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DickhÀuterhÀuser



Jan Jakobi:   Kennt jemand einen Grundriss von der Riveriahalle in Rotterdam?

Auf der Außenanlage der Spitzmaulnashörner lebten frĂŒher die Elefanten.

Von der Innenanlage sehe ich drei Boxen auf der Webcam von den Spitzmaulnashörnern.

Ist das ein Teil vom ehemaligen Elefanten-Stall?
Beziehungsweise der Bereich wo frĂŒher der Elefantenbulle untergebracht war?

Hat jemand Vergleichsfotos?

Wo war das erste Spitzmaulnashorn-Zuchtpaar untergebracht?

(16.11.2020, 00:47)
Michael Mettler:   Stimmt, dass dĂŒrfte der Urzustand sein. An dieses Foto habe ich gar nicht gedacht. Da unten im Bild noch nichts von der 1962-1964 gebauten Giraffenanlage zu sehen ist, könnte das Bild kurz nach Eröffnung des Elefantenhauses 1962 aufgenommen worden sein.

Aber mit der Vermutung des alten Grabenverlaufes lag ich gar nicht schlecht ;-)
(04.08.2014, 14:36)
Jan Jakobi:   @Michael:
Der schmale Besucherbereich stimmt mit dem auf meinem "Tembo"-"Mothi"-Foto ĂŒberein.

Im Thread "alter Zoo Hannover" wurde vor ein paar Jahren eine Luftaufnahme der Elefantenanlagen mit umliegenden GebÀuden hochgeladen.

Auf dem mĂŒsste die Ursprungsform zu sehen sein, denn der schmale Besucherbereich ist noch nicht vorhanden.
Außerdem ist die Bullenanlage kleiner.

Die von oben zusehenden Elefanten mĂŒssen die selben sein, wie auf der Ansichtskarte im Elefantenbullen-Thread.
(04.08.2014, 13:05)
Michael Mettler:   @Jan Jakobi, zu deiner Frage im Elefantenbullen-Thread: Grundriss des hannoverschen Elefantenhauses, entnommen aus einem Artikel ĂŒber Neuanlagen im Zoo Hannover im ZG (die genaue Ausgabe habe ich leider nicht parat, den Scan habe ich schon vor lĂ€ngerer Zeit gemacht). Zu sehen ist der Zustand nach Erweiterung der ursprĂŒnglichen Elefantenbullenanlage auf die doppelte GehegeflĂ€che fĂŒr die dauerhafte Haltung des Afrikanerpaares Tembo und Iringa (also von Mitte der 60er mit Mitte der 70er Jahre geltend, dann kam ja ein drittes Außengehege hinzu).

Die Ursprungsform des kleineren Geheges kenne ich nicht als Grundriss. Anhand von Fotos bzw. Ansichtskartenmotiven aus Besucherperspektive von der FrĂŒhzeit der Anlagen (Afrikanerpaar noch nicht im Bestand) vermute ich, dass die auf dem Grundriss linke gehegeseitige Grabenkante des Urzustandes parallel zur spĂ€teren neuen Kante knapp links vom "E" der Beschriftung "Elefanten" verlief und dann ebenfalls parallel zur oberen neuen Grabenkante nach rechts.
(04.08.2014, 08:54)
Jan Jakobi:   Jetzt habe ich das Beweisfoto in einen meiner Fotoalben doch noch gefunden: Spitzmaulnashörner hinter einer Rohrabsprerrung im Magdeburger DickhĂ€uterhaus!

Das Foto entstand am 5. Oktober 2002.
Die beiden Nashörner sind "Mana" und ihr Kalb "Maburi".
(03.06.2014, 22:43)
Jan Jakobi:   Der Elefanten-Graben:
Der Graben wurde 2003 bis auf ca. 1 m unter StandflĂ€chenhöhe aufgefĂŒllt.
Davor war der Graben sehr tief.

(03.06.2014, 18:16)
Jan Jakobi:   Die Elefanten-StandflĂ€che:
Auch hier hatte sich etwas verĂ€ndert. Die beiden DurchgĂ€nge fĂŒr die Elefantenpfleger wurde mit einem „Gitter-Raum“ gesichert.

(03.06.2014, 18:15)
Jan Jakobi:   Das Flusspferd-Badebecken:
Im Hintergrund ist das Flusspferd-Becken und im Vordergrund ist das Elefanten-Badebecken. Auch hier wurde nach der Abgabe des letzten Flusspferds was verĂ€ndert: Das Becken wurde mit Beton ausgefĂŒllt, ebenso das Elefanten-Becken, außerdem wurde die Trennmauer abgebrochen. Die FlĂ€che wurde fĂŒr die Elefanten zugĂ€nglich gemacht.

(03.06.2014, 18:14)
Jan Jakobi:   Die Flusspferd-Boxen:
Nach der Abgabe des letzten Flusspferds konnten die Nashörner die Boxen mit nutzen bis zu ihrem Umzug in die neue Anlage.
(03.06.2014, 18:13)
Jan Jakobi:   Der Flusspferd-Nashorn-Graben:
Der Graben trennte die Außenanlage der Flusspferde von der Außenanlage der Nashörner. Das muss der Graben gewesen sein, in den „Negus“ reinfiel.
Einen Notausstieg konnte ich nirgends entdecken.

Auf der Nashorn-Außenanlage ist noch gut zu erkennen wo das Wasserbecken war.
In der Mitte der Anlage ist ein HĂŒgel, darunter verbirgt sich das Wasserbecken.
(03.06.2014, 18:12)
Jan Jakobi:   Zwar ist es schon lĂ€nger her, dass hier ĂŒber das DHH in MD gesprochen wurde.
Aber ich habe im Februar Anlagen-Fotos gemacht, leider ist mir zu spĂ€t aufgefallen das ich nur die Flusspferd-Anlage (Außenanlage, Graben, Flusspferd-Boxen, Flusspferd-Innenbecken) und die Elefanten-Innenanlage fotografiert habe.

Die alte Flusspferd-Außenanlage:
Die Außenanlage wurde nach der Abgabe des letzten Flusspferds in zwei Teile geteilt, so das man mit der Nashorn-Außenanlage insgesamt 3 Außenanlagen fĂŒr die Nashörner hatte.

Vor ein paar Jahren wurde die Außenanlage noch mal verĂ€ndert: Das ehemalige Schwimmbecken wurde mit Sand gefĂŒllt und ist jetzt eine "Mammut-AusgrabungsstĂ€tte".
Der Bereich dahinter ist, ebenso wie die Nashorn-Außenanlage verwildert.
(03.06.2014, 18:11)
Oliver Jahn:   Hier noch einmal zum Vergleich das Foto aus Kirchshofers Buch
(23.10.2013, 11:33)
Elisabeth Hiendl:   wie breit ist eigentlich so ein LKW treifen in etwa daran könnte man ja grob die GrĂ¶ĂŸe von Thisiam ermitteln

(23.10.2013, 10:14)
Jan Jakobi:   @Henry:
Die Verdachtsgeschichte mit TBC bei ihm gibt es seit ca. 2006/2007.

Meiner letzten Information, aus dem Hamburger Abendblatt in diesem FrĂŒhjahr, zu Folge wurde er zuletzt positiv getestet.

Das stand drin:
"Ebenfalls verzögern wird sich der Abschied der zwei jungen Elefantenbullen Shahrukh und Shanti.
Sie sollten eigentlich im Tausch gegen einen Zuchtbullen ins polnische Kattowitz wechseln. Diese Vereinbarung platzte jedoch, als bei dem Bullen eine Tuberkulose-Infektion nachgewiesen werden konnte."
(22.10.2013, 13:56)
Oliver Jahn:   Aber das sind ja beides eher Fragen fĂŒr einen der unzĂ€hligen Elefanten-Threads. ;-)
(22.10.2013, 13:54)
Henry Merker:   Viel interessanter wĂ€re fĂŒr mich die Frage, ob man Thisiam jemals in eine Zuchtsituation bringen könnte. Momentan gibt es ja diese Verdachtsgeschichte in Richtung TBC, wobei ich mir noch nicht einmal sicher bin, ob dies bei ihm ĂŒberhaupt zweifelsfrei bestĂ€tigt ist....
(22.10.2013, 13:23)
Jan Jakobi:   Weiß jemand historisches zu dem DickhĂ€uterhaus?
Gab es das zweite Becken (das in den Graben gebaute) von Anfang an?

@Oliver:
Einer der alten Leipziger Bullen ist der Halbbruder "Sahib-Fridolin" von "Thisiam".

Da dieser und deren gemeinsamer Vater "Siam" um die 3,20 m waren, könnte er ebenfalls so groß werden bzw. sein.
(21.10.2013, 22:30)
Oliver Jahn:   @Jan, es gibt einen Stromzaun, ein EisengelĂ€nder und davor existiert sogar noch die alte Nagelkante.
Zur GrĂ¶ĂŸe kann ich nicht viel sagen, da die Vergleiche fehlten, der Bulle steht ja allein. Aber sehr klein wirkte er nicht, allerdings kommt er nicht an die alten Bullen von Leipzig, Hannover oder den aktuellen Bullen im Zoo Berlin heran.
(21.10.2013, 22:03)
Jan Jakobi:   Die Aufteilung der Innenanlagen in einem Bogen sieht interessant aus. Habe ich noch nicht gesehen.

"Thisiam" sieht aus wie eine Miniatur-Ausgabe seines Vaters.
Die StoßzĂ€hne von ihm sind sehr lang, Elefanten mit solchen langen Rekord-StoßzĂ€hnen gibt es kaum noch in Europa.

@Oliver:
Auf dem Bild sieht er nicht so groß aus.
Haben Sie ein besseres Bild von ihm?

Oder tĂ€uscht das, weil Sie sehr groß (fĂŒr einen Menschen) sind?

Sehe ich das auf den Bildern richtig, dass die Anlage des Elefantenbullen mit Strom abgesichert wird?
(21.10.2013, 21:19)
Henry Merker:   Thisiam hat sich richtig gut entwickelt.
(21.10.2013, 20:36)
Oliver Jahn:   und an der Treppe zum kleinen Becken, welches in den Absperrgraben gebaut wurde.
Eine Außenanlage fĂŒr die Nilpferde hĂ€tte an dem derzeitigen Bau nirgendwo Platz gefunden. Es ist die erste und einzige reine Innenhaltung fĂŒr Nilpferde, die ich gesehen habe.
(21.10.2013, 20:35)
Oliver Jahn:   Nilpferdbulle im Stall
(21.10.2013, 20:33)
Oliver Jahn:   Das große Nilpferdbecken, links der zweite Elefantenstall, rechts der Nilpferdstall
(21.10.2013, 20:32)
Oliver Jahn:   Elefanteninnenstall
(21.10.2013, 20:30)
Oliver Jahn:   Der einzelne Elefantenbulle auf der Außenanlage
(21.10.2013, 20:30)
Oliver Jahn:   Und hier ein paar Bilder vom DickhĂ€uterhaus in Katowice.
Außenansicht
(21.10.2013, 20:29)
Michael Mettler:   Meine Mailanfrage nach Polen hat inzwischen durch hilfreiche Weiterempfehlungen eine regelrechte Rundreise durchs Land gemacht... Dabei landete sie beim frĂŒheren Direktor des Zoos Lodz, der jetzt Vogelkurator in Warszawa ist, aber nicht selbst eine Antwort lieferte, sondern die Anfrage auch "nur" an die aktuelle Direktorin weitergab.

Deren freundliche Antwort ist zwar kurz, weil ihr kaum Informationen ĂŒber das Haus vorliegen, aber ĂŒberraschend: Oliver, du hast Recht damit, dass das Haus ursprĂŒnglich nur fĂŒr zwei Arten geplant war. Aber: Es wurde fĂŒr Nashörner und Flusspferde gebaut, Elefanten waren darin eigentlich gar nicht vorgesehen...! Die Frage, wo die vorherige alte Elefantin (Magda I, bis 1960) und der Hippo-Bulle vorher gehalten wurden, blieb leider unbeantwortet.

Inzwischen ist ĂŒbrigens auch der von Oliver noch gesehene Tapir ausgezogen, die Elefantenkuh ist jetzt die einzige Bewohnerin des Hauses und die Direktorin hofft, deren Unterkunft im kommenden Jahr noch etwas zu verbessern. FĂŒr die Zukunft ist aus PlatzgrĂŒnden keine Haltung von Nashörnern und Nilpferden im Zoo geplant.

Die Auskunft wirft natĂŒrlich weitere Fragen auf. Z.B., ob die Elefanten schlichtweg im Nashornstall einquartiert wurden und man diesen dann nur noch modifizierte (damit wĂ€re die heutige Außenanlage eigentlich als Rhino-Anlage gedacht gewesen), oder ob der heutige Elefantentrakt womöglich gar nicht von Anfang an existierte und die Keimzelle des Hauses nur aus Besucherhalle, "Mittelstall" (dann ursprĂŒnglich fĂŒr ein Nashorn gedacht und womöglich zeitweise mit den Jungelefanten besetzt) und Hippo-Innenbereich bestand und fĂŒr die Elefanten nachtrĂ€glich erweitert wurde - was zu Olivers Info passen wĂŒrde, dass extra fĂŒr die Elefanten gebaut wurde (dann eben nicht das Haus insgesamt, sondern nur ihr Trakt).
(16.10.2013, 17:24)
Michael Mettler:   @Carsten: Doch, das hatte ich schon ganz richtig verstanden, wie Oliver das meinte.

Auf dem Luftbild wirkt der Anbau tatsĂ€chlich auf den ersten Blick quadratisch. Aber auf den zweiten Blick offenbart er sich dann als wie in eine Nische des alten Hauses eingepasst statt außen an seine Kontur angesetzt. VerlĂ€ngert man die ursprĂŒngliche Hauskante, unter der sich der Eingang befindet, schneidet die Linie ein StĂŒck von dem Quadrat weg, und schon bleibt ein Rechteck ĂŒbrig. Vermutlich hat man bei der Dacheindeckung das neuere Material ein StĂŒck weit ĂŒber das alte lappen lassen, und dadurch wird auf dem Luftbild ein grĂ¶ĂŸerer Anbau vorgetĂ€uscht. In der RealitĂ€t mĂŒsste der Mittelstall also noch ein kleines StĂŒck weit unter den neueren Dachpart hinein ragen, wo dann die ehemalige Außenmauer verlĂ€uft.

Ich habe ĂŒbrigens im Net ein mit September 2009 datiertes Foto vom Elefantenstall innen gefunden, da sah er noch aus wie auf dem von Oliver gestern hier eingestellten Bild: ohne die schrĂ€ge GitterflĂ€che und den "Einschnitt" in der Betonkante.

@Oliver, deinen letzten Beitrag zur Betonwand am Hippobecken habe ich erst jetzt bemerkt, da hatte ich wohl zeitgleich geschrieben. Auffallend finde ich, dass die Ă€lteren StĂ€lle im Haus gefliest sind (was man ja frĂŒher gemeinhin zwecks leichterer Reinigung gemacht hat, und das sogar bis weit oberhalb der Reichweite der Tiere, wĂ€hrend spĂ€ter oft mit Kunstharzversiegelung von Beton gearbeitet wurde) und sogar auf dem Sockel der Fensterfront zum Nashornstall Fliesen liegen, aber ausgerechnet diese Wand am Becken nicht gefliest ist, obwohl dort erst recht Wasser und Kot drankommt. Außerdem wurde der dahinter befindliche Gang vielleicht erst durch den Einbau des zusĂ€tzlichen Außentores und zwecks Bedienung des Schiebers nötig. Also könnte die Mauer durchaus jĂŒngeren Datums sein. Wie auch das kurze "GegenstĂŒck", das ja auf der Treppe steht und sie damit an dieser Seite ihrer Funktion beraubt. Dass der Pfeiler des Hauses auf diesem Betonteil stehen oder mit ihm gar eine Einheit bzw. ein zusammenhĂ€ngendes Bauteil formen soll, kann ich auf Carstens Fotos so nicht sehen. Es wirkt sogar eher, als sei dieses Teil niedriger als die lange Betonkante des Mittelstalles und nicht nur einfach eine Fortsetzung von ihr.
(11.10.2013, 23:21)
Carsten Horn:   Noch ein Bild aus nicht perfektem Winkel...
(11.10.2013, 23:06)
Carsten Horn:   Ist ja auch ein Quader, aber kein Quadrat bzw. hat keine quadratische GrundflĂ€che, g...

Hab kein Bild, wo man das richtig erkennen kann, also mit 45 Grad auf die Ecke fotografiert, aber hier kann man glaub ich die rechteckige GrundflÀche des Anbaus erkennen...

UngefÀhr am Blitzableiter? hört der Anbau links auf...
(11.10.2013, 23:00)
Oliver Jahn:   Carsten, das ist mir schon klar! Die Breite des Anbaus, die wir auf meinem Bild sehen, ist die Tiefe des Nashornstalls. Dessen Breite ist die Seite des Anbaus mit dem Elefantenbild. Und deshalb bin ich ja so erstaunt, dass der Nashornstall von innen wie ein Rechteck wirkt, denn von außen wirkt der Anbau eher wir ein Quader.
(11.10.2013, 22:29)
Carsten Horn:   Ich glaub, Ihr vergleicht gerade Äpfel mit Birnen, g, wenn man Olivers Foto zugrunden legt, wĂŒrde man, könnte man durch die Wand schauen, auf die breite Seite des Mittelstalls und die schmalen Seiten des Flußpferd- (links bzw. Nashornstalls (rechts) sehen. Die StĂ€lle sind alle drei rechteckig, aber Nashorn- bzw. Flußpferdstall sind um 90 Grad gedreht zum Mittelstall, wollte man also die Breite der StĂ€lle vergleichen, mĂŒĂŸte man die Wand mit dem Elefantenplakat zugrunde legen fĂŒr den Nashornstall...
(11.10.2013, 22:02)
Oliver Jahn:   Ich habe es wie du gemacht, am Monitor gemessen, und da kamen meine Werte raus. Aber letztlich ist da ja auch egal, der Stall in Magdeburg, der ebenfalls fĂŒr 2 Tiere geplant war, war nicht wesentlich grĂ¶ĂŸer. Und man hatte ja eben auch noch den Mittelstall.
(11.10.2013, 20:57)
Michael Mettler:   Also, ich sehe auch auf diesem Foto einen Mittelbereich, der erheblich breiter ist als der Nashornanbau. Wenn ich auf meinem Rechner einen Markierungsrahmen um den Mitteltrakt lege und einen exakt gleichgroßen Rahmen direkt rechts neben ihn setze, dann ragt der weit ĂŒber den Nashornanbau hinaus, und zwar um etwa zwei Drittel der Breite des Holzgatters (?) daneben.

FĂŒr den Inneneindruck ist Carsten ja der Einzige von uns, der es aus eigenem Erleben beurteilen kann...
(11.10.2013, 20:38)
Oliver Jahn:   Was seht ihr denn? Ich habe hier ein Foto, welches direkt von vorn ist. Ich messe da auch mal ab und komme beim Nashornstall auf 1,8 und beim Mittelstall auf 2,2. Das ist doch nicht das 1,5 Fache.

(11.10.2013, 20:11)
Michael Mettler:   @Oliver: Ohne GitterzĂ€hlen und bei Blick auf die Außenseite des Hauses (da ist Carstens Foto das mit der geringsten perspektivischen Verzerrung) ist der Mitteltrakt ziemlich genau 1,5x so breit wie der Nashorn-Anbau (hab ein Lineal an den PC-Bildschirm gelegt...). Das wĂŒrde sowohl Carstens als auch meine Deutung durch GitterzĂ€hlen bestĂ€tigen.
(11.10.2013, 16:02)
Carsten Horn:   @Oliver: Wie kommst Du darauf, das der Stall doppelt so groß ist? Wir reden doch jetzt nur von der Breite der Schauseite, also nicht der FlĂ€che des Stalls, wobei die beide auch in etwa gleich tief waren...

Wenn ich auf der Gesamtansicht die senkrechten Streben des Besuchergitters zĂ€hle, komme ich beim Nashornstall auf 7, da geht es rechts natĂŒrlich noch ein StĂŒck weiter, links entspricht die erste Strebe in etwa dem Stallende, beim mittleren Stall komme ich auf 11 Streben. Die ZwischenrĂ€ume sind vermutlich gleich groß, da kann der Nashornstall irgendwie nicht doppelt so groß sein. Logischer Versuch, mein GefĂŒhl zu erklĂ€ren, g...
(11.10.2013, 15:41)
Oliver Jahn:   Auch ohne AbzĂ€hlen ist es mit den Außenfotos recht deutlich erkennbar, dass der Anbau in etwa so lang (Tiefe des Nashornstalls) ist, wie der Mittelstall breit. Die Breite des Nashornstalls geht aber von der gleichen RĂŒckwand aus, wie der Mittelstall, ragt aber ĂŒber die komplette Fensterbreite ĂŒber ihn hinaus. Damit dĂŒrfte er in etwa doppelt so groß sein.
(11.10.2013, 15:33)
Michael Mettler:   @Oliver: Weiß ich. So lange nichts Definitives feststeht, lasse ich diverse Varianten eines geplantes Besatzes neben den beiden Elefanten auf der Möglichkeitenliste stehen: nur Nilpferde, 1 Nashorn + 1 Nilpferd, je ein Paar oder ein Einzeltier der einen plus ein Paar der anderen Art.

Wie es aussieht, wird in den StĂ€llen ein einheitliches Viereckgitter verwendet. Da lassen sich dann Vergleiche durch AbzĂ€hlen der "Maschen" anstellen. Demnach ist auf dem zuletzt von Carsten eingestellten Foto die Abmessung zwischen dem ersten Gitterpfosten ganz links und dem dritten, hinter dem der Tapir steht, ziemlich exakt so groß wie bei Carstens Innenaufnahme des Mittelstalls von dessen linker Wand bis zum rechten Rand der zweiten großen Glasscheibe (auf dem Bild knapp links neben dem Stalltor), egal was das nun in Metern bedeutet. Der alte Nashornstall wĂ€re demnach etwa doppelt so lang wie dieser Abstand, der Mittelstall gut dreimal so lang. Dessen Tiefe lĂ€sst sich anhand des Bildes allerdings schwer schĂ€tzen.
(11.10.2013, 14:44)
Oliver Jahn:   @Michael, das GegenstĂŒck ist nicht in dem kurzen MauerstĂŒck, sonder mit Öffnung erkennbar in einem freistehenden grauen Poller.
Die Wand sieht dort besser aus, wo sie oberhalb der Wasserkante liegt. Das verwundert mich weniger, denn dort kam ja auch selten ein Tier dran. Aber auch wenn sie neuer ist, muss das ja fĂŒr die massiven und deutlich dickeren Sockel an der Treppe nicht gelten, denn eine Beckenabsperrung gab es doch in allen Zoos, die mir da einfallen.
(11.10.2013, 14:21)
Oliver Jahn:   @Carsten, wenn der Nashornstall der GrĂ¶ĂŸe des Anbaus entspricht, dann ist er doppelt so groß, wie der Mittelstall.
@ Michael, die "Paar-Theorie" beim Nashorn stammt von dir, aus deinem 7. Beitrag gestern.
(11.10.2013, 13:34)
Michael Mettler:   Im Vergleich dazu, wie verkommen der gestrichene Beton vor dem Scheibeneinblick der Hippo-Innenanlage aussieht, wirkt die Betonmauer hinter dem Becken fĂŒr meinen Geschmack zu wenig ramponiert. Und das, obwohl sie ja einer ganz anderem Beanspruchung allein durch die Luftfeuchte ausgesetzt ist. WĂŒrde mich nicht wundern, wenn die nachtrĂ€glich eingebaut wurde, um einen gefahrlosen Zugang zum Schieber in der Außenwand zu ermöglichen. Das stellt dann allerdings auch das Alter des kleinen "GegenstĂŒcks" an der Scheiben-Seite der Hippotreppe in Frage, denn das Loch in der langen Wand dĂŒrfte doch vermutlich fĂŒr eine temporĂ€re Absperrung der Treppe per Eisenstange gedacht sein und mĂŒsste dann in dem kurzen Absatz gegenĂŒber sein Pendant finden.
(11.10.2013, 13:28)
Michael Mettler:   Ich habe mich angesichts der ohnehin trotzdem notwendigen, hinterliegenden Vergitterung (die fĂŒr Nashorn und Flusspferd mit Sicherheit viel massiver war als heute fĂŒr die Tapire) schon gefragt, warum die StĂ€lle ĂŒberhaupt verglast wurden. Aber vielleicht diente das eher den Tieren als den Besuchern: Mit jedem weiteren Stalltor stieg natĂŒrlich die Gefahr von Zugluft und natĂŒrlich auch von winterlichem WĂ€rmeverlust. Vielleicht hielt man deshalb auch die Stalltore fĂŒr Nashorn und Hippo so klein wie nur irgend möglich.
(11.10.2013, 10:20)
Carsten Horn:   Ich kann schlecht schĂ€tzen, aber der linke Stall sollte ungefĂ€hr die gleiche GrĂ¶ĂŸe wie der mittlere haben.

Hab leider kein Bild, wo man den linken Abschluß sieht, aber oben auf dem Bild sieht man die drei Fenster, die auch von außen zu sehen sind, wo tlw. das Elefantenplakat vorhĂ€ngt und dann ist Schluß mit dem Anbau...
(11.10.2013, 08:49)
Carsten Horn:   Ja, da ist ein schmaler Gang zwischen Betonmauer und Wand
(11.10.2013, 08:46)
Michael Mettler:   @Oliver, man könnte auch fragen: Warum hĂ€tte man ihn ĂŒberhaupt teilen sollen? Im Gegensatz zu heute fand man es frĂŒher nicht so ungewöhnlich, einfach nur Einzeltiere auszustellen. Machte man doch mit dem Hippo auch. Und selbst bei Anwesenheit eines Nashornpaares hĂ€tte man beide Tiere getrennt in Anbau und Mittelstall aufstallen und sie dann zwecks Reinigung der StĂ€lle vorĂŒbergehend in einem davon zusammensperren können.

@Carsten: Dass schon vor Bau des Nashornstalles eine Glasfront an dieser Stelle war (zwecks natĂŒrlicher Ausleuchtung der Besucherhalle), halte auch ich fĂŒr möglich. Dann hĂ€tte man die Fenster lediglich nachtrĂ€glich zum Besucherraum hin geneigt, um den Stalleinblick freier von störenden Spiegelungen zu halten, und kam vielleicht dadurch erst auf die Idee, auch die anderen StĂ€lle zu verglasen.

Zu den Fotos auf deiner HP: VerlĂ€uft hinter der glatten Betonwand des Hippo-Innenbeckens ein Pflegergang, oder ist das eine optische TĂ€uschung und die geht mit einem Absatz direkt in die geflieste Wand ĂŒber?
(11.10.2013, 08:33)
Oliver Jahn:   Vom Schild mit dem Nashorn ging der Stall bis zur Außenmauer und dem Tor? Das ist aber nicht klein, er hat damit die doppelte GrĂ¶ĂŸe des Mittelstalls. Warum sollte man den nicht teilen können?
(10.10.2013, 22:22)
Carsten Horn:   In dem Anbau war nur ein Nashornstall, es sei denn, der vorhandene war zweigeteilt, wĂ€re aber dann arg klein gewesen...

Der Mittelstall konnte sowohl fĂŒr Nashorn als auch fĂŒr Flußpferd als Absperrmöglichkeit dienen, so konnte der Pfleger z. B. im Winter ohne anwesendes Tier die StĂ€lle reinigen.

Die Scheiben am Mittelstall und am Flußpferdstall (rechts) wĂŒrde ich eher fĂŒr nachgerĂŒstet halten, die waren nicht von Anfang an da.

Am Nashornstall (links) könnte der Durchblick sogar von Anfang an als Fenster vorhanden gewesen sein, als kein nachtrĂ€glicher Mauerdurchbruch, denn hier waren die Scheiben bĂŒndig eingesetzt und zu öffnen tlw.
(10.10.2013, 22:15)
Oliver Jahn:   Das Bild habe ich auch bereits gesehen, das Nashorn steht vor dem großen Wasserbecken, und das 1968. Mehr habe ich auch nicht erkannt oder darĂŒber erfahren. Das Bild ist eine ehemalige Postkarte.
(10.10.2013, 21:57)
Michael Mettler:   @Oliver: Aus dieser Perspektive wirkt die Anlage tatsĂ€chlich total anders.

Ja, diese VerĂ€nderungen am Elefantenstall meine ich. Könnte was mit Fußpflegemaßnahmen zu tun haben, damit der Pfleger dafĂŒr nicht in die Box gehen muss (Elefant stellt Fuß auf Hocker, Pfleger unter Gitter vor RĂŒsselschlĂ€gen geschĂŒtzt)...?

Ein Foto des frĂŒheren Spitzmaulnashorns auf der Außenanlage habe ich zwar auch noch gefunden, aber mit Anlagendetails bringt es uns nicht sonderlich weiter:
http://www.rhinoresourcecenter.com/images/Lodz-148_i1211105963.php?type=all_images&sort_order=desc&sort_key=added
(10.10.2013, 21:48)
Oliver Jahn:   Den "Aufgang" mit dem Hocker und das schrĂ€ge Gitter?
(10.10.2013, 21:26)
Oliver Jahn:   Hier mal der Blick ĂŒber den Besucherweg bis ran ans Becken.
@Michael, was meinst du mit "an der Seite hat sich etwas verÀndert"?
(10.10.2013, 21:23)
Michael Mettler:   Mein letzter Beitrag bezog sich ĂŒbrigens noch auf die Gehegeböschungen.

Das Foto mit der Elefantin im Stall hatte ich beim Googeln auch gefunden - beim Vergleich mit Carstens eingestelltem Foto sieht man, dass an der Seite des Stalls zum Besucher hin baulich etwas verÀndert wurde.
(10.10.2013, 21:12)
Michael Mettler:   @Oliver: Okay, also alles gleichaltrig (oder wenigstens aus der selben Ära). BezĂŒglich des Außenbeckens tĂ€uscht das Foto dann tatsĂ€chlich sehr.
(10.10.2013, 21:06)
Oliver Jahn:   So sah der Stall mit einem Elefanten aus.

(10.10.2013, 21:04)
Oliver Jahn:   Die Grabenböschung der Elefanten ist ebenfalls aus Lochstein, hier hat man nur hinterher die Löcher zugeschmiert, da wo der Putz jetzt abfĂ€llt, erkennt man darunter genau diese Struktur.
(10.10.2013, 20:56)
Michael Mettler:   Ein zweiter, nicht einsehbarer Elefantenstall könnte wie in Magdeburg eine jĂŒngere Maßnahme gewesen sein, die zweite Kuh ist ja noch nicht so lange tot. Der einsehbare Bereich ist zwar nach heutigen Begriffen winzig und optisch eingepfercht, aber fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse und (vermutlich) Anbindehaltung m.E. gar nicht so ungewöhnlich. Der frĂŒhere Elefantenstall in OsnabrĂŒck z.B. war meiner Erinnerung nach auch nicht grĂ¶ĂŸer (seine FlĂ€che ist jetzt Teil der Orang-Innenanlage), und in Karlsruhe war zwar doppelt so viel Platz, aber dann auch mit doppelt soviel Elefanten besetzt... Ähnliches gilt fĂŒr den Originalzustand in Gelsenkirchen und fĂŒr die zwar optisch grĂ¶ĂŸer wirkenden, aber zeitweise mit Tieren vollgestopften ElefantenstĂ€nde in Magdeburg oder Hannover.
(10.10.2013, 20:55)
Oliver Jahn:   Um die Nashornanlage herum ist komplett der Lochstein.
(10.10.2013, 20:48)
Michael Mettler:   Mann, auf die Idee mit Carstens HP hĂ€tte ich eigentlich selber kommen mĂŒssen... Danke fĂŒr die Nachhilfe.

Erst mal aber noch etwas, was mir inzwischen aufgefallen ist: Die Grabenböschungen von Elefanten- und RĂ€tselanlage scheinen aus unterschiedlichem Material zu bestehen, die Anlagen wurden also vielleicht nicht gleichzeitig errichtet. Bei der RĂ€tselanlage sieht man auf den von Oliver und Carsten eingestellten Fotos eine Betonböschung mit Lochstruktur (sind DAS vielleicht Fertigteile?), zumindest an der RĂŒckseite der Anlage und an der Schmalseite neben dem Becken. Habt ihr zufĂ€llig ein Foto von der Frontseite, also vom Bereich links neben dem Pool? Ist dort das gleiche Material, oder sieht das wie bei der Elefantenanlage aus, deren Graben ich hier fand:
http://www.polskiekrajobrazy.pl/Galerie/121:Ziemia_Lodzka/28118:slonica_Magda_z_lodzkiego_ZOO.html

Eine Google-Luftaufnahme des Hauses habe ich inzwischen auch gefunden (auf einer Seite mit diversen solcher Fotos von polnischen Zoos):
http://mrowkojad.wordpress.com/2012/06/12/polskie-ogrody-zoologiczne-na-zdjeciach-google-maps/
Dort unter den Lodz-Fotos zu finden mit der Beschriftung "Sloniarnia". Leider nicht mit kompletter RĂ€tselanlage.

@Jan: Einen regelrechten Gehegetausch kann ich mir wegen der Innensituation nicht vorstellen. Allerdings wĂ€re es m.E. auch nicht unmöglich, dass die Elefanten den hausnahen Teil der RĂ€tselanlage als vorĂŒbergehendes Außengehege bekamen und abends in einen Stall irgendwo im Zoo gefĂŒhrt wurden (wie frĂŒher in Magdeburg), wĂ€hrend ihr eigentlicher Stalltrakt und die endgĂŒltige Außenanlage noch im Bau war. Könnte ja sein, dass man beim Bau mit dem Hausteil des Hippo-Innenbereiches und der Besucherhalle begann und den Elefantentrakt zuletzt fertigstellte. Wie lange der Bau letztlich gedauert hat, wissen wir ja bisher auch nicht. Falls das an der Hauswand tatsĂ€chlich Spuren einer Elefantenhaltung wĂ€ren, mĂŒssten die Bewohner jedenfalls deutlich grĂ¶ĂŸer gewesen sein als 3- bis 5-JĂ€hrige Elefanten (Ankunftsalter) gemeinhin sind.
(10.10.2013, 20:44)
Oliver Jahn:   @Carsten, du hattest mit deiner Vermutung doch Recht, der Bau gibt den Platz fĂŒr einen zweiten Elefantenstall her. Daher vielleicht auch die große TĂŒr nach links.
(10.10.2013, 20:38)
Oliver Jahn:   Die Vermutung mit der fehlenden Schauwirkung ist dem Foto hier geschuldet. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Auf dem Landbereich standen die Tiere höher als der Besucher, an das Becken kam er unmittelbar heran und konnte auf die Tiere im Wasser herab schauen, wenn sie auftauchten sie sogar berĂŒhren.
(10.10.2013, 20:08)
Oliver Jahn:   Auf Carstens Seite sind etliche Bilder von innen!
Und es gab im Anbau nicht nur einen Nashornstall! Sondern zwei. Und das Nashorn war sicher nicht geplant. Denn dafĂŒr baut man nicht so eine Anlage. Und wenn das Nashorn vor dem Anbau da war, dann sprĂ€che das noch mehr dafĂŒr, dass es den Landbereich am Becken schon gab. Denn dadurch erst konnte man das Nashorn ja aufnehmen.
(10.10.2013, 19:38)
Jan Jakobi:   Ob die Elefanten die Anlagen getauscht haben?

Bilder der kleinen Flusspferd-Anlage gibt es in der Bildergalerie "Zoo Lodz"/hipposworld.de.

Das Breitmaulnashorn ist ĂŒbrigens ein ehemaliger Berliner: "Zulu" kam aus dem TP Berlin nach Lodz.
(10.10.2013, 19:21)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich kenne ja nur das eine Innenfoto, das Carsten hier eingestellt hat. Da sind bauliche Details aus dem Inneren des Hippostalles natĂŒrlich schwer zu beurteilen ;-)

Du hast selbst auch Liberec als Vergleich angefĂŒhrt, da gab es nur einen Nilpferdstall. Und zu "gerade, wenn man ein Paar haben wollte": Woher wissen wir denn, dass der Zoo ĂŒberhaupt ein Paar halten wollte? Ist doch auch nur Mutmaßung. Zu bekommen waren Nilpferde jedenfalls, der Zoo hĂ€tte zur Beschaffung genĂŒgend Zeit gehabt und auch nicht unbedingt ein Nashorn dazuholen mĂŒssen. Hat er aber getan.

Dieses Nashorn könnte dann ĂŒbrigens auch schon vor seinem spĂ€teren Stall im Zoo gewesen sein, und zwar im Mittelstall. Denn bisher steht ja nur fest, wann das Nashorn kam, aber nicht, wann der Bau erweitert wurde - das kann durchaus erst nach dessen Ankunft gewesen sein. Damit wĂ€re der Mittelstall ab dann fĂŒr den Hippobullen blockiert gewesen. Und selbst hier könnte eine Paar-Theorie greifen: In den 60ern begann die Importwelle der SĂŒdlichen Breitmaulnashörner, die nur paarweise zu bekommen waren - vielleicht hoffte der Zoo darauf und der Anbau könnte genausogut als zusĂ€tzlicher, nicht als einziger Nashornstall gedacht gewesen sein.

Und nur mal eine Idee, warum die große Außenanlage nicht (mehr) fĂŒr Nilpferde genutzt worden sein könnte: fehlende Schauwirkung. Nach den hier eingestellten Fotos zu urteilen dĂŒrfte vom Hippo nicht viel zu sehen gewesen sein, wenn er im Tiefwasser lag, weil der Abstand zum Besucher durch Graben und Vorpflanzung doch ganz schön groß ist und keine "Von-oben-herab-Perspektive" möglich macht.

Das Außenbecken ist eigentlich eher angelegt wie ein Elefantenbad, wo man mehr vom Tier ĂŒber die Kante ragen sieht und die Bewohner auch nicht den ganzen Tag dösend im Wasser liegen. Und die Hausfassade sieht eigentlich auch aus wie durch Elefanten ramponiert...
(10.10.2013, 19:06)
Oliver Jahn:   Und die nĂ€chste Frage, die sich stellt, warum hĂ€tte man denn das Innenbecken verkleinern und einen zusĂ€tzlichen Landbereich dort nachtrĂ€glich und aufwendig einbauen sollen?
Das Nashorn stand links und konnte von dort nach draußen. Das Nilpferd hatte den Stall mittig, und hĂ€tte doch auch ĂŒber das Becken nach außen gekonnt.
(10.10.2013, 17:01)
Oliver Jahn:   @Michael, spĂ€testens ab Einzug des Nashorns wurde die MitteltĂŒr sicher nicht mehr genutzt, denn warum sonst hĂ€tte man dem Nashorn eine eigene gebaut? Dass die MitteltĂŒr vorher außen eine Schiebeabsperrung hatte, das will ich gar nicht bezweifeln, aber man hat sie nicht benötigt, vielleicht hat man sie deshalb abgebaut und fĂŒr die neue TĂŒr ins kleine Außengehege genutzt. Zum Hippostall, die Antwort ist relativ klar, Magdeburg hatte zwei StĂ€lle, Halle hatte sie, Frankfurt hatte sie ebenfalls, Hannover auch, Kattowitz ebenfalls, wer eigentlich nicht? Gerade, wenn man ein Paar haben wollte. Und wie gesagt, es erinnert mich immer wieder an Magdeburg in klein. Vom Waserbecken geht es raus auf einen Landbereich mit Futtertrog, von da aus noch mal nach links weg in einen Stall. Wenn doch beide Absperrungen gegossener Beton sind, dann hĂ€tten es ja vorher gar keine Absperrung gegeben. Die gleiche Form findet sich ja aber vor beiden StĂ€llen. Und Michael, auf diesen Betonelementen stehen die tragenden SĂ€ulen des Hauses. So etwas baut man wohl eher nicht spĂ€ter ein. Das mit den Scheiben sehe ich genau so, wie du. Rechts und in der Mitte nach oben offen, links zum Nashorn ist einfach nur ein großes Fenster in die ehemalige Außenwand zum neuen Nashornstall geschlagen und dann ganz verglast.
(10.10.2013, 16:46)
Michael Mettler:   @Oliver: Wenn es wirklich ein klassisches Beton-Fertigbauteil ist, sprĂ€che das nicht erst recht fĂŒr einen nachtrĂ€glichen Einbau? Ich erinnere mich an Ortwin Kratzkes Aussage zum Bau des Magdeburger DHH, dass es solche Fertigteile damals nicht gab oder sie zumindest nicht zu bekommen waren, so dass alles vor Ort in Form gegossen werden musste - ob das in Polen damals wirklich einfacher/fortschrittlicher war als in der DDR?

Und welchem Zweck diente bei reiner Hippo-Planung der jetzige Mittelstall, der den einzigen Ausgang zum Außengehege enthielt, wenn man ihn als Landteil doch eigentlich gar nicht brauchte?
(10.10.2013, 16:22)
Michael Mettler:   @Oliver: Wenn das erste Nashorn erst 1966 kam, das Haus aber schon vorher fertig war, warum hĂ€tte man dann das schon lange vorher vorhandene und ausgewachsene Nilpferd nicht auf die große Anlage lassen sollen? Vielleicht merkte man ja erst dadurch, dass die Anlage mit ihm eher unterbesetzt war und entschied sich deshalb zur Umnutzung.

Das Nashorn-Tor wirkt ĂŒbrigens auf mich nicht grĂ¶ĂŸer als das linke, allenfalls ist der eigentliche Schieber etwas grĂ¶ĂŸer als die dahinter befindliche Wandöffnung, da er ja nicht in ihr, sondern vor ihr lĂ€uft und somit nicht bĂŒndig mit der Mauerkante abschließen dĂŒrfte. Irgendwas wie ein Rahmen oder eine zusĂ€tzliche TĂŒr mĂŒsste ja auch noch dahinter gewesen sein, um im Winter das Eindringen von KĂ€lte zu vermeiden/vermindern und zu verhindern, dass das Nashorn seinen Nasenaufsatz benutzt, um in der Spalte zwischen Schieber und Mauer herumzuhebeln.

In punkto Schulterhöhe sind ĂŒbrigens Spitzmaulnashorn und Nilpferd(bulle) durchaus vergleichbar, bei der notwendigen Durchlassbreite wĂŒrde ich sogar das Rhino als etwas schmaler einschĂ€tzen.

@Carsten: Deute ich das auf deiner Innenaufnahme der Tapir-/Hippo-StĂ€lle richtig, dass der mittlere Stall ebenso wie die beiden Ă€ußeren mit hohen, nach vorn geneigten Glasscheiben zum Besucherraum hin abgeschirmt ist oder zumindest mal war? Das sieht nĂ€mlich so aus, als sei dann der Mittelstall als letzter von den Dreien verglast worden, denn die Scheiben der anderen schließen mit seinen nicht ab, sondern laufen quasi hinter diese.
(10.10.2013, 16:11)
Oliver Jahn:   Auch das Innenbecken dĂŒrfte nicht grĂ¶ĂŸer gewesen sein, denn die Treppenbegrenzung innen ist ein Gesamtbetonbauteil, welches sich in der Besucherabsperrung zum Stall fortsetzt und auf der in L-Form die Besucherabsperrung zum Becken aufliegt. Klassische Fertigbauweise.
(10.10.2013, 15:48)
Oliver Jahn:   Die kleine TĂŒr nach Außen wurde doch gar nicht genutzt. Durch wen denn? FĂŒr ein Nashorn war sie wohl zu klein, darum baute man dem Nashorn eine eigene TĂŒr in den Anbau. Das Nilpferd aber bekam seine TĂŒr nach Fertigstellung seines neuen Außengeheges aus dem Stallbereich dorthin. Bis zu dessen Fertigstellung wird es wohl drin gelebt haben, ohne Auslauf.
(10.10.2013, 15:29)
Michael Mettler:   Wenn der mittlere Stall im Original den einzigen Ausgang fĂŒr Hippos auf die Außenanlage beinhaltet hĂ€tte, eigentlich ein Partnertier und dafĂŒr anfangs kein Nashorn vorgesehen war, sprĂ€che das doch auch dafĂŒr, dass der rechte Stall vielleicht erst nachtrĂ€glich mit einem Landbereich ausgestattet wurde und ursprĂŒnglich nur ein (und dann entsprechend grĂ¶ĂŸeres) Becken enthielt?

Leider erlaubt die Auflösung der hier eingestellten Außenaufnahmen keinen brauchbaren Blick darauf, aber ich möchte mal dazu anregen, den Zustand der Außenfassade an der fensterlosen Seite unter die Lupe zu nehmen. Im Bereich des baulich höchsten Stalltraktes ist die Wand extrem stark und auch bis nach weit oben (deutlich ĂŒber Nashornreichweite) beansprucht, ab dem Übergang zum niedrigeren Trakt bis hin zum ersten Stalltor unten erheblich weniger und oben merkwĂŒrdig bogenförmig, zwischen den beiden Toren dann wieder etwas mehr (aber nur in niedriger Höhe). Und es gibt eine waagrechte "Linie" oberhalb des linken Tores. Die könnte darauf hindeuten, dass hier zeitweise ein ebensolches Tor an einer Laufschiene gehangen haben könnte wie am (ehemaligen) Nashornstall und nach links hin geöffnet wurde. Dann könnte es dort einen geschĂŒtzten Bereich fĂŒr den bedienenden Pfleger gegeben haben, wo die Gehegebewohner dann natĂŒrlich auch keine Chance gehabt hĂ€tten, an dieser Stelle die Fassade zu beschĂ€digen. Das wĂŒrde dann allerdings mögliche neue Varianten aufwerfen, wie die FlĂ€che an dieser Seite des Hauses frĂŒher genutzt worden war.
(10.10.2013, 15:10)
Oliver Jahn:   @Carsten, gerade, weil wir eben nicht rein kamen, bin ich ĂŒber deine Bilder doppelt erfreut, sie runden das Bild ab welches wir uns von außen gemacht haben.
(10.10.2013, 14:42)
Carsten Horn:   Na dann war es ja gut, das ich die Direktorin in Lodz ĂŒberredet habe, die Bilder zeigen zu dĂŒrfen, g, war nicht besonders begeistert davon, da das Haus ja nicht gerade eine Zierde des heutigen Zoo Lodz ist.

Wenn Magda (53 Jahre) mal nicht mehr ist, soll das Haus abgerissen werden.
(10.10.2013, 14:05)
Oliver Jahn:   Weiterhin ist die TĂŒr, die ins kleine Nilpferdaußengehege fĂŒhrt, nachtrĂ€glich eingebaut und von der gleichen Art, wie die, die im Nashornanbau verwendet wurde.
Es sieht also tatsĂ€chlich so aus, als hĂ€tte der Nilpferdbulle nicht wirklich etwas von der großen Anlage gehabt.
Die wenigen Bilder von ihm zeigen ihn immer auf der kleinen Anlage.
(10.10.2013, 11:47)
Michael Mettler:   FĂŒr den nachtrĂ€glichen Anbau der kleinen Nilpferdanlage spricht auch ihre geografische Lage an der Nordostseite des Hauses - ziemlich "schattig" fĂŒr ein Tropentier. Bei langfristigen Planungen richtete man solche Anlagen m.W. eher nach möglichst langem Sonneneinfall aus.
(10.10.2013, 10:35)
Oliver Jahn:   Ich habe mir die Fotos von Carsten noch einmal sehr genau angesehen und sie mit meinen Bildern abgeglichen. Danke Carsten, sie waren aus meiner Sicht sehr hilfreich. Und deine Theorie, dass man die kleine Nilpferdaußenanlage zusammen mit dem Nashornstall erst spĂ€ter angebaut hat, erscheint mir immer wahrscheinlicher.

1963 kamen die beiden kleinen Elefanten nach Lodz und im Zoo war zu lesen, dass man fĂŒr sie das DHH baute. In diesem Zuge errichtete man gleichzeitig eine (fĂŒr diese Zeit wohl vielleicht die modernste) Anlage fĂŒr das vorhandene Nilpferd, mit der Tendenz, hier vielleicht einen Kuh hinzuzuholen und zu zĂŒchten. Aus dieser Zeit stammt auch die TĂŒr vom Nilpferdstall zur großen Außenanlage.

1966 bekam man dann ein Spitzmaulnashorn.
Vielleicht wurde es anfĂ€nglich im mittleren, zu dieser Zeit linken Nilpferdstall gehalten und man gab ihm die große Außenanlage.
Den Nilpferdbullen konnte man ja auch erst mal innen halten, hatte er ja dort auch ein Wasserbecken.
Dann baute man den Nashornstall an. Und in diesem Zuge, oder evtl. sogar noch etwas spĂ€ter, nutzte man dann die lange RĂŒckseite des Stalls, und baute hier noch eine Nilpferdaußenanlage dran, so dass der Bulle auch wieder raus konnte, somit hatte man dann alle drei DickhĂ€uter in diesem Haus untergebracht.

(10.10.2013, 10:28)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich habe jetzt eine Anfrage an Leszek Solski abgeschickt, der - wie mir nachtrĂ€glich aufgefallen war - am besagten Buch "Zoo and Aquarium History" mitgearbeitet hat und den ich von den Sammlertreffen her kenne. Hoffentlich stimmte die Mailadresse noch. Vielleicht bekommen wir auf diesem Weg hilfreiche Infos oder sogar einen alten Zooplan aus Vor-DHH-Zeiten.
(10.10.2013, 10:19)
Oliver Jahn:   Die Robbenanlage existiert noch immer in genau diesem beschriebenen Zustand, daher wĂ€re eine Robbenhaltung im Nilpferdbecken unnötig.
Eine Postkarte aus dem Tierpark Litzmannstadt zeigt einen jungen Elefanten, den ersten in Lodz, auf einer leicht eingezĂ€unten Wiese, so wie frĂŒher in Magdeburg.
(10.10.2013, 09:38)
Michael Mettler:   Via Google Books fand ich ein Buch "Zoo and Aquarium History", in dem auch polnische Zoohistorie wiedergegeben wird - leider sind nicht alle Seiten aufrufbar. Zumindest ist dort zu lesen, dass es schon gegen Ende des 2. Weltkriegs ein Elefantenpaar in Lodz gab, von dem die Kuh bis 1960 lebte. Das muss dann Magda I gewesen sein, deren Geburtsjahr auf www.elephant.se mit 1920 angegeben, aber keine Herkunft und auch kein Bulle fĂŒr Lodz genannt wird. Letzteres gilt auch fĂŒr eine Übersicht ĂŒber die polnische Elefantenhistorie im EEG-Magazin.

Eine weitere Internetquelle (http://www.zoos.mono.net/13320/Lodz%20*/**) berichtet darĂŒber, dass die deutsche Administration wĂ€hrends des Krieges ein besonderes Interesse an der Entwicklung des Zoos zeigte, in diese Zeit der erste Bauboom fiel und viele Tiere hinzugeholt wurden, u.a. auch aus Circussen und aus deutschen Zoos zwecks Rettung vor KriegseinflĂŒssen. Vor diesem Hintergrund erschiene dann auch ein Elefantenbulle (aus Circus?) nicht unwahrscheinlich, das erste Hippo kam zu Ă€hnlicher Zeit in den Zoo - dann wĂ€re allerdings auch ein VorlĂ€ufer des DickhĂ€uterhauses nicht undenkbar (, denn offenbar wollten die Deutschen damals ja aus dem anfangs eher heimatlich besetzten Tierpark einen "richtigen Zoo" machen, wĂ€hrend sie z.B. den Zoo in Warschau fĂŒr ĂŒberflĂŒssig hielten und dort Tierbestand abzogen. Es mĂŒsste also nicht mal ein provisorischer Notstall gewesen sein, sondern könnte auch (mit einem Haus oder zwei getrennten) eine Ă€hnliche Lösung gewesen sein wie in NĂŒrnberg, wo der neue Zoo ja erst kurz zuvor quasi als "deutsches Modellprojekt" entwickelt worden war.

Leider gibt diese zweite Quelle zwar noch einen weiteren Bauboom in den 50er Jahren her, sagt aber nichts ĂŒber den Bau des heutigen DickhĂ€uterhauses. Interessant finde ich die ErwĂ€hnung eines offenbar in den 50ern entstandenen Pools fĂŒr Seelöwen mit angeschlossenem Haus, das ein Innenbecken fĂŒr den Winter sowie eine Dachterrasse enthielt - entspricht das der heutigen Robbenanlage, oder gĂ€be das meiner Mutmaßung ĂŒber Robben im RĂ€tselbecken und ein ehemaliges dortiges Haus Nahrung...?
(10.10.2013, 09:21)
Oliver Jahn:   Mitte 60 kann auch 63 gewesen sein, im Zoo stand, dass das DHH fĂŒr die beiden asiatischen Elefanten gebaut wurde.
(10.10.2013, 00:49)
Carsten Horn:   Von 1945 - 1960 gab es auch schon eine Elefantenkuh dort, die muß ja auch irgendwo untergebracht gewesen sein...

1963 gab es sogar drei Elefanten im Zoo, einer davon wurde allerdings im gleichen Jahr nach Chorzow weitergegeben...
(10.10.2013, 00:14)
Oliver Jahn:   Hat man ja aber nicht, sondern auf der großen Anlage das Nashorn gehalten und dann fĂŒr das Hippo noch ein kleines Becken spĂ€ter angebaut.
(09.10.2013, 23:50)
Michael Mettler:   Vor dem Nilpferdbullen gab es bereits fĂŒr einige Jahre eine einzelne Kuh. Irgendein ausreichend stabiles Becken muss es also schon gegeben haben, wie groß auch immer.

FĂŒr ein hinzugekommenes Nashorn hĂ€tte man auch schlichtweg einen Teil der großen Anlage abtrennen und das Hippo trotzdem im großen Becken halten können...?
(09.10.2013, 23:42)
Oliver Jahn:   Das Haus wurde m.E. fĂŒr Elefanten und Nilpferde gebaut, ganz Ă€hnlich, wie in Liberec. Dann bekam man ein Nashorn und baute dafĂŒr einen Stall an, gab ihm die Nilpferdaußenanlage und baute fĂŒr das Nilpferd die kleine Außenanlage an.
Die beiden Trakte fĂŒr Elefant und Nilpferd sind baugleich und entstammen einer Zeit. Der Anbau fĂŒr das Nashorn ist jĂŒnger.
An der RĂŒckseite sind keine Fenster, aber solche haben die RĂŒckseiten in Magdeburg ja auch nicht, das ist eine Frage des Lichteinfalls. Das Tor zur kleinen Nilpferdanlage ist spĂ€ter eingebaut. Zu Carsten, links vom Elefantenstall geht es nicht weiter, das ist wirklich alles.
BezĂŒglich des Fotos hatte ich die gleiche Idee, aber das Becken passt nicht.
Wo der Nilpferdbulle vorher war, das weiß ich auch nicht, aber wenn ich mir den Stall in Kronberg ansehe, dann passt so einer in jede Ecke.
(09.10.2013, 22:48)
Michael Mettler:   Übrigens könnten die beiden Beton-"Inseln" im Becken auch darauf hindeuten, dass es zwischenzeitlich fĂŒr Robbenhaltung genutzt worden sein könnte. Z.B. hatte auch Antwerpen frĂŒher die historische Flusspferd-Außenanlage zeitweise zu einer Robbenanlage umfunktioniert.
(09.10.2013, 22:47)
Jan Jakobi:   @Michael:
Du könntest recht haben mit dem anderen RÀtselfoto.
Nur kann ich auf dem Foto von Oliver andere (?) BĂ€ume.

Bei der Seitenfront kann ich drei GebÀudeteile erkennen.
(09.10.2013, 22:46)
Michael Mettler:   @Oliver, zur zeitlichen Abfolge: Du schriebst im Polen-Thread, das Haus sei Mitte der 60er Jahre gebaut worden. Die beiden ElefantenkĂŒhe Magda (lebt noch) und India (gestorben) kamen sowohl laut TV-Doku als auch laut www.elephant.se schon 1963 in den Zoo, mĂŒssten dann also vorher anderswo untergebracht gewesen sein. Wobei wir ja wissen, wie schlicht sowas frĂŒher gewesen sein kann, zumal die beiden bei Ankunft erst 3 und 5 Jahre alt waren.

Aber: Der Flusspferdbulle Hipek (geb. 1955 in Amsterdam) kam bereits 1956 mit etwas ĂŒber einem Jahr nach Lodz und war bei Ankunft der Elefanten achtjĂ€hrig und damit voll ausgewachsen. Wo wurde DER vorher gehalten? Dazu reicht ja nun mal nicht ein umfunktionierter Huftierstall o.Ä.

Könnte das große Becken auf der "RĂ€tselanlage" womöglich das ALTE Flusspferdbecken sein und auf der LandflĂ€che ein altes Haus gestanden haben, an das man das neue (heutige) spĂ€ter anbaute (was die fehlenden Fenster an dieser Seite erklĂ€ren wĂŒrde) und spĂ€ter den Altbau wegriss? Neben dem fraglichen Bereich des heutigen Hauses (also ohne den nachtrĂ€glichen Nashornstall gerechnet) steht interessanterweise kein Baum, obwohl die Umgebung insgesamt recht gut mit BĂ€umen bestanden ist.

Carstens Gedanke, dass das frĂŒher mal zwei Anlagen gewesen sein könnten, wĂŒrde dazu ebenfalls gut passen: Die ans heutige Haus direkt angrenzende HĂ€lfte fĂŒr die Elefanten, das Becken mit dem Landbereich dahinter fĂŒr das Nilpferd. Die Elefanten hĂ€tten dann bei Bedarf sogar das Becken mitnutzen können.

Übrigens fĂ€llt mir eingedenk eines adulten Hippo-Bullen und zweier jugendlicher Asiatischer ElefantenkĂŒhe in einer möglicherweise noch recht provisorischen Unterbringung gleich das im Flusspferd-Thread diskutierte RĂ€tselfoto ein ;-)
(09.10.2013, 22:37)
Oliver Jahn:   Hier die Seitenfront des DHH in Lodz, man erkennt rechts deutlich den Anbau fĂŒr das Nashorn.
(09.10.2013, 21:03)
Ronny:   Ich war nur bis etwa um 2 im Zoo und bis dahin war "Kenia" die ganze Zeit draußen, trotz Regen.
(11.12.2011, 21:00)
Oliver Jahn:   Danke Ronny, so habe ich es auch in der Zeitung gesehen. Eine Frage noch, nutzt das Nashorn jetzt das alte Flusspferdbecken noch zur HĂ€lfte, so lange die Elefanten dort nicht stehen? Denn im alten Nashornabteil sind ja jetzt die SeidenhĂŒhner, so dass Kenia es jetzt eigentlich wieder um einiges schlechter hat, was ich sehr bedaure. Bei meinem letzten Besuch stand sie im Mittelstall der linken Seite.
(11.12.2011, 19:48)
Ronny:   Und noch noch von der anderen Seite.
(09.12.2011, 19:44)
Ronny:   Etwas detaillierter.
(09.12.2011, 19:43)
Ronny:   Falsches Bild...bitte entfernen, sorry.

