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Wölfe und Goldschakale in Europa



cajun:   Es gibt einen neuen Artikel zur Ausbreitung des Goldschakals in Deutschland. Anscheinend wird angestrebt "irgendwann mal" das Monitoring dieser- √§hnlich wie bei den W√∂lfen- von selbst einwandernden Art, an das bestehende Wolfsmonitoring zu koppeln. Allerdings sind die W√∂lfe R√ľckkehrer, die Schakale gelten als "Neub√ľrger". Genetisch ist man allerdings erst bei der Aufschl√ľsselung des Geschlechtes der Tiere, von denen die Proben stammen. Herkunft, Abstammung, Wanderverhalten, all das ist genetisch noch nicht verfolgbar.
Aber lest selbst:
?Im Wurzacher Ried im Kreis Ravensburg f√ľhlt sich der Goldschakal offenbar schon heimisch. Im Mai 2020 gelang es einem Ornithologen erstmals, das Tier zu fotografieren. Seitdem l√§uft der Schakal bei seinen Streifz√ľgen durch das Moorgebiet immer wieder vor die eigens f√ľr ihn aufgestellten Fotofallen. Auch im Nationalpark Hainich in Th√ľringen und im Landkreis Vogelsberg in Hessen wurden einzelne Goldschakale √ľber l√§ngere Zeitr√§ume hinweg immer wieder gesichtet. Dabei ist Canis aureus eigentlich in w√§rmeren Gefilden beheimatet: auf dem Balkan, im Nahen Osten, in Indien und S√ľdasien. Nun breitet sich das scheue Raubtier jedoch immer weiter nach Norden aus. √úber die genauen Gr√ľnde k√∂nnen √Ėkologen bisher nur Vermutungen aufstellen.
?Deutschland ist eines der L√§nder, die aktuell an der Front des Ausbreitungsgeschehens zu stehen scheinen?, sagt J√∂rg Tillmann vom DBU Naturerbe, einer gemeinn√ľtzigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Seit 1997 habe es drei√üig eindeutige Nachweise von Goldschakalen in Deutschland gegeben, neun davon allein im vergangenen Jahr. Wie viele der Wildhunde aktuell in Deutschland leben oder auf der Durchreise sind, l√§sst sich nicht genau sagen. Die Zahl der Goldschakale in Europa insgesamt wird auf 70.000 bis 117.000 Tiere gesch√§tzt.F√ľr Laien ist der Goldschakal auf den ersten Blick nicht leicht als solcher zu erkennen. Mit einer Schulterh√∂he von 44 bis 50 Zentimetern wird er etwas gr√∂√üer als ein Fuchs. Seine Rute ist im Vergleich zum K√∂rper jedoch deutlich k√ľrzer. Charakteristisch f√ľr den Goldschakal ist au√üerdem das namengebende gelblich-graue Fell. Damit erinnert er mitunter sogar an einen Wolf, auch wenn er l√§ngst nicht an dessen K√∂rperma√üe heranreicht.
In den 1960er Jahren wurden auf dem Balkan sowohl der Goldschakal als auch der Wolf gezielt verfolgt und mit Giftk√∂dern get√∂tet. Au√üerdem verlor er in S√ľd- und Osteuropa weite Teile seines Lebensraums, unter anderem infolge der immer intensiveren Landnutzung durch den Menschen. In gro√üen Gebieten war er daraufhin ganz ausgestorben. Erst durch Schutzma√ünahmen und ein Verbot von Giftk√∂dern erholte sich die Population wieder. ?Mittlerweile geht es dem Goldschakal in den Balkan-Staaten wieder sehr gut?, sagt Tillmann. ?Diese Populationserholung ist wahrscheinlich ein Hauptgrund daf√ľr, dass sich der Goldschakal weiter ausbreiten kann.?Auch der zeitweilige R√ľckgang des Wolfs k√∂nnte dazu beigetragen haben, dass der Goldschakal in neue Gebiete vordringen konnte. ?Dadurch, dass der Wolf in manchen Gebieten ausgerottet war, ist Platz f√ľr kleinere Beutegreifer entstanden?, sagt die Wildtier√∂kologin Jennifer Hatlauf, die an der Universit√§t f√ľr Bodenkultur Wien ein Forschungsprojekt zu Goldschakalen leitet. Jetzt, da sich beide Arten vermehrt ausbreiten, sei es interessant zu beobachten, wie sich Wolf und Goldschakal in Zukunft ihren Lebensraum teilen werden. ?In Kerngebieten von Wolfsrudeln werden sich kaum Goldschakale ansiedeln?, sagt Hatlauf. ?In Randgebieten kann aber durchaus eine gemeinsame Nutzung des Lebensraums vorkommen.?
Viele √Ėkologen sehen auch in der Klimaerw√§rmung einen Faktor f√ľr die Ausbreitung der Tierart. Der Wildhund meidet normalerweise Regionen, die im Winter mit einer hohen Schneedecke bedeckt sind. ?Der Goldschakal bevorzugt schneearme Winter und warme Sommer?, sagt J√∂rg Tillmann. Insofern profitiere er durchaus vom Klimawandel. In den letzten Jahren h√§tten au√üerdem zeitweilige √úberflutungen und D√ľrren auf dem Balkan Wanderbewegungen ausgel√∂st. Andere Forscher sehen das skeptisch. ?Der Goldschakal wurde auch schon in Skandinavien nachgewiesen. Das zeigt, dass er genauso gut unter extremen Bedingungen existieren kann?, sagt Felix B√∂cker von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-W√ľrttemberg. Eher vorstellbar sei, dass grunds√§tzliche Ver√§nderungen in der Nutzung der Kulturlandschaft zu einer Ausbreitung des Goldschakals beitragen.Die aktuelle Ausbreitungsdynamik spreche jedenfalls daf√ľr, dass der Goldschakal sich in einigen Regionen Deutschlands inzwischen heimisch f√ľhle, sagt J√∂rg Tillmann: ?Dementsprechend ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Reproduktionsnachweis f√ľr Deutschland erbracht wird.? Sobald nachgewiesen werde, dass Goldschakale in Deutschland ihre Jungen gro√üziehen, empfehle sich ein gezieltes Monitoring der Population. Es sei zum Beispiel sinnvoll, erste sesshafte Tiere direkt mit Sendern zu versehen, um zu untersuchen, in welchem Gebiet sie sich bewegen.
?Wir wissen bisher nur wenig √ľber den Goldschakal?, sagt B√∂cker. Die Forscher k√∂nnen deshalb auch nur Vermutungen anstellen, welche Folgen ein Anstieg der Goldschakal-Dichte in Deutschland mit sich bringen k√∂nnte. Untersuchungen in Bulgarien haben gezeigt, dass in Gebieten mit Goldschakalen die Zahl der F√ľchse leicht abnimmt. ?Ein einzelner Goldschakal wird darauf keinen Einfluss haben?, sagt B√∂cker. Im Moment k√∂nne man nur spekulieren, wie gro√ü der tats√§chliche Einfluss dieser Tierart auf das √Ėkosystem in Zukunft sein werde.
Anders als beim Wolf gebe es f√ľr den Goldschakal in Deutschland noch keinen genetischen Stammbaum, sagt B√∂cker. ?Wir wissen zum Beispiel nicht, wo der Schakal in Ravensburg herkam.? Anhand einer Kotprobe konnte B√∂cker immerhin das Geschlecht des Tiers herausfinden. Mit dem blo√üen Auge sei der Kot von Goldschakalen und F√ľchsen kaum zu unterscheiden, sagt B√∂cker. Deshalb war er mit einer speziell ausgebildeten H√ľndin unterwegs, die darauf trainiert ist, die Losung von W√∂lfen, Goldschakalen und Luchsen zu erkennen. Eine genetische Untersuchung der Kotprobe zeigte, dass es sich bei dem Goldschakal in Ravensburg um einen R√ľden handelte.
Die Arbeit mit Sp√ľrhunden ist noch eine eher neue Methode, um mehr √ľber Goldschakale zu lernen. Wichtig sind f√ľr die Forscher dar√ľber hinaus vor allem Fotofallenbilder und Hinweise aus der Bev√∂lkerung. ?J√§ger und J√§gerinnen zum Beispiel, die viel drau√üen sind und dabei auf Hinweise sto√üen, k√∂nnen sich bei uns melden?, sagt B√∂cker. Auch Tillmann hofft darauf, den Goldschakal in Deutschland noch bekannter zu machen, damit er von Menschen, die viel in der Natur unterwegs sind, erkannt wird. Sp√§ter k√∂nne der Goldschakal dann beispielsweise im Rahmen des Wolfs-Monitorings mit√ľberwacht werden.
Es sei sehr spannend, die Diskussionen zu verfolgen, ob der Goldschakal Platz in unserer Kulturlandschaft habe, sagt Jennifer Hatlauf. Dass seine Ausbreitung in der √Ėffentlichkeit √§hnlich kritisch aufgenommen werden k√∂nnte wie bei seinem gro√üen Verwandten, sieht die Schakal-Forscherin bisher nicht ? unter anderem, weil der Goldschakal nur etwa ein Drittel so gro√ü wie der Wolf sei. Und auch wenn im Sommer ein Goldschakal in Nordrhein-Westfalen durch Schafsrisse f√ľr Schlagzeilen sorgte, gr√∂√üere √úbergriffe wie beim Wolf seien nicht zu bef√ľrchten, versichert J√∂rg Tillmann. Auch an gr√∂√üere Nutztiere traue sich der Goldschakal mit seinen maximal f√ľnfzehn Kilogramm K√∂rpergewicht nicht heran.
√Ėkologen wird die Art trotzdem noch eine Weile besch√§ftigen: ?Beim Goldschakal ist es gerade eine der wenigen Situationen, in denen der Mensch mitbekommt, wie eine Tierart sich weiter ausbreitet und an Ver√§nderungen anpasst?, sagt Felix B√∂cker. Auch wenn Goldschakale bisher noch nicht in Deutschland vorgekommen seien, mit einer durch den Menschen eingef√ľhrten Art wie dem Waschb√§ren d√ľrfe er nicht verwechselt werden. Der Goldschakal breitet sich auf nat√ľrlichem Wege aus. Umso interessanter die Frage, wo er sich hierzulande dauerhaft niederlassen wird.?
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wissen/leben-gene/goldschakale-in-deutschland-gesichtet-17147295.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2


