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Richtlinien f√ľr EEPs und Zuchtb√ľcher



cajun:   Die Meldung aus Jihlava verbirgt in eine Nebeninfo:
Zwei männliche Goldtakine gingen aus Liberec nach Java. Gibt es wirklich schon zuviele in Europa? :-)
Interessant ja der Hinweis auf "zuk√ľnftige Kooperationen".
zoojihlava.cz ‚Äď 24. M√§rz 2021
Z jihlavsk√© zoo odcestovaly tŇôi samice antilop nyal n√≠Ňĺinn√Ĺch aŇĺ do Indon√©sie
Aus dem Zoo Jihlava reisten drei weibliche Tiefland-Nyalas nach Indonesien
Obwohl die Zoos derzeit f√ľr die √Ėffentlichkeit geschlossen sind, ist dort immer noch Leben und der Transport und Austausch von Tieren zwischen ihnen hat nicht v√∂llig aufgeh√∂rt. Wir haben es geschafft, den Transport von drei in unserem Zoo im Jahr 2019 geborenen Tiefland-Nyalas (Tragelaphus angasii) in den Batu Secret Zoo auf der Insel Java in Indonesien zu organisieren. Am 17. M√§rz 2021 flogen die Antilopen vom Flughafen "V√°clav Havel" in Prag zusammen mit zwei jungen m√§nnlichen Goldtakinen (Budorcas taxicolor bedfordi) aus dem Zoo Liberec. Alle transportierten Tiere kamen am 19. M√§rz morgens in einwandfreiem Zustand in Indonesien und im Zoo an. "Der Transport zwischen Zoos innerhalb Europas ist heute ein sehr h√§ufiger und integraler Bestandteil der Funktionsweise von Zoos. Lang- und Lufttransporte zwischen Zoos √ľber Kontinente hinweg sind jedoch seltener und viel anspruchsvoller. Sie sind jedoch nicht weniger wichtig f√ľr die Erhaltung der genetischen Vielfalt und der gesunden Populationen einzelner Tierarten, die in Zoos in menschlicher Obhut gehalten werden. Dar√ľber hinaus ist der Batu Secret Zoo eine moderne Institution mit Qualit√§t, und der Aufbau einer Zusammenarbeit mit ihm kann uns in Zukunft die T√ľr im Rahmen der Zuchtkooperation mit anderen Tierarten √∂ffnen‚Äú, erkl√§rt der Direktor des Zoos Jihlava, Jan VaŇ°√°k.
Quelle und √úbersetzung Zoopresseschau
(06.04.2021, 16:56)
W. Dreier:   Der Rest
(05.04.2019, 14:14)
W. Dreier:   nebenstehende Aufstellung fand ich im N√ľrnberger Zoo-Journal - ``Umstellung`` des EEP-Begriffes
(05.04.2019, 14:11)
Oskar Schwitters:   Passt hier zwar nicht ganz rein, hab aber nichts passenderes gefunden:
www.zoodirektoren.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=5791:eu-kommission-evaluiert-die-eu-zoorichtlinie-ihre-mitarbeit-ist-gefragt&Itemid=150
(09.11.2016, 19:11)
WolfDrei:   Habe keine geeignete Spalte gefunden:

Nomenklaturfragen:
Panthera tigris corbetti versus P. t. jacksoni

F√ľr uns Laien scheint sich seit dem Vormarsch der elektronischen Medien im Verst√§ndnis der Benennung neuer Arten und der Arrt der Hinterlegung der Spezifit√§ten etc . einiges gewandelt zu haben.
Heute gefunden: Internationale Regeln f√ľr zoologische Nomenklatur: wichtige √Ąnderungen. in: Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Hamburg, Neue Folge, 47; (2013) , Seiten 229-236. Habe es nur √ľberflogen. Es geht insbesondere um Methoden der Publizierung, speziell elektronischer Publikationen. Die scheinen nun gleichberechtigt zu sein wenn sie auch ver√∂ffentlicht werden im "Official Register of Zoological Nomenclature (ZooBank)"
M√∂glicherweise ergibt sich zwischen alter Hinterlegung und den elektronischen M√∂glickeiten f√ľr konservative Zoologen durchaus Probleme der Anerkennung. Ich habe als Student, neben dem Naturkundemuseum im sogenannten Westfl√ľgel in der Invalidenstra√üe sitzend, die Kontroversn zwischen Henningisten und Nicht-Henningisten im Museum miterlebt - da flogen die T√ľren!
(04.06.2013, 19:32)
Oliver M√ľller:   Hallo Liz, danke f√ľr den Hinweis! Wahrscheinlich ist es genau das, was ich meine.
(07.05.2011, 09:29)
Liz Thieme:   Was genau meinst du? Ein EEP hat nicht direkt Haltungsrichtlinien. Allerdings h√§ngen ihnen oft die Husbandry Manuals an.
Die staatlichen sind noch mal anders.

Google einfach mal husbandry manual und dann den Tiernamen in Englisch oder wissenschaftlich anhängen. Man findet viel, wenn man sich Zeit nimmt.
(05.05.2011, 15:43)
Oliver M√ľller:   Gibt es irgendwo im Internet die Haltungsrichtlinien der EEPs zum Nachlesen? Danke im voraus f√ľr Tipps.
(05.05.2011, 14:11)
Michael Mettler:   @nurmichael: Wobei sich, um bei meinem Gedankengang und Ihrem Beispiel zu bleiben, selbst bei multifaktoriellem Erbgang die "schnellen" Tiere aus "langsamen Eltern" eher das Genick am Gehegezaun brachen als ihre "langsamen" Artgenossen.... Oder aber st√∂rungsempfindlichere Individuen ihre Jungen nicht aufzogen, dies unter nat√ľrlichen Bedingungen aber wom√∂glich getan h√§tten usw. Will sagen: Schon in der Fr√ľhzeit der Zoozucht wurde eine weitere Auslese getroffen, teils durch die Tiere selbst (manche kamen mit den Bedingungen nicht zurecht), teils durch die Halter (ruhige, umg√§ngliche oder besonders pr√§chtige Tiere wurden f√ľr die Weiterzucht behalten, schwer zu handhabende oder weniger dem Idealtyp entsprechende lieber abgegeben oder ausgemerzt).

Um ein zugegebenerma√üen krasses Beispiel zu verwenden, inwieweit der Erhalt der gesamten genetischen Bandbreite am gegenwartsfixierten menschlichen Idealbild scheitert: Ein "Dackeleisb√§r" wie die Gelsenkirchener B√§rin Antonia w√ľrde wohl kaum zur Weiterzucht eingesetzt, selbst wenn die Blutlinie noch so wertvoll w√§re. Verglichen mit einem normalen Eisb√§ren ist sie nach menschlichen Ma√üst√§ben ein "fehlerhaftes Exemplar", unter dem Blickwinkel der Evolution betrachtet k√∂nnte sie aber - falls es sich um eine mutationsbedingte und vererbbare Zwergw√ľchsigkeit handelte - ein interessantes Testexemplar sein: Wom√∂glich konnte diese K√∂rperform unter bestimmten Bedingungen einen Selektionsvorteil bieten, so dass das erste zwergw√ľchsige Tier der Beginn einer neuen Entwicklungslinie w√§re. Kann sich die Mutation hingegen nicht durchsetzen, stirbt sie halt wieder aus. Aber wer kann schon heute beurteilen, welche K√∂rperform f√ľr einen Eisb√§ren in der Zukunft und unter vielleicht stark ver√§nderten Lebensbedingungen ideal sein wird? Schlie√ülich haben sich auch andere "Dackelfiguren" wie z.B. der Waldhund oder das Spitzbergen-Rentier in der Natur etabliert.

Angenommen, wir "erhaltungsz√ľchten" nun also unseren "Ideal-Normal-Eisb√§ren" √ľber die als Zeitraum immer mal wieder genannten zweihundert Jahre hinweg in den Zoos und h√§tten dann die Chance, ihn dort wieder auszuwildern, wo seine Vorfahren einst lebten. M√∂glicherweise hat sich der Lebensraum inzwischen ver√§ndert und bietet dem riesigen Tier nicht mehr genug Nahrung - w√§hrend seine Zwergform ganz gut zurecht k√§me. Leider aber war diese Zwergform damals nicht in der Natur, sondern zuf√§lligerweise in einem Zoo erstmals aufgetreten und aussortiert worden... Nun stehen wir da, mit einem sorgf√§ltig auf dem Stand einer willk√ľrlich festgelegten √Ąra "konservierten" Zoo-Eisb√§renbestand, der leider nur noch unter Zoobedingungen leben kann, weil sich die Natur inzwischen weiterentwickelt hat. Letztlich also ebenfalls eine "tierparkensis"-Variante...

Wenn es die Maxime einer Erhaltungszucht sein soll, so viele verf√ľgbare Gene wie m√∂glich im Bestand zu erhalten, dann d√ľrfte folglich auch keine Zucht nach "Rassestandard" betrieben werden. Es ist nachvollziehbar, wenn Tiere mit medizinisch erwiesenen Schadgenen (also solchen, die der Gesundheit des Tr√§gers schaden; aus der Nagerzucht kenne ich z.B. erbliche Epilepsie bei Rennm√§usen) aus der Zucht genommen werden, aber es wurden (und werden wahrscheinlich noch) auch Tiere mit "falschen" Farben, wei√üen Flecken oder abweichender Geh√∂rnform ausselektiert - und das widerspricht dem Grundsatz der Erhaltung der "vollen Bandbreite". Und auch darauf will ich hinaus: Es wird ein hehres Ziel postuliert, aber man h√§lt sich selbst nicht dran.
(29.07.2007, 23:31)
nurmichael:   Ich habe nicht behauptet, dass es keine vererbbaren Verhaltensweisen gibt, ich zweifele indes an, dass der erfolgreiche Fang oder die gelungene Eingew√∂hnung ein Beweis f√ľr eine entsprechende Auslese ist, vorausgesetzt die Anzahl der Tiere ist gro√ü genug.

Beispiel Geschwindigkeit: L√§ge hier ein monofaktorieller Erbgang vor, m√ľssten alle Tiere einer regionalen Population entweder ‚Äěgenetisch gleich schnell‚Äú sein bei einem dominanten Erbgang oder einzelne Tiere (ca. 25 %) h√§tten ‚Äěgleich schnelle Gene‚Äú bei einem rezessiven Erbgang. Wahrscheinlicher ist aber ein multifaktorieller Erbgang, dann aber k√∂nnten ‚Äělangsame‚Äú Eltern bei entsprechender Kombination der Gene im Zoo durchaus ‚Äěschelle‚Äú Nachkommen zeugen.

Aber bitte ich gehe mit Ihnen konform in der Ansicht, dass bei Fang, Eingew√∂hnung, Haltung und Fortpflanzung sich genetische Unterschiede in der Zoopopulation gegen√ľber der der wildlebenden Artgenossen manifestieren k√∂nnen. Daraus ergibt sich ja meine Forderung, m√∂glichst alle Individuen an der Erhaltungszucht (insbesondere bei schmaler Zuchtbasis) zu beteiligen, um diese Differenz nicht zu gro√ü werden zu lassen.
(29.07.2007, 21:44)
Michael Mettler:   @nurmichael, ganz einfach: Jeder Tierz√ľchter, der Tiere √ľber Generationen hinweg z√ľchtet, Kontakt zu anderen Z√ľchtern h√§lt und dadurch einen √úberblick gewinnt, ob sich bestimmte Eigenschaften in Zuchtst√§mmen auff√§llig h√§ufen, die bei anderen St√§mmen unter gleichen Bedingungen nicht auftreten. Als ehemaliger Nagerz√ľchter habe ich da schon einiges gesehen und z.B. gelernt, mit √ľbernerv√∂sen Tieren nicht weiter zu z√ľchten. Nun kann man sagen, das w√ľrde sich das Jungtier vom Muttertier absehen - aber was ist, wenn das in einer Rattengruppe auftritt, in der die Jungen unterschiedslos von allen Weibchen (also auch von nicht nerv√∂sen)betreut werden und trotzdem im Verhalten nur der Mutter gleichen...? Anderes Beispiel: Es wird in der Heimtierliteratur immer wieder erw√§hnt, dass Albino-M√§use nicht von Tischen usw. spr√§ngen, weil ihnen angeblich die F√§higkeit fehlt, Entfernung bzw. Tiefe einzusch√§tzen. Nun, ich hatte einen Stamm Albinos, der ausgezeichnet und zielsicher zu springen vermochte.