Blick von Elefanten auf ehemalige Flusspferd und Nashorn-Anlage.
(09.12.2011, 19:42)
Ronny:   Wie versprochen die Fotos aus den DickhĂ€uterhaus in MD nach dem letzten Umbau.
(09.12.2011, 19:40)
Michael Mettler:   Ja, war der Besuch tatsĂ€chlich, dann ist mir der Durchbruch damals nicht aufgefallen. Wie ich inzwischen erfahren habe, entstand auch er als Folge eines Elefantenangriffs (damals durch Arusha, die schon 2003 Magdeburg verließ).
(18.11.2011, 08:43)
Oliver Jahn:   War unser Besuch wirklich schon 2007? Wenn ja, dann ist das Tor Ă€lter, denn bei dem gab es das Tor schon. Du hast es sogar auf einem deiner Fotos.
(17.11.2011, 23:36)
Michael Mettler:   Dann war er wohl nur fĂŒr mich neu, ich war vor diesem Besuch zuletzt 2007 dort.
(17.11.2011, 09:03)
Oliver Jahn:   Schade, aber vielleicht nutzt man es ja so, wie Mel es geschrieben hat.
Der Wanddurchbruch zur Isolierbox ist gar nicht so neu. Ich habe noch nicht weiter gesucht, aber auf einem Foto von Juni 2008, welches ich gerade zur Hand hatte, da ist er schon drauf.
(16.11.2011, 23:42)
Mel:   Naja auch wenn der nu neu entstandene Teil fĂŒr die Elefantenabsperrung vorgesehen ist, spricht ja eigentlich nichts dagegen, diesen Part fĂŒr Kenia zugĂ€nglich zu machen wenn er eben zeitlich nicht fĂŒr die Elefanten gebraucht wird. Das ließe sich ja eigentlich ohne grĂ¶ĂŸeren Aufwand bewerkstelligen.
(16.11.2011, 17:30)
Michael Mettler:   Ich bekam jetzt die Info, dass der Umbau nicht zu Gunsten Kenias gedacht ist, sondern um aus SicherheitsgrĂŒnden eine Absperrmöglichkeit fĂŒr die Elefanten zu schaffen und im Bedarfsfall auf direkten Kontakt verzichten zu können - eine Konsequenz aus dem diesjĂ€hrigen Unfall.

Ein Sandbett fĂŒr Kenia wĂ€re natĂŒrlich trotzdem eine feine Sache - sowas mĂŒsste sich doch auch in ihrem Stallbereich per AufschĂŒttung mit einfachen Mitteln machen lassen?
(16.11.2011, 09:56)
Oliver Jahn:   Mal schauen, was es wird. Jetzt aber wĂŒrde es mich freuen, wenn die alte Nashorndame, so lange sie es noch kann, davon profitieren wĂŒrde.
(15.11.2011, 23:46)
Michael Mettler:   ...oder die Elefanten bekommen eine deutlich grĂ¶ĂŸere InnenlaufflĂ€che; noch ist ja keine Absperrung zu sehen, aus der man auf den kĂŒnftigen Besatz schließen könnte. Der im Hintergrund zu sehende Wanddurchbruch zum Nebenraum (frĂŒher Isolierbox) schien mir ĂŒbrigens bei meinem Besuch ebenfalls neu zu sein.
(15.11.2011, 22:52)
Oliver Jahn:   Michael hatte ja in seinem Beitrag zu Magdeburg erwĂ€hnt, dass man dort im DickhĂ€uterhaus gerade dabei ist, den Felsen zwischen dem ehemaligen Flusspferdbecken und dem Elefantenbad zu demontieren.
Bei meinem Besuch war der Felsen nur zur HĂ€lfte entfernt. Das Elefantenbecken wurde mit Sand aufgeschĂŒttet und dem Nashornauslauf im alten Flusspferdbecken zugeschlagen. Somit dĂŒrfte die alte Kuh Kenia jetzt auch innen etwas Naturboden unter den FĂŒĂŸen haben.
(15.11.2011, 20:21)
Michael Mettler:   @Carsten Horn: Nein, schon seit Jahren als Zoologischer Garten Magdeburg. "Tiergarten" wurde in diesem Zusammenhang wohl eher als Branchenbegriff verwendet.

Aber danke fĂŒr den Hinweis - habe gleich mal nachgeschlagen und die Textstelle im Artikel zum 35-jĂ€hrigen DienstjubilĂ€um Reiffs gefunden. Wieder ein "Vater des Hauses" mehr :-)
(02.11.2011, 15:35)
Carsten Horn:   Wenn ich mich recht erinner, ist eine Person im Zusammenhang mit dem DickhĂ€uterhaus noch gar nicht genannt worden: Gerd Reiff...

Zitat aus Felis 3JG:
"Als dann 1967 im Zoo Magdeburg das erste moderne DickhĂ€uterhaus in einem Tiergarten der DDR nach dem Zweiten Weltkrieg seiner Bestimmung ĂŒbergeben wurde, hatte der erfahrene Oberzootierpfleger an dessen baulicher Entwicklung keinen geringen Anteil"

Da stellt sich mir gleich noch eine andere Frage, fimierte Magdeburg 1967 noch als Tiergarten?
(02.11.2011, 14:50)
Michael Mettler:   Gestern hatte ich Gelegenheit, einem Architekten ein paar Fragen zu stellen, um die Materie etwas besser verstehen zu können. Er hatte noch nie etwas mit Zoobauten zu tun und kennt auch die VerhĂ€ltnisse der DDR der 60er Jahre nicht, deshalb konnten wir uns natĂŒrlich nur ĂŒber relativ allgemeine Punkte unterhalten.

Die Begriffe "Aufgabenstellung" und "Entwurf" aus dem Fachartikel sind nach seiner Aussage keineswegs eng definiert. Beides kann die Möglichkeiten beinhalten, dass Steinhagen ein völlig eigenes Hauskonzept entwarf oder nur ein weitgehend vorgegebenes Konzept aktualisierte oder ausgestaltete (also z.B. Nashörner und Nilpferde "einbaute", wo vorher nur Elefanten geplant waren).

Zu den Vorgaben einer Aufgabenstellung gehört normalerweise nicht nur, was insgesamt im Haus untergebracht werden soll, sondern auch, welche RĂ€umlichkeiten in einer speziellen Beziehung zueinander stehen und deswegen benachbart liegen sollen. Das ist ein Punkt, der fĂŒr mich sehr interessant ist, denn mir fiel zwischenzeitlich eine MerkwĂŒrdigkeit am DHH auf: Die Technik zur Warmwasserbereitung wurde im Elefantentrakt untergebracht, die Boiler oberhalb der Isolierbox ganz rechts außen im GebĂ€ude. Der grĂ¶ĂŸte Bedarf an warmem Wasser entstand aber ganz links im GebĂ€ude (Hippo-Innenbecken) und noch weiter links, weit außerhalb des Hauses (Hippo-Außenbecken) - von kurzen Wegen kann also trotz einer "Beziehung" nicht die Rede sein. Nun hĂ€tte man ja den Wirtschaftstrakt ohne Weiteres spiegelverkehrt planen und bauen können, womit die Warmwasserbereitung etliche Meter nĂ€her an die Hippo-Pools gerĂŒckt wĂ€re. Ist der Umstand, dass das NICHT so gemacht wurde, womöglich ein Indiz dafĂŒr, dass die Boiler ursprĂŒnglich nur fĂŒr die Elefanten gedacht waren und ein Flusspferdbereich erst nachtrĂ€glich in die Planung eingebunden wurde...?

Zu den Zeichnungen: Mein Bekannter bestĂ€tigte meine Vermutung, dass zwischen Entwurf bzw. Dokumentation und Bauplan ein großer Unterschied besteht und sich BauplĂ€ne schlecht fĂŒr Veröffentlichungen eignen, weil sie zu unĂŒbersichtlich fĂŒr Nicht-Fachleute sind. Zeichnungen, wie sie in der DHH-BroschĂŒre, in BĂŒrgers Artikel und in Steinhagens Artikel zu sehen sind, werden speziell fĂŒr VorabprĂ€sentationen, BauantrĂ€ge und Publikationen (Baudokumentationen) angefertigt, und das bei Bedarf durchaus mehrfach nacheinander in verĂ€nderter Form - fĂŒr Publikationen auch noch Jahre nach Inbetriebnahme der Bauten.

Es ist nicht unĂŒblich, dass EntwĂŒrfe und dementsprechend auch "richtige" BauplĂ€ne noch wĂ€hrend der Bauphase verĂ€ndert werden, teilweise sogar gravierend, wobei mit Ausnahme kleiner VerĂ€nderungen (z.B. das Versetzen einer Fensteröffnung um einen Meter) jedesmal neue Zeichnungen gemacht werden mĂŒssen. Ein GebĂ€ude kann also nach Fertigstellung anders aussehen und aufgeteilt sein, als es beim Baustart beabsichtigt war, und die Baudokumentation enthĂ€lt dann natĂŒrlich den verwirklichten Zustand statt der Originalplanung.

Ich habe bei dieser Gelegenheit mit Hinblick auf meine Theorie gefragt, ob es von den AblĂ€ufen her ĂŒberhaupt möglich wĂ€re, einen ganzen GebĂ€udetrakt sogar noch bei bereits angelaufenem Bau um 90° zu verschwenken, wenn man zwischenzeitlich auf eine neue Idee kommt oder neue Notwendigkeiten entstehen. Klare Antwort: Im Prinzip ja, wenn Fragen wie das Fundament kein Problem darstellen - solche gravierenden VerĂ€nderungen kommen durchaus vor. Konkret mit dem Grundriss des DHH und meiner Verschwenkungstheorie konfrontiert sagte der Befragte, dass das Haus in seiner heutigen Form auch fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse energietechnisch gĂŒnstiger gebaut ist als es mit einem in gleicher Flucht wie der Elefantentrakt verlaufenden linken Stalltrakt als Anbau wĂ€re, da es in der verwirklichten Form weniger AußenwandflĂ€che hat. Das ist natĂŒrlich kein Beweis dafĂŒr, dass es jemals anders geplant war als es gebaut wurde.
(31.10.2011, 11:38)
Michael Mettler:   @WolfDrei: Auf der Fotoserie zum Bau des DHH in der SonderbroschĂŒre sind ebenfalls HolzmastengerĂŒste zu sehen - und Arbeiter, die auf Planken oberhalb der zu gießenden DachflĂ€che Schubkarren schieben.
(24.10.2011, 12:48)
WolfDrei:   Und es ging dennoch: man schau sich die HolzmastengerĂŒste beim Bau des Brehmhauses an. Oder gestern die geschwungen gegossene Decke der GroßgaststĂ€tte im Zoo Eberswalde ohne StĂŒtzpfeiler ĂŒber geschĂ€tzte 25 x 25 Meter. Durch die offensichtlich unterschiedlich dicken Schalbretter ergibt sich eine interessante Struktur.
(24.10.2011, 09:20)
Michael Mettler:   @Oliver: Vom Gießen einer DachflĂ€che findest du sogar ein Foto in der SonderbroschĂŒre. Es soll zu dieser Zeit in der DDR noch gar keine mobile Technik gegeben haben, riesige Beton-Fertigteile an Ort und Stelle bewegen zu können, und ebenso keine entsprechenden Betonpumpen, so dass alle Verschalungen noch per Schubkarre ausgegossen wurden.

Beton stand zudem nicht in beliebiger Menge zur VerfĂŒgung. Der zuerst gebaute Elefantentrakt wurde noch mit StahlbetonwĂ€nden versehen, im NN-Trakt wurde das Betonskelett dagegen nur mit Mauersteinen ausgefacht.
(24.10.2011, 09:09)
Oliver Jahn:   Und das Dach mit den großen runden Oberlichtern sicher auch.
(23.10.2011, 23:37)
Michael Mettler:   Ich habe eine Korrektur aus Magdeburg erhalten: Die BetonsĂ€ulen und -trĂ€ger des DHH waren keine Fertigteile, sondern sind vor Ort gegossen worden.
(22.10.2011, 22:18)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich denke in Sachen Material eher an Fertigelemente, die vielleicht von anderen stĂ€dtischen oder bezirklichen Projekten ĂŒbrig waren. Leipzig ließ sich ein Menschenaffenhaus quasi um vorhandene Beton-Dachelemente, wie sie fĂŒr Kaufhallen verwendet wurden, entwerfen, und selbst der kleine Tierpark Staßfurt hat sein Affenhaus aus Beton-Fertigteilen zusammengesetzt, die meiner Erinnerung nach von einem Kraftwerk-Bau ĂŒbrig waren (wobei ich nicht weiß, ob vor oder nach der Wende). Vielleicht stand bei der Aufgabenstellung in Magdeburg schon fest, wieviele Beton-Rahmenteile man fĂŒr das Skelett des Hauses zur VerfĂŒgung haben wĂŒrde, und es war die Hauptfrage, wie man diese am geschicktesten einsetzte.
(21.10.2011, 20:29)
Oliver Jahn:   Ich gehe davon aus, dass es in jedem Zoo sehr unterschiedliche Aufgabenstellungen und auch Aufgabensteller gab, genau so wie heute.
Was das Material angeht, da gab es auf jeden Fall Vorgaben bezgl. der Menge, und natĂŒrlich auch bzgl. der Beschaffbarkeit. Es konnte eben nur das genommen werden, was es auch gab. AltmĂŒhltal-Marmor war eben nicht mehr zu beschaffen, Elbsandstein hingegen schon.
(21.10.2011, 20:01)
Michael Mettler:   @Oliver: OK, darin gebe ich dir Recht, da war ich dann schon in die Interpretation geraten.

BezĂŒglich der Definition des Begriffes "Aufgabenstellung": Ich fand ihn jetzt auch in Zusammenhang mit dem Leipziger Menschenaffenhaus. Seifert schrieb darĂŒber "In der Aufgabenstellung sahen wir die Schaffung je einer Gehegeeinheit fĂŒr Orang-Utan.... (usw.)". AufgefĂŒhrt ist alles, was das Haus enthalten sollte, es gab Materialvorgaben (vorhandene Fertigteile), und der Bau sollte ein unverwechselbares Gesicht bekommen. Mit anderen Worten: Wer auch immer das Haus bautechnisch geplant hat, bekam im Grunde die Aufgabe "Sieh zu, wie du das alles unter einen Hut kriegst und was Eigenes daraus machst". Ähnlich könnte auch die Aufgabe fĂŒr Steinhagen gewesen sein; denn nach dem, was ich nun ĂŒber die Bauvoraussetzungen zur DDR-Zeiten gelesen habe, könnte es auch fĂŒr das DHH schon Materialvorgaben gegeben haben.

Ich habe mir die Formulierung in "Tiere um uns" noch mal zur Hand genommen und wieder mal festgestellt, wie schnell man sich doch in Interpretationen auf etwas festlegt. Ich hatte den Absatz, der sich darauf bezog, ob man nicht mit gleichen Mitteln mehr als nur Elefanten im Haus unterbringen könnte (siehe meine Quellenzusammenfassung vom 3.10.), als zoologisch motivierte Überlegungen BĂŒrgers "abgebucht" - tatsĂ€chlich ist aber sein Name in diesem Zusammenhang gar nicht erwĂ€hnt. Die Fragestellung und Entscheidung könnte sich genauso auf die erwĂ€hnten "StadtvĂ€ter" beziehen, und es war ja tatsĂ€chlich auch der Architekt Böhl vom Rat der Stadt, der die Aufgabe an Steinhagen stellte.
(20.10.2011, 20:48)
Oliver Jahn:   @Michael, da habe ich keine ErgĂ€nzungen mehr. Das ist die Datenlage. Faktenlage ist es fĂŒr mich nicht, aber da bin ich dann schon wieder in der Interpretation.
Beim letzten Absatz hingegen sehe ich Graffunders Beteiligung nicht nur nach Quellenlage fĂŒr die Grundidee auffindbar, sondern da ist seine von BĂŒrger benannte Konsultaion mindestens als gleichwertige Quelle zu zitieren, ohne Interpretation.
(20.10.2011, 19:56)
Michael Mettler:   @Oliver: Mehr durch Zufall als durch gezielte Suche danach habe ich ein weiteres Zootierhaus aus DDR-Zeiten ausfindig gemacht, in dem - einem Foto nach zu urteilen - runde Piacrylkuppeln eingesetzt wurden, und zwar das frĂŒhere Leipziger Menschenaffenhaus. Und was leuchteten die Kuppeln dort aus? Die Besucherhalle und dortige Bepflanzung, so wie ich es mir fĂŒr meine fiktive Ursprungsplanung im Magdeburger DHH vorstelle!
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1982-0623-026,_Leipzig,_Zoo,_Affenhaus.jpg
Das Foto ist auch in "Auf der Spur des Löwen" zu finden, daneben eine Zeichnung des GebÀudes in der Draufsicht.

Nun weiß ich nicht, von wem und wann dieses Haus geplant wurde. Eröffnet wurde es 1982, und der Bau soll 9 Jahre gedauert haben - da wĂ€ren wir rĂŒckwĂ€rts schon bei 1973, und bei Baustart kann die Planung nun auch schon eine Weile her gewesen sein. Sicher ist nur, dass das Haus NICHT dem Menschenaffenhaus auf dem Graffunderschen Perspektivplan fĂŒr Leipzig von 1966 entsprach, denn in dieser Vision wĂ€re das Haus kreisrund geworden. Entweder also hatte Graffunder ein neues Haus passend zu den "vorhandenen Fertigteilen in Montagebauweise" (PANTHERA 1983) entworfen und u.a. mit seinen vermeintlichen Markenzeichen ausgeleuchtet, oder die Kuppeln waren keine Exklusivelemente fĂŒr ihn (mehr).
(19.10.2011, 15:49)
Michael Mettler:   @Oliver, bevor wir uns weiter mit Spekulationen um eventuelle Folgen des DHH-Baues befassen (die ja eher Personelles als das Haus an sich betreffen), will ich erst mal auf deinen Beitrag vom 12.10. zurĂŒckkommen, in dem du einen Abgleich der inzwischen vorhandenen Daten und Fakten fĂŒr die Entstehungsgeschichte des Hauses vorgeschlagen hast.

Einer der Kernpunkte unserer unterschiedlichen Theorien ist, dass du die Planung des heute zu sehenden Hauses erst 1964 gestartet siehst und es somit als völlig von der Vorgeschichte getrenntes Projekt betrachtest, wĂ€hrend ich anhand der Quellenlage einen kontinuierlichen Prozess seit mindestens 1960 vermute (fĂŒr die Zeit davor haben wir keine Quellen), der nie einen Bruch erfuhr, sondern unter stetiger Weiterentwicklung des Projektes letztlich im uns bekannten Haus mĂŒndete. Zwecks Datenabgleich noch mal die durch die bis heute vorhandenen Quellen belegbare chronologische Reihenfolge:

SpĂ€testens im Perspektivplan 1960 gibt es eine Grundidee (durch Witstruk/Graffunder/Schöne), der unmittelbar die Vorprojektierung folgt (1960/61 durch Schöne/Stadtbauamt Magdeburg und Böhl/ProjektierungsbĂŒro im Rat der Stadt Magdeburg). Zu diesem Zeitpunkt wird mit Bauvorbereitungen noch Ende 1961 kalkuliert und die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts fĂŒr 1962/63 anvisiert.

Im April 1961 legen Schöne/Böhl anlĂ€sslich einer Zoobeiratstagung ausfĂŒhrliche Vorprojektierungsunterlagen zur Begutachtung vor, die auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Es werden Sonderveranstaltungen ins Leben gerufen, durch welche dieser erste Bauabschnitt finanziert werden soll; zudem werden „Elefantenplaketten“ verkauft. Der Restbetrag soll durch Lottomittel und weitere Spenden gedeckt werden.

Im August 1962 werden die Vorprojektierungsunterlagen anlĂ€sslich des 2. Magdeburger Zoofestes in einer Ausstellung der Öffentlichkeit prĂ€sentiert. Bis auf die Einnahmen aus dem Verkauf der Elefantenplaketten sind allerdings keine Gelder fĂŒr den Baubeginn verzeichnet.

1963 sieht der Zoo das „dringend notwendige“ DHH als „Sorgenkind“ und wird „sehr ernsthaft“ beim Rat der Stadt vorstellig. Per Ratsbeschluss sollen dem Zoo daraufhin 1964 und 1965 je 250.000 Mark aus Lottomitteln zukommen, zu denen er selbst noch weitere 100.000 Mark Spenden sammeln soll. Mit diesem Etat soll vorerst der fĂŒr die (schon vorhandenen und heranwachsenden) Elefanten bestimmte Teil des Hauses mit Besuchertrakt aufgebaut und der Nashorn-Nilpferd-Trakt erst spĂ€ter angebaut werden.

1964 wird der Perspektivplan des Zoos vom Rat der Stadt bestĂ€tigt und der Bau des DHH fĂŒr 1965 avisiert. Dipl.-Ing. Steinhagen vom VEB Hochbauprojektierung fĂŒhrt Projektierungsarbeiten aus, deren Aufgabenstellung durch Böhl zu einem nicht genannten Zeitpunkt erfolgte. Ein Modell des Hauses entsteht, das im Aussehen mit dem spĂ€ter verwirklichten Bau weitgehend ĂŒbereinstimmt und mit dem ab 1965 mit dem Spenden eingeworben werden sollen. Ebenfalls fĂŒr 1965 will der Rat der Stadt Lottomittel zur VerfĂŒgung stellen.

Zu Jahresanfang 1965 beginnen die Baustellenvorbereitungen, im November sind erste Teile des Hauses rohbaufertig. Da die Elefanten als einzige spĂ€tere Bewohner bereits im Bestand sind und ihre provisorische Unterkunft nicht mehr tragbar ist, wird der Elefantentrakt mit Besucherhalle zuerst errichtet, der Bau des NN-Traktes schließt sich direkt an. Im Oktober 1966 ist Richtfest, in der zweiten JahreshĂ€lfte 1967 ziehen Nashorn und Nilpferde ein, im Dezember 1967 ist Eröffnung des Hauses und der Elefanten-Außenanlage. 1968 bis 1969 entstehen die Außenanlagen fĂŒr Nashörner und Nilpferde.

Bisher nicht auf das Jahr datierbar ist die zwischenzeitliche Informationsreise von Zoodirektor BĂŒrger und Zooinspektor Schwichtenberg zum Berliner Zoo, die irgendwann zwischen 1964 und 1966 stattgefunden haben mĂŒsste und auf die Gestaltung des Hauses Einfluss gehabt haben soll.

Ebenfalls nicht datierbar sind ALLE uns vorliegenden Grundrisse, Seitenansichten usw., von denen es mehrere Versionen gibt. Es ist nicht auszuschließen, dass manche dieser Zeichnungen erst NACH dem Bau speziell fĂŒr Publikationen angefertigt wurden und somit gar keine Planungsunterlagen/EntwĂŒrfe darstellen. Beispiele fĂŒr eine solche Vorgehensweise finden sich in anderem Zusammenhang: In einem 1967 erschienenen Artikel im „Zoologischen Garten“ ĂŒber Neubauten im Zoo Hannover sind datierte Grundrisse abgedruckt, die demnach mehrere Jahre nach Fertigstellung der betreffenden GebĂ€ude entstanden waren.

Ein Bruch und Neubeginn in der Planungsgeschichte des Hauses ist aus den Quellen nicht zu ersehen. Mit dem Architekten Böhl vom Rat der Stadt Magdeburg ist eine ausschlaggebende Person von 1960/61 an bis zum Bau des Hauses in das Projekt involviert und vergibt die „Endplanung“ an Steinhagen. Es gibt keine Quellenaussage, ob Böhls Aufgabenstellung an Steinhagen die Weiterentwicklung oder Umsetzung der von Schöne/Böhl erstellten Vorprojektierung beinhaltete oder Steinhagen ein völlig neues Konzept entwickeln konnte. In jedem Fall arbeitete BĂŒrger intensiv an der Planung mit. Graffunder war in maßgeblicher Funktion laut Quellenlage nur an der Grundidee von 1960 beteiligt, spĂ€ter allenfalls in indirekter Form; sein eventueller Anteil lĂ€sst sich in Art und Umfang nach derzeitiger Quellenlage nur vermuten, da er nicht dokumentiert ist.

Das ist m.E. die derzeitige Sachlage. Gibt es noch ErgÀnzungsfakten, bevor wir den aktuellen Datenstand interpretieren?
(18.10.2011, 10:35)
Oliver Jahn:   @Michael, und weil das eben NICHT gereicht hat, daher folgte dann das, was du geschrieben hast...BĂŒrger durfte nicht mehr selbst veröffentlichen...Graffunder wechselte den Arbeitsplatz...und Steinhagen blieb im Wohnungsbau und baute nicht danach als neuer "Graffunder" weitere TierhĂ€user.
(16.10.2011, 23:32)
Michael Mettler:   Mir ist noch ein weiteres DickhĂ€uterhaus aufgefallen, das in gewissen Punkten als Vorbild fĂŒr die Planung in Magdeburg gedient haben könnte, auch wenn es kein Totalneubau war: Frankfurt. 1953/54, also praktisch zeitgleich zum Berliner Haus in seiner modernisierten Form entstanden und konzipiert fĂŒr exakt die selben Tierarten (drei Indische Elefanten, ein Afrikanischer Elefant und je zwei Spitzmaulnashörner und Flusspferde). Selbst eine "Schleuse", durch welche die Elefanten vom Stall auf die Außenanlage gingen, war wie spĂ€ter in MD vorhanden, dazu die gegenĂŒber dem Besucher erhöhten Stallungen, ein abgesenktes (und unteilbares?) Flusspferdbecken mit sehr Ă€hnlichen Abmessungen, und die NashornstĂ€lle waren mit 7 x 4 m ebenfalls denen in MD (7 x 5 m) Ă€hnlich dimensioniert.
(16.10.2011, 22:25)
Michael Mettler:   @Oliver, wenn diese paar Marginalien, die nicht mal von außen zu sehen waren, dafĂŒr ausreichten, das DHH als Produkt eines eigenstĂ€ndigen DDR-Architekturstils zu "verkaufen", dann konnte Ulbricht aber in dieser Beziehung nicht anspruchsvoll gewesen sein. Von außen hĂ€tte der Bau nĂ€mlich trotzdem sehr an das Elefantenhaus in Berlin erinnert, das damals noch so aussah wie auf dem beigefĂŒgten Bild.
(16.10.2011, 21:59)
Oliver Jahn:   So, und nun noch mal meine Theorie. Sie mag abenteuerlich klingen, aber das haben Theorien ja nun mal öfter so an sich. Auf jeden Fall könnte sie passen und sie bietet einige Möglichkeiten, um sowohl Graffunders Beteiligung, als auch seine doppelte Nennung, als auch die runden Piacryl-Oberlichter und die unterschiedlichen PlĂ€ne des Hauses zu erklĂ€ren.
Ich bin auf die Theorie gekommen, weil ich zufĂ€llig das Grußwort von Walter Ulbricht an die 5. Baukonferenz in die HĂ€nde bekommen habe. Und da war ich wieder einmal mehr erstaunt, als ich feststellen musste, dass Architektur fĂŒr Ulbricht ein ganz zentrales Leitthema war.
Ulbrichts Ansicht ĂŒber das sozialistische Bauen bringt dieses Satz zum Ausdruck:
„Beim Aufbau der DDR forderte Ulbricht auf dem III. Parteitag der SED die Abkehr vom (westlichen, im Bauhaus in Weimar begrĂŒndeten) Formalismus. Die Architektur habe der Form nach national zu sein.“
Ulbricht ist ein glĂŒhender Verfechter der Sozialistischen Architektur als Produkt der Gesellschaft.
Und in dieser Zeit, da plant Steinhagen einen besonderen Bau, das erste DickhÀuterhaus in der DDR.
Und BĂŒrger darf sogar in den Westen reisen, um sich Anregungen zu holen.
Aber was wird daraus? Ein Haus, bei dem jedem, der einmal im Zoo Berlin war, die Ähnlichkeit mit dem dortigen Elefantenhaus ins Auge springt.
BĂŒrger weiß, dass das in der DDR nicht gern gesehen wird, so etwas ist sogar ĂŒberaus gefĂ€hrlich.
Aber er will dieses Haus. Da fĂ€llt ihm Graffunder ein. Er kennt ihn, Steinhagen kennt ihn auch. Und BĂŒrger kennt auch Dathe. Also wird Graffunder konsultiert. Und er bringt ein paar Änderungen ein. Die Stufen vor dem Flusspferdbecken, den zweiten Stall fĂŒr die Nashörner, den Zwangsstand UND die runden Oberlichter aus Piacryl. Ein Markenzeichen Graffunder. Und damit wird dieser Bau zu einem Sozialistischen Bau.
Und damit gar keiner erst auf die Idee kommt, BĂŒrger ganz oben anzuzinken, da erwĂ€hnt BĂŒrger genau DIESE Konsultation Graffunders auch in seinen Schriften.
„Schaut her, auch wenn unser Haus aussieht, wie ein Westbau, so ist es doch ein echter Bau des Sozialismus, entstanden, in seiner jetzigen Form, nach Konsultation durch Graffunder.“
Wie eingangs erwĂ€hnt, das mag ein wenig abenteuerlich klinge, ich gebe das gern zu. Aber wer sich hier noch einmal die MĂŒhe macht, und sich mal in den beiden Chroniken von Magdeburg und Halle die Kapitel zu Hilprecht und Petzsch durchliest, der weiß, dass meine Theorie heute unglaublich klingt, zu damaliger Zeit aber nicht nur im Bereich des Möglichen lag, sondern an der Tagesordnung war.

(16.10.2011, 21:14)
Michael Mettler:   @Mel: Wenn so viel Schneelast auf den Oberlichtern gelegen hĂ€tte, dass die StabilitĂ€t eines normalen Lichtbandes nicht gewĂ€hrleistet gewesen wĂ€re, dann wĂ€ren die Acrylkuppeln zwar stabiler gewesen, hĂ€tten aber ihren Sinn trotzdem nicht mehr erfĂŒllt. Denn Licht wĂ€re durch eine solche Schneedecke kaum noch durchgedrungen.

Aus der Perspektive des Betrachters ist der hintere Bereich des niedrigen GebĂ€udeteils von nirgendwoher einsehbar. Es gibt keinen erhöhten Aussichtspunkt im Zoo, von dem aus man hĂ€tte aufs Dach sehen können. Ob sich der Besucher von runden statt eckigen Lichtöffnungen wirklich beeindruckt fĂŒhlte, bliebe dahingestellt. Statt also aufwĂ€ndig runde Löcher in den Beton zu bringen und diese mit exquisiten Rundkuppeln abzudecken, hĂ€tte man auch das gleiche Tageslicht-Beleuchtungsprinzip wie in den beiden hohen GebĂ€udeteilen nutzen können. Man hĂ€tte die Decke lediglich im Bereich ĂŒber den Innenbecken ein wenig (sagen wir, um einen Meter) höher setzen mĂŒssen und hĂ€tte dann die Distanz zwischen vorderem und hinterem Deckenbereich mit einem senkrechten Lichtband gefĂŒllt. Vorteile: keine StabilitĂ€tsfrage bei Schnee, Anbringungsmöglichkeit von LĂŒftungsklappen, gleichmĂ€ĂŸigere Ausleuchtung, vermutlich gĂŒnstigere Baukosten. Die beiden hohen GebĂ€udeteile bestehen aus einer BetonsĂ€ulenkonstruktion, die mit Beton-Querbalken verbunden ist. Solche Balken halten auch die Decke ĂŒber den Innenbecken - man hĂ€tte sie lediglich etwas höher zwischen den SĂ€ulen anbringen mĂŒssen und hĂ€tte nicht mehr Arbeit gehabt.

Der praktische Nutzen der Ausleuchtung durch Acrylglaskuppeln ist von deren Form unabhĂ€ngig, wobei ich mir vorstellen kann, dass eine eckige Kuppel sogar bessere Möglichkeiten bietet, wenn man sie aufklappbar anbringen will (was in StallgebĂ€uden durchaus Sinn macht...). Runde Kuppeln in DIESEM Hausbereich wĂ€ren also eine reine (und nach euren Vermutungen sehr teure) Architektenspielerei gewesen, mit der man WEN hĂ€tte beeindrucken wollen...? Konnte sich der gerade erst aufstrebende Magdeburger Zoo, dem keine unbegrenzten Baumittel zur VerfĂŒgung standen und der Teile des Geldes ĂŒber Spendensammlungen auftreiben musste, solche Extravaganzen ĂŒberhaupt leisten?

Es gĂ€be noch eine ganz andere Variante: Die Kuppeln waren vielleicht gar nicht (mehr) so exquisit, sondern bereits problemlos verfĂŒgbar, so dass sie nicht (mehr) als architektonische Leckerbissen eingesetzt wurden und somit auch (schon) fĂŒr "normale" Architekten zum gestalterischen Gut gehörten. Wie ich gestern erfuhr, hatte der Zoo nĂ€mlich nicht nur die sechs fĂŒr das DHH verwendeten Piacrylkuppeln gekauft, sondern noch einige mehr, die man sich fĂŒr ein Projekt auf Lager legte, fĂŒr das es noch keine konkreten PlĂ€ne, sondern wohl nur eine Grundidee gab und das nie verwirklicht wurde: ein fĂŒr Besucher begehbares Löwenhaus (wohlgemerkt nicht das Raubtierhaus aus dem Perspektivplan von 1960). Diese zusĂ€tzlichen Kuppeln wurden nie (also auch nicht in anderen Objekten) verbaut.

Als Graffunder die Cafeteria im TP Berlin entwarf, war er 30 Jahre alt und noch um einiges davon entfernt, "staatstragende" GebĂ€ude ĂĄ la Palast der Republik oder Botschaft entwickeln zu dĂŒrfen. Und er war, so ist aus der Artikelserie "Aus den Kindertagen des Tierparks" im MILU zu entnehmen, nur Teil eines Architektenkollektivs, das den TP entwarf. Worin also hĂ€tten zu dieser Zeit seine besonderen Verdienste bestanden, dass man gerade ihm die exklusive VerfĂŒgung eines neu entwickelten Bauelementes zugestand? Griff er nicht vielleicht lediglich auf etwas zurĂŒck, was zufĂ€llig gerade neu auf den Markt kam? Dazu mĂŒsste man den Blick natĂŒrlich auf Bauten außerhalb der Zoomaterie richten, denn die Kuppeln wurden doch mit grĂ¶ĂŸter Wahrscheinlichkeit fĂŒr ganz andere Zwecke entwickelt - und vielleicht nur zufĂ€llig (oder gezielt zu Testzwecken?) erstmals in einem Zoo eingesetzt.
(16.10.2011, 10:04)
Oliver Jahn:   Hier eine kurze Zwischenmeldung von mir. FĂŒr meine Theorie reicht die Zeit heute nicht mehr, daher nur noch mal kurz etwas zu den Lichtern.
Es geht um die RUNDEN Oberlichter aus Piacryl. Diese sind durch den Armierungsstahl, der durch ein gegossenes Flachdach lĂ€uft, schwieriger und aufwendiger einzubringen, als eckige. Und die runden Oberlichter finde ich in keinem der hier zitierten HĂ€user, aber ich finde sie bei einigen Graffunder-Bauten. Und warum nicht ĂŒber dem Besucherbereich? Weil dieser bis heute sehr gut ausgeleuchtet ist, durch die Glasfronten. Die Stallungen sind es durch die LichtbĂ€nder ebenfalls. Die Badebecken aber haben ein niedrigeres Dach, daher kann man hier gar nicht auf LichtbĂ€nder zurĂŒck greifen, wo hĂ€tten die denn hin gesollt? Eine Glasfront geht auch nicht, da gar keine Außenwand dort ist, die man hĂ€tte verglasen können. Und daher benötigte man zusĂ€tzliches Licht, wenn man diesen Bereich nicht ausschließlich durch Kunstlicht aufhellen will. Man brachte Lampen und Strahler dort zwar auch an, gab diesem Bereich aber noch zusĂ€tzlich natĂŒrliche Lichtquellen. Und diese sind in dieser Zeit erstmalig von Graffunder in der Cafeteria des TP verwendet worden, und anschließend kenne ich sie nur aus der Botschaft der DDR in Budapest, ebenfalls einem nachweislichen Graffunderbau, und aus dem DickhĂ€uterhaus in Magdeburg.
P.S. Die Kuppeln waren wirklich immer beschlagen. Aber deshalb haben sie den Bereich des Hippo-Beckens nicht schlechter ausgeleuchtet.
(16.10.2011, 00:57)
Mel:   @MM: Ich stimme Dir zu das viele der von Graffunder verwendeten PrĂ€sentationsarten sicher schon weit aus frĂŒher und eher in den "wwestlichen" Zoos Verwendung fanden. Aber in den "Ost-Zoos" kamen sie am hĂ€ufigsten unter Graffunder zum Einsatz. Übrigens Kuppelfenster ĂŒber Stallungen gibt es auch im Nashornhaus 1 im Zoo Berlin. Was die wirkung in der TP Cafeteria betrifft, darauf habe ich noch nie wirklich gezielt geachtet, aber es wirkt sicher um einiges dezenter als flache Dachfenster. Was die Luftfeuchte und Stauluft in den Kuppeln betrifft, gebe ich Dir Recht, das mag sicher ein Problem gewesen seien, allerdings wĂŒrde ich mal vermuten, das dies bei der eigentlichen RaumgrĂ¶ĂŸe des DHH weniger ins Gewicht viel. Was das SchrĂ€gdach betrifft, so hast Du natĂŒrlich auch recht, aber dennoch wird der Stallungsbereich der elefanten durch ein Fensterband ĂŒber dem Besucherbereich erleuchtet, auch wiederum so ein Stielmittel welches zu DDR Zeiten erst in der Folgezeit immer mehr zum tragen kam. Übrigens erinnert mich das gerade an das alte Afrikahaus in ZĂŒrich, dort hĂ€tten wir ja auch solch ein Fensterband und in diesem Falle von wesentlich grĂ¶ĂŸeren Ausmaßen. ;)

Ein Punkt bezĂŒglich der Vorteile von Piacrylkuppeln, könnte unter UmstĂ€nden sein, dass auf Grund deren Form Schneelasten im Winter z.B. nicht so problematisch waren wie bei flachen Deckenfenstern.
(15.10.2011, 20:29)
WolfDrei:   @MM: Habe daraufhin mir die Cafeteria ĂŒber google maps von oben angeschaut: der eigentliche "Essensaal", bestehend aus drei Teilen, wird durch 8 "StreifendĂ€cher" abgedeckt, die jeweils zwei runde Piacryl"fenster" haben - also 16. Ganz rechts, die Position, wo das große Meeresaquarium steht, sind es 4 rechteckige Fenster.
(15.10.2011, 10:13)
Michael Mettler:   @Mel: Da Oliver gerade nicht verfĂŒgbar ist, nun zu dir ;-)

Es mag sein, dass Graffunder die von dir genannten PrĂ€sentationselemente oft verwendete, aber mal ehrlich: Welcher Architekt fĂŒr ZootierhĂ€user tat das zu dieser Zeit nicht? Dem Besucher gegenĂŒber erhöhte Position des Tieres mit Tageslichtausleuchtung durch "FensterbĂ€nder", höherer Tier- als Besucherbereich, selbst die Terrassierung des Besucherbereiches (wie im DHH vor den Innenbecken): das finde ich mehr oder weniger vollzĂ€hlig schon im 1933 eröffneten ZĂŒricher Raubtierhaus und in einer ganzen Reihe von Bauten, die nach dem Krieg, aber noch vor TP-Cafeteria, ABH und Magdeburger DHH entstanden sind: Elefanten- und Raubtierhaus Basel, Giraffenhaus Frankfurt, Elefantenhaus Berlin, Elefantenhaus Karlsruhe - vielleicht auch Elefanten- und Giraffenhaus Hannover, falls deren Planung schon in die 50er Jahre gefallen sein sollte (eröffnet 1962 bzw. 1964); in jedem der Zoos von anderen Architekten entworfen und daher offenbar einfach nur "in Mode". Ein "SchrĂ€gdach mit Glasfront ĂŒber dem Stallungsbereich" hat das DHH ĂŒbrigens gar nicht, die Stallungsbereiche sind kubisch.

Wenn die Piacrylkuppeln (ich habe mal nachgeschaut: im Westen lief das Material unter "Plexiglas") etwas so Besonderes und Teueres waren, warum setzte man sie dann im DHH an einer Stelle ein, wo man sie von außen nicht sehen und innen nicht mal unter ihnen stehen konnte? Warum griff man ĂŒber den Innenbecken nicht einfach auf eine (anscheinend billigere) Beleuchtung durch Glasfronten wie ĂŒber den StĂ€llen zurĂŒck, und warum war hier die Decke niedrig wie sonst nur im Besucherbereich? Heizbare Wasserbecken, das mĂŒsste doch stetig aufsteigende Luftfeuchtigkeit und Stauluft/-geruch in diesem Kuppeln bedeuten, und sie wirken auf meinen Innenaufnahmen nicht so, als könne man sie öffnen. Laut Konstruktion des Hauses stieg die HeizungswĂ€rme am Innengraben vor dem Besucher auf und wurde die Abluft durch Öffnungen in den WĂ€nden hinter den Tieren abgefĂŒhrt, aber dazu musste sie erst mal unter den Kuppeln lang...

Die Verwendung der Piacrylkuppeln wĂŒrde schön zu meiner Theorie passen, dass dieser Bereich ursprĂŒnglich gar nicht fĂŒr Tiere gedacht war, sondern erst durch Modifikation eines Ă€lteren Entwurfs dazu gemacht wurde! Ich erinnere an die Vorplanungsskizze aus der 60-Jahre-Chronik, auf welcher sich der Besucherraum um das Elefantenbad herum dorthin fortsetzte, wo spĂ€ter das Flusspferdbecken gebaut wurde, und sich das Elefantenbad noch innerhalb der SĂ€ulen des Elefantentraktes befand (also weiter rechts, als es gebaut wurde - somit war der Elefantenstand ursprĂŒnglich kleiner gedacht). FĂŒr einen Besucherraum sind die Kuppeln bzw. ihre Besonderheit/Hochwertigkeit m.E. deutlich eher nachvollziehbar. Dieser war bewusst niedrig gehalten und wurde im vorderen Hausbereich nur durch die Glasfront ausgeleuchtet (hier gibt es keine Oberlichter!). Das dort einfallende Tageslicht konnte allerdings wegen der geringen Deckenhöhe nicht bis zur RĂŒckwand des GebĂ€udes reichen. Also brauchte man dort Lichtöffnungen im Flachdach. Ohne "dampfende" WasserflĂ€che darunter stellte sich das Problem der sich darin stauenden Feuchtigkeit auch nicht bzw. nur in erheblich geringerer Form.

Was leuchten eigentlich die bewussten Kuppeln in der TP-Cafeteria aus und wie kommen sie als damals außergewöhnliche Elemente dort zur Geltung? Davon habe ich gar keinen eigenen Eindruck und keine Vorstellung.
(14.10.2011, 17:21)
Oliver Jahn:   @Michael, da habe ich eine bessere.
;-)
Aber die bekomme ich erst am Sonntag in den Rechner.
(14.10.2011, 14:04)
Michael Mettler:   @Oliver, wenn du "Architekt" durch "ProjektierungsbĂŒro" beim Rat der Stadt ersetzt, hĂ€ttest du das aber schon gute anderthalb Wochen vorher wissen können, da habe ich nĂ€mlich den entsprechenden Passus aus dem JB 1961 als Quelle zitiert...

Ich hĂ€tte da auch noch ein paar neue Gedanken bezĂŒglich Graffunder - nĂ€mlich, dass er vielleicht aus noch ganz anderen GrĂŒnden nicht fĂŒr Magdeburg tĂ€tig werden konnte/durfte. Nur mal ein paar Daten zusammengestellt:
Am 1. Juni 1963 wird mit der Cafeteria im TP Berlin ein Großbau aus dem Graffunderschen TP-Perspektivplan eröffnet.
Am 30. Juni 1963 folgt die Eröffnung des Alfred-Brehm-Hauses, ebenfalls aus seiner Feder stammend. Zwei so große Projekte innerhalb kurzer Zeit fĂŒr den Vorzeigezoo der DDR, das setzte MaßstĂ€be und erhöhte vielleicht den Erwartungsdruck.
Am 9. September 1963 wurden vom VEB Berlin-Projekt alle Projektierungsarbeiten fĂŒr Zoologische GĂ€rten aufgekĂŒndigt. Wirklich fĂŒr ALLE Zoos? Oder hatte sich Graffunder fortan auf den TP Berlin und eine möglichst schnelle Umsetzung der dortigen Perspektivplanung zu konzentrieren, im Hinblick auf dessen 10-jĂ€hriges Bestehen 1965? Ein Seitenblick: Ebenfalls 1965 stand das 100-jĂ€hrige Bestehen des hannoverschen Zoos an, und der wurde im Hinblick darauf in (fĂŒr die damalige Zeit) atemberaubendem Tempo mit HĂ€usern und Anlagen modernster Tiergartenarchitektur "aufgemotzt". Köln mĂŒsste etwa zur gleichen Zeit "durchgestartet" sein, und natĂŒrlich passierte auch im Berliner Zoo einiges (wenn auch kein Totalumbau ĂĄ la Hannover). Wollte man womöglich daraus einen Ost-West-Wettbewerb machen, um die LeistungsfĂ€higkeit der erst kurz zuvor durch den Mauerbau abgeschotteten DDR unter Beweis zu stellen...?

Aber egal: Interessant ist fĂŒr unsere Diskussion hier vor allem, welches Großprojekt im TP nach dem ABH als NĂ€chstes vorgesehen gewesen wĂ€re: DickhĂ€uteranlagen!!! In den ZoofĂŒhrern jener Zeit fand ich das nie vollendete "Tapirhaus im Bau"; in "Tiere um uns", 1. Auflage 1963, ist die Cafeteria bereits eingezeichnet, das ABH ebenfalls (wenn auch noch mit "fertig 1963" beschriftet), und unter den mit "Projekt" beschrifteten Anlagen findet sich neben Lamawiese, Fasanerie und Falkenhof auch schon der gestrichelte Umriss der geplanten Elefantenhalle (dagegen nicht das Tapirhaus).

Durfte Graffunder womöglich kein DHH fĂŒr Magdeburg planen, weil er sich auf Berlin konzentrieren und nicht parallel dazu ein Konkurrenzobjekt schaffen sollte? Sagte man sich in Magdeburg "Dann ziehen wir es eben allein durch?"? Wie mag das in Berlin aufgenommen worden sein, dass ausgerechnet der kleine Magdeburger Zoo das erste neue DickhĂ€uterhaus in der DDR hochzog und in der EröffnungsbroschĂŒre auf eine Konsultation Graffunders verwies?

Wenn ich Mels Auflistung aus dem Graffunder-Thread anschaue, dann "starb" das Projekt Tapirhaus im TP ausgerechnet genau wĂ€hrend der Entstehungszeit des Magdeburger DHH ab, Großbauten aus dem Graffunderschen TP-Perspektivplan wurden nicht mehr umgesetzt. Heinz Graffunder wechselte 1967, im Eröffnungsjahr des Magdeburger DHH und dem Jahr, in dem das Manuskript fĂŒr die SonderbroschĂŒre entstand, den Arbeitsplatz. Und der JB 1967 aus Magdeburg war der letzte, der mit dem Namen Manfred BĂŒrgers unterschrieben ist (auch wenn BĂŒrger noch etliche Jahre Zoodirektor in MD war). Also, wenn sich daraus keine Verschwörungstheorie stricken lĂ€sst... :-)
(13.10.2011, 22:15)
Oliver Jahn:   @Michael, Aufgabenstellung und Anleitung verstehe ich schon ein wenig anders. Aber dass Böhl fĂŒr die Aufgabenstellung verantwortlich ist, das wurde fĂŒr mich da klar, als ich las, dass er der Architekt beim Rat der Stadt war. Die Beteiligung Graffunders bleibt weiterhin spannend. Auch mich wĂŒrde interessieren, ab wann die Bezirksregelung galt. Und auch weitere Suche hat mir noch keine weiteren runden Piacryl-Kuppeln gebracht. Wenn ich mich die nĂ€chsten Tage hier etwas rar mache, dann nicht, weil mich die Diskussion nicht mehr interessiert, sondern weil ich einfach in den nĂ€chsten Tagen nicht mehr so oft an den Rechner komme. Also bitte, neue Infos scheibchenweise, damit ich nach meiner Abstinenz hier noch hinterher komme.
Ach ja, noch einen kleinen Hinweis zu meiner Zeitzeugin...sie stammt aus dem Umfeld von Steinhagen und konnte mir berichten, dass Steinhagen und Graffunder sich aus dem BDA (Bund Deutscher Architekten) kannten und sie meint sich zu erinnern, dass Steinhagen wÀrend der Zeit der Planung mehrmals in Berlin war.
(13.10.2011, 20:56)
Michael Mettler:   @Oliver, danke fĂŒr den Artikel! Darin sprang mir ein Satz sofort ins Auge: "GrundsĂ€tzlich wird eine Tierhaltung ohne Gitter angestrebt."

Angestrebt! Das lĂ€sst die Deutung zu, dass man sich wegen des Gelingens keineswegs sicher war und vielleicht mit der gitterlosen InnenprĂ€sentation von Flusspferden auf (gegenĂŒber dem Publikumsraum) erhöhter StallflĂ€che sogar Neuland zu betreten wagte - ich erinnere an unsere Eingangsdiskussion zum Haus in Liberec und meinen dortigen Gedanken, man habe vielleicht etwas aus Magdeburg ĂŒbernommen, was sich im Original noch gar nicht bewĂ€hrt hatte! Nashörner hinter schmalem Graben gab es zwar schon im Berliner Zoo, aber auch da stand ja bei Planung des DHH noch eine langjĂ€hrige BewĂ€hrung in der Praxis aus: Das Berliner Nashornhaus wurde 1964 eröffnet, im selben Jahr begann aber schon die endgĂŒltige Projektierung in Magdeburg. Man konnte aber sehr wohl gedacht haben: Wenn es bei Nashörnern möglich ist, warum nicht auch bei Flusspferden...?

Ansonsten fĂ€llt mir auf, dass Dipl.-Ing. Steinhagen im Artikel zwar fĂŒr "Entwurf" genannt ist und "sein" VEB Hochbauprojektierung fĂŒr "AusfĂŒhrungsprojektant", aber dass der Rat der Stadt Magdeburg in Person von Architekt Böhl mit "Aufgabenstellung" betitelt ist. Das erinnert mich nun sehr an den schon genannten BĂ€renanlagen-Entwurf aus dem JB 1970: Der eigentliche Entwurf stammte von einem cand. ing. Grabner (als "Pflichtentwurf") unter Anleitung (Aufgabenstellung?) eines Hochschulprofessors. Die eigentlichen EntwĂŒrfe fĂŒr Zoobauten mussten also nicht unbedingt von den "hochrangigsten" Personen stammen.

Und damit wĂ€ren wir auch schon wieder beim Thema: Wie Oliver schon im Magdeburg-Thread schrieb, enthĂ€lt der Artikel, der immerhin in einer Architektur-Fachzeitschrift der DDR erschien, keinerlei Hinweis auf Graffunder bzw. Berlin-Projekt. Auch zu dieser Frage habe ich eine Aussage von Herrn Kratzke bekommen: "Um etwas Klarheit in die Diskussionen um Graffunder zu bringen, er war nie fest in die Planung eingebunden. BĂŒrger hĂ€tte ihn sicher gern gehabt, da er ihn ja aus seiner Berliner Zeit kannte. Aber es gab zu DDR–Zeiten fĂŒr solche Projekte keine freien Architekten, denn Architekten wurden von staatlicher Seite zugewiesen, und da spielten die Bezirksgrenzen eine große Rolle."

Demnach bestand zwar die Möglichkeit, dass man Graffunder um Rat fragen (konsultieren!) konnte, aber im eigentlichen Sinne planen konnte/durfte er fĂŒr das DHH offenbar nicht.

Es bliebe dann die Frage, wann die Bezirksgrenzenregelung in Kraft trat, denn Graffunder hatte ja durchaus EntwĂŒrfe fĂŒr Zoos weit außerhalb Berlins wie Cottbus und Rostock geschaffen. Der Blick in Mels Auflistung im Graffunder-Thread zeigt allerdings, dass alle daraus VERWIRKLICHTEN Bauten aus der Zeit vor dem DHH (Endplanung bis Eröffnung 1964-67) zu stammen scheinen und weitere Graffunder-Planungen erst DANACH (fĂŒr den TP Berlin weit danach) erfolgten, davon wiederum die frĂŒhesten ohne Verwirklichung. Mir kommt dabei wieder die Info aus der Halle-Chronik in den Sinn, nach der VEB Berlin-Projekt den Zoos 1963 die Zusammenarbeit aufgekĂŒndigt hatte und diese versuchten, eine Weiterarbeit wenigstens bis 1966 zu erwirken. Genau in diesen Zeitraum fĂ€llt die "heiße Phase" fĂŒr das DHH!
(13.10.2011, 11:54)
Oliver Jahn:   Jetzt wird es wirklich noch mal spannend. Wir haben jetzt Ortwin Kratzke und seine Erinnerungen, meine Erinnerungen, die sich nicht immer ganz mit seinen decken, ich habe ebenfalls noch ein paar Informationen einer Zeitzeugin, wir haben die Schrift von Steinhagen (Michael, die geht heute noch per Mail an dich raus)und wir haben Mels Fund. Da wĂ€re es bald mal an der Zeit, eine Tabelle der einzelnen Daten fĂŒr einen Abgleich zu erstellen.
(12.10.2011, 19:11)
Mel:   So nun hab ich den teil zu den Oberlichtkuppeln gefunden.
In der Zeitschrift „Deutsche Architektur“ Ausgabe August 1964, gibt es einen mehrseitigen Beitrag von Graffunder ĂŒber die Cafeteria im Tierpark. In diesem Beitrag gibt es explizit eine Beschreibung dieser Oberlichter in der es heißt: „Im Tierpark Berlin wurden erstmalig in der DDR Oberlichtkuppeln aus organischem Glas eingebaut. Herstellerbetrieb ist die Firma Polyplasste – H.Rolf Spranger KG in Oederan/ Sa. … Das verwendete Material ist ein Polymethacrylat mit der Handelsbezeichnung Piacryl aus dem VEB Stickstoffwerk Piesteritz. …“ Es handelt sich eindeutig um die gleichen Kuppeln wie im DHH Magdeburg. Die Cafeteria ist mit folgenden Daten zeitlich ausgeschrieben : Projektiert 1957/59 Eröffnet 01.06.1963, also noch vor dem DHH in Magdeburg.
Nun war es zu DDR Zeiten Gang und gebe das neuheitliche Materialien, deren Herstellung bzw. Beschaffung sehr preisintensiv waren, in Zeiten der Materialknappheit, nur bestimmten Prestigeobjekten und PlanungsvĂ€tern vorbehalten waren. Da Graffunder diese Kuppeln nachweislich sowohl in der von Oli erwĂ€hnten Botschaft und in der Cafeteria verwendet hat, und diese im Bereich der Zoobauten im DHH in Magdeburg wieder auftauchen, liegt die Vermutung schon Nahe das es sich hierbei um einen Einfluß von Graffunder handelt. Leider ist in meinen restlichen Unterlagen zu Graffunder kein deutlicher Hinweis auf Magdeburg zu finden. Es zeigen sich lediglich einige Parallelen in den Darstellungs- bzw. PrĂ€sentationsmethoden dar. Wie sie Graffunder im Bereich der TierprĂ€sentation oft verwendete ( Oberlichter, niedrige Decken im Besucherbereich – SchrĂ€gdach mit Glasfront ĂŒber dem Stallungsbereich [ Ausleuchtung der Stallungen durch Tageslicht] / erhöhte PrĂ€sentation der Tiere / Grabenprofile usw.).
Die von Oli erwĂ€hnte Kuppel im ABH ĂŒber dem Krokodilbrunnen, passt hier allerdings nicht ins Bild, da sie einer gĂ€nzlich anderen Bauart entspricht. Leider habe ich im Moment von der besagten Kuppel kein eigenes Bild zur Hand, daher hier kurz ein Bild aus dem Netz.

(12.10.2011, 00:22)
Oliver Jahn:   @Michael, na da bin ich ja mal gespannt.
(11.10.2011, 22:03)
Oliver Jahn:   So, und nun zum Ersten Beitrag.
Michael, ich habe gar keine Vorgabe gesteckt.
Ich habe lediglich versucht klar zu machen, warum ich, im Gegensatz zu dir, ein Projekt DickhĂ€uterhaus vor 1964 nicht sehe. Und das erscheint mir schon wichtig, denn es war zum einen eine Antwort auf die Frage, welche Quellen fĂŒr mich welchen Stellenwert haben, zum anderen, warum sie fĂŒr mich keine Antwort auf die Frage nach Graffunders Beteiligung geben.
Du hast sehr viele Vermutungen ĂŒber das Projekt angestellt und immer wieder neue Theorien daraus entwickelt. Und wie du selber gesagt hast, hast du dabei versucht, dich an den Fakten zu orientieren. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass diese Fakten eben sehr oft keine sind, weil viele dieser Publikationen, welche du als Quellen nutzt, mit genau der Vorsicht zu genießen sind, wie du es auch bei Chroniken angibst
Wenn du jetzt also diesen Bereich vor 1964 ausklammerst, weil du dich vielleicht meiner Argumentation darĂŒber anschließt, oder dich nicht mit ihr auseinander setzen willst, dann ist es deine freie Entscheidung, ich habe sie dir nicht vorgegeben. Schließlich habe ich diesem Teil den meisten Raum in meinem Beitrag von gestern eingerĂ€umt.
Und damit komme ich auch gleich zu deinem Beitrag, in dem du erwĂ€hnst, dass BĂŒrger in seiner ersten Dokumentation ebenfalls ĂŒber etwas geschrieben hat, was es nicht gab.
Fakt ist, er schrieb ĂŒber ein Haus, welches es gab. Das dĂŒrfte unbestritten sein. Und es war eröffnet. Damit also war aus einem Luftschloss RealitĂ€t geworden. Das macht es fĂŒr mich zum Fakt. Dass er darin zusĂ€tzlich auch noch ĂŒber Dinge schreibt, die es nicht gab, sie aber als gegeben darstellt, das zeigt umso deutlicher, was ich mit meiner Darstellung zur Propaganda meinte. BezĂŒglich des Hauses war es keine Propaganda mehr, sondern dieses Haus gab es, und gibt es noch. BezĂŒglich der Außenanlagen ist das anders. Was fĂŒr ein gelungenes Beispiel fĂŒr die Art, mit der eben mit Dingen umgegangen wurde, die es im Gegensatz zum DHH noch nicht gab.
Ich möchte hier aber noch einmal klar stellen, dass ich nicht die Meinung vertrete, dass alle Zoos der DDR reine Propagandamaschinen waren. Ich bin mir sicher, dass hier die Zooleitungen diese Dinge nicht immer aus eigenem Antrieb heraus betrieben.
Auch mit Karl Lemke, den ich hier zitiert habe, hatte ich vor Jahren einen sehr eindrucksvollen und bereichernden Briefwechsel. Ich bin mir nicht sicher, dass er aus eigenem Antrieb heraus, diese Propaganda dort in sein Werk hinein nahm.
Aber kein Zoo und kein Privatmann konnte einfach so seine Publikationen herausgeben. Und fĂŒr die Propaganda, da sorgten andere.