(21.01.2021, 11:05)
cajun:   @Manuel Hoefs: War ja eher scherzhaft gemeint. :)

Ich bin immer fasziniert, wie gut die R√ľckkehr der W√∂lfe durch ein umfassendes Monitoring begleitet wird. Der neue, deutsche Wolfsbestand gilt als eine der am gr√ľndlichsten erforschten Wildtierpopulationen. Gerade das Gebiet um die L√ľneburger Heide ist mittlerweile dicht besiedelt.
Seit 2012 hat die Landesj√§gerschaft das Wolfsmonitoring in NDS √ľbernommen. Aufgrund von Beobachtungen, Fotofallennachweisen und genetischen Beprobungen, erz√§hlen die j√§hrlichen Berichte und Publikationen spannende Geschichten rund um die Ausbreitung W√∂lfe.
Eine der interessantesten Wolfsgeschichten in Niedersachsen, ergibt sich aus der Chronik des heutigen Rudels Eschede/ Rheinmetall. Sie zeigt nicht nur, wie dynamisch sich die schnell anwachsende Wolfspopulation in NDS entwickelt hat, sondern auch wie Wolfsrudel entstehen und sich Territorien verschieben.
Im Jahre 2013 etablierten sich zwei Wolfspaare im Raum Unterl√ľ√ü. Einmal ein Geschwisterpaar aus Brandenburg (Rudel Lehnin) bei Eschede und auf dem Schie√üplatz Rheinmetall ein R√ľde (Rudel Gl√ľcksburger Heide), sowie eine F√§he (Rudel Altengrabow), beide aus Sachsen- Anhalt zugewandert.
Beide Paare reproduzierten im Jahre 2014 erstmalig. Das Rudel Rheinmetall allerdings nur dieses eine Mal. Ab 2015 war dieses Rudel nicht mehr pr√§sent. Einzig ein weiblicher Nachkomme der Verpaarung war genetisch nachweisbar. Diese F√§he wanderte 2016 ab und etablierte zusammen mit einem R√ľden, ein Nachkomme des Rudels Cuxhaven,NDS, das Territorium Ebstorf, und reproduziert dort von 2017 bis heute, mittlerweile mit dem 3. R√ľden. Die Welpen Zahl seither betr√§gt mindestens 15.
Von 2015 bis 2017 reproduzierte die F√§he des Rudels Eschede j√§hrlich, allerdings auch mit zwei unterschiedlichen R√ľden. Der alte Lehniner R√ľde wurde nicht mehr nachgewiesen. Der zweite R√ľde konnte genetisch nicht identifiziert werden, der Dritte war aus Brandenburg (Rudel Babben) zugewandert. Bei dieser Verpaarung ist es bis heute geblieben. In dieser Kontellation verschob sich das Rudelterritorium 2017 auf den Schie√üplatz Rheinmetall. Seit 2014 hat die F√§he mindestens 34 Welpen geboren.