Auf den Fang von Wildtieren √ľbertragen w√ľrde das z.B. bedeuten, dass man mit einem Fangwagen wahrscheinlich nicht gerade die schnellsten und /oder wendigsten Tiere fing, mit einem Netz nicht die besten Springer und geschicktesten Flieger und mit einer Falle wom√∂glich nicht die vorsichtigsten und/oder kl√ľgsten Individuen....

Damit will ich keineswegs behaupten, dass ALLE Eigenschaften erblich sind, denn z.B. bei der Feindvermeidung (und dazu geh√∂rt ja auch das Ausweichen beim Fang) spielt nat√ľrlich Erfahrung eine gro√üe Rolle. Aber die M√∂glichkeit, DASS man - sehr √ľberspitzt ausgedr√ľckt - beim Fang eventuell nur die "B-Mannschaft" erwischte und zu Foundern der Zoozucht machte, sollte man m.E. nicht √ľbersehen.

F√ľr den Menschen gibt es √ľbrigens die so genannte Zwillingsforschung, die sich ganz gezielt mit dem Thema befasst, welche Verhaltensweisen ererbt und welche durch die Umwelt gepr√§gt werden. Dabei wird untersucht, wie sich eineiige Zwillinge entwickeln, nachdem sich ihr Lebensweg trennt (was ja in manchen F√§llen bedingt durch Adoption schon im fr√ľhesten Alter passieren kann). G√§be es keine vererbbaren Verhaltensweisen, h√§tte man diesen Zweig der Forschung l√§ngst wieder eingestellt.
(28.07.2007, 21:42)
nurmichael:   Zustimmung, nur wer verr√§t uns die genetische Causalit√§t bestimmter Verhaltensweisen?
(28.07.2007, 20:52)
IP66:   Ich w√ľrde es eine besondere Form von Auslese nennnen, bei der bestimmte F√§higkeiten von Tieren eine Rolle spielen, die genetisch bedingt sein k√∂nnen, nicht m√ľssen. Aber eine genetisch bedingte hohe Schreckhaftigkeit ist eben ein Nachteil, wenn es um Eingew√∂hnung und Nachzucht im Zoo geht, ebenso ein hohes Aggresivit√§tspotential.
(28.07.2007, 20:45)
nurmichael:   @ Michael Mettler, Sie unterstellen, dass die von Ihnen geschilderten Verhaltens√§u√üerungen bei Fang, Eingew√∂hnung etc. genetisch bedingt sind. Wenn das so w√§re h√§tten Sie Recht. Ich hingegen bin mir nicht sicher, ob hier genetische Ursachen vorliegen. Gerade im Verhalten von Tieren sind individuelle Muster nachweisbar, die genetischen Ursprung wenig wahrscheinlich sein lassen.
(28.07.2007, 20:05)
IP66:   Ich halte es ja auch nicht f√ľr falsch, nicht bedrohte Arten zu z√ľchten. Hier w√ľrde ich aber tats√§chlich empfehlen, ab und an Wildf√§nge in die Zucht hineinzunehmen, insbesondere dann, wenn die Gruppe zu klein wird und sich gen√ľgend Halter finden. Wie sieht es denn derzeit in der Robbenhaltung aus? Allenthalben werden Seel√∂wen und Seehunde gehalten, die √ľbrigen Arten verschwinden, und dort, wo man sie z√ľchtet, hat man Schwierigkeiten, den Nachwuchs abzusetzen. Dabei k√∂nnte ich mir durchaus vorstellen, da√ü in einer Robbenanlage wie in M√∂nchengladbach oder Bochum solche Arten leben k√∂nnten, ich habe aber den Eindruck, da√ü die dortigen Personalresourcen f√ľr eine Beschaffung einfach nicht ausrichen, sich also eine Art Patenzoo finden m√ľ√üte, der die Tiere mitbetreut - was aber doch m√∂glich w√§re: M√ľnster k√∂nnte so seine Nachzuchten an Kegelrobben in Bochum unterbringen, Heidelberg k√∂nnte Tochergruppen seiner M√§hnenrobben etablieren.
(27.07.2007, 11:06)
Michael Mettler:   @th.oma.s:
Zu a): Wenn die Wildpopulation tatsächlich ausstirbt und der verwaiste Lebensraum mit Tieren aus der Zoo-Erhaltungszucht wiederbesiedelt werden kann (wie z.B. bei Wisent oder Alpensteinbock), kommt es letztlich nicht mehr darauf an, ob diese sich inzwischen genetisch von ihren ehemaligen wilden Artgenossen unterscheiden - eine Vermischung kann dann ohnehin nicht mehr stattfinden. Sollte die Ursache des Aussterbens darin gelegen haben, dass sich der Lebensraum der wilden Population verändert hat, ist womöglich sogar der auf Anpassungsfähigkeit selektierte Zoo-Stamm besser in der Lage, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen...

"Nicht bedroht" ist ein Zustand, der sich in Windeseile √§ndern kann, deswegen w√§re ich sehr vorsichtig damit, heute h√§ufige Tierarten von Erhaltungszuchten auszuschlie√üen. Ich erinnere an das mehrfache Auf und Ab bei der Saiga oder an den Zusammenbruch der indischen Geierpopulationen - vom Beispiel Wandertaube ganz zu schweigen. Auch der Drill war schon weitgehend aus den Zoos verschwunden, weil man andere Arten f√ľr wertvoller erachtete. Im Bedarfsfall schnell zu reagieren und f√ľr eine vorher h√§ufige Art spontan ein Rettungsprogramm zu initiieren, kann z.B. wegen der Einfuhrbeschr√§nkungen f√ľr Huftiere (z.B. bei Bedrohung durch Rinderpest- oder Milzbrandepidemien usw.) eine fast unl√∂sbare Aufgabe sein.
(26.07.2007, 20:46)
th.oma.s:   "Es kann also bei den noch wild lebenden Artgenossen, denen niemand die Partnerwahl vorschreibt, im Prinzip zu genau dem Effekt kommen, der im Zoo bef√ľrchtet wird: Dass sie mit ihren Verwandten in Menschenobhut nicht mehr viel gemein haben."

ja aber:
a) wahrscheinlicher ist heute das aussterben der von Ihnen beschriebenen wildpopulation, eine erhaltungszucht nicht bedrohter tierarten ist m.e. unfug;

b) erhaltungszucht heist m.e. den unten beschriebenen evolutionsprozess vorsätzlich nicht zuzulassen und auf erhalt der founderausstattung zu selekteren...

c) die √ľberwiegende anzahl der nat√ľrlichen inselpopulationen sterben doch eher tats√§chlich aus, aber keine der in folge erhaltungszucht k√ľnstlichen inselpopulationen im zoo soll aussterben.

(26.07.2007, 19:00)
Michael Mettler:   @nurmichael: Nach meiner Auffassung begann die Selektion in Richtung "tierparkensis" zwangsl√§ufig schon beim Fang und Import der ersten Gr√ľndertiere. Denn die Eingew√∂hnung in Zoobedingungen √ľberlebten nur Individuen, die sich an diese ver√§nderte Umwelt (Klima, Futter, N√§he zum Menschen, Gehegegrenzen usw.) anpassen konnten. Die heute als Eingew√∂hnungsverluste "abgebuchten" Tiere waren ja nicht zwangsl√§ufig generell weniger lebenst√ľchtig, sondern h√§tten vielleicht OHNE die Verpflanzung in die k√ľnstliche Umwelt ihre Gene im Freiland munter weitergegeben. Extreme Schreckhaftigkeit bei Huftieren endete z.B. im Fanglager, in der Transportkiste oder im Zoogehege mit Genickbruch (und war damit ein Selektionsnachteil), im Freiland w√§re die selbe Eigenschaft wom√∂glich ein Selektionsvorteil (Vermeidung von Fressfeinden).

Die Zoozucht erh√§lt also ohnehin nicht die volle genetische Bandbreite einer Tierart, sondern nur die, die nach dem Flaschenhalseffekt der Eingew√∂hnung der Gr√ľndertiere √ľbrig blieb. Das ist von Tierart zu Tierart nat√ľrlich unterschiedlich, denn z.B. wurden Tausende von Flamingos oder Rhesusaffen importiert, aber eben nur eine Handvoll Fossas oder Damagazellen. Auch wenn der Vorgang ein anderer war: Eine Zoopopulation ist ebenso eine Inselpopulation wie eine im Freiland von der Ausgangspopulation isolierte Splittergruppe. Und gerade die Kleinpopulationen sind es ja, die durch Zuchtprogramme gemanagt und gef√∂rdert werden. Dabei werden in manchen F√§llen sogar Teile der vorhandenen genetischen Bandbreite bewusst abgewertet oder gar ausgeschlossen, z.B. Farbabweichungen (Fuchs-Faktor beim Przewalski-Pferd, Scheckung beim Davidshirsch usw.).

Was die extremen Standorte der Tigerunterarten betrifft: Mischlingstiger haben sich m.W. problemlos den Klimabedingungen von Zoos in kalten Ländern angepasst....
(26.07.2007, 17:29)
nurmichael:   @ Michael Mettler, Sie haben mit Ihren Beispielen zur Art- bzw. Unterartgenese ja durchaus recht. Was uns im Hauptpunkt unterscheidet ist, dass ich und wohl die Zoos selbst die Aufgabe der Erhaltungszucht darin sehen, die eingebrachten Gene zu erhalten und eben keine Abwandlung durch Genverlust - ohne nat√ľrliche Selektion - in Richtung neuer Unterart ‚Äětierparkensis‚Äú auftreten sollte.
Ihrem letzten Beispiel der Tigerunterarten w√ľrde ich sogar zustimmen, wenn es sich um s√ľdsaharische L√∂wen handelte, die im Wesentlichen √§hnlichen Klima- und Beutebedingungen unterliegen. Bei den Tigern gibt es aber durch Isolation Anpassungen, die m√∂glicherweise bei Individuen einer Mischpopulation verschwinden und diese dann f√ľr extreme Standorte nicht mehr tauglich sein lassen.
(26.07.2007, 16:29)
IP66:   Ich f√ľrchte, da√ü auch der Begriff Arche Noah nicht unproblematisch ist. Zum einen trifft er ja nicht ganz zu, da auf besagter Arche nicht gez√ľchtet wurde, zum anderen stammt er aus einer Quelle, die f√ľr Artenkonstanz steht. Ich finde es durchaus begr√ľ√üenswert, wenn sich Zoos mit Tierarten selbst versorgen, und ich finde es auch sinnvoll, wenn dabei auf Unterartenreinheit und die Bewahrung seltener Arten geachtet wird. Die Founder-Arithmetik, auf die sie sich berufen, ist sicher gut gemeint, und sie hat ja auch den guten Zweck, Partneraustausch, der Geld und Arbeit kostet, zu rechtfertigen. Aber was folgt aus solchen Berechnungen? Soll man allen David-Hirschen die Kugel geben, weil sie arithmetisch inkorrekt gez√ľchtet wurden? Soll man in Somalia nach 7 Eseln suchen, damit man wieder auf der Zuchtbasis angelangt ist? Da scheint es mir doch sinnvoller, mehr und vor allem kleine Zoos dabei zu unterst√ľtzen, wenn sie statt ihrer Steppen- Gr√©vy-Zebras halten k√∂nnen oder ihnen bei einer raren Art ein Stall oder eine Transportkiste fehlt.
Im EEP-Thread wird ja deutlich, da√ü bei den Nashornzuchtprogrammen eine kafkaeske Situation entstanden ist, die quer zu allen vertretenen Zoo-Ideologien steht. Und ich f√ľrchte, da√ü eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit am Ende alle Zoos den Ruf kosten wird und man da anlangt, wo man 1980 schon einmal war. Auch wenn das nicht ganz hier hin geh√∂rt - meine Bedenken gegen Zooneubauten wie Gelsenkirchen speisen sich auch aus solchen Widerspr√ľchen, die sich in den Kunstfelsen gleichsam materialisieren.
(26.07.2007, 11:37)
Michael Mettler:   @nurmichael: Und wie h√§tte sich eine frei lebende Wildeselpopulation entwickelt, wenn neun Founder als Splittergruppe von der Restpopulation abgetrennt worden w√§ren oder sich selbst aus dieser entfernt h√§tten...? Entweder h√§tte sich diese Untergruppe nicht etablieren k√∂nnen und w√§re - vielleicht erst einige Generationen sp√§ter - ausgestorben, oder sie h√§tte sich etabliert und w√§re zu einem vitalen Bestand herangewachsen, was allerdings kaum ohne Verwandtenpaarung m√∂glich gewesen w√§re. Auch diese Tiere h√§tten dann mit der √ľbrigen Population nicht mehr viel gemeinsam gehabt, und das, obwohl sie wild lebten und kein Einfluss des Menschen vorliegen musste.