(11.10.2011, 22:01)
Michael Mettler:   @Oliver, einige Fragen werden sich nach und nach dank fachkundiger Hilfe klĂ€ren lassen: Der Magdeburger Ex-Zooinspektor Ortwin Kratzke, der die gesamte Bauzeit des Hauses miterlebt und die ersten drei Jahre darin gearbeitet hat, verfolgt unsere Diskussion und hat sich freundlicherweise bereit erklĂ€rt, sein GedĂ€chtnis zur VerfĂŒgung zu stellen. Wegen der FĂŒlle der Fragen wird die Beantwortung natĂŒrlich nicht auf einen Sitz möglich sein. Da die Fragen zu den Nashörnern erst mal am einfachsten zu beantworten waren, habe ich damit angefangen - siehe Magdeburg-Thread, wohin wir diese Thematik ja verlagert hatten. FĂŒr die allgemeine DHH-Thematik ist aber eine Antwort daraus ebenfalls wichtig, weil sie zu den Auslösern der ganzen Diskussion zĂ€hlt:

FĂŒr das DickhĂ€uterhaus war ursprĂŒnglich tatsĂ€chlich nur EIN Spitzmaulnashorn eingeplant!
(11.10.2011, 21:54)
Oliver Jahn:   Komme ich jetzt zu den Lichtkuppeln. Hier erst einmal eine Berichtigung von mir. Diese runden Piacryl-Glaskuppeln dieser GrĂ¶ĂŸe sind nicht in der ungarischen Botschaft in Berlin, sondern in der Botschaft der DDR in Ungarn. Das habe ich irgendwie falsch gelesen. Dennoch ist der Bau von Graffunder und das Datum der Übergabe stimmt nach wie vor.
Diese Kuppeln waren sicherlich nicht Graffunder allein vorbehalten. Ich wollte damit auch keinen Beweis liefern, sondern eher ein Indiz. Dieses ist fĂŒr mich dann sogar noch etwas aussagekrĂ€ftiger, wenn Mel diese runde Kuppel fĂŒr das ABH noch bestĂ€tigt.
Die BĂ€renanlage wurde nie gebaut, und wir sehen davon keinen Bauplan, sondern einen Entwurf. Aber vielleicht waren die Entwerfenden vorher mal im Zoo Magdeburg und haben sich das dortige DickhĂ€uterhaus angesehen? Außerdem sehen wir hier kleine Kuppeln, die sind bautechnisch sehr viel einfacher anzubringen, als große.
Denn Fakt ist, dass die runden Oberlichter bei in Stahlbeton gegossenen DĂ€chern recht schwierig und aufwendig waren. Deshalb nahm man ĂŒberwiegend eckige Oberlichter. Ich habe heute noch einmal mit einem Menschen gesprochen, der am Berliner Elefanten- und am Nashornhaus mit gebaut hat. Er hat es mir bestĂ€tigt. Durch die Stahlarmierung im Beton ist es deutlich schwieriger gewesen, runde Dachöffnungen zu gießen, als eckige, insbesondere dann, wenn sie die GrĂ¶ĂŸe der Magdeburger hatten. Darum hat auch das Berliner Nashornhaus eckige.
Und wenn ich in Magdeburg runde Piacryl-Lichtkuppeln finde, die mir ansonsten in keinem Zoobau dieser Zeit bekannt waren, und genau diese Form sich dann womöglich in zwei Graffunderbauten wiederfindet, und einer davon ist möglicherweise sogar auch ein Zoobau, dann ist das natĂŒrlich kein Beweis, aber es gefĂ€llt mir und es ist durchaus ein Indiz dafĂŒr, dass BĂŒrger Graffunder nicht aus Spaß in seinen Schriften benannt hat. Aber dazu komme ich dann in meiner Antwort auf den ersten Beitrag, des heutigen Tages.

(11.10.2011, 20:53)
Oliver Jahn:   @Michael, jetzt wollten wir mal etwas Ordnung hier rein bringen, und dann sind da gleich drei BeitrĂ€ge auf einmal, und einer davon enthĂ€lt jetzt sogar ominöse TĂŒren oder StĂ€lle. ;-)
Wegen der besseren Übersichtlichkeit versuche ich mal getrennt darauf einzugehen und fange mal mit dem letzten Beitrag an.
Genau der 69er Jahresbericht fehlt mir, so dass ich leider nur mit dem Scan auskommen muss. Auch wenn auf diesem wirklich alles nur sehr vage zu erkennen ist, so meine ich doch, die ominöse TĂŒr auflösen zu können. Aus der Position heraus, aus der Kibo dort fotografiert wurde, kann man nicht auf das Haus gucken. Er steht lĂ€ngst zum Becken und von dort ist dieser Blick ausgeschlossen.
Das, was man im Hintergrund sieht, das ist die RĂŒckwand der Flusspferd-Außenanlage. Bilder von der Nordseite des Hauses habe ich auch leider nicht, da sie unattraktiv war und außerdem durch die BĂ€ume auch schlecht einzusehen. Die Außen- und die InnentĂŒren der Flusspferde und Nashörner lagen sich immer gegenĂŒber. Das einzige, was spĂ€ter dort entstand, war eine kleine PflegertĂŒr zwischen diesen beiden nach außen.

(11.10.2011, 19:47)
Michael Mettler:   @Oliver, du begrĂŒndest deine Sichtweise, BĂŒrgers DHH-BroschĂŒre und den (m.E. daraus hervorgegangenen) ZG-Artikel höher zu werten als die vorangegangenen Jahresberichte, folgendermaßen: „In BĂŒrgers Schriften wurde ĂŒber etwas geschrieben, was es gab. (…) Alles andere davor, das waren Schriften ĂŒber etwas, was werden sollte.“

Das stimmt so nicht, auch BĂŒrger stellte Geplantes als bereits Greifbares dar. Seine Beschreibung der Außenanlagen fĂŒr Nashörner und Flusspferde in der BroschĂŒre verfasste er in der Gegenwartsform, obwohl ihre Fertigstellung erst 1969 erfolgte. Und er schreibt ĂŒber die Flusspferd-Außenanlage: "Das Becken wird mit vorgewĂ€rmtem Wasser eingespeist." (Das hat er wie so vieles wörtlich fĂŒr den ZG-Artikel ĂŒbernommen.) Da eine Aussage in FELIS 7, die ich jetzt noch gefunden habe (siehe Magdeburg-Thread), darauf hinweist, dass die Beckenheizung erst 1988 in Betrieb genommen werden konnte (19 Jahre nach Fertigstellung der Außenanlage!), beschrieb also auch BĂŒrger keineswegs nur bereits Vorhandenes. Ob er fĂŒr den Text des 1968er JB verantwortlich ist, geht aus diesem nicht hervor, aber es ist ja kein der BroschĂŒre vorangegangener, sondern ein nachfolgender JB. Hier steht, dass am DHH zwei weitere Außenanlagen geschaffen WURDEN, die auch beschrieben werden, u.a. mit „Durch eingebaute Heizschlangen kann das Wasser entsprechend temperiert werden.“ Konnte offenbar auf lange Zeit nicht, und dass der Anlagenbau fast ein Jahr lang unterbrochen wurde, erfahren wir erst aus dem JB 1969. Im ZoofĂŒhrer 1967/68 werden die Außenanlagen (und das „heizbare Schwimmbecken“) von BĂŒrger ebenfalls schon beschrieben, als seien sie vorhanden.

Also gab es auch nach dem Bau des DHH noch „Schriften ĂŒber etwas, was werden sollte“. Macht das die entsprechenden Quellen wirklich glaubwĂŒrdiger als vorangegangene?

Im JB 1969 ist das beigefĂŒgte Foto abgedruckt. M.E. sieht man im Vordergrund die Grabenkante, hinter Kibo die betonierte Suhle und dahinter die Baumstammpalisade – alles auf dem Grundriss im ZG-Artikel eingezeichnet. Aber was ist das ganz Helle rechts im Bild, neben/hinter dem stĂ€hlernen Baumschutz? Von der Perspektive her muss sich dort die Hauswand befinden, und es wirkt beinahe so, als schaue man dort durch eine geöffnete TĂŒr ins Haus hinein und sehe dort große, quadratische Fliesen. Der Scan gibt das leider nicht gut her, der Blick aufs Original besser. FALLS es dort eine Stall- oder PflegertĂŒr gab (die den Pflegergang hinter den Stallboxen bis auf die Anlage fortgefĂŒhrt hĂ€tte), dann wird sie uns von allen veröffentlichten Grundrissen und Seitenansichtzeichnungen verschwiegen und wurde spĂ€ter wieder verschlossen (auch BĂŒrgers Kritik liefert uns keinen Hinweis, ob sich dort womöglich etwas nicht in der Praxis bewĂ€hrte). Auf dem Grundriss im ZG-Artikel ist an dieser Stelle eine Palisadenverkleidung eingezeichnet, die aber wiederum auf der gezeichneten Ansicht der Hausfront fehlt. FALLS es diese ominöse TĂŒr gab, könnte es also NOCH mehr unterschiedliche Planzeichnungen des Hauses gegeben haben.

Oliver, hast du in deinem Archiv ein Foto der Nordwand des Hauses mit den StalleingĂ€ngen aus DDR-Zeiten, also eine Perspektive ĂŒber die N-N-Anlagen hinweg aufs Haus? Zumindest an der Frontseite ist die Fassade dieses Stalltraktes irgendwann (frĂŒhestens Ende der 90er Jahre, ich fand nichts darĂŒber in den JB) verĂ€ndert worden, aber ich finde in den Veröffentlichungen nur Fotos, welche die Frontseite, die Elefantenseite oder sogar den Wirtschaftsbereich zeigen, dagegen kein einziges von der vierten Außenseite.
(11.10.2011, 12:57)
Michael Mettler:   In Sachen Oberlichter: Im Magdeburger JB 1970 sind Teile eines Entwurfes fĂŒr eine BĂ€renanlage abgedruckt, der dem Zoo kostenlos zur VerfĂŒgung gestellt wurde. Die Anlage darauf enthĂ€lt ein zentrales GebĂ€ude, auf dessen Dach 23 kleine weiße Kreise zu sehen sind, die wohl runde Oberlichter darstellen dĂŒrften. Der Entwurf stammt allerdings nicht von Graffunder, sondern von Grabner unter Anleitung von Prof. Hutschenreuther von der Hochschule fĂŒr Architektur und Bauwesen in Weimar. Es ist nicht ersichtlich, wann der Entwurf erstellt wurde, sondern nur, wann der Zoo ihn erhielt.

Zur Nennung von Namen in BĂŒrgers BroschĂŒre und Artikel: BĂŒrger nennt dort auch nicht den Namen des KĂŒnstlers, der das Ganesha-Glasmedaillon entworfen hatte, sondern schreibt 1968 nur "Werkgenossenschaft des Kunsthandwerks, Glasgestaltung Magdeburg" und 1976 "Kollegium Bildender KĂŒnstler der Glasgestaltung Magdeburg" (und bezeichnet das DHH in gleichem Zusammenhang ĂŒbrigens beide Male als "nĂŒchternen hygienischen Zweckbau" - feiert man so den Architekten?) Reginald Richter, der Schöpfer des Medaillons, war seit 1972 KunstpreistrĂ€ger der DDR und Bezirksvorsitzender des Verbandes Bildender KĂŒnstler der DDR, 1975/76 schuf er als sein "wohl populĂ€rstes Werk" die "GlĂ€serne Blume" im Palast der Republik. (Quelle: Wikipedia) Und einen solchen Mann ignoriert BĂŒrger sogar noch 1976 einfach...? Das lĂ€sst die Möglichkeit offen, dass er auch andere Namen nicht genannt hat.
(11.10.2011, 11:27)
Michael Mettler:   @Mel: Wurden denn diese Lichtkuppeln speziell fĂŒr Graffunder hergestellt oder waren sie auch fĂŒr andere Architekten/Bauherren verfĂŒgbar? Im letzteren Fall könnte man Graffunder zwar eine Vorliebe dafĂŒr zuschreiben, aber als wirklicher Beweis wĂŒrden sie nicht taugen.

@Oliver, mir wird allmĂ€hlich klar, warum wir mit der Diskussion nicht so recht vorankommen. Du schreibst: „Ausgangsfrage war fĂŒr mich: Wie viel Graffunder steckt im Magdeburger DickhĂ€uterhaus“ und „…fĂ€ngt fĂŒr mich das Projekt DHH in Magdeburg eben erst 1964 an“.

Die Diskussion entwickelte sich eigentlich aus den Fragen, ob das DickhĂ€uterhaus in Liberec haltungstechnische Elemente aus dem Magdeburger DHH ĂŒbernommen haben könnte und ob Magdeburg seinerzeit mit einem oder zwei Nashörnern geplant hatte. Die Graffunder-Frage wurde erst einige Tage spĂ€ter von mir als Nebenprodukt der Recherche und wegen aufkommender Zweifel ins Spiel gebracht.

Wenn fĂŒr dich aber in der ganzen Diskussion ohnehin nur das Projekt DHH ab 1964 und darin die Graffunder-Frage wirklich maßgeblich zu sein scheint, dann schwenke ich jetzt mal auf diese eng gesteckte Vorgabe ein, ignoriere die gesamte Vorgeschichte des Hauses und dessen in meinen Augen kontinuierlichen Entwicklungsprozess (was beides allerdings FÜR MICH Grundlage fĂŒr den Start der Diskussion war und noch heute maßgeblicher Inhalt ist) und interpretiere die sehr ĂŒberschaubare Faktenlage zu dieser Frage:

Belegbar wĂ€re dann, dass der VEB Hochbauprojektierung, Nebenstelle Halberstadt, Projektierungsarbeiten fĂŒr das DHH ausfĂŒhrte bzw. das Projekt zusammen mit der Zoodirektion erarbeitete, wobei aber nicht belegbar ist, dass dabei ein völlig eigenstĂ€ndiger Neuentwurf entstand.

Belegbar ist eine Informationsreise BĂŒrgers und des Zooinspektors Schwichtenberg in den Zoo Berlin, bei der sie BauplĂ€ne des Elefantenhauses einsehen und Anregungen mitbringen sollte. Nachzulesen ist, dass die Ähnlichkeit des DHH mit dem Berliner Elefantenhaus unverkennbar sei. DafĂŒr, dass auch das Berliner Flusspferd- und Nashornhaus Vorbilder fĂŒr Magdeburg lieferten, gibt es hingegen in den schriftlichen Quellen keine Nachweise. Folglich könnte man deren Haltungssysteme im DHH sogar als Magdeburger Eigenentwicklungen deuten. Die Frage, warum der Zoodirektor und nicht der handelnde Architekt die Berliner BauplĂ€ne einsehen sollte, kann nur mit Mutmaßungen beantwortet werden.

Nach dem Bau des Hauses wird zweimal eine Konsultation Graffunders erwĂ€hnt (wobei selbst schon ein einzelnes Telefonat zur Erfragung von Grabenbreiten o.Ä. als Konsultation bezeichnet werden könnte), von der allerdings in den Jahresberichten zwischen 1964 und 1967 und in beiden Chroniken keine Rede ist, was nicht gerade fĂŒr eine entscheidende Beteiligung des Architekten spricht. Nach derzeitiger Quellenlage ist keine Entwurfzeichnung und kein Bauplan zu finden, der eindeutig Graffunder zuzuordnen wĂ€re. Dass Graffunder (wenn er es ĂŒberhaupt war) 1960 ein DickhĂ€uterhaus fĂŒr drei Arten in den Perspektivplan gezeichnet hatte, hĂ€tte in diesem Zusammenhang nichts mehr zu bedeuten, weil wir ja nur auf die Zeit ab 1964 schauen. Dass ein Ă€hnliches Haus entstand, kann dann nur als Zufall gelten, wenn 1964 per definitionem ein ganz eigenes Projekt startete.

Nun kann man aus den Quellen ab 1964 also diverse Deutungen konstruieren:
BĂŒrger plante mit Schwichtenberg (Wozu war dieser sonst mit in Berlin?) das Haus, Steinhagen war nur ausfĂŒhrendes Organ.
Steinhagen plante das Haus, BĂŒrger und Schwichtenberg durften nur fachliche VorschlĂ€ge machen.
BĂŒrger plante mit Steinhagen das Haus, Schwichtenberg war nur mit in Berlin, um sich die dortige Tierhaltung anzusehen.
Graffunder kann bei alledem dabei gewesen sein und sogar das gesamte Haus geplant haben, aber im anderen Extrem auch nur in einem einzigen Punkt um Rat gefragt worden sein.
In einer beliebigen dieser personellen Konstellationen plante man wahlweise ein völlig neues Haus oder Ă€nderte nur einen vorhandenen Entwurf ungenannter Urheberschaft in mehr oder weniger großem Umfang ab.

Alle diese Varianten (und vielleicht noch mehr) gibt die EinschrĂ€nkung der Zoo-Quellen auf den Zeitraum ab 1964 ohne weiteres her, jetzt kann sich jeder am Buffet sein LieblingsmenĂŒ daraus zusammenstellen...
(11.10.2011, 01:14)
Mel:   Ein intewressanter Punkt springt mir da ins Auge, die Piacryl-Oberlichtkuppeln mir fĂ€llt da sofort noch ein weiteres GebĂ€ude ein, wo diese auch noch zu finden sind und welches ebenfals von Graffunder stammt. die Cafeteria im TP Berlin. Und wenn ich mich recht erinnere wurde diese sogar noch extra erwĂ€hnt, in einem mehrseitigen Artikel einer Architekturzeitschrift der DDR, im gleichen Heft wurde auch ĂŒber einen Ă€lterern Perspektivplan (der ĂŒber den wir hier vor Jahren schon mal gestolpert sind) und ĂŒber das ABH berichtet. Ich schaue heute Nachmittag nochmal genauer nach (genauer Inhalt und Erscheinungsjahr).
(11.10.2011, 00:27)
Oliver Jahn:   Und in ErgĂ€nzung zur Stufenfrage, in Halle gab es einige Jungtiere und dort waren auch Biologen tĂ€tig. Ebenso in Frankfurt. Aber scheinbar hatte man das Problem dort nicht.
(10.10.2011, 21:47)
Oliver Jahn:   So, nun will ich auch mal meine Deutung hier niederschreiben.
Ausgangsfrage war fĂŒr mich:
Wie viel Graffunder steckt im Magdeburger DickhÀuterhaus.
Michael, ich werde versuchen, mich an deinen Argumentationen bezĂŒglich einer besseren Vergleichbarkeit zu orientieren. Auch ich werde heute (10.10.2011) meine Sicht der Dinge darstellen, und auch wenn ich versuche, mich sehr nah an die vorhandenen Fakten anzulehnen, so komme auch ich in einigen Bereichen natĂŒrlich nicht um Vermutungen herum. Aber wir haben ja jetzt Konsens, dass das hier und heute als Ausgangsbasis oder als SchlussplĂ€doyer durchaus legitim ist.:-)
Eine unterschiedliche Sichtweise zu dem, was den Beginnzeitpunkt fĂŒr das DickhĂ€uterhaus betrifft, die kann ich bekrĂ€ftigen. FĂŒr mich ist der Beginnzeitpunkt fĂŒr ein Haus der, an dem erstmalig real etwas zu seiner Entstehung tatsĂ€chlich ins Werk gesetzt wird. Alles andere sind mir oft genug nur Luftschlösser, aber darauf komme ich noch.
Letztlich ist das aber auch fĂŒr meine Meinung zur Beteiligung Graffunders nicht wesentlich.
Ein Teil meiner BegrĂŒndung liegt auch in der uns unterscheidenden Gewichtung der Quellen. Und da das sehr gut passt, schreibe ich erst einmal dazu hier meine Meinung.
Was den Stellenwert der Chroniken angeht, so sind wir uns einig. Als einzige Quelle sind sie brauchbar, aber mit Vorsicht zu genießen, da in ihnen schon viele Deutungen sind. Im Vergleich zu anderen Publikationen zum selben Thema aber können sie mitunter heute teilweise sogar realistischer sein, wenn sie erst nach dem Systemwechsel geschrieben wurden.
Und da bin ich dann auch bei der Wertigkeit der anderen Schriften. Hier muss ich einfach mal ein wenig weiter ausholen.
Michael, sicher hast du Recht, wenn du sagst, dass manches einem Betriebsfremden eher ins Auge fÀllt, als dem Einheimischen, trotzdem glaube ich, dass man manche Dinge eben nur dann wirklich bis in ihre Tiefe hinein verstehen kann, wenn man in dem System gelebt hat, in dem so etwas an der Tagesordnung war.
Und daher stelle ich in meiner Wertung die beiden Schriften BĂŒrgers zum DDH deutlich ĂŒber die Jahresberichte, die sich mit dem Projekt seit 1960 und bis 1963 beschĂ€ftigen.
In BĂŒrgers Schriften wurde ĂŒber etwas geschrieben, was es gab. Und beide Schriften sind erstaunlich „unpolitisch“.
Alles andere davor, das waren Schriften ĂŒber etwas, was werden sollte. Und da muss man eben feststellen, dass neben sehr vielen anderen Veröffentlichungen, die sich mit der Planung fĂŒr die sozialistische Zukunft beschĂ€ftigten, auch Jahresberichte zu einem sehr großen Anteil aus Propaganda bestanden.
Da werden sĂ€mtliche Parteitage der SED benannt. Das Programm des Sozialismus war umzusetzen, und wenn auch erst mal nur auf dem Papier. Da werden die II. Bitterfelder BeschlĂŒsse genannt, der Unterzeichner erhĂ€lt neben anderen Auszeichnungen am 15. Jahrestag der DDR die Medaille fĂŒr ausgezeichnete Leistungen. Ab und an weist man mal auf Probleme mit UnterkĂŒnften, Bauten oder Toiletten hin, aber immer nur, um dann zu berichten, dass alles im Sinne der BeschlĂŒsse des wievielten Parteitages der SED auch immer, dann doch erledigt wurde.
Man zeigt dem Volk, dass der Sozialismus nicht nur genauso gut ist, wie der Kapitalismus, nein, man zeigt, dass man besser ist.
„Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.“
„Überholen ohne Einzuholen!“
Der sozialistische Zoo ist ein guter Zoo. Er kommt nÀmlich den WerktÀtigen zugute, die ihn erschaffen haben.
PerspektivplĂ€ne schießen wie Pilze aus dem Boden, nicht nur fĂŒr Zoos. Die Umsetzung hingegen geht oft genug gegen Null.
„Tiere um uns“ von Pilz ist ein Paradebeispiel dafĂŒr. Das Werk tropft nur so vor Propaganda.
„Die nun folgende Fahrt durch die weiteren StĂ€dte im Osten und SĂŒdosten unserer Republik zeigen mir immer wieder schöne Bilder unseres raschen sozialistischen Aufbaus.“
Pilz schreibt ĂŒber Cottbus!
Das Panthera Heft von 1970 wird eröffnet mit einem einseitigen Abdruck:
Aus dem von Lenin unterzeichneten Dekret vom 16.Septmber 1921
„Dekret des Sowjets der Volkskommissare ĂŒber den Schutz von NaturdenkmĂ€lern, GĂ€rten und Parks“
Und im 74er Panthera steht ganz am Anfang:
Der Minister fĂŒr Kultur erklĂ€rt in einer VerfĂŒgung ĂŒber die TiergĂ€rten der DDR:
„Die Zoologischen GĂ€rten der DDR leisten einen speziellen Beitrag zur besseren Befriedigung und Entwicklung der geistig-kulturellen BedĂŒrfnisse der WerktĂ€tigen, zur Bereicherung des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens und damit zur Förderung der allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeit.“
Am 17.03.1966 wir durch den Rat der Stadt Leipzig der Perspektivplan beschlossen, noch im selben Jahr die Lotterie fĂŒr diese Finanzierung genehmigt.
Dann passiert von diesem Plan NICHTS, dennoch wird er 1969 im ZoofĂŒhrer veröffentlicht. Verwirklicht wurde er nie.
Und das wusste man, denn die Leute da ganz oben, die waren ja nicht dumm. Aber die Devise war eben die:
„Zeigt es dem Volk trotzdem!“
„Brot und Spiele!“
In Halle entstand ein Perspektivplan, gigantisch anzusehen. Die Klausberge werden mit einbezogen und das denkmalgeschĂŒtzte Bad Wittekind, Menschenaffenhaus und DickhĂ€uterhaus sind geplant! Was ist draus geworden? Nichts!
Ich frage mich schon seit Beginn unserer Diskussion, warum Witstruk eigentlich so schnell wieder aus Magdeburg weggegangen ist. Er hatte die Chance, wie Dathe wenige Jahre zuvor, etwas ganz Neues zu schaffen, einen ganz neuen und modernen Zoo, neue HĂ€user, viel FlĂ€che, Pionierarbeit, die jeden Zoologen reizen dĂŒrfte. Trotzdem ging er. Resignation? Klar, Halle war auch nicht besser dran, aber da hatte man wenigstens die Vorkriegsbauten! Ein großes Raubtierhaus, ein Affenhaus, ein Antilopenhaus, ein kleines Flusspferdhaus und ein kleines Elefantenhaus. Alles alt und marode. Aber besser als nichts. Und da konnte man vielleicht mehr mit machen, vor allem, wenn man clever war. Ich erinnere mich an den Neubau der Fasanerie in Halle. Weil (wie fast immer) fĂŒr Neubauten kein Geld da war und man sie deshalb nicht genehmigt bekam, da riss man erst die AußenkĂ€fige ab, erneuerte sie. Dann riss man das Haus ab, und erneuerte dieses. Jetzt hatte man eine neue Fasanerie, aber man konnte das ganze Geschehen unter „notwendige bauliche Erhaltungsmaßnahmen“ buchen.
Aber den WerktÀtigen wird das nicht so erklÀrt, das tut erst Ludwig Baumgarten nach Ende des Systems.
Vor allem aber, so etwas , das klappt mit einem noch gar nicht vorhandenen DickhÀuterhaus eben nicht.
Aber auch andere Neubauten sind in Halle geplant, zum Beispiel eine neue BĂ€renanlage.
In den Jahresberichten 1974 finde ich dazu folgende Angaben:
„Die Projektierungsarbeiten fĂŒr die neuen BĂ€renanlagen, die 1976 am Konzertgarten des Zoos gegenĂŒber der Kolonnaden geschaffen werden sollen, wurden im Herbst 1974 begonnen.
Wann sie eröffnet wurden wissen wir.
Seiten könnte ich fĂŒllen, vom Erfurter Perspektivplan und seinem Elefantenhaus, vom Tierpark Berlin und den Planungen dort, oft genug werden sie angepriesen und angekĂŒndigt, nur zu oft kommt dann nichts.
Selbst im Lemke finde ich 1985 noch hochfliegende PlĂ€ne fĂŒr fast alle Zoos der DDR. Der Zoo Magdeburg soll auf 25 ha erweitert werden, unter anderem sind der Bau eines Raubtierhauses…wir kennen den Text…er stammt aus dem Perspektivplan von 1960! Und selbst da waren die 25 ha schon geplatzt!

Ich weiß, vieles von dem, was ich jetzt geschrieben habe, klingt eher belletristisch. Aber ich bin in diesem System und mit dieser Art der Propaganda groß geworden. Von daher sind es fĂŒr mich Fakten.
Und aus diesem Grund fĂ€ngt fĂŒr mich das Projekt DHH in Magdeburg eben erst 1964 an. Denn all das, was vorher dazu geschrieben steht, das sehe ich unter dem Licht der Zeit, in der es geschrieben wurde.
1964 aber werden PlĂ€ne ausgearbeitet und Modelle erstellt. Das heißt noch lange nicht, dass man davon ausgehen konnte, dass ab jetzt der Bau auch tatsĂ€chlich kommt. DafĂŒr reichte (siehe Halle/BĂ€renanlage) nicht mal die Grundsteinlegung. Aber es klappte dann und 1967 wurde das Haus eröffnet. Alles davor, das war heiße Luft, viel Getöse, aber aus meiner Sicht nichts, was ĂŒber den Wunsch eines Direktors und vielleicht ein paar HandentwĂŒrfe hinaus ging.
Und noch ein weiterer, sehr wichtiger Punkt steht fĂŒr mich fĂŒr das Jahr 1964.
Und zwar ist das der Ratsbeschluss Nr. 16-137/64 vom 08.07.64. Hier wird der Perspektivplan bestĂ€tigt. Erst mit diesem Datum kann aus meiner Sicht eine Planung beginnen. Alles davor sind Luftschlösser, und jeder Beteiligte wusste das ab einem gewissen Zeitpunkt. Jetzt aber gibt es offiziell grĂŒnes Licht. Und das war in der DDR unabdingbar. Ohne offiziellen Beschluss zu planen, das war gefĂ€hrlich, es war staatsfeindlich. Ich habe mir den Beitrag in der Chronik „Im Zeichen des Luchses“ vom Sohn des TierparkbegrĂŒnders Hilprecht noch einmal durchgelesen. Besser könnte ich die Situation nicht schildern. Er hatte ein kleines Gehöft fĂŒr den Zoo (nicht fĂŒr sich) aus eingesparten Geldern gekauft, ohne Genehmigung. Und er hatte den Kauf von 2 Pfund MehlwĂŒrmern nicht verbucht. Was darauf hin mit ihm passierte, ist sehr eindrucksvoll beschrieben. Dem brauche ich nichts hinzuzufĂŒgen.
1964 aber wurde der Bau des DHH greifbar, weil offiziell abgesegnet, durch Ratsbeschluss gedeckt.
Jetzt DURFTE man beginnen.
Und dazu passen dann auch die TĂ€tigkeiten, die im JB1964 beschrieben sind.
Vergabe an VEB Hochbauprojektierung, Nebenstelle Halberstadt
„UnzĂ€hlige Beratungen und Besichtigungen waren notwendig, zahllose Unterlagen mussten eingeholt werden.“
Wozu, wenn bereits alles von Witstruk, Böhl und Schöne vorlag?
Bereits im nÀchsten Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Und es wird das ERSTE DickhÀuterhaus nach dem Krieg in der DDR.
Und nicht nur das. Es soll der ERSTE Schritt in der Verwirklichung des Perspektivplanes sein. Den hatte man gerade erst beschlossen. Das gab Sicherheit. Aber es war auch eine Verpflichtung, die von wachsamen Augen dĂŒrfte beobachten worden sein.
Und erstmalig wird ein Modell veröffentlicht.
Das alles spricht fĂŒr mich fĂŒr das Jahr 1964.
Auftraggeber, da stimme ich voll und ganz zu, dĂŒrfte nicht BĂŒrger, sondern die Stadt gewesen sein.
Böhl war der Architekt beim Rat der Stadt. Er entwarf im selben Jahr das Schimpansenhaus. Trotzdem gab man den Aufrag nach Halberstadt. Steinhagen bekam den Auftrag fĂŒr das DickhĂ€uterhaus, welches wir heute noch kennen. Vorlage war fĂŒr ihn ein GebĂ€ude, in dem neben den Elefanten auch noch Nashörner und Flusspferde unterzubringen waren. Grundlage ist lediglich das eingezeichnete GebĂ€ude auf dem Perspektivplan, an dem Graffunder mitgewirkt hat.
Und Steinhagen entwarf einen Bau, wie wir ihn als Modell sehen.
Dann werden PlĂ€ne erstellt und erarbeitet. In den Schriften von BĂŒrger tauchen sie auf. Wir finden zwei Grundrisse, welche Änderungen zu einander aufweisen. Beide aber sind vom gleichen Zeichner, ich tippe auf Steinhagen. Das Haus wurde also in der Planungsphase verĂ€ndert. Und wir finden im Sonderheft PlĂ€ne zu Details in Schnittzeichnungen, welche Änderungen zeigen, die man auf dem endgĂŒltigen Plan von Steinhagen dann auch findet. Diese PlĂ€ne sind aber von einer anderen Person. Wie oft nun die PlĂ€ne zwischenzeitlich abgeĂ€ndert wurden, das weiß auch ich nicht. Fakt ist, sie wurden verĂ€ndert. Und da ist eben die Frage, von wem.
Und da kommt fĂŒr mich Graffunder wieder ins Spiel.
Steinhagen entwirft sein erstes DickhĂ€uterhaus in Zusammenarbeit mit BĂŒrger.
BĂŒrger kennt Graffunder noch aus seiner Berlin-Zeit.
Außerdem hat BĂŒrger noch immer gute Kontakte zu Dathe, wie sehr er ihn schĂ€tzte, liest man aus seiner Widmung zum 76er Artikel.
Wegen der besonderen Bedeutung dieses Hauses wird Graffunder konsultiert. Steinhagen Ă€ndert darauf hin ab. Bis dann der endgĂŒltige Plan steht.
Vielleicht werden so zwei Becken, aus einem ursprĂŒnglich geplanten. Dadurch kommt dann der Felsen zwischen den Becken hinzu, der anfĂ€nglich noch fehlt.
Der Zwangsstand wird hinzugefĂŒgt. Der zweite Isolierstall wird mit dem gleichen Boden versehen, wie die normalen StĂ€nde. Und der Besucherbereich vor den Flusspferden wird abgeĂ€ndert, etwas, was man im Sonderheft bereits auf den PlĂ€nen findet, die nicht vom Grundplan-Ersteller sind. Es werden Stufen konzipiert, damit die Wirkung des Blicks auf das Flusspferdbecken noch besser ist.
Wie war das? Graffunder schÀtze diese Tiere besonders?
Und noch etwas ist mir aufgefallen. Die Beleuchtung des Flusspferdbeckens. Man wĂ€hlt nicht nur Lampen, wie in den meisten anderen Zoos, nicht nur, die auf dem Plan noch zu sehenden Strahler. Sondern man entscheidet sich fĂŒr die schwierige und kostenintensivere Variante der Oberlichter. Aber nicht, wie man es bisher kannte, in eckiger Form, sondern in runder Form. Eine gegossene Betondecke mit 6 runden Öffnungen. Und dahinein kommen Piacryl-Oberlichtkuppeln. Das ist neu, ich kenne sie aus keinem weiteren Tierhaus in dieser Form in der DDR. Aber ich finde diese Form der Piacryl-Oberlichtkuppeln in einem anderen Bau wieder. Und zwar in der Botschaft der Volksrepublik Ungarn, in Berlin. Gebaut und schlĂŒsselfertig ĂŒbergeben 1968 an den ungarischen Botschafter in der DDR…durch Architekten Heinz Graffunder.

Und jetzt steht es, das DickhĂ€uterhaus in Magdeburg, und BĂŒrger erstellt eine Sonderschrift ĂŒber dieses Haus. Und er nennt nicht den Chefarchitekten vom Rat der Stadt Magdeburg Böhl. Er nennt nicht Schöne. Er nennt auch nicht seinen VorgĂ€nger Witstruk.
Sondern er nennt namentlich nur Graffunder, dessen Betrieb und den VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt.
In der zweiten Schrift nennt er diese Mitwirkenden noch einmal. Dieses Mal auch Steinhagen namentlich. Und er nennt noch jemanden. Dathe, seinen Lehrer, seinen Mentor, und den Mann, der mit Graffunder am engsten zu tun hatte.
Das ist meine Variante. Mag nun der geneigte Leser selber entscheiden, was ihm am wahrscheinlichsten erscheint. :-)

(10.10.2011, 21:08)
Michael Mettler:   Um noch mal einen ganz anderen Gedanken im Thema Magdeburger Planungshistorie aufzugreifen: Ist es wirklich Zufall, dass 1960 der nun schon zweite Perspektivplan fĂŒr den Zoo unter Mitwirkung Witstruks entwickelt wurde (etwas, wofĂŒr u.a. man ihn extra geholt hatte) und der Zoodirektor praktisch unmittelbar danach und recht kurzfristig den Zoo verließ, nur um dann an seiner neuen WirkungsstĂ€tte Halle wiederum einen Perspektivplan (mit einem DickhĂ€uterhaus!) zu erarbeiten und dazu wiederum eine Zusammenarbeit mit Graffunder anzustreben?

Laut Halle-Chronik schrieb die Stadt Halle den Magdeburger Zoodirektor am 18.10.1960 erstmals an; man suchte schon seit 1959 einen Nachfolger fĂŒr Hans Petzsch, der Bergzoo wurde derzeit durch Gerhard Heyder nur kommissarisch geleitet. Es folgten GesprĂ€che in Halle und Magdeburg. Am 19.12. bewarb sich Witstruk offiziell bei der Stadt Halle als Zoodirektor, und der Rat der Stadt Magdeburg war einverstanden, dass er am 1.2.1961 seine neue Stelle antrat. Laut eigener Aussage von 1981 hĂ€tte er in Magdeburg seine Erfahrungen sammeln können, aber Halle (seine Zweitheimat) reizte ihn besonders, zumal er den Zoo aus seiner Assistenzzeit her kannte. Der Wiedereinstieg verlief allerdings nicht reibungslos, es gab "KĂ€mpfe" u.a. mit dem Verwaltungs- und Bauleiter in Halle (alles aus der Halle-Chronik entnommen).

Warum ging Witstruk dem Magdeburger Zoo so schnell und so kurz nach dem entworfenenen Perspektivplan von der Fahne? War er zu ambitioniert und fĂŒhlte sich von der Stadt ausgebremst? Hatte er sich mit Schöne und damit mit dem Stadtbauamt Magdeburg ĂŒberworfen, weil man dort vielleicht den Perspektivplan ganz anders in die Tat umsetzen wollte, als es Witstruk vorschwebte - mit kostengĂŒnstigen Schlichtlösungen "nach Art des Hauses" statt anspruchsvoller (und damit wohl teurerer) Architektur, wie sie ein Heinz Graffunder hĂ€tte bieten können? (Oliver, du erwĂ€hntest schon mal, dass anscheinend manche DDR-Zoos nie auf Graffunder-EntwĂŒrfe zurĂŒckgriffen - weil man dort Ă€hnlich dachte?)

Warum ließ die Stadt Magdeburg den Zoodirektor gehen, den man doch erst vier Jahre zuvor als "Entwicklungshelfer" geholt hatte? Die Chroniken geben nicht viel mehr ĂŒber diese vier Jahre her, als dass zwei PerspektivplĂ€ne erarbeitet und jede Menge neue Tierarten angeschafft wurden (bis hin zum ersten Elefanten, der nicht mal ein Gehege hatte), sich Witstruk aber in punkto Baulichem nur mit der Kanalistation des Zoos (und das lĂ€nger) herumgeĂ€rgert zu haben schien. Der einzige JB aus dieser Zeit erschien als erster seiner Art fĂŒr das Berichtsjahr 1960, aber selbst die dort erwĂ€hnten ersten Umsetzungsarbeiten des neuen Perspektivplans bestanden ganz ĂŒberwiegend fĂŒr Tierarten des "Heimattiergarten-Sortiments" - wirkliche Ausnahmen sind eine Anlage fĂŒr Elefantenschildkröten (vermutlich nur eine eingezĂ€unte Wiese, wie damals in Zoos ĂŒblich), ein transportabler (!) AffenkĂ€fig und ein Winterstall fĂŒr den Elefanten, Zebras und andere Huftiere auf dem Wirtschaftshof (also ebenfalls ein Provisorium).

War Witstruk verĂ€rgert, weil es nicht voranging, wie er es sich vorstellte oder wie es ihm zu seinem Dienstantritt vorgeschwĂ€rmt worden war? (Immerhin wollte Magdeburg den Heimattiergarten eigentlich schon BIS zum Jahre 1960 in einen Zoologischen Garten verwandeln, also in ziemlich großen Schritten.) Und/oder war die Stadt Magdeburg froh, einen unbequemen, fĂŒr seine Ziele kĂ€mpfenden Mann (so die Charakterisierung in der Halle-Chronik) loszuwerden? Warum reizte Witstruk der "Wiederaufbau" in Halle, was vermutlich eine zusĂ€tzliche "EntrĂŒmpelungsarbeit" bedeutete, mehr als der Neuaufbau in Magdeburg, der doch viel mehr "sein eigenes Kind" hĂ€tte sein können? Gab man ihm in Halle freiere Hand?

FĂŒr unser Thema DHH finde ich diese UmstĂ€nde nicht ganz unwichtig. Falls Schöne bzw. das Stadtbauamt nach Erstellung des Perspektivplans eine ganz andere, vielleicht "hauseigene" und abgespecktere Lösung fĂŒr das Haus favorisiert und diese gegen den Willen Witstruks gleich per Vorprojektierung weiterentwickelt haben sollte (Schöne ist immerhin als eine der beiden treibenden KrĂ€fte dokumentiert!), wĂ€re eine EnttĂ€uschung/VerĂ€rgerung Witstruks nachvollziehbar, und ebenso, dass er fĂŒr ein externes Angebot offen war. Ebenso wĂ€re nachvollziehbar, wenn Graffunder aus Ă€hnlichen GrĂŒnden nach 1960 nicht mehr fĂŒr den Zoo tĂ€tig gewesen wĂ€re (es liegt uns bisher kein eindeutiger Beweis fĂŒr das Gegenteil vor) - man wollte ihn vielleicht nicht oder er wollte nicht mehr. Böhl als Alternative war kostengĂŒnstig fĂŒr den Zoo bzw. die Stadt, denn er arbeitete zumindest teilweise im Rahmen des NAW (JB 1961, 1962, 1964; 1961 auch fĂŒr Schöne im JB dokumentiert).

Zudem ist interessant, wann BĂŒrger seine "Studienreise" zum Elefantenhaus nach Berlin bekam, denn dieses stand ja schon lange vor seinem Magdeburger Amtsantritt. Schöne wird zuletzt im JB 1961 erwĂ€hnt, Böhl 1964 - in diesem Jahr ĂŒbernahm dann Steinhagens VEB die weitere Projektierung des DHH, und frĂŒhestens in diesem Jahr fand BĂŒrgers Reise statt. Hatte BĂŒrger vorher kleine Brötchen backen mĂŒssen, weil Schöne/Böhl die Richtung vorgaben, und bekam nun erstmals die Chance, eigene VorschlĂ€ge einzubringen?

Der Umstieg auf Steinhagen könnte erfolgt sein, weil Schöne und Böhl ihre Stellen nicht mehr innehatten. Wir wissen nicht, wie alt die beiden waren. Und es gibt theoretisch noch eine weitere Möglichkeit, warum sie keine ErwĂ€hnung mehr fanden (finden durften) und andere MĂ€nner die weitere Planung ĂŒbernahmen: Republikflucht!
(10.10.2011, 10:08)
Mel:   @MM: Darauf bezogen sich ja meine worte, was den Normalfalle und sehr junge Tiere betrifft. Das "unproblematisch" bezog sich da eben nicht auf sehr alte und kranke Tiere und das erwĂ€hnte Jungtier. In der Folgezeit wurden ja auch, bei Planungen fĂŒr Flußpferdhaltungen des öfteren Mutter-Kind oder anlagen mit Wurfbecken entworfen.
(09.10.2011, 23:50)
Michael Mettler:   @Mel & Oliver: Einer der beiden Autoren des bewussten Artikels in der FELIS ist Puschmann, der vor seiner Magdeburger Zeit 21 Jahre lang im Zoo Leipzig (mit alter Flusspferdanlage, zu seiner Zeit allerdings nur noch wenig erfolgreicher Zucht) wissenschaftlicher Assistent und zeitweise Kurator fĂŒr SĂ€ugetiere war. Er sollte also eigentlich gewusst haben, was er mit den Worten "Die Stufen dieses Ausstieges sind außerdem so hoch, dass sie von einem neugeborenen Flusspferd nur mit MĂŒhe erklommen werden können" schrieb.
(09.10.2011, 23:46)
Michael Mettler:   @Oliver, meine Aussage bezog sich sehr wohl AUCH auf die Drehung des Stalltraktes, denn ohne die hĂ€tte ja gar nicht die Gefahr bestanden, dass der vierte Stall ĂŒber die Hausfront (und damit meine ich die Vorderseite) hinausragt. Ich versuche meinen Gedankengang jetzt noch mal in einer Art Telegrammstil zu erklĂ€ren, damit nicht schon die Ausformulierungen zu MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren.

Erster Entwurf des Hauses mit „abgespreiztem“ N-N-Stalltrakt mit vier StĂ€llen (entlang der heutigen rĂŒckwĂ€rtigen Gehegemauer); BĂŒrger „knickt“ N-N-Stalltrakt gegen die Schmalseite des Hauses, da Zukunft des zweiten Traktes als eigenes Bauprojekt unsicher; Trakt dann zu lang, ragt ĂŒber Hausfront hinaus (wĂŒrde optische Wirkung beeintrĂ€chtigen und Gehege abschatten); BĂŒrger verzichtet deshalb auf vierten Stall; ist nicht glĂŒcklich mit der Lösung (hĂ€tte gern „mehr Haus“ gehabt), hat aber keine andere Wahl, da er auf keine Tierart verzichten will.
FALLS erster Entwurf von Graffunder, dieser wahrscheinlich nicht glĂŒcklich mit gleich doppelter Verfremdung durch BĂŒrger.

Bis zum 29.9. war mein – nicht zuletzt durch dich hervorgerufener - Kenntnisstand noch, Graffunder habe das erbaute Haus entworfen, aber dann kamen mir Zweifel daran auf, die sich im genannten Beitrag niederschlugen. Nach Durchsicht der mir verfĂŒgbaren Quellen haben sich diese Zweifel schon seit Tagen so weit verstĂ€rkt, dass ich Graffunder noch nicht mal in die Vorprojektierung eingebunden sehe, wĂ€hrend sich gleichzeitig meine Ansicht verfestigt hat, dass auf Vorschlag von BĂŒrger hin ein Trakt verschwenkt wurde und er notgedrungen lieber auf einen Stall als auf eine Tierart verzichtete.

Ob Graffunder mit der Lösung unglĂŒcklich gewesen sein könnte, spielt also fĂŒr mich und meine weitere Argumentation in der Diskussion ohnehin keine Rolle mehr. Und sollte mir doch noch ein eindeutiger Beweis fĂŒr Graffunders Mitwirkung nach 1960 zu Augen kommen (in den bisherigen Quellen gibt es keinen objektiv erkennbaren), dann erkenne ich den an, und dann sind die Karten fĂŒr eine Rekonstruktion der VorgĂ€nge eh neu gemischt.

(09.10.2011, 23:34)
Oliver Jahn:   @Mel, du schmeist hier nichts durcheinander, das machen wir schon selber! :-)
Und ich hatte dich ja gezielt angesprochen. Danke fĂŒr die Info, dann haben mich meine EinschĂ€tzungen aus eigenen Beobachtungen also nicht getĂ€uscht.
(09.10.2011, 23:32)
Mel:   Ich will jetzt nichts durch einander werfen, aber um nochmals kurz auf die "Steilen Treppen" zurĂŒck zu kommen. Stufen im trockenbereich (außerhalb des Wassers) bis zu einer Höhe von sogar 40cm stellen fĂŒr Flußpferde im Normalfalle kein Problem dar. Im Naßbereich können diese sogar noch höher sein. Diese Höhen sind natĂŒrlich, wie der unten zitierte Beitrag zeigt, nicht immer unproblematisch fĂŒr sehr junge Tiere. Ich selbst konnte mich von sehr hohen Stufen, im Laufe der Jahre in einigen Haltungen ĂŒberzeugen, oder mir wurde von diesen, bei nicht mehr exitirenden GebĂ€uden berichtet und mir sind bis heute keine großen Probleme mit solchen Stufen bekannt.
(09.10.2011, 22:36)
Oliver Jahn:   @Michael, leider verstehe ich es noch immer nicht. Bevor ich meine Sicht der Dinge darstelle, möchte ich also doch diesen Punkt noch schnell klĂ€ren. ;-)
Deine Aussage vom 29.09. bezog sich nicht, wie jetzt beschrieben, auf die Drehung des Hauses.
Du stellst am 29.09. die Vermutung auf, dass man auf den vierten Stall (zweiten Nashornstall) eventuell verzichtet hat, weil das Graffunder sicher nicht gefallen hÀtte.

"Vielleicht könnte diese Variante sogar den fehlenden zweiten Nashornstall erklĂ€ren: FĂŒr eine vierte Box war kein Platz, weil man dann ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus hĂ€tte bauen mĂŒssen, was die optische Wirkung innen wie außen deutlich geschmĂ€lert hĂ€tte. Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen..."

Danach sagtest du:

"Die war so gemeint: HÀtte man eine Graffunder-Planung eigenmÀchtig so stark verÀndert, wÀre der Architekt vermutlich ziemlich sauer gewesen. Das konnte man sich nur leisten, wenn die Planung eben NICHT von ihm war."

Das sind fĂŒr mich schon zwei sehr unterschiedliche Aussagen.
Am 29.09. versuchst du mit der möglichen VerĂ€rgerung Graffunders das Fehlen des zweiten Nashornstalls zu begrĂŒnden, nicht die Drehung des Nashorn-Flusspferdbereiches. Von daher konnte ich deinen zweiten Satz, dass man sich das nur leisten konnte, weil die Planung eben NICHT von Graffunder ist, nicht einordnen. Denn der zweite Nashornstall (und nur der hĂ€tte Graffunder in deiner Vermutung vom 29.09. verĂ€rgert) wurde tatsĂ€chlich nicht gebaut.
Ich hoffe, auch ich drĂŒcke mich da jetzt verstĂ€ndlich genug aus.

(09.10.2011, 21:20)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich versuche, das noch mal genauer zu erklĂ€ren. Ich hatte in dem Beitrag vom 29.9., in dem schließlich auch meine Bemerkung „damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen“ fiel, eingangs die Frage gestellt „Stammt der endgĂŒltige Bauplan wirklich von Graffunder?“ und dabei die nach meinem damaligen Recherche-Stand neue Vermutung geĂ€ußert, BĂŒrger könne einen ursprĂŒnglichen Entwurf durch Verschwenken eines Stalltraktes abgeĂ€ndert haben. (Bei letzterem bleibe ich auch heute noch, nur dass ich inzwischen anhand meiner Deutung der Quellenlage den vermuteten Ursprungsentwurf, den ich damals beschrieben habe, nicht mehr Graffunder zuordne, sondern Schöne/Böhl.)

Der Gedanke hinter meiner „nicht glĂŒcklich“-Äußerung war: WENN Graffunder, nach deiner Darstellung sowas wie ein Stararchitekt, der Urheber des GebĂ€udes gewesen wĂ€re, dann hĂ€tte ihn diese Verschwenkung wahrscheinlich nicht glĂŒcklich gemacht. ER als „Zoospezialist“ hĂ€tte m.E. wahrscheinlich nicht mit nur einem Nashornstall geplant, und wenn man einen Trakt mit vier StĂ€llen verschwenkt hĂ€tte, hĂ€tte der Ă€ußerste ĂŒber die Vorderfront des Hauses hinausgeragt. Das hĂ€tte nicht nur merkwĂŒrdig ausgesehen, sondern den Blick von drinnen auf die Außenanlage verhindert und dem Gehege die SĂŒdsonne weitgehend genommen. So vermutete ich, dass man deshalb als Kompromiss den vierten Stall weggelassen hatte. DAS aber war dann nach dieser Denkart nicht nur eine VerĂ€nderung, sondern eine regelrechte Kastration: Aus einem Stararchitektenentwurf wĂ€re eine Notlösung geworden, und ob Graffunder es dann noch geschĂ€tzt hĂ€tte, in BĂŒrgers Baubeschreibungen damit in Verbindung gebracht zu werden…? Deshalb zweifelte ich zunehmend daran, dass der Bauplan des Hauses von ihm stammte.

FĂŒr mich (!) steht nach jetziger Quellenlage fest, dass das letztlich gebaute Haus eine Verschmelzung von eigentlich zwei Baukörpern/Stalltrakten darstellt. Es gibt die Skizze aus der Vorprojektierung (also wohl der Arbeit von Schöne/Böhl), die in der 60-Jahre-Chronik abgedruckt ist und auf der ein Besucherbereich statt des Flusspferd-Innenbeckens zu sehen ist. Es gibt den JB 1963, in dem geschildert wird, dass man mit den bislang zur VerfĂŒgung stehenden Geld vorerst nur den fĂŒr die Elefanten bestimmten Teil des Hauses mit Besuchertrakt bauen und den Abschnitt fĂŒr Nashorn und Nilpferd „spĂ€ter“ anbauen kann. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass das DHH als „Sorgenkind“ betrachtet wird. Und es gibt die recht ausfĂŒhrliche Schilderung der Gedanken BĂŒrgers vor dem Bau des Hauses in „Tiere um uns“, 3. Auflage (erschienen 1971), laut der vorerst nur ein Elefantenhaus geplant war (was mit den beiden ersten Punkten zusammenpasst); gefragt wird, wann die strapazierte Bauindustrie der DDR in der Lage sein wĂŒrde, fĂŒr Nashörner und Flusspferde je (!) ein eigenes Warmhaus zu bauen; und BĂŒrger letztlich auf den Gedanken kam, diese Tiere „bei gleichem finanziellem und technischem Aufwand“ im selben Haus unterzubringen, was nicht danach klingt, als wenn man ohne Abstriche auskommen musste. Ein völlig neues Haus wurde das dabei aber m.E. nicht (darauf findet sich nirgends ein Hinweis), die Vorprojektierungsgrafik zeigt dafĂŒr zu viel Ähnlichkeit mit der verwirklichten Elefanten/Besucher-Situation.

Wenn ich (!) aber davon ausgehe, dass BĂŒrger (mit Steinhagen) eine solche Verschmelzung umsetzen konnte, dann scheint mir das nur möglich zu sein, wenn der vorherige Entwurf NICHT von Graffunder war, und damit schließt sich der gedankliche Kreis (siehe oben). Kurz gesagt, ich betrachte die Umsetzung der BĂŒrger-Gedanken als Indiz dafĂŒr, dass man nicht bzw. nie mit einem Stararchitektenentwurf arbeitete, sondern „nur“ mit einer stĂ€dtischen Magdeburger „Hauslösung“, und die dĂŒrfte aus KostengrĂŒnden wohl eher zweckorientiert und somit eher bereit zu Änderungen gewesen sein, wenn man dadurch Geld sparen konnte.

Du schreibst: „Denn tatsĂ€chlich hat man ja die Planung NICHT eigenmĂ€chtig so verĂ€ndert und NICHT ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus gebaut.“ Das stimmt mit meiner geschilderten Sichtweise nicht ĂŒberein, deshalb muss ich mich auch nicht entscheiden, was ich meine. Man HAT m.E. die Planung eigenmĂ€chtig (im Sinne von: aus eigener Entscheidungsmöglichkeit heraus, ohne Verantwortung einem Stararchitekten gegenĂŒber zu haben) verĂ€ndert, dabei aber nicht ĂŒber die Vorderfront hinaus gebaut.

Ich hoffe, mein Gedankengang kommt jetzt verstĂ€ndlich genug rĂŒber.
(09.10.2011, 20:21)
Oliver Jahn:   @Michael, das gefĂ€llt mir, so bekommt das alles wieder ein wenig Struktur. Darauf kann ich eingehen. Bevor ich das aber tue, gibst du mir da noch eine ErklĂ€rung fĂŒr den Punkt, der mich so stutzig gemacht hat? Mit dem "nicht glĂŒcklich machenden Umbau", den es nicht gab. Dann habe ich auch da deine Ansicht und kann sie mit einbinden.
(09.10.2011, 18:13)
Michael Mettler:   @Oliver: Den Vorschlag mit dem Abgleichen der aktuellen Sichtweise finde ich gut, denn allmĂ€hlich wird es auch schwierig, den Überblick zu behalten. Und auch die Anregung, manches zu definieren, greife ich gern auf.

Ich denke, dass einer der Unterschiede in unseren Sichtweisen darin besteht, dass ich das letztlich gebaute Haus nicht als „eigene Art“ bzw. ganz neuen Entwurf betrachte, sondern nur als Endpunkt eines kontinuierlich fließenden Entwicklungsprozesses, von dem wir nicht mal den gedanklichen Ausgangspunkt wissen, denn ĂŒber alles vor dem Perspektivplan von 1960 können wir nur mutmaßen. FĂŒr mich gibt es nicht „DAS“ 1967 eröffnete DHH als völlig eigenen Abschnitt wie fĂŒr dich, denn auch vorher ist fĂŒr mich alles DHH. In einer KontinuitĂ€t ist es dann zwangslĂ€ufig schwierig, „anfĂ€nglich“ genau zu definieren, weil jede Grenzziehung willkĂŒrlich ist.

In den Jahresberichten ist der kontinuierliche Prozess gut dokumentiert. Das Wort „Projekt“ steht dabei fĂŒr mich nicht nur fĂŒr den Endzustand, sondern fĂŒr den Gesamtprozess: Man stieß das Projekt (spĂ€testens) 1960 an und vollendete es 1967 (zumindest das Haus, ĂŒber die Außenanlagen haben wir ja kaum Diskussionsbedarf).

Ich definiere fĂŒr meine Sichtweise ALLE Veröffentlichungen BĂŒrgers (und dazu gehören auch die Jahresberichte 1961 bis 1967, die er mit seinem Namen unterzeichnet hat) als gleichwertige Quellen und werte die beiden nach Eröffnung des Hauses erstellten Veröffentlichungen nicht ĂŒberproportional höher – offenbar im Gegensatz zu dir.

Solange es sich um den gleichen Sachinhalt dreht, werte ich zudem die Angabe in einem Jahresbericht höher als in einer Jahrzehnte spĂ€ter geschriebenen JubilĂ€umschronik. Jahresberichte werden von den handelnden und unmittelbar betroffenen Personen zeitnah geschrieben, die Autoren von Chroniken waren zur entsprechenden Zeit oft noch gar nicht im Zoo tĂ€tig und können deshalb nur zitieren, rekonstruieren sowie – und da ist das Manko – interpretieren. Auch da, nicht erst bei uns, können also schon eigene Deutungen eingeflossen sein, die wir nun erneut zu deuten versuchen.

Aus all dem ergibt sich als meine aktuell (9.10.2011) favorisierte Version die folgende: Das DHH beruht auf einem Entwurf von Witstruk, Schöne und Böhl, der von BĂŒrger und Steinhagen nur in der Lage der Nashorn-Flusspferd-Stallung (und daraus resultierend des Flusspferd-Innenbeckens) modifiziert wurde. Anhand der fachlichen Spezialisierung vermute ich folgende Anteile: Witstruk gab die gewĂŒnschten Arten vor und steuerte tiergĂ€rtnerische Parameter wie MindeststallgrĂ¶ĂŸen bei, Schöne als Gartenarchitekt zeichnete fĂŒr die Außengestaltung (Wirkung) des Hauses und die Freianlagen verantwortlich, Böhl fĂŒr den eigentlichen Baukörper. Graffunders Mitwirkung beschrĂ€nkte sich darauf, die Idee (oder stĂ€dtische Vorgabe!) des DHH in einen fiktiven Gesamtlageplan des Zoos einzuarbeiten und ihm eventuell die Anordnung und grobe Form der Freianlagen zu geben.