(16.01.2021, 16:33)
Manuel Hoefs:   @cajun:
danke f√ľr dein Text √ľber die W√∂lfe in meiner Region. "Kurti" hat hier nat√ľrlich gro√üe Wellen geschlagen, als er die Frau mit Kinderwagen verfolgt hat etc. Seit dem ist es hier bez√ľglich Wolfssichtungen auch tats√§chlich viel ruhiger geworden. Nur noch vereinzelte Sichtungen an Randgebieten sind zu verzeichnen. Und dadurch, dass ich auch kein Soldat bin, habe ich leider keinerlei M√∂glichkeiten, auf dem gesperrten Teil des Platzes Sichtungen zu t√§tigen.
(16.01.2021, 16:14)
cajun:   @Manuel Hoefs: Das ist der Thread auf den Liz anspielte. Da du Munster als Wohnort angegeben hast, befindest du dich in der N√§he des Territoriums auf dem gleichnamigen Truppen√ľbungsplatz.
Zur Historie des dort ansässigen Wolfsvorkommens, soweit bekannt:
Das Munster Rudel war die erste Ansiedlung einer Wolfsfamilie in Niedersachsen seit Ausrottung des Wolfes dort. Eine F√§he aus Sachsen (Rudel Nochten) wanderte 2012 ein und etablierte ein Territorium. Nach Zuwanderung eines Wolfsr√ľden, ebenfalls aus Sachsen (Rudel Neustadt) reproduzierte das Paar j√§hrlich.
Innerhalb des Rudels gab es 2014 einen Wechsel des Muttertieres. Eine Tochter des Paares verpaarte sich mit ihrem Vater. Die Nochtener F√§he war nicht mehr nachweisbar. Der erste Wurf der Beiden fiel sehr √∂ffentlichkeitswirksam durch Nahkontakte zu Menschen auf, Besonders zwei R√ľden folgten immer wieder Spazierg√§ngern, bettelten Autos an und zeigten wenig scheu. Das Verhalten war nicht erkl√§rbar. Hypothese ist hier, dass Soldaten auf dem TP√ú die Wolswelpen angef√ľttert haben. Das lie√ü sich, auf ins Netz gestellten Videos nachvollziehen. Beide R√ľden wanderten im Hebst des Jahres ab. Dabei sorgten sie in den Niederlanden und Norddeutschland f√ľr spektakul√§re Bilder, da sie- ohne gro√üe Scheu- tags√ľber durch Ortschaften liefen etc. Einer der beiden wurde Opfer des Stra√üenverkehrs. der andere, sp√§ter "Kurti" genannt, kehrte in elterliche Territoruium zur√ľck, wo er sich an der Welpenaufzucht des neuen Jahrgangs beteiligte. Aus dem Rudel wurden daraufhin zwei Tiere (er selbst und eine Wurfschwester) besendert. Er zeigte in der Zeit danach ganz normales Wolsverhalten. Im Herbst des Jahres aber folgte er u.A. einer Frau mit Kinderwagen und einem angeleinten Hund, ohne sich vertreiben zu lassen. Weiterhin griff er einen anderen Hund, der an der Leine von Spazierg√§ngern ausgef√ľhrt wurde, an. Das zust√§ndige Ministerium erteilte daraufhin einen Erlass zur "letalen Entnahme". Die besenderte Schwester blieb un√§uff√§llig und wurde bei innerartlichen Revierk√§mpfen get√∂tet. Dieser Fund lenkte den Blick auf einen Rudelwechsel auf dem T√úP. Ein neues Paar hatte sich gefunden und etablierte sein Territorium (genannt Bispingen) nebem dem Munster Rudel. Ein R√ľde aus Sachsen Anhalt (Rudel Gl√ľcksburger Heide) und eine F√§he unbekannter Herkunft reproduzierten hier 2017 das erste Mal (6 Welpen) . Die F√§he wurde, noch laktierend, Opfer eines Verkehrsunfalls. Das alte Munster Rudel hatte 2016 das letzte mal Nachwuchs. Seither sind die Elterntiere verschollen. Nach 2018 ist die Lage unklar. Eine F√§he wurde zwar genetisch identifiziert, aber es gelangen keine Individualisierung und keine Nachweise einer Reproduktion. Nachwievor gibt es es W√∂lfe im Territorium. F√ľr das laufende Wolfsjahr besteht der Nachweis einer laktierenden F√§he und von 4 Welpen.
Vielleicht kannst du ja Licht ins Dunkel bringen :-)
(15.01.2021, 17:16)
Sacha:   Dann zielen unsere Gedanken und Absichten in die gleiche Richtung. Natur- und Artenschutz funktioniert auf Dauer nur, wenn man die lokale Bev√∂lkerung bzw. die Betroffenen miteinbezieht/ernst nimmt und diese wenn nicht profitiert, so wenigstens nicht verliert/drauflegt. Da muss man eben auch √úberzeugungsarbeit leisten und nicht einfach hochn√§sig √ľber die K√∂pfe der kleinen Leute entscheiden. Erkannte u. a. auch schon lange Bernhard Grzimek und hat man z.B. auch bei einigen (geplanten) Naturschutzprojekten in der Schweiz erkannt (Stichwort direkte Demokratie √ľber Abstimmungen). Aber das hatten wir ja schon in einem anderen Thread...
(12.01.2021, 20:58)
cajun:   @Sasha: Genau das war meine Intention. Es ist m√∂glich, mit Ma√ünahmen, die darauf abgestimmt werden. Habe ich verstanden und da sind wir gleicher Ansicht. Allerdings betriftt es nicht nur die "Holl√§nder", sondern eben auch alle anderen europ√§ischen Gebiete. Vor allem die, die durch den Wolf neu besiedelt werden. Darauf zielte mein Posting. HWC durch gro√üe Beutegreifer ist pl√∂tzlich wieder
aktuell. Und die Menschen stehen hier einem Tier gegen√ľber, das anders als Biber oder Reh, an einer anderen Stelle der Nahrungskette eingeordnet ist.
Es hat sich gezeigt, dass es sehr wichtig ist, hier von Beginn an die, trotz allem bestehenden √Ąngste und Vorurteile, der betroffenen Landwirte, Sch√§fer, J√§ger etc. ernst zu nehmen.
In weiten Teilen der Bev√∂lkerung wird die R√ľckkehr des Wolfes zwar begr√ľ√üt. Die jenigen, die direkt mit den nat√ľrlichen Auswirkungen (z.B. Haustierisse, Nahbegegnungen, √Ąnderung der Wilddichte) der Wiederbesiedlung zu tun bekommen, sind da skeptischer. Genau die gilt es "wissenschaftlich ins Boot zuholen". Und da ist noch eine Menge Arbeit zu leisten, wie man sieht.
Kleiner Einschub dazu. Rissvorf√§lle in etablierten Wolfsgebeiten betreffen zunehmend nicht mehr die profesionellen, sondern eher die Hobbyhalter. Die sch√ľtzen ihre Tiere, trotz F√∂rderangeboten, eher nicht.
Nachdem in NRW nun das zweite Mal ein Shetlandpony auf der Weide (ohne jegliche Schutzmaßnahmen!) gerissen wurde, bin ich gespannt, wie die Bevölkerung reagiert. Es gibt nun nämlich "Opfer mit Namen"... ;-) erste polemische Reaktionen gingen bereits von Lokalpolitikern aus...
(12.01.2021, 12:52)
Sacha:   @cajun: Ich glaube, ich habe hier Deine Einleitung bzw. Deine Reaktion auf meine ironische-humoristische Bemerkung nicht ganz kapiert. Nat√ľrlich bringt die R√ľckkehr des Wolfes Probleme mit sich. Aber dass deswegen die Weidehaltung von K√ľhen per se nicht mehr m√∂glich sein soll, ist Quatsch (und das best√§tigen ja auch Teile aus Deinem letzten Post).
(11.01.2021, 20:49)
cajun:   @Sasha: Das wir uns bei dieser Wiederbesiedlung von (Kultur-) Landschaften durch den Wolf alle an die eigene Nase fassen m√ľssen, zeigt nicht nur die aktuelle Todfundstatistik 2020 f√ľr Deutschland:

https://www.dbb-wolf.de/totfunde/karte

Immerhin neun illegale Absch√ľsse 2020.
Neben den verheerenden Verlusten im Straßenverkehr fast die zweithäufigsdte Todesursache.

Auch die Eidgenossen haben so ihr Thema mit der R√ľckkehr der Gro√üraubtiere , wie man immer wieder liest

Bilanz 2020: Neun Wolfrudel in der Schweiz
News vom 30.12.2020
Im biologischen Jahr 2019/20 (1. Mai 2019 bis 30. April 2020) gab es in der Schweiz mindestens sechs reproduzierende Wolfsrudel, bei drei weiteren war der Status unklar. Im laufenden biologischen Jahr 2020/21 (1. Mai 2020 bis 30. April 2021) k√∂nnen aktuell mindestens neun Rudel best√§tigt werden, zus√§tzlich ist in einem weiteren Gebiet der Status unklar (Val d'Entremont und angrenzende Gebiete). Drei ehemalige Rudel d√ľrften mittlerweile definitiv nicht mehr existieren, obwohl noch einzelne W√∂lfe im Gebiet sind (Augstbord/VS, Calanda/GR/SG und Valle Morobbia/TI). Somit leben in der Schweiz nach aktuellem Wissensstand mindestens neun Wolfsrudel, die sich fortgepflanzt haben. F√ľnf reproduzierende Rudel gibt es in Graub√ľnden, zwei im Kanton Wallis und je eines im Kanton Waadt und Glarus. Als Rudel gelten grunds√§tzlich territoriale Wolfsvorkommen mit drei oder mehr vergesellschafteten Tieren und mit beiden Geschlechtern. Daher k√∂nnte auch die Wolfspr√§senz im Val d'Entremont als Rudel definiert werden, da diese Definition dort erf√ľllt ist, auch wenn es keinen Nachweis f√ľr eine Reproduktion gibt.
Quelle: https://www.gruppe-wolf.ch/Wolfsnews/Bilanz-2020%253A-Neun-Wolfrudel-in-der-Schweiz.htm
Gantrisch-Wölfin: Herdenschutz ist die beste Vergrämung
News vom 25.12.2020
Fakten zur Wolfspräsenz:
Seit Anfang Oktober 2020 h√§lt sich ein weiblicher Wolf im Gebiet n√∂rdlich der Gantrischkette im Kanton Bern zwischen G√ľrbe- und Sensetal auf. Das Tier wurde genetisch bestimmt und wird als F78 bezeichnet. Diese W√∂lfin wurde zuvor noch nie in der Schweiz nachgewiesen. Sie d√ľrfte somit von Frankreich oder Italien zugewandert sein und nicht aus einem Schweizer Rudel stammen. Hinweise auf einen zweiten Wolf im Gebiet gibt es nicht. Es handelt sich folglich um eine einzelg√§ngerische, j√ľngere Einzelw√∂lfin, die mindestens 1,5 Jahre alt ist. Wandert in den n√§chsten Wochen ein R√ľde ins Gebiet ein, ist eine Paar- und Rudelbildung 2021 nicht g√§nzlich ausgeschlossen. Dass die W√∂lfin weiter zieht, ist aber ebenfalls denkbar. Viele verschiedene Erfahrungen mit Einzelw√∂lfen in der Schweiz zeigen, dass diese rasch weiter ziehen k√∂nnen, sobald ungesch√ľtztes Kleinvieh als leichteste Beute fehlt, selbst wenn sie sich zuvor √ľber mehrere Wochen bis Monate station√§r in einem Gebiet aufgehalten haben. Ob sich die W√∂lfin F78 dauerhaft im Gebiet etabliert, kann damit als offen gelten.
Fakten zum Verhalten und den Rissen der Wölfin:
In dem die W√∂lfin ungesch√ľtzte, leicht zu erbeutende Nutztiere reisst, zeigt sie artgerechtes Verhalten. Denn Paarhufer, zu denen auch die meisten Nutztiere geh√∂ren, stellen grunds√§tzlich die nat√ľrliche Beute von W√∂lfen dar. Stand heute, erfolgten seit Anfang Oktober 23 Angriffe auf Schafherden, wobei √ľber 30 Tiere gerissen wurden. Dies entspricht einer Frequenz von ca. zwei Angriffen pro Woche, was einer nat√ľrlichen Jagdh√§ufigkeit entspricht - so oft pro Woche machen W√∂lfen normalerweise Beute. Die Risse traten in einem Gebiet von rund 200 km2 auf, was einer durchschnittlichen Gr√∂sse eines Wolfsterritoriums entspricht. Die W√∂lfin scheut offenbar die N√§he zu Siedlungen nicht. Die Tatsache, dass es nur eine Handvoll Sichtungen gibt und die Vergr√§mung trotz regelm√§ssiger Versuche nicht gelingt, belegt aber, dass sie Begegnungen mit Menschen meidet. Auch wenn die Angriffe auf Nutztiere nat√ľrlich nicht dem entsprechen, was wir Menschen uns von W√∂lfen w√ľnschen, so zeigt die W√∂lfin F78 dennoch ein v√∂llig normales und artgerechtes Verhalten eines gesunden Wolfes.
Fakten zur Rechtslage:
W√∂lfe k√∂nnen nach dem g√ľltigen, vom Volk am 27. September 2020 best√§tigten eidgen√∂ssischen Jagdgesetz abgeschossen werden, wenn sie grosse Sch√§den anrichten. Auch die Berner Bev√∂lkerung best√§tigte in dieser Abstimmung das heutige Jagdgesetz. Die Kriterien f√ľr Absch√ľsse sind in Art. 4 und 9 der eidgen√∂ssischen Jagdverordnung geregelt, wobei bei Einzelw√∂lfen der Art. 9 zur Anwendung kommt. Es gilt zusammengefasst folgendes:
Einzelw√∂lfe k√∂nnen abgeschossen werden, wenn sie 25 Nutztiere in einem oder 35 Nutztiere in vier Monaten t√∂ten. Wenn in einem Gebiet bereits in fr√ľheren Jahren Sch√§den auftraten, reduziert sich die Zahl der Risse auf 15, wobei in diesem Fall aber nur noch get√∂tete Tiere gez√§hlt werden d√ľrfen, die trotz zumutbarem Herdenschutz gem√§ss Jagdverordnung gerissen wurden.
Welches die Gebiete sind, in denen schon in fr√ľheren Jahren Sch√§den aufgetreten sind, ist im eidgen√∂ssischen Wolfskonzept im Anhang 3 definiert. Der Fall der W√∂lfin F78 ist insofern komplex, als dass ihr Streifgebiet sowohl Gebiete umfasst, die bereits als Gebiete mit fr√ľherer Wolfspr√§senz ausgeschieden sind, als auch solche ausserhalb dieser Zone. Somit kommen bei der Anrechenbarkeit der Risse verschiedene Kriterien zur Anwendung: Der n√∂rdlichen Teil ihres Streifgebietes gilt noch nicht als Gebiet mit fr√ľherer Wolfspr√§senz, womit dort alle Risse anrechenbar f√ľr eine Abschussbewilligung anrechenbar sind. Bei den Rissen im s√ľdlichen Teil sind hingegen nur solche in zumutbar gesch√ľtzten Situationen anrechenbar. Fast alle Nutztiere wurden in ungesch√ľtzten Situationen gerissen.
Von den bisher 23 Angriffen durch die W√∂lfin fanden nach Einsch√§tzung der GWS insgesamt zehn in Gebieten mit bereits fr√ľherer Wolfspr√§senz gem√§ss Anhang 3 des Wolfskonzeptes statt. Aufgrund des wahrscheinlich fehlenden Herdenschutzes resultieren daraus kaum anrechenbare Risse, allenfalls gar keine. Im n√∂rdlichen Teil sind hingegen dieses Jahr noch alle Risse anrechenbar, wobei die dort geltende Schwelle von 25 Rissen in einem Monat oder 35 in vier jedoch deutlich nicht erreicht wird. Damit kann keine Abschussbewilligung erteilt werden. Es muss zudem darauf hingewiesen werden, dass die Liste der Wolfspr√§senzgebiete j√§hrlich angepasst wird und bei der n√§chsten √úberarbeitung 2021 die n√∂rdlichen Teile des Streifgebietes von F78 ebenfalls dem Pr√§senzgebiet zugeschlagen wird. Damit k√∂nnen Risse an ungesch√ľtzten Nutztieren dort ab kommendem Jahr ebenfalls nicht mehr angerechnet werden. Ohne Folgen bleibt dies f√ľr die Entsch√§digungen. Diese werden gem√§ss g√ľltigem Jagdgesetz unabh√§ngig vom Herdenschutz immer ausbezahlt.
Wir verweisen ferner auf die Ausf√ľhrungen der Mitteilung vom 7. November 2020, die unver√§ndert immer noch G√ľltigkeit haben:
Gantrisch-Wolf: Vergrämung ja, aber besserer Herdenschutz ist gefordert
Quelle.: https://www.gruppe-wolf.ch/Wolfsnews/Gantrisch-Wolfin%253A-Herdenschutz-ist-die-beste-Vergramung.htm

News vom 08.05.2020
In der Schweiz und international ist es l√§ngst √ľblich, dass Wolfsrudel in unmittelbarer N√§he von oder sogar auf Kuhalpen leben ? ohne dass die K√ľhe ihr Verhalten gegen√ľber Menschen ver√§ndert h√§tten. Ein statistischer Zusammenhang, der aufzeigt, dass in Wolfsgebieten mehr Konflikte zwischen Menschen und Mutterk√ľhen vorkommen als ausserhalb, existiert nicht. Es gibt auch im Ausland keine Nachweise daf√ľr, dass W√∂lfe K√ľhe irgendwie gef√§hrlicher f√ľr Menschen machen. Dies obwohl in vielen Regionen S√ľd- und Osteuropas, in denen W√∂lfe nie ausgestorben sind, bis heute eine freie Weidehaltung von Mutterk√ľhen vorkommt, oft sogar ganzj√§hrig. Auch in diesen Gebieten gibt es verschiedene Formen von Tourismus, ohne dass es dabei zu Konflikten kommt.
Die bisher 25-j√§hrige Erfahrung mit dem Wolf in der Schweiz zeigt, dass Angriffe auf Grossvieh eine Ausnahme darstellen. J√§hrlich gibt es in der Schweiz lediglich eine tiefe einstellige Zahl an von W√∂lfen gerissenen K√§lbern. Sie sind nur dann gef√§hrdet, wenn sie ohne ihre M√ľtter sind oder die M√ľtter an der Verteidigung gehindert werden. W√∂lfe stellen objektiv kein messbares Risiko f√ľr die Mutterkuh- und Milchviehhaltung dar. Sie gef√§hrden die Existenz der Weide- und Alphaltung dieser Tiere daher nicht. In den wenigen F√§llen, in denen es trotzdem zu Angriffen kommt, werden die gerissenen Tiere einerseits entsch√§digt. Andererseits k√∂nnen die Kantone die Sch√§den f√ľr Abschuss- und Regulationsbewilligungen geltend machen. Damit kann eine Spezialisierung der W√∂lfe auf K√§lber verhindert werden. Die beste Pr√§vention zur Verhinderung von K√§lberrissen ist die Vermeidung von Abkalbungen auf Weiden und Alpen.
https://www.gruppe-wolf.ch/Wolfsnews/Wolfe-und-Mutterkuhe-nuchtern-betrachtet.htm