Worauf ich hinaus will: Wenn man z√ľchterisch quasi die Ur-Zooversion einer Tierart, den status quo bei ihrem Fang, auf lange Sicht konserviert, kann es doch sein, dass sich die wild lebenden Best√§nde in dieser Zeit von dieser Urversion weg entwickeln - und zwar bei Tieren mit schwindender Individuenzahl und zersplittertem Verbreitungsgebiet umso schneller wegen der Flaschenhalssituation. Es kann also bei den noch wild lebenden Artgenossen, denen niemand die Partnerwahl vorschreibt, im Prinzip zu genau dem Effekt kommen, der im Zoo bef√ľrchtet wird: Dass sie mit ihren Verwandten in Menschenobhut nicht mehr viel gemein haben.

Ich las k√ľrzlich, dass man aufgrund genetischer Untersuchungen heute davon ausgeht, dass die ersten Pumas Nordamerikas wieder ausstarben und der Kontinent durch eine kleine, aus S√ľdamerika eingewanderte Population wiederbesiedelt wurde. Das schlie√üt man daraus, dass alle heutigen Puma-Populationen Nordamerikas eine um vieles geringere genetische Vielfalt (und genetische √Ąhnlichkeit untereinander, trotz unterschiedlichen Ph√§notyps) aufweisen sollen als die Pumas S√ľdamerikas. Nun, bis zur weitgehenden Ausrottung durch die europ√§ischen Einwanderer hat die "nat√ľrliche Erhaltungszucht" trotz genetischer Verarmung anscheinend recht gut funktioniert. M√∂glicherweise sogar, obwohl Blutlinien der zweiten Puma-Besiedelungswelle l√§ngst ausgestorben sind.

Anderes Beispiel: die Tiger-Unterarten. Wenn sich diese genetisch unterscheiden, weil sie sich aus einem gemeinsamen Vorfahren in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, m√ľsste dann nicht die genetische Vielfalt bei "Zoo-Einheitstigern" - sprich Mischlingen - deutlich h√∂her sein (und der Ausgangsform n√§her kommen), so dass diese eigentlich einen viel h√∂heren Wert f√ľr die Erhaltungszucht der Art Tiger h√§tten als die reinen Unterarten...? Oder wo ist da mein Denkfehler?
(25.07.2007, 23:46)
nurmichael:   @ Michael Mettler, Mit Ihrem ersten und letzten Absatz reden Sie ‚Äď vermutlich ohne dies zu wollen ‚Äď einer ‚ÄěEvolution durch den Menschen‚Äú das Wort. EEP oder SSP sind mal definiert worden als M√∂glichkeit, die genetischen Ressourcen einer Art in Menschenobhut zu sch√ľtzen und in Zoos weiter zu verbreiten um nicht st√§ndig ‚ÄěNachschub‚Äú der frei lebenden Population entnehmen zu m√ľssen. K√§men unter den Foundern also Individuen vor, die unter Zoobedingungen zuchtunwillig sind, w√§ren es keine Founder mehr und ihre Gene damit f√ľr die Erhaltungszucht in Zoos verloren. Was spielt dieser Verlust nun f√ľr eine Rolle?

Die Wissenschaft hat sich dar√ľber Gedanken gemacht, wie viele unverwandte Founder es braucht, um eine m√∂glichst vollst√§ndige Repr√§sentanz der Gene einer Art zu haben. Die Antwort ist 20 Founder repr√§sentieren 97,5% der Gendiversit√§t einer Art (Nei, 1987, zitiert in ‚ÄěDer zoologische Garten‚Äú Band 65 Heft 4, 1995). G√§be es also mehr als diese 20, dann w√ľrden die Zuchtunwilligen bzgl. der Gendiversit√§t der Zoopopulation keine entscheidende Rolle spielen und Ihrer These w√§re nicht zu widersprechen. Bei weniger als 20 beginnen allerdings die Probleme. In der oben zitierten Zeitschrift gibt es einen Artikel √ľber die genetische Diversit√§t der Zoogehaltenen Somali-Wildesel. Deren Founderanzahl wird dort mit neun angegeben, die Zahl der Allele betr√§gt also 18. Zum Zeitpunkt der Untersuchung ca. 25 Jahre nach dem Beginn der Zoohaltung und ‚Äďzucht waren davon nur noch max. 13 vorhanden. Die Gendiversit√§t der Gr√ľndungspopulation war auf 87,5% gesunken. Von den neun Foundern waren nurmehr vier vollst√§ndig repr√§sentiert, die Zoopopulation betrug 63 (31,32) Individuen.

Unter dem Aspekt, Erhaltungszucht nur √ľber wenige Jahrzehnte betreiben zu m√ľssen, bis das normale Lebensumfeld einer Art nachhaltig gesichert ist, w√§re das wahrscheinlich hinzunehmen. Indes ist die Realit√§t in vielen F√§llen eine andere. Viel Teilnehmer hier im Forum sehen eine Funktion der Zoos u.a. in der einer Arche Noah insbesondere f√ľr bedrohte Arten. Am o.g. Beispiel sieht man die Br√ľchigkeit dieser These, die die Gr√ľnder der SSP und EEP m.E. auch nie vertreten haben (siehe auch mein Beitrag hier vom 2.2.07). Je nach Management wird also die Anzahl der Founder Allele und damit die Gendiversit√§t schnell oder langsam sinken, aber eben sinken bis die Zoopopulation mit der (hoffendlich √ľberlebenden) Wildpopulation nicht mehr viel gemein haben wird. Diesen Vorgang indes w√ľrde ich nicht als Evolution sondern eben als ‚ÄěEvolution durch den Menschen‚Äú verstehen.

@ IP66, wenn Sie sich einmal die Schutzgebietsverordnungen f√ľr Naturschutzgebiete anschauen w√ľrden, k√§men Sie m√∂glicherweise zu einer anderen Betrachtung des Begriffs Konservierung von Naturr√§umen. In der Tat ist es n√§mlich so, dass in vielen Naturschutzgebieten die von √§u√üeren Faktoren (Wasser, Boden, Klima) bestimmte √∂kologische Entwicklung (Sukzession) durch diese (schutzgebietsspezifische) Verordnung unterbrochen wird. D.h. eine bestimmte evolutive Stufe wird gegen die normale √∂kologische Entwicklung abgeschottet. Ziel solcher Ma√ünahmen ist der Schutz bestimmter Floren- und Faunengesellschaften nicht nur um ihrer Selbstwillen, sondern zumindest sehr h√§ufig auch als Trittstein zur m√∂glichen Ansiedlung dieser h√§ufig seltenen Arten auf einem neuen Areal. Zoologische Beispiele sind die im vergangenen Bundestagswahlkampf so verunglimpften Feldhamster und Mopsflederm√§use, die f√ľr ihre Lebensr√§ume so etwas wie Leitarten darstellen.
(25.07.2007, 21:46)
th.oma.s:   @IP66: m.e. wird es in absehbarer zeit ein gro√ües probleme sein, f√ľr die allermeisten heute in zoos gehaltenen traditionsarten blutauffrischungen aus der wildbahn zu erhalten.

wenn wir arterhaltung diskutieren, m√ľssen wir uns vorher √ľber den art-begriff einig sein, sonst reden wir sehr schnell von verschiedenen sachen. gleiches gilt f√ľr den begriff erhaltungszucht. die komponente "zucht" bedeutet nach meiner auffassung ziel-gerichtete, vom menschen geplante vermehrung eines bestandes, nicht einfach vermehrung.

erhaltungszucht in zoos hat m.e. zwei komponenten: a) erhaltung des schauobjekts (z.B.) giraffe um das gesch√§ft fortzuf√ľhren und b) erhaltung der durch wilderei oder lebensraum-zerst√∂rung hochbedrohten unterart angolagiraffe mit dem ziel, der wiederfreisetzung der √ľber eine gewisse zeit geretteten best√§nde. nun zur ideologischen komponente: wer einen beitrag leisten kann, heute eine population hochbedrohter arten in einem zoo √ľber die n√§chsten jahrzehnte zu bringen, voraussetzung ist eine gesunde und fitte gefangenschaftspopulation in einer die varianz sichernden anzahl von individueen und eine gewissene wahrscheinlichkeit f√ľr den fortbestand des lebensraumes) und die haltung dieser arten nach nurmichaels beispiel (sm vs bm in do) aufgibt, erf√ľllt die selbstgestellten ziele der zoowelt-naturschutzstrategie eben gerade nicht. bei vielen arten kann man in solchen f√§llen fast von unterlassener hilfeleistung sprechen.

@michael mettler: die zuchtsperren sehe ich auch sehr kritisch. bei der diskussion der vermehrung von wildtieren mit √ľberdurchschnittlich engem verwandschaftsgrad in der wildbahn darf man m.e. gesagt die wirkung der nat√ľrlichen selektion nicht vergessen. Sie beziehen sich in ihrer argumentation eher auf die erfolgs-modelle, die evolution√§r gescheiterten beispiele sind meist nicht bekannt 8verinselung von populationen). im sinne einer erhaltungszucht ist aber dieses scheitern gerade gezielt auszuschalten. deshalb halte ich Ihre beweisf√ľhrung mit dem hinweis auf nat√ľrliche genetische flaschenh√§lse und sehr enge verwandschaftsverh√§ltnisse in wildpopulationen zwar f√ľr grunds√§tzlich richtig, aber in bezug auf erhaltungs-zucht eher f√ľr nicht passend.

diesbez√ľglich sollte an den begriff der verinselung als bedrohungskomponente f√ľr populationen erinnert werden.


zucht
(25.07.2007, 19:58)
IP66:   Ich habe mich in diesem Thread ja vor einiger Zeit dar√ľber ge√§u√üert, da√ü ich es f√ľr problematisch halte, eine Art als statischen genetischen Zustand zu sehen - was man im Grund versucht, wenn man die Breite der Gene in ihrer Gesamtheit durch Zucht zu erhalten sucht. Ich denke, da√ü "Erhaltungszucht" ohnedies eher ideologisch verstanden werden mu√ü, da es f√ľr die meisten in Zoos gehaltenen Arten kein Problem ist, die Best√§nde hin und wieder durch Importtiere aufzufrischen. Insofern bedeutet "Erhaltungszucht" letztlich ein Zugest√§ndnis an jene, die meinen, es sei generell verwerflich, Tiere "gefangenzuhalten", insbesondere solche, die man der "Freiheit" entnommen hat. Hinzu kommt, da√ü die √∂kosozialistische Bewegung, der viele Zoogegner sich zurechnen, ohnedies eine konservertive Komponente enth√§lt, in der es darum geht, Naturzust√§nde zu erhalten, vor Entwicklungen zu sch√ľtzen, der sie normalerweise ausgesetzt ist, oder gar Gebiete zu "renaturieren", die bereits Entwicklung erfahren haben. Dergleichen kann und soll n√ľtzlich sein, aber eine solche Renaturierung hat viel mit der R√ľckzucht von Arten zu tun, und man wei√ü ja, wann die in Deutschland besonders intensiv betrieben wurde. Ich m√∂chte beileibe keinen Natursch√ľtzer in die N√§he des Faschismus stellen, aber doch davor warnen, die Zoos ideologisch zu befrachten und gleichsam als Schranke gegen die Evolution aufzubauen. Es wird hier und da m√∂glich sein, eine Art im Zoo zu retten, vielleicht sogar wieder auszuwildern. Es ist dies aber nur f√ľr eine bestimmte Gruppe von Arten m√∂glich, die √ľbrigen werden weiterhin im Zoo anderen Zwecken dienen, und es wird zur dauerhaften Erhaltung von Zoos des Imports von Exemplaren bed√ľrfen.
(25.07.2007, 12:11)
Michael Mettler:   @th.oma.s: Nur weil ein Tier ein Founder ist, muss es nicht zwangsl√§ufig f√ľr das Weiterleben der Art - ob im Zoo oder in der Natur - "wertvoll" sein. Evolution bedeutet mit Sicherheit weitaus mehr Fehlschl√§ge als Treffer. Wenn sich eine bestimmte Blutlinie einer Tierart aus irgendwelchen Gr√ľnden besonders gut an die Zoohaltung anpasst und flei√üig vermehrt, w√ľrde ich das als f√ľr die Zoohaltung und Arterhaltung erst mal positiv werten. Wenn eine andere, wegen Unverwandtschaft vom Menschen als genetisch besonders wertvoll erachtete Linie dies unter gleichen Bedingungen nicht oder nur unter gro√üen Schwierigkeiten tut, dann frage ich mich, ob man eine solche Linie f√ľr die weitere Erhaltungszucht wirklich "braucht".