Steinhagen setzte m.E. lediglich in konkrete BauplĂ€ne um, was Schöne/Böhl als Vorprojektierung abgeliefert hatten, und nahm dabei eine von BĂŒrger vorgeschlagene, allerdings nur einen Teil des Hauses betreffende Änderung vor, die auf Zukunft gesehen Baukosten sparen und BĂŒrger eine sofortige Haltungsmöglichkeit von Nashörnern und Flusspferden ermöglichen sollte. Dies war nicht mehr als die letzte einer Reihe von Modifikationen seit (mindestens) 1960, welche der kontinuierliche Entwicklungsprozess des Projektes umfasste. In der verwirklichten Form „gehören“ Schöne und Böhl m.E. Elefanten- und Besucherbereich sowie der Baustil (aber nicht die Position) des Nashorn-Flusspferd-Traktes.

Und bei alledem gehe ich NICHT davon aus, dass BĂŒrger freie Hand in der Planung hatte und die Architekten lediglich zur Umsetzung seiner WĂŒnsche einsetzte, sondern dass die Planung in den HĂ€nden der Stadt Magdeburg als Betreiberin des Zoos lag, BĂŒrger lediglich WĂŒnsche Ă€ußern konnte und sich aus KostengrĂŒnden sogar SachzwĂ€ngen beugen musste. Aber er sparte lieber einen Nashornstall und eine Beckentrennmöglichkeit bei den Hippos ein als auf eine der Arten zu verzichten; vielleicht sogar mit der Hoffnung auf eine zukĂŒnftige Möglichkeit, das GebĂ€ude unter Wegfall eines Teiles des Außenlandteils der Hippos mit einem Stalltrakt ohne Publikumsbereich erweitern zu können (Nashörner dann dort, im „Haupthaus“ im Einzelstall stattdessen Tapire/Faultiere).

Was weitere Fragen betrifft:

BĂŒrgers Zitat „Hier haben die Zoologischen GĂ€rten die Verpflichtung, mit solchen vom Aussterben bedrohten Tierformen die Zucht zu versuchen..“ wĂŒrde ich nicht unbedingt als Beweis fĂŒr eine von Anfang an geplante Flusspferdzucht gelten lassen. Nach dieser Maxime hĂ€tte er schließlich auch einen Asiatischen Elefantenbullen holen mĂŒssen statt einer Afrikanerkuh.

„Und auf dem Perspektivplan ist das Außengehege der Hippos ja sogar noch grĂ¶ĂŸer, rein aus dem Bauch heraus wĂŒrde ich sagen, die grĂ¶ĂŸte Flusspferdaußenanlage in einem deutschen Zoo zu dieser Zeit. Alles fĂŒr ein Einzeltier?“
Wenn man wie ich davon ausgeht, dass ursprĂŒnglich ein anderer Innenbereich in einem eigenen Trakt geplant war, stellt sich die Frage nach BeschrĂ€nkung auf ein Einzeltier nach Stand 1960 (oder vielleicht schon 1957) nicht unbedingt. Allerdings kam Halle als altehrwĂŒrdiger Zoo (woher Witstruk kam) damals und noch lange spĂ€ter mit einem Einzeltier aus – warum nicht auch Magdeburg, wo man gerade erst den Sprung vom Heimattiergarten zum Zoo wagte?

„Jost und BĂŒhring waren beide bereits StadtbaurĂ€te, als sie begannen, fĂŒr die Zoos zu bauen. UnabhĂ€ngig davon aber frage ich, waren sie in den Zoos KEINE Spezialisten? Deine These war die:
‚Nun, bis in die jĂŒngere Zeit hinein dĂŒrften wohl in den meisten Zoos Bauten entstanden sein, die nicht von spezialisierten Zoo-Architekten entworfen wurden.‘ Ich habe lediglich gefragt, ob das ein Fakt ist, oder wieder mal nur eine Vermutung.“
Wie aus meiner Wortwahl „dĂŒrften“ ersichtlich sein sollte, eine Vermutung. Aber mit logischem Hintergrund: Jost, BĂŒhring und andere mögen noch so versierte Architekten gewesen sein, im Moment ihres ersten Zoobaues waren sie in dieser Materie noch nicht spezialisiert und somit Steinhagen – darum ging es ja - keinen Schritt auf diesem Gebiet voraus. Ebenso wenig wie jeder andere Architekt, der jemals – und das eben auch bis in jĂŒngste Zeit – erstmals fĂŒr einen Zoo tĂ€tig wurde. Andersrum taucht Böhl zwar in der Vorprojektierung des DHH erstmals namentlich auf, hat aber in der Folgezeit auch das Schimpansenhaus projektiert und im Rahmen des NAW bis 1964 weitere, nicht detailliert genannte Projektierungen fĂŒr den Zoo ausgefĂŒhrt. WĂ€re das nach deiner Definition schon der Weg zum Zoospezialisten…?
(09.10.2011, 17:51)
Carsten Horn:   Neubauten fĂŒr einzelne Flußpferde gab es sogar noch 2008, Magan Zoo Abony.

Ansonsten fĂ€llt mir nur noch Opole ein spontan, wobei ich das Gehege nicht kenne, aber wenn das einzige Flußpferd des Zoos dort 36 Jahre lang alleine lebt...
(08.10.2011, 21:54)
Oliver Jahn:   Da ich weiß, dass Mel zur Zeit sehr beschĂ€ftigt ist, habe ich mich mal selber rangesetzt und mir Mels alte Berechnungen dabei zu Hilfe genommen.
Die Magdeburger Stufen ins Wasser hatten eine Höhe von 26cm. Die in Halle hatten nach Mels Berechnung ein Maß von 30 cm, die letzte Stufe von 35 cm.
(08.10.2011, 20:12)
Oliver Jahn:   Möglich ist so vieles…die Frage ist nur, wie definiert man anfĂ€nglich?
In Frankfurt ließ sich Grzimek als Erfinder der steilen Treppe feiern. In Magdeburg hat man im ERSTEN Bau dieser Art nach dem Krieg in der DDR dieses vielleicht sogar als Modernisierung gegenĂŒber der alten Leipziger Haltung empfunden. Und ich habe leider keine Maße. Trotzdem muss ich einfach mal aus eigenem Empfinden und meinen selbst gewonnenen EindrĂŒcken heraus sagen, dass ich die Treppenstufen in Magdeburg nicht als höher empfand, als die in Frankfurt oder Halle. Hier mĂŒsste Mel mal sich ran setzen, und anhand von Bildern eine Rekonstruktion vornehmen. ;-)
Zur Eröffnung heißt es auf jeden Fall in der Schrift von BĂŒrger:
"Abgesehen aber vom erheblichen Schauwert gerade solch großer Tiere, sind eben sie es, die in freier Wildbahn heutzutage mit am meisten im Bestand bedroht sind. Hier haben die Zoologischen GĂ€rten die Verpflichtung, mit solchen vom Aussterben bedrohten Tierformen die Zucht zu versuchen, um sie eines Tages zumindest im Zoo der Nachwelt zu erhalten zu haben."
Das klingt fĂŒr mich nicht nach anfĂ€nglicher Planung fĂŒr ein Flusspferd. Und davon abgesehen, gab es das denn zu dieser Zeit noch? Mir fehlt da der Überblick. Aber gab es in den 60er Jahren noch Neubauten im Bereich der DickhĂ€uterhĂ€user, in denen tatsĂ€chlich anfĂ€nglich nur fĂŒr ein Flusspferd geplant wurde?
Aber wie gesagt, was ist anfÀnglich?
Bei den Kritiken zum DHH gibt BĂŒrger an:
"Aus heutiger Sicht wĂŒrde die FlĂ€chenaufteilung…zwischen Flusspferden und Nashörnern zu Gunsten letzterer zu verĂ€ndern sein" Und zwar innen und außen.
Das liest sich fĂŒr mich, als wĂ€re es aus damaliger Sicht eben anders herum gewesen sein. Und auf dem Perspektivplan ist das Außengehege der Hippos ja sogar noch grĂ¶ĂŸer, rein aus dem Bauch heraus wĂŒrde ich sagen, die grĂ¶ĂŸte Flusspferdaußenanlage in einem deutschen Zoo zu dieser Zeit. Alles fĂŒr ein Einzeltier?
Die Möglichkeit der Tapire zum Zeitpunkt des Perspektivplans, stimmt, davon ist nirgendwo was zu lesen. Trotzdem halte ich diese Idee fĂŒr gar nicht mal so abwegig.
Es wird sehr frĂŒh von einem DickhĂ€uterhaus gesprochen. Und immer mal wieder von einem Warmhaus. Da passen Tapire auf jeden Fall.
Dass also das Haus, welches auf dem 57er Plan zu sehen ist, eventuell das gleiche, wie auf dem 60er ist, man auf letzterem aber nachtrĂ€glich die Tapire durch Nashörner ersetzte, ohne die Außenanlage anzupassen, das halte ich fĂŒr durchaus nachvollziehbar.
Als man DAS DHH aber plante, von dem wir heute als solches reden (und vielleicht ist es mal interessant, hier den Zeitpunkt zu erörtern, an dem wir von einem Beginn ausgehen), da glaube ich allerdings schon, dass man so, wie BĂŒrger es dann auch angibt, fĂŒr Nashörner und Flusspferde plante, und zwar jeweils fĂŒr zwei Tiere. Aber selbst das heißt ja nicht, dass da Tapire vom Tisch waren. Auch hier besteht ja durchaus noch die Möglichkeit, dass man sich die Tapire als Option offen hielt, falls man gar keine Nashörner bekommen sollte.
@Michael, wenn es um die Magdeburger Nashörner geht, dann wĂŒrde ich auch "Magdeburg" vorschlagen.

(08.10.2011, 15:38)
Michael Mettler:   Im besagten Hippo-Artikel in der FELIS ist auch zu lesen, dass die Beckenstufen viel zu hoch fĂŒr FlusspferdkĂ€lber gewesen seien, so dass sich ein Jungtier dort beim krĂ€ftezehrenden Versuch, seiner Mutter an Land zu folgen, sogar SchĂŒrfwunden zugezogen hatte. DAS könnte allerdings wieder ein Indiz dafĂŒr sein, dass anfangs tatsĂ€chlich nicht an Zucht (und somit auch nicht an Paarhaltung gedacht worden war), denn es wĂ€re ja ein Leichtes gewesen, die Stufenmaße erfolgreich zĂŒchtender Zoos wie Leipzig oder Berlin zu ĂŒbernehmen.

Wir wissen nicht, ob die unterschiedlichen TrennwĂ€nde der Stallungen (links massive Mauer, rechts Gitter) von Anfang an so geplant waren, wie sie dann gebaut wurden; vielleicht war es erst andersrum geplant, also tatsĂ€chlich mit zwei NashornstĂ€llen. FĂŒr die endgĂŒltige Version war immerhin noch bis in die spĂ€te Bauphase hinein Zeit, es sich endgĂŒltig zu ĂŒberlegen (eventuell abhĂ€ngig von der Beschaffungssituation der Tierarten).

Es gibt aber noch eine Möglichkeit (ja, ich weiß, davon steht NICHTS bei BĂŒrger): Nr. 23 im 1960er Perspektivplan könnte ursprĂŒnglich fĂŒr Tapire und noch gar nicht fĂŒr Nashörner gestanden haben (wie gesagt: eine Bildlegende lĂ€sst sich nachtrĂ€glich verĂ€ndern). Das könnte das MissverhĂ€ltnis der LandflĂ€chen von Flusspferd und Nashorn erklĂ€ren, den einzelnen Stall ebenfalls; zudem war das Gehege laut Perspektivplan sehr schattig (zur HĂ€lfte von Baumkronen ĂŒberdeckt), obwohl man fĂŒr tropische Steppentiere gemeinhin möglichst sonnige FlĂ€chen wĂ€hlte. Was zu dieser Variante allerdings nicht passen wĂŒrde, sind die großen Stalltore (aber auch sowas lĂ€sst sich noch mitten im Bau Ă€ndern). Magdeburg wĂ€re nicht der einzige Zoo, der ein ganz anders gedachtes Haus bei der Möglichkeit, Nashörner zu bekommen, zweckentfremdet hĂ€tte: Hannover stellte 1963 ein Breitmaulnashorn (und spĂ€ter sogar ein Paar) in eine eigentlich fĂŒr Tapire geplante Anlage, Dortmund und Schwerin stellten ihre Rhinos sogar in ehemalige PonystĂ€lle. Auch bei anderen Tieren hat Magdeburg recht spontan umdisponiert: Die ersten Bewohner einer fĂŒr seltene Reiher gebauten Voliere waren Geparden, ihnen folgten spĂ€ter MĂ€hnenwölfe, NasenbĂ€ren und jetzt Kookaburras/KaninchenkĂ€ngurus - aber nie Reiher...

@Oliver: Ich habe einige neue Recherche-Ergebnisse zu unserer Spekulation, warum Magdeburg mit nur einem Nashorn seine Haltung begann. Wollen wir das in den Nashorn- oder in den Magdeburg-Thread verlagern, damit die Vielgleisigkeit im vorliegenden Thread die hiesige Diskussion nicht zu unĂŒbersichtlich macht?

Auf deinen vorletzten Beitrag komme ich noch zurĂŒck.
(08.10.2011, 14:39)
Oliver Jahn:   @Carsten, das halte ich rein baulich nicht fĂŒr wahrscheinlich. Denn der zweite Stall ist, wie Michael auch bereits schon erwĂ€hnt, baulich nicht mit dem Nashornstall verbunden. Er ist auch nicht mal durch die Schleuse erreichbar, sondern ausschließlich durch den Futterstall der Hippos.
Letztlich sehe ich hier aber auch gar keine solche Deutungsmöglichkeit, denn es steht ja im Felis-Artikel auch nicht, dass die Anlage grundsĂ€tzlich nur fĂŒr ein Tier GEPLANT war, sondern grundsĂ€tzlich nur fĂŒr ein Tier GEEIGNET ist, und trotzdem entschloss man sich, ein Paar zu erwerben, da die Tiere eben gesellig leben.
Aber selbst davon rĂŒckt man dann spĂ€ter wieder ab. Denn, nach dem der Bulle starb, war zu lesen:
"Ob und wenn ja, wann der Zoo ein neues Nilpferd anschafft, ist noch nicht entschieden, teilte die Zoodirektion mit. Da Flusspferde ausgesprochene Individualisten seien, reagiere das Weibchen im Zoo nicht auf das Alleinsein, meint er."
Und wenn wir schon bei Fehlern in Schriften sind:
In der Chronik "Im Zeichen des Luchses" auf Seite 70 ist ein Foto, welches Kenia mit ihrem ersten Kalb Mabu zeigen soll.
Schaue ich aber in Felis Heft 14 auf Seite 14, dann sind das auf dem Bild Mana und Maleika.
Wo Menschen arbeiten passieren eben auch Fehler. :-)

(08.10.2011, 12:59)
Carsten Horn:   "Felis 15" könnte man ja so interpretieren, das bei der Planung von einem Flußpferd ausgegangen wurde, aber wofĂŒr dann zwei StĂ€lle... Oder waren ursprĂŒnglich zwei NashornstĂ€lle vorgesehen und die Nashörner waren dann die "Verlierer" durch den Einzug des Flußpferdpaares...?
(08.10.2011, 01:27)
Oliver Jahn:   Michael, dann geht das "NIE" auf meine Kappe.
Aber wenn wir seit Tagen eine völlig eigenstĂ€ndige Diskussion fĂŒhren, in der du meinen etlichen BeitrĂ€gen, die bereits ebenfalls seit Tagen zum Inhalt haben, dass ich NICHT der Überzeugung bin, dass das Haus von Graffunder entworfen wurde, sondern dass es ein Bau ist, den Steinhagen nach BĂŒrgers WĂŒnschen entwarf, und durch Konsultation von Graffunder abrunden lies, keinerlei Bedeutung beimisst, sondern die ganze Zeit nach Fakten suchst, und diese dann mit einem bunten Strauß an Vermutungen untermalst, nur um einen Beitrag von mir vom 27.07.2009 zu widerlegen, welchen ich selber in dieser Diskussion abgeĂ€ndert habe, dann weiß ich eigentlich nicht mehr so wirklich, worĂŒber wir diskutieren.
Denn am 29.09. stelltest du die Frage:
"Deshalb meine Frage: Stammt der endgĂŒltige Bauplan wirklich von Graffunder?"
Darauf meine Antwort vom 1.10.
"Von daher ist deine Frage ob der endgĂŒltige Bauplan von Graffunder stammt, auch von mir mehrfach ganz klar beantwortet. Nein. Er stammt nicht von ihm, aber er war daran beteiligt."
Das war bereits vor 6 Tagen.
Frage beantwortet.
Warum suchst du dann danach noch nach Quellen und Fakten, statt einfach mal zu fragen, ob ich es heute anders sehe, als vor ĂŒber zwei Jahren? Du hĂ€ttest ein klares ja bekommen.

Und genau so ist es mit meinem Beitrag vom 25.09. Hier geht allerdings nichts auf meine Kappe. Denn auch wenn ich diesen Beitrag immer wieder lese, so finde ich darin keinen Satz, der Steinhagens Beteiligung BESTREITET.

Jost und BĂŒhring waren beide bereits StadtbaurĂ€te, als sie begannen, fĂŒr die Zoos zu bauen. UnabhĂ€ngig davon aber frage ich, waren sie in den Zoos KEINE Spezialisten?
Deine These war die:
"Nun, bis in die jĂŒngere Zeit hinein dĂŒrften wohl in den meisten Zoos Bauten entstanden sein, die nicht von spezialisierten Zoo-Architekten entworfen wurden"
Ich habe lediglich gefragt, ob das ein Fakt ist, oder wieder mal nur eine Vermutung.

Die Aussage zur der VerĂ€nderung, ĂŒber die Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen wĂ€re, die macht mich nun aber doch stutzig.
Das war dein Satz:
"FĂŒr eine vierte Box war kein Platz, weil man dann ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus hĂ€tte bauen mĂŒssen, was die optische Wirkung innen wie außen deutlich geschmĂ€lert hĂ€tte. Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen.."
Jetzt schreibst du:
"Zu meiner Aussage: "Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen..." Die war so gemeint: HĂ€tte man eine Graffunder-Planung eigenmĂ€chtig so stark verĂ€ndert, wĂ€re der Architekt vermutlich ziemlich sauer gewesen. Das konnte man sich nur leisten, wenn die Planung eben NICHT von ihm war."
Jetzt musst du dich schon entscheiden, was du nun wirklich meinst.
Denn tatsĂ€chlich hat man ja die Planung NICHT eigenmĂ€chtig so verĂ€ndert und NICHT ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus gebaut. Und dennoch konnte man es sich nur leisten, wenn die Planung NICHT von ihm war! Das ist doch eine Negation der Negation, also meinst du damit, dass sie von ihm ist?
Denn wenn man sich die Änderung nur leisten konnte, wenn der Bau NICHT von Graffunder ist, man sie sich dann tatsĂ€chlich aber NICHT geleistet hat, dann kann es ja nach deiner Argumentation heute nur bedeuten, dass die Planung von ihm ist.

Ich habe wirklich das GefĂŒhl, dass wir vielleicht einmal wieder abgleichen sollten, was wir also JETZT fĂŒr das heute noch stehende DickhĂ€uterhaus favorisieren.

Ich gehe heute, am 7.10.2011 davon aus, dass BĂŒrger durch Steinhagen das DickhĂ€uterhaus, so wie es heute noch steht, hat entwerfen lassen, und durch Konsultation Graffunders (ĂŒber den Umfang diskutiere ich gern weiter und stelle auch gern mal selber Vermutungen an) bekam es sein heutiges Aussehen in der Endform, so wie wir es kennen.
Und ich gehe weiterhin davon aus, dass Witstruk, Böhl und Schöne nicht/nicht mehr an den EntwĂŒrfen fĂŒr DIESES Haus beteiligt waren . (Auch hier bin ich gern bereit, Beteiligung noch einmal zu definieren)
Außerdem gehe ich davon aus, dass man anfĂ€nglich nicht auf ein zweites Nashorn verzichtete, weil es zu teuer oder seine Haltung zu riskant war.
Warum ich von diesen Dingen ausgehe, das habe ich mehrfach beschrieben. Aber wenn es uns Spaß macht, dann wiederhole ich da einiges gern noch mal, vielleicht fallen ja auch mir immer wieder neue Aspekte ein.
Aber erst mal schauen, vielleicht sind wir uns ja jetzt auch schon einig und es gibt gar keine WidersprĂŒche mehr. :-)
Ach ja, eines noch. Bevor das auch noch mal kommt. Da ich von dieser Geschichte ausgehe, so wie ich sie hier beschrieben habe, bezeichne ich auch weiterhin Graffunder als einen der VÀter dieses Hauses. Gibt es aber Fakten, die mir zeigen, dass durch seine Konsultation nicht mehr geÀndert wurde, als die Lampen oder die Steckdosen, dann bin auch ich gern bereit, ihm die Vaterschaft abzuerkennen.

(08.10.2011, 00:01)
Michael Mettler:   Ach ja, und in der 50-Jahre-Chronik ist zu lesen, im Haus sei nur fĂŒr zwei Elefanten geplant worden - obwohl BĂŒrger in seiner BroschĂŒre doch schon den gewĂŒnschten dritten (den Afrikaner) erwĂ€hnte.

Das ist das Risiko, wenn man Zoochroniken als Quellen verwendet: Die Chronisten haben in ihren Werken u.U. schon selbst eigene Deutungen der zeitgenössischen Quellen abgeliefert, und wir interpretieren nun hier auch die Interpretationen...
(07.10.2011, 23:06)
Michael Mettler:   @Carsten Horn: Ich habe auf der Suche nach eventuellen zusĂ€tzlich Angaben zum DHH jetzt auch die Jahresberichte nach 1970 durchforstet. Als der Grabensturz von Negus passierte, hatte der Graben tatsĂ€chlich noch keinen Ausstieg, der wurde erst spĂ€ter angelegt. Man wollte den Bullen damals per Kran aus dem Graben holen und betĂ€ubte ihn zu diesem Zweck, was er nicht ĂŒberlebte.

FELIS 15 enthĂ€lt ĂŒbrigens ein nettes Beispiel dafĂŒr, wie eine Formulierung zu unterschiedlichen Deutungen anregen kann. Puschmann & WĂŒnnemann schreiben dort: "Im Grunde ist das Haltungssystem fĂŒr Flusspferde in diesem 1967 fertiggestellten Tierhaus (BĂŒrger 1968) nur zur Haltung eines Einzeltieres geeignet. Da das Flusspferd aber eine gesellige Art ist, entschloss man sich zum Erwerb eines jungen Paares."

HĂ€tten wir nur diese Info ĂŒber die Planung des Hauses und den Haltungsbeginn, kĂ€me man schnell auf die Idee, die Anlage sei nur fĂŒr ein Einzeltier geplant und dann aber doch mit einem Paar besetzt worden. Oder war das am Ende tatsĂ€chlich so...?

In den Quellen dieses Artikels wird BĂŒrgers BroschĂŒre ĂŒbrigens als "Sonderheft zum Jahresbericht des Zoologischen Garten Magdeburg" bezeichnet. Das widerspricht der Angabe im besagten Jahresbericht 1967, in dem steht, dass die BroschĂŒre noch erscheinen WIRD - es kam also nicht beides gleichzeitig heraus.

Neben dieser (und dem unterschiedlichen wiedergegebenen Jahr von BĂŒrgers Promotion) sind mir inzwischen noch weitere Ungereimheiten aufgefallen. So heißt es im JB 1968: "Am neuen DickhĂ€uterhaus wurden parallel zur Elefanten-Außenanlage zwei weitere Außenanlagen fĂŒr Flusspferde und Nashörner geschaffen." Es folgen ein paar Details der Anlagen. Der Sachverhalt wurde so auch in beide Magdeburger JubilĂ€umschroniken ĂŒbernommen, und deshalb hatte ich bisher gar nicht die weiteren JB in Sachen Baugeschehen durchsucht. Das habe ich nun getan und dabei prompt im JB 1969 entdeckt: "Nach fast einjĂ€hriger Unterbrechung konnten die Arbeiten an den Außenanlagen fĂŒr Flusspferde und Nashorn am DickhĂ€uterhaus abgeschlossen werden." Somit haben Nashornbulle und Flusspferdpaar sogar mehr als ein Jahr ausschließlich innen verbracht.

In FELIS 4 wird zudem in einem Artikel ĂŒber die Nashörner geschrieben: "Das MĂ€nnchen 'Kibo' traf 1967 etwa dreijĂ€hrig direkt aus Kenia ein...". Wie Oliver schon geschrieben hatte, befand sich Kibo laut Zuchtbuch bereits seit 1966 in Deutschland (erst Gelsenkirchen, dann Hannover, von dort nach Magdeburg).
(07.10.2011, 23:00)
Michael Mettler:   @Oliver, ganz vergessen: Was meinst du eigentlich mit deiner "ausfĂŒhrlichen" Deutung zu Schöne und Böhl? Ich finde auf Anhieb nur deine kurzen Anmerkungen, dass sie von BĂŒrger nicht erwĂ€hnt werden und vielleicht gar nichts mehr mit DEM DHH, das heute steht, zu tun haben. Beides beantwortet aber meine Frage nicht: Was erarbeiteten Schöne und Böhl unmittelbar nach Erstellung des Perspektivplans so ausfĂŒhrlich und zur Begeisterung des Beirates, was doch eigentlich Graffunders Job gewesen wĂ€re, wenn das Haus "seins" gewesen wĂ€re?
(07.10.2011, 15:06)
Michael Mettler:   „Wer hat hier gesagt, dass Graffunder der Urheber des Baus ist? Ich nicht. (…) Denn genau das habe ich nie gesagt, in keinem einzigen Beitrag…“
Schau mal in deinen Startbeitrag im Thread "Heinz Graffunder", den du mit einem Foto des DHH illustriert hast. Da hast du geschrieben:
"Und ich fange selber gleich mal an mit einem 'Echten Graffunder'. Das DickhĂ€uterhaus aus Magdeburg: gebaut von 1965 bis 1967, Außenanlagen 1968, gebaut von der Firma Gerling & Rausch Magdeburg, projektiert vom VEB Berlin-Projekt unter Leitung von Heinz Graffunder."
Da kann man doch glatt auf den Gedanken kommen, du seiest der Meinung, dieses Haus sei „seins“. Genau so habe ich es ĂŒbrigens auch aus unseren diversen GesprĂ€chen darĂŒber in Erinnerung, das war fĂŒr mich die Grundlage der Diskussion, und daraus schlussfolgerte ich deine Schlussfolgerung.


„Auch hier lies bitte meine BeitrĂ€ge noch mal. Ich habe Steinhagens entscheidenden Anteil nie bestritten, im Gegenteil. Ich schrieb mehrfach, dass ich glaube, dass Steinhagen und BĂŒrger das Haus entwarfen, und dann durch Konsultation Graffunders ihm der letzte Schliff gegeben wurde. Muss ich mich hier selbst zitieren?“
Musst du nicht, die Arbeit nehme ich dir gern ab. Im vorliegenden Thread, 25.9.:
„Und ich habe das Heft, welches ebenfalls von BĂŒrger direkt zur Eröffnung 1967 herausgegeben wurde. Und er hat das Haus geplant, er hat sich Anregungen im Zoo Berlin geholt, er hat es bei Graffunder in Auftrag gegeben…“
Steinhagen erwĂ€hntest du dabei nicht, und du hast ihn auch frĂŒher nie in Zusammenhang mit dem DHH erwĂ€hnt. Auf den Namen bist du erst eingestiegen, nachdem ich ihn einen Tag danach in die Diskussion eingebracht hatte.

„Erst bekam das DickhĂ€uterhaus in Magdeburg fĂŒr dich immer mehr VĂ€ter, dann wurden einer wieder aus der Familie ausgeschlossen. Und von Beitrag zu Beitrag wurde der Anteil Graffunders an diesem Haus immer geringer.“
Richtig wiedergegeben. Denn erst habe ich gestaunt, als beim Quellenstudium immer mehr Namen ins Spiel kamen, und dann festgestellt, dass deren BeitrÀge zum Haus vielleicht sogar wesentlicher waren als der Graffunders. Also habe ich hinterfragt, warum er eigentlich als der Erschaffer des DHH dargestellt wird (siehe oben).

„Er entwarf erst in DEINEN BeitrĂ€gen fĂŒr Magdeburg einzelne HĂ€user.“
Nee, hat er auch bei dir schon gemacht. Wieder siehe oben.

Auf meinen Einwand, es sei nirgendwo geschrieben, dass das DHH von Graffunder entworfen und/oder bis zum Bauplan projektiert wurde, antwortest du: „Stimmt, das habe ich auch nie gesagt.“ Und nochmal siehe oben.


Zu meiner Aussage: „Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen..." Die war so gemeint: HĂ€tte man eine Graffunder-Planung eigenmĂ€chtig so stark verĂ€ndert, wĂ€re der Architekt vermutlich ziemlich sauer gewesen. Das konnte man sich nur leisten, wenn die Planung eben NICHT von ihm war.

„Es werden drei Architekten genannt, aber NIRGENDWO steht, dass alle drei tatsĂ€chlich noch an DEM Haus arbeiteten, welches letztendlich gebaut wurde.“
Schöne und Böhl arbeiteten an der Vorprojektierung, Steinhagen an der Projektierung. Letzteren bezeichnest du seit ein paar Tagen selbst als einen der VĂ€ter des Hauses (nicht „des Gesamtprojekts“). Ist dir „Projekt“ zu wenig eindeutig dafĂŒr, dass jemand sich tatsĂ€chlich mit dem schlussendlich realisierten Haus befasst hat? Na bitte, es steht in den beiden BĂŒrger-Veröffentlichungen, dass das PROJEKT unter Konsultation von Graffunder erarbeitet wurde – nicht das HAUS (oder das OBJEKT). Wenn die drei Anderen nicht zĂ€hlen, zĂ€hlt Graffunder unter den gleichen Kriterien auch nicht. Und ich verstehe unter einem Projekt etwas, das durchaus unterschiedliche Entwicklungsschritte umfassen kann – einschließlich der Möglichkeit, dass Dinge völlig verworfen werden und Personen aus dem Prozess ausscheiden. Auch ein Heinz Graffunder.


„In beiden Schriften von BĂŒrger steht "Herr Graffunder vom VEB-Berlin-Projekt", fĂŒr mich ein Fakt.“
Da muss ich dir Recht geben, das nehme ich als Eigentor auf meine Kappe.


„Mit Jost und BĂŒhring fallen mir sofort und ohne weiteres Nachschlagen zwei Spezialisten ein, Graffunder als dritter auch.“
Die sind schon als Zooarchitekturspezialisten von der Uni gekommen? Ich schĂ€tze eher, dass auch die als zoomĂ€ĂŸig unbeleckte Neulinge ihren ersten Zoobau entworfen haben – irgendwann ist immer das erste Mal. Lasse mich aber gern vom Gegenteil ĂŒberzeugen.


Abschließend zur Nashornfrage: Ich recherchiere noch…
(07.10.2011, 00:41)
Oliver Jahn:   @Michael, die Deutung zu Böhl und Schöne habe ich ausfĂŒhrlich geschrieben.

"Und warum hĂ€tte Steinhagen in einer Architekturfachzeitschrift (! nicht etwa "nur" in einer ZoobroschĂŒre) einen Artikel ĂŒber ein GebĂ€ude veröffentlichen sollen (auf den BĂŒrger dann sogar noch hinwies), wenn er nicht entscheidend daran beteiligt gewesen wĂ€re?"
Auch hier lies bitte meine BeitrĂ€ge noch mal. Ich habe Steinhagens entscheidenden Anteil nie bestritten, im Gegenteil. Ich schrieb mehrfach, dass ich glaube, dass Steinhagen und BĂŒrger das Haus entwarfen, und dann durch Konsultation Graffunders ihm der letzte Schliff gegeben wurde. Muss ich mich hier selbst zitieren?

"WĂ€re das nicht ein Affront gegenĂŒber Graffunder gewesen, falls diesem die Ehre der Urheberschaft gebĂŒhrte?"
Wer hat hier gesagt, dass Graffunder der Urheber des Baus ist? Ich nicht.

"...schlussfolgerst du, dass dieses Haus "seins" war"
Siehst du, und das meine ich mit belletristisch und keineswegs an Fakten orientiert. Denn genau das habe ich nie gesagt, in keinem einzigen Beitrag, und auch kein anderer hier, und auch die Quellen sagen das nicht.
Aber am 01.10. schrieb ich nicht zum ersten, und auch nicht zum letzten Mal meine Meinung dazu:
"Ich lese den Text von BĂŒrger so, dass es genau umgekehrt war, als von dir vermutet, nĂ€mlich dass BĂŒrger mit Steinhagen das Haus entworfen hat, und da es fĂŒr Steinhagen vielleicht der erste Zoobau und definitiv in der DDR das erste DickhĂ€uterhaus war, hat man den Mann konsultiert, der zu dieser Zeit die meiste Ahnung mit solchen Bauten hatte, nĂ€mlich Graffunder, dem man den Plan vorlegte, und der ihm dann den Feinschliff gegeben hat."
Daraus schlussfolgerst du, dass ich schlussfolgere, dass dieses Haus "seins" war?

Nur mal zum Ausgangspunkt der Diskussion zurĂŒck.
Erst bekam das DickhĂ€uterhaus in Magdeburg fĂŒr dich immer mehr VĂ€ter, dann wurden einer wieder aus der Familie ausgeschlossen. Und von Beitrag zu Beitrag wurde der Anteil Graffunders an diesem Haus immer geringer.
Er entwarf erst in DEINEN BeitrĂ€gen fĂŒr Magdeburg einzelne HĂ€user.
Dann ist er beteiligt in diesem Beitrag von DIR:
"FĂŒr eine vierte Box war kein Platz, weil man dann ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus hĂ€tte bauen mĂŒssen, was die optische Wirkung innen wie außen deutlich geschmĂ€lert hĂ€tte. Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen..."
Dann war er es, von "dessen einstiger Kreation nur der Elefantentrakt umgesetzt wurde".
Immerhin hÀtte er damit eine HÀlfte des Hauses geplant welches heute noch steht und wer wollte ihm da die Mitvaterschaft streitig machen? Du hast sie ihm da auf jeden Fall noch gegeben, ich nicht.
Aber mittlerweile ist er fast ganz raus aus der Nummer.
Und das alles bei gleicher Faktenlage.
Ich habe meine Quellen alle benannt, und das, was sie mir sagen. Du liest daraus eben etwas anderes, als ich. FĂŒr mich lassen diese Fakten viele deiner Deutungen nicht zu, insbesondere, da du sie ja selber in vielen BeitrĂ€gen immer wieder verĂ€nderst. Welchem logischen Denken nach Faktenlage soll ich da folgen?
FĂŒr mich sagen die Quellen etwas anderes aus.
Was genau, das habe ich mehrfach beschrieben, und das unverÀndert.

"NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass das DHH von Graffunder entworfen und/oder bis zum Bauplan projektiert wurde."
Stimmt, das habe ich auch nie gesagt. Nur du einmal, bezgl. des Elefantentrakts.

"Im Gegensatz dazu ist es dokumentiert, dass drei verschiedene andere Architekten tatsĂ€chlich Projektierungsarbeiten fĂŒr das DHH durchgefĂŒhrt haben."
Stimmt nicht. Es werden drei Architekten genannt, aber NIRGENDWO steht, dass alle drei tatsÀchlich noch an DEM Haus arbeiteten, welches letztendlich gebaut wurde.

"NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass das (bzw. ein) DHH erst 1960 im Perspektivplan auftauchte."
Stimmt auch, und wurde ebenfalls nie in Abrede gestellt. Aber auf dem 60er Plan ist es drauf, verschachtelte Einzelbauten hingegen finde ich NIRGENDWO.

"NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass 1961 der Perspektivplan im JB fĂŒr 1960 in exakt jener Form veröffentlicht wurde, in der er im Jahr zuvor erstellt worden war."
Stimmt auch. Aber alles, was du dann zu diesem Punkt schreibst, ist wiederum eine Vermutung, die ebenfalls NIRGENDWO steht.

"NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass die Konsultation Graffunders, die BĂŒrger spĂ€ter zweimal erwĂ€hnte, mehr als die Arbeit von 1960 umfasste."
Stimmt auch. Aber dass BĂŒrger ihn im Bezug auf DAS DHH nennt, und nicht im Bezug auf den Plan, das werte ich eben anders. Denn nach der Faktenlage steht eben auch NIRGENDWO, dass die Konsultation im Bezug auf den 60er Plan erfolgte.

"Aber Steinhagen gehörte zum VEB Hochbauprojekt, Nebenstelle Halberstadt, und dieser findet dreimal ErwĂ€hnung: Im JB 1964 und in beiden BĂŒrger-Veröffentlichungen. Dagegen taucht Graffunders VEB Berlin-Projekt (oder einer der VorgĂ€ngerbetriebe davon, die es laut Wikipedia gab) NIRGENDWO auf. Aber stand nicht in der DDR das Kollektiv sogar noch ĂŒber dem Einzelnen…?"
Das ist ja nun völlig falsch. Schau einfach in die von dir selber zusammengestellten Quellen. In beiden Schriften von BĂŒrger steht "Herr Graffunder vom VEB-Berlin-Projekt", fĂŒr mich ein Fakt.

"Nun, bis in die jĂŒngere Zeit hinein dĂŒrften wohl in den meisten Zoos Bauten entstanden sein, die nicht von spezialisierten Zoo-Architekten entworfen wurden"
Fakt oder Vermutung? Mit Jost und BĂŒhring fallen mir sofort und ohne weiteres Nachschlagen zwei Spezialisten ein, Graffunder als dritter auch. Dass man aber fĂŒr einen, wie du ihn nanntest, epochalen Bau, einen Frischling allein dran setzt, das halte ich fĂŒr unwahrscheinlich. Aber das ist eben meine Vermutung.

Zur Nashornfrage ist es ebenfalls so, dass ich mich an Fakten orientiert habe, die ich in den Quellen finde, und weder "zu teuer", noch "zu risikoreich" finde ich ĂŒberzeugend. Warum, das habe ich ebenfalls sehr ausfĂŒhrlich begrĂŒndet. Auf die Vermutung des "zu teuer" bist du nicht mehr eingegangen. "Zu risikoreich", auch hier finde ich keine Quelle, die das wahrscheinlicher macht. Schließlich hatte man fĂŒr alle FĂ€lle die Schleuse, welche ĂŒber Jahre hinweg genutzt wurde, und das auch in strengen Wintern, in denen die Nashörner ĂŒber Wochen hinweg gar nicht auf der Außenanlage waren. Und das ist keine Vermutung, sondern ein selbst gesehener Fakt.

Auch ich habe also mit logischem Denken versucht, mich nur an der Faktenlage zu orientieren.
Und trotzdem komme ich eben zu einem ganz anderen Ergebnis dabei.
Bei anderer Faktenlage denke ich aber gern um. Und es fÀllt mir auch nicht schwer, denn ich habe ja jetzt auch nur versucht, mich an die Faktenlage zu halten.
Das tue ich dann, wenn neue Fakten auftreten auch. Versprochen!
(06.10.2011, 21:40)
Carsten Horn:   Die ZĂŒricher Innenhaltung fand ich auch erschreckend, hab ich zwar auch nur ohne Hippos gesehen, aber der dortige Bulle scheint ja ein vorbildlicher Vater gewesen zu sein bei den Aufzuchterfolgen... Wahrscheinlich konnten die drei Hippos ihr GlĂŒck nach der Übersiedlung nach Sofia gar nicht fassen, denn das dortige Gehege ist deutlich grĂ¶ĂŸer, g...

Die Nashörner nur ĂŒbers Flußpferdbecken zu sehen in Magdeburg, wĂ€re vermutlich nicht das Problem gewesen, hĂ€tte ja nur den Unterschied gemacht, das der Besucher ein paar Meter weiter weg steht, aber der beschrĂ€nkte Besucherraum fĂ€llt natĂŒrlich ins Gewicht, soviel konnte und wollte man den Tieren dann doch nicht zugestehen... Wobei man den Besucherbereich sicher relativ einfach noch ein bißchen weiter auf den Vorplatz rausziehen gekonnt hĂ€tte, dann wĂ€ren die Quadratmeter wieder gestiegen, hĂ€tte natĂŒrlich einen grĂ¶ĂŸeren Baukörper ergeben, vielleicht deshalb schwieriger...

Die kleine Lösung mit wenig vorgezogenem Becken hÀtte man aber zumindest umsetzen können ohne viel Aufwand oder Besucherraumverlust...

Apropos Schwimmbadplaner, in Amsterdam war wohl ein solcher am Werk, jedenfalls hab ich da mal die Pfleger in Tanjas Innenbecken schwimmen sehen, g...


(06.10.2011, 21:13)
Michael Mettler:   @Oliver, deinen Beitrag zur Beckentrennung habe ich jetzt erst gesehen: Keine Ahnung! Ich frage mich aus Ă€hnlichem Grund, warum man den einzigen Nashornstall nicht einfach mit einem Trenngitter quer teilte (von Besucherseite aus also zwei Abteile hintereinander), denn jedes dieser Abteile wĂ€re kaum kleiner gewesen als der Absperrgang hinter den Stallboxen und die rĂŒckwĂ€rtige Isolierbox.
(06.10.2011, 15:34)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich vermisse noch immer eine Deutung deinerseits, was denn die Herren Schöne, Böhl und Steinhagen bei ihren nachweislichen (Jahresberichte!) Projektierungsarbeiten jahrelang gemacht haben könnten, wenn eigentlich Graffunder der große Planer gewesen sein soll. WofĂŒr bekamen die beiden Erstgenannten die lobende Anerkennung fĂŒr grĂŒndliche Ausarbeitung? Hatten die eine besonders kreative Idee fĂŒr die Verteilung der Steckdosen entwickelt? Und warum hĂ€tte Steinhagen in einer Architekturfachzeitschrift (! nicht etwa „nur“ in einer ZoobroschĂŒre) einen Artikel ĂŒber ein GebĂ€ude veröffentlichen sollen (auf den BĂŒrger dann sogar noch hinwies), wenn er nicht entscheidend daran beteiligt gewesen wĂ€re? WĂ€re das nicht ein Affront gegenĂŒber Graffunder gewesen, falls diesem die Ehre der Urheberschaft gebĂŒhrte? Warum nennt BĂŒrger unter seinem Schrifttum keine Quelle von Heinz Graffunder?

Das, was du „belletristisch“ nennst, besteht zu einem Teil aus schlichtem logischem Denken und ZusammenfĂŒgen von dokumentierten Fakten. Und ja, ein Teil ist Fantasie, denn ohne solche ist eine Rekonstruktion bei lĂŒckenhafter Informationslage unmöglich. Rein nach vorzeigbaren Fakten kann es z.B. einen Tyrannosaurus rex nie gegeben haben, denn wir kennen nur ein paar mineralisierte Knochen, aber keine versteinerten Sinnes-, Verdauungs- und Geschlechtsorgane. Rein nach Faktenlage muss man das so interpretieren, dass sich dieses Tier nicht orientieren, ernĂ€hren und fortpflanzen konnte. Na gut, dann hĂ€tten wir wenigstens endlich eine plausible ErklĂ€rung dafĂŒr, warum es ausgestorben ist…

Vergiss nicht, dass auch deine Sichtweise nicht mehr als eine Theorie ist, deren Beweislage zudem mehr als dĂŒrftig ist. Daraus, dass Graffunder (und das nicht mal allein) einen fiktiven Lageplan des Zoos erarbeitet hat, in dem ein DickhĂ€uterhaus zu sehen ist, schlussfolgerst du, dass dieses Haus „seins“ war. Aber:

NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass das DHH von Graffunder entworfen und/oder bis zum Bauplan projektiert wurde. Dokumentiert ist lediglich, dass er an der Anfertigung eines „Gesamtlageplans aller ĂŒberhaupt einmal vorgesehenen Tieranlagen“ beteiligt war – was nicht mal heißen muss, dass er ihn selbst gezeichnet hat. Im Gegensatz dazu ist es dokumentiert, dass drei verschiedene andere Architekten tatsĂ€chlich Projektierungsarbeiten fĂŒr das DHH durchgefĂŒhrt haben.

NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass das (bzw. ein) DHH erst 1960 im Perspektivplan auftauchte. Es kann bereits im vorangegangenen Perspektivplan von 1957 (und auch an genau jener Stelle) vorgesehen gewesen sein, von dem keine Beteiligung Graffunders nachzulesen ist. Warum auch hĂ€tte man einen erst drei Jahre alten Plan komplett umkrempeln sollen? Der neue wurde doch nur erstellt, weil sich die Norderweiterung zerschlagen hatte. Man musste also Projekte von der Nord- in die SĂŒderweiterung umschaufeln, konnte aber solche an Ort und Stelle belassen, die ohnehin fĂŒr das AltgelĂ€nde vorgesehen waren.

NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass 1961 der Perspektivplan im JB fĂŒr 1960 in exakt jener Form veröffentlicht wurde, in der er im Jahr zuvor erstellt worden war. Zeichnungen (wie der Hausumriss) und Legenden lassen sich problemlos verĂ€ndern, Zeit dafĂŒr gab es genug, und zwischendrin gab es einen Direktionswechsel sowie die laut JB 1961 „sehr ausfĂŒhrlichen“ Vorprojektierungsarbeiten durch Schöne und Böhl. Die RĂŒckseiten des Perspektivplans im JB 1960 sind unbedruckt. Auch wenn der Text des JB nachweislich noch von Witstruk stammte, ist es theoretisch durchaus möglich, dass erst BĂŒrger den Plan beiheften ließ – vielleicht mit Änderungen nach seinen Vorstellungen. BĂŒrger trat am 1. MĂ€rz seinen Dienst an, im April legten Schöne und Böhl dem Beirat die Ergebnisse ihrer Arbeit vor. Wir wissen nicht, zu welchem Zeitpunkt der JB 1960 veröffentlicht wurde, aber das kann durchaus DANACH gewesen sein (auch heute erscheinen die schnellsten Zoo-JB selten vor dem spĂ€ten FrĂŒhjahr), so dass der Plan bereits ein „DHH nach Schöne & Böhl“ statt der Ur-Version enthalten könnte. Ich weiß, das enthĂ€lt wieder einige „Vielleichts“, aber auch das Gegenteil ist nicht belegt!

NIRGENDWO in den uns vorliegenden Quellen steht geschrieben, dass die Konsultation Graffunders, die BĂŒrger spĂ€ter zweimal erwĂ€hnte, mehr als die Arbeit von 1960 umfasste. Er schreibt gleich zweimal, wenn auch mit unterschiedlicher Reihenfolge, dass das Projekt vom VEB Hochbauprojektierung Magdeburg in Zusammenarbeit mit der Zoodirektion erarbeitet wurde, Graffunder wurde nur konsultiert (= um Rat gefragt). Schon, wenn man ihn nur angerufen und nach notwendigen Grabenbreiten, Beckentiefen usw. gefragt hĂ€tte, wĂ€re das eine „Konsultation“ gewesen, aber die wĂŒrde doch nicht gleich zur Urheberschaft am Haus fĂŒhren. Auch die Chroniken enthalten keinen einzigen Hinweis darauf, dass Graffunder mehr als den 1960er Gesamtlageplan erschaffen hat.

Wenn aber all das Genannte NIRGENDWO geschrieben steht, warum sollte ich es dann als gegeben ansehen, wenn ich mich nur nach den dokumentierten Fakten richten soll?

Dass ich die Nennung Graffunders in Zusammenhang mit dem Perspektivplan stĂ€rker gewichte als in BĂŒrgers Veröffentlichungen, liegt schlichtweg daran, dass sie im ersten Fall einen Zeitpunkt und ein konkretes Ergebnis benennen und im zweiten Fall nicht. Mit „glaubwĂŒrdiger“ hat das nichts zu tun. Ich glaube es BĂŒrger, dass Graffunder beteiligt war. Aber da er sich nicht Ă€ußert, in welcher Form und wann, muss ich eben davon ausgehen, dass er auch 1960 gemeint haben und die Formulierung „Zoodirektion“ seinen VorgĂ€nger Witstruk durchaus einschließen kann.

Du schreibst: „Graffunder als AushĂ€ngeschild in einer BroschĂŒre, die fĂŒr Besucher gedacht ist? Welcher Magdeburger Zoobesucher konnte 1967 etwas mit Graffunder anfangen?“ Gegenfrage: Welcher Zoobesucher kann – wann auch immer – mit Grabenprofilen und „Fußbremsen“ etwas anfangen? M.E. war die BroschĂŒre eher ein Referenzobjekt des Zoos, das AUCH im Zoo verkauft wurde, aber nicht in erster Linie fĂŒr Zoobesucher verfasst worden war. Mitherausgeber (im Gegensatz zu den ZoofĂŒhrern) war der Rat der Stadt, also dĂŒrften Zoo und Stadt diese BroschĂŒre vor allem als Beleg ihrer LeistungsfĂ€higkeit auf entsprechender Ebene „branchenintern“ einsetzt haben, so wie das auch noch heute hie und da mit entsprechenden Druckwerken gemacht wird.

Ich zitiere weiter: „Und mit der gleichen Sichtweise muss ich dann natĂŒrlich auch die Frage stellen, warum man an Steinhagen als Architekten glauben sollte? Im Gegensatz zu Graffunder wird er nur einmal namentlich erwĂ€hnt.“ Als Einzelperson stimmt das. Aber Steinhagen gehörte zum VEB Hochbauprojekt, Nebenstelle Halberstadt, und dieser findet dreimal ErwĂ€hnung: Im JB 1964 und in beiden BĂŒrger-Veröffentlichungen. Dagegen taucht Graffunders VEB Berlin-Projekt (oder einer der VorgĂ€ngerbetriebe davon, die es laut Wikipedia gab) NIRGENDWO auf. Aber stand nicht in der DDR das Kollektiv sogar noch ĂŒber dem Einzelnen…?

Ich habe nichts davon geschrieben, dass BĂŒrger mit seiner ErwĂ€hnung Graffunders in der SonderbroschĂŒre „das Ministerium umstimmen“, sondern dass er vielleicht den Architekten, welcher fĂŒr die Zooszene anscheinend seit 1966/67 verloren war, „kitzeln“ d.h. zu einer Art RĂŒckkehr in die Branche animieren wollte. Die Sache mit dem Ministerium war ĂŒbrigens lĂ€ngst vorher durch einen gemeinsamen Brief aller DDR-Zoos in die Wege geleitet worden (siehe Halle-Chronik), demnach hatte es da durchaus Möglichkeiten gegeben – wenn auch nicht auf Dauer. Dass du die Ministerien der DDR ganz anders kennengelernt hast, will ich dir gern glauben, aber wohl kaum im Jahre 1967.

Weiter unten hast du bezĂŒglich meiner Vermutungen zu Steinhagen geschrieben: „Anschließend dann lĂ€sst man ein Haus detaillierter entwerfen, von einem völlig unbekannten Architekten, der weder davor, noch danach ein Tierhaus entworfen hat, sondern der sich mit dem StĂ€dtebau in Halberstadt beschĂ€ftigte. Dieser Mensch zieht dann allein das erste DickhĂ€uterhaus der DDR durch.“ Nun, bis in die jĂŒngere Zeit hinein dĂŒrften wohl in den meisten Zoos Bauten entstanden sein, die nicht von spezialisierten Zoo-Architekten entworfen wurden (und selbst die haben irgendwann mal als unbekannte, „normale“ Architekten angefangen), warum sollte das ausgerechnet in Magdeburg anders gewesen sein? Und was genau war denn die besondere architektonische Leistung am DHH, die nur ein AusnahmekĂŒnstler hĂ€tte schaffen können?

Liz schrieb einmal hier im Forum sinngemĂ€ĂŸ, das DHH erinnere sie optisch an eine Schulturnhalle. Wie eine solche ist es tatsĂ€chlich kubisch, luftig, hell und als leicht zu reinigen konzipiert und benötigt eine gute Heizung und BelĂŒftung. Ähnliches gilt fĂŒr ein Schwimmbad, dort braucht man noch leistungsfĂ€hige Wassertechnik. Schmeißt man die Voraussetzungen fĂŒr eine Turnhalle und ein Schwimmbad zusammen, kommt also schon ein ganz passables Grundkonzept fĂŒr ein DickhĂ€uterhaus der Nachkriegszeit heraus, nur dass im Wasserbecken eben Flusspferde statt Menschen planschen und statt Halterungen fĂŒr Kletterseile welche fĂŒr Elefanten-Fußketten einbetoniert werden mĂŒssen. Wer also in der Lage ist, eine Turnhalle und ein Schwimmbad zu planen, der konnte in den 60er Jahren auch ein Zootierhaus planen – warum sprechen wir denn von der Ära der „Badezimmerarchitektur“? TierhĂ€user hatten damals – im Kontrast zu den Bauten der Vorkriegszeit – hell, luftig, hygienisch und dem Zeitgeist entsprechend „modern wirkend“ zu sein: Das galt aber zur gleichen Zeit auch fĂŒr die Neubauten von Schulen und anderen öffentlichen GebĂ€uden, Fabriken usw., warum sollte man nicht auf deren Basis ZootierhĂ€user bauen? In anderen DDR-Zoos hat man Bauelemente von HO-Kaufhallen zu einem Menschenaffenhaus verarbeitet oder wollte aus einer Schwimmhalle „Typ Anklam“ ein Delphinarium machen… Alles, was Steinhagen brauchte, waren ergĂ€nzend ein paar tierspezifische Angaben: GitterstĂ€rken, Grabenbreiten, Mindestmaße fĂŒr StĂ€lle usw., denn um verhaltensgerechte Bauweisen machte man sich damals in der Zoowelt ohnehin kaum einen Kopf. Da konnte vielleicht Graffunder mit ein paar Tipps aushelfen (Konsultation!), Steinhagen konnte sich die BauplĂ€ne anderer HĂ€user erbitten und sich andere Anlagen (z.B. Leipzig) selbst ansehen. Man schickte zudem BĂŒrger nach Westberlin, um Einblick in dortige BauplĂ€ne zu nehmen. Ob Steinhagen mit von der Partie war, wissen wir nicht; da er kein Zoomitarbeiter war, mĂŒsste ihn die Chronik in diesem Zusammenhang nicht zwingend erwĂ€hnen. Aber vielleicht durfte er auch schlichtweg im Gegensatz zu BĂŒrger und Schwichtenberg nicht reisen.

Abschließend zur Nashornfrage: Der Vergleich mit den Elefanten und Schimpansen hinkt. Beide Tierarten wurden (wie vielerorts) als Jungtiere angeschafft und fĂŒr den engen Kontakt mit Pflegern trainiert, so dass man relativ leicht Einfluss auf sie nehmen und sie einfacher selbst unter provisorischen Bedingungen unterbringen konnte. Die Gefahr eines Grabensturzes z.B. gab es fĂŒr beide nicht – im Gegensatz zu den Nashörnern, denn auch eine provisorische Rohrbarriere vor dem Stall ist eher eine symbolische Grenze als ein wirkliches Hindernis, falls z.B. bei Streit unter zwei Nashörnern die volle Körperkraft eingesetzt wird.
(06.10.2011, 15:28)
Oliver Jahn:   @Carsten, deine erste Variante hat wirklich was und wĂ€re sicher deutlich praktischer gewesen. Bei der zweiten Variante hingegen hĂ€tte man die Nashörner innen immer nur im Stall hinter dem Flusspferdbecken gesehen und der Platz fĂŒr die Besucher wĂ€re halbiert, etwas nicht ganz unproblematisch, wenn ein Zoo nur ein einziges Warmhaus hat, mit dem er Besucher auch in der kalten Jahreszeit in den Zoo locken will. Und damals baute man ja aber in Zoos noch in erster Linie TierhĂ€user, um dem Besucher Tiere zu zeigen. Von daher halte ich diese Variante fĂŒr nicht so glĂŒcklich fĂŒr den Besucher, fĂŒr die Tiere wĂ€re sie es auf jeden Fall gewesen.
(06.10.2011, 15:12)
Oliver Jahn:   @Michael, was ich nicht verstehe, warum man die Trennung des Beckens, wie von dir vorgeschlagen, nicht trotzdem vorgenommen hat, auch ohne den Zuschlag vom Elefantenbad. Der Effekt wĂ€re der gleiche, man hĂ€tte die Tiere getrennt und nacheinander zu Wasser lassen können. Ich kenne einige deutlich kleinere Becken, die man in Zeiten mit Nachwuchs provisorisch getrennt hat. Einige davon auch nur mit einem Zugang, wir in Halle. Auch Leipzig hat provisorisch getrennt und in Budapest sind die FĂŒhrungsschienen fĂŒr ein temporĂ€res Trenngitter bis heute da. Die Ausbleibenden Zucht- und Aufzuchterfolge in Magedburg hĂ€tten doch frĂŒher oder spĂ€ter mal diese Idee in den Vordergrund rĂŒcken mĂŒssen.
(06.10.2011, 14:16)
Michael Mettler:   @Carsten: Der Hinweis auf das gemeinsam fĂŒr Flusspferd und Elefant nutzbare Badebecken könnte bedeuten, dass dieses Becken in der Erstplanung so groß war wie beide spĂ€ter gebauten Becken zusammen und eine Hippo-Trennmöglichkeit beinhaltete. Dann hĂ€tte man zwei Tiere auch mit nur einem Beckenzugang getrennt (nacheinander) zu Wasser und an Land lassen können, wenn auch nur durch das jeweils andere Abteil hindurch. Aber solche Durchgangslösungen gab und gibt es schließlich auch bei anderen Zootieren. Zu Gunsten eines eigenen Elefantenbades könnte dann schlichtweg die Trennmöglichkeit gekippt worden sein - nach dem Motto "Wird schon schiefgehen", was ja offenbar auch bei der Planung fĂŒr zwei Nashörner mit nur einem Stall verfolgt wurde.

Was die gefahrlose Arbeit betrifft: Denkst du da nicht zu sehr nach heutigen MaßstĂ€ben? Wenn ich mir die Bilder aus den 60er Jahren so ansehe, scheint es (und das nicht nur zu dieser Zeit) durchaus ĂŒblich gewesen zu sein, dass die Pfleger zu Hippos und Rhinos hineingingen. Nicht umsonst enthĂ€lt das Magdeburger Haus die Notfall-FluchtlĂŒcken in den StallrĂŒckwĂ€nden links und rechts außen und ein Hippo-Trenngitter, durch das ein Mensch hindurchpasst.

Übrigens haben selbst versierte Zoologen schon HĂ€user "abgeliefert", ĂŒber die man nach heutigen MaßstĂ€ben nur den Kopf schĂŒtteln kann. Als ich das berĂŒhmte Hedigersche Afrikahaus in ZĂŒrich, von dem ich bis dato nur Fotos kannte, erstmals in natura von innen sah, war ich erschrocken ĂŒber die geringen Abmessungen - und zu diesem Zeitpunkt lebten die beiden grĂ¶ĂŸten Arten, Breitmaulnashorn und Flusspferd, nicht mal mehr darin. Und erst lange danach erfuhr ich via Grundriss, dass es fĂŒr die Flusspferde nicht mal Absperrboxen gab!
(06.10.2011, 11:45)
Carsten Horn:   Mit ein bissel mehr Grips hĂ€tte man sogar die große Lösung verwirklichen können, welche vier StĂ€lle ermöglicht hĂ€tte.