Die R√ľckkkehr des Wolfes nach √Ėsterreich scheint aus dem eigenen Land kommentiert, eher schwierig.
Dazu eine sehr deutlicher Artikel:
Warum in √Ėsterreich die W√∂lfe wieder verschwinden
2018 lebten noch drei Wolfsrudel in √Ėsterreich - 2019 nur noch eines. Die Tiere scheinen spurlos zu verschwinden. Wolfsexperte Kurt Kotrschal zieht Bilanz.
In den letzten 20 Jahren stieg die Zahl der Wölfe in Italien auf etwa (Wölfe zählen ist nicht einfach) 2.000 Tiere, in Frankreich auf 500 und in Deutschland auf 1.000.
Experten meinen, √Ėsterreich w√§re ein sehr guter Lebensraum f√ľr W√∂lfe, mit Platz f√ľr 100-200 Rudel, je nachdem, wen man fragt. Trotzdem kam es erst 2016 zur ersten Rudelgr√ľndung am gesch√ľtzten nieder√∂sterreichischen Truppen√ľbungsplatz in Allentsteig.
Seitdem passt das Bundesheer gut auf ?ihre" W√∂lfe auf, j√§hrlich gibt es Nachwuchs. Man konnte erwarten, dass es nun auch in √Ėsterreich, wie in Italien, Deutschland oder anderswo in Europa, j√§hrlich mehr Rudel geben w√ľrde. Gegr√ľndet durch Zuwanderer, w√§hrend der Nachwuchs aus Allentsteig weit weg versuchen w√ľrde, Partner zu finden, wie es eben Wolfsart ist.
Daher war es keine Überraschung, als 2018 zwei weitere Rudel im nördlichen Niederösterreich auftauchten, eines davon nahe Karlstift, ein weiteres nicht allzu weit weg, direkt an der Grenze zu Tschechien. F
√ľr 2019 war mit weiteren Rudeln zu rechnen, aber es kam anders. Bereits im Fr√ľhsommer verschwand der R√ľde des Kalstifter Rudels, bis Jahresende der Rest. Bleibt im Moment blo√ü das einsame Rudel in Allentsteig.
Aber Wolfsrudel verschwinden nicht von selber. Es wird offenbar illegal getötet, was das Zeug hält.
Den Beleg daf√ľr lieferte heuer im Herbst jener Sch√ľtze, der im Tiroler Sellrain einen Wolf erschoss, den Kopf abschnitt und den K√∂rper liegen lie√ü. Au√üerdem existieren wissenschaftliche Modellrechnungen, die klar die Wilderei als Hauptgrund f√ľr die langsame R√ľckkehr der gro√üen Beutegreifer, Luchs, Wolf und B√§r verantwortlich machen.
Besonders schlimm ist es in √Ėsterreich. Hier werden Luchse im Nationalpark abgeschossen, mit anschlie√üenden ?Siegesfeiern" in lokalen Wirtsh√§usern. Hier wurden um die Jahrtausendwende die Braunb√§ren wieder ausgerottet. Wie schon 150 Jahre zuvor.
In √Ėsterreich werden die W√∂lfe weniger, nicht mehr. Ohne Bundesheer w√§ren auch sie bereits wieder ausgerottet.
Und das zu Zeiten von Klimawandel und Artensterben. Ist den Wilderern eigentlich klar, dass sie sich mit dem Töten von Wölfen, Bären, Luchsen und Greifvögeln gegen jeden gesellschaftlichen Konsens ins eigenen Knie schießen? Und uns allen gleich mit.