Wir haben doch jetzt hie und da die Situation, dass bestimmte Tiere nicht mehr z√ľchten d√ľrfen, weil sie sonst genetisch √ľberrepr√§sentiert w√§ren, w√§hrend gleichzeitig manche am gr√ľnen Tisch zusammengestellte "Traumpaare" der selben Art nichts dazu beitragen, ihre wertvollen Gene √ľberhaupt in die n√§chste Generation zu schicken - siehe die Amurtiger in K√∂ln. Im schlimmsten Fall und bei Arten mit geringer Gr√∂√üe der Zoopopulation k√∂nnte das so enden, dass sowohl die "ausgebremsten" als auch die "unwilligen" (oder schlichtweg zuchtuntauglichen) Tiere eines Tages wegsterben und die Erhaltungszucht damit zur Farce w√ľrde.

M.E. wird die Unverwandtschaft zu hoch bewertet. Z.B. w√ľrde ich davon ausgehen, dass es vor einigen Millionen Jahren nicht "klick" machte und pl√∂tzlich das Spitzmaulnashorn mit etlichen gleichzeitig entstandenen, aber nicht verwandten (!) Individuen auf der Bildfl√§che erschien. Wenn sich Arten aus anderen Arten entwickelt haben, dann doch z.B. durch abweichenden "Geschmack" bei der Partnerwahl, abweichende F√§rbung, Horn- oder Schnabelgestalt usw. - oder durch geografische Isolation bzw. einen umweltbedingten Flaschenhalseffekt. Dabei kann die genetische Zusammensetzung der isolierten Gruppe zuf√§llig sein kann (z.B. V√∂gel, die durch Sturm auf eine Insel verschlagen werden), was in etwa der Etablierung von Tieren in Zoos entspr√§che. Da solche "Unfall"-Populationen auch im Freiland bei vielen Arten nicht besonders gro√ü gewesen sein d√ľrften, liegt der Schluss nahe, dass es schnell zu Verwandtenpaarungen kommen musste - gerade beim Extremfall, dass nur ein einziges tr√§chtiges Weibchen in einem neuen Lebensraum verschlagen wurde, wie man das f√ľr manche Inseltiere gern vermutet. Genauso kann aber eine gewachsene Sozialgruppe von ihrer Stammpopulation isoliert werden, ob nun durch Umwelteinfl√ľsse oder durch eigene Wanderung in neue Lebensr√§ume. Dann sind diese Tiere sogar schon zu Beginn teilweise bis gr√∂√ütenteils untereinander verwandt, und trotzdem k√∂nnen sie eine Zukunft haben (z.B. vermutet Kingdon, dass sich auf diese Weise der Buntbock aus einer abgesplitterten Teilpopulation des Bl√§ssbocks entwickelt hat).

Folge ich hingegen der Inzucht-Schwarzmalerei, d√ľrfte es wohl etliche der heute auf unserer Erde lebenden Arten gar nicht geben. Im Prinzip ist doch jede Entstehung einer neuen Population, Unterart, Art, Gattung usw. ein Flaschenhals-Effekt, denn sonst g√§be es ja keine genetisch fixierten Unterschiede und Spezialisierungen.

Eine größtmögliche genetische Variabilität wäre sicher der Idealfall, aber in Fällen, wo dieses Ziel nur auf Kosten funktionierender, aber nach menschlichen (!) Maßstäben als nicht ideal angesehener Fortpflanzungsgemeinschaften erreicht werden könnte, betrachte ich sie mit meinem Laienverständnis als zweitrangig.
(24.07.2007, 23:44)
nurmichael:   @ th.oma.s, ich freue mich √ľber einen Mitstreiter.
@ IP66, Ihren letzten Beitrag verstehe ich nicht richtig. In diesem Thread wird doch nur √ľber in ihrem Bestand gef√§hrdete Arten geschrieben. Und im Beispielsfall Spitzmaulnashorn hat es in den 90er Jahren trotzdem den von Ihnen geforderten Import (aus Addo) ja durchaus gegeben (Magdeburg, Port Lympne). Das ist sicher positiv, allerdings mit den Einschr√§nkungen, die ich weiter unten schon dargestellt habe. Gerade aber der Magdeburger Bulle hat nur zwei potentielle Partnerinnen, von denen die eine (12-j√§hrig) bis heute nicht aufgenommen hat und die andere (26-j√§hrig) zwar bis heute zwei T√∂chter von diesem geboren hat, m√∂glicherweise aber altersbedingt nicht mehr aufnehmen wird. Daher meine Vorstellung eines m√∂glichen Tauschs mit K√∂ln.
Dem Satz mit der Werbung kann ich allerdings durchaus unterstreichen. Wenn heute beim Import von Breitmaulnash√∂rnern nach Europa mit dem Begriff Arterhaltung hantiert wird, kann ich immer nur mit dem Kopf sch√ľtteln, bestenfalls schmunzeln. In den s√ľdafrikanischen Staaten leben derzeit wohl an die 12.000 Individuen. Das d√ľrften mehr sein als alle Wisente, Przewalskipferde und Davidshirsche zusammen; und ‚Äď bis auf Ausnahmen vielleicht - stammt keines aus einer nichtafrikanischer Haltung.

(24.07.2007, 22:43)
th.oma.s:   @michael mettler: Ihr vergleich hinkt m.e.: nat√ľrliches verh√§ltnis bedeutet doch grunds√§tzlich aussterben. die
frage ist nur wann und wie, nicht ob. erhaltungszucht verlangt fixierung des status quo, zumindest √ľber einen bestimmten zeitraum. daraus folgt m.e. erhaltung bewahrung einer definierten genetischen kombination mit zootechnischen mitteln und methoden. zucht meint vorallem zielgerichtete auslese, nicht nur quantitative vermehrung. der z√ľchter bestimmt das ziel und die methode. deshalb √ľberzeugt mich hier auch der standpunkt von nurmichael in bezug auf die founder und die genetische varianz der zu erhaltenden population. inzucht ist doch begrifflich auch nichts anders als die planm√§√üige verpaarung √ľberdurch-schnittlicher verwandter individuen zur manifestation bestimmter merkmals-kompexe.und in diesem sinne wird diese zuchtmethode im rahmen einer erhaltungszucht meist zweite wahl bleiben, soweit ausreichend founder vorhanden sind. sind diese nicht ausreichend gegeben, d.h. muss der bestand mit verwandschaftspaarungen aufgebaut werden,treten in gefangenschaft nach einigen generationen meist komplikationen auf. in der natur ist letzteres szenario ebenfalls bekannt, dort allerdings wirkt die nat√ľrliche selektion, ist die f1 aus verwandschaftszucht √ľberdurchschnittlich fit setzt sie sich in der population durch. dies √§ndert jedoch nichts an der tatsache, dass es alternativ bei einer erhaltungszucht wesentlich darauf ankommt die gesamtheit der foundergene √ľber generationen in der population zu erhalten.
(24.07.2007, 22:08)
IP66:   Generell sehe ich das ja genauso. Nur scheint mir, da√ü durch Zuchtverbote und durch die Werbung f√ľr die jeweilige Art manchmal √ľber das Ziel hinausgeschossen wird. Und vielleicht sollte man bei Arten, die nicht dergestalt bedroht sind, doch √ľber den ein oder anderen Import nachdenken - was ja hier oder dort auch schon geschehen ist.
(24.07.2007, 11:52)
nurmichael:   Offenbar habe ich mich missverst√§ndlich ausgedr√ľckt, die breite Streuung von Foundergenen ist das erstrebenswerte Ziel. Dies wird indes nur erreicht, wenn deren Tr√§ger in der vorhandenen Population wirklich zur Zucht kommen. Ist das nicht der Fall, m√ľssen irgendwann die urspr√ľnglich vorhandenen Founder aus der Liste der Gr√ľndertiere gestrichen werden, was die genetische Varianz in der Population weiter verengt und Inzucht geradezu ausweglos herbeif√ľhrt. Diese Entwicklung h√§tte dann aber nichts mehr mit Erhaltungszucht zu tun.
Zu IP66: Ich habe mit meinen Beispielen im letzten Beitrag genau die Problempaare angesprochen, die eben nicht z√ľchten. Und das entspricht nun in keiner Weise den Zielen des EEP; wobei EEP ja nichts anderes bedeutet als Management.
(23.07.2007, 21:26)
Michael Mettler:   @IP66: Sehe ich auch so. Wer achtet eigentlich unter nat√ľrlichen Verh√§ltnissen darauf, dass keine Blutlinie √ľberrepr√§sentiert ist, und wie h√§tte unter diesen Umst√§nden Evolution funktionieren sollen...?

Es ist ja ein hehres Ziel, eine H√§ufung von Erbfehlern durch Umgehung von Inzucht vermeiden zu wollen, nur d√ľrften diverse Erbfehler bereits mit den Gr√ľndertieren aus der freien Wildbahn geholt worden sein, denn die dortigen Tiere sind keineswegs "fehlerlos". Und auch anscheinend nicht n√§her verwandte Wildf√§nge k√∂nnen theoretisch die rezessiv vererbte Eigenschaft eines vor -zig Generationen lebenden gemeinsamen Vorfahren tragen. Wenn z.B. in bestimmten Gegenden immer mal wieder wei√üe L√∂wen, Tiger oder W√∂lfe, schwarze Leoparden oder Rehe auftauchen, dann entsteht ja mit ziemlicher Sicherheit die Mutation nicht st√§ndig neu, sondern sie ist als rezessives Gen m√∂glicherweise seit Jahrhunderten im Bestand, kann sich aber nur zeigen, wenn zwei Tr√§ger sich verpaaren (und auch dann ist die Wahrscheinlichkeit noch 3:1). Dieses Prinzip greift auch bei einem einfachen, also nicht durch Zusammenspiel mehrerer Erbfaktoren vererbbaren sonstigen "Fehler". Die Anf√ľhrungszeichen sind Absicht, denn was √ľberhaupt ein ErbFEHLER ist, dar√ľber entscheidet die Evolution: Einige Zentimeter mehr Halsl√§nge (Giraffengazelle!), Haarverlust (Nacktmull!), der Verlust gelben Pigmentes (Schneeleopard!) oder gar einer Fleckenzeichnung (L√∂we!) k√∂nnen sich als Selektionsvorteil herausstellen, obwohl sie genauso auf eine Spontanmutation zur√ľckgehen k√∂nnen wie Hornlosigkeit oder Albinismus.
(22.07.2007, 18:24)
IP66:   Vielleicht darf man die genetische Problematik auch nicht zu dogmatisch auffassen. Wo ein paar gut z√ľchtet und trotzdem nicht s√§mtliche Planstellen besetzt, soll es das doch tun, wo nicht, wird vielleicht auch einmal ein Exemplar geparkt. Sicher sind Rassastandards, wie sie die Urwildpferdzucht der Zwischenkriegszeit pr√§gten, auch nicht die richtige L√∂sung, aber manchmal habe ich den Eindruck, da√ü beim Management von Best√§nden ein wenig zu viel geplant wird.
(22.07.2007, 14:15)
nurmichael:   @ Michael Mettler, ich habe die Zuchtbuchdiskussion aus dem Tiger Thread mal hierhin verlegt. Wichtiger als die Inzuchtproblematik, die im Forum m.M. nach zeitweise einen zu hohen Stellenwert einnimmt (Angolagiraffensturz !), halte ich die Frage nach der ausgewogenen Genfrequenz der Founder, die zahlenm√§√üig m√∂glichst gleichm√§√üige Verteilung der Foundergene also. Beide Fragen sind solche nach dem Management des Bestandes.
Wenn man z.B. das Zuchtbuch f√ľr afrikanische Nash√∂rner studiert, f√§llt einem auf, dass ausgerechnet die (noch nicht zuchtf√§higen) Nachkommen von Foundern mit nur einem lebenden Jungtier in andere Haltungen abgegeben werden (Dvur Kralove die siebenj√§hrige Jarca Tochter Jaga nach Pt. Lypne), die mehrfach vorhandenen Individuen vertretener Linien aber vor Ort verbleiben. Damit gehen der Einrichtung nicht nur Foundergene verloren, sondern die ‚ÄěInzuchtgefahr im eigenen Laden‚Äú nimmt zu. Und in Pt. Lypne w√§re ein Weibchen einer frequenten Linie aus Dvur genauso recht gewesen, weil es f√ľr diese Haltung in jedem Fall neues Blut bedeutet h√§tte.
√Ąhnliches und doch anders gelagert gilt f√ľr das Berliner Weibchen Sita (*1990), eine Enkelin einer wildgeborenen Founderin, deren Tochter ihrerseits nur ein Jungtier (mit dem wildgeborenen Founder Klaus) hatte. Die beiden anderen T√∂chter von Klaus stehen heute in Hannover (Saba) und Krefeld (Nane). Sita hatte erst in diesem Jahr ihre erste Geburt (in Paignton) mit 17 Jahren. Eine ‚ÄěLuftver√§nderung‚Äú w√§re in diesem Fall sicher eher angesagt gewesen. Augenblicklich gibt es eine √§hnlich negative Entwicklung in K√∂ln und Magdeburg.
(21.07.2007, 22:30)
nurmichael:   Mir ist bei einer Recherche das Zuchtbuch f√ľr afrikanische Nash√∂rner 2 aus 1983 in die H√§nde gefallen. Dort sind nicht nur, wie sp√§ter √ľblich, die endlosen Bestands- und Individuen- Listen aufgef√ľhrt, sondern auch Beitr√§ge, die auf einer Nashorntagung 1982 in London gehalten (und f√ľr das Zuchtbuch √ľbersetzt !) wurden. In einem Beitrag von L.C. Rookmaker f√ľhrt dieser eine Unterartenliste des Spitzmaulnashorns an. Von bis dahin drei Untersuchungen (1939, 1965 und 1967) von drei Autoren wird der letzte (Groves) zitiert. Demnach gab es sieben Unterarten des Spitzmaulnashorns von den eine Diceros bicornis bicornis als ausgestorben beschrieben wird. Die anderen sechs werden als rezent bezeichnet. Neben den bekannten d.b. michaeli (n√∂rdl. Tansania/Kenia) und d.b. minor (gesamtes s√ľdl. Afrika au√üer der Kapregion) gesellten sich noch d.b. chobiensis im Chobe Tal (Grenzgebiet Namibia/Angola/Botswana), d.b. brucii im Nordosten Afrikas Somalia/√Ąthiopien/√∂stl. Sudan, d.b. ladoensis in Nordwest Kenia/Uganda/s√ľdl. Sudan und d.b longipes in der Zentralafr. Republik/Tschad/und weiter westlich. Der Autor bezeichnet diese Systematik als nicht endg√ľltig. Interessant finde ich seine Einlassung bez√ľgl. der Zucht in Zoologischen G√§rten. Als Bef√ľrworter einer unterartreinen Zucht bei anderen Arten spricht er sich im Fall der d.b. f√ľr eine Mischzucht ostafrikanischer Spitzmaulnash√∂rner, also minor x michaeli x ladoensis, in Zoos aus. Als wesentliche Begr√ľndung f√ľhrt er die s.M. nach geringe Zuchtbasis und die nicht festgeschriebene Systematik an. Ich finde das insofern bemerkenswert, als dass zu diesem Zeitpunkt nahezu alle wild geborenen Founder des heutigen Kontinentaleurop√§ischen Bestandes in Z√ľrich, DvurKralove, Magdeburg, Leipzig und Berlin bereits vorhanden waren und z.T. schon z√ľchteten.
Im Bongo 7 (f√ľr 1982) finden sich weitere Referate dieser Tagung. In einem dieser Beitr√§ge werden die Best√§nde f√ľr d.b. chobiensis und d.b. brucii zu diesem Zeitpunkt mit wenigen Duzend bis wenigen Hundert eingesch√§tzt. Einzig d.b. longipes mit 700 ‚Äď 1000 Individuen wurden damals Erhaltungschancen einger√§umt.