Das ehemalige Badebecken als Stall nutzen, das Badebecken davor, so hĂ€tte man zwei Hippo- und zwei NashornstĂ€lle gehabt und das Badebecken wĂ€re sogar grĂ¶ĂŸer gewesen als das tatsĂ€chlich gebaute.Die Elefantenbadewanne hĂ€tte man wahrscheinlich auch noch vergrĂ¶ĂŸern können. Und bei cleverer Planung der Zwischenschieber hĂ€tte man unter Einbeziehung des Badebeckens sogar vier einzeln aufgestallte Tiere (2 Hippos, 2 Nashörner) so umschiebern können, das der Pfleger gefahrlos in einem leeren Stall arbeiten könnte...

(06.10.2011, 08:59)
Carsten Horn:   Zu Halle kann ich nicht viel sagen, da hab ich es leider nie hingeschafft und kenne die Haltung nur von Bildern... Aber vielleicht konnte man aus einem bestehenden Haus, welches bereits um die Jahrhundertwende gebaut wurde, einfach nicht mehr herausholen, auch wenn die Umbauplanung von einem Zoologen stammte (der natĂŒrlich auch mal einen schwarzen Tag haben kann), :-)

Ich wĂŒrde auch eher einen Vergleich zu Stuttgart ziehen, wo das Haus etwa gleichaltrig ist, zwei StĂ€lle und ein Badebecken im Haus und selbstverstĂ€ndlich gibt es von jedem Stall einen Zugang zum Badebecken... Oder Gelsenkirchen, da war das Haus sogar gute 15 Jahre Ă€lter als in Magdeburg.

Graffunder "rausschmeißen" will ja Michael, nicht ich, g, welcher Architekt das nun verbrochen hat, ĂŒberlasse ich Euch, aber irgendeiner wird da schon beteiligt gewesen sein ...

Jedenfalls hÀtte man mit einfachen Mitteln die Haltung deutlich verbessern können und hier erwarte ich eigentlich, das ein beteiligter Zoologe das durchsetzt. Ich hab das einfach mal in den Plan gezeichnet, hÀtte man das Becken einfach etwas vorgezogen, wÀren zwei ZugÀnge möglich gewesen (und ein bissel mehr Schwimmraum hÀtten die Hippos auch noch bekommen)...
(06.10.2011, 08:50)
Oliver Jahn:   @Carsten, jetzt wirds richtig spannend.
Graffunder...raus!
BĂŒrger...raus!
Möglicherweise wurde das Haus gar nicht entworfen, sondern man lies die Baufirma einfach machen, wozu sie Lust hatte! :-)
Aber im Vergleich dazu schau dir mal die Flusspferdhaltung in Halle an. Die hat ein Zoologe umgeplant. Und das erst Anfang der 70er. Und sie hatte Bestand bis 1997.
(05.10.2011, 23:47)
Oliver Jahn:   @Michael, genau das ist es ja, was ich meine. Mir fehlt vielleicht bei der Faktenlage, die ich habe, deine Fantasie, um daraus solche Geschichten zu entwerfen.
Ich gebe ja gern zu, dass sie spannend klingen, nur kann ich auch da nur wiederholen, das ist mir ein wenig zu belletristisch und es sind mir viel zu viele "es könnte vielleicht und möglicherweise" sein.
Ich gehe noch immer davon aus, wir haben die gleichen Quellen.
BĂŒrger benennt in seinen beiden Schriften weder Witstruk, noch Schöne, noch Böhl.
Möglicherweise haben die drei mit dem Haus, ĂŒber das wir reden, schon gar nichts mehr zu tun, weil das was sie planten, nie umgesetzt wurde.
In den Quellen zum DickhÀuterhaus, so wie es gebaut wurde, finde ich sie nicht.
Verschachtelte Einzelbauten, die man dann drehte und zusammenfĂŒgte, finde ich nirgendwo.
Aber den Fakt, EIN Haus fĂŒr drei Arten auf einem Plan von 1960.
Dass man vor 1960 oder auch zwischenzeitlich danach abweichend vom Perspektivplan und aus was fĂŒr GrĂŒnden auch immer nur ein Elefantenhaus plante (aus wie vielen Großprojekten wie vieler Zoos wurden spĂ€ter nur Miniaturversionen?), aus dem dann vielleicht spĂ€ter unter BĂŒrger erst (wieder) ein richtiges DickhĂ€uterhaus wurde, das kann durchaus sein, spielt aber aus meiner Sicht keine Rolle, oder vielleicht doch? Weil genau aus diesem Grund eben Schöne, Böhl und Witstruk mit DEM DickhĂ€uterhaus, ĂŒber das wir reden, (und nur das meine ich)gar nichts mehr zu tun hatten?
Aber Graffunder wird bezĂŒglich des Hauses benannt, welches gebaut wurde, von BĂŒrger, das ist ein Fakt, den ich sehe.
Die GrĂŒnde, die du dafĂŒr als möglicherweise angibst, sind nicht ausgeschlossen. Allein aus den Quellen aber finde ich nichts, was dafĂŒr spricht. Aber aus meiner Sicht spricht einiges dagegen. Graffunder als AushĂ€ngeschild in einer BroschĂŒre, die fĂŒr Besucher gedacht ist? Welcher Magdeburger Zoobesucher konnte 1967 etwas mit Graffunder anfangen? Meine Eltern kannten ihn zu der Zeit noch nicht, und sie kauften das Heft als regelmĂ€ĂŸige ZoogĂ€nger.
Dann nutze ich das AushÀngeschild doch eher in einem Artikel, der an die Fachwelt gerichtet ist.
Aber genau da "degradiert" BĂŒrger ihn deiner Meinung nach hinter Steinhagen auf den dritten Platz. FĂŒr mich nicht unbedingt nachvollziehbar.
BĂŒrger will das Ministerium umstimmen mit der ErwĂ€hnung des Namens in einer BesucherbroschĂŒre? Tut mir leid, auch da habe ich die DDR und ihre Ministerien anders kennen gelernt.
Dann erinnerst du noch einmal daran, dass das, was konkret aus den Quellen als Graffunders Beteiligung hervorgeht, sich nur auf den Gesamtplan von 1960 bezieht. FĂŒr mich sind die beiden Schriften von BĂŒrger auch Quellen, und hier nennt dieser ihn keinesfalls im Bezug auf einen Gesamtplan, sondern als jemanden, der zu DIESEM DickhĂ€uterhaus konsultiert wurde.
Warum ist die Quelle, die ihn in Zusammenhang mit dem Gesamtplan bringt, fĂŒr dich glaubwĂŒrdiger, als die Schriften BĂŒrgers, die sich nicht mit dem Zoo, sondern dezidiert mit dem Haus beschĂ€ftigen, um das es hier geht?
Ich sehe da keinen Hinweis, und keinen einzigen Fakt, aus dem das hervorgehen wĂŒrde.
Und mit der gleichen Sichtweise muss ich dann natĂŒrlich auch die Frage stellen, warum man an Steinhagen als Architekten glauben sollte?
Im Gegensatz zu Graffunder wird er nur einmal namentlich erwÀhnt. Und das in der gleichen Schrift, in der auch Graffunder genannt wird. Ich habe in keinem Satz von dir gelesen, dass du Steinhagen anzweifelst.
Ich tue es auch nicht, weil es keinen einzigen Fakt gibt, der diesen Zweifel begrĂŒnden wĂŒrde. Dass zwei unterschiedliche Ersteller von PlĂ€nen fĂŒr dieses Haus in beiden Veröffentlichungen zu finden sind, das zeigt mir, dass zwei Leute, die in der Lage sind, solche PlĂ€ne zu erstellen, beteiligt waren, schließt aber Steinhagen genau so wenig aus, wie Graffunder.

Und dann kommt noch einmal das zweite Nashorn, welches vermutlich zu teuer war.
Ich versuche mich auch hier an Fakten zu halten. Einen Preis fĂŒr die Nashörner finde ich nicht. Du auch nicht. Ich lese aber, dass Spitzmaulnashörner (und in der 60 Jahre -Chronik steht nicht, dass dieses nur im Vergleich zu den anderen Nashornarten so sei) relativ gĂŒnstig waren in der Zeit. Das ist der Fakt, den ich habe.
Und auch hier spricht fĂŒr mich nichts dafĂŒr, diesen Fakt anzuzweifeln. Im Gegenteil, ich komme jetzt zum dritten Mal mit der Gesamtsumme. Was macht ein Nashorn, welches unter 20.000 Mark kostet, im VerhĂ€ltnis zu einer Gesamtsummer von 1,5 Millionen aus? Das sind unter 1,3 %.
Vor dem Bau werden durch großzĂŒgige Spenden zwei Elefanten gekauft.
Der Bau selber wird ĂŒber Lotterie und Spenden finanziert.
Nach dem Bau, da will man einen Afrikanischen Elefanten. Der kostet 20.000 Mark. Also findet ein großer Spendenaufruf statt. "Zahlreiche Magdeburger BĂŒrger und Betriebe hatten durch ihre Spenden den Erwerb der kleinen Elefantenkuh erst möglich gemacht".
Nach dem Tod der beiden Inderinnen sammelt man 1972 wieder Spenden, damit Arusha nicht allein steht und bekommt rund 83.500 Mark zusammen, fĂŒr neue Elefanten.
So finde ich es in den Quellen.
1970 aber, da kommt das zweite Nashorn in den Zoo. Es wird gekauft. Punkt.
Ganz ohne große Spendenaktion? Ganz ohne Lotterie? Ganz ohne Betriebsschenkungen? Obwohl es doch so teuer ist?
Vielleicht wird Kenia einfach gekauft, weil ihre Kaufsumme bereits bezahlt ist, oder zumindest bereits in der zur VerfĂŒgung gestellten Summe fĂŒr das DickhĂ€uterhaus enthalten ist. Das ist meine Vermutung.
Das, was ich aber aus den Quellen lese, das sagt nur: Spitzmaulnashörner sind relativ gĂŒnstig und man hat Kenia, ohne mit einem Wort hier Spender zu bennen, einfach gekauft.
Und selbst fĂŒr die RisikogrĂŒnde, welche du mit der fehlenden Außenanlage und dem einzelnen Stall begrĂŒndest, sehe ich keinerlei Hinweise in den Quellen. Sondern auch hier finde ich eher das Gegenteil deiner Vermutung.
"Wie weit aber der Weg beim Aufbau eines Zoos ist, zeigten die 60er Jahre. In dieser Zeit konnte man Tiere noch kaufen, und sich anschließend erst Gedanken ĂŒber ihre angemessene Unterkunft machen."
Exemplarisch werden dann die ersten Elefanten im Wirtschaftshof und die Schimpansenhaltung genannt. Beide Haltungen sind fĂŒr heutige VerhĂ€ltnisse undenkbar und extrem risikoreich. Trotzdem gab es sie. Und die Elefanten dĂŒrften Ă€hnlich wertvoll gewesen sein. Dass man dann bei einem nagelneuen und hochmodernen Haus, dem ersten dieser Art in der DDR, bei dem man fĂ€lschlicherweise eh davon ausging, man könne die Nashörner zusammen in einem Stall halten, plötzlich Bedenken bekommt, nur weil die Außenanlage noch nicht steht, aber in den nĂ€chsten Monaten folgen soll, das halte ich gerade bei den VerhĂ€ltnissen in Magdeburg unter diesen UmstĂ€nden ebenfalls fĂŒr nicht sehr wahrscheinlich.
Die Quellen aber sagen auch darĂŒber nichts aus.
Von daher bleibt es eben aus meiner Sicht so, dass ich aus den benannten GrĂŒnden deine Theorie wirklich spannend finde. In der Quellenlage hingegen finde ich persönlich sie nicht.

(05.10.2011, 23:33)
Carsten Horn:   Was fĂŒr mich gegen einen großen Anteil BĂŒrgers an der Planung spricht, ist die dilettantische Planung der Flußpferdinnengehege, das wirkt fĂŒr mich eher wie "Architektenschwachsinn", geplant ohne die LebensbedĂŒrfnisse der Tiere zu berĂŒcksichtigen...

Das beantwortet natĂŒrlich nicht die Frage, welcher Architekt da jetzt hauptsĂ€chlich was verbrochen hat, g...
(05.10.2011, 20:35)
Michael Mettler:   Nachtrag: Neben Graffunder, der ohnehin in Berlin ansĂ€ssig war, hatten wahrscheinlich auch Witstruk, Schöne und Böhl noch die Möglichkeit, sich die Heinroth-HĂ€user grĂŒndlich anzuschauen, da das große Hindernis in Form der Berliner Mauer erst 1961 ins Spiel kam.
(05.10.2011, 15:56)
Michael Mettler:   @Oliver, die letzte Frage zuerst: Weil es dem aufstrebenden Zoo einen Aha-Effekt in der Zoowelt verschaffte und Graffunder immerhin einst (1960) u.a. einen DickhĂ€uterkomplex in einen fiktiven Zooplan gezeichnet und ihm damit den Standort und einen Umriss zugewiesen hatte. Was bei dieser Konsultation noch besprochen wurde und sich nicht in Veröffentlichungen niederschlug, wissen wir natĂŒrlich nicht. De facto wĂ€re damit aber eine Beteiligung des begehrten Architekten, der zu dieser Zeit schon in punkto Zoos auf verschiedenen Hochzeiten tanzte und ja wahrscheinlich auch noch Anderes zu tun hatte, schon gegeben, und man dankte ihm nach Eröffnung des Hauses dafĂŒr (Warum auch nicht?). Ich wĂŒrde dabei sogar etwas KalkĂŒl nicht ausschließen: Graffunders PlanungsbĂŒro hatte 1963 die Zusammenarbeit mit sĂ€mtlichen Zoos aufgekĂŒndigt (Grund?) und diese mussten einen (Bitt-?)Brief an das Ministerium fĂŒr Kultur schreiben, damit Berlin-Projekt wenigstens noch bis 1966 fĂŒr sie weitermacht (Ob das BĂŒro sich ĂŒber diese Einflussnahme gefreut hat und entsprechend motiviert war, wĂ€re eine interessante Frage). Als die SonderbroschĂŒre erschien (1968), hatte Graffunder schon seine Stelle gewechselt (1967) und kĂŒmmerte sich laut Wikipedia nur noch um Wohnungsbau - ich fand im Graffunder-Thread des Forums keinen Zoobau mehr, der ab diesem Zeitpunkt irgendwo von ihm geplant wurde (bis zu seiner RĂŒckkehr in die Materie Anfang der 80er). WĂ€re ich damals an BĂŒrgers Stelle gewesen, hĂ€tte ich vielleicht ebenfalls die Herausgabe einer Sonderpublikation genutzt, den begehrten, aber gerade abgesprungenen Planer mit seiner ErwĂ€hnung noch mal "fĂŒr die Zooszene zu kitzeln". 1976, bei Erscheinen des ZG-Artikels, war diese Hoffnung vermutlich lĂ€ngst dahin, denn Graffunder hatte in den vorangegangen Jahren "Wichtigeres" als Zoobauten geplant, u.a. den Palast der Republik - da hĂ€tte BĂŒrger es sich ohne weiteres leisten können, die Gewichtung in seiner Aussage zu verĂ€ndern und nunmehr den tatsĂ€chlichen Bauplaner - nun sogar namentlich - in den Vordergrund zu stellen. Dass er den inzwischen preisgekrönten Architekten selbst fĂŒr einen vielleicht nur kleinen Anteil am Projekt trotzdem noch wĂŒrdigte - wer hĂ€tte das nicht getan? Was BĂŒrgers Kritik am GebĂ€ude betrifft, habe ich mich ja schon geĂ€ußert.

Nur zur Erinnerung: Das, was konkret als TĂ€tigkeit von Graffunder aus den Quellen ersichtlich ist, beschrĂ€nkt sich darauf, dass er 1960 einen GesamtLAGEplan (nicht BAUplan!) des Zoos zusammen mit Schöne aus Magdeburg erarbeitet hat. Es ist nirgends die Rede davon, dass er EntwĂŒrfe einzelner GebĂ€ude oder Anlagen gemacht hat, die ĂŒber diesen Lageplan hinausgehen, und mir sind bisher auch keine solchen EntwĂŒrfe zu Gesicht gekommen, weder fĂŒr das DHH noch fĂŒr irgendein anderes Projekt aus dem Perspektivplan. Bei den drei anderen Quellen, die seinen Namen nennen und beide erst (teilweise weit) nach Abschluss des Projektes erschienen sind, wird lediglich seine Konsultation ohne jegliche Angabe von Zeitpunkt und Umfang seiner TĂ€tigkeit bzw. (in der 50-Jahre-Chronik) wiederum nur der Perspektivplan erwĂ€hnt.

FALLS Graffunder mehr als das bislang Nachweisbare zum DHH beigetragen haben sollte, wozu waren dann eigentlich langwierige und ausfĂŒhrliche Projektierungsarbeiten nötig durch
1) das Projektierungskollektiv Schöne vom Stadtbauamt,
2) Herrn Böhl vom ProjektierungsbĂŒro beim Rat der Stadt,
3) Herrn Dipl.-Ing. Rudolf Steinhagen vom VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt
und vielleicht sogar noch weitere Stellen (denn nicht jede ErwÀhnung von Projektierungsarbeiten in den JB ist namentlich zugeordnet),
von denen die beiden Erstgenannten durch den Zoobeirat laut JB 1961 als "musterhaft" bewertet wurden und "ungeteilte Zustimmung und Anerkennung" fanden? Das klingt nicht nach Zuarbeit fĂŒr den Stararchitekten im fernen Berlin, sondern eher, als hĂ€tten die beiden ortsansĂ€ssigen BĂŒros sich viel MĂŒhe gegeben, um einen Weg zu finden, die konkrete Planung in (vermutlich kostengĂŒnstigerer) Magdeburger Eigenarbeit zu stemmen - wenn auch vielleicht aufbauend auf VorschlĂ€gen (!) Graffunders, das schließe ich gar nicht aus (siehe oben).

Oliver, es sind ĂŒbrigens nicht nur drei genannte Personen. BĂŒrger schreibt "Zoodirektion", und die bestand seit Erstellen des Perspektivplans aus zwei aufeinander folgenden Personen: Vergiss Witstruk nicht.

Deine Anmerkung zu BĂŒrgers Statik- und Steinhagens Biologiekenntnissen ist zwar launig, aber erstens war auch Graffunder m.W. kein Biologe (und die meisten seiner EntwĂŒrfe fĂŒr Zoos blieben unverwirklicht, vielleicht lag das nicht nur an der Bausituation), und zweitens schickte man irgendwann zwischen 1964 und 1966 einen Zoodirektor (!) und einen Zooinspektor (!) nach West(!)-Berlin, um sich BauplĂ€ne (!) zeigen zu lassen und Anregungen zu holen. WofĂŒr war das nötig, wenn doch DER Zooplaner der DDR schlechthin fĂŒr das Projekt verantwortlich gezeichnet haben soll - der ĂŒbrigens wie gesagt bis dahin nicht ein einziges bereits gebautes DickhĂ€uterhaus als Referenz vorweisen konnte und dem es unterlaufen sein soll, trotz ausreichend vorhandener FlĂ€che nur einen einzigen Nashornstall fĂŒr zwei Nashörner, dafĂŒr aber einen fast beispiellos großen Außen-Landteil ausgerechnet fĂŒr Flusspferde einzuplanen?

Die Quellenlage ermöglicht ohne Weiteres folgenden Ablauf:

Man holt sich 1960 den prominenten Zoo-Architekten Graffunder, weil man große Ziele hat. Dieser setzt sich mit dem Zoodirektor Witstruk und dem Stadtbauamt-Gartenarchitekten Schöne zusammen, erarbeitet, welche Tierarten erwĂŒnscht sind, wo das GelĂ€nde die dafĂŒr nötigen Anlagen zulĂ€sst und wie man diese professionell in einem schlĂŒssigen und wirkungsvollen Zusammenhang (Blickachsen o.Ă€.) prĂ€sentieren könnte. Das Ergebnis dieses Trios schlĂ€gt sich in einem fiktiven Zoolageplan wieder, mehr aber auch nicht - siehe 50-Jahre-Chronik: Der fertige (!) Perspektivplan lag erst ein paar Jahre spĂ€ter vor (und sah vermutlich schon wieder ganz anders aus). Das war vielleicht schon die ganze "Entwicklungshilfe Graffunder". Danach setzt sich Schöne, einer der drei "VĂ€ter" des Plans, mit dem ebenfalls stĂ€dtischen BĂŒro Böhl (ProjektierungsbĂŒro beim Rat der Stadt) zusammen und ĂŒberlegt, wie man die Idee eines DickhĂ€uterkomplexes mit den Magdeburger Möglichkeiten (auch finanzieller Art) in die Tat umsetzen könnte. Witstruk schafft derweil schon mal den ersten Jungelefanten an, um die Bevölkerung auf die großen PlĂ€ne aufmerksam zu machen und mit dessen Hilfe Spenden und freiwillige Arbeitsleistungen einwerben zu können (das Plakat!). Demselben Zweck (Signalwirkung, Aufbruchstimmung) dient die Umbenennung in „Zoologischer Garten“. Wenige Tage nach Eintreffen des Elefanten (Der zweite ist vielleicht schon bestellt?) erhĂ€lt Witstruk eine Anfrage aus Halle, wo man jemanden mit seinen FĂ€higkeiten sucht, und geht darauf ein. Warum er „sein Kind“ Magdeburger Zoo verlĂ€sst, wĂ€re ĂŒbrigens auch noch eine interessante Frage – hatte er ursprĂŒnglich grĂ¶ĂŸere zoologische PlĂ€ne und fĂŒhlte sich von der Stadt ausgebremst? Im Perspektivplan fehlen – wie mir erst jetzt auffiel – auch Giraffen, eines DER Zootiere schlechthin, und die Zooerweiterung stand ja eh in den Sternen.

Mit BĂŒrger kommt 1961 ein neuer Zoodirektor und hat vielleicht erst mal andere Sorgen, vermutlich aber auch ein paar eigene Ideen und WĂŒnsche – er kommt aus Berlin und hatte wahrscheinlich vor dem Mauerbau noch die Möglichkeit, Katharina Heinroths Elefantenhaus und Flusspferdhaus zu sehen. Eventuell nimmt er im Perspektivplan gleich kleine Änderungen vor. Schöne und Böhl haben ihr Konzept (die Vorprojektierung) fertig und stoßen damit auf sehr positive Resonanz. Die DickhĂ€uter sind in getrennten Bauten eingeplant, die man nacheinander bauen kann, wobei das Elefantenhaus auch wegen der bereits vorhandenen Bewohner PrioritĂ€t genießt. Sein Grundentwurf besteht aus den heutigen rechten zwei Dritteln des Hauses, die linke Außenmauer verlĂ€uft an der heutigen Stallvorderkante des Rhino-Traktes. Die beiden Elefanten erhalten erst mal einen provisorischen Auslauf in der NĂ€he des Baugrundes.

BĂŒrger ĂŒberlegt, ob man nicht entgegen dem Entwurf von Schöne und Böhl aus GrĂŒnden der Ersparnis von Baukosten drei DickhĂ€uterarten im selben Haus unterbringen könnte. Aufgrund der eingeschrĂ€nkten Möglichkeiten wird 1963 ein „Plan B“ erstellt, bei dem man das entworfene Elefantenhaus mit einer spĂ€teren Erweiterungsmöglichkeit durch einen Anbau fĂŒr Nashörner (noch mit zwei Stallungen?) und Flusspferde versieht. Alle PlĂ€ne sind noch immer so in der Schwebe, dass Pilz in seinem Buch ĂŒber die DDR-Zoos nichts davon schreibt. Auf LösungsvorschlĂ€ge von Graffunder kann man nicht mehr zurĂŒckgreifen, weil sein BĂŒro die TĂ€tigkeit fĂŒr Zoos aufkĂŒndigt (vermutlich nicht ohne Vorgeschichte) und nicht klar ist, ob das rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden kann. Möglicherweise verschlechtert sich auch die Bausituation insgesamt in der DDR (darĂŒber weiß ich zu wenig), so dass BĂŒrger befĂŒrchtet, dass der Anbau nie verwirklicht werden könnte (nicht mal die im Tierpark der Hauptstadt projektierte Elefantenhalle wurde bis dahin umgesetzt).

Also sucht er nach einem Ausweg, alle drei Tierarten mit minimalem Zusatzaufwand in derselben Halle unterbringen und technische Einrichtungen wie Heizung und LĂŒftung auf diese Weise doppelt und dreifach nutzen zu können. Ihm kommt die Idee, den zusĂ€tzlichen Stalltrakt um 90 Grad zu drehen und mit der Einblickseite gegen das Elefantenhaus zu setzen, was einen zusĂ€tzlichen Besucherraum einspart. Die Flusspferde werden links hinten und ihr Innenbecken so in die Besucherhalle hinein eingeplant, dass es auch von den Elefanten mitbenutzt werden kann. Schweren Herzens muss sich BĂŒrger entscheiden, auf einen Innenstall zu verzichten, damit der Trakt nicht ĂŒber die Vorderfront des Hauses hinausragt; das wĂŒrde dem Haus nicht nur Wirkung nehmen (z.B. den Ausblick aus der Besucherhalle auf die Außenanlage der Nashörner), sondern besagtem Außengehege auch die Sonne. Da Flusspferde gut zu zĂŒchten sind und die Nachzuchten Einnahmen bzw. Tauschmöglichkeiten versprechen, wĂ€hrend Nashorn-Zuchterfolge unsicher sind, bekommen die Hippos zwei StĂ€lle. BĂŒrger hofft, langfristig zwei Nashörner zusammen im dritten unterbringen zu können. Seine Idee entwickelt er zusammen mit Dipl.-Ing. Rudolf Steinhagen vom VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt, der 1964 den zusĂ€tzlichen GebĂ€udeflĂŒgel kostensparend ohne architektonischen Schmuck entwirft und den nach Streichen des ursprĂŒnglich gedachten Traktes entfallenen, aber notwendigen zweiten Eingang in die Glasfront des Elefantenhauses integriert – in ganz schlichter Form, damit er wenig kostet und mit dem Schmuckeingang weiter rechts nicht auf engem Raum um die Wirkung konkurriert.

Von diesem Neuentwurf, der zu einer weitgehenden Neuprojektierung fĂŒhrt, lĂ€sst man ein Modell bauen, mit dem weitere Spendenmittel eingeworben werden sollen. (FĂŒr die 2. Auflage von „Tiere um uns“ kommt der Entwurf zu spĂ€t, aber Pilz/Puschmann heben die Überlegungen des Zoodirektors fĂŒr eine eventuelle – und spĂ€ter verwirklichte - 3. Auflage auf.) Ebenfalls 1964 wird im Berliner Zoo das neue Nashorn-Tapir-Haus eröffnet, das mit der (erstmals?) gitterfreien Einsicht in Nashorn-Stallboxen aufwartet. Anstrengungen werden unternommen, BĂŒrger eine Studienreise nach Westberlin zu ermöglichen, die irgendwann im Zeitraum zwischen 1964 (seit diesem Jahr ist Schwichtenberg Zooinspektor) und 1966 (Nennung BĂŒrgers als Fachbesucher im Berliner JB) stattfindet und nach der BĂŒrger diverse Anregungen in den Magdeburger Bau einfließen lĂ€sst (je nach Zeitpunkt der Reise noch in die Planungsphase oder spĂ€testens in den Innenausbau und die Gestaltung der Außenanlagen). Möglicherweise werden in diesem Zusammenhang einige im Modell dargestellte Details verĂ€ndert (z.B. die Form der Elefantenanlage und der Wasserbecken) und im Haus zwei getrennte Wasserbecken statt einem verwirklicht.

1965 bis 1967 werden das DHH und die Elefantenanlage gebaut. Bereits vor der Eröffnung fasst BĂŒrger das Konzept des Hauses und bauliche Details fĂŒr eine Veröffentlichung zusammen, verwendet dabei aber auch noch Zeichnungen und das Modell, die verschiedene Planungsstadien, aber nicht mehr den letzten Planungszustand zeigen – weshalb auch die Außenanlagen bis auf das Flusspferd-Außenbecken (Weil es wegen des Anschlusses an die Heizungsanlage frĂŒhzeitig geplant werden musste?) in den Zeichnungen fehlen. Zur ErwĂ€hnung Graffunders siehe oben. Im August 1967 trifft ein Nashorn ein; aus Kosten- und RisikogrĂŒnden wird vorerst auf ein zweites verzichtet, auch muss sich der gitterlose Einblick erst bewĂ€hren. (Vielleicht gab es sogar einen Plan B, bei Misslingen der Nashornhaltung dort auf Tapire umzusteigen.) Im September und Oktober treffen die beiden Flusspferde ein und werden wie das Rhino noch fĂŒr die BroschĂŒre fotografiert, danach wird das Manuskript noch 1967 abgegeben, aber erst 1968 veröffentlicht. Möglicherweise schickt BĂŒrger das Manuskript zeitgleich an den „Zoologischen Garten“, wo es aber wie viele andere Manuskripte ĂŒber Jahre hinweg liegenbleibt. Es erscheint letztlich erst 1976, und BĂŒrger nutzt die Chance, nicht nur eine Widmung zum 65. Geburtstag seines frĂŒheren Berliner Chefs und Ausbilders Dathe hinzuzufĂŒgen, sondern auch den Text und das Bildmaterial (auch die Grundrisse usw.) zu aktualisieren, die bisherigen Erfahrungen mit dem Haus zu schildern und durch Umstellung eines nicht ganz unwichtigen Satzes den Mann zu ehren, mit dem zusammen er die letzte und verwirklichte (!) Version des DHH auf die Beine gestellt hat: Steinhagen. Zu Graffunder: siehe oben.

Meine Theorie ĂŒber den verĂ€nderten Perspektivplan habe ich fĂŒr diese Chronologie wiederum erst mal weitestgehend außen vor gelassen (ein Thema ist es fĂŒr mich noch immer), denn es ging mir ja vorerst darum, alle (!) mir vorliegenden Fakten miteinander in Einklang zu bringen.
(05.10.2011, 14:03)
Oliver Jahn:   @Michael, jetzt bin ich aber froh, dass du deinen Vergleich selber als plump bezeichnest, denn damit ersparst du mir die Bezeichnung. ;-)
In deinem Vergleich gehst du von der Tatsache aus, dass ein berĂŒhmter KĂŒnstler ein paar Kritzeleien abgibt, andere daraus ein Bild machen, und fragst dann nach dem Urheber. Da fĂ€llt die Antwort eindeutig aus.
Im Satz vorher aber schreibst du, dass Graffunder möglicherweise nur einmal! hinzugezogen wurde und erweiterst das um die Spekulation, er könne dem Haus sogar nur den Umriss gegeben haben.
Ich bewundere dich fĂŒr deine Fleißarbeit, mit der du hier die Quellen zusammengestellt hast.
Fast alle diese Quellen standen mir auch zur VerfĂŒgung. Und in denen ist es fĂŒr mich eben ĂŒberhaupt nicht so, wie bei deinen KĂŒnstlern mit dem Goldhelm. Nach wie vor sehe ich in ihnen keinerlei Hinweise, die eine Nichtbeteilung Graffunders wahrscheinlicher machen, als eine Beteiligung.
Im Gegenteil, in einem Punkt habe ich sogar noch ein weiteres Indiz gefunden. Auch mir ist aufgefallen, dass selbst im Sonderheft PlÀne von unterschiedlichen Erstellern enthalten sind. Diese werden dann, im Vergleich zum Artikel noch deutlicher.
BĂŒrger nennt in beiden Publikationen zwei Architekten, einmal Graffunder plus eine weitere Firma, beim zweiten Artikel Graffunder und namentlich Steinhagen.
Und nun haben wir zwei unterschiedliche PlÀne, sehr Àhnlich, aber doch unterschiedlich im Stil und in einigen Details.
Das eine ein Original von Steinhagen, welches dann, nach Konsultation von Graffunder abgeÀndert wurde?
Bei drei genannten Personen, Zoodirektion, Steinhagen und Graffunder, da liegt die Chance bei 50%.
Möglicherweise hat BĂŒrger selber gezeichnet, ein Biologe mit Statik-Kenntnissen und einem Stil, wie er dem professionellen technischen Zeichnen schon sehr nahe kommt.
Möglicherweise hat Steinhagen neben dem StÀdtebau in Halberstadt noch zwischen zwei PlÀnen ein Studium an der ABF in Biologie absolviert, und dort gelernt, dass man Nilpferde jetzt Flusspferde nennt.
Möglicherweise war es aber auch so, wie BĂŒrger es zweimal in den einzigen Schriften, die sich ausfĂŒhrlich und ausschließlich mit diesem, wie du ihn nanntest epochalen Bau beschĂ€ftigen, geschrieben hat.
Wer wann einen VorgĂ€nger konzipierte, der nie gebaut wurde, was hinter dem Beginn von Projektierungsarbeiten steckt, die dann ins Leere laufen, das weiß ich nicht und darĂŒber geben unsere Quellen leider auch nicht genug her.
Anhand dieser Datenlage aber an dem zu zweifeln, was einer der definitiven Erbauer selber ĂŒber dieses Haus schreibt, dafĂŒr gibt es fĂŒr mich einfach nicht genug Fakten, die das stĂŒtzen wĂŒrden. Denn der Hauptpunkt meiner Argumentation bleibt weiterhin die Frage:
Warum sonst hĂ€tte BĂŒrger Graffunder erwĂ€hnen sollen?

(04.10.2011, 23:34)
Michael Mettler:   Eine ErgĂ€nzung aus dem JB 1966, die mir erst bei nochmaliger Durchsicht auffiel: "Die Projektierungsunterlagen fĂŒr die erforderlichen Außenanlagen konnten zum Jahresbeginn fertiggestellt werden." Keine Angabe, wer das gemacht hat, aber offenbar lagen auch diese PlĂ€ne nicht schon lĂ€nger fertig in der Schublade.

Ansonsten finden sich in den Jahresberichten fĂŒr 1966 bis 1968 zwar einzelne Beschreibungen von Baumaßnahmen, die fĂŒr unsere Diskussion ĂŒber die "Urheberschaft" m.E. nichts Brauchbares enthalten, und ĂŒber Projektierungen und die damit beauftragten BĂŒros nichts mehr.

Allerdings musste ich bei dieser letzten Durchsicht noch lernen, dass die Jahreszahl in der Druckgenehmigungsnummer nicht unbedingt mit dem Erscheinungsjahr gleichzusetzen ist, denn im JB 1967 heißt es: "Über diesen Bau wird in Zusammenwirken mit dem Rat der Stadt Mitte 1968 eine BroschĂŒre 'Das DickhĂ€uterhaus im Zoologischen Garten Magdeburg' erscheinen...". Sie war also 1967 lediglich verfasst worden (oder etwa auch das nicht mal?) und ist mit diesem Jahr gekennzeichnet, erschien aber erst 1968.
(04.10.2011, 14:50)
Michael Mettler:   Ich bin jetzt mit meiner Zusammenstellung der Quellenlage fertig geworden und habe dabei m.E. auch nichts weggelassen, was fĂŒr meine Argumentation unbequem sein könnte. Das ist textlich eine Menge Holz geworden, aber erstens haben wir dann mal alles auf einen Blick und zweitens können sich eventuelle Dritte (falls dieses Thema ĂŒberhaupt noch jemand außer uns interessiert...) ein eigenes Bild von dem machen, worĂŒber wir hier öffentlich debattieren. Ich habe die Ereignisse aus den unterschiedlichsten Quellen in chronologische Reihenfolge gebracht und dabei auch gewisse personelle VerĂ€nderungen entsprechend berĂŒcksichtigt, weil sie m.E. wichtige PuzzlestĂŒcke im Gesamtprozess darstellen., Ich lasse diesmal die erste Perspektivplanung von 1957 und meine Vermutung einer "ĂŒbergemalten" zweiten Perspektivplanung außen vor, da damit die meisten Spekulationen meinerseits verbunden sind. Ausgangspunkt der folgenden „Chronik“ ist also die veröffentlichte Form des DHH von 1960. Mit Interpretationen versuche ich mich darin weitestgehend zurĂŒckzuhalten, Fragen stelle ich allerdings durchaus. ErgĂ€nzende Zitate mit Quellenangabe sind natĂŒrlich erwĂŒnscht, auch wenn sie meiner Argumentation widersprechen sollten!

1960) Zweiter Perspektivplan, mit – um es bewusst vorsichtig, nĂ€mlich vom Baukörper unabhĂ€ngig auszudrĂŒcken – einem Anlagenkomplex fĂŒr Elefanten, Nashörner und Flusspferde. Wie schon 1957 dĂŒrfte die Mitwirkung Witstruks als sicher gelten, da er schließlich extra fĂŒr die professionelle Weiterentwicklung des Zoos als Direktor geholt worden war (50-Jahre-Chronik), BĂŒrger war noch nicht in Diensten des Zoos. Erstmals tauchen zudem die Namen Graffunder (Berlin, Architekt) und Schöne (Magdeburg, Garten(bau)architekt) auf, jedoch nur in Zusammenhang mit einem „Gesamtlageplan aller ĂŒberhaupt einmal vorgesehenen Tieranlagen“. (JB 1960) Von gleichzeitiger Planung bestimmter HĂ€user und Anlagen ist nicht die Rede. Existierte also nicht mehr als ein Grundriss des DHH, der mit dem spĂ€teren Haus zumindest Ähnlichkeit hat, im Perspektivplan? Die Projektierung fĂŒr ein DickhĂ€uterhaus beginnt, ohne dass angegeben ist, wer sie ĂŒbernimmt. (JB 1960, 50-Jahre-Chronik)
Im Oktober 1960 kommt der erste Elefant in den Zoo, bekommt mangels passenden Hauses ein provisorisches Quartier auf dem Wirtschaftshof und ist fĂŒr die Zoobesucher nur zu sehen, wenn er durch den Garten gefĂŒhrt wird. (So Ă€hnlich begann allerdings in vielen Zoos die Elefantenhaltung.) Ebenfalls im Oktober wendet sich die Stadt Halle an Witstruk, um ihn als Zoodirektor fĂŒr den Bergzoo zu gewinnen; erste GesprĂ€che folgen, im Dezember bewirbt sich Witstruk offiziell. (Halle-Chronik, S. 200)

1961) Der genannte JB fĂŒr 1960 erscheint, noch aus der Feder von Witstruk, der bereits Ende Januar den Zoo verlĂ€sst; Nachfolger wird Manfred BĂŒrger. Auch ein neuer ZoofĂŒhrer erscheint, ebenfalls noch von Witstruk verfasst. Darin abgedruckt ein mit 1960 datiertes Plakat „Baut mit an meinem Haus“, das einen stilisierten Elefanten und ein Haus zeigt, das eher wie eine Dorf-Feuerwache aussieht. Warum „kitzelt“ man die Angesprochenen nicht mit der kĂŒhnen Architektenvision des ersten „eigenen“ großen Warmhauses der Republik ausgerechnet im kleinen Magdeburger Zoo, um sie fĂŒr das große Ziel anzuspornen? Weil es diese gar nicht in vorzeigbarer Form gibt?
Im Juni 1961 zieht der zweite Jungelefant ins Provisorium ein.

1962) Im JB fĂŒr 1961 werden Vorprojektierungsunterlagen des DHH erwĂ€hnt, die „vom Projektierungskollektiv Schöne vom Stadtbauamt und Herrn Böhl vom ProjektierungsbĂŒro beim Rat der Stadt musterhaft und fĂŒr eine Vorprojektierung sehr ausfĂŒhrlich durchgefĂŒhrt worden sind“ - kein Wort von einer Mitwirkung Graffunders. Schöne hatte bereits am Perspektivplan mitgearbeitet, Böhl taucht spĂ€ter in anderem Zusammenhang (Schimpansenhaus) als NAW-Schaffender auf (JB 1964), arbeitete also eventuell auch am DHH „kostengĂŒnstig“. Was aber hatten diese beiden Herren – und das eventuell schon 1960 – an Vorprojektierungsarbeiten zu leisten, wenn das Haus ein Graffunder-Projekt gewesen wĂ€re?
Möglicherweise – sie ist leider undatiert und ohne Urheberangabe - gehört hierzu die Zeichnung „Vorplanung DickhĂ€uterhaus Magdeburg“ aus der 60-Jahre-Chronik (S. 96).
FĂŒr die beiden Elefanten entsteht erstmals ein Sommerauslauf mit Schutzdach und ScheuersĂ€ule auf der FlĂ€che der heutigen Giraffenanlage (JB 1961, dort mit Foto). Die beiden Zoochroniken datieren den Sommerauslauf entgegen dem JB auf 1962.

1963) Der JB fĂŒr 1963 (Laut Druckgenehmigungsnr. noch im Berichtsjahr in Druck gegangen!) schildert: „Das grĂ¶ĂŸte Sorgenkind war auch 1963 noch immer das ausstehende DickhĂ€uterhaus. (…) Mit diesen Mitteln kann vorerst einmal der fĂŒr die Elefanten bestimmte Teil des Hauses mit Besuchertrakt aufgebaut werden. Der Abschnitt fĂŒr Nashorn und Nilpferd kann dann spĂ€ter angebaut werden. Mit diesem ersten Schritt zur Verwirklichung unseres Perspektivplanes werden nicht nur unsere beiden Elefanten ihr lĂ€ngst fĂ€lliges Domizil erhalten, sondern auch unsere Besucher werden erstmalig Gelegenheit haben, bei ungĂŒnstiger Witterung Tiere unseres Gartens in einem Warmhaus beobachten zu können.“
Im selben Jahr erscheint die 1. Auflage von „Tiere um uns“ (noch von Pilz allein verfasst), erwĂ€hnt im Kapitel ĂŒber Magdeburg kein geplantes DHH und bildet auch keinen Perspektivplan wie fĂŒr Erfurt und Rostock ab, sondern den Ist-Zustand inklusive des provisorischen Elefantengeheges. Erstaunlich angesichts eines ambitionierten Projektes.
Am 9.9.1963 wurden vom VEB Berlin-Projekt (Graffunders BĂŒro) „alle Projektierungsarbeiten fĂŒr Zoologische GĂ€rten aufgekĂŒndigt, aber ein Schreiben aller Zoos an das Ministerium fĂŒr Kultur der DDR brachte die kleine Änderung, dass bis 1966 weiter daran gearbeitet wurde.“ (Halle-Chronik, S. 391) Wie lange die „Pause“ dauerte, ist daraus leider nicht ersichtlich.

1965) Im JB fĂŒr 1964 heißt es: „Hauptanliegen dieses Jahres waren die Projektierungsarbeiten fĂŒr das DickhĂ€uterhaus, die VEB Hochbauprojektierung, Nebenstelle Halberstadt, ausfĂŒhrten. UnzĂ€hlige Beratungen und Besichtigungen waren notwendig, zahllose Unterlagen mussten eingeholt werden.“ Wiederum keine ErwĂ€hnung einer Mitwirkung Graffunders, und warum wurde nun ein weiteres PlanungsbĂŒro mit der Aufgabe betreut?
Man ließ im selben Jahr ein Modell der Gesamtanlage bauen, das fĂŒr den Bau werben und Spendengelder einbringen sollte. Dieses Modell weicht in einigen Punkten (allerdings am wenigsten im Baukörper) von den spĂ€ter veröffentlichten Grundrissen und dem verwirklichten Gesamtkomplex ab.
1965 erwirbt Manfred BĂŒrger seinen Doktortitel; die 50-Jahre-Chronik schreibt seine Dissertation zwar schon dem Folgejahr seines Amtsantritts zu, aber der korrekte Jahrgang 1965 ist durch die Jahresberichte dokumentiert.
Der Bau des DHH beginnt.

1966) Der JB fĂŒr 1965 nennt keinerlei VerĂ€nderungen in der Bauplanung. Im Oktober 1966 wird das Richtfest des Hauses gefeiert.
Die 2. Auflage von „Tiere um uns“ erscheint, jetzt mit Puschmann als Co-Autor. Hier heißt es im Magdeburger Kapitel ĂŒber BĂŒrger: „Der fleißige und energische Zoologe, der im Jahr seiner Promotion (1965, siehe oben) gemeinsam mit Architekten und Bauleuten den Bau des Elefantenhauses in Angriff nahm, wird in Zukunft das Gesicht dieses Tiergartens prĂ€gen.“ Der dortige Zooplan enthĂ€lt nun eine als bloßes Rechteck ohne Außenanlagen dargestellte „Baustelle DickhĂ€uterhaus – spĂ€ter Elefanten, Nilpferde, Nashörner“. Im Text ist außer dem Baustart nichts weiter ĂŒber das Haus zu lesen – wiederum also auch nichts ĂŒber eine Mitwirkung Graffunders.
FĂŒr 1966 ist im JB des Berliner Zoos erstmals Manfred BĂŒrger als Fachbesucher erwĂ€hnt. In der spĂ€teren Magdeburger 60-Jahre-Chronik wird in diesem Zusammenhang – wenn auch ohne genaues Datum – geschrieben: „„… und so konnte 1965 das ehrgeizige Projekt in Angriff genommen werden. Da es sich um das erste moderne Elefantenhaus der DDR handelte, erhielten Zoodirektor Dr. Manfred BĂŒrger und Zooinspektor Heinz Schwichtenberg sogar die Erlaubnis, nach Westberlin zu reisen. Beim Elefantenhaus im dortigen Zoo sollten sie sich Anregungen holen und die entsprechenden PlĂ€ne einsehen.“ 1966 bestehen allerdings auch schon das Flusspferd- und das Nashorn-Tapir-Haus des Berliner Zoos, die hier nicht als Vorbilder genannt werden, von denen man jedoch Details im spĂ€teren Objekt wiedererkennen kann.
Obwohl angeblich mit Graffunder ein erfahrener Zooarchitekt (bis dahin ist allerdings noch keins „seiner“ DickhĂ€uterhĂ€user gebaut worden) das Haus geplant haben soll, werden der Zoodirektor und der Zooinspektor mitten im Bau ihres eigenen Hauses losgeschickt, um sich anderswo BauplĂ€ne anzuschauen und Anregungen zu holen…?

1967) Eröffnung des DHH am 1. Dezember (noch ohne Außenanlagen fĂŒr Nashörner und Flusspferde) und Veröffentlichung der SonderbroschĂŒre. Dort wird u.a. angegeben, dass im Wirtschaftsbereich auch eine BrĂŒterei untergebracht wird und dass sich im Durchgang zur Elefanten-Außenanlage eine stĂ€hlerne Zwangseinrichtung fĂŒr die Behandlung der Tiere befindet – beide tauchen auf dem beigefĂŒgten Grundriss allerdings nicht auf. Die Zeichnungen sind unterschiedlich beschriftet und weichen in Details voneinander ab (Trennfelsen zwischen den Badebecken). Nochmals ist auch das Modell von 1964 mit der nierenfömigen, so nicht verwirklichten Elefantenanlage und anderen dito Elementen abgebildet, dafĂŒr gibt es von den drei Außenanlagen keine Grundrisse – bis auf einen vom Außenbecken (ohne Landteil) der Hippos. Nach Jahren ohne ErwĂ€hnung taucht erstmals wieder der Name Graffunder auf: „Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Zoodirektion unter Konsultation des Architekten Herrn Graffunder vom VEB Berlin-Projekt durch den VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt, erarbeitet.“ FĂŒr den Tierbestand ist (neben spĂ€ter nie umgesetzten PlĂ€nen) erwĂ€hnt, dass fĂŒr das Nashorn noch ein weiblicher Partner hinzu besorgt werden soll und an einen weiteren Elefanten (eventuell eine Afrikanerkuh) gedacht ist.
Im gleichen Jahr scheidet Graffunder als Abteilungsleiter seines langjĂ€hrigen PlanungsbĂŒros VEB Berlin-Projekt aus (dort und in den VorgĂ€ngerbetrieben hatte er ab 1952 gearbeitet) und scheint von jetzt an bis Anfang der 80er Jahre (Planungen fĂŒr TP Berlin) nicht mehr fĂŒr Zoos tĂ€tig gewesen zu sein. (Wikipedia, Graffunder-Thread im Forum)

1968) Der ZoofĂŒhrer 1967/68 erscheint und verwendet als Titelbild das neue DickhĂ€uterhaus, wenn auch „nur“ als farbige Zeichnung. Es ist allerdings keine Darstellung des verwirklichten GebĂ€udes, sondern zeigt dieselben davon abweichenden Eigenheiten wie das 1964 erstellte Modell des Projektes.
Die Außenanlagen fĂŒr Nashörner und Flusspferde werden fertig.

1969) Eine junge Afrikanische Elefantenkuh wird angeschafft.

1970) Ein weibliches Nashorn wird angeschafft. Der erwĂŒnschte Hausbesatz an Elefanten, Nashörnern und Flusspferden laut EröffnungsbroschĂŒre ist damit erstmals komplett.

1971) Die 3. Auflage von „Tiere um uns“ erscheint. Der Zooplan von Magdeburg wurde nur insofern verĂ€ndert, als das Elefantensymbol dorthin versetzt und in der Legende aus der „Baustelle“ nun das fertige DHH gemacht wurde. Im Text aber nimmt das Haus – und DickhĂ€uterhĂ€user im Allgemeinen – nunmehr sehr viel Platz ein. Ein Satz aus der 2. Auflage wurde interessanterweise (und vermutlich nicht grundlos) verĂ€ndert: Nahm Manfred BĂŒrger dort noch „gemeinsam mit Architekten und Bauleuten den Bau des Elefantenhauses in Angriff“, so heißt es jetzt, dass er „gemeinsam mit Bauleuten und Architekten die Planung fĂŒr den Bau eines DickhĂ€uterhauses in Angriff nahm“. (Soll mit der Änderung ausgedrĂŒckt werden, dass er zuerst eigentlich nur die Planung seines VorgĂ€ngers oder eines anderen Architekten umsetzen sollte, inzwischen aber eine Neuplanung erfolgt war?) Die Beschreibung des Hauses enthĂ€lt zwei Abweichungen gegenĂŒber dem Ist-Zustand. Eine davon sind „zwei Isolierboxen fĂŒr Elefanten“; auf beiden verfĂŒgbaren Grundrissen des Hauses ist nur eine eingezeichnet (das Berliner Elefantenhaus hatte ĂŒbrigens zwei!). Die andere betrifft die schon diskutierte Doppelnutzung des Innenbeckens. In der weiteren Schilderung wird erwĂ€hnt, dass die 1960/61 angeschafften Elefanten vorerst in ein Provisorium einzogen und Jahr um Jahr wuchsen. „So stand dann eines Tages die Frage, entweder die Tiere zu verkaufen und damit den Magdeburgern ihre beiden Lieblingstiere zu nehmen, oder ein richtiges Haus fĂŒr diese beiden Riesendamen zu bauen. Die StadtvĂ€ter von Magdeburg hatten ein Einsehen, bald war der Bau beschlossene Sache. Doch schon erhoben sich weitere Fragen. Sollte man die hohen Baukosten nur fĂŒr ein Elefantenhaus ausgeben? Konnte man nicht im selben Haus bei gleichem finanziellem und technischem Aufwand auch andere volksbildnerisch wichtige Tierarten, wie Flusspferde und Nashörner, unterbringen? Wenn nicht, wann wĂŒrden dann die Magdeburger Zoobesucher solche Tiere in ihrem Zoo sehen können? Wann wĂ€re unsere strapazierte Bauindustrie in der Lage, auch fĂŒr diese Tiere je ein so großes, teures Warmhaus zu bauen? Diese Fragen mussten in Einsicht in die wirklichen VerhĂ€ltnisse beantwortet werden, und die Antwort lautete: Es wird ein DickhĂ€uterhaus gebaut!" Alle diese Inhalte dĂŒrften sich Pilz/Puschmann wohl kaum aus den Fingern gesogen haben. Mag sein, dass sie das Haus selbst zu oberflĂ€chlich betrachtet haben (Badebecken), aber fĂŒr die geschilderten Hintergrundgedanken sollten sie eine Quelle gehabt haben.

1976) Im „Zoologischen Garten“, Band 47, Heft Âœ, veröffentlicht BĂŒrger den Artikel „Ein Haus fĂŒr Elefanten, Flusspferde und Nashörner im Zoologischen Garten Magdeburg“. Die darin neben einigen Fotos verwendeten Grundriss- und Schnittzeichnungen des Hauses sind sĂ€mtlich andere als in der SonderbroschĂŒre zur Hauseröffnung (Weil sie im Gegensatz zu dort die endgĂŒltige Version und keine Zwischenschritte darstellen?), viele Details tauchen erstmals auf; darunter sĂ€mtliche Außenanlagen und die stĂ€hlerne Zwangseinrichtung. Von einer BrĂŒterei ist nirgends mehr die Rede, dafĂŒr aber von einer höheren Zahl von Elefanten (..“mit StandflĂ€che fĂŒr 3-4 Elefanten“) – zum Zeitpunkt des Artikels war der 4. Elefant (3 Asiaten, 1 Afrikaner) allerdings schon seit drei Jahren RealitĂ€t, die Fotos im Artikel zeigen aber nur 3 (2 Asiaten und einen noch kleinen Afrikaner). Insgesamt entsteht der Eindruck, als hĂ€tte dieser Teil des Artikels schon Jahre vorher erscheinen können/sollen, bis auf geringe Aktualisierungen und einen wichtigen, aktuellen Anhang: Unter der ZwischenĂŒberschrift „Kritische Bemerkungen aus der Praxis“ fĂŒhrt Berger diverse planerische MĂ€ngel an, die sich in 9-jĂ€hriger Nutzung des Hauses herausgestellt hatten. Abweichend von der Formulierung in der von ihm verfassten SonderbroschĂŒre stellt er hier die Äußerung ĂŒber die Planung des Hauses in der Reihenfolge und geht mehr ins Detail: „Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Direktion des Zoos von Dipl.-Ing. Rudolf Steinhagen vom damaligen VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betreibsteil Halberstadt, unter Konsultation des seinerzeit vor allem fĂŒr Zoo-Projekte spezialisierten Architekten des VEB Berlin-Projekt, Heinz Graffunder (NPT), erarbeitet.“ Auch hier muss man sich fragen, warum dieser Satz gegenĂŒber dem Original ĂŒberhaupt umformuliert wurde, denn man hĂ€tte ihn genauso gut ĂŒbernehmen können. Weil die Aussage eine andere Gewichtung bekommen sollte? Im Schrifttum des Artikels nennt BĂŒrger nur seine eigene SonderbroschĂŒre von 1967 sowie eine Veröffentlichung von Steinhagen in „Deutsche Architektur“ (1969), die mir leider nicht vorliegt. Es wird keine Publikation von Graffunder erwĂ€hnt.

Und mit dieser Publikation enden m.W. die Quellen ĂŒber die Planung und den Bau des Magdeburger DickhĂ€uterhauses. Was die viel spĂ€ter erschienen JubilĂ€umschroniken an Informationen hergaben, habe ich bereits eingebaut.
(03.10.2011, 23:47)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich meine das allerdings so, dass Graffunder dabei möglicherweise wirklich nicht mehr als ein einmal (!) hinzugezogener Berater oder Initiator war, nicht etwa der Erschaffer konkreter HausplĂ€ne. Vielleicht gab er dem DHH sogar nur einen Umriss (fĂŒr den Lageplan 1960).

Als plumper Vergleich: Nehmen wir an, ein berĂŒhmter KĂŒnstler wird gefragt, ob er nicht eine Idee fĂŒr ein PortrĂ€t-GemĂ€lde hĂ€tte. Er skizziert mit Zeichenkreide den Umriss eines MĂ€nnerkopfes und gibt dessen Blickrichtung vor, dann verschwindet er wieder. Ein paar andere PinselkĂŒnstler und der Auftraggeber setzen sich dann dran und machen daraus einen "Mann mit Goldhelm". WĂŒrdest du DAS als "echten Rembrandt" gelten lassen...?
(03.10.2011, 23:36)
Carsten Horn:   Ich war nur einmal in Magdeburg und kann mich an den Notausstieg ehrlich gesagt nicht erinnern und hab mich da auf die Literatur verlassen... Dann hatte Negus also wohl das Pech, falsch rum in den Graben zu fallen, so das man eine Bergung unter Narkose per Kran versuchte...
(03.10.2011, 23:12)
Oliver Jahn:   "Wir haben ein Haus geplant und dabei extra noch den berĂŒhmten Architekten um Rat gefragt (konsultiert!),..."
Genau das sage ich die ganze Zeit.
(03.10.2011, 22:06)
Michael Mettler:   @Oliver, vorerst noch mal zur Wahrscheinlichkeit der Beschaffung eines weiblichen Nashorns zur Eröffnung: Auch ich habe ein Zuchtbuch vorliegen, wenn auch ein altes (1991), aus dem leider nicht hervorgeht, von welchen HĂ€ndlern die Importtiere kamen. Ruhe z.B. hat via Hamburger QuarantĂ€ne viel in die USA exportiert; ob die Tiere vorher fĂŒr andere Interessenten verfĂŒgbar waren, weiß ich natĂŒrlich nicht. Aber wichtiger sind die potenziellen Partnerinnen fĂŒr Kibo aus den Jahren 1967 (Haus eröffnet) und 1968 (Außenanlage fertig). Im Mai 1967 bekam Amsterdam eine Kuh, hielt aber noch nicht mal einen Bullen und holte auch keinen dazu. Im November 1967 (interessantes Datum im Vergleich zu MD!) kam eine Kuh in den TP Berlin, wo es aber bereits ein Paar gab - war die womöglich ursprĂŒnglich fĂŒr MD gedacht und blieb dann im TP "hĂ€ngen"...? Im April 1968 bekam Thoiry eine Kuh, hatte und holte aber wie Amsterdam keinen Bullen dazu; m.W. war Ruhe der Hauptlieferant von Thoiry. Und zur Abrundung kam schon Anfang 1968 in Ruhes Zoo Hannover ein weibliches Kalb zur Welt, das 1969 nach Budapest abgegeben wurde, wo es - na? - ohne Partner bleiben musste. Das riecht mir schon ein bisschen danach, dass sich Magdeburg das zweite Rhino schlichtweg nicht vor 1970 leisten konnte (schließlich kam ja auch noch die teure Afrikanische Elefantin dazwischen).

Was EinschÀtzungen betrifft: Manches fÀllt aber auch einem "Betriebsfremden" eher ins Auge als dem Einheimischen...