Es ist vern√ľnftig, das Klima und die Arten zu sch√ľtzen. Polizei und Gerichte scheinen diese Affen? pardon, Wolfsschande nicht sonderlich ernst zu nehmen. Die Politik auch nicht, selbst die Gr√ľnen schweigen dazu. Man kann aber nicht das Klima und die Arten sch√ľtzen und gleichzeitig W√∂lfe, Luchse und Greifv√∂gel abknallen.
Es ist Zeit, dass endlich etwas geschieht. Und dass die immer ach-so-gesetzestreuen Jagdverbände Ordnung im eigenen Saustall schaffen.
Wenig tr√∂stlich √ľbrigens, dass √Ėsterreich als wildbiologischer Schandfleck in Europa nicht alleine dasteht. Eben wurde in Schweden wieder die Jagd auf das gef√§hrdete Vielfra√ü und auf mehrere hundert Luchse pro Jahr freigegeben ? ein Gutteil der Population! Jagdliche Unvernunft h√§lt Europa in Geiselhaft. Es wird Zeit, daran etwas zu √§ndern.
Quelle: https://tierisch.heute.at/a/40688338/warum-in-%C3%B6sterreich-die-w%C3%B6lfe-wieder-verschwinden
(11.01.2021, 17:11)
Gerrit Wehrenberg:   Sch√∂n auch, dass Landwirte jetzt Experten in Populationsbiologie der W√∂lfe sind und zuk√ľnftige Bestandsabsch√§tzungen vornehmen k√∂nnen. Leider wird hier vergessen, dass keine biologische Population ein ewig (wenn √ľberhaupt) exponentielles Wachstum aufweisen kann. Und selbstverst√§ndlich wird der Wolf Nutzvieh rei√üen - auch mal Hausrinder. Doch die Verluste sind von unserer Gesellschaft vergleichsweise m√ľhelos zu trage, wenn es um finanzielle Entsch√§digungen der Landwirte geht. So ist es auch vielerorts Praxis. Mir fehlt hier die Einordnung. Ich will mal wissen, wie viel Prozent aller Rindstode in Deutschland auf den Wolf zur√ľckzuf√ľhren sind... nicht nur die Schlachtung wird dem gro√üen b√∂sen Isegrim hier wohl deutlich den Rang ablaufen. Das m√ľsste auch jeder Rinderhalter eigentlich selbst sehr genau wissen.
(11.01.2021, 17:04)
Sacha:   Interessant. Und dabei habe ich letztes Jahr noch sehr viele K√ľhe in NRW, direkt an der Grenze zu Holland, auf Weiden gesehen... Muss wohl eine ganz besondere Hausrind-Form gewesen sein - Bos taurus lupusresistensis vielleicht?;)
(11.01.2021, 16:14)
cajun:   Interessanterweise f√ľhren unsere Nachbarn an, dass in Deutschland die Weidehaltung von Rindern chancenlos ist, aufgrund der hohen Wolfspopulation:
"trouw.nl ? 7. Jan. 2021
Friese boeren willen een hek rond de provincie tegen de wolf
Friesische Bauern wollen einen Zaun um die Provinz gegen den Wolf
Eine Gruppe friesischer Viehhalter m√∂chte einen Zaun um die Provinz legen, um W√∂lfe fernzuhalten. Die in der Wolvenhek Frysl√Ęn-Stiftung vereinigten Bauern bef√ľrchten, dass K√ľhe und Schafe innerhalb von zehn Jahren aufgrund der "raschen und unbegrenzten Expansion des Wolfes" von der Weide verschwinden werden. Die Tierhalter gehen davon aus, dass es in f√ľnf Jahren in den Niederlanden 50 bis 150 W√∂lfe geben wird. Diese Woche erschien zum ersten Mal ein Wolf in Friesland. Eine Wildkamera der Naturorganisation It Fryske Gea im Nationalpark De Alde Feanen machte Fotos davon. Experten vom Wolf Reporting Point der Mammal Society kamen am Donnerstag zu dem Schluss, dass es sich um einen Wolf handelt. Letztes Jahr lie√ü sich ein Wolf im benachbarten Drenthe nieder. "Wir sind keine Narren mit einem verr√ľckten Plan, sondern Landwirte, die ernsthaft um die Sicherheit ihrer Tiere besorgt sind. In Deutschland ist die Zahl der Wolfsrudel in den letzten zehn Jahren so schnell gewachsen, dass Rinder auf der Weide dort keine Chance haben. In den Niederlanden sollten wir nicht in die gleiche Richtung gehen", sagt Schafz√ľchter Jehan Bouma, Vorsitzender der Stiftung."
Quelle und √úbersetzung: Zoopresseschau
(11.01.2021, 14:07)
cajun:   Und auch vom Goldschakal gibt es wieder einen Nachweis:
Gen-Untersuchung steht noch aus Goldschakal bei Bruchsal entdeckt?
Das Wildtier, das vor knapp einer Woche nach einem Verkehrsunfall in Bruchsal verendete, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Goldschakal - in Deutschland sehr selten.
Die Tiere leben normalerweise in S√ľdosteuropa und wurden bisher nur vereinzelt in Deutschland gesichtet. Untersucht wurde das Tier zun√§chst im Chemischen Veterin√§r-Untersuchungsamt in Karlsruhe. Dort vermutete man, dass es sich um die seltene Art handeln k√∂nnte.
Das Ergebnis einer Gen-Untersuchung steht allerdings noch aus. Der Goldschakal sieht aus wie eine Mischung aus Hund, Wolf und Fuchs. In Baden-W√ľrttemberg soll es in diesem Jahr drei Sichtungen gegeben haben.
Der Goldschakal lebt vorwiegend von Kleintieren wie Kaninchen, rei√üt aber auch schon mal geschw√§chtes Wild. Eine Gefahr f√ľr den Menschen soll nicht bestehen. Der Goldschakal gilt als sehr scheu und in unseren Gefilden als extrem selten.
Quelle: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/goldschakal-bei-bruchsal-entdeckt-100.html
(28.12.2020, 16:42)
cajun:   Sachsen- Anhalt ist nicht nur beim Impfen am schnellsten. Wie jedes Jahr ist auch der Monitoringbericht 2019/20 √ľber die Entwicklung der Wolfspopulation im Bundesland als erster ver√∂ffentlicht.
https://lau.sachsen-anhalt.de/naturschutz/das-wolfskompetenzzentrum-wzi/monitoring/
Passend hierzu ist auf Seiten der DBBW der Statusbericht f√ľr ganz Deutschland f√ľr das Wolfsjahr 2019/ 20 hochgeladen.
Auf Niedersachsen (zwischendurch gute regelm√§√üige √úbersicht durch Quartalsberichte) und Sachsen ( in meinen Augen der Detailierteste!) ist meist noch zu warten. Brandenburg, immerhin das BL mit den meisten Territorien, publiziert nicht ausf√ľhrlich. Hier w√§re ich dankbar falls jemand mal einen Bericht analog der s√§chsischenKompetenzen, die das einmal mit √ľbernommen hatten, entdeckt.
(28.12.2020, 16:35)
cajun:   Dieser Thread ben√∂tigt ein Update: Allein 2020 ist so viel passiert.

1. Meldung: Toter Goldschakal bei Hannover war erste nachgewiesene Fähe in Deutschland

24.09.2020

Die Herkunft, wie auch die Wanderbewegungen des Tiers bleiben unklar - das Individuum GG011f wurde vorher noch nie nachgewiesen.

Bei der am 2. Juni 2020 tot afgefundenen Goldschakal-F√§he handelt es sich um das erste nachgewiesene weibliche Tier in Deutschland. Anhand aller ausgewerteten Goldschakalnachweise konnten bislang ausschlie√ülich R√ľden, bzw. kein klar erkennbares Geschlecht identifiziert werden. Demnach ist es nur noch ein Frage der Zeit, wann mit der ersten nachgewiesenen Reproduktion dieses anpassungsf√§higen Zuwanderers zu rechnen ist.

2. Meldung: Goldschakal tappt in Fotofalle

02.12.2020

Es ist bereits der zweite Nachweis eines Goldschakals im Jahr 2020 in Niedersachsen.

Nachdem im Juni 2020 das in Deutschland erste nachgewiesene Weibchen auf der A7 bei Hannover tot aufgefunden wurde , konnte Mitte November 2020 ein weiterer Goldschakal durch eine Fotofallenaufnahme best√§tigt werden. Die Bilder entstanden im Landkreis Cuxhaven und stellen den 4. Nachweis dieser einwandernden Art in Niedersachsen dar. Der erste Nachweis erfolgte im Jahr 2015 - ebenfalls im Landkreis Cuxhaven - durch die genetische Untersuchung einer vermeintlichen Wolfslosung und der Zweite im Jahr 2017 am Stadtrand von Osnabr√ľck, dabei handelte es sich um einen Totfund.
Quelle: https://www.wolfsmonitoring.com/newsartikel/goldschakal_tappt_in_fotofalle/