(18.05.2007, 22:16)
Michael Mettler:   Traurigerweise n√ľtzt ja die beste Unterartreinheit nichts, wenn man keine Abnehmer f√ľr Nachzuchten findet. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die hiesige Zoowelt auf reinbl√ľtige Braunb√§ren umstellen wollte und man sich deshalb auf die syrische Form st√ľrzte. Schon jetzt wird die nirgends (?) mehr gez√ľchtet, die M√ľnsteraner M√§nner sind kastriert, in N√ľrnberg lebt nur noch ein Einzeltier... Und zu allem √úberfluss gibt es nun auch noch in Genetikerkreisen die Ansicht, dass der Syrische Braunb√§r sich genetisch nicht genug vom Europ√§ischen unterscheidet, um als eigene Unterart gelten zu d√ľrfen - also im Prinzip der umgekehrte Fall wie bei den Tigern Indochinas.
(23.04.2007, 23:09)
nurmichael:   Mal abgesehen von der Frage, warum ‚Äěwissenschaftlich gef√ľhrte Zoos‚Äú Individuen von Unterarten importieren, die mangels geeigneter Partner nicht ‚Äěrein‚Äú gez√ľchtet werden k√∂nnen, stellt sich mir die Frage, wie denn mit dem unterartvermischten Nachwuchs umgegangen werden soll. Dem L√∂wen Thread entnehme ich, dass nicht etwa ‚ÄěZool√∂wen‚Äú gegen Massai L√∂wen ausgetauscht werden sollen, sondern unterartreine Angola L√∂wen. Man l√§uft doch Gefahr, dass ‚Äď nach einer gewissen Zeit ‚Äď der reinbl√ľtige Nachwuchs mangels Abnehmern wieder in der ‚ÄěZool√∂wen Population‚Äú untergeht. Auch hier zeigt sich, dass die von mir bereits weiter unten unterstellte These, EEP seien im wesentlichen f√ľr den Erhalt der Art in Zoos geschaffen worden, richtig ist. Ob nun mit nicht reinbl√ľtigen Amurtigern, Pferdeantilopen oder asiatischen Elefanten ‚Äď nicht zu reden von Zool√∂wen - will doch wohl niemand ernst gemeinte Auswilderungen unternehmen, was im Falle der Katzen ja ohnehin noch auf andere Schwierigkeiten st√∂√üt.
(23.04.2007, 22:56)
Michael Mettler:   So weit ich wei√ü, gibt es keine generell angewendete Grundlage daf√ľr, sondern es wird von Art zu Art einzeln entschieden, ob sie als Ganzes oder nach Unterarten spezifiziert gemanagt wird. So h√∂rte ich es jedenfalls im Zusammenhang mit dem ESB Pferdeantilope. W√ľrde man bei dieser Tierart die nicht reinbl√ľtigen Individuen sowie jene nicht zweifelsfreier Herkunft ausschlie√üen, k√∂nnte man sich das ESB gleich sparen, denn aus dem aktuellen Bestand ist gerade mal eine Handvoll Pferdeantilopen nachweislich reinbl√ľtig und gesch√§tzte 95% sind es nicht... In diesem Fall hie√ü also die Devise "lieber Mischlinge zulassen als die Art in Zoos aussterben lassen". Die Situation √§hnelt also der beim Amurleoparden, in dessen Zucht anfangs ein Nordchinesischer Leopard einfloss.

Ich k√∂nnte mir vorstellen, dass es beim Asiatischen Elefanten mit "Art vor Unterart) √§hnlich aussieht, zumal z.B. f√ľr die einzigen Sumatra- (Tierpark Berlin) bzw. Borneo-K√ľhe (Hannover) leider kein passender Bulle in Europa verf√ľgbar w√§re und es auch kaum Ceylonesen gibt.

Ein Problem ist nat√ľrlich, dass sich die Kenntnisse und Ansichten in Bezug auf Unterarten st√§ndig wandeln und deshalb bei Einrichtung eines Zuchtbuches oder EEPs eigentlich nur Momentaufnahmen darstellen. Vorg√§nge wie bei den Giraffen und Orangs, aber z.B. auch bei den hinterindischen Tigern (neuerdings auf zwei Unterarten aufgeteilt) sind deshalb nicht zu vermeiden. Je kleiner eine Zoopopulation ist, umso schwieriger ist es nun mal auch, Tiere nach ihrer exakten Herkunft so getrennt zu z√ľchten, dass der Gesamtbestand sogar eine nachtr√§gliche Aufsplittung in verschiedene Unterarten verkraften k√∂nnte. Und da Zuchtb√ľcher bzw. EEPs ja aus gutem Grund gerade f√ľr Arten mit kleinen Zoopopulationen eingerichtet werden, bei√üt sich die Katze hier in den Schwanz.
(23.04.2007, 22:11)
nurmichael:   Wie ich dem GiraffenThread entnehme, sind die bisherigen Unterartdefinitionen z.T. aktuell in Frage gestellt. Dazu kommt, dass eine in franz√∂sischen Zoos gehaltene Unterart bei genauerem Hinsehen sich als reinbl√ľtige Vertreter einer anderen Unterart entpuppte. Auch war hier im Forum die Rede davon, dass sich die Orang Utan Populationen aus Sumatra von einem Teil der von Borneo weniger unterscheidet als die Borneo Populationen untereinder. Bei dieser Faktenlage stellt sich der Sinn nach Unterarten EEP. Verst√§rkt wird dieses Unbehagen bei der Betrachtung von EEP von Arten, deren Unterarten Diversivit√§t √ľbergangen wird wie bei asiatischen Elefanten. Wei√ü hier vielleicht jemand, ob diese Diskussion auch in der EAZA gef√ľhrt wird und ob ggf. diese ver√∂ffentlicht wurde.
(23.04.2007, 21:09)
Carsten:   Macht die IUCN auch irgendwas mit Erhaltungszuchtprogrammen oder Zuchtb√ľchern, da gibt es auch diverse species groups und andere?

Vor 10 Jahren gab es auf jeden Fall noch regionale britische Zuchtb√ľcher f√ľr Flu√ü- und Zwergflu√üpferd.
(06.03.2007, 21:27)
Michael Mettler:   @Carsten: Das "International" im ISB m√ľsste konsequenterweise "Intercontinental" hei√üen, denn damit sind tats√§chlich Zuchtb√ľcher gemeint, die nicht nur √ľber L√§ndergrenzen hinausgehen, sondern die ganze Welt umfassen k√∂nnen bzw. sollen.

Meines Wissens gibt es sogar noch eine Vorstufe zum Zuchtbuch, das so genannte Monitoring. Dabei geht es wohl darum, sich erst einmal einen √úberblick dar√ľber zu verschaffen, wo die betreffende Art/Unterart √ľberhaupt gehalten wird (da nun mal nicht jeder Zoo ISIS-Mitglied ist), wieviele Tiere in etwa vorhanden sind und ob die Einrichtung eines Zuchtbuches / EEP √ľberhaupt Sinn macht - also eine Basis-Datensammlung. Das hat nichts damit zu tun, ob die betreffende Art bedroht ist; m.W. gibt es z.B. ein Monitoring f√ľr Steppenzebras.

Die regionalen Aktivit√§ten in EEP und ESB sind nicht (mehr) an den Kontinent Europa gebunden. So nehmen m.W. zumindest bei Gorilla, Spitzmaulnashorn und Sumatratiger die australischen Zoos am EEP teil (der hannoversche Gorillamann ist z.B. ein Aussie), und auch der Nahe Osten ist hie und da involviert (z.B. Elefanten-EEP in Israel, arabische Haltungen im Kirk-Dikdik-ESB). Und ich meine, dass das EEP bem√ľht ist, auch afrikanische Haltungen zur Mitgliedschaft zu animieren, um z.B. bei Primaten den Gen-Pool zu vergr√∂√üern.

Andersrum gibt es wohl selbst innerhalb Europas noch regionale Zuchtb√ľcher, z.B. f√ľr die Britischen Inseln. Das k√∂nnte auch mit Importbestimmungen zusammenh√§ngen (weshalb man bestimmte Arten mangels Nachschubm√∂glichkeit innerhalb einer enger begrenzten Region behalten m√∂chte), bin mir da aber nicht sicher.
(06.03.2007, 13:14)
Carsten:   Ich setze das Thema aus dem Gorilla Thread mal hier fort. So langsam bekomme ich da den Durchblick, hab mich noch nie so genau mit Zuchtb√ľchern, Erhaltungszuchtprogrammen, etc besch√§ftigt, und alles mehr oder weniger zusammengeschmissen.

Sehe ich das richtig, da√ü es einmal weltweite Zuchtb√ľcher gibt? Unter welchem Verband laufen diese, WAZA, IUCN? Gibt es auch weltweite Erhaltungszuchtprogramme?

Dann gibt es regionale Aktivit√§ten, zum einen Zuchtb√ľcher wie z. B. ESB (EAZA?) und Erhaltungszuchtprogramme wie EEP (EAZA) oder SSP.