Danke, dass die auf die Beachtlichkeit der Kritik von BĂŒrger in seinem ZG-Artikel hingewiesen hast, darin habe ich gar keine so große Brisanz gesehen. Allerdings kann ich wohl auch erklĂ€ren, warum: Sie passt sogar eher zu meiner als zu deiner Argumentation. Vielleicht musste sich BĂŒrger gar nicht gegen Graffunder aus dem Fenster lehnen, weil die Planungsfehler nicht auf dessen Mist gewachsen waren! Schließlich lĂ€sst sich die Kritik auch so deuten: "Wir haben ein Haus geplant und dabei extra noch den berĂŒhmten Architekten um Rat gefragt (konsultiert!), und trotzdem haben wir es verbockt!" Damit wĂ€re dem Star-Architekten keine Feder gekrĂŒmmt, und BĂŒrger könnte sich die Kritik ohne heftiges Echo erlaubt haben. Was sonst sollte ihn geritten haben, sich mit dem doppelten NationalpreistrĂ€ger 1. Klasse in einer Fachzeitschrift anzulegen...? Ich werte das als zusĂ€tzliches Indiz fĂŒr die geringe Beteiligung Graffunders.
(03.10.2011, 21:50)
Oliver Jahn:   @Michael, ich war vor drei Wochen dort, da stand der Felsen noch. Und Kenia lebte auch noch. Dennoch kann sich das bei ihr natĂŒrlich tĂ€glich Ă€ndern, daher freue ich mich ĂŒber diese Nachricht immer wieder sehr. Ich kenne den Zoo nicht ohne sie, und auch wenn sie mittlerweile ganz schön eingefallen aussieht, so gehört sie fĂŒr mich eben einfach zum Zoo, und auch zu diesem Haus, daher war ich froh, dass sie nicht mehr umziehen musste.
Du hast natĂŒrlich Recht, bestimmte Dinge kann man sicher leichter einschĂ€tzen, wenn man dort gelebt hat, wo alles passiert ist. Dennoch, auch ich habe mich nur nach der Faktenlage gerichtet, die mir zur VerfĂŒgung steht. Und nach der habe ich zumindest nie geschrieben, dass BĂŒrger und Graffunder ein Haus planten, und es Jahre spĂ€ter zusammen bauten. Warum hĂ€tte BĂŒrger 1966 sonst noch nach Berlin fahren sollen, wenn er bereits seit Jahren mit Graffunder den Bau fertig gehabt hĂ€tte. Ich habe diese, von dir erwĂ€hnte schlichte Kurzform auch sonst nirgendwo bisher gelesen, und vertrete hier eine ganz andere Meinung, die lediglich die von dir aufgeworfene fehlende Beiligung Graffunders an dem Haus, in dem du heute warst, fĂŒr mich ausschließt. Aber ich will das nicht noch mal alles wiederholen, was ich in meinen letzten BeitrĂ€gen ausfĂŒhrlich versucht habe, zu begrĂŒnden.

(03.10.2011, 20:13)
Michael Mettler:   @Carsten Horn: Das Flusspferd-Außengehege hatte durchaus einen Grabenausstieg, man kann ihn heute noch sehen (ganz hinten links an der RĂŒckmauer). Das Problem war vielleicht eher, dass ein Hippo in der richtigen Richtung in den Graben fallen musste, denn darin umdrehen konnte es sich wegen der hohen GrabenwĂ€nde wahrscheinlich nicht, und rĂŒckwĂ€rts wird es nicht aus dem Graben gegangen sein...

@Oliver, ich war heute spontan in Magdeburg, da ich mir ohnehin lÀngst mal die Neuigkeiten seit 2007 angucken wollte, und bin gerade am Sortieren meiner Fotos. Zur Sache "Graffunder oder nicht" daher spÀter. Nur soviel schon mal vorab: Einer unserer Diskussionspunkte, der trennende Felsaufbau zwischen den Badebecken, wird gerade abgerissen. (Und Kenia lebt noch.)

Generell zu meinen "Eventuells" und "Vielleichts": Ich bin fĂŒr dieses Thema auf der "falschen Seite der Mauer aufgewachsen", habe deshalb zwangslĂ€ufig weder von den Problemen bei der DurchfĂŒhrung von Bauten zu DDR-Zeiten noch von der lokalen Brisanz des Themas Vogelgesangparks etwas mitbekommen und als bekennender Architekturbanause den Namen Graffunder erst durch dieses Forum kennengelernt - mehr, als Wikipedia und das Forum hergeben, weiß ich ĂŒber seine Person und Reputation nicht. Mir bleibt also gar nichts Anderes ĂŒbrig, als das zu tun, was du gern selbst tust: Sich erst mal nach den zugĂ€nglichen veröffentlichten Fakten zu richten. Die ergeben allerdings auch ohne eigene Deutungen schon ein sehr viel vielschichtigeres Bild als die schlichte Kurzform "Graffunder und BĂŒrger planen ein DickhĂ€uterhaus und bauen es dann Jahre spĂ€ter genau so".
(03.10.2011, 19:33)
Oliver Jahn:   @Michael, da komme ich dann in meiner Argumentation nicht mehr viel weiter, denn ich sehe die Datenlage anhand meiner Quellen anders, vielleicht sind diese natĂŒrlich alle falsch, das kann ich wirklich nicht beurteilen, aber fĂŒr die vielen "Eventuells" und "Vielleichts", die mir auch immer viel Spaß machen, geben sie mir dann doch nicht genug her.
FĂŒr mich sind es Fakten, die natĂŒrlich alle falsch sein können, einen Grund dafĂŒr aber sehe ich nicht.
Auch auf die Gefahr hin, mich mehrfach da zu wiederholen, bleibt es nach den Daten, die ich habe, letztendlich fĂŒr mich so, wie ich es geschrieben habe.
Der Plan von 1960 ist von Graffunder. Auf ihm ist ein Haus fĂŒr Nashörner, Flusspferde und Elefanten. Es gibt fĂŒr mich keinerlei Anhaltspunkte daran zu zweifeln, dass gerade dieses Haus auf diesem Plan nicht von ihm ist oder abgeĂ€ndert wurde. Der Perspektivplan wurde 1960 erarbeitet und 1961 veröffentlicht.
Wer einen 57er Plan entworfen hat, und was auf ihm war, und ob Graffunder daran beteiligt war, und ob er da andere HĂ€user an anderen PlĂ€tzen entwarf, das weiß ich nicht, darĂŒber finde ich auch nichts.
Was nun aber das DickhĂ€uterhaus angeht, welches ich als solches bezeichne, nĂ€mlich den Bau, der heute noch steht, so habe ich auch dazu meine Meinung geĂ€ußert. Du findest keine einzige Quelle, die Graffunder mit diesem Haus in Zusammenhang bringt? Ich habe zwei, und beide mehrfach benannt. Denn in den beiden einzigen Schriften, die sich ausschließlich mit diesem Haus befassen, da wird Graffunder beide Male benannt, als jemand, der zu diesem Bau konsultiert wurde. Auch hier gibt es fĂŒr mich keinerlei Anhaltspunkte, dieses in Frage zu stellen. Warum auch? Genau so, wie du fragst, warum man einen so berĂŒhmten Architekten nicht hĂ€ufiger benennt, kann ich fragen, warum benennt man ihn ĂŒberhaupt, wenn er außer einem Plan, der nie veröffentlicht wurde, mit dem Haus gar nichts zu tun hat.
Du vermutest, dass selbst das Haus, welches auf dem 60er Plan zu sehen ist, nicht von ihm stammt.
Und nun mal ehrlich, er entwirft ein DickhÀuter-Ensemble auf einem Perspektivplan.
Schon bei der ersten Veröffentlichung wird seine Idee, durch wen auch immer, abgeÀndert, und wenn ich deinen Vermutungen folge, dann sogar ganz massiv und entgegen seinem kompletten sonstigen Stil. Keine geschachtelten Einzelbauten mehr, keine von ihm bevorzugte Einzeldarstellung seiner auf allen anderen PlÀnen so geschÀtzten Flusspferde, sondern ein schnödes Rechteck.
Anschließend dann lĂ€sst man ein Haus detaillierter entwerfen, von einem völlig unbekannten Architekten, der weder davor, noch danach ein Tierhaus entworfen hat, sondern der sich mit dem StĂ€dtebau in Halberstadt beschĂ€ftigte. Dieser Mensch zieht dann allein das erste DickhĂ€uterhaus der DDR durch. Als alles dann steht, und Graffunders Anteil daran gleich Null ist, schreibt man eine eigene BroschĂŒre, nur ĂŒber dieses Haus, und benennt ihn dann namentlich. Tut mir leid, da fĂ€llt mir wirklich kein einziger vernĂŒnftiger Grund ein, den es dafĂŒr gĂ€be.
9 Jahre spĂ€ter aber, da gibt es noch mal einen Aufsatz, ausschließlich zu diesem Haus. Jetzt aber gibt es darin sogar einen eigenen Absatz nur fĂŒr Kritiken an diesem Haus, etwas fĂŒr die DDR damals wirklich beachtliches. Eine Kritik gibt es zur FlĂ€chenaufteilung, andere sind rein baulicher Natur. Und wieder wird erwĂ€hnt, dass der jetzt noch um einiges berĂŒhmtere Graffunder beim Bau dieses Hauses konsultiert wurde. Also geht ein Teil dieser Kritik jetzt auch an ihn. Und das nicht etwa in einem BlĂ€ttchen, welches fĂŒr 50 Pfennig an Besucher verkauft wird, sondern im Zoologischen Garten, der Zeitschrift der deutschen TiergĂ€rtnerei.
1976, da reden wir nicht mehr ĂŒber den Abteilungsleiter Graffunder, der er 1967 noch war, sondern wir reden vom Chefarchitekten der DDR, dem Erbauer des Palastes der Republik und dem doppelten NationalpreistrĂ€ger 1. Klasse.
Das allein macht die Kritik von BĂŒrger in aller Öffentlichkeit noch beachtenswerter.
HĂ€tte aber Graffunder an diesem Haus tatsĂ€chlich nicht mehr Anteil gehabt, als einen Vorentwurf eines ganz anderen Hauses auf einem ganz anderen Plan, ich kann mir nicht vorstellen, dass er der ErwĂ€hnung seines Namens nicht massiv und auch erfolgreich widersprochen hĂ€tte. BĂŒrger hĂ€tte in diesem Falle Kopf und Kragen riskiert, einen solchen Menschen setzte man zu der Zeit nicht leichtfertig, und schon gar nicht unberechtigt einer öffentlichen Kritik aus.
Und um zum Schluss auch noch einmal ins Reich der Spekulationen abzugleiten, meine Vermutung habe ich bereits geschrieben. Nach dem, was ich hier an Quellen habe, da gehe ich nach wie vor davon aus, dass BĂŒrger und Steinhagen das Haus konzipiert haben, wegen der großen Bedeutung dieses Hauses sich aber dann mit DEM Fachmann auf diesem Gebiet, den die DDR damals zu bieten hatte, abgestimmt, und den Entwurf von ihm durch Konsultation prĂŒfen und ggf. verbessern haben lassen. Das ist fĂŒr mich die Geschichte des Magdeburger DickhĂ€uterhauses, des Hauses, welches gebaut wurde, und welches heute noch steht, mal sehen, wie lange noch.

(03.10.2011, 01:19)
Carsten Horn:   Wobei die Planung des Flußpferdgeheges wenn man ĂŒberhaupt fĂŒr zwei Tiere gebaut hat, von Anfang an ein Armutszeugnis war, denn hĂ€tte man die Tiere wirklich mal trennen mĂŒssen, hĂ€tte ein Tier im Haus keinen Zugang zum Badebecken gehabt...

Und außen gab es keinen Notausstieg aus dem Graben, was dem ersten Flußpferdbullen zum VerhĂ€ngnis geworden ist, nachdem er von seiner "Gattin" da hinein gestoßen wurde...
(03.10.2011, 01:13)
Michael Mettler:   @Oliver: Es grenzt zwar schon fast an eine eigene Chronik des Hauses, aber da wir die Diskussion ohnehin schon öffentlich betreiben, bin ich nun auch noch am Zusammenstellen der Quellenzitate, die sich mit den Planungen des Hauses als solchem (unabhĂ€ngig von der GelĂ€ndeerweiterung) befassen. Doch dazu in einem spĂ€teren Beitrag, erst mal zu deinem aktuellen.

Es gibt sogar noch dritte Möglichkeit, warum am Anfang tatsĂ€chlich vorerst nur ein Nashorn vorhanden und das vielleicht sogar so eingeplant war: Es gab noch gar kein Außengehege dafĂŒr, das entstand erst im Folgejahr. Man hĂ€tte zwei Nashörner bis zur Fertigstellung stĂ€ndig innen halten mĂŒssen. Wir haben schon hie und da die unsichere Bausituation in der DDR diskutiert; vielleicht fĂŒrchtete man - auch wegen der Erfahrungen mit den Bauverzögerungen des DHH - notfalls lĂ€nger auf ein Außengehege verzichten zu mĂŒssen und wollte dann nicht riskieren, dass ein zweites, so kostbares Tier durch zu beengte Haltung zu Schaden kĂ€me. Man hĂ€tte das Paar ja nicht mal "auf Durchlauf" halten können, weil es zwischen den beiden linken StĂ€llen gar keine Verbindung gibt! Die Hippos dagegen hatten drinnen bedingt durch das Wasserbecken weitaus mehr Platz als die Nashörner und eine Trennmöglichkeit, da konnte man das Risiko ohne Außenanlage eingehen.

Ob wirklich kein weibliches Nashorn verfĂŒgbar war, auch nicht das 1967er Importtier? So weit ich weiß, trafen manche Zoodirektoren mit den HĂ€ndlern Vereinbarungen, wenn diese auf ĂŒberzĂ€hligen mĂ€nnlichen Tieren "saßen": Ich nehme dir deinen unnĂŒtzen Fresser schon jetzt ab, aber das nĂ€chste Weibchen gehört dann mir. Mag sein, dass Magdeburg Pech hatte - mag aber auch sein, dass es vorerst so gewollt war und man erst nach Fertigstellung der Außenanlage das Pech hatte, dass gerade keine Kuh verfĂŒgbar war. Möglich ĂŒbrigens auch, dass Ruhe den Bullen aus eigener Platznot heraus anfangs nur eingestellt hatte und Kibo erst zu einem spĂ€teren Zeitpunkt in den Besitz des Zoos ĂŒberging.

Zu 4): Ich bin kein Kenner der Magdeburger Politik und kenne nicht mal den Vogelgesangpark aus eigener Anschauung, da ich den Zoo noch nicht ein einziges Mal ĂŒber den dortigen Eingang betreten habe. Also kann ich hinsichtlich der FlĂ€chenaufteilung nur vom 1960er Perspektivplan und den damaligen LageplĂ€nen des Zoos ausgehen. Das vorhandene ZoogelĂ€nde umfasste rund 11,5 ha. Im Vergleich mit dem beigefĂŒgten Perspektivplan waren die linke und untere Grenze die gleiche, oben bildete die Straße die Außengrenze, und nach rechts schließt das alte GelĂ€nde in etwa mit dem rechten Weg entlang der Anlage Nr. 57 ab, richtig? Das WirtschaftsgelĂ€nde jenseits der Straße (oben im Bild, Nr. 1 bis 17) soll 5 ha groß sein, das kommt im Vergleich zu den 11,5 ha des AltgelĂ€ndes durchaus hin. Wenn der Vogelgesangpark ebenfalls nur 5 ha messen sollte, kann damit aber unmöglich das gesamte RestgelĂ€nde gemeint sein, denn das sind insgesamt tatsĂ€chlich gut 15 ha auf der Zeichnung - deshalb ja meine Frage, wie sich das erklĂ€rt. So oder so bleibt aber der Fakt, dass Graffunder & Co. zwei wichtige, weil besucherwirksame Anlagen - Raubtierhaus und Robbenanlage - eben nicht in den "garantierten" Zooteil geplant hatten, sondern in den eventuellen. Sie hĂ€tten genausogut zwei der großen FlĂ€chen fĂŒr Ponys (69), Hirsche (67), Antilopen (44) und Rinder (55) fĂŒr die Besuchermagneten einplanen können. Und das relativiert fĂŒr mich deine Theorie der Planung aus Platznot.

Zu 5)-7): Es muss gar nicht sein, dass es Graffunder war, der das Haus fĂŒr drei Arten plante, darauf will ich ja die ganze Zeit hinaus. Graffunder könnte z.B. 1960 nur fĂŒr Elefanten und Flusspferde, (als am ehesten beschaffbare Arten) geplant haben, und zwar - seinen Vorlieben entsprechend, siehe seine anderen PerspektivplĂ€ne - in getrennten HĂ€usern. Gehege Nr. 22 wĂ€re dann das große Flusspferdbecken gewesen, Nr. 23 könnte vorher durchaus als Landteil desselben gedacht gewesen sein, denn der fĂ€llt "nebenan" auf der Planung gar winzig aus (nur der Bereich dicht am Haus, wie aus den Wellensymbolen um die "22" herum ersichtlich). Gerade der Bereich um die linke vordere Hausecke herum (in meinen Skizzen vom 29.9. erkennbar) sieht zudem merkwĂŒrdig aus: Sollen das Weiße auf Flusspferdseite und die kleine weiße "Nase" auf der Nashornseite Felsen sein? Kletterfelsen in anderen Anlagen sind so eingezeichnet, aber die brauchte man fĂŒr DickhĂ€uter nicht, und Trennfelsen sind ĂŒberall schwarz eingezeichnet. Letztere gibt es hier auch - und wenn man mal mit dem Gedanken spielt, diese seien nachtrĂ€glich "drĂŒbergemalt", dann ergeben die anderen Linien durchaus einen Sinn, nĂ€mlich als breite Treppe vom höher gelegenen Landteil (23) ins Wasserbecken.

Irgendjemand, entweder Witstruk (der den Jahresbericht noch verfasste) oder BĂŒrger (in dessen Antrittsjahr er erschien) könnte aus SachzwĂ€ngen und/oder dem Wunsch, mit Nashörnern auch noch den dritten großen DickhĂ€utertyp unterzubringen, durchaus (und vielleicht sogar in Absprache mit dem "amtlichen Magdeburger" Schöne) den trennenden Raum zwischen zwei Graffunder-HĂ€usern "baulich ĂŒberbrĂŒckt" und ein zusammenhĂ€ngendes DickhĂ€uterhaus in den Plan gezeichnet haben - wie es dann spĂ€ter auch verwirklicht wurde. Ich habe in allen meinen Quellen bisher nicht einen einzigen Beweis dafĂŒr gefunden, dass Graffunder nach der Erstellung des Lageplans irgendeinen weiteren Beitrag zum Haus lieferte. Alle Äußerungen wie "in Zusammenarbeit mit" oder "unter Konsultation von" können sich theoretisch genausogut auf diese eine einzige Mitwirkung 1960 beziehen, nach der dann insgesamt drei (!) andere ProjektierungsbĂŒros (alle vor Ort ansĂ€ssig) fĂŒr das Haus tĂ€tig wurden, aber bis zur Eröffnung nie wieder Graffunder oder sein VEB Berlin-Projekt in diesem Zusammenhang ErwĂ€hnung fand. Und das bei einem so prominenten Architekten...?

Nur am Rande: Ich hatte gemutmaßt, dass der Standort des DHH schon im 1957er Plan (an dem Graffunder vielleicht nicht beteiligt war) Bestand gehabt haben könnte, wenn auch eventuell nur als Elefantenhaus. In diesem Zusammenhang fiel mir bei der Quellensuche ein Detail ins Auge. In der 50-Jahre-Chronik heißt es ĂŒber die anfĂ€ngliche, provisorische Unterbringung der ersten Elefanten auf dem Wirtschaftshof: „Außerdem stellte dieses StallgebĂ€ude auch die Winterunterkunft fĂŒr Zebras und andere Huftiere dar.“ Und da fiel mir auf, dass im Perspektivplan gar keine Zebras auftauchen. Und das auf dem Weg zum "richtigen Zoo"! Es bleibt zwar blanke Theorie, aber wenn man Elefanten und Zebras in Magdeburg noch Anfang der 60er Jahre in SommerauslĂ€ufen hielt und fĂŒr den Winter in einem gemeinsamem, fĂŒr den Besucher nicht betretbaren GebĂ€ude aufstallte, warum sollte dann nicht drei Jahre zuvor ein Warmhaus fĂŒr Elefanten und Zebras an genau jener Stelle geplant gewesen sein, und bei dessen Umplanung 1960 hatte man dann die Zebras beim Ersetzen durch DickhĂ€uter glatt vergessen? Es gibt zwar eine Anlage (44) fĂŒr "Huftiere (Antilopen usw.)", aber erstens hĂ€tte man wohl eher "Zebras usw." geschrieben, und zweitens war die Vergesellschaftung beider damals noch lĂ€ngst nicht allgemein ĂŒblich.

Zu deiner letzten Frage: Ja, wir meinen den gleichen Artikel, und ich muss zugeben, dass die Formulierung "in KĂŒrze" nicht im Originalwortlaut auftaucht, sondern nur eine Deutung von mir war. Und zwar aus dem Zusammenhang mit den Quelleninformationen heraus, dass Witstruk kurz zuvor den Bau eines erst 1960 geplanten Hauses in den Jahren 1961/62 ankĂŒndigte (siehe MD-ZoofĂŒhrer 1961) und somit offenbar eine so schnelle Umsetzung fĂŒr durchaus möglich hielt, und dass in der Halle-Chronik auf der selben Seite wie das besagte Interview (S. 386) zu lesen ist: "Aus PlĂ€nen fĂŒr die nĂ€chsten Jahre ist zu ersehen, dass Planung und Wirklichkeit doch weit auseinander lagen: z.B. war fĂŒr 1968-70 der Bau eines DickhĂ€uterhauses zwischen Raubtierhaus und Wirtschaftshof vorgesehen." Das hatte ich so verstanden, dass das Haus schon viel frĂŒher geplant war, sich aber der Bau hinausschob (und letztlich nie stattfand). Angesichts dessen, dass Witstruk aus Magdeburg möglicherweise schon fertige, dort nicht mehr selbst umgesetzte Vorstellungen von "seinem" Haus mitbrachte, bin ich dann auf die Denkschiene geraten, er könnte in Halle quasi nahtlos an seine MD-Planung angeknĂŒpft haben. Beim Nachlesen habe ich jetzt aber festgestellt, dass 1968-70 schon damals als Zieldatum festgelegt und sich Baumgartens Formulierung auf die Nicht-Verwirklichung beziehen muss.
(02.10.2011, 21:55)
Oliver Jahn:   @Michael, auch ich fange mal der Reihe nach an.
Zum Nashorn war es eine Vermutung von dir, dass man auf ein zweites Nashorn anfĂ€nglich wegen des Preises verzichtete. Ich habe dem entgegen gehalten, dass ich vermute, dass es schlicht weg daran lag, dass man kein zweites Tier bekam, weil keines verfĂŒgbar war.
Zum Preis habe ich mich auf das Zitat aus der Chronik berufen: "Spitzmaulnashörner waren zu jener Zeit die am hĂ€ufigsten vorkommende Nashornart und dementsprechend auch relativ gĂŒnstig."
Arusha, als teuerstes Tier mit 20.000 Mark, habe ich nur erwĂ€hnt, weil ich damit verdeutlichen wollte, dass bei einer Gesamtsumme von 1,5 Millionen ein Nashorn, welches weniger als 20.000 Mark gekostet haben muss, sicher nicht so sehr ins Gewicht fallen dĂŒrfte. Daher habe ich versucht, einen anderen Grund dafĂŒr zu finden, warum man mit nur einem Tier begann. Und den meine ich, geliefert zu haben. Es gab einfach kein Weibchen vor 1970.
Kommen wir nun zum Perspektivplan.
Ich ĂŒbernehme mal deine Nummern.
Zu 1) sind wir uns einig, da gab es keine gegenteiligen Meinungen.
Zu 2) ebenfalls nicht.
Zu 3) sehe ich es anders, warum habe ich sehr ausfĂŒhrlich beschrieben. Man plante 1960 noch auf einer FlĂ€che, bei der man wusste, dass man sie nicht ohne weiteres fĂŒr den Zoo bekommen wĂŒrde, da es bereits 3 Jahre vorher ein Politikum war. Das hat fĂŒr mich sehr wohl Bedeutung, fĂŒr die Frage, was ich wohin plane und wie viel Platz ich dafĂŒr gern hĂ€tte, wie viel ich garantiert aber nur zur VerfĂŒgung habe.
Zu 4), das ist genau einer der Beweise dafĂŒr. Man schreibt noch immer vollmundig von 30 ha, obwohl man bereits zu diesem Zeitpunkt dann selber vorrechnet, dass es bereits deutlich weniger ist. Ganz entscheidend aber ist, dass der Teil, den man am wahrscheinlichsten bekommen wird, gar nicht fĂŒr Besucher zugĂ€nglich sein wird.
Zu den Punkten 5) bis 7), hier sehe ich die NachtrĂ€glichkeit beim DHH ehrlich gesagt von Anfang an nicht. Selbst beim Menschenaffenhaus sehe ich es nur, wenn ich es sehen will. Einzig das Vogelhaus wirkt auch auf meinem Plan wie nachtrĂ€glich aufgeklebt, vielleicht aber auch nur, wie etwas fetter gedruckt, denn durch einen Bau verdeckte oder abgeschnittene BĂ€ume gibt es auch bei vielen anderen HĂ€usern auf diesem Plan, ein Weg wird gar nicht ĂŒberlagert, lediglich der untere AußenkĂ€fig ragt etwas weit nach unten, aber damit nur ĂŒber die Schrote und in einen Weg hinein, was baulich nicht unmöglich wĂ€re, optisch sogar ein echter Hingucker.
Aber unabhĂ€ngig davon ist dieser Plan von Graffunder. Und er zeigt ein DickhĂ€uterhaus fĂŒr 3 Arten und die drei dazugehörigen Außenanlagen. Nehmen wir also an, es hĂ€tten dort mal verschachtelte HĂ€user gestanden oder EinzelhĂ€user, eventuell sogar nur ein Elefantenhaus, was ja durchaus möglich ist, dann stellt sich doch aber die Frage, warum hat Graffunder abweichend von seiner sonstigen Linie hier ein Haus fĂŒr alle drei Arten eingezeichnet?
Und ich dachte bisher auch, das war hier die Frage. Und da fallen mir auch weiterhin außer dem Platzmangel keine anderen plausiblen GrĂŒnde ein.
Zu meinem zweiten Beitrag vom 1.10., meinen wir da nun beide den gleichen Artikel bezĂŒglich des Interviews mit Witstruk?

(02.10.2011, 20:01)
Michael Mettler:   @Oliver, nun zum Magdeburger Perspektivplan und der Frage der Erweiterung, wobei ich jetzt - deinem Prinzip folgend - vor jeglicher Deutung erst mal die mir vorliegende Quellenlage betrachte und zudem die Ereignisse in chronologische Reihenfolge zu bringen versuche.

1) "So reifte 1956 der Gedanke in der Stadt, aus dem bisherigen Heimattiergarten bis zum Jahre 1960 einen Zoologischen Garten zu entwickeln. Dazu sollte das GelĂ€nde um etwa 8 bis 10 Hektar in nördliche Richtung erweitert werden... (...) 1957 wurde der alte Erweiterungsplan nach Norden aufgegeben. Als Alternative blieb letztendlich nur die SĂŒderweiterung in den Vogelgesangpark." (50-Jahre-Chronik, S. 37)

2) "...PerspektivplÀne wurden erstellt (1957 sowie 1960 von Graffunder, Berlin)..." (Halle-Chronik, S. 201)

3) "Nachdem das Thema Erweiterung Richtung Norden 1957 vom Tisch war, blieb nur die Erweiterung Richtung SĂŒden, die Einbeziehung des Vogelgesangsparks war jedoch schon damals ein heftig umstrittenes Politikum." (60-Jahre-Chronik, S. 15)

4) "...bereits am 25. Februar 1959 schreibt die Volksstimme: 'Der Tierpark unserer Stadt wird um das Doppelte seines bisherigen Bestandes vergrĂ¶ĂŸert... Am 1. MĂ€rz werden etwa 20 Hektar Park hinzukommen. Auf der SĂŒdseite umfasst der Vogelgesangpark etwa 5 Hektar mit GaststĂ€tte, die kĂŒnftig zum Tierpark gehören werden. Weitere 5 Hektar kommen auf der Nordostseite dazu, die als WirtschaftsflĂ€che, fĂŒr die Aufzucht der Tiere und fĂŒr die Futtergewinnung genutzt werden." (50-Jahre-Chronik, S. 37)

5) "Es wurde 1960 aber nicht nur mit der Planung dieses Hauses (DHH gemeint) begonnen, sondern auch ein Perspektivplan des Zoos fĂŒr die nĂ€chsten 25 Jahre in Zusammenarbeit mit Architekt Graffunder aus Berlin und Gartenarchitekt Schöne aus Magdeburg erstellt." (50-Jahre Chronik, S. 40)

6) "Um zukĂŒnftig die Arbeiten im Zoo den Perspektivvorstellungen entsprechend durchfĂŒhren zu können, wurde 1960 ein Gesamtlageplan aller ĂŒberhaupt einmal vorgesehenen Tieranlagen und Versorgungseinrichtungen in Verbindung mit dem Architekten Herrn Graffunder aus Berlin und dem Gartenbauarchitekten Herrn Schöne aus Magdeburg angefertigt. (...) Die Projektierung des DickhĂ€uterhauses wird bereits durchgefĂŒhrt und werden die Mittel hierfĂŒr ĂŒber das Stadtbauamt zur VerfĂŒgung gestellt; 1963/63 soll dann der erste Bauabschnitt des DickhĂ€uterhauses fertiggestellt werden, mit dessen Vorbereitungen noch Ende 1961 begonnen wird." (JB 1960, herausgegeben 1961; dort auch Veröffentlichung des Perspektivplans)

7) "Ein entsprechendes DickhĂ€uterhaus soll 1961/62 gebaut werden." (ZoofĂŒhrer 1961, noch verfasst von Witstruk; enthĂ€lt auch das Bild eines Plakates mit Elefantenmotiv und dem (Spenden-?)Aufruf "Baut mit an meinem Haus", das laut Druckfreigabenr. schon 1960 erschienen war)

Werte ich nun diese Informationen aus, ergibt sich folgendes Bild:

Zu 1) habe ich schon argumentiert. Man wollte „bis 1960“ einen Zoo aus dem Heimattiergarten machen, da wĂŒrde mich wundern, wenn man nicht zumindest Elefanten eingeplant hatte – von denen ja auch schon 1960 der erste einzog.

Das heißt, dass im unter 2) erwĂ€hnten Plan von 1957 wahrscheinlich schon ein Elefantenhaus vorgesehen war. An welchen Standort, in welcher Form und von wem entworfen, geht aus keiner Quelle hervor. Das Zitat in der Halle-Chronik kann man so deuten, dass Graffunder erst am 1960er Plan mitwirkte, oder so, dass er an beiden beteiligt war. Zu Zeiten beider Planungen war Witstruk Zoodirektor. Auch wenn es nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt ist, dĂŒrfte er als „TiersachverstĂ€ndiger“ an beiden Planungen beteiligt gewesen sein.

Zu 3): Und genau diese Erweiterung nach SĂŒden ist im Perspektivplan von 1960 wiedergegeben. Ob nur noch aus politischem KalkĂŒl oder nicht, spielt fĂŒr die DHH-Planung m.E. keine Rolle.

Zu 4): Das sind die rund 30 Hektar verplanter FlĂ€che, auf die ich mich unten bezog. Interessant dabei ist die nicht erlĂ€uterte Differenz von etwa 10 Hektar, immerhin fast der GrĂ¶ĂŸe des damals bestehenden TierparkgelĂ€ndes entsprechend, und dass der Vogelgesangpark mit nur 5 Hektar angegeben wurde. Wie erklĂ€rt sich das?

Zu 5) bis 7): Die genaue Reihenfolge geht aus keiner Quelle hervor - wir wissen nicht, ob 1960 zuerst der neue, zweite Perspektivplan des Zoos entstand oder zuerst mit der DHH-Planung begonnen wurde. Der Perspektivplan könnte durchaus Elemente beinhalten, die schon 1957 geplant worden waren, und darunter eben auch ein Elefantenhaus, ein DickhĂ€uterhaus oder ein „Graffunder-Ensemble“, falls der Architekt schon damals mitgewirkt haben sollte. In diesem Fall könnte der Ursprungsplan einfach nur geĂ€ndert worden sein, indem man fĂŒr die Nordseite geplante Projekte (z.B. das Raubtierhaus) nach Wegfall der dortigen Erweiterungsmöglichkeit an die SĂŒdseite verlegte und gar nicht das komplette GelĂ€nde ganz neu verplante.
Drei WarmhĂ€user – darunter das DHH – sind im 1960er Plan etwas abweichend dargestellt und könnten nachtrĂ€glich in diesen eingezeichnet worden sein, so dass sie die ursprĂŒngliche Planung ĂŒberdecken. DafĂŒr kann es m.E. nur zwei GrĂŒnde geben: Entweder war an der betreffenden Stelle ursprĂŒnglich gar kein Haus oder etwas thematisch ganz Anderes vorgesehen (das könnte beim Vogelhaus so sein) oder der Ursprungsentwurf des Hauses sah anders aus (bei DHH und Affenhaus wirken die angrenzenden Außenanlagen „original“). Das wiederum könnte (muss aber nicht) bedeuten, dass das DHH vorher in beschriebener Weise aus getrennten oder verschachtelten Baukörpern bestanden haben könnte, zumal im 1957er Plan vielleicht (!) nur die Elefantenseite als eigenstĂ€ndiges Bauwerk eingeplant war und man vielleicht (!) erst 1960 die Planung um die anderen DickhĂ€uter erweiterte.
So oder so: Falls man die Nicht-Verwirklichung aller ErweiterungsplĂ€ne schon damals befĂŒrchtete, hĂ€tte man zusĂ€tzliche Nashörner und Flusspferde doch gar nicht erst platzaufwĂ€ndig einplanen mĂŒssen, um den Schritt zum „richtigen“ Zoo zu machen, denn dafĂŒr war der Elefant m.E. die „wichtigste“ Art. Und davon traf ja auch schon im Oktober 1960 der erste in Magdeburg ein (Wieviel Vorlaufzeit mag diese Anschaffung gebraucht haben?). Im selben Jahr hatte die Projektierung des DHH begonnen, da wĂ€re es angesichts der beschriebenen UnwĂ€gbarkeiten m.E. mehr als fahrlĂ€ssig gewesen, keinen „Plan B“ zu entwerfen, in dem es nur bei einem Elefantenhaus geblieben wĂ€re (und dabei hĂ€tte man vielleicht sogar auf eine entsprechende Planung von 1957 – mit oder ohne Graffunder – zurĂŒckgreifen können). TatsĂ€chlich hĂ€tte das heutige Haus auch „funktioniert“, wenn man die Nashorn-Nilpferd-Seite inklusive der drei rĂŒckwĂ€rtigen WirtschaftsrĂ€ume komplett weggelassen hĂ€tte.
(02.10.2011, 14:35)
Michael Mettler:   @Oliver, der besseren Übersichtlichkeit wegen teile ich die Antwort thematisch in EinzelbeitrĂ€ge auf. Deshalb zunĂ€chst die "Preisfrage".

Deine Zuchtbuch-Recherche unterstreicht genau das, was ich aus der Erinnerung heraus ĂŒber das Abebben der Spitzmaulnashorn-Importe in den spĂ€ten 60er Jahren geschrieben habe. Und was schwieriger zu bekommen ist, wird automatisch teurer. Zur Erinnerung: Du hattest angezweifelt, dass das Nashorn seinerzeit das kostspieligste der eingeplanten und bei Eröffnung vorhandenen Tiere war (denn ein Afrikanischer Elefant blieb zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr als ein Wunsch fĂŒr die Zukunft).

Ich ergĂ€nze deine Recherche: Laut einer Übersicht im International Zoo Yearbook, Vol. IV (1962), durchliefen allein den Zoo Hannover als Standort der Fa. Ruhe zwischen Kriegsende und 1962 nicht weniger als 35 Spitzmaulnashörner (21,14). Ruhe fĂŒhrte zusammen mit einem GeschĂ€ftspartner die "Tanganjika Game Ltd.", ein eigenes Fang- und Exportlager in Ostafrika. In "Wilde Tiere frei Haus" schreibt er, dass man 1958 die FangprĂ€mien fĂŒr Wildtiere so sehr erhöhte, dass er neue Kalkulationen vornehmen musste. Zudem wurde der Fang immer schwieriger: "Gab es anfangs (gemeint ist der Winter 1953/54, die GrĂŒndung der Ltd.) Elefanten oder Nashörner in einer Entfernung von nur 30 oder 40 Kilometern von der Farm - jetzt mussten bis zu 800 oder gar 1.000 Kilometer zurĂŒckgelegt werden, bevor an die Fangvorbereitungen zu denken war." WĂŒrde mich wundern, wenn beide Faktoren zusammen nicht auch die Preise fĂŒr Spitzmaulnashörner (und ja, auch fĂŒr Afrikanische Elefanten) hochgetrieben hĂ€tten. Im Gegensatz dazu konnte man Indische Elefanten noch immer in ihrer Heimat auf ElefantenmĂ€rkten kaufen, so dass sie im Vergleich zu diesen beiden Arten gĂŒnstiger waren.

Es ist nicht gerade einfach, in Zooveröffentlichungen usw. Preisangaben zu finden, aber ein paar konnte ich ausfindig machen. Klös schildert in "Freundschaft mit Tieren", er habe 1957 fĂŒr einen Spitzmaulnashornbullen 15.000 DM zahlen mĂŒssen, was einem Drittel des Tierbeschaffungsetats entsprach. Das war noch in den Hochzeiten des Nashornimportes, der Preis wird deshalb 1967 unter schwierigeren Bedingungen wohl nicht geringer gewesen sein. Der Zoo Halle erhielt 1962 (also nur kurz nach den beiden Magdeburger Elefanten) 0,2 Indische Elefanten fĂŒr zusammen 27.272 DM (Halle-Chronik, S. 243). Flusspferd-Preise fand ich nicht, aber im Gegensatz zu den aufwĂ€ndig importierten Elefanten und Nashörnern konnte man Hippos schon aus Zoonachzuchten bekommen, der Preis dĂŒrfte also (zumindest fĂŒr den Bullen) wohl nicht den eines Indischen Elefantenkalbes ĂŒberschritten haben. Interessehalber zum Vergleich: Das 1968 nach Duisburg gelangte Breitmaulnashornpaar kostete laut JubilĂ€umsbroschĂŒre 35.000 DM, war aber laut Text ein Gelegenheitskauf (sonst offenbar teurer).

Die einzige mir verfĂŒgbare Preisliste mit allen damals erhĂ€ltlichen DickhĂ€uterarten liefert ebenfalls "Wilde Tiere frei Haus". Sie stammt zwar von 1930, aber die Möglichkeiten des Importes bzw. der Beschaffung von Hippo-Nachzuchten waren fĂŒr die einzelnen Arten m.W. durchaus vergleichbar mit der Situation der Nachkriegszeit bis zum Importboom der Breitmaulnashörner und Afrikanischen Elefanten, deshalb mögen auch die Preisrelationen vergleichbar sein:

Afrikanisches Elefantenkalb (nur 0,1 verfĂŒgbar) 20.000 RM
Asiatische Elefantenkuh je nach Alter 6.000 bis 8.000 RM
Spitzmaulnashornbulle je nach Alter 18.000 bis 25.000 RM
Spitzmaulnashornkuh je nach Alter 20.000 bis 25.000 RM
Flusspferdbulle, 1-jÀhrig 9.000 RM
Flusspferdkuh 3/4-jÀhrig 14.000 RM

Dass die Afrikanische Elefantin Arusha 1969 mit 20.000 Mark zum bis dato teuersten Bewohner des Magdeburger DHH wurde, schließt nun mal nicht aus, dass vorher das schon zur Eröffnung eingeplante Nashorn diesen Superlativ innehatte. Meine Äußerung dazu lautete unten in diesem Thread: "Vielleicht wurde zu Gunsten des Elefantenbades zwischenzeitlich von einem zweiten Nashorn Abstand genommen (m.W. damals die teuerste der drei Tierarten), bis man auf den Gedanken verfiel, dafĂŒr einen nicht einsehbaren rĂŒckwĂ€rtigen Stall einzurichten?" Mit den drei Tierarten waren die bei Eröffnung vorhandenen DickhĂ€uter gemeint, somit also kein Afrikanischer Elefant.
(02.10.2011, 12:37)
Oliver Jahn:   So, nun habe ich meinerseits auch noch mal ein wenig recherchiert.
Ich fange mal bei den Spitzmaulnashörnern an. Warum hat Magdeburg nicht gleich zur Eröffnung ein Paar gezeigt? Ich habe ja bereits eine Vermutung geĂ€ußert, und diese scheint sich zu bestĂ€tigen.
Dank freundlicher Hilfe habe ich ein paar Zuchtbuchdaten erhalten.
Im Zeitraum von 1967 bis 1970 wurden nach Europa gerade mal 5 weibliche Tiere importiert. Und davon
je ein Tier 67 und 68,
69 gar keins
70 dann drei.
Unter diesen drei Tieren war Kenia, die dann nach Magdeburg kam.
Zwischen 61 und 67 wurde in Europa (immer vorausgesetzt, dass ich nicht doch mal ein Tier, welches den Kohl nicht fett machen dĂŒrfte, ĂŒbersehen habe) auch kein einziges weibliches Nashorn geboren. Weibchen waren also Mangelware.
1966 hingegen wurden 6 Bullen importiert. Einer davon war Kibo, der erst in Gelsenkirchen stand, dann in Hannover, und den Ruhe dann 67 an Magdeburg verkaufte.
Selbst da finde ich es beachtlich, dass der noch junge und unbekannte Zoo in Magdeburg das GlĂŒck hatte, einer der wenigen Zoos in Europa zu sein, der ein Spitzmaulnashorn bekam. Dass aber das eine Weibchen, welches 67 importiert wurde, genau so unwahrscheinlich an Magdeburg ging, wie das andere Weibchen, welches 68 importiert wurde, das scheint mir schon sehr einleuchtend.
Nun noch mal ein paar Anmerkungen zum Perspektivplan.
Hier muss ich wieder mal mit einem Zitat beginnen:
"Dass Graffunder in Magdeburg wegen Platzmangels ein einziges Mal drei DickhĂ€uterarten unter dem selben Dach einplanen musste, scheint mir kein gutes Argument zu sein. Als der 1960er Perspektivplan unter seiner Mitwirkung entstand, ging man noch von einer Erweiterung des GelĂ€ndes auf ungefĂ€hr 30 Hektar aus…"
Das stimmt nicht, davon ging man da schon lange nicht mehr aus, auch wenn man es vielleicht aus politischem KalkĂŒl gern mal immer wieder betonte.
Als der 60er Plan entstand, da wirkte Graffunder an ihm mit. Auf diesem Plan, der noch unter Witstruk erstellt wurde, sehen wir ein Haus fĂŒr alle drei DickhĂ€uter. Graffunder erstellte also fĂŒr Magdeburg einen Plan, mit einem Haus. Diesen Plan sehen wir in der Chronik und im Jahresbericht von 1960. Egal, was Graffunder in anderen Zoos plante, hier plante er ein Haus fĂŒr alle drei Arten.
Warum, das kann ich nur vermuten, aber welchen Grund, außer dem Platzmangel gab es denn sonst?
Als dieser Plan entstand, da waren die knapp 30 ha schon lange nicht mehr realistisch, denn die Norderweiterung war bereits 1957 vom Tisch.
Schaue ich mir weiterhin den Plan an, so stelle ich fest, dass ein sehr großer Teil (ca. ein Drittel) ĂŒberhaupt nicht fĂŒr den Besucher gedacht war, nĂ€mlich der gesamte Bereich auf der anderen Seite der Straße am Vogelgesang. Komme ich nun zurĂŒck zu meiner Vermutung bezgl. des Denkmalschutzes, so passt auch der Rest ganz gut. Auf dem GelĂ€nde des Vogelgesangs finde ich als Großbau die GaststĂ€tte, die schon stand, und das Aquarium auf dem Platz am Rondell, der bereits Festplatz war. Im denkmalgeschĂŒtzten Bereich stehen keine großen HĂ€user, sondern nur StĂ€lle, die allerdings fĂŒr große Rinder und die Robbenanlage. Über das Jahr 1957 aber lese ich, dass in dieses Jahr die ersten Debatten ĂŒber die Erweiterung fallen und die Einbeziehung des denkmalgeschĂŒtzten Vogelgesang bereits da zum Politikum wurde.
Norderweiterung geplatzt, im Osten nur WirtschaftsflĂ€che nicht fĂŒr Besucher, der Vogelgesang ein extrem unsicheres Politikum. Was tue ich da? Ich plane fĂŒr den Platz, den ich sicher habe die Großbauten, bei denen ich mir am ehesten eine Realisierung erhoffe. Und dieser Platz, der umfasste nicht mal, wie von mir geschrieben 15, sondern lediglich 11,5 ha, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.
Warum also Graffunder die DickhÀuter auf dem Perspektivplan in ein Haus steckte, das kann ich nicht sagen. Fakt aber ist, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit tat er es. Und Platzmangel als Argument ist nach der Betrachtung meiner Meinung nach gar kein so schlechtes Argument.

(02.10.2011, 00:55)
Oliver Jahn:   Und noch eine Frage habe ich.
Zu den von dir vermuteten Ursprungsplanungen des Hauses in Magdeburg durch Witstruk schreibst du:
"Ebenfalls der Halle-Chronik entnahm ich, dass Witstruk noch im ersten Monat nach seinem Wechsel aus Magdeburg nach Halle in einem Zeitungsinterview sagte, er wolle in KĂŒrze ein Haus fĂŒr Elefanten, Nashörner und Nilpferde im Bergzoo bauen. Auf den dafĂŒr vorgesehenen Platz hĂ€tte ein Haus wie das Magdeburger vielleicht sogar gepasst; wollte er womöglich ein Konzept, das er fĂŒr MD mitgeplant hatte, dort aber nicht mehr verwirklichen konnte, dann stattdessen (und schnellstmöglich) in Halle umsetzen?"
Kannst du mir hier mal die Quelle benennen?
Ich habe ein Interviev von Witstruk mit DNW gefunden, genau zu dem Thema, aber da steht nichts von IN KÜRZE und schnellstmöglicher Umsetzung, sondern er sagt dort:
"...spĂ€terhin die jetzige GĂ€rtnerei und die unschönen StĂ€lle fĂŒr Kamele, Esel und Ponys links vom Haupteingang an der Reilstraße abzureißen und statt dessen eine große Anlage fĂŒr Elefanten, Nilpferde und Nashörner zu schaffen."
SpĂ€terhin heißt fĂŒr mich nicht in KĂŒrze, sondern passt viel besser zu den NAW-PlĂ€nen der nĂ€chsten Jahre fĂŒr den Zoo Halle, in denen ein DickhĂ€uterhaus fĂŒr 1968-70 geplant war.
(01.10.2011, 15:04)
Oliver Jahn:   @Michael, der Perspektivplan, von dem du sprichst, der wurde 1960 bereits veröffentlicht. Erst 1964 aber wurde ein Perspektivplan (welcher, das kann ich leider nicht sagen) bestĂ€tigt. Der Vogelgesang stand schon damals unter Denkmalschutz, und eine geplante Erweiterung wird damals an die gleichen Grenzen bezgl. der Nutzung gestoßen sein, wie heute. Und dann ist eben ganz schnell mal kein Platz mehr fĂŒr die großen und schweren Tiere auf einem Großteil der FlĂ€che, sondern diese dĂŒrfen weiterhin nur auf die knappen 15 ha, genau wie heute. Denn dieses Problem mit dem Vogelgesang, dass kenne ich persönlich schon aus meiner Zooschulzeit, und die war zwar nicht 1960, aber die begann 1973, und bereits auch da stieß die Erweiterung in den Vogelgesang, um ihn fĂŒr die Haltung großer Tiere zu nutzen, auf WiderstĂ€nde, die bis heute nicht ĂŒberwunden sind.
Das war und ist in Erfurt und Rostock anders. UnabhĂ€ngig davon aber sehe ich bei den Bauten dort weiterhin keinen großen Unterschied zu Magdeburg in ihrer Form und neben dem Platzmangel ist es in Magdeburg sicher auch so gewesen, wie z.B. beim ABH in Berlin oder der BĂ€renanlage in Rostock, garantiert haben auch die Direktoren sehr wesentlich ihre Vorstellungen eingebracht und in Magdeburg sogar noch ein weiterer Architekt.
Von daher ist deine Frage ob der endgĂŒltige Bauplan von Graffunder stammt, auch von mir mehrfach ganz klar beantwortet. Nein. Er stammt nicht von ihm, aber er war daran beteiligt.
Denn genannt wird Graffunder von BĂŒrger im Bezug auf das Haus, welches tatsĂ€chlich gebaut wurde, nicht auf einen Teil dessen oder einen Vorentwurf und wie auch schon erwĂ€hnt, nur durch Konsultation.
Ich lese den Text von BĂŒrger so, dass es genau umgekehrt war, als von dir vermutet, nĂ€mlich dass BĂŒrger mit Steinhagen das Haus entworfen hat, und da es fĂŒr Steinhagen vielleicht der erste Zoobau und definitiv in der DDR das erste DickhĂ€uterhaus war, hat man den Mann konsultiert, der zu dieser Zeit die meiste Ahnung mit solchen Bauten hatte, nĂ€mlich Graffunder, dem man den Plan vorlegte, und der ihm dann den Feinschliff gegeben hat. Vielleicht ist er ja fĂŒr die zwei Badebecken verantwortlich oder fĂŒr den Trennungsfelsen dazwischen? Solche Felsen passen auf jeden Fall zu seinem Stil und einigen seiner Bauten, von denen ich die PlĂ€ne kenne. Und dir selber ist ja aufgefallen, dass fĂŒr ein und das selbe Haus mal Flusspferd und mal Nilpferd verwendet wurde.
Zu den Provisorien, die nach Neubauten verschwinden, da hat uns die Zoogeschichte oft genug das genaue Gegenteil bewiesen. Gerade in den Zoos ist nichts so bestÀndig, wie die Provisorien.
Und den breiten linken Weg sehe ich genau wie den rechten auch noch als Möglichkeit, um den Besuchern Platz zu schaffen, auch vor der Außenanlage Raum zu haben, hier war immer was los, hier war etwas zu sehen und die Besucherzahlen waren damals noch andere. Der Zoo war in fast allen Bereichen noch Tierpark und hatte dennoch bereist um die 400.000 Besucher. Bei voller Umsetzung der PlĂ€ne wĂ€re diese Zahl noch deutlich zu steigern gewesen, denn selbst bei viel geringerem Umsetzungsstand schaffte man Mitte der 80er Jahre die 500.000. Und dann noch die Ballung in den Sommermonaten und an den Wochenenden. Und schließlich gab es diese Wege schon, warum sie also nicht nutzen.
Zu den Preisen noch eine Anmerkung, Arusha war das teuerste Tier des Hauses mit 20000 Mark. Was die beiden Inderinnen gekostet haben, das weiß ich nicht, aber Elefanten schienen recht teuer zu sein. Im VerhĂ€ltnis zur Gesamtsumme von 1,5 Millionen wollte ich damit nur verdeutlichen, dass der Preis fĂŒr ein "billigeres" Nashorn nicht so sehr ins Gewicht gefallen sein dĂŒrfte. Ich vermute hier einfach mal, dass nicht so viele Nashörner verfĂŒgbar waren und die großen und renommierten Zoos hier vielleicht einfach mehr Beziehungen hatten, um schneller an ein Tier zu kommen, wĂ€hrend die "Frischlinge" eben noch warten mussten.

(01.10.2011, 01:29)
Michael Mettler:   @Oliver, der Reihe nach: Dass Graffunder "vielleicht gar nicht am Magdeburger DickhĂ€uterhaus beteiligt war", habe ich m.W. nicht geĂ€ußert. Meine Frage geht doch dahin, ob das letztlich gebaute Haus etwas verwirklichte, was er komplett so entworfen hatte, oder ob von seiner einstigen Kreation vielleicht lediglich der Elefantentrakt samt Besucherhalle ĂŒbrig geblieben und der Rest durch andere Planer verĂ€ndert worden war. Dass solche Änderungen Architekten nicht glĂŒcklich machen, sieht man ja an Katharina Heinroths "Kampf" um die Verschwenkung der Bullenboxen...

BezĂŒglich der Planung von zwei Nashörnern muss ich nach Quellenlage wohl zustimmen (und frage mich immer noch, warum ich dann etwas anderes im Hinterkopf hatte). In der 60-Jahre-Chronik heißt es ĂŒber Spitzmaulnashörner, sie waren damals "relativ gĂŒnstig zu erwerben", aber das dĂŒrfte sich - siehe auch "Im Zeichen des Luchses", S. 53 - auf den Vergleich mit den anderen Nashornarten beziehen und nicht darauf, dass sie insgesamt billig waren. Die große Importwelle von Spitzmaulnashörnern aus Ostafrika war in den 50er Jahren, sie ebbte in den 60ern (wie alle Großtierimporte aus Ostafrika) ab, und Spitzmaulnashörner wurden kostbar. WĂ€re das nicht so gewesen, hĂ€tte sich der Zoo doch gleich zur Eröffnung des Hauses ein Paar hineinstellen können. Der erste Afrikanische Elefant war laut BroschĂŒre fĂŒr "eventuell eines Tages" angedacht - entweder also war keiner zu bekommen, oder der Zoo konnte ihn sich auf absehbare Zeit nicht leisten. TatsĂ€chlich wurde Arusha dann ja auch 1969 durch Spenden finanziert. In der konkreten Planung ohne "eventuell eines Tages" dĂŒrfte jedenfalls, wie ich es geschrieben hatte, das Nashorn das teuerste Tier gewesen sein.

Wenn der Weg links um die Flusspferdanlage lediglich geplant war, um die beiden genannten Versorgungswege zu erreichen, dann hĂ€tte er nicht so voluminös ausfallen mĂŒssen (Nr. 21 ist eine Anlage fĂŒr Wölfe). Dass Löwen- und JungbĂ€renkĂ€fig im Perspektivplan nicht (mehr) auftauchen, wundert mich nicht; man hatte schließlich ein großes Raubtierhaus und eine mehrteilige BĂ€renanlage fĂŒr die auf dem Plan dargestellte Zukunft eingezeichnet. Ich finde gerade die genaue Quelle nicht, aber irgendwo las ich bei der Recherche davon, dass der LöwenkĂ€fig von Anfang an nur als Provisorium gedacht war - also wĂ€re er nach dem Raubtierhausbau laut Plan wohl wieder verschwunden. Diese Sackgasse sieht mir eigentlich eher danach aus, als hĂ€tte es ursprĂŒnglich dort ein Tor zur Straße geben sollen, die man an dieser Stelle nur kreuzen musste, um auf den Wirtschaftshof zu gelangen.

Dass Graffunder in Magdeburg wegen Platzmangels ein einziges Mal drei DickhĂ€uterarten unter dem selben Dach einplanen musste, scheint mir kein gutes Argument zu sein. Als der 1960er Perspektivplan unter seiner Mitwirkung entstand, ging man noch von einer Erweiterung des GelĂ€ndes auf ungefĂ€hr 30 Hektar aus, und ich sehe auf dem Plan riesige Gehege fĂŒr Antilopen, Hirsche, Ponys, Bisons und Wisente, von denen jedes nahezu die geplante FlĂ€che des DickhĂ€uterhauses samt Außenanlagen erreichte. Und das soll - gerade auch durch die Einschließung des Vogelgesangparks - nicht als Landschaftspark geplant gewesen sein...? Platz fĂŒr ein DickhĂ€uterhaus-Ensemble wĂ€re in dieser Planung durchaus gewesen, zumal das GelĂ€nde vermutlich sogar leichter zu erschließen war als das in Erfurt - wo aber trotzdem (auch nach deiner Definition) die Flusspferde ein eigenes Haus bekommen sollten, wie auch in Berlin und Rostock. Aus den beiden letzteren EntwĂŒrfen deute ich eine besondere WertschĂ€tzung Graffunders fĂŒr die Hippos, vor deren Gehege er anscheinend mit grĂ¶ĂŸeren Besuchermengen rechnete als selbst vor den Elefanten. In Magdeburg bekamen sie diese Alleinstellung nicht, obwohl der Entwurf zeitlich zwischen den beiden anderen lag und der Platz vorhanden gewesen wĂ€re. Und das macht mich eben stutzig.
(01.10.2011, 00:21)
Oliver Jahn:   @Michael, bei so vielen Theorien fĂ€llt es mir langsam schwer, noch detailliert zu antworten, weil ich kaum noch weiß, wo ich anfangen soll, vor allem, weil in einem Teil Graffunder vielleicht gar nicht am Magdeburger DickhĂ€uterhaus beteiligt war, im anderen aber wĂ€re er mit BĂŒrgers Idee nicht glĂŒcklich gewesen…warum, wenn er doch gar nicht beteiligt war? ;-)
Also versuche ich mal so ein paar Punkte einfach aus meiner Sicht zu beleuchten, immer wieder fasziniert davon, wie wir aus den gleichen Quellen mitunter ganz unterschiedliche EinschÀtzungen gewinnen.
Konsens dĂŒrften wir erzielen darĂŒber, dass eben doch bereits von Anfang an mit zwei Nashörnern geplant wurde. Deine Theorie, man könnte sich anfĂ€nglich aus GeldgrĂŒnden nur fĂŒr ein Tier entschieden haben, weil die Nashörner die teuerste Tierart des Hauses waren, finde ich in der Chronik des Zoos widerlegt, denn dort heißt es, dass Spitzmaulnashörner recht gĂŒnstig zu bekommen waren, der erste afrikanische Elefant hingegen 20000 Mark gekostet hat, und damit das teuerste Tier des Hauses war. Das Haus hat 1,5 Millionen gekostet, da fallen selbst diese 20000 Mark eher gering ins Gewicht.
Das Fehlen des zweiten Nashornstalls sehe ich hingegen nicht als Produkt einer Drehung eines Hauses, sondern so, wie BĂŒrger es beschreibt, in der Fehlannahme begrĂŒndet, man könnte die zwei Tiere in einem Stall halten.
Zur MerkwĂŒrdigkeit der beiden Sackgassen neben dem DickhĂ€uterhaus habe ich mir den Plan ebenfalls noch mal angesehen. Die linke Sackgasse ist keine Sackgasse, denn sie fĂŒhrt nach links hinter den Stall von Nummer 21 und nach rechts hinter das DickhĂ€uterhaus. Die rechte Sackgasse ist m.E. einfach dem bereits vorhandenen Wegenetz geschuldet, außerdem lagen an beiden Wegen zwei wichtige KĂ€fige (Löwen und JungbĂ€ren), welche man eventuell auch als Ausweichmöglichkeiten erhalten wollte, ohne sie einzuzeichnen (was tatsĂ€chlich mit beiden StĂ€llen auch lange so geschah, mit dem einen sogar bis heute).
Komme ich nun zu Graffunder oder Nichtgraffunder. Ich habe keinen Plan, der ihn als Mitwirkenden ausweist. WĂ€re er aber nur fĂŒr einen nie realisierten Vorentwurf konsultiert worden, so kann ich mich nur wiederholen in meiner Frage. Warum wird er dann von BĂŒrger in beiden Artikeln benannt, als der, der fĂŒr den Bau konsultiert wurde, der in beiden Berichten beschrieben wird?
Die Argumente, die hier gegen sein Mitwirken sprechen könnten, sehe ich ebenfalls als nicht unbedingt ĂŒberzeugend, denn ich sehe absolut kein "Abweichen" von einer Linie bei ihm.
Berlin, da sind wir uns einig, ist garantiert hier nicht als Vergleich heranzuziehen. Rostock und Erfurt aber schon. Auf den PlĂ€nen, die ich habe (und wir reden hier wirklich nur ĂŒber PerspektivplĂ€ne mit einer ganz groben Skizzierung der GebĂ€ude) sehe ich fĂŒr Rostock EIN Haus fĂŒr Elefanten und Nashörner, und das ist ganz genau wie das Magdeburger Haus ein einfacher rechteckiger Klotz.
FĂŒr Erfurt sehe ich ebenfalls Nashörner und Elefanten in EINEM Komplex, der unmittelbar aneinander gebaut ist, keinesfalls versetzt, sondern lediglich ein ganz klein wenig gegeneinander geneigt, was hier auch durchaus dem eher bergigen GelĂ€nde geschuldet sein kann. .
Anders ist hier nur, dass die Hippos in beiden FĂ€llen separat untergebracht sind. Und nun schau ich mir den Bau in Magdeburg an. Hier ist das erste Haus dieser Art tatsĂ€chlich entstanden, und alle drei Arten sind in einem Haus. Aus meiner Sicht hat Graffunder da nicht seine Linie verlassen, sondern ist lediglich den Möglichkeiten gefolgt, die er hatte. Wir reden hier ĂŒber ein Haus in einem Zoo, welcher ĂŒber 15 Hektar verfĂŒgte und dessen Erweiterung schon damals, wie man sehr deutlich am Perspektivplan erkennt, mit dem Teil, der zur Tierhaltung und fĂŒr die Besucher genutzt werden konnte, an seinen Grenzen stieß.
Bei Erfurt reden wir hingegen ĂŒber 27 ha allein fĂŒr die Tierhaltung, bei Rostock gar ĂŒber 53. Alle drei Zoos, Berlin, Erfurt und Rostock wurden immer als großzĂŒgige Landschaftsparks beschrieben, Magdeburg nie.
Was die Linie von Graffunder angeht, gab es die denn wirklich? Mir liegen einige Kopien von GraffunderplĂ€nen vor, die leider nie umgesetzt worden sind, auf denen auch ganz großartige HĂ€user zu sehen sind, die aber in keinem dieser FĂ€lle eine gestaffelte oder außergewöhnliche Form haben, sondern die in ihrer Grundform nicht ĂŒber ein schnödes Rechteck hinaus gehen, ganz genau so, wie die KombihĂ€user fĂŒr Elefanten und Nashörner auf den PerspektivplĂ€nen von Erfurt und Rostock.
Ob es also irgendwann von irgendwem mal den Plan in Magdeburg fĂŒr zwei HĂ€user gab, das kann ich nicht beurteilen, möglich ist es, wie so viel in den vielen PlĂ€nen in so vielen Zoos.
Dass das Magdeburger Haus aber Steinhagen und BĂŒrger als "VĂ€ter" hat, das ist fĂŒr mich nach wie vor so sicher, wie Graffunders "Mitvaterschaft", weil bisher nichts dagegen, aber einiges dafĂŒr spricht.

