Zoo seines Sohnes Heinz nicht viel von gro√üen Gehegen hielt, da das in seinen Augen ung√ľnstige Verh√§ltnis zwischen verbrauchter Fl√§che und d√ľnnem Besatz f√ľr weniger Aufmerksamkeit beim Publikum sorge und dem Konzept der systematischen Tiersammlung im Wege stehe.... Folglich wurden auch nur in Ma√üen Freisichtgehege im Berliner Zoo seiner √Ąra angelegt, da kleine K√§fige und Gitterausl√§ufe eben mehr Tierarten auf der selben Fl√§che zulie√üen. Somit war auch kein Platz f√ľr die Bildung einer gr√∂√üeren Herde irgendeines bedrohten Huftieres, da Heck andere Aufgaben wichtiger schienen. "Bei Heck heckt alles" war zwar der Ruf, den er sich schon als junger Tierg√§rtner erworben hatte - aber das war noch zu seiner K√∂lner Zeit....
(23.03.2007, 16:55)
IP66:   Vielleicht sah Heck Erhaltungszucht auch wirklich nicht als seine Aufgabe. Die Erhaltung des Wisent erfolgte ja erst einmal "in situ" und auf Initiative der russischen Krone, bei den Milus war es ein englischer Landadliger, der eben auch nicht s√§mtliche erreichbaren Hirscharten dieser Welt ausstellen mu√üte - oder konnte. Schlie√ülich nahm man das Aussterben von Arten in den Zoos im 19. Jahrhundert vielleicht weniger ernst als heute - wobei ja auch heute manch seltenes Exemplar ohne gro√üe Aufmwerksamkeit des Publikums dahinlebt - man denke an die wei√üen Uakaris oder die Wei√ünasensakis in K√∂ln.
(23.03.2007, 16:45)
Michael Mettler:   Wenn ich mir Hecks Einstellung vor Augen halte und dazu seine recht n√ľchterne Abhandlung des Themas Milu, wage ich zu bezweifeln, dass er oder auch jeder andere Zoodirektor seiner √Ąra sich wirklich mit Gedanken an etwas befasst hat, was wir heute Erhaltungszuchtprogramm nennen w√ľrden. Immerhin geh√∂rten zu Hecks Lebzeiten Tiere wie Quagga, Burchellzebra, Schomburgkhirsch, Wandertaube oder Carolinasittich zu den Bewohnern verschiedener Zoos, bei denen man sich keine sonderliche M√ľhe machte, versprengte Einzeltiere zu Zuchtbest√§nden zusammen zu f√ľhren.

Eine aktive Rolle des Berliner Zoos dieser √Ąra in der Artrettung scheint es nach meinem Empfinden und dem, was ich an √§lteren Quellen bisher gelesen habe, nicht gegeben zu haben. Wenn jemand mit aus dem reichhaltigen Berliner "Fundus" stammenden Tieren eine Art rettete, hatte man sicherlich nichts dagegen, aber von Eigeninitiative ist nirgends etwas √úberzeugendes zu sp√ľren.
(23.03.2007, 16:31)
Karsten Vick:   Sch√∂n, Ingo, dass du dich immerhin angesprochen gef√ľhlt hast;-) Vielleicht findest du mal die Zeit, einige Zoodaten zu liefern. Dass Erna Mohrs Buch den Stand von 1952 darstellt, ist nicht weiter schlimm, denn die spannendste Zeit war davor. Danach gings eigentlich nur noch aufw√§rts.
Die Einsch√§tzung Hecks √ľber den Wildbestand zu der Zeit sind eindeutig zu pessimistisch, aber er konnte es auch z. T. nicht besser wissen.
Im Kaukasus haben zu der Zeit noch gesch√§tzte 1000 Tiere gelebt, teils sogar noch auf der persischen Seite der Grenze, aber der europ√§ischen Gelehrtenwelt war dar√ľber kaum etwas bekannt. In Bialowieza waren die Tierzahlen genau bekannt und der damals ablesbare Trend konnte einen schon pessimistisch stimmen: 1803 verbot Zar Alexander I. die Wisentjagd und setzte eine Reihe von Ma√ünahmen zur Bestandssteigerung ein. Die Folge war ein Anstieg der Population mit dem H√∂hepunkt von 1898 Tieren im Jahre 1857. Von da an aber gings wieder bergab, nat√ľrlich nicht wegen "Inzucht", sondern wegen totaler √úberbelegung des Reviers, damit steigender Krankheits- und Parasitenanf√§lligkeit. Bis 1890 war der Bestand auf 391 gesunken, kein Wunder, dass Heck an ein baldiges Aussterben glaubte.
(23.03.2007, 15:04)
Michael Mettler:   Nun, Heck erw√§hnt ja Unfruchtbarkeit und Schw√§chlichkeit der Nachzucht der kaiserlichen Wisente. Seine wenig zuversichtliche Einstellung d√ľrfte dann vielleicht darin begr√ľndet sein, dass dies bei seinen eigenen Tieren nicht viel anders war.
(23.03.2007, 12:42)
IP66:   Interessant ist, da√ü Heck f√ľr seine Herde ja sogar einen - russischen - Stilbau nebst recht ger√§umigem Gehege errichtet hatte und es trotzdem mit der Zucht so recht nicht vorw√§rts ging. K√∂ln hat doch bis in die 70er in einem verglichbar gro√üen resp. kleinen Gehege Wisente gez√ľchtet. Und schlie√ülich wird Alexander II. seine Prachtiere ja nicht nur nach Berlin verschenkt haben.
(23.03.2007, 11:01)
Michael Mettler:   In Ludwig Hecks "Lebendige Bilder aus dem Reich der Tiere" von ca. 1899 findet sich unter dem Bild zweier Wisente im Berliner Zoo ein Text, der eher nach Abschiedsrede als nach geplanter Artrettung klingt:

"Die Tage ihres Daseins sind gez√§hlt, sie sind unrettbar dem Aussterben verfallen. (...) Der russische Wisent wird zwar im Leibrevier des russischen Kaisers zu Bjelowjesha (polnisch Bialowiczka) streng geschont, geht dort aber an seiner eigenen Unfruchtbarkeit und der Schw√§chlichkeit der Nachzucht, die nat√ľrlich nur Inzucht ist, langsam zu Grunde. Im Kaukasus kommt er auch noch vor, aber so vereinzelt und unst√§t, dass dort ebenfalls bereits das Ende abzusehen ist. Durch die Gnade Kaiser Alexander II. wurden seinerzeit eine ganze Anzahl zoologischer G√§rten mit den pr√§chtigen Schaust√ľcken versorgt. Nachschub ist aber inzwischen nicht erfolgt, und so ist heute unsere Zucht von 6 St√ľck die einzige forterhaltene in einem zoologischen Garten und neben einer kleinen Herde des F√ľrsten Pless auch die einzige ausserhalb Bialowiczkas."

Um nochmals die Querverbindung zum Milu zu schaffen: Wenn man sich diese pessimistische Einstellung Hecks (quasi die Verwaltung des Untergangs) ansieht, kann man sich nur schwer vorstellen, dass eben dieser Heck zu den "Helden der Zoowelt" geh√∂rt haben soll, der seine Davidshirsche voller Hoffnung f√ľr eine Erhaltungszucht zur Verf√ľgung stellte. Denn der Milu war zu dieser Zeit in einer absolut vergleichbaren Situation.
(22.03.2007, 23:58)
Ingo Rossi:   Leider fehlt mir im Moment die Zeit ausf√ľhrlicher zu berichetn, aber das Buch von E.Mohr lohnt sich wirklich.
Sie beschreibt recht ausf√ľhrlich die Best√§nde der damaligen zeit, auch gubt es Ahnentafeln. Beigelegt ist eine Ahnentafel der Wisentkuh Avena (*23.08.48)aus der schwedichen Johnson-Herde. Auch beschreibt sie die zwischen den Kriegen bestehenden Best√§nde in Europa.
Der Nachdruck ist, wie das Original, in der Neuen-Brehm-B√ľcherei erschienen und bestimmt auch bei Dr.Sch√ľling zu bestellen.
Erscheinungsjahr ist allerdings 1952 und da enden auch die Informationen.
W√ľrde gerne mehr daraus berichten, aber leider ruft die Arbeit zu laut. Bei Bedarf aber gerne n√§chste Woche.
(22.03.2007, 18:00)
Karsten Vick:   Ach ja, nicht nur ich bevorzuge bei Wisenten und Pythons den m√§nnlichen Artikel, hier gibt mir der Duden auch recht. Ich werde mir erlauben, den Threadtitel zu √§ndern...
(22.03.2007, 17:26)
Karsten Vick:   Nicht vor 7-8, sondern vor 13-14 Jahren, n√§mlich 1993 war das.
Ansonsten gibt es zum Wisent im Gegensatz zum Davidshirsch eine Quelle, in der, so hoffe ich jedenfalls, ALLES drinsteht was wissenswert ist, und das ist die schon von mir genannte Wisentmonografie von Erna Mohr. Diese Frau kannte sicherlich alle 56 Restwisente nach dem I. Weltkrieg pers√∂nlich und hatte gro√üe Erfahrungen mit diesem Tier. Nach Werner Trenses Lebenserinnerungen konnte sie sogar liebesm√ľde Wisentstiere wieder zum Springen bringen (wie sie das machte wei√ü er nicht, da Erna keine Zuschauer dabei haben wollte). Jedenfalls muss hier erstmal ein Besitzer dieses Buches seine Stimme abgeben, ich werd hier nicht wieder anfangen zu orakeln;-)
(22.03.2007, 17:24)
WolfDrei:   U. a. ist einiges √ľber die Gr√ľndung in einem Beitrag von Dr. Fr√§drich im "Bongo" zu finden-so vor 7-8 Jahren
(22.03.2007, 13:14)
IP66:   Nachdem sich so ziemlich alls Gewi√üheiten in Sachen Rettung des Milus in Luft aufgel√∂st haben, wollte ich die selbe Frage in Sachen Wisent stellen. Hier war immerhin ein Zoodirektor am Werk, Herr Priemel aus Frankfurt. Aber wo standen die Zuchtgruppen eigentlich? Wurden die Ausgangstiere zusammengekauft oder zusammengeschenkt? Wie sah die Mitgliederliste der Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents aus?
(22.03.2007, 11:57)

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