Die Erhaltungszuchtprogramme sind mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, die betreffenden Tiere kommen in einen Pool und Entscheidungen werden haupts√§chlich vom Koordinator getroffen. Zoos, welche EEP Mitglied werden, verpflichten sich, bestimmte Voraussetzungen zu erf√ľllen und die Tiere in den Pool zu √ľberf√ľhren?

Gibt es auch weltweite Erhaltungsprogramme oder nur regionale?

Zuchtbuchf√ľhrer haben nur beratende Funktion, da die Tiere nicht in einen Pool gehen und die letzte Entscheidung beim jeweiligen Eigent√ľmer der Tiere bleibt...
(06.03.2007, 12:42)
Jambo:   @Langhals, vielen Dank f√ľr Deine Hilfe :-)
(12.02.2007, 05:13)
Michael Mettler:   Ob eine Zeugung f√ľr die ARTERHALTUNG (und nicht nur f√ľr das Elternpaar) erfolgreich war, wei√ü man unter solchen √úberlegungen doch aber erst, wenn sich die gezeugten Nachkommen SELBST fortpflanzen? Das zeigt das ganze Dilemma bei der Erhaltungszucht auf. Denn auch bei den genannten Beispielen w√§re es eigentlich der naturn√§here Weg, statt einer willk√ľrlich gesetzten Zahlengrenze eine unbegrenzte Vermehrung zu erlauben und quasi "r√ľckwirkend" auszuselektieren.

Nehmen wir an, ein Elefantenbulle hat in einem Zoo f√ľr zehn K√§lber gesorgt und wird danach aus der Zucht genommen. Sein Nachfolger bringt aber mit den selben K√ľhen keine K√§lber - sei es, dass er steril ist, oder weil ihn die K√ľhe ablehnen und auch die Zeit keine Besserung bringt. Somit h√§tte man eine harmonierende Zuchtherde in f√ľr Jahre brach liegendes Fortpflanzungspotenzial umgewandelt, nur weil eine magische Zahl von Nachkommen erreicht war. Da melde ich Skepsis an, ob das die Arterhaltung voranbringt.

Was die Verwandten-Ehe beim Menschen betrifft: Auch der Mensch ist in seiner Stammesgeschichte bei der Besiedelung neuer, teilweise isoliert gelegener Lebensr√§ume nicht mit Hunderten von "Foundern" gleichzeitig eingefallen. Bei der Erstbesiedelung von Inseln oder sogar Kontinenten muss man wohl von einer sehr kleinen Ausgangsbasis ausgehen - und davon, dass es danach zwangsl√§ufig zu Verwandten-Ehen kam. Diese Vorg√§nge liegen z.B. in Australien m.W. 60-80.000 Jahre zur√ľck, und das Volk der Aborigines existiert trotzdem noch. Dagegen sind ein paar Jahre Zoo-Zuchtprogramme ein Fliegensch...
(11.02.2007, 23:54)
Walter Koch:   Zuchtb√ľcher wurden aufgelegt, um den
genetischen Verlust zu verlangsamen.
Und um das bewußte schaffen, von
genetischen Flaschenhälsen einzudämmen.
Deshalb haben Fachleute auch diese Ein-
richtung f√ľr alle in den Zoos gehaltenen
Tiere gefordert.

Nicht umsonst besteht das Verbot der
Verwandten-Ehe beim Menschen.

Die Wissenschaft hat in Sachen Biologie
noch sehr viel Unbekanntes zu entdecken.
Die Erfahrungen des Menschen mit Er-
haltungszuchten reichen doch nur √ľber
erdgeschichtlich nicht registrierbar
kurze Zeiträume.

Die immer kleiner werdenden Lebensräume
in der Wildnis f√ľhren nat√ľrlich auch
dort zu Inzuchten, aber u.a. aus diesem
Grund wurden Zuchb√ľcher f√ľr m√∂glichst
vitale Reservepopulationen geschaffen.

Spitz formuliert sollten m.E. z.B.
Silberr√ľcken und Elefantenbullen nach
10 erfolgreichen Zeugungen in "Rente"
geschickt werden. Dies erfordert endlich
eine bessere Zusammenarbeit der Zoowelt.






Zeiträume.
(11.02.2007, 21:48)
Langhals:   Das Tigerzuchtbuch kann direkt beim Zoo Leipzig bezogen werden.
(11.02.2007, 07:12)
Jambo:   suche Zuchtbuch Sumatratiger...wer hat mir Bitte Info¬īs??Vielen Dank
(11.02.2007, 04:57)
Michael Mettler:   P.S. Ein Beispiel, das meine Gedanken illustrieren kann, auch wenn es sich nicht um ein Wildtier handelt (das Prinzip aber das Selbe ist): Rattenliebhaber stehen vor dem Problem, dass ein gro√üer Teil der domestizierten Ratten beim √Ąlterwerden Tumoren entwickelt (was ja bei ihren Vorfahren, den Laborratten, durchaus erw√ľnscht war oder wenigstens nicht st√∂rte, weil sie erst gar nicht so alt wurden). Durch z√ľchterische Ma√ünahmen soll dem entgegen gewirkt werden. Dumm daran ist nur: Wenn man nun tats√§chlich ein Rattenweibchen im Bestand hat, das im Alter KEINE Tumoren entwickelt, kann man diese positive Eigenschaft nicht mehr nutzen, weil es dann zu alt zur Fortpflanzung ist.... Also kann man theoretisch nur kr√§ftig drauf los z√ľchten und NACHTR√ĄGLICH ganze Zuchtlinien ausschlie√üen, um andere zu f√∂rdern. Soll hei√üen, man muss erst mal viel mehr Tiere "produzieren" und aufwachsen lassen, als "gebraucht" werden, da man nicht vorher wei√ü, welche Jungtiere sich als die "richtigen" erweisen werden. Genau so m√ľsste wahrscheinlich auch die Erhaltungszucht von Zootieren aufgebaut werden - nur stehen da r√§umliche, finanzielle und ethische Zw√§nge im Weg.
(10.02.2007, 11:25)
Michael Mettler:   Dazu m√∂chte ich relativierend sagen: Die "bewusste genetische Verarmung" durch besonders gro√üe Nachzuchtzahlen eines Individuums tritt "unbewusst" auch unter nat√ľrlichen Verh√§ltnissen auf, sonst w√§re ein "survival of the fittest" √ľberhaupt nicht m√∂glich. Individuen, die mehr und besser angepasste Nachkommen haben, verdr√§ngen ihre schlechter ausgestatteten Artgenossen und entwickeln ihre Art dadurch vorw√§rts.

Das Problem bei der Zoohaltung liegt darin, dass ein solcher evolution√§rer Schritt durch Gleichmacherei und Konservieren eines status quo faktisch unterbunden wird. Gute Zuchttiere (ein Selektionsvorteil!) werden ab einer willk√ľrlich festgesetzten Zahl von Nachkommen von weiterer Vermehrung ausgeschlossen, harmonierende Paare (auch ein Selektionsvorteil!) auseinander gerissen. Es wird mehr Wert (zu viel Wert?) auf Nicht-Verwandtschaft gelegt als auf andere Faktoren. Nur leider ist die Bewertung eines Tieres f√ľr den Fortbestand der Art viel schwieriger, als man meinen k√∂nnte (und somit ein gro√ües Problem f√ľr die Zoowelt). Denn Selektionsvorteile und -nachteile k√∂nnen gleichzeitig vom selben Individuum vererbt werden: Ein Tier k√∂nnte z.B. gleichzeitig ein mangelndes Brutpflegeverhalten und eine im Vergleich zu Artgenossen h√∂here Krankheitsresistenz an seine Nachkommen weitergeben - oder umgekehrt. Mit anderen Worten: Der Blick aufs Ganze ist wichtig, nicht auf einzelne Eigenschaften.

Nun ist eine nat√ľrliche Auslese im Zoo nicht m√∂glich, aber der Ma√üstab f√ľr die z√ľchterische Selektion folgt m.E. wenig den nat√ľrlichen Verh√§ltnissen. Abweichungen in F√§rbung, Gr√∂√üe usw., die in der Natur m√∂glicherweise Vorteile mit sich bringen k√∂nnen (wenn auch vielleicht erst ein paar Generationen sp√§ter) oder wenigstens nicht zwingend mit Nachteilen behaftet sind, sind unerw√ľnscht, weil sie nicht in den Standard eines willk√ľrlich festgelegten Zeitraumes passen. Nach hundert Jahren Zuchtprogramm soll ein Tier m√∂glichst exakt die Eigenschaften der Gr√ľndertiere aufweisen - dummerweise haben sich seine Artgenossen in der Natur in diesem Zeitraum mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit weiter entwickelt, und zwar m√∂glicherweise sogar durch das eine oder andere Ergebnis von Verwandtenpaarung...

Wenn Wisente heute kleiner sind als fr√ľher, so KANN, aber MUSS das nicht unbedingt an schlechter Zuchtkoordination liegen, sondern kann auch eine Anpassung an suboptimale Lebensbedingungen sein. (Umgekehrt sollen Waldbisons in Zoos im Laufe der Zeit deutlich bulliger geworden sein, weil ihnen ganzj√§hrig bessere Nahrung zur Verf√ľgung steht als ihren Artgenossen im Freiland.) Auch wild lebende Tiere folgen keiner Gr√∂√üennorm, sondern zeigen eine Variationsbreite: Unter schlechten Bedingungen (z.B. D√ľrrejahre in Steppengebieten) haben die "Hungerformen" einen Selektionsvorteil, weil die "Superfiguren" nicht gen√ľgend Nahrung zum Erhalt ihres vermeintlichen Idealk√∂rpers finden und als Folge davon auch weniger Nachkommen haben. Wo die Lebensbedingungen stark schwanken k√∂nnen, ist es daher f√ľr eine Tierart von Vorteil, in ihrer Variationsbreite GLEICHZEITIG sowohl die anspruchslose als auch die "Luxus"-Variante parat zu halten, um sich dem Umst√§nden anpassen zu k√∂nnen - dies kann der Beginn zur Entwicklung getrennter Unterarten, Arten usw. sein. √Ąhnliches gilt auch f√ľr F√§rbungen. Eine selektive Zucht von Idealtieren im Zoo macht demnach m.E. den selben Fehler wie die Rassezucht bei Hunden: DAS w√§re dann wirklich eine "Haustierz√ľchtergemeinschaft von Exoten".

(10.02.2007, 11:13)
Stefan:   Korrektur zu Langhals` Beitrag vom 03.Februar: Das Magdeburger Spitzmaulnashorn Malindi wurde am 03.11.2005 geboren. Der angestellte Vergleich kann daher nur das Jahr 2005 betreffen.
(10.02.2007, 10:55)
th.oma.s:   hart aber fair
(10.02.2007, 09:57)
Walter Koch:   Erhaltungszucht, Schaffung von Reserve-
populationen, diese Themen sind den Zoos
zugefallen. Sie haben sie nicht gesucht
und genauso gehen leider viele Verant-
wortliche damit um. Nat√ľrlich stehen sie
auch unter den verschiedensten Zwängen,
z.B. Platz, Finanzen, keiner will die
Nachzuchten und Verf√ľttern ist ein Tabu.

So gehen Geschwister in entfernte Länder
nahe Verwandte werden zusammen gef√ľhrt,
weil man sich mit einem Kollegen gut ver
steht.
Die besonders große Anzahl der Nachzuch-
ten eines Katers, Bullen bzw. Hengstes
werden als Erfolg gepriesen.

Toll!!! Spitz ausgedr√ľckt: Hat sich
hier bei dieser bewußten Genetischen Ver
armung eine Haustierz√ľchtergemeinschaft
von Exoten versammelt??

Alle internationalen Veröffentlichungen
fordern andere Entscheidungen der Ver-
antwortlichen.

Die Zucht mit wenigen Gr√ľndern ist gewi√ü
richtig wie im Beispiel vom Milu. Lieber
so als garnicht.

Meiner Meinung nach m√ľssen sich die Ent-
scheider ernsthafter mit dem Thema
"Letzte Zuflucht Zoo", nach dem Buch von
Colin Tudge auseinander setzen.

In Abwandlung eines Richterspruchs halte
ich es mit dem Grundsatz, der Mensch ist
nicht der Schöpfer (Gutsherr) sondern
der Verwalter der ihm anvertrauten Welt.