(30.09.2011, 22:49)
Michael Mettler:   Nun habe ich doch ein Beispiel dafĂŒr gefunden, dass DickhĂ€uterhausplanungen von einem anderen Zoo ĂŒbernommen wurden, ohne das fertige "Vorbild" abzuwarten. Katharina Heinroth schrieb nĂ€mlich sowohl in ihren Lebenserinnerungen als auch in einem Artikel ĂŒber das unter ihrer Leitung erbaute Berliner Elefantenhaus, dass ihr die von Hediger freundlicherweise zur VerfĂŒgung gestellten BauplĂ€ne des Baseler Elefantenhauses als Vorbild dienten. Letzteres wurde aber erst 1953 eröffnet, da war das Berliner Haus lĂ€ngst im Bau (eröffnet 1954) - Heinroth hatte also nur Ideen ĂŒbernommen, nicht praktische Erfahrungen. Bei ihrer Recherche nach anderen ElefantenhĂ€usern hatte sie festgestellt, dass es außer Basel kein in ihren Augen brauchbares Vorbild fĂŒr ihre WĂŒnsche moderner Tierhaltung gab. Dabei stellte sie noch fest, dass das von ihr als Neuerfindung Hedigers betrachtete Innenbadebecken nicht das erste war, sondern Warschau schon ĂŒber zehn Jahre zuvor eins eingebaut hatte.

In "Mit Faltern begann's" schreibt sie zudem, dass sie die Berliner Architekten in einem langen Kampf dazu bringen konnte, die BullenstÀlle rechtwinklig zur Boxenreihe "abzuknicken". Ihr Beweggrund war dabei nicht mal die Wirkung auf den Besucher, sondern das Sozialleben der Elefanten: Sie sollten sich trotz getrennter Unterbringung alle gegenseitig sehen können.

Was das Berliner Haus sehr vom Baseler unterschied, war die glĂ€serne Besucherhalle, die im Originalzustand mehr Ähnlichkeit mit der spĂ€teren Magdeburger hatte als heute, und der viel luftiger wirkende Tierbereich innen. cajun hat im Basel-Thread heute Bilder vom Baseler Haus eingestellt, auf denen die eher klotzige Wirkung gut zu sehen ist, und der Besuchergang ist meiner Erinnerung nach schlicht und funktional, ohne den in Berlin beabsichtigten Tropenhaus-Charakter.
(30.09.2011, 19:38)
Michael Mettler:   Hier ein Versuch, mit meinen bescheidenen technischen Möglichkeiten meine Gedanken zu illustrieren. Grundlage ist ein Scan aus dem Perspektivplan.

Die obere Variante zeigt die von mir favorisierte Möglichkeit zweier versetzt angeordneter Baukörper. Der rechte - der Elefantentrakt - könnte noch weiter nach rechts versetzt gewesen sein, so dass zwischen beiden nicht nur ein einfacher Durchgang, sondern ein Gang i.e.S. bestanden hĂ€tte; das ließ sich aber mit der "Methode Textmarker" nicht darstellen. Die Pfeile zeigen auf den verwirklichten rechten und den vermuteten zweiten Eingang.

Die untere Variante - zwei getrennte Baukörper in etwas Abstand zueinander - ist zwar theoretisch denkbar, erscheint mir aber angesichts der sonstigen Graffunderschen Planungen fast zu profan. Obwohl: FĂŒr Erfurt hatte er auch nur drei schlicht rechteckige Bauten in Reihe gesetzt, zwei davon allerdings mit den Schmalseiten direkt aneinander. (Ich hoffe, dass der in "Tiere um uns" von anderen Zeichnern wiedergegebene Perspektivplan in dieser Hinsicht das mir nicht vorliegende Original nicht grundlegend verfĂ€lscht hat.)

Zu den MerkwĂŒrdigkeiten des Plans im JB 1960 zĂ€hlt die Sackgasse rechts vom Elefantengehege ohne Verbindung zum DHH-Wirtschaftsbereich; solche PflegerzugĂ€nge sind ansonsten bei anderen Bauten im Plan erkennbar, so wie ja hier auch der direkte Weg vom Wirtschaftsbereich auf die Straße hinaus zu sehen ist. Vielleicht ist auch die Sackgasse erst durch Umzeichnen des Plans zustandegekommen.

Zumindest in Sachen BesucherwegfĂŒhrung macht auch die Sackgasse links vom Flusspferdgehege keinen rechten Sinn, deshalb mein Gedanke, dass diese Kurve ursprĂŒnglich zu einem Hauseingang fĂŒhren sollte.
(29.09.2011, 23:48)
Michael Mettler:   @Oliver, dann hĂ€tte man aber fĂŒr eine Tapiranlage einen Teil der reprĂ€sentativen Glasfront des Hauses opfern oder zumindest seiner Wirkung berauben mĂŒssen - das dĂŒrfte nicht im Sinne der Gestalter gewesen sein.

Auch bei den nicht verwirklichten EntwĂŒrfen fĂŒr Erfurt, Rostock und den TP Berlin hatte Graffunder auffĂ€llig große Besucherbereiche an den DickhĂ€uter-Ensembles vorgesehen (interessanterweise besonders vor den Flusspferdanlagen, die zumindest fĂŒr Berlin und Rostock regelrechte Amphitheater werden sollten - an der Berliner Elefantenanlage hatte er im Vergleich dazu erheblich weniger Platz eingeplant!). In diesem Punkt passt Magdeburg noch recht gut ins Bild, aber das Zusammenfassen der drei Arten im selben Haus passt nicht so recht in die Reihe der anderen EntwĂŒrfe.

Ich habe im Graffunder-Thread noch mal nach den Daten geschaut, die Mel fĂŒr die jeweiligen PlanungszeitrĂ€ume eingestellt hatte. Falls Graffunder nicht schon am ersten Magdeburger Perspektivplan mitgewirkt haben sollte, lĂ€ge der Magdeburger Entwurf zeitlich nach Berlin und Erfurt, aber noch vor Rostock, also quasi mittendrin - und da ist er von seiner Linie abgewichen?

Deshalb meine Frage: Stammt der endgĂŒltige Bauplan wirklich von Graffunder? WANN man ihn konsultiert hatte, geht schließlich weder aus der BroschĂŒre noch aus dem ZG-Artikel hervor. Vielleicht wurde ein Ursprungsentwurf Graffunders spĂ€ter durch BĂŒrger und Steinhagen abgewandelt, und DAS wurde dann der endgĂŒltige Bau.

In den Threads zum Raubtierhaus Basel und zu Graffunder hatten wir schon mal erörtert, inwieweit die vorangegangenen Baseler Bauten (Elefanten- und Raubtierhaus) den noch recht jungen Architekten seinerzeit beeinflusst haben könnten. Ein Novum des Baseler Raubtierhauses war die Auflösung des großrĂ€umigen Baukonzeptes frĂŒherer Zeiten in versetzt angeordnete kleinere Baukörper, die durch einen Gang verbunden sind; spĂ€ter - und auch bei Graffunder - gab es dann die Variante, den verbindenden Gang wegzulassen und die einzelnen Elemente ineinander zu schachteln (siehe z.B. Menschenaffenhaus Wilhelma, Äquatorium Duisburg usw.). Das im Magdeburger Perspektivplan zu sehende Raubtierhaus passt in letzteres Schema, das Affen-Menschenaffen-Haus in ersteres (wobei es wie das DickhĂ€uterhaus nachtrĂ€glich im Plan verĂ€ndert worden zu sein scheint). Warum hĂ€tte Graffunder gerade in Magdeburg von seiner offensichtlichen Vorliebe fĂŒr die in der beschriebenen Weise "gestaffelten" oder mit außergewöhnlicher geometrischer Grundform versehenen, im Falle der DickhĂ€utern in Ensembles angeordneten WarmhĂ€user abrĂŒcken und ein schnödes Rechteck mit allem unter einem Dach daraus machen sollen? In der FlĂ€che war er in Magdeburg nicht eingeschrĂ€nkt, und im Entwicklungszustand waren zumindest Erfurt und Rostock auch nicht weiter oder prominenter als Magdeburg (Berlin dĂŒrfte da eine Sonderrolle gespielt haben).

Ich könnte mir vorstellen, dass Graffunder ursprĂŒnglich (mindestens) zwei eigene Baukörper vorgesehen hatte, die möglicherweise durch einen Gang ĂĄ la Basel miteinander verbunden waren, und das gibt die vorgesehene FlĂ€che durchaus her. Ich werde mal versuchen, das zu illustrieren. Mein Verdacht wĂ€re dann, dass der heutige Bau abzĂŒglich des linken Stalltraktes seinem Elefantenhausentwurf entsprach und man als Besucher dort, wo sich das vormalige Flusspferd-Innenbecken befindet, einen Durchgang zum NebengebĂ€ude vorgefunden hĂ€tte, das im Originalentwurf parallel zur Zoogrenze gestanden hĂ€tte, aber nĂ€her an dieser als der Elefantentrakt. An der linken Schmalseite dieses Traktes wĂ€re man dann durch einen zweiten Zugang wieder nach draußen gelangt und hĂ€tte von dort aus die Hippo-Außenanlage umrundet.

Das wĂŒrde mit der Perspektive auf der Vorplanungsskizze des Elefanten-Innenraums zusammenpassen wie auch mit der laut JB 1963 angedachten Variante, erst mal nur den Elefantenteil zu bauen und den Rest spĂ€ter anzufĂŒgen. Es könnte auch erklĂ€ren, warum das verwirklichte Haus zwei so unterschiedliche EingĂ€nge hat: Eigentlich war nur der rechte, reprĂ€sentativere fĂŒr die Besucherhalle vorgesehen, aber nachdem der von mir vermutete zweite wegen Umplanung entfiel, musste man aus SicherheitsgrĂŒnden (Fluchtweg) einen weiteren in die Vorderfront einfĂŒgen. Und der wurde dann weniger auffĂ€llig gestaltet, damit die Wirkung der Glasfront nicht zu sehr leidet.

Nun ist ja die Wirkung im Elefantenhaus und im Nashornhaus des Berliner Zoos insofern bestechend, als man nicht nur an den Tieren entlang geht, sondern sich durch die rechtwinklig zueinander angeordneten Stallbereiche (im Falle des Elefantenhauses spreche ich von seinem Originalzustand) "quasi "mitten unter ihnen" wĂ€hnt. Beeinflusst von dieser Wirkung könnte Manfred BĂŒrger seinerzeit gesagt haben: Warum drehen wir den Nashorn-Nilpferd-Trakt nicht einfach um 90 Grad und fĂŒgen ihn so an die Schmalseite des Elefantenhauses an, dass man von dort aus in die Stallungen schaut und dadurch den Berliner Effekt erzeugt? Platz fĂŒr das Flusspferdbecken bekommen wir im nicht mehr notwendigen Übergangsbereich, und aus ErsparnisgrĂŒnden könnten sogar die Elefanten das gleiche Becken nutzen...

Vielleicht könnte diese Variante sogar den fehlenden zweiten Nashornstall erklĂ€ren: FĂŒr eine vierte Box war kein Platz, weil man dann ĂŒber die Vorderfront der Glashalle hinaus hĂ€tte bauen mĂŒssen, was die optische Wirkung innen wie außen deutlich geschmĂ€lert hĂ€tte. Damit wĂ€re wahrscheinlich auch Graffunder nicht glĂŒcklich gewesen...
(29.09.2011, 22:38)
Oliver Jahn:   @Michael, auch da stimme ich dir voll zu. NatĂŒrlich zĂ€hlen auch fĂŒr mich nicht nur realisierte Bauten und du weißt, wie sehr mich EntwĂŒrfe begeistern, wenn sie gut sind, völlig unabhĂ€ngig von ihrem Umsetzungstand. Und Entwicklungsprozesse sind super spannend, wie bei Halle gesehen, wobei ich den Vergleich nicht herangezogen hĂ€tte, denn hier war fĂŒr mich das spannende, wie ein vorhandener Bau ĂŒber die Jahrzehnte sein Gesicht verĂ€ndert hat, und wie viel am Ende vom Ursprungsbau doch noch zu finden war.
Aber in einem Punkt, da haben mich deine Recherchen jetzt sogar noch bestĂ€rkt. Egal, was Witstruk geplant hat, fĂŒr mich war er, auch wenn ich ihn hoch schĂ€tze, eben nicht einer der "VĂ€ter" des Magdeburger Hauses, denn das bleiben fĂŒr mich eben die Leute, die den Bau, dessen "Vaterschaft" sie innehaben, so geplant haben, wie er nachher auch gebaut wurde. Und die drei "VĂ€ter" habe ich bereits benannt, denn sie sind die Personen, die in den Schriften genannt werden, die sich mit dem Bau befassen, den ich als DickhĂ€uterhaus des Magdeburger Zoos bezeichne und der noch steht. Die Reihenfolge halte auch ich im zweiten Artikel fĂŒr die wahrscheinlichere, was aber bereits auch im ersten Artikel des Sonderheftes schon zu erkennen ist, denn auch da haben die Zoodirektion und Steinhagen das Projekt erarbeitet, wĂ€hrend Graffunder lediglich konsultiert wurde. HĂ€tte er aber dabei keinerlei Einfluss genommen, warum hĂ€tte BĂŒrger ihn dann in seinen beiden Publikationen erwĂ€hnen sollen?
Die Idee mit den Tapiren gefĂ€llt mir. Ich hatte immer an eine Erweiterung auf den doch recht großen Besucherplatz gedacht.

(29.09.2011, 20:37)
Michael Mettler:   Wir hatten doch hier im Forum vor langer Zeit mal gerĂ€tselt, wo im Magdeburger Haus auch noch die als Option in der SonderbroschĂŒre genannten Tapire hĂ€tten unterkommen sollen. Angesichts der Hoffnung der Planer, mit nur einer Stallbox fĂŒr zwei Nashörner auszukommen, drĂ€ngt sich mir die Vermutung auf, dass man sich Ähnliches vielleicht auch fĂŒr die Flusspferde erhoffte und dann die mittlere Box und zumindest einen Teil des Flusspferd-Landbereiches im Außengehege fĂŒr Tapire im Auge hatte. FĂŒr die ebenfalls genannten Faultiere wĂ€re dann ĂŒber den Tapiren ein hĂ€ngendes Klettergestell in der mittleren Stallbox denkbar gewesen.

Das mögliche Vorbild dafĂŒr gab es zu jener Zeit, als Manfred BĂŒrger zu Planungszwecken den Berliner Zoo besuchte, im dortigen Elefantenhaus in einer der eigentlich fĂŒr Elefantenbullen gebauten Boxen an den Schmalseiten. Faultiere habe ich dort mindestens bei meinem ersten Besuch 1981 noch gesehen, und laut den ZoofĂŒhrern waren Mitte der 60er Jahre Flachlandtapire auf jener Hausseite untergebracht, deren Außenanlage heute die Alpakas bewohnen.
(29.09.2011, 11:39)
Michael Mettler:   @Oliver, fĂŒr mich zĂ€hlen nicht nur die verwirklichten Bauten, sondern auch - um es mal etwas ĂŒberspitzt auszudrĂŒcken - die Evolution vom Erstentwurf bis zum tatsĂ€chlichen Objekt. Gerade den Entwicklungsprozess empfinde ich als das Spannende an der Materie, und wir hĂ€tten uns viele interessante Spekulationen/Rekonstruktionen in diversen Threads hier im Forum (und bei unserer Halle-Recherche!) schenken können, wenn wir immer nur auf das geschaut hĂ€tten, wofĂŒr es verwirklichte BauplĂ€ne gab.

FĂŒr Magdeburg ist es Fakt, dass ein Haus, das - auch in seinen Außenanlagen) schon bemerkenswert viel Ähnlichkeit mit dem spĂ€ter verwirklichten Bau hat (wenn auch das GebĂ€ude nicht genau gleich proportioniert ist) schon auf einem Perspektivplan zu sehen ist, der noch unter Witstruk entstand. In dessen "Lebenslauf" in der Halle-Chronik fand ich ĂŒbrigens noch den Hinweis, dass zu seiner Magdeburger Zeit zwei PerspektivplĂ€ne entstanden, nĂ€mlich 1957 und 1960. Nun kenne ich den ersten nicht und vermute anhand des Textes in der MD-Chronik, dass er noch die Norderweiterung enthielt. Ob Graffunder zu dieser Zeit schon beteiligt war, weiß ich nicht; es wĂ€re aber interessant zu wissen, wie 1957 die DickhĂ€uterplanung aussah (die es angesichts der geplanten Entwicklung vom Heimattiergarten zum Zoo ganz sicher gegeben hat).

Ebenfalls der Halle-Chronik entnahm ich, dass Witstruk noch im ersten Monat nach seinem Wechsel aus Magdeburg nach Halle in einem Zeitungsinterview sagte, er wolle in KĂŒrze ein Haus fĂŒr Elefanten, Nashörner und Nilpferde im Bergzoo bauen. Auf den dafĂŒr vorgesehenen Platz hĂ€tte ein Haus wie das Magdeburger vielleicht sogar gepasst; wollte er womöglich ein Konzept, das er fĂŒr MD mitgeplant hatte, dort aber nicht mehr verwirklichen konnte, dann stattdessen (und schnellstmöglich) in Halle umsetzen? In Magdeburg hatte er mit einer viel schnelleren Umsetzung gerechnet, wie aus dem ZoofĂŒhrer von 1961 (der wie auch der JB 1960 mit dem Perspektivplan noch aus seiner Feder stammte) hervorgeht. Darin heißt es auf S. 43 in Zusammenhang mit dem ersten Elefanten des Zoos: „Ein entsprechendes DickhĂ€uterhaus soll 1961/62 gebaut werden.“ HĂ€tte es noch keine konkreten PlĂ€ne gegeben, wĂ€re das wohl sehr optimistisch gewesen.

Und nun lande ich wieder bei dem Buch "Tiere um uns". In seiner 3. Auflage heißt es ĂŒber Manfred BĂŒrger: "Der fleißige und energische Zoologe, der im Jahr seiner Promotion gemeinsam mit Bauleuten und Architekten die Planung fĂŒr den Bau des DickhĂ€uterhauses in Angriff nahm..." Wie zwei SĂ€tze zuvor zu lesen ist, hatte BĂŒrger 1965 promoviert. Da lag es schon fĂŒnf Jahre zurĂŒck, dass das DickhĂ€uterhaus im Perspektivplan zu sehen war. Zeitlich passt diese Angabe zudem recht gut mit dem von mir genannten wahrscheinlichen Datum des Besuchs im Berliner Zoo zusammen: 1965 fing er an zu planen, 1966 holte er sich in Berlin Anregungen. Ich habe zwar keine Ahnung, wieviel Zeit damals die Genehmigung fĂŒr eine solche "Auslandsreise" brauchte, aber unwahrscheinlich scheint es mir nach dem Hörensagen nicht.

Weiter mit den Puzzleteilchen. Im selben Buch ist zu lesen: "Sollte man die hohen Baukosten nur fĂŒr ein Elefantenhaus ausgeben? Konnte man nicht im selben Haus bei gleichem finanziellem und technischem Aufwand auch andere volksbildnerisch wichtige Tierarten, wie Flusspferde und Nashörner, unterbringen? (...) Wann wĂ€re unsere strapazierte Bauindustrie in der Lage, auch fĂŒr diese Tiere je ein so großes, teures Warmhaus zu bauen? Diese Fragen mussten in Einsicht in die wirklichen VerhĂ€ltnisse beantwortet werden, und die Antwort lautete: Es wird ein DickhĂ€uterhaus gebaut!"

Das fĂŒgt sich nun auf interessante Weise mit anderen Puzzleteilchen zusammen. Es war also möglicherweise gar nicht von Anfang an (also vom ersten Perspektivplan 1957 an) ein gemeinsames Haus fĂŒr die drei Arten geplant, sondern vielleicht einzelne und unter diesen als erstes ein Elefantenhaus. Dazu passt die Vorplanungsskizze aus der 60-Jahre-Chronik, auf welcher das Flusspferdbecken fehlt, so dass der gezeigte Ausschnitt vielleicht schon das ganze Hausinnere darstellen soll. Ein weiteres Indiz: In keinem seiner PerspektivplĂ€ne fĂŒr Berlin, Erfurt und Rostock hatte Graffunder ein gemeinsames Haus fĂŒr Elefanten, Nashörner und Nilpferde geplant, es waren ĂŒberall jeweils mehrere Baukörper, wenn auch in Ensembles angeordnet (und teilweise durch Tapire als vierten "Typ" ergĂ€nzt).

Und jetzt komme ich wieder zum Magdeburger Perspektivplan von 1960: Dort fĂ€llt bei genauerem Hinsehen auf, dass drei WarmhĂ€user (DickhĂ€uterhaus, Affen/Menschenaffenhaus, Vogelhaus) anders, nĂ€mlich mit fetteren Konturen dargestellt sind als die ĂŒbrigen Bauten (darunter weitere WarmhĂ€user). Beim Vogelhaus ist zu sehen, dass es nachtrĂ€glich in den Plan eingezeichnet (oder auf ihn aufgeklebt) worden sein muss, denn die Darstellung ĂŒberdeckt andere Linien (z.B. eine Baumkrone). Das lĂ€sst Ă€hnliche SchlĂŒsse fĂŒr die beiden anderen HĂ€user zu, wobei bei diesen allerdings die angrenzenden Freianlagen „original“ wirken. Sahen die HĂ€user im Plan ursprĂŒnglich anders aus? Die Lage der Freianlagen ließe durchaus die Möglichkeit zu, dass ursprĂŒnglich - um bei einer scheinbaren Vorliebe Graffunders zu bleiben - vorher zwei getrennte Baukörper geplant waren: Der linke fĂŒr Nashörner und Nilpferde, der rechte fĂŒr Elefanten. Und die könnten dann schlichtweg aus praktischen Überlegungen heraus in einem Zweitentwurf miteinander verbunden worden sein. Und zwar noch unter Witstruk!

Wenn man nach einem Weg suchte, "mit gleichem finanziellem und technischem Aufwand" fĂŒr alle drei Arten statt nur fĂŒr Elefanten zu bauen, wĂ€re ĂŒbrigens auch eine zwischenzeitliche Planung mit einem doppelt genutzten Badebecken plausibel.

Aber die Varianten gingen sogar noch weiter. Im JB 1963 wird das DickhĂ€uterhaus als „Sorgenkind“ bezeichnet und man erwog die Variante, vorerst nur den Elefantenbereich und den Besuchertrakt zu bauen, um spĂ€ter „fĂŒr Nashorn und Nilpferd“ daran anzubauen.

Im JB 1964 heißt es: „Hauptanliegen dieses Jahres waren die Projektierungsarbeiten fĂŒr das DickhĂ€uterhaus, die VEB Hochbauprojektierung, Nebenstelle Halberstadt, ausfĂŒhrten. UnzĂ€hlige Beratungen und Besichtigungen waren notwendig, zahllose Unterlagen mussten eingeholt werden.“ Das klingt nicht sehr danach, als sei das Haus schon seit Jahren durchgeplant gewesen. Man ließ im selben Jahr ein Modell der Gesamtanlage bauen, das fĂŒr den Bau werben und Spendengelder einbringen sollte. Dieses Modell weicht in einigen Punkten von den spĂ€ter veröffentlichten Grundrissen und dem verwirklichten Bau ab, z.B. hat die Elefantenanlage eine andere Form (mehr nierenförmig, in Richtung Hauseingang gebogen), das dortige und das Nashorn-Badebecken ebenfalls, die RĂŒckwand besteht aus Felsen (statt einer Betonmauer), der große Schornstein des Hauses ist um 90 Grad gedreht. Alles nur kĂŒnstlerische Freiheiten des Modellbauers? BĂŒrger stieg ja angeblich erst 1965 in die Planung ein...

Zwischen 1960 (Perspektivplan) und 1967 (SonderbroschĂŒre DickhĂ€uterhaus) taucht nirgendwo in Zusammenhang mit dem Projekt der Name Graffunder in den Veröffentlichungen des Zoos auf. Im JB 1961 werden Vorprojektierungsunterlagen erwĂ€hnt, die „vom Projektierungskollektiv Schöne vom Stadtbauamt und Herrn Böhl vom ProjektierungsbĂŒro beim Rat der Stadt musterhaft und fĂŒr eine Vorprojektierung sehr ausfĂŒhrlich durchgefĂŒhrt worden sind“ – kein Wort ĂŒber eine Mitwirkung von Graffunder. Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass die genannten Herren nur Tiefbauarbeiten und VersorgungsanschlĂŒsse entworfen hatten. 1964 trat, wie bereits erwĂ€hnt, der VEB Hochbauprojektierung auf den Plan, der dann auch 1967 seine ErwĂ€hnung in der BroschĂŒre bekam: „Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Zoodirektion unter Konsultation des Architekten Herrn Graffunder vom VEB Berlin-Projekt durch den VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt, erarbeitet.“ Interessant dabei ist, dass BĂŒrger im neun Jahre spĂ€ter im ZG erschienenen Artikel mit einer Umformulierung dieses Satzes eine andere Gewichtung zu legen scheint. Da heißt es nĂ€mlich: „Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Direktion des Zoos von Dipl.-Ing. Rudolf Steinhagen vom damaligen VEB Hochbauprojektierung Magdeburg, Betriebsteil Halberstadt, unter Konsultation des seinerzeit vor allem fĂŒr Zoo-Projekte spezialisierten Architekten des VEB Berlin-Projekt, Heinz Graffunder (NPT), erarbeitet.“ DAS liest sich nun so, als habe Steinhagen die Hauptarbeit geleistet, und dieser taucht auch mit einer eigenen Veröffentlichung im Quellenverzeichnis des Artikels auf. Gibt es denn ĂŒberhaupt einen Bauplan aus der Hand Graffunders?

Eigentlich schade, dass Witstruk auch in Halle nicht in den Genuss eines unter seiner Leitung errichteten DickhÀuterhauses kam. Es wÀre sicher interessant, dieses mit dem Magdeburger Haus vergleichen zu können.
(28.09.2011, 22:54)
Oliver Jahn:   @Michael, fĂŒr mich sind "VĂ€ter" eines GebĂ€udes die, die ein Haus entwerfen, und nach diesem Entwurf dann BauplĂ€ne erstellen, nach denen der Bau dann auch realisiert wird. Daher sind Graffunder und Dathe fĂŒr mich genau so die "VĂ€ter" des ABH, wie ich allein aus der zeitlichen Abfolge heraus und dem, was all die Literatur hergibt, auch nach wie vor Graffunder, Steinhagen und BĂŒrger fĂŒr die "VĂ€ter" des Magdeburger DickhĂ€uterhauses halte. Wenn man aber bei einem Bau jeden Menschen, der bereits irgendwann einmal etwas zu einem Haus geplant hat, egal, ob es realisiert wurde, oder nicht, zu den "VĂ€tern" mit zurechnet, dann gebe ich dir uneingeschrĂ€nkt Recht, dann ist auch das Magdeburger DickhĂ€uterhaus ein "Kind vieler VĂ€ter", so wie wohl bis heute fast jedes grĂ¶ĂŸere Tierhaus in jedem Zoo.
(28.09.2011, 21:05)
Michael Mettler:   @Oliver, ich kann mich nicht erinnern, irgendwo in meinen BeitrĂ€gen von BauplĂ€nen gesprochen zu haben, sondern immer nur von Planungen, EntwĂŒrfen oder Konzepten. Damit meine ich - und ich dachte, das sei aus meinen BeitrĂ€gen ersichtlich - die Gedanken und Ideen, die hinter einem GebĂ€ude stehen und zwangslĂ€ufig dem Verfassen der endgĂŒltigen "Aufbauanleitung", des Bauplans, vorangehen (und ggfs. mehrfach abgewandelt oder verworfen werden).

In dem Moment, wo jemand wie Witstruk, BĂŒrger oder Graffunder (oder ein Verantwortlicher in Liberec oder Prag) das jeweils diskutierte GebĂ€ude erstmals entwarf, wurden doch vorerst nur grundlegende Strukturen vorgeschlagen und nicht gleich verbindlich festgelegt, wo die WasserhĂ€hne sitzen sollen. Selbst die Grundrisse in der SonderbroschĂŒre und im ZG-Artikel zum Magdeburger Haus sind doch keine BauplĂ€ne (keine Versorgungsleitungen, kaum Maßangaben usw. eingezeichnet), sondern nur Planungen im Sinne von EntwĂŒrfen, und nichts anderes habe ich die ganze Zeit behauptet.
(27.09.2011, 23:00)
Oliver Jahn:   Vieleicht liegt ja bei uns einfach eine sehr unterschiedliche Auffassung darĂŒber vor, was bereits ein Bauplan ist, und was eine Entwurfsskizze. Dieses Bild kenne ich auch, und es erinnert mich an viele Flyer, die man heute in Massen findet, und auf denen man Skizzen sieht, die fĂŒr mich nichts mit einem Bauplan zu tun haben. Ich habe Original-Graffunder-BauplĂ€ne gesehen, die haben mit solchen Bildern hier wenig zu tun. Solche VorentwĂŒrfe, die dann auch gern noch als Kunststoff-Modell daneben gestellt wurden, gab es sicher von vielen Bereichen und sie waren sicher nicht sehr aufwendig und sehr teuer. Das, was richtig Geld kostete, das waren die BauplĂ€ne und Bauplanungsskizzen, die dann bereits komplett auch Statik, Leitungen, AnschlĂŒsse und Ă€hnliches beinhalteten. Ich erinnere mich an einen Zoo in Sachsen-Anhalt, der fĂŒr einen solchen Plan vor wenigen Jahren eine knappe Million Euro gezahlt hat. Der Bau entstand dann nicht, die Kosten fĂŒr den Architekten aber blieben. Das machte den Zoo fĂŒr andere Investitionen ĂŒber lange Zeit handlungsunfĂ€hig.
(27.09.2011, 21:30)
Michael Mettler:   Je mehr ich ĂŒber das Magdeburger DickhĂ€uterhaus nachlese, desto mehr „VĂ€ter“ bekommt es und desto mehr unterschiedliche EntwĂŒrfe und Darstellungen finde ich. Z.B. die beigefĂŒgte Architekturzeichnung in der Chronik „60 Jahre Zoo Magdeburg“ (S. 96). Auf dieser ist eine Variante zu sehen, bei welcher der Besucherraum um das Elefanten-Badebecken herumfĂŒhrt, so dass NICHT das Flusspferdbecken diesem benachbart ist.

Es scheint also nicht so aufwĂ€ndig gewesen zu sein, im Laufe der Zeit mehrere EntwĂŒrfe zu erstellen. So langsam frage ich mich auch, wieviel Anteil Graffunder an der Planung ĂŒberhaupt hatte, denn in den Veröffentlichungen werden noch insgesamt drei weitere ProjektierungsbĂŒros namentlich genannt. Sorgten die vielleicht fĂŒr die praktisch-tierhalterische Seite des Hauses und Graffunder womöglich "nur" fĂŒr die optische Wirkung und Einbindung ins Parkbild…?

In besagter Chronik findet sich eine Seite weiter auch die Info: „Da es sich um das erste moderne Elefantenhaus der DDR handelte, erhielten Zoodirektor Dr. Manfred BĂŒrger und Zooinspektor Schwichtenberg sogar die Erlaubnis, nach Westberlin zu reisen. Beim Elefantenhaus im dortigen Zoo sollten sie sich Anregungen holen und die entsprechenden PlĂ€ne einsehen.“

Schwichtenberg hatte laut JB erst ab 1964 den Posten des Zooinspektors inne, und in den JB des Berliner Zoos (ich habe alle aus den 60ern) wurden Fachbesucher jeweils aufgelistet: Der Name Manfred BĂŒrger (Schwichtenberg war dazu wohl nicht „hochrangig“ genug) taucht erst 1966 erstmals auf! Gut, der Rohbau in Magdeburg war laut SonderbroschĂŒre erst Anfang 1967 abgeschlossen – theoretisch genug Zeit fĂŒr BĂŒrger, fĂŒr den Innenausbau und die Außenanlagen (die fĂŒr Nashörner und Flusspferde entstanden ja sogar erst 1968, nach Hauseröffnung) noch ÄnderungswĂŒnsche nach seinen Berliner EindrĂŒcken anzuregen…
(27.09.2011, 19:48)
Michael Mettler:   @Oliver, mir war zwar in Erinnerung, dass jemand mal fĂŒr das Haus Tapire angegeben hatte, aber nicht, dass sie von der Eröffnung bis zur Ankunft der Breitmaulnashörner durchgĂ€ngig dort gehalten wurden. Ich habe die BeitrĂ€ge eben gefunden, sie liefen eine gute Woche nach dem von mir zitierten am 6.10.2008, und so weit hatte ich die Diskussion auf meiner Nachsuche gar nicht weiterverfolgt, weil ich Janas Beitrag mit der von mir gesuchten Info zu den Nashörnern schon unter dem 28.9. gefunden hatte. Vermutlich habe ich damals deine Formulierung falsch interpretiert, vor den Nashörnern hĂ€tte auch (!) ein Paar Schabrackentapire im Haus gelebt - das "auch" hatte ich bis zu Karstens aktuellem Beitrag immer als "unter anderem" abgebucht. Dass das Paar wegen der Ankunft der Nashörner verkauft wurde, weil man keinen anderen Platz dafĂŒr hatte, kann aber nicht so ganz stimmen, denn laut Jahresberichten - und die Tierbestandslisten kann ich auch ohne Tschechisch-Kenntnisse lesen - war sogar 1977 noch einer der Tapire im Zoo, und der muss ja irgendwo untergebracht gewesen sein.

Dass der Felsen zwischen den Magdeburger Becken in den Schnittzeichnungen der BroschĂŒre vorhanden ist, ist mir nicht entgangen. DafĂŒr gibt es aber eine einfache mögliche Lösung: Die Zeichnungen entstanden vielleicht nicht zur gleichen Zeit, womöglich nicht mal aus der gleichen Hand - so heißt es in der Beschriftung mal "Flusspferde-Becken", mal "Nilpferdbecken", mal "Flusspferdbecken". Keine der Zeichnungen taucht in gleicher Form spĂ€ter im ZG-Artikel auf; hatte man denn Geld ĂŒbrig, NACH Eröffnung des Hauses noch mal ganz neue ArchitekturplĂ€ne fĂŒr diesen Artikel zeichnen zu lassen...? Da spricht mir doch mehr dafĂŒr, dass die Zeichnungen in der BroschĂŒre einen Ă€lteren als den letztlich umgesetzten Planungszustand zeigen. Z.B. ist dort im Grundriss auch noch keine Zwangseinrichtung in der Elefantenschleuse eingezeichnet, wie sie aber von Anfang an im Haus vorhanden gewesen sein soll.

Zur möglichen Erstplanung: Laut Chronik "reifte 1956 der Gedanke in der Stadt, aus dem bisherigen Heimattiergarten bis zum Jahre 1960 einen Zoologischen Garten zu entwickeln." DafĂŒr sollte er u.a. erweitert werden, und dafĂŒr holte man den Zoologen Witstruk als neuen Direktor. "BIS zum Jahre 1960" - es muss also eigentlich schon 1956 eine Art Perspektivplan gegeben haben, sonst hĂ€tte man die Umsetzung wohl kaum innerhalb von nur 4 Jahren erhoffen können. Und da wĂ€ren wir wieder bei einer unseren beliebten Fragen im Forum: Was kennzeichnet einen Zoologischen Garten? Das Vorhandensein von DickhĂ€utern stand auf unserer versuchten Definitionsliste immer sehr weit oben. Witstruk KÖNNTE also durchaus schon damals ein DickhĂ€uterhaus geplant haben - tiergĂ€rtnerisch geplant wohlgemerkt, nicht in allen Einzelheiten wie ein Architekt. (Dass Zoologen sich auch mal mit bautechnischen Dingen befassen mĂŒssen, haben wir doch am Beispiel Ludwig Baumgartens eindrĂŒcklich gelernt.)

1960 "begannen die Projektierungsarbeiten fĂŒr das spĂ€tere so genannte DickhĂ€uterhaus. Es wurde 1960 aber nicht nur mit der Planung dieses Hauses begonnen, sondern auch ein Perspektivplan des Zoos fĂŒr die nĂ€chsten 25 Jahre in Zusammenarbeit mit Architekt Graffunder aus Berlin und Gartenarchitekt Schöne aus Magdeburg erstellt. Fertig lag er allerdings erst ein paar Jahre spĂ€ter vor." Im JB 1960 heißt es dagegen: "Um zukĂŒnftig die Arbeiten im Zoo den Perspektivvorstellungen entsprechend durchfĂŒhren zu können, wurde 1960 ein Gesamtlageplan aller ĂŒberhaupt einmal vorgesehenen Tieranlagen und Versorgungseinrichtungen in Verbindung mit dem Architekten Herrn Graffunder aus Berlin und dem Gartenbauarchitekten Herrn Schöne aus Magdeburg angefertigt. An Hand dieses Planes wurden im letzten Jahr (...) zahlreiche Erweiterungen und VerĂ€nderungen durchgefĂŒhrt."

Das kann nur bedeuten, dass der Plan im JB 1960 bereits der Graffundersche war und dass die dort noch schmalere Form des DickhĂ€uterhauses bereits einen Architektenentwurf darstellt. Dass der Perspektivplan "erst ein paar Jahre spĂ€ter" vorgelegen haben soll, könnte sich auf Detailplanungen zu den einzelnen Anlagen und GebĂ€uden beziehen, denn es wurde ja schon 1960 nach diesem Plan gearbeitet. Dass unter den Anlagen das DickhĂ€uterhaus erst mal Graffunders PrioritĂ€t genießen sollte, liegt auf der Hand: Mit diesem sollte schließlich der Sprung zum "richtigen Zoo" geschafft werden. Dass andere seiner EntwĂŒrfe danach nie gebaut wurden, ist eine ganz andere Sache (auch hier hatte man Geld fĂŒr Planungen umsonst ausgegeben) und mit Blick auf andere DDR-Zoos auch kein Einzelfall. Graffunder hat vielleicht mit nicht verwirklichten Zooprojekten genausoviel verdient wie mit verwirklichten...

Fakt bleibt, dass die Planung des Hauses nicht erst in der Ära BĂŒrger startete. Zwar nicht Fakt, aber aus vielen FĂ€llen in der Zoowelt bekannt ist zudem, dass neu antretende Direktoren gern schnell eigene "Duftmarken" setzen und nicht unbedingt die Planungen ihrer VorgĂ€nger 1:1 weiterfĂŒhren. Die Möglichkeit, dass Manfred BĂŒrger in diesem Sinne den DickhĂ€uterhausentwurf nach eigenem Gusto Ă€ndern ließ, sĂ€he ich keineswegs als so unrealistisch an.
(27.09.2011, 00:48)
Oliver Jahn:   @Michael, das mit den Tapiren wurde im Nachgang dann aufgeklĂ€rt und auch von mir in meinen letzten BeitrĂ€ge (z.B. vom 22.9.) erwĂ€hnt, darum nannte ich es öfter auch "Tapirstall".
Was Magdeburg angeht, fĂŒr solche Prestigobjekte hatte man einfach kein Geld in der DDR. Außerdem fehlte es an allen Stellen an Fachpersonal in allen Bereichen, auch im Bereich der Planung und Architektur, und das so sehr, dass die DDR ein Jahr spĂ€ter die Mauer baute. Wenn man 1960 einen Auftrag erteilt, dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein BĂŒro, wie das von Graffunder bereits im MĂ€rz 61 einen Plan dafĂŒr fertig hatte. Eine Grobskizze hingegen, die man auf einem Perspektivplan findet, wie auf dem von Magdeburg, die ein Haus zeigt, welches sich kaum von jedem anderen x-beliebigen Haus unterscheidet, die wĂŒrde ich aber eben genau wie die vielen anderen HĂ€user, die nicht gebaut wurden, nicht als Ursprungsplan werten. Interssanter sind da die Außenanlagen, und auch hier steht bereits "Nashörner" in der Mehrzahl.
Übrigens, der Felsen zwischen den Becken, der fehlt nur in der Draufsicht, in beiden Schnitten des Hauses ist er bereits eingezeichnet. (Sonderheft zum DickhĂ€uterhaus)
(26.09.2011, 21:16)
Michael Mettler:   @Oliver, dem von mir zitierten Satz von Jana folgte noch im selben Beitrag als NĂ€chstes: "Der Elefantenhaus wurde 1972 gebaut, was in der Anlage zwischen 1972 und 1976 gehalten wurde, ist mir nicht bekannt." Wenn irgendwo anders etwas von Schabrackentapiren stand, habe ich das in diesem Zusammenhang - ich suchte ja nach den Nashörnern - nicht gesehen.

Zu Magdeburg: Ein kostenintensiver "richtiger" Bauplan muss der erste Entwurf doch gar nicht gewesen sein, selbst eine grobe Skizze der Grundidee der Innen- und Außenanlagen wĂŒrde ich als Ursprungsplanung betrachten. Schließlich muss ein Zoochef klare Vorstellungen von der Art und Zahl der Tiere haben, die er in einem solchen GebĂ€ude unterbringen will, was sich wiederum auf die Mindestabmessungen des GebĂ€udes auswirkt. (Und er muss auch wissen, ob er fĂŒr Elefanten und Flusspferde nur ein gemeinsames Badebecken haben will...) Architekt und Gartengestalter legen die Form, Lage und Verteilung von GebĂ€uden fest, dabei ist deren gewĂŒnschte Form und GrĂ¶ĂŸe ebenfalls nicht unerheblich. Aber alle drei werden sicher nicht ungern Modifikationen am Erstentwurf vornehmen, wenn neue Erkenntnisse und Möglichkeiten dadurch noch eingebaut werden können.

Das DickhĂ€uterhaus auf dem Perspektivplan entspricht in seinen Proportionen dem spĂ€ter verwirklichten Entwurf abzĂŒglich der rĂŒckwĂ€rtigen VersorgungsrĂ€ume (Futter- und Kohlelager, Isolierbox, Technik usw.). Möglicherweise hatte man urspĂŒnglich vor, Futter usw. gar nicht direkt im Haus, sondern nur auf dem Wirtschaftshof zu lagern; das dortige Futterlager ist auf dem Perspektivplan genau auf der gegenĂŒberliegenden Straßenseite von "Am Vogelgesang" eingezeichnet. Eine nachtrĂ€gliche Entscheidung, das DickhĂ€uterhaus aus praktischen GrĂŒnden um einen Wirtschaftstrakt zu erweitern, hĂ€tte nicht nur eine Überarbeitung der Erstplanung bedeutet (zumindest der Architekt blieb ja der gleiche), sondern wĂŒrde auch die geĂ€nderte Form des Hauses erklĂ€ren. Und man hĂ€tte mit dieser Umplanung/Erweiterung möglicherweise erst den Platz geschaffen, die Warmwasserzubereitung fĂŒr ZWEI Innenbecken unterbringen zu können...

Aber was teure Planungen betrifft: FĂŒr den Zoo Hannover wurde in den 50er Jahren - also gar nicht lange vor Magdeburg - ein Perspektivplan durch ebenfalls hochrangige Architekten erstellt (Oesterlen und Graffunder scheinen - betrachtet aus meiner Laienperspektive - vergleichbar "hohe Tiere" ihrer Zunft gewesen zu sein). Umgesetzt wurde davon nur ein einziges GebĂ€ude in der Form des Erstentwurfes sowie ein kleiner Teil der Garten- und Wegeaufteilung - man hatte sich zu einer fast kompletten Neuplanung entschieden. Warum also sollte in Magdeburg nicht mal die Modifikation eines einziges GebĂ€udes möglich gewesen sein, zumal es sich in gewissem Sinne um ein Prestigeobjekt handelte?

Der Artikel von BĂŒrger im ZG nennt ĂŒbrigens unter "Schrifttum" außer der von ihm selbst verfassten BroschĂŒre ĂŒber das DickhĂ€uterhaus noch eine Quelle: Steinhagen, R. (1969): DickhĂ€uterhaus im Magdeburger Zoo. D. Architektur 18, Nr. 12. Könnte interessant sein - via Google habe ich leider nichts darĂŒber/daraus gefunden.
(26.09.2011, 20:50)
Oliver Jahn:   Michael, ob nun bei jedem Beginn einer Planung auch gleich ein fertiger Bauplan vorgelegen hat, das wage ich eher zu bezweifeln. Du gehst immer von einem Plan des Hauses aus, welcher abgeĂ€ndert wurde. Halle hatte 3 PlĂ€ne fĂŒr ein DickhĂ€uterhaus, tatsĂ€chlich gibt es sie aber nur als groben Umriss auf MasterplĂ€nen, tatsĂ€chlich PlĂ€ne gibt es keinen einzigen.
Ich weiß nicht, wie das in der BRD war. In der DDR aber kosteten bereits diese PlĂ€ne schon sehr viel Geld, ein richtiger Bauplan war auch richtig teuer. Weiterhin war Graffunder sehr begehrt und zeitlich stark in Anspruch genommen. Vom Auftrag bis zum Baubeginn waren es mal eben nur 4 Jahre, eine fĂŒr DDR-Zeiten reichlich knapp bemessene Zeit. Dass da also beim Dienstantritt von BĂŒrger bereits ein Bauplan vorlag, den er dann abĂ€ndern lies, das halte ich bei den sonstigen Planungsarbeiten in der ehemaligen DDR fĂŒr reichlich unwahrscheinlich. Von daher vermute ich eher, dass es bei Dienstantritt von BĂŒrger noch gar nichts Handfestes gab, und er deshalb die Chance hatte, seine berliner Erfahrungen einfließen zu lassen. Eine Hausskizze auf einem Masterplan halte ich nicht fĂŒr einen ausgearbeiteten Plan, wie gesagt, davon gab es in Halle drei, und nach L. Baumgarten nicht einen einzigen wirklichen Plan dazu.
Was in Liberec von der Eröffnung bis zu den BreitmÀulern auf der Anlage gehalten wurde, das war doch schon lÀnger klar. Das hatte Jana doch damals schon geschrieben, dass es sich um zwei Schabrackentapire handelte.
@Karsten, es gab in Prag noch immer den von dir benannten ZoofĂŒhrer, leider, denn er passt an vielen Stellen nicht mehr. Aber vielen Dank fĂŒr deine Übersetzung, ich habe das Heft auch, aber das hatte mir zu viele Seiten, um sie alle nach einem einzigen Wort durchzusuchen. :-)

(26.09.2011, 19:43)
Michael Mettler:   Nochmal Magdeburg: Laut Chronik wurde der Perspektivplan am 8.7.1964 vom Rat der Stadt bestĂ€tigt, da dĂŒrfte dann wohl die endgĂŒltige DickhĂ€uterhausplanung vorgelegen haben.

Zu Liberec: Ich habe mir die deutschen Zusammenfassungen der von Karsten Vick genannten Jahresberichte angesehen und - ausgehend von einer dortigen Info - festgestellt, dass die Haltungssituation mit zwei Breitmaulnashörnern gar nicht so lange Bestand hatte wie bisher gedacht.

Mein bisheriger Kenntnisstand war der aus einem Beitrag von Jana im Tschechien-Thread: "Zwischen den Jahren 1976 und 1987 lebten in der heutige Pekari-Anlage zwei Breitmaulnashörner (der Giraffen+Nashornhaus öffnete erst 1987)."

Nun ist der Bulle dieses Paares aber schon fĂŒr 1977 als Todesfall im JB vermerkt, er starb an Schock und Herzversagen. Der Auslöser dafĂŒr wird zwar - zumindest auf Deutsch und Englisch - nicht genannt, aber ich kenne das aus anderen JB als durchaus typische Todesursache nach GrabenstĂŒrzen...

Da die weiteren Jahresberichte nicht online sind, habe ich in einer Ă€lteren Ausgabe des Breitmaulnashorn-Zuchtbuches nachgeschlagen. Aus den dortigen Daten ergibt sich das Bild, dass die Kuh nach dem Tod ihres GefĂ€hrten anscheinend bis 1983 allein gehalten wurde (ich habe jedenfalls keinen neuen Bullen fĂŒr diese Zeit gefunden) und dann nach Kairo abgegeben wurde; im gleichen Jahr kam eine neue Kuh (Wildfang) und im MĂ€rz 1984 ein 1981 in MĂŒnster geborener Bulle. Somit mussten sich also "nur" etwa ein Drittel des Haltungszeitraumes im Haus gleich zwei Nashörner Box und Außengehege teilen.

Wobei mir schon der Gedanke kam, ob man dann nicht das Badebecken geleert und als zusĂ€tzliche Box genutzt haben könnte. Die Tiere standen ja quasi auf Abruf fĂŒr den Giraffen-Nashorn-Pavillon, und dessen Bau scheint sich mehrfach verzögert zu haben (sonst hĂ€tte man vielleicht das erste Nashornpaar gar nicht so frĂŒhzeitig erworben), da wĂŒrde mich ein solches Provisorium nicht mal wundern.
(26.09.2011, 15:06)
Michael Mettler:   Als Nachtrag nach Blick in die Magdeburger Chronik "Im Zeichen des Luchses":

"Es wurde 1960 aber nicht nur mit der Planung dieses Hauses (gemeint ist das DickhĂ€uterhaus) begonnen, sondern auch ein Perspektivplan des Zoos fĂŒr die nĂ€chsten 25 Jahre in Zusammenarbeit mit Architekt Graffunder aus Berlin und Gartenarchitekt Schöne aus Magdeburg erstellt. Fertig lag er allerdings erst ein paar Jahre spĂ€ter vor." Der letzte Satz relativiert den Plan aus dem JB 1960, es gab also wohl mehr als einen Masterplan in dieser Phase...

Der mit 1960 angegebene Beginn der DickhĂ€uterhaus-Planung ist aber auch aus anderem Grund interessant: Manfred BĂŒrger war zu dieser Zeit noch gar nicht in Magdeburg tĂ€tig und dĂŒrfte wohl kaum Einfluss auf die Erstplanung gehabt haben, die geschah also noch unter seinem VorgĂ€nger Witstruk. BĂŒrger trat am 1. MĂ€rz 1961 seinen Dienst an und kam ausgerechnet aus Berlin. Umso deutlicher könnte er die Neubauten des dortigen Zoos im Hinterkopf gehabt haben. Auf jeden Fall kann er die DickhĂ€uterhausplanung zwar mit eigenen VorschlĂ€gen modifiziert haben, aber ihr Mit-Urheber war er wohl kaum.

Angesichts dessen wĂ€re auch nicht auszuschließen, dass in der Ur-Planung noch ZWEI (vermutlich konventionell vergitterte) NashornstĂ€lle vorgesehen waren und erst BĂŒrger einen einzigen daraus machte. So könnte ich mir vorstellen, dass fĂŒr die Flusspferde ursprĂŒnglich nur der ganz rechte Stall (und dort eine massive Mauer, wie sie jetzt die beiden linken StĂ€lle trennt) vorgesehen war; das Publikum konnte schließlich die Tiere im Wasser sehen und hĂ€tte nicht zwingend nĂ€heren Einblick in das Landabteil haben mĂŒssen (ging ja z.B. in Halle auch ohne...). Vielleicht wollte erst BĂŒrger (mit dem Berliner Flusspferdhaus als Vorbild?) die Hippos an Land nĂ€her ans Publikum heranholen und opferte dafĂŒr den zweiten Rhino-Stall.

Übrigens sieht auch das Außengehege der Hippos auf dem Plan im JB 1960 anders aus, als es spĂ€ter verwirklicht wurde; es hatte da noch einen wesentlich grĂ¶ĂŸeren Wasserteil.
(26.09.2011, 11:22)
Michael Mettler:   Ist doch wieder mal schön, wie sich Fragen in diesem Forum "mit vereinten KrĂ€ften" klĂ€ren lassen. Da macht die Detektivarbeit mal wieder richtig Spaß :-)

@Karsten, damit wĂ€re wohl auch die Frage gelöst, was von der Eröffnung des Hauses bis zum Eintreffen der Breitmaulnashörner 1976 auf der Anlage gehalten wurde. Magst du deine Tschechisch-Kenntnisse mal am JB 1976 einsetzen, vielleicht steht darin NĂ€heres ĂŒber einen Tapir-Nashorn-Austausch?

Offen bliebe jetzt vor allem noch, ob Liberec sich bei seinen Planungen an einem anderen Zoo orientiert hatte oder mit den drei Punkten, die Oliver gestern als Grundlage seiner Zweifel genannt hatte, tatsĂ€chlich eigene Neuentwicklungen umsetzen wollte. Nun fehlen mir weitreichende Kenntnisse ĂŒber den außerdeutschen Ostblock der damaligen Zeit und somit darĂŒber, wo dort ĂŒberall in den 60er Jahren Neubauten fĂŒr DickhĂ€uter geplant oder errichtet wurden, die als Vorbilder gedient haben könnten. Sicher ist zumindest, dass Magdeburg (Masterplan im JB 1960) und Prag (Artikel im IZY 1961) PlĂ€ne vorliegen bzw. veröffentlicht hatten. Fakt ist auch, dass allein im deutschsprachigen Westen schon ab 1953 (Basel) diverse neue HĂ€user mit neuartigen PrĂ€sentationsformen entstanden waren, aus denen man sich etwas abschauen konnte.

Vor allem die Entwicklung, alle möglichen Tiere sichtfrei hinter GrĂ€ben zu zeigen, "lag allgemein in der Luft". Hediger hatte die Tiergartenbiologie wenige Jahre zuvor um die Erkenntnis bereichert, dass Zootiere ihr Gehege als Territorium betrachten und z.T. nur ungern verlassen. Nach einer Zufallsbeobachtung in Karlsruhe hatten Hermann Ruhe und Lothar Dittrich ab 1961 in Hannover die symbolische Grabenbegrenzung entwickelt - einen Graben, der ĂŒberwindbar war, aber von territorial veranlagten Tieren als Gehegegrenze akzeptiert wurde. Es war also damals wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand trauen wĂŒrde, auch Flusspferde gitterfrei an Land zu prĂ€sentieren. (Hannover selbst baute bereits - das Flusspferdhaus wurde 1963 eröffnet - und dafĂŒr kamen die Erkenntnisse möglicherweise zu spĂ€t.)

Von der rĂ€umlichen NĂ€he und NationalitĂ€t her wĂ€re natĂŒrlich Prag prĂ€destiniert als Ideenlieferant. Der Futterschacht fĂŒr die Elefanten könnte ein Indiz dafĂŒr sein. Wir wissen (noch?) nicht, wie die ursprĂŒngliche Prager Planung aussah, aber falls das Haus in seiner jetzigen GrĂ¶ĂŸe und Grundstruktur schon 1961 festgestanden haben sollte, dann wĂ€ren die InnenunterkĂŒnfte angesichts der ursprĂŒnglich gewĂŒnschten Arten- und IndividuenfĂŒlle sicher Ă€hnlich kleinrĂ€umig geraten wie in Liberec. Möglicherweise war das Prager Hippo-Innenbecken sogar fĂŒr eine Doppelnutzung gedacht; immerhin waren auch Panzer- und Sumatranashörner geplant, und fĂŒr erstere hatte Hediger anhand seiner Baseler Erfahrungen schon lange vorher auf die Notwendigkeit eines Badebeckens hingewiesen (seine Tiere teilten sich ĂŒbrigens eins mit den Elefanten). Vielleicht sollten auch schon in Prag Flusspferde sichtfrei in einem einzigen Stall gezeigt werden (deshalb meine Frage an WolfDrei im Tschechien-Thread): Die Metallabsperrung zum Graben hin, die ich auf den Fotos von Oliver und Carsten Horn sehe, könnte nachtrĂ€glich eingebaut worden sein.

Frage ist auch, wann der Magdeburger Masterplan entstand. Veröffentlicht wurde er 1961 im JB fĂŒr 1960, aber das sagt nicht unbedingt etwas ĂŒber den Zeitpunkt seiner Erstellung aus, da könnte er ja auch schon eine Weile in der Schublade gelegen haben (habe die Chroniken noch nicht danach durchsucht). Beim Blick auf den Masterplan fiel mir dabei noch etwas nicht Unwichtiges auf: Zwar ist das DickhĂ€uterhaus bereits an der heutigen Stelle zu finden, aber der Baukörper hat eine andere Form und weist in den Außenbereichen FelstrennwĂ€nde auf, die nie umgesetzt wurden. Das spricht m.E. dafĂŒr, dass es tatsĂ€chlich einen Ă€lteren Entwurf fĂŒr das Haus gegeben haben dĂŒrfte und die letztlich umgesetzten Graffunder-PlĂ€ne diesen lediglich modifizierten und modernisierten. Und damit wĂ€ren wir durchaus auch wieder bei der Möglichkeit, dass ursprĂŒnglich ein gemeinsames Becken fĂŒr Hippos und Elefanten vorgesehen war - was wiederum Liberec beeinflusst haben könnte. Vielleicht war noch nicht mal die sichtfreie Innenhaltung von Nashörnern und Flusspferden vorgesehen: Das Berliner Nashornhaus, das EinflĂŒsse auf den letztlich verwirklichten Bau gehabt haben soll, wurde ja erst nach Veröffentlichung des Magdeburger Masterplans gebaut.