3. Meldung: Die Wiederbesiedelung der östlichen Pyrenäen durch italienische Wölfe?

Seitdem sich die italienische Wolfpopulation √ľber die Apenninen in die italienischen, franz√∂sischen und Schweizer Alpen ausgebreitet haben, werden von dort neue Lebensr√§ume besiedelt. √úberraschend war die Ausbreitung nach Spanien wo seit dem Jahr 2000 die ersten W√∂lfe in den √∂stlichen Pyren√§en beobachtet wurden. Diese stammen urspr√ľnglich aus der italienischen Population und nicht aus der zahlenm√§√üig gr√∂√üeren spanischen, die haupts√§chlich im Nordwesten Spaniens verbreitet ist. Die aus der italienischen Population eingewanderten W√∂lfe k√∂nnten sich in den kommenden Jahren entlang der Pyren√§en bis in die nord-westlichen Regionen Spaniens ausbreiten und sich dort mit den spanischen W√∂lfen vermischen. Die wichtigste Voraussetzung daf√ľr ist die Bildung von reproduzierenden Wolfsrudeln in den √∂stlichen Pyren√§en. Diese wurden bisher noch nicht beobachtet.
Aus diesem Grund haben Carla Garcia-Lozano und Kollegen eine Habitatuntersuchung durchgef√ľhrt, um diejenigen Gebiete zu identifizieren bei denen es sich um geeignete Wolfshabitate handeln k√∂nnte. Die Untersuchung umfasste Katalonien, den angrenzenden Teil der franz√∂sischen Pyren√§en, sowie Andorra. Basierend auf bereits etablierten Kriterien f√ľr geeignete Wolfshabitate sowie einer Territoriengr√∂√üe von mindestens 200 km2 f√ľr jedes Wolfsrudel identifizierten sie zw√∂lf Territorien, die haupts√§chlich in den h√∂heren Lagen der Pyren√§en liegen. Ein wichtiger Punkt der Studie war die Konnektivit√§t der Gebiete. Dabei wurde die m√∂gliche Distanz wandernder W√∂lfe als Grundlage genommen um festzustellen ob die identifizierten Territorien ausreichend miteinander verbunden sind. Auch wenn die Einwanderung neuer W√∂lfe in die √∂stlichen Pyren√§en aufgrund der Bejagung in Frankreich und des fehlenden Schutzes in Katalonien nicht ungehindert ist, wird in Zukunft mit der Etablierung erster Wolfsrudel in den √∂stlichen Pyren√§en gerechnet..
Quelle: Garcia-Lozano, C.; Varga, D.; Pintó, J.; Roig-Munar, F.X. Landscape Connectivity and Suitable Habitat Analysis for Wolves (Canis lupus L.) in the Eastern Pyrenees. Sustainability 2020, 12, 5762. https://doi.org/10.3390/su12145762
Link (Volltext):
https://www.mdpi.com/2071-1050/12/14/5762/htm
Zusammenfassung: Reinhard Hehl
Quelle: https://www.freundeskreiswoelfe.de/die-wiederbesiedelung-der-%C3%B6stlichen-pyren%C3%A4en-durch-italienische-w%C3%B6lfe

Die Wölfe der Alpen unterscheiden sich (da italienische Quellpopulation) durch eine Haplotyp (HW22) von den europäischen Flachlandwölfen (Haplotyp HW01 oder seltener HW02).

Hierzu 3. Meldung : Erneuter Nachweis eines Alpenwolfs in Nordrhein-Westfalen
Das Landesamt f√ľr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) best√§tigt einen Wolfsnachweis im Kreis Viersen.
Am 12. November 2020 wurde auf einer Weide in Viersen ein Schaf tot aufgefunden. Anhand der DNA-Analyse durch das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen konnte das männliche Wolfsindividuum GW1920m erstmalig nachgewiesen werden. Zwar ist das genaue Herkunftsrudel dieses Tieres unbekannt, ein genetisches Merkmal, der in Deutschland seltene Haplotyp HW22, ordnet es aber eindeutig der Alpenpopulation zu.
Der Haplotyp HW22 ist kennzeichnend f√ľr W√∂lfe aus der Alpenpopulation und der italienischen Population im Apennin. W√∂lfe aus diesen Populationen k√∂nnen eindeutig von W√∂lfen aus der mitteleurop√§ischen Flachlandpopulation unterschieden werden, welche entweder den Haplotyp HW01 oder HW02 tragen. In den letzten Jahren wurden auch immer wieder einzelne aus der Alpenpopulation stammende Tiere in Deutschland genetisch best√§tigt. F√ľr NRW ist dies erst der zweite Nachweis eines Wolfes mit dieser Herkunft. Der erste Nachweis eines Alpenwolfes in NRW gelang am 17. Februar 2020 in der Gemeinde Odenthal (Rheinisch-Bergischer Kreis). Hier konnte mithilfe einer genetischen Untersuchung das ebenfalls m√§nnliche Wolfsindividuum GW1559m an einem Wildtierkadaver nachgewiesen werden. Ein erneuter Nachweis dieses Wolfes erfolgte am 15. Oktober 2020 nahe Hitzacker (Niedersachsen).

Angaben zur Herkunft der deutschen Wölfe: https://www.dbb-wolf.de/mehr/faq/woher-kommen-die-woelfe-in-deutschland

Homepage des Senckenberg Forschungsinstituts Gelnhausen: https://www.senckenberg.de/de/presse/wolfsmonitoring-faq/
Quelle: https://wolf.nrw/wolf/de/aktuelles/2020-12-10

(14.12.2020, 13:40)
Michael Mettler:   Da sich die W√∂lfe Italiens genetisch deutlich von den restlichen "Europ√§ern" unterscheiden sollen, w√§re das sogar eine Kreuzung ohne Anf√ľhrungszeichen, denn nach dieser Sichtweise st√ľnde Canis lupus italicus als eigene Unterart der in Rest-Europa (inklusive der Iberer und bis nach Asien hinein) verbreiteten Nominatform gegen√ľber.
(15.04.2014, 22:02)
WolfDrei:   Aus "Zeitschrift f√ľr S√§ugetierkunde" 79 (2014): Im italienischen Alpenraum wird es demn√§chst zu einer "Kreuzung" von Abruzzenwolf und Balkanwolf kommen: das Aostatal des westlichen italien. Alpenraumes wurde bereits vom Abruzzenwolf besiedelt, der √∂stliche italien. Alpenraum demn√§chst vom nach Norden strebenden Balkanwolf aus Kroatien, der bereits Slowenien "durchschritten" hat.
(15.04.2014, 20:39)
WolfDrei:   aus "S√§ugetierkundliche Informationen" Band 8, H,45 (2012): Fotofalle : Goldschakal am 26.4.2012 im Bayrischen Wald (mu√üte das Bild sehr beschneiden)
(15.04.2014, 20:34)

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