Ein Beispiel: Das Erscheinungs-Bild des
Wisent bezeichnete ein Fachmann mal als
Ratte, weil er immer kleiner wird. Ur-
sache war f√ľr ihn die mangelnde Ernst-
haftigkeit der Zuchtbuchf√ľhrung von al-
len Beteiligten.

Noch einmal zur Verdeutlichung spitz
formuliert von einem Takin-Begeisterten:
Wenn f√ľr den Mishmi gen√ľgend neue Gr√ľn-
der-Tiere zur Verf√ľgung st√ľnden, w√ľrde
ich die Verf√ľtterung des gesamten Alt-
bestandes bef√ľrworten. Dies ist keine
Kritik am Tierpark. Deren Entscheidungs-
grundlage war beengt und in der Lage
richtig.

Der amerikanische Natursch√ľtzer Bill Mc
Kibben schrieb einmal sinngemäß: der
Mensch hat kein Gef√ľhl f√ľr Zeitr√§ume.



(09.02.2007, 23:17)
IP66:   Der Selbstversorgungsanspruch war immer ein zentraler Bestandteil von Herrn Nogges Zooideologie, wobei er dem auch nicht bei allen, insbesondere nicht bei den meisten der in seinem Zoo gehaltenen Vogelarten entsprach - wie das mit Ideologien ist, wissen wir ja aus der Geschichte. Ich denke aber, da√ü man da auch die Karriere von Herrn Nogge im Auge behalten mu√ü: Als er in K√∂ln seinen Dienst antrat, war die Zookritik auf einem H√∂hepunkt, sein Zoo hatte die letzten 10 Jahre mit einem Mindestma√ü von Erneuerung √ľberstanden, die Menschenaffen sa√üen im Vogelhaus, die Elefanten im alten Haus usf. Ohne die manchmal problematische Ideologie w√§re es nicht gegangen, und wenn ich mir gerade den Elefantenneubau auch anders h√§tte vorstellen k√∂nnen, so denke ich doch, da√ü der Umgang mit diesem Problem Herrn Nogge zumindest im ersten Jahrzehnt seiner T√§tigkeit eine Art Vorreiterrolle verschafft hat.
Ich w√ľrde es lieber so formulieren, da√ü Zoos darauf achten sollten, da√ü ihre Tierbest√§nde nicht zur Verringerung von Wildbest√§nden bedrohter Arten f√ľhren sollten und da√ü die Zoos ig. darauf achten m√ľ√üten, in ihrer Gesamtheit einen m√∂glichst breiten Bestand an Arten vorzuf√ľhren. Hinzu treten dann Pionierarbeiten, derzeit bei einigen Walarten oder Schuppentieren vorstellbar, wo man mit nicht bedrohten Arten experimentiert, bis eine optimale Haltung erreicht ist.
(09.02.2007, 18:40)
Michael Mettler:   F√ľr das Posting von nurmichael fand ich zuf√§llig Best√§tigung in einem Artikel von Nogge √ľber Elefanten im K√∂lner Zoo:

"Die Zoos m√ľssen die Tiere, die sie den Menschen zeigen wollen, selber z√ľchten. Deshalb wurden 1985 die Europ√§ischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) begr√ľndet. Tierarten, bei denen es im Laufe der letzten zwanzig Jahre nicht gelungen ist, sich durch Zucht selbst erhaltende Populationen aufzubauen, sind aus den Tierbest√§nden der Zoos verschwunden."

Das Wort Artenschutz taucht in diesem Zusammenhang nicht auf, es geht inhaltlich nur um die "Selbstversorgung" und damit Unabhängigkeit von Wildfängen.
(07.02.2007, 13:18)
Langhals:   John Aspinall hat durch seine Nicht-Teilnahme am EEP verhindert, das einige seiner vom EEP hei√übegehrten Gorillas aus deren Familienverb√§nden heerausgerissen und in unzureichende Haltungen wie Barcelona oder in die Beton-Zoos von Madrid und Stuttgart ( Badezimmer-Verlie√ü )gekommen w√§ren. Wer ist denn der erfolgreichste Z√ľchter von Spitzmaulnash√∂rnern in Europa ? Nicht Frankfurt, nicht Berlin, sondern Port Lympne, dort stehen im Moment 22 Tiere ! Kleine Randbemerkung : Die ber√ľhmte, letztj√§hrige Magedeburger Nachzucht , angeblich die einzige in Europa in 2006, ist es leider nicht, in Port Lympne wurden 2006 drei K√§lber geboren,nur zur Info.( 2005 waren es leider nur zwei K√§lber ) Auch da h√§tte das EEP sehr gerne zugegriffen , da Aspinalls Nash√∂rner genetisch sehr wertvoll sind. Die Frage ist nur, in welche Haltung sie gekommen w√§ren. Ein anderes Beispiel ist der Nebelprader. In Europa werden Nebelparder nur bei Aspinall gez√ľchtet, eben weil die Tiere in Biotop-Gehegen und nicht in Besucher-Schauanlagen gehalten werden. Ich finde es gut, das sich Aspinall nicht vom EEP vorschreiben l√§√üt, was er mit seinen Tieren tun soll, dadurch w√§ren einige der erfolgreichsten Zuchtgruppen auseinander gerissen worden ? Was Herrn Blaskiewitz Nicht-Teilnahme am Elefanten-EEP betrifft: Dessen Abgaben m√∂gen ja umstritten sein,aber im Gegensatz zu einigen √ľber das EEP vermittelte Elefanten ( Beispiel Hagenbeck )leben alle seine abgegebenen Elefanten noch. Temi in M√ľnchen gehts √ľbrigens blendend.( Kleine Randbemerkung 2 )
(03.02.2007, 07:31)
Michael Mettler:   Ich tue mich zwar schwer damit, den EEP einfach ihre Berechtigung abzuerkennen, kam aber auch schon mehrfach ins Gr√ľbeln, worin denn das eine oder andere Zuchtprogramm begr√ľndet ist. Mein Lieblingsbeispiel daf√ľr ist und bleibt der Afrikanische Elefant, bei dem ein sich selbst erhaltender Zoobestand in zahlenm√§√üiger Relation zum Freilandbestand nicht mehr als ein genetisches ReservCHEN w√§re. Leider habe ich die Kriterien zur "Wertsch√§tzung" einer Tierart f√ľr die Zuchtprogramme, die ich mal vor langer Zeit irgendwo gelesen habe, nicht mehr im Kopf; wenn ich mich recht erinnere, genie√üen aber z.B. monotypische Gattungen (Beispiel: Springtamarin) Vorrang vor Gattungen mit mehreren Arten. Das hie√üe, der Springtamarin ist vor allem deshalb erhaltungszuchtw√ľrdiger als ein anderer kleiner Primat, weil ihm die Systematik den Rang einer eigenen Gattung einr√§umt. Angesichts des momentanen systematischen Erdrutsches d√ľrfte sich an den Klassifizierungen aber in n√§herer Zukunft einiges √§ndern.... Auch sollten meiner Erinnerung nach Primaten besonders hoch bewertet werden, weil sie zu unserem Verwandtenkreis z√§hlen - eine rein anthropozentrische Sichtweise. Vielleicht erkl√§rt dies, warum im Gegensatz zu anderen S√§ugergruppen das "Sammeln" von Krallen√§ffchen in den Zoos nicht verp√∂nt ist, obwohl doch f√ľr didaktische Zwecke eine Form pro Zoo reichen m√ľsste....

SOLLTEN sich die Zoo tats√§chlich mit den Zuchtprogrammen in erster Linie die Zugriffsm√∂glichkeit auf Tiere f√ľr die Zukunft erhalten wollen, dann w√§re es umso unverzeihlicher, wenn sie keinen repr√§sentativen Querschnitt durch das Tierreich konservieren w√ľrden, sondern nur eine nach Publikumsw√ľnschen (wirtschaftliche Abh√§ngigkeit!) und zu Forschungs-/Lehrzwecken zusammengestellte, relativ einseitige Artenauswahl. So sind z.B. derzeit die Primaten, Raubtiere und "Dickh√§uter" in den S√§uger-Programmen m.E. √ľberrepr√§sentiert.
(02.02.2007, 23:06)
cajun:   Ich schlie√üe mich dem statement von th.om.as an. Zudem ich glaube die drei Beitr√§ge vor *Marco* sind sehr realistische Szenarien.
(02.02.2007, 21:18)
th.om.as:   @marco: manchmal tut die wahrheit weh auch wenn es manchmal (vielleicht auch)nur die halbe ist.
(02.02.2007, 20:31)
Marco:   Also die letzten drei √Ąu√üerungen schockieren und ver√§rgern mich zutiefst! Solche Ausf√ľhrungen erwarte ich in Anti-Zoo-Propaganda, aber nicht in dieser ernst gemeinten Form in einem Zoo-Forum.
Wie k√∂nnen Sie ernsthaft die Abschaffung der EEPs fordern? Wohin das f√ľhrt, hat die Vergangenheit gezeigt. Dass die Zoos nicht mehr auf Wildf√§nge zur√ľckgreifen k√∂nnen / wollen / d√ľrfen w√ľrde ich vielleicht als einen Aspekt f√ľr die Begr√ľndung der EEPs gelten lassen, allerdings niemals als Alleinige! Schonmal die Welt-Zoo-und-Aquarien-Naturschutz-Strategie gelesen? Auch wenn diese nicht den Ist-, sondern den Soll-Zustand wiedergibt, erkl√§rt sich doch klar und deutlich, was die Zoos wollen und sollen.
(02.02.2007, 15:10)
nurmichael:   Zum Thema Umsetzung von EEP Richtlinien habe ich im Nashorn-Thread am 15.01.07 bereits Stellung genommen. In diesem Zusammenhang wird nicht nur in diesem Forum immer wieder der Begriff Artenschutz genannt. Die Zoos selbst sprechen indes von Erhaltungszucht von in Tierg√§rten lebenden Arten mit dem vordergr√ľndigen Ziel die betreffende Art f√ľr die ZOOLOGISCHEN G√ĄRTEN zu erhalten. Ein bis heute erfolgreiches Beispiel ist ein Vorg√§nger der EEP: Im „Communal Management Programm“ f√ľr Spitzmaulnash√∂rner in Gro√übritannien und Irland sind alle Individuen dieser Art (d.b. michaeli) der teilnehmenden Zoos seit Beginn der 60er Jahre zu einer Zuchtgemeinschaft zusammengefasst.
Erste Folge eines funktionierenden EEP ist, dass keine Tiere mehr aus ihren angestammten √Ėkosystemen entnommen werden. Dies ist mittlerweile, wenn √ľberhaupt, nur noch sehr bedingt m√∂glich. Grund ist die Artenschutzverordnung, mit der Deutschland die EU Artenschutzrichtlinie umgesetzt hat. Diese basiert ihrerseits auf dem Washingtoner Artenschutz√ľbereinkommen. Wesentlicher Inhalt ist, den HANDEL (Import aus Heimatregionen) mit in ihrer Existenz gef√§hrdeten Arten einzuschr√§nken oder ganz zu unterbinden. Ein k√ľrzlich erfolgter Beschluss der EU, die Einfuhr von Wildv√∂geln generell zu untersagen (s.a. Flamingo Thread), zeigt wohin die Reise geht. Der Zusammenhang von EEP und Artenschutz besteht also im wesentlichen in der SELBSTVERSORGUNG der Zoos mit nachgez√ľchteten Tieren.
EEPs sind aus meiner Sicht aus Eigeninteresse der Zoos entstanden und keineswegs mit dem Ziel, die daraus „erzeugten“ Individuen der betreffenden Art in ihr angestammtes √Ėkosystem zur√ľckzuf√ľhren. Dieser f√ľr einige Arten (u.a. Mhorr-Gazelle, arabische Oryx, Przewalski-Pferd) eingeschlagene Weg ist zwar eine erfreuliche Entwicklung, aber eben nur Nebenprodukt der Zoohaltung. Dass die Zoos ihrerseits solche Beispiele medial als Beitrag zum Artenschutz vermarkten, ist dennoch legitim: Klappern geh√∂rt halt zum Handwerk. So stellt die Auswilderung der zoogeborenen Frankfurter Spitzmaulnash√∂rner vordergr√ľndig zwar eine Artenschutzma√ünahme dar und wird auch so kommuniziert. Dieser Effekt ist aber eigentlich der Tatsache geschuldet, f√ľr diese Unterart in Europa mangels geeigneter Partner keine Abnehmer zu finden. Bei weniger spektakul√§ren Arten trifft den erw√ľnschten weil publikumswirksamen aber auch den unerw√ľnschten Nachwuchs ein anderes Schicksal, wie neulich im B√§ren-Thread diskutiert wurde.
Um Missverst√§ndnissen vorzubeugen: Ich erkenne die EEP Idee an und sehe durchaus ihre Potenz, aus einem gut gemanagten Genpool „√ľberz√§hlige“ Individuen wieder in die „Wildnis“ zu entlassen. Artenschutz aber kann m.M nur in der Erhaltung nat√ľrlicher Lebensr√§ume erfolgen, in denen auch die angepasste Gemeinschaft der Lebewesen gesch√ľtzt ist.
Zur angeblichen Profitorientierung (mittels Freizeitpark) einiger zoologischen Einrichtung mit oder ohne EEP Teilnahme (Nashorn Thread vom 24.01.) m√∂chte ich nur bemerken, dass es keine deutschlandweite Regelung gibt, die aussagt oder gar vorgibt, wie ein Zoo zu finanzieren sei. Auch abh√§ngig von den Besitzverh√§ltnissen (kommunal, private oder √∂ffentliche GmbH oder AG) m√ľssen sich die Finanzvorst√§nde der Zoos √ľberlegen, wie sie ihre Einrichtung (und damit auch das EEP Mitglied) in ihrer Existenz sichern. Wenn das nur in Kombination mit anderen Freizeitvergn√ľgungen m√∂glich ist, dann sei es so. Wenn das kritisierbar sein sollte, so ist diese Kritik m.M. an den oder die Besitzer, nicht aber an die Zoomanager zu richten. Ich bin in DIESEM Punkt bez√ľglich der beiden Berliner Einrichtungen (AG) aber der gleichen Meinung wie Dr. Blaszkiewitz (s.a. Zukunft Berlin-Thread von heute).