Als letzterer veröffentlicht wurde, standen als mögliche Vorbilder fĂŒr den Erstentwurf die Neubauten in Basel(1953, Elefanten/Panzernashörner mit doppelt genutztem Bad), Berlin (Elefantenhaus 1954; zwei getrennte Elefantengruppen mit doppelt genutztem Bad), Karlsruhe (1955; Elefanten/Flusspferde, Badsituation kenne ich nicht - Elefanten hatten jedenfalls kein eigenes Innenbadebecken) und nochmal Berlin (Flusspferdhaus 1956; u.a. ein Innen-Landteil mit Mini-GelĂ€nder dicht am Besucherweg). Bei der von mir spekulierten Überarbeitung des ersten Konzeptes könnten erst dann zusĂ€tzlich neuere Elemente (mögliche Vorbilder Hannover 1962/63, Berliner Nashornhaus 1964) Einfluss genommen haben.
(26.09.2011, 10:38)
Karsten Vick:   Ach so, das Adjektiv obojzivelni (es gibt kaum tschechische Tiernamen ohne Adjektiv, auch nicht fĂŒr Tiere, bei denen ein Wort genĂŒgen wĂŒrde), heißt so was wie "in beidem lebend", also = amphibius!
Übrigens Oli, was fĂŒr einen ZoofĂŒhrer hast du denn in Prag gekriegt, immer noch den von 2006 oder gibts was neues?
(25.09.2011, 23:52)
Karsten Vick:   Das Haus in Liberec wurde fĂŒr Elefanten und Flusspferde geplant und scheinbar wurden die FlusspferdplĂ€ne wĂ€hrend der Bauphase, die sich von 1966 bis 1971 hinzog, aufgegeben. Auf der HP des Zoos finden sich unter "vyrocni zpravy" die Jahresberichte von 1969 bis 1977 als pdf, der 69er ist der, den Olivers versierte Hilfsperson gefunden hat. Im 71er wird dann das Haus eingeweiht mit den Elefanten des Zoos und einem Paar Schabrackentapire. Außer den Jahresberichten ist eine BroschĂŒre zum 50-jĂ€hrigen JubilĂ€um des Zoos 1969 online. Und dort gibt es auf der Doppelseite "12 von 19" einen Satz, den schon der Besitzer des Originals angemarkert hat, wo es um die geplanten drei Pavillons geht: einen fĂŒr katzenartige Raubtiere, einen fĂŒr kleine und mittelgroße Affen und einen fĂŒr sloni a hrosi, Elefanten und Flusspferde. Im JB 69, der ja im Jahr darauf erschien, weiß nur noch der deutsche Übersetzer, Herr Scholz, etwas von Flusspferden...
Wie viel Hippo sich nun tatsĂ€chlich im Bauzustand wiederfindet, DAS ĂŒberlasse ich gern wieder euch ;-)
(25.09.2011, 23:35)
Carsten Horn:   Von wann genau das Haus in Sofia ist, weiß ich nicht, aber da der Zoo Anfang bzw. Mitte der 1980er Jahre umgezogen ist, kann es Ă€lter nicht sein.

Basel und ZĂŒrich haben bzw. hatten auch keine Absperrung vor dem Landteil, aber da lag bzw. liegt zwischen Besuchern und Hippostall das Badebecken...
(25.09.2011, 23:01)
Oliver Jahn:   Tja, die Frage ist nur, wo hat der Übersetzer es her, wenn er es nicht aus den Fingern gesogen hat? Auf jeden Fall nicht aus dem Original vom Direktor.
(25.09.2011, 22:24)
Michael Mettler:   "Swimming basin for elephants" ist ĂŒbrigens eine Ă€ußerst wohlwollende englische Bezeichnung angesichts der Abmessungen :-)
(25.09.2011, 22:19)
Michael Mettler:   Auf jeden Fall ist der deutsche Text sehr viel detallierter als der englische, und die zusĂ€tzlich enthaltenen Aussagen wird sich wohl kaum der Übersetzer aus den Fingern gesogen haben.

Dass der Neubau nur pavilon pro slony = Elefantenhaus genannt wurde, wĂŒrde ich nicht ĂŒberbewerten. Auch DickhĂ€uterhĂ€user anderswo hießen schlicht Elefantenhaus, beherbergten aber trotzdem auch andere Arten (siehe z.B. die Altbauten in Wuppertal, Hannover, Köln).
(25.09.2011, 22:16)
Oliver Jahn:   So weit ich das beurteilen kann, orientiert sich diese sehr nah am Original. Und nun kommt das, was im Deutschen daraus wurde. Und das ist schon irgendwie komisch.
(25.09.2011, 21:02)
Oliver Jahn:   Dann kommt hier die englische Übersetzung
(25.09.2011, 20:59)
WolfDrei:   kann auch die Tschechische Sprache nicht, aber Russisch: Mitte 69 drĂŒckte die Baufirma auf Tempo, Ende 69 wurde das innere Becken gegossen, Ende 70 hofft man auf Fertigstellung (oder es wurde fertig)
(25.09.2011, 20:52)
Oliver Jahn:   @WolfDrei, ja, das sind sie noch. Ich wollte damit auch nur die Unstimmigkeiten in der deutschen Übersetzung verdeutlichen.
(25.09.2011, 20:50)
WolfDrei:   Kurzer Einwurf (wenn auch kein DickhĂ€uter): die MĂ€hnenrobben waren diametral zum DickhĂ€uterhaus entfernt im unteren Teil an der östlichen Zoogrenze untergebracht (und da sind sie wohl immer noch)
(25.09.2011, 20:42)
Oliver Jahn:   Das Haus in Sofia dĂŒrfte frĂŒhestens Mitte der 80er entstanden sein.
Michael, ich habe alles nach diesem und nach Ă€hnlichen Worten abgesucht, aber vielleicht habe ich ja doch etwas ĂŒberlesen. Von daher hier ein Bild, in der Hoffnung, es ist lesbar.
(25.09.2011, 20:41)
Michael Mettler:   @Oliver: Wann wurde eigentlich gemĂ€ĂŸ deiner Informationen mit dem Bau den Hauses begonnen?
(25.09.2011, 20:23)
Michael Mettler:   @Carsten: Das Haus in Sofia ist wesentlich jĂŒngerem Datums, oder?

@Oliver: Der Plural von hroch scheint hrosi (auch ohne Obojzivelny) zu sein, hast du danach mal geschaut?

Wird jedenfalls immer verrĂŒckter. "Löwenrobben" in einer solchen Außenanlage - warum nicht? Die Unterbringung der MĂ€hnenrobben in Antwerpen (im ehemaligen Außengehege der Flusspferde!) sah frĂŒher auch nicht viel anders aus, lediglich mit flach auslaufendem Ufer. Aber der zugehörige Innenstall in Liberec passt nicht, das ist m.E. eindeutig eine Box fĂŒr sehr große und krĂ€ftige Tiere. Robben als Winterbesatz außen, das wĂ€re auch noch denkbar, aber wo wĂ€ren die dann im Sommer gewesen?

EINE DickhĂ€utermöglichkeit habe ich in meiner Auflistung vergessen, die zwar theoretisch möglich wĂ€re, mir aber noch unwahrscheinlicher erscheint: JUNGE Elefanten. Aber die versuchte man in der Regel von Alttieren "adoptieren" zu lassen. Und auch der Grubencharakter der Außenanlage spricht gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig dagegen.

Was zudem gegen eine Ursprungsplanung als zusĂ€tzlicher Elefantenstall spricht: Wenn ich die Wandöffnungen im linken Stall und die TĂŒr weit oben in der Hauswand richtig deute, dann scheint sich dort ein Futterschacht zu befinden - oben wirft man durch die TĂŒr das Heu hinein, unten kann es von den Tieren durch das Gitter rausgefingert werden. So jedenfalls wird wird ein FĂŒtterungssystem in den Planungen fĂŒr das Prager Haus im IZY beschrieben, die ich im Tschechien-Thread angerissen habe, und die Beschreibung wĂŒrde auf die Situation in Liberec gut passen. (Was ĂŒbrigens in beiden FĂ€llen bedeuten wĂŒrde, dass die Elefanten nicht stĂ€ndig im Stall angekettet gewesen sein konnten - sie wurden wohl kaum mit den Hinterteilen zu den Besuchern hin angebunden.) In der rechten Box in Liberec fehlt allerdings eine solche Vorrichtung. Zwar gibt es eine zweite TĂŒr oben in der Wand, aber die befindet sich oberhalb des Beckens, und in dem "Vorbau" an der BeckenrĂŒckseite vermute ich eher die (frĂŒhere) Boiler-Anlage zur BadewassererwĂ€rmung.

GrĂ€ben ohne Ausstiege waren und sind in Zoos m.W. nicht gerade selten. Z.B. wĂŒsste ich nicht, dass es im alten hannoverschen Elefantenhaus einen Ausstieg aus dem Graben vor den ElefantenstĂ€nden gab (dass auch Elefanten in Anbindehaltung mal in den Graben fallen können, hat man ja im TP Berlin gesehen). So weit ich weiß, holte man Tiere aus manchen GrĂ€ben heraus, indem man Strohballen hinein warf, auf deren wachsender Schicht das Tier immer höher steigen konnte. Eine Treppe in den Graben in Liberec hĂ€tte bedeutet, dass diese entweder wie der Beckeneinstieg aus der StallflĂ€che "geschnitten" werden musste und diese zusĂ€tzlich verkleinert hĂ€tte, oder dass man sie lĂ€ngs im Graben hĂ€tte einbauen mĂŒssen, wodurch entweder der Graben seine Absperrfunktion oder - wegen eines Tores - der Stall seine Sichtfreiheit verloren hĂ€tte. Es kann auch schlichtweg nur Gedankenlosigkeit beim Planen gewesen sein - noch in jĂŒngerer Zeit soll ja anderswo ein großer Wassergraben neu gebaut worden sein, bei dem man schlichtweg einen Zulauf vergaß, so dass er per Schlauch befĂŒllt werden muss...
(25.09.2011, 20:20)
Carsten Horn:   Sofia z. B. hat einen barrierefreien Einblick, wo das Gehege der Hippos (sowohl Wasserbecken als auch Stall) vom Besucherraum nur durch einen Graben getrennt ist. Im Hippostall gibt es eine Fußbremse am Grabenrand, aber die ist vielleicht maximal 15 cm hoch...
(25.09.2011, 19:28)
Oliver Jahn:   @Michael, ich habe es genau aus diesen GrĂŒnden, die du nennst, auch nie ausgeschlossen, zog es dennoch in Zweifel aus den mehrfach beschriebenen GrĂŒnden, die natĂŒrlich auch alle nicht stimmen mĂŒssen, aber die fĂŒr mich nach wie vor recht stichhaltig waren. NatĂŒrlich könnte gerade Liberec der Zoo gewesen sein, der all die Erfahrungen der anderen Zoos ĂŒber den Haufen wirft, auch die negativen, und trotzdem noch einmal die gitterlose Haltung versucht. Warum man dann aber nicht mal eine Treppe in den Graben baute, das leuchtete mir nicht ein. Ich stelle es mir schon in Magdeburg bei einem relativ großen Haus recht schwierig vor, da ein Tier wieder rauszubekommen. In Liberec hielt ich es schlicht fĂŒr unmöglich. Aber eventuell hat Liberec das alles außer Acht gelassen, vielleicht aber auch nicht.
Ein Bau entwickelt sich, und viel der Planung wird noch im Bau ĂŒber den Haufen geworfen. Die Idee mit dem Bullenstall hat Charme, passt aber nicht zur Außenanlage.
Ich habe den Jahresbericht aus dem Jahr des Hausbaues aus Liberec mit der fachkundigen UnterstĂŒtzung einer sehr versierten Person erhalten. Und da steht auf einer Seite in Deutsch:
Der DickhÀuterpavillon
Der Rohbau steht. Vor Wintereinbruch gelang die Eindachung. Jetzt wird an den Inneneinrichtungen, einschließlich des Bassins fĂŒr die Elefanten und Nilpferde gearbeitet.
Damit ist der Fall fĂŒr mich nun klar. Dachte ich zumindest. Diese Übersetzung im Jahresbericht ist von E.Solc, wer immer das auch war. Aber die Frage hat ihre Antwort gefunden.
Warum auch immer, ich habe mir nun den ZoofĂŒhrer aus Prag genommen und mir angesehen, wie Nilpferd auf Tschechisch heißt.
Hroch Obojzivelny
Und dann habe ich mir den Originaljahresbericht an der Stelle, an der es um das Haus geht, noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Dieser Bericht ist von Jiri Badalec, das war zu der Zeit der Direktor. Und ich finde die Passage, die E.Solc ĂŒbersetzt hat auch in seinem Bereich. Nur ist dieser ĂŒberschrieben mit Pavilon pro Sloni. Das heißt Elefantenhaus. Und ich finde in keinem der Texte auch nur ein einziges mal das Wort fĂŒr Nilpferd. Vielleicht also doch ein geplanter Bullenstall? Dann finde ich die englische Übersetzung, die ebenfalls im gleichen Heft ist. Diese ist von B. Hujerova. Und komisch, auch hier finde ich nicht ein einziges mal das Wort hippopotamus.
In der deutschen Übersetzung finde ich dann aber noch den Hinweis auf den Neubau von Bassin und Ubikation der Löwenrobben!!!
Tja, da stelle ich mir dann eben doch wieder die Frage, was hat E. Solc bei seiner Übersetzung gelesen, was B. Hujerova nicht las und der Direktor Badalec nie geschrieben hat?
Der endgĂŒltige Witz fand sich dann, als ich das geplante Haus fĂŒr Elefant und Nilpferd in der deutschen Zusammenfassung des ZoofĂŒhrers aus Liberec von 1969 ebenfalls fand, in einem Teil, der sich mit dem neuen Haus beschĂ€ftigt und dem Jahresbericht sehr Ă€hnlich ist, im Text des ZoofĂŒhrers aber selber die Hippos mit keinem Wort erwĂ€hnt werden. Auch hier ist wieder ausschließlich vom im Bau befindlichen Elefantenhaus die Rede. Ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass ein Übersetzer sich auf ehemalige PlĂ€ne bezieht, die es mal gab und diese frei in seine Übersetzung mit einbaut. Vielleicht hatte er also erst einen anderen Text? Vielleicht war es so, vielleicht aber auch nicht. Die Tendenz zum Flusspferdstall ist also auch fĂŒr mich trotz aller bleibenden Zweifel stĂ€rker geworden. Garantieren wĂŒrde ich es aber noch immer nicht. ;-)

(25.09.2011, 19:10)
Michael Mettler:   Ein Antiquariatsangebot bringt es praktischerweise an den Tag: Die 2. Auflage von "Tiere um uns" erschien 1966, Puschmann war bereits Co-Autor. Das Datum wĂŒrde also zu meiner Vermutung passen, und auch hier konnte das eigentliche Manuskript durchaus ein, zwei Jahre vorher erstellt worden sein.
(25.09.2011, 18:13)
Michael Mettler:   @Oliver, das Buch von Pilz/Puschmann ist 1971 in seiner dritten Auflage erschienen, aber wir wissen nicht, wann das Manuskript entstand. Wie gesagt erschien die erste Auflage 1963, also vor Baubeginn des Hauses, mit ganz anderen Texten und ohne Puschmann als Co-Autor. Deshalb ja meine Vermutung, dass die zweite Auflage bereits einen Text zum (vielleicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellten) Haus enthielt, der fĂŒr die dritte Ausgabe nicht korrekt (und vielleicht nur durch Lektoren) aktualisiert wurde. Ob jemand den Autoren bei der Recherche fĂŒr die zweite Ausgabe die Geschichte von dem wechselseitig nutzbaren Badebecken erzĂ€hlt hat oder sie gar Einblick in eine Planzeichnung bekamen, wissen wir nicht; im Vorfeld der dritten Ausgabe hĂ€tten sie jedenfalls schon in natura die Möglichkeit gehabt, das Haus zu begutachten.

Gerade weil das Haus einen Meilenstein fĂŒr die DDR-Zoos darstellte, wunderte mich bis gestern zudem noch, dass es ĂŒber seine Eröffnung keinen auch nur kleinsten Artikel im "Zoologischen Garten" gab. Aber als ich dann vorhin den besagten, wiedergefundenen Artikel ĂŒber die Erfahrungen mit dem Haus las, keimte sofort der Verdacht, dass der erste Teil davon, der das Haus beschreibt, genau dieser vermisste Artikel gewesen sein könnte (Warum sonst stellte man selbst das Glasmosaik noch vor?), der schlichtweg mit neunjĂ€hriger VerspĂ€tung erschien und dann aus praktischen GrĂŒnden gleich mit einem RĂŒckblick aktualisiert wurde. Derartig lange Liegezeiten von Manuskripten waren im ZG tatsĂ€chlich nicht ungewöhnlich, selbst Jahresberichte erschienen dort manchmal mit vielen Jahren VerspĂ€tung (vielleicht gab man sie deshalb irgendwann ganz auf). Übrigens habe ich auch ĂŒber das DickhĂ€uterhaus in Prag keinen ZG-Artikel gefunden, obwohl doch das ein Ă€hnlich bemerkenswertes Ereignis gewesen sein muss und Artikel zur Tierhaltung aus Prag durchaus vorkamen.

Aus dem Stegreif wĂŒsste ich auch keinen "barrierefreien" Einblick in einen Flusspferdstall irgendwo, wobei ich natĂŒrlich lĂ€ngst nicht alle hippo-haltenden Zoos kenne. Allerdings schließe ich daraus nicht unbedingt, dass sowas fĂŒr eine Planung in Liberec deshalb undenkbar war. Man experimentierte gerade in den 60er Jahren in der Zoowelt bei allen möglichen Tierarten mit sichtfreien PrĂ€sentationen, hatte das auch in Magdeburg vor - warum also nicht auch in Liberec? Es sind ja nicht immer die großen Zoos, die sich Neues ausdenken (siehe z.B. begehbare Berberaffengehege).

EinflĂŒsse auf Folgebauten hat es keineswegs nur beim Baseler Raubtierhaus gegeben, und es gibt auch FĂ€lle, in denen das Ursprungskonzept aus SparzwĂ€ngen zu einem sehr weit abgespeckten Nachbau schrumpfte; ich erinnere nur an das Menschenaffenhaus in Heidelberg, dem das hannoversche Urwaldhaus als Vorbild diente. Genau genommen ist doch selbst das Magdeburger DickhĂ€uterhaus in gewissem Sinne eine Sparversion: Man konnte es sich nicht wie in Berlin leisten, fĂŒr alle drei DickhĂ€utertypen eigene HĂ€user zu errichten, also entwarf man ein Konglomerat aus Bestandteilen dieser HĂ€user und fĂŒgte eventuell noch eigene Erfindungen hinzu (ich wĂŒsste gerade nicht, ob die "Fußbremse" mittels einfacher Winkeleisen sogar ein MD-Original ist - mir sind sonst eher reine Betonkanten oder zackenbewehrte Metallstreifen in Erinnerung). Ich weiß nicht, wie arm oder reich Liberec damals war, welche Ambitionen man hatte und wieviel tiergĂ€rtnerische KreativitĂ€t und Risikobereitschaft da war, aber ich wĂŒrde dem Zoo gerade letzteres nicht nur deshalb absprechen, weil ich es anderswo noch nicht gesehen habe.

Man kam in vielen Zoos zu dieser Zeit als Besucher sehr dicht an Flusspferde heran (selbst im Berliner Haus), man vertraute "SturzgrĂ€ben" so sehr, dass man sie selbst noch im viel spĂ€teren Friedrichsfelder DickhĂ€uterhaus (ebenfalls einem "Meilenstein", nach damaliger Sichtweise) verwendete, und man war in Magdeburg so optimistisch bei der Planung, zwei Nashörner in nur einer Box halten zu können (und das auch noch gitterfrei). In manchen Zoos teilten sich Elefanten und Nashörner abwechselnd ein Badebecken (z.B. Basel, Stuttgart). Warum also sollte der Zoo Liberec nicht mit dem Gedanken gespielt haben, ein bis zwei Hippos in einer Box gitterfrei zu halten und das Becken aus GrĂŒnden der Ersparnis auch als Elefantenbad zu nutzen?

Und die ganz entscheidende Frage: WofĂŒr sonst war deiner Meinung nach die rechte Anlage des Hauses plus Außenanlage ursprĂŒnglich gedacht? FĂŒr Nashörner gelten im Grunde die gleichen Zweifel wie fĂŒr Nilpferde (und dennoch wurden dann 25 Jahre lang welche dort gehalten), gegen Tapire, Zwergflusspferde oder andere kleinere Arten sprechen die Dimensionen der Treppen, des Tores und des Gitters zum Innenbecken hin, und ein Bullenabteil fĂŒr Elefanten hĂ€tte ein weitaus grĂ¶ĂŸeres Tor ins Außengehege (seitdem ich das Bullenabteil in ZĂŒrich gesehen habe, war mir erst bewusst, WIE eng man Elefantenbullen mancherorts zu halten versuchte). Was also sonst? WasserbĂŒffel? Kenne ich auch nicht hinter barrierefreien GrĂ€ben in einem Haus...
(25.09.2011, 18:08)
Oliver Jahn:   Michael, ich habe ja auch den ganzen Artikel gelesen.
Also von daher Àndert sich an meiner Aussage gar nichts.
Ich kenne keine Flusspferdhaltung, die ohne Gitter zum Besucherbereich hin abgeschirmt wurde. Auch Magdeburg nicht. Seit ich mich an das Haus erinnern kann, gab es immer Absperrgitter, und das bis heute, ob man sie verĂ€ndert hat oder ausgetauscht, das steht fĂŒr mich nicht in Frage, aber es gab sie.
Das war ja auch nur meine Grundaussage. Ob das Haus in Magdeburg eine andere Planung hatte, die man nie umsetzte, das habe ich weder in Frage gestellt, noch halte ich es hier fĂŒr wesentlich, denn Fakt ist, man hat es ohne Gitter probiert, aber es hat nicht geklappt. Darum entschied man sich dauerhaft fĂŒr Gitter, wie alle anderen Zoos, die ich kenne, auch.
Ich habe jetzt meine Bilder durchgesehen. Aus den 80er Jahren sind einige schlechte dabei, aber alle mit Absperrung bei Nashorn und Flusspferd.
Ich habe ein paar Bilder aus den 90er Jahren, ebenfalls alle mit Rohr.
Und ich habe relativ aktuelle Bilder, kurz vor dem Umzug der Nashörner entstanden, auch hier kein einziges ohne Rohr.
Und man entschied sich bereits bei Eröffnung fĂŒr eine Trennung von Elefanten- und Flusspferdbecken und baute eine Barriere, welche die Elefanten mit dem RĂŒssel nicht ĂŒberwinden können. Ich habe daraus eine mögliche GefĂ€hrdung abgeleitet, weil mir mal ganz ehrlich gesagt, kein anderer plausibler Grund fĂŒr eine kostenaufwendige Lösung wie diese einfĂ€llt. Warum sonst will ich, dass die Elefanten die Hippos nicht erreichen? Damit sie nicht mit einander kuscheln?
Zu Pilz und Puschmann, da kann ich nur sagen, dass ich den Beitrag im Buch gar nicht verstehen. Du schreibst es doch selber, es war ein epochaler Bau, der erste nach dem Krieg in der DDR. Da wird sich keiner beim Plan vergucken? Aber er wird 1971 etwas schreiben, ĂŒber ein Haus, welches bereits 4 Jahre steht, was absolut nicht der RealitĂ€t entspricht? Ich nenne sowas dann irgendwie schlampig recherchiert, wann und durch wen, das dĂŒrfte sich nur noch schwerlich klĂ€ren lassen.
Was nun Liberec angeht, so will ich da vielleicht noch einmal zu meiner Grundaussage zurĂŒck kommen.
Einiges an dieser Anlage spricht deutlich fĂŒr eine Planung mit großen Flusspferden.
Einiges, vor allem im Innenbereich spricht fĂŒr mich dagegen.
Deine Anregung, das Haus mal mit anderen Haltungen und Bauten dieser Zeit zu vergleichen, hat meine Zweifel eher noch bekrÀftigt, gerade im Bezug auf die Erfahrungen aus Magdeburg.
Hier erinnerte ich mich an das Raubtierhaus in Basel und seine "Folgen" fĂŒr viele andere Nachfolgebauten. Da stell ich mir schon die Frage, warum das nicht auch fĂŒr DickhĂ€uterhĂ€user Geltung haben sollte.
Denn nach wie vor kenne ich aus den HĂ€usern dieser Zeit

1. keine Haltung mehr, mit nur noch einem Stall fĂŒr Flusspferde (nicht mal Halle oder Stuttgart)

2. keine Haltung mehr, bei der Elefanten und Flusspferde das selbe Badebecken nutzen

3. keine Haltung, in der Flusspferde innen zum Besucher erhöht ohne Abgrenzung gehalten wurden.

Was die Treppe angeht, so habe ich mich vielleicht wirklich nicht ganz richtig ausgedrĂŒckt. Die Treppe auf der Tapirseite nimmt im Becken sehr viel weniger Platz ein, als die der Elefanten, weil sie schmaler und steiler und nicht um die Ecke herum gezogen ist.

(25.09.2011, 14:43)
Michael Mettler:   @Oliver: Danke fĂŒr die Quellenangabe. Ich war beim Suchen durch die Inhaltsverzeichnisse auf den Begriff "DickhĂ€uterhaus" fixiert und kam gar nicht auf die Idee, dass er nicht in der ArtikelĂŒberschrift auftauchen könnte.

Nehme auch ich die von Manfred BĂŒrger veröffentlichten Fakten in Artikel und BroschĂŒre zur Hand, dann liefern mir die schon mal den ersten Beweis, dass die Ursprungsplanung noch vor Fertigstellung des Hauses verĂ€ndert wurde - zwar nur in Details, aber das lĂ€sst immerhin die Möglichkeit offen, dass es noch eine ganz andere Ur-Version gegeben haben könnte. Beide Veröffentlichungen enthalten nĂ€mlich unterschiedliche Grundrisse und Schnitte des Hauses. So ist in der BroschĂŒre von 1967 im Grundriss noch gar kein trennender Felsen zwischen Elefanten- und Flusspferdbecken eingezeichnet, der die Elefanten-Beckentreppe verdeckende Felsaufbau hingegen schon. Das erlaubt die Interpretation, dass man sich erst nach der Erstplanung Gedanken um mögliche Kontakte der beiden Arten machte und deshalb "nachbesserte". BĂŒrger schreibt ĂŒbrigens nichts davon, dass die Elefanten mit ihrer langen RĂŒsselreichweite die Flusspferde "gefĂ€hrden", sondern lediglich "Kontakt aufnehmen" könnten. Fakt ist, wie schon erwĂ€hnt und illustriert, dass solche Kontakte andernorts nicht unterbunden wurden. Das erlaubt zumindest die Vermutung, dass auch die Verantwortlichen in Liberec weniger BefĂŒrchtungen gehegt haben könnten als die Magdeburger.

BĂŒrger schreibt im ZG-Artikel weiterhin: "Sowohl die StandflĂ€che der Fluspferde als auch die der Nashörner
war als reine Freisichtanlage gedacht." (Das bestĂ€tigt meine Vermutung aus den vorangegangenen BeitrĂ€gen.) "Die Schreckhaftigkeit der Nashörner hat uns jedoch bisher davon abgehalten, den lediglich als vorĂŒbergehende Sperre gedachten Eisenrohrholm zu entfernen." Wohlgemerkt "bisher" - man hatte also offenbar noch 1976 (nach neunjĂ€hrigem Betrieb des Hauses) Hoffnung, irgendwann das ursprĂŒngliche PrĂ€sentationskonzept umsetzen zu können. Warum also nicht auch in Liberec einige Jahre zuvor, als das dortige Haus entstand?

"Auch bei den Flusspferden blieben die Absperrholme in Gebrauch, da zwischen dem Tierstand und dem Schwimmbecken ein StĂŒck des Trenngrabens lĂ€uft. Wird nun Wasser im Becken ab- oder eingelassen, dann versuchen die Tiere manchmal von ihrer StandflĂ€che aus in den Graben als vermeintliches Wasserbecken zu gelangen. Nach einigen gelungenen Rutschpartien des Bullen in diesen Graben machten wir die Holme wieder vor." Es war also wenigstens zwischenzeitlich - ohne Angabe des Zeitraums - ohne Holme (und damit sichtfrei) versucht worden, und man hatte nicht damit gerechnet, dass der Anreiz durch das Wasserbecken fĂŒr die Hippos so groß sein könnte, dass sie sich als Turner versuchen wĂŒrden. Wir wissen von unserer Halle-Recherche, dass dort aus dem gleichen Grund sogar GelĂ€nder ĂŒberklettert wurden - aber das geschah erst, als die Konzepte in Magdeburg und Liberec lĂ€ngst verwirklicht waren. Dies lĂ€sst durchaus Raum fĂŒr meine Spekulation, dass man in Liberec die Magdeburger Bauweise in abgewandelter Form ĂŒbernommen haben könnte, dann aber von den dortigen Problemen erfuhr und eine urspĂŒnglich fĂŒr Hippos geplante Anlage lieber erst gar nicht mit solchen besetzte.

In Magdeburg wurden die ursprĂŒnglichen Holme irgendwann durch andere ersetzt; meine Fotos von 2007 zeigen jedenfalls andere Absperrungen im Haus als die historischen Bilder in der BroschĂŒre und der Chronik "Im Zeichen des Luchses". Auch war im Ursprung kein Sicherheitsgitter von der Beckentreppe zum "Stichgraben" hin vorhanden, wie es z.B. auf Carsten Horns Fotos von 1999 auf hipposworld.de (6. und 7. Foto der Magdeburg-Galerie) zu sehen ist und ich es auch auf einer Aufnahme von 2007 (Anlage inzwischen zur Nashornhaltung umgewandelt) habe. Carsten Fotos zeigen ĂŒbrigens auch, dass die GitterstĂŒtze rechts (an der Treppe) offenbar Halterungen fĂŒr noch sehr viel mehr Holme ĂŒbereinander geboten hĂ€tte. Das unterstreicht das Provisorische dieser Holme, denn sonst hĂ€tte man ja gleich dicke Rohre anschweißen können.

Bleibt die Frage, wie Pilz & Puschmann auf die Doppelnutzung eines einzelnen Beckens kamen. Die werden sich das nicht ausgedacht haben, und so falsch kann man einen Grundriss mit zwei Becken eigentlich nicht lesen. Das Buch "Tiere um uns" gibt ja an einigen Stellen Zukunftsvisionen wieder, die dann nie umgesetzt wurden, aber auf Planungen der Zoos und nicht auf TrĂ€umereien der Autoren basieren dĂŒrften. Deshalb wĂŒrde ich nicht so kategorisch ausschließen, dass es den (immerhin Wasser und Heizmaterial sparenden) Gedanken in Magdeburg jemals gegeben hatte.

Zu Liberec: Ich weiß nicht, ob wir uns missverstehen, aber wenn ich von der Breite der Beckeneinstiege spreche, dann meine ich damit quasi den "Wandeinschnitt" in Richtung StallflĂ€che und nicht, wie breit die Treppe um die Ecke nach unten hin auslĂ€uft. Einstieg und Tor auf der rechten Seite wĂ€ren jedenfalls breit genug fĂŒr ein Flusspferd, und steile Treppe sind bekanntlich fĂŒr diese Art kein Problem. Und wenn durch das Tor zur Außenanlage ein erwachsenes Panzernashorn passte, dann hĂ€tte ein Hippo ebenfalls durchgepasst. Im Tschechien-Thread hatte Michael Amend am 29.8.2008 Fotos aus dem Haus eingestellt, da kann man auf einem den rechten Beckeneinstieg sehr gut sehen (und auch das zweiflĂŒgelige, mit Kette verschlossene Tor). Im Vergleich zur Gegenseite wirkt mir das alles auch hier keineswegs schmaler.

Per "SteinezĂ€hlen" und in der Annahme, dass Ziegelsteine in Tschechien die gleichen Abmessungen haben wie bei uns, habe ich anhand der Fotos mal versucht, die Abmessungen von Becken und rechtem Innenstall zu rekonstruieren. Die Außenbreite des Beckens wĂ€ren demnach rund 4 m, der Beckenrand dĂŒrfte beiderseite einen halben Meter dick sein - bleiben ca. 3,50 m nutzbare Breite. Darin könnte sich ein erwachsenes Hippo gut umdrehen. Der Stall ist etwa 4 m breit. Beide Abteile sind tiefer als breit und dĂŒrften in dieser Richtung etwa 5 m haben, vielleicht sogar einen halben Meter mehr. Die Stallboxen im Berliner Nachkriegs-Flusspferdhaus hatten laut Grundriss ungefĂ€hr die gleiche GrĂ¶ĂŸe, das dortige kleinere der beiden Flusspferdbecken war nicht grĂ¶ĂŸer als das Becken in Liberec. Falls der linke Beckenabstieg tatsĂ€chlich eine Nachbesserung wĂ€re, hĂ€tte es bei einer Ursprungsplanung mit Flusspferd und ohne Elefantenbad nicht mal das Problem (?) möglichen RĂŒsselkontaktes gegeben, denn die Elefanten standen ja zu jener Zeit angekettet im Stall.

Übrigens könnte das Frontgitter in zwei Abschnitten entstanden, nĂ€mlich nachtrĂ€glich noch erhöht worden sein (so wirkt es jedenfalls). Beim unteren Teil könnte es sich um ein ursprĂŒngliches provisorisches Eingewöhnungsgatter gehandelt haben, das dann als erstes zur Dauereinrichtung wurde.
(25.09.2011, 13:37)
Oliver Jahn:   @Michael, ich fange mal bei Magdeburg an.
Alle Daten meines letzten Beitrags habe ich nicht selbst spekuliert oder vermutet, sondern aus den Schriften des damaligen Planers und Direktors Manfred BĂŒrger.
Dank deines Hinweises habe ich den Artikel im ZG von dir gefunden, es ist die Ausgabe 1976 œ.
Und ich habe das Heft, welches ebenfalls von BĂŒrger direkt zur Eröffnung 1967 herausgegeben wurde.
Und er hat das Haus geplant, er hat sich Anregungen im Zoo Berlin geholt, er hat es bei Graffunder in Auftrag gegeben und er hat ĂŒber das Haus geschrieben, einmal zur Eröffnung, einmal als Erfahrungsbericht nach 9 Jahren und ich gehe mal davon aus, wenn einer das Haus kannte, vom ersten Tag der Planung an, dann er. Von daher kann ich mich hier auch nur auf diese Aussagen beziehen.
Und danach ist zu lesen, dass bereits 1967 ein Nashornpaar geplant war. Etwas anderes habe ich nirgendwo gefunden, es wird sogar bereits bei Eröffnung mehrfach von Nashörnern gesprochen und davon, dass deren mögliche Zucht ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz wÀre.
Weiterhin, lese ich, dass die Eisenrohrholme, die nur als vorĂŒbergehende Sperre gedacht waren, aus den bereits genannten GrĂŒnden blieben.
Hierzu werde ich aber heute Nachmittag noch mal ein paar meiner Bilder raussuchen. Es waren zwei Holme am Anfang. Ob man die ganze Zeit beide Holme beibehielt, das kann ich nicht sagen, auf jeden Fall aber habe ich das Haus, welches ich ĂŒber 35 Jahre hinweg sicher an die 500 mal besucht habe, nie ohne Absperrholme gesehen.
Bei der von dir gestern benannten Seite Hippoworlds.de sieht man diese Holme vor den Flusspferden auch noch recht gut, und das Foto muss schon etwas jĂŒngeren Datums sein, denn es gibt vor dem Becken der Hippos das zweite GelĂ€nder, das kam erst recht spĂ€t. Aber wie gesagt, hier werde ich nachher noch mal meine Bilder durchforsten.
Dass der Nashornstall eine Fehlplanung war, schreibt ebenfalls BĂŒrger, man ging zu der Zeit wohl noch davon aus, dass ein Stall fĂŒr zwei Nashörner reicht, schließlich wurde in einem Ă€hnlich kleinen Stall etliche Jahre spĂ€ter und mehrere Jahre lang ein Breitmaulnashornpaar in Liberec gehalten. BĂŒrger bemĂ€ngelt das in seiner Kritik an dem Haus und weist auf den Notstall im Futterlager hin, den es also da schon gegeben hat.
Dass die Becken getrennt waren, und der Fels dazwischen deshalb gebaut wurde, damit die Elefanten mit dem RĂŒssel die Flusspferde NICHT erreichen, steht ebenfalls bei BĂŒrgers Bewertung seines Hauses. Er, als Zoologe sah es wohl kritischer, als andere seiner Kollegen.
Zu Liberec, ich kenne die Fußbremse aus Magdeburg und die ist auf der Tierseite abgeschrĂ€gt und verlĂ€uft in einem metallumfassten Bogen.
In Liberec ist es ein geneigter Sims, der aber eben ein Sims ist, und zwar so, dass ein U-Profil drĂŒber passt, und zwar an beiden Seiten.
Was die Treppen angeht, da kann ich nur sagen, ich stand direkt davor. Und die Elefantentreppe geht um die Ecke gezogen breiter ins Wasser, als die Stufen, die gerade vom Tapirstall aus ins Wasser laufen.

(25.09.2011, 11:10)
Michael Mettler:   @Oliver, ganz vergessen in punkto Liberec: Auch der Elefanteneinstieg ins Becken ist schmaler als das dortige Tor, der Pfosten mit den Torgelenken befindet sich ebenso neben der Treppe wie auf der Gegenseite. Auf beiden Seiten ist zudem das feststehende Gitter zum Becken hin jeweils schmaler als der Tordurchgang, und fĂŒr mich sehen diese Maße beiderseits gleich aus. Auf meinem unten zuerst eingestellten Foto bietet das unterste Querrohr des Frontgitters eine wunderbare Fluchtlinie, denn seine Unterkante liegt perspektivisch quasi auf der Ecke des rechten Beckeneinstiegs auf. VerlĂ€ngert man diese Fluchtlinie, kommt sie genau an der Ecke des Elefanteneinstiegs an. Das wĂ€re bei unterschiedlich breiten ZugĂ€ngen nicht der Fall, da wĂŒrde sie irgendwo auf der Elefantentreppe enden.

In der Magdeburger Chronik fand ich inzwischen noch eine Innenaufnahme des Hauses mit Blick auf die Schmalseite, die aber leider undatiert ist. Darauf bildet eine einzelne Rohrstange das BoxengelĂ€nder, die aber m.E. höher angebracht ist als die zuletzt verwendete Barriere und vielleicht nur das untere der beiden Eisenrohre vom Foto aus der BroschĂŒre darstellt, also zeitlich dazwischen einzuordnen wĂ€re.
(25.09.2011, 00:02)
Michael Mettler:   Um fĂŒr das genannte Beispiel Rotterdam einen Bildbeleg zu liefern, hier das Umschlagfoto eines Buches. War schneller zu finden als die ganze Fotoserie, die u.a. in einer alten Ausgabe der Zeitschrift des Kölner Zoos veröffentlicht wurde.
(24.09.2011, 23:36)
Michael Mettler:   @Oliver: Das Magdeburger Haus wurde in der Literatur als erstes seiner Art gefeiert, das nach 1945 auf dem Gebiet der DDR entstand. Angesichts eines solch epochalen Ereignisses, der ĂŒberschaubaren Anzahl von Zoos in der DDR und dem Fakt, dass der Autor der ersten Auflage fĂŒr einen völlig neuen Buchtext einen wissenschaftlichen Assistenten des Leipziger Zoos als Co-Autor gewann, sollte man meinen, dass das ZĂ€hlen der Badebecken im Haus (oder auf dessen erstem Entwurf...?) keine allzu schwere Aufgabe gewesen sein sollte.

Dass man Flusspferde vor ElefantenrĂŒsseln schĂŒtzen musste, wĂŒrde mich wundern - wohl eher umgekehrt. Aber auch das wurde keineswegs allgemein fĂŒr nötig gehalten. Es gibt z.B. ganze Fotoserien aus Rotterdam mit Kontakten beider Arten ĂŒber den Trenngraben der alten Anlagen an der Rivierahalle hinweg, auf denen ein Hippo-Bulle den RĂŒssel, den Schwanz oder sogar den Fuß eines Elefanten ins Maul nimmt. Ähnliches kenne ich aus Stuttgart mit Elefant/Panzernashorn, und letztere Art kann hervorragend beißen (Artgenossen im Freiland haben schon Reitelefanten auf diese Weise attackiert).

Dass das mit dem einzelnen Nashornstall eine Fehlplanung war, bezweifele ich gar nicht. Aber warum ĂŒberhaupt wurden fĂŒr Flusspferde von Anfang an zwei Abteile geplant und fĂŒr Nashörner, wenn man ebenfalls ein Paar halten wollte, nur eins, noch dazu ohne Verbindungsmöglichkeit (oder auch nur "Schmusegitter") zu der Nachbarbox - zumal in der Planungsphase das Berliner Nashornhaus eröffnet worden war, aus dem man sich doch Anregungen holte?

Vorstellen könnte ich mir noch, dass das Elefantenbad tatsĂ€chlich nicht im Erstentwurf enthalten war, sondern ein grĂ¶ĂŸeres und teilbares (!) Flusspferdbecken - oder gar ein zusĂ€tzlicher Hippo-Stall auf der FlĂ€che des spĂ€teren Elefantenbades. Flusspferd-Innenanlagen mit beiderseits des Beckens gelegenen Einzelboxen gibt und gab es durchaus schon. Bei dieser Variante kĂ€me die Grundplanung des Hauses mit je zwei Tieren jeder Art hin, denn dann hĂ€tten die Rhinos die beiden linken Stallboxen an der Schmalseite gehabt, die Hippos die beschriebene Situation und die Elefanten eben kein eigenes Badebecken, aber man hĂ€tte es so einrichten können, dass sie durch den rechten Hippostall hindurch zeitweise ins Wasser gekonnt hĂ€tten - wenn man die Hippos kurzzeitig zusammen aufgestallt hĂ€tte. Vielleicht wurde zu Gunsten des Elefantenbades zwischenzeitlich von einem zweiten Nashorn Abstand genommen (m.W. damals die teuerste der drei Tierarten), bis man auf den Gedanken verfiel, dafĂŒr einen nicht einsehbaren rĂŒckwĂ€rtigen Stall einzurichten?

Ich habe nach Innenaufnahmen des Hauses aus seiner Anfangszeit gesucht, aber außer dem erwĂ€hnten in der BroschĂŒre nur solche gefunden, die nur Tiere in den Boxen zeigen und auch durch ein Absperrgitter hindurch oder drĂŒber hinweg aufgenommen sein könnten. Die beweisen weder das Vorhandensein noch die Abwesenheit eines Gitters. Ich habe aber inzwischen auf meinen Innenaufnahmen der Nashörner bei unserem gemeinsamen Besuch gesehen, dass mein 89er Foto von Negus (von Berolina habe ich auch ein entsprechendes) ĂŒber eine niedrige Barriere wie die jetzige hinweg entstanden sein könnte, denn die Tiere standen weit hinten in der Box, und ich habe auch ein Nashorn in voller GrĂ¶ĂŸe ohne Gitter aufgenommen. Diese Barrieren sind aber ganz andere als die auf dem Foto in der BroschĂŒre, also wohl nach jenen entstanden - wann auch immer. Mangels Diascanner kann ich die Hippobilder nicht neu digitalisieren, aber sie sind auf www.hipposworld.de in der Magdeburg-Galerie zu finden (ich hatte meine damaligen Scans hinterher wieder gelöscht).

Sag mir bitte mal, woher ich den damals fĂŒr dich kopierten Magdeburg-Artikel hatte. Ich habe vorhin einen guten Regalmeter ZG danach abgesucht, ihn aber nicht gefunden (oder in den Inhaltsverzeichnissen ĂŒbersehen).

Bisher wissen wir nicht, wann das Haus in Liberec geplant wurde, sondern nur, wann es eröffnet wurde. Angesichts der Bauzeiten mancher Projekte in sozialistischen Zeiten - siehe DickhĂ€uterhaus Prag, um nur in Tschechien zu bleiben! - halte ich es aber fĂŒr möglich, dass man tatsĂ€chlich in Magdeburg "kiebitzte", dann von dortigen negativen Erfahrungen (Grabenbegrenzung?) im laufenden Baubetrieb erfuhr und deshalb noch rechtzeitig von der Anschaffung von Hippos fĂŒr eine eigentlich dafĂŒr gedachte Anlage absah. Zeitlich wĂŒrde das ja durchaus passen.

Der Sims in Liberec IST abgeschrĂ€gt. Mein Foto zeigt, dass der aufliegende Fuß des nachtrĂ€glich aufgesetzten GelĂ€nders nicht in rechtem Winkel zu den senkrechten Pfosten steht, sondern zur StallflĂ€che hin geneigt ist. Nicht zu erkennen ist allerdings, ob darauf vorher ein Winkeleisen ĂĄ la Magdeburger Konzept montiert gewesen sein könnte.

FĂŒr ein zweiflĂŒgeliges Tor gibt es einen ganz logischen möglichen Grund: Das Tor kann ja nur zur Stallseite hin geöffnet werden. Mach auf dieser kleinen FlĂ€che mal ein breites Tor nach innen auf oder zu, wenn zwei (geplante) Flusspferde den Platz weitestgehend blockieren... Auf der Elefantenseite gibt es mehr Ausweichraum und zudem Tiere, die unter Appell standen.

Übrigens gĂ€be es auch noch die Möglichkeit, dass der Beckeneinstieg fĂŒr die Elefanten gar nicht von Anfang an vorhanden war, sondern man ihn erst einbaute, als erste PlĂ€ne geplatzt waren. Denn auch diesen hĂ€tte man ja schon beim Bau in die StallflĂ€che hineinziehen können wie den rechten, so dass die Elefanten sich das ohnehin kleine Becken nicht auch noch mit Stufen hĂ€tten teilen mĂŒssen. Die jetzige Version wĂ€re auch als "angefĂŒgte" denkbar.
(24.09.2011, 23:01)
Oliver Jahn:   @Michael, da stimmt in den Texten des von dir zitierten Buches einiges nicht, das wĂ€re aber nicht das erste Buch, in dem solche Dinge zu finden sind, aber die Möglichkeit besteht nach den PlĂ€nen des Magdeburger Hauses tatsĂ€chlich, in dem man die zwei Becken in einer Ursprungsplanung zu einem richtig großen Becken zusammengefasst hĂ€tte. Letztlich hat man sich aber dagegen entschieden oder ein Autor hat einen Plan falsch gelesen. Hat man sich aber dagegen entschieden, dann wird man gute GrĂŒnde gehabt haben. Warum sollte man diese wenige Jahre danach in Liberec verwerfen?
Die BegrĂŒndung fĂŒr die getrennten Becken liefert letztlich der zusĂ€tzlich eingebaute Trennfelsen, denn die Elefanten sollten mit ihrer langen RĂŒsselreichweite die Flusspferde nicht gefĂ€hrden. In Liberec hĂ€tte ein Elefant die Flusspferde auch an Land ohne Probleme erreicht. Das Haus in Magdeburg wurde vor dem in Liberec gebaut.
Zum Nashorn, warum nur einen Innenstall? Es war schlichtweg eine Fehlplanung, die man sehr schnell dadurch behob, dass man eines der Futterlager in einen Notstall umbaute, da man die Tiere nachts nicht zusammen zeigen wollte. TagsĂŒber nutzte man regelmĂ€ĂŸig den zweiten Flusspferdstall fĂŒr die Nashörner, geplant waren aber immer zwei Tiere, auch in dem von dir erwĂ€hnten Artikel steht nichts Gegenteiliges.
Deine Erinnerungen bzgl. der Gitter passen absolut nicht zu meinen. Bereits zur Eröffnung des Hauses gab es vor den Stallungen Gitter, und die waren tatsĂ€chlich anfĂ€nglich als provisorische Gitter geplant, blieben aber dauerhaft erhalten, weil die Tiere zu nervös waren und die Gefahr bestand, dass sie in die GrĂ€ben fallen. Diese hatten auch nur bei den Elefanten Ausstiege. Ich kenne die Stallungen nicht ohne sie, und auch ich habe Bilder aus den 80er Jahren, auf denen man sie sehr deutlich sieht. Und sie sind massiv und hinter den SĂ€ulen fest verankert. Ich habe sogar ein 89er Bild, da wĂŒrde mich deines ohne Gitter echt mal interessieren. Ich will jetzt nicht wetten, aber wenn mich nicht alles trĂŒgt, so sind die Gitter sogar bis heute noch da, obwohl der Stall gar nicht mehr genutzt wird.
Fakt ist, man hat das Experiment wohl wagen wollen, sich aber aus sehr guten GrĂŒnden dann dagegen entschieden. Warum sollte auch hier trotz dieser Erfahrungen Liberec denselben Fehler noch mal machen?
Die "Fußbremse" hat sich also bereits 1967 nicht bewĂ€hrt. In Liberec gibt es aber nicht mal die, sondern nur einen minimalen Sims, der aber nicht abgeschrĂ€gt ist, außerdem gibt es auch keine Treppen aus dem Graben hinaus auf das Landabteil.
Das Tor in Liberec ist ein Doppeltor. Warum war es hier nötig, FlĂŒgel getrennt voneinander öffnen zu können? Bei großen Flusspferden hĂ€tte es doch genau so eine Konstruktion wie auf der Elefantenseite auch getan?
Der Abgang ist trotzdem deutlich schmaler, denn die RĂ€nder dieses Abganges, der im Gehege beginnt, verlaufen innerhalb der Torbreite.

(24.09.2011, 21:45)
Michael Mettler:   Sollte natĂŒrlich heißen "...wie SEIN Pendant".
(24.09.2011, 19:19)
Michael Mettler:   @Oliver: Ich bin mir wegen der Einzelnashorn-Planung in Magdeburg nicht sicher (deshalb meine Formulierung) und stehe auch mit der Quelle dazu auf dem Schlauch. Leider finde ich nicht auf Anhieb den Artikel (im "Zoologischen Garten"?), in dem nachtrĂ€glich ĂŒber die Erfahrungen mit dem Haus berichtet wurde und man die Planung der spĂ€teren Praxis gegenĂŒberstellte (hatte ich dir mal kopiert - magst du nachsehen?). MerkwĂŒrdig ist jedenfalls, dass fĂŒr Nashörner nur ein Innenstall vorgesehen war, fĂŒr Flusspferde hingegen zwei mit verbindendem Tor und "Schmusegitter". Wie gesagt, man konnte bereits Nashörner zĂŒchten und musste bei Haltung eines Paares mit Nachwuchs rechnen - warum dann nur eine Box?

Allerdings waren wohl auch die Magdeburger InnenstĂ€lle fĂŒr Nashörner und Flusspferde ursprĂŒnglich mit komplett gitterlosem Einblick ĂĄ la Berliner Nashornhaus konzipiert. In der BroschĂŒre ĂŒber das Haus heißt es unter "Details ĂŒber die Innenanlagen": "Die die TierstĂ€nde begrenzenden StĂŒtzmauern (gemeint sind die GrabenwĂ€nde) erhalten oben einen schrĂ€gen Abschluss mit einem aufgesetzten Winkeleisen als so genannte 'Fußbremse'." Das sollte wohl so aussehen wie bei den GrĂ€ben der Außenanlagen, deren Profile auf der vorletzten Seite der BroschĂŒre zu sehen sind (Tiere standen oberhalb des Besucherwegniveaus und ohne gehegeseitiges GelĂ€nder - warum sollte sowas innen gefĂ€hrlicher sein als außen?). Eine solche "Fußbremse" wĂ€re ja innen nicht nötig gewesen, wenn von vornherein ein GelĂ€nder vorgesehen war, ebensowenig der Graben zwischen Flusspferdstall und Innenbecken. Das Innenfoto der Anlage zeigt zwar eine Absperrung, aber dabei kann es sich auch bloß um ein provisorisches Eingewöhnungsgatter gehandelt haben - ansonsten sĂ€he vermutlich die Anbindung an die Gitterecke zur Treppe hin anders aus. Nun habe ich das Haus erst 1989 kennengelernt und war damals noch weit davon entfernt, mich fĂŒr Bauliches in Zoos zu interessieren; immerhin aber habe ich ein Foto des Flusspferdbullen im mittleren Stall gemacht, bei dem im Vordergrund kein GelĂ€nder zu sehen ist.

Auf der Quellensuche fand ich ein interessantes Detail - und damit wĂ€ren wir wieder bei meinen Gedanken zu Liberec - im Buch "Tiere um uns" von Pilz/Puschmann, 3. Auflage von 1971. Dort heißt es auf S. 134 ĂŒber das Magdeburger DickhĂ€uterhaus: "Das Schwimmbecken fĂŒr die Flusspferde kann, wenn sich diese auf ihren Landabteilen befinden, gleichzeitig als Badebecken fĂŒr die Elefanten genutzt werden." Na hoppla! Das Haus war lĂ€ngst eröffnet und hatte von Anfang an zwei getrennte Becken. Wie kommen die Autoren also zu dieser Aussage? Auflage 1 des Buches - mit noch völlig anderem Text - erschien 1963, darin ist nicht mal von der Hausplanung die Rede. Keine Ahnung, wann Auflage 2 erschien, aber da habe ich glatt den Verdacht, die Schilderung gibt die ursprĂŒngliche Planung wieder und wurde versehentlich in Auflage 3 nicht aktualisiert...

Zum Haus in Liberec: Der Beckenzugang von der rechten Seite hat laut meinem Foto nicht ein halb so breites Tor wie der andere, sondern im Gegensatz zur Elefantenseite ein zweiflĂŒgeliges Tor, das zusammen genauso breit ist wie sie Pendant. Man sieht auf dem Bild eine Kette, mit der die TorflĂŒgel zusammengebunden sein dĂŒrften. Und sowohl das Tor als auch das feste Gitter daneben sind genauso massiv wie auf der Elefantenseite - fĂŒr Tapire m.E. reichlich ĂŒberdimensioniert. Und wie sieht die Stallkante zum Graben hin aus? AbgeschrĂ€gt - eine "Magdeburger Fußbremse"...?
(24.09.2011, 19:13)
Oliver Jahn:   Michael, nur hat Prag von diesen StĂ€llen zwei (einen auf jeder Beckenseite) und noch einen Bereich dahinter.
In Liberec habe ich ja das Panzernashorn noch in dem Stall gesehen, von daher will ich mir gar nicht vorstellen, wie das mit zwei BreitmÀulern gewesen sein muss.
(24.09.2011, 15:59)
Michael Mettler:   Ist der Flusspferdstall in Prag nicht genauso groß/klein wie die rechte Stallbox in Liberec? Auf einem der Fotos auf www.hipposworld.de ist zu sehen, dass die Stallbreite ziemlich genau der LĂ€nge des Prager Flusspferdbullen entspricht - und auf einem zweiten Foto, dass in diesem Stall sogar DREI Flusspferde zusammen liegen.

Zwar habe ich auf meinem Foto aus Liberec nur das Elefantenpostament als GrĂ¶ĂŸenvergleich, aber wenn das die gleichen Abmessungen hat wie die, die ich von frĂŒher aus Hannover kenne, kĂ€me die vermutete Breite der Box durchaus hin. Immerhin mĂŒssen sich ja auch zwei erwachsene Breitmaulnashörner darin umgedreht haben können.
(24.09.2011, 15:43)
Oliver Jahn:   Michael, der Zugang von der Nashornseite ist schmaler, man sieht es sogar auf deinem Bild, denn das Tor, welches ihn verschließt, ist nur halb so breit, wie das gegenĂŒberliegende auf der Elefantenseite.
Ebenso ist es bei den Treppen ins Becken genau andersherum, als von dir beschrieben. Die Elefantentreppe geht viel flacher ins Becken und leicht um die Ecke herum, die auf der Tapirseite beginnt im Stall und hat einen steileren Abgang, der auch nur gerade ins Becken lÀuft.
Was enge Flusspferdhaltungen angeht, ja, natĂŒrlich habe ich da auch an Halle gedacht, aber selbst die allererste, winzige Anlage in Halle hatte zwei StĂ€lle, das war 1921. Jetzt aber reden wir ĂŒber die 70er, und da baute sogar Witstruk in Halle fĂŒr die Flusspferde um, und sowohl das Becken war jetzt teilbar, als auch die Stallungen wurden in ihrer GrĂ¶ĂŸe erweitert, so dass sie um einiges grĂ¶ĂŸer waren, als in Liberec bei einem Neubau.
Zur Einzeltierhaltung ist es mir neu, dass Magdeburg nur mit einem Nashorn plante. Bereits im Sonderheft zum DickhĂ€uterhaus heißt es, dass ein weiblicher Partner fĂŒr den jungen Bullen dazubesorgt wird und auf dem Modellplan heißt es bereits Nashörner in der Mehrzahl.
Was nun aber die gitterlose Grabenabgrenzung im Innenbereich angeht, so hat man da viel experimentiert, das habe ich ja bereits geschrieben und einige Beispiele fĂŒr Nashörner und Tapire benannt.
Allerdings habe ich trotz weiterer intensiver Suche keine einzige solche Haltung bisher mit einem so kleinen und vor allem schmalen Graben wie in Liberec, fĂŒr Flusspferde gefunden. Von daher bleibt die Frage, warum in dieser Zeit gerade Liberec, trotz all der Neubauten, an denen man sich anlehnen konnte, dieses erstmalig bei den Flusspferden versuchen sollte.
Die heutige Abgrenzung kann durchaus ja nach Auslaufen der Tapirhaltung zum Einzug der Nashörner dort entstanden sein, deutlich sieht man aber eben, dass sie nachtrĂ€glich entstand, und somit nicht bei der Ursprungsplanung gegeben war. Selbst die Elefantenabsperrung ist, entgegen meiner ursprĂŒnglichen Vermutung (wegen der festen Verankerung im Graben) erst spĂ€ter entstanden. Hier wundert mich das nicht, da die Tiere ja auch angekettet waren.
Aber wie bereits gesagt, garantiert kann ich mich da nicht festlegen, und auch ich finde, dass einiges dafĂŒr spricht. Allerdings spricht auch einiges dagegen und gerade die Haltung von Flusspferden in einer so winzigen Anlage mit einem so knappen Graben und gĂ€nzlich ohne Gitter zum Besucher hin, die wĂ€re fĂŒr mich einzigartig in einer Anlage, in der die Tiere auch noch ĂŒber dem Niveau der Besucher stehen.

(24.09.2011, 15:35)
Michael Mettler:   Zur ErgĂ€nzung noch die Innenansicht mit Becken - sieht das immer noch genauso aus?
(23.09.2011, 14:09)
Michael Mettler:   @Oliver: Wie gesagt, auf meinem nebenstehenden Foto von 2007 wirkt es so, als seien beide BeckenzugĂ€nge gleich breit