(02.02.2007, 12:35)
Sarkasmo:   Die EEP'S sind der gr√∂√üte Quatsch seit Erfindung der Zoos, Aspinall hat das von Anfang an erkannt und nicht daran teilgenommen,allein im HInblick auf seine gro√üen Gorilla-Gruppen wollte das EEP die H√§nde gierig danach ausstrecken und ihm die wertvollsten Tieer wegnehmen , das gleiche versuchten das EEP's mit den Spitzmaulnash√∂rnern ! Aspinalls Tiere sind gentisch sehr wertvoll und das EEP √§rgert sich gr√ľn und blau, das sie an diese Ressourcen nicht rankommen.Gott sei Dank, mu√ü man sagen.Ich finde es auch sehr lobenswert von Dr. Blaskiewitz, das er am Elefanten-EEp nicht teilnimmt und er selbst bestimmen kann, was er mit seinen Elefanten tut und was nicht. Man kann zu den Abgaben stehen wie man will, alle seine abgegebenen Elefanten leben noch, was man von den √ľber das EEP vermittelte Elefanten nicht behaupten kann, Beispiel Hagenbeck. Bedauerlicherweise kann er nicht aus allen EEP's aussteigen,weil es dann schwieriger f√ľr ihn wird, selbst Tiere zu bekommen, falls wertvolle Zuchttiere verlorengehen.In vielen F√§llen verhindert das EEp sogar Nachzuchten oder ist unf√§hig, die Tiere richtig zu platzieren, weil die entsprechenden Koordinatoren unf√§hig sind. Schafft die EEP's ab, eine Folge davon wird sein, das auch die Tierbest√§nde in den Zoos wieder vielf√§ltiger werden, gebt nicht immer den Zoos die Schuld,wenn bestimmte Tiergruppen verschwinden, Hauptschuld daran tr√§gt das EEP.
(02.02.2007, 12:28)
Zoog√§nger:   Wenn das EEP √ľber alle Tiere mehr und mehr Gewalt der Entscheidung hat, dann hat doch kein Zoo mehr Tiere die er besitzt! Sind EEP`s eigentlich nicht urspr√ľnglich nur f√ľr Genetische Infos entstanden? Wenn sie jetzt mehr und mehr Tiere nach ihren Willen(Gorilla Antilopen Okapis etc.)hin und herschicken, brauch es dann bald keine Kuratoren oder gar Direktoren in den Zoos, deren Tierbest√§nde werden doch dann durch die EEP`s festgelegt und Abgegeben. Die Holl√§nder haben glaube ich mit den EEP`s begonnen. Rotterdam will doch noch die Gorillas nach Shanghai schicken um wieder etwas besonderes nach Holland zu holen. Wobei alle Zoos der Alttiere nicht gefragt sind ob sie ihre Tiere dort hinschicken wollen! SIND EEP`S SO NOCH GERECHTFERTIGT??? ZOOS die nicht mehr √ľber ihre Tiere entscheiden d√ľrfen. Haben Aspinall oder Berlin Tierpark nicht recht auf EEP`s zu verzichten.
Es geht auch noch weiter. Zoos die nach Richtlinien Anlagen haben kriegen keine Tiere die im EEP sind,nur weil der ZOO nicht in der EAZA ist. Kein EAZA, kein EEP, keine Tiere. Ist das sinnvoll, obwohl es neue Haltungen gäbe nur eben ohne der Entscheidungsgewalt der EEP`s, eben nur Zoo an Zoo?
(01.02.2007, 22:40)
Oliver Jahn:   @ Michael, ohne Gew√§hr f√ľr die Richtigkeit der Aussage habe ich damals aus Halle erfahren, dass in dem Moment, wo ein Zoo (hier Halle) seine Tiere (die ihm geh√∂ren!)√ľber das EEP abgibt, ohne die M√∂glichkeit zu besitzen, sie zur√ľckzunhemen, er damit auch das WOHIN aus der Hand gibt!! Halle hatte immer gute Verbindungen zum TP Berlin, schlie√ülich waren die Hallenser ja auch gl√ľcklich, dass nach dem der Bulle in Leipzig weiter randalierte, die Kuh, f√ľr die dadurch Leipzig ausschied, vom Tierpark aufgenommen wurde. Nach dem die Kuh sich dann dort eingelebt hatte, h√§tte Halle sicher nichts dagegen gehabt, sie dort zu belassen. Aber da hatte Halle dann keinen Einfluss mehr drauf. Das kann nat√ľrlich aber in dem speziellen Fall auch daran gelegen haben, dass bereits zu dem Zeitpunkt, als der Bulle nach Leipzig ging feststand, dass die Tiere (beide!!) nach Salzburg sollen! Warum sie dann in Leipzig und vor allem in Berlin so lange zwischengeparkt wurden, das wei√ü ich nicht, vielleicht war zu diesem Zeitpunkt die Salzburger Anlage noch nicht fertig.
(04.07.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Und warum sollte man es aufl√∂sen - es verursacht doch dann zwangsl√§ufig auch keinen Aufwand....
(03.07.2006, 00:00)
Johannes Pfleiderer:   Wozu gibt es eigentlich noch ein EEP f√ľr den Kleideraffen. Seit dem Ende der Haltung in Basel vor einigen Jahren ist die schrumpfende Gruppe in K√∂ln doch die letzte in Europa.
(03.07.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Was mich daran interessieren w√ľrde, ist die Rolle von Halle. Immerhin m√ľsste doch der Zoo Halle nach wie vor EIGENT√úMER von Kifaru sein - und somit gefragt werden, oder sehe ich das falsch? Wenn die Zoos mit der Teilnahme an EEPs auf ihre Eigentumsverh√§ltnisse verzichten w√ľrden, w√§ren doch auch keine EEP-Tiere mehr als "ausw√§rts eingestellt" in den Tierbest√§nden aufgef√ľhrt, denn die w√§ren dann ja eigentlich "Abgaben". Das ist es, was mir noch nicht recht einleuchtet.
(01.07.2006, 00:00)
Karsten Vick:   √úber Regularien wei√ü ich auch nichts, aber ich wei√ü, warum die Berliner damals so sauer waren, dass sie das Nashorn abgeben mussten. Sie hatten nach der Wende eine Gruppe aufgebaut: ihr altes Weibchen Lotzi, der noch √§ltere Dresdner Bulle Mtandane, die Hallenser Kuh Kifaru im besten Alter und ein junges Paar Kusini und Mizigo aus San Diego. Die vertrugen sich gut, waren oft alle 5 auf der Anlage. Konnte also mit der Zucht losgehen. Dann starb v√∂llig unerwartet die junge Kuh Mizigo. Kifaru war die einzige zuchtf√§hige Kuh. Und die musste auf Weisung des EEP nach Salzburg abgegeben werden. Verst√§ndlich, dass die Berliner da sauer waren. Die Verh√§ltnisse damals in Salzburg kenne ich nicht; nach Aussage der Berliner hatten sie auch keinen zuchtERPROBTEN Bullen. Einen zuchtF√ĄHIGEN hatten sie schon, n√§mlich den alten Hallenser. Nachdem Altkuh Lotzi auch tot war, wurde Jungbulle Kusini nach Emmen abgegeben. Ich hab zwar den neuen Jahresbericht noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass die Abgabe 1. auf Weisung des EEP und nicht auf Eigeninitiative des Tierparks und 2. ohne Proteste seitens des TP erfolgte.

Die Weisung, Kifaru abzugeben, erschien mir damals schon wie eine Einmischung von oben. Und da wurde keine Katze, sondern ein richtiges Großtier auf eine 800-km-Reise geschickt.
(30.06.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Ich hoffe noch immer darauf, dass jemand zur Kl√§rung meiner Frage beitragen kann....
(30.06.2006, 00:00)
Jelle:   Die Diskussion is sicherlich aktuell zu bezeichnen. Das Bild einer Tierpark Breitmaulnashorn gegen seinen Willen ausquartiert wurde, kann ich mir schon einiges vorstellen. Aber dass grosse Ziel waere die genetisch gepraegte und veterinaerisch gesicherte Zucht von bedrohte Tierarten aller Welt in den Zoos Europas. Dafuer soll doch das Tierpark Berlin ihrem Nashorn zur Verfuegung stellen muessen? Es ist naemlich nicht das Interesse individuellen Zoos, aber die ganze Zoo Gemeinschaft Europas die Haltung dieser Art zu sichern und wo moeglich auch in situ Naturschutz zu betrachten koennen.
(16.06.2006, 00:00)
Hannes:   Ich denke das hat wirklich was damit zu tun ob Tiere eingestellt oder Besitz der Zoos sind.
Ich selbst bin beim Lesen in Jahresberichten immer sehr erstaunt was die Zoos an Tieren haben und was ihnen garnicht geh√∂rt. Also enn ich lese das M√ľnster insgesamt um die 15-20 Geparde besitzt dann kuckt man ja doch wohl. Mir wurde im Vogelpark Metelen einmal gesagt das viele Zoos und Privatleute garnicht erfreut sind wenn ihre Tiere irgendwo eingestellt werden denn besonders bei Rariot√§ten will man ja wissen wie mit ihnen umgegangen wird.
(16.06.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Mich w√ľrde interessieren, welchen Regularien Zoos bei der Mitwirkung an Zuchtb√ľchern usw. unterworfen sind bzw. sich freiwillig unterwerfen.

So war (hier im Forum?) vor einiger Zeit zu lesen, dass dem Tierpark Berlin gegen seinen Willen bzw. Wunsch ein Breitmaulnashorn auf Weisung des Zuchtbuchf√ľhrers "abgezogen" wurde. Und so weit ich geh√∂rt habe, verweigerte sich John Aspinall seinerzeit dem Gorilla-EEP, weil er bef√ľrchtete, dass man ihm sofort seine gewachsene und harmonische, aber "leider" auch genetisch wertvolle Howletts-Gruppe auseinanderrei√üen und quer √ľber Europa verstreuen w√ľrde. Andererseits kann ich mir nur schlecht vorstellen, dass z.B. der EEP-Koordinator f√ľr Asiatische Elefanten anordnen kann, dass Hagenbeck seinen Bullen "einpacken" und in einen anderen Zoo schicken muss.

Wie also ist sowas geregelt? Werden die Regularien f√ľr jede Tierart gesondert vereinbart, also auch, ob der Koordinator weisungsbefugt ist oder nur Empfehlungen aussprechen darf? Spielen die Eigentumsverh√§ltnisse dabei eine Rolle?

Und sind die Zoos bei "normalen" Zuchtb√ľchern (also "unterhalb" von EEP und SSP) eigentlich VERPFLICHTET, ihre Daten zur Verf√ľgung zu stellen? Das Fehlen oder Verschwinden mancher Individuen in den Zuchtb√ľchern k√∂nnte ja auch darin bedingt sein, dass man eben keinen Zoo (und erst recht H√§ndler)dazu zwingen kann, Daten zu liefern.
(16.06.2006, 00:00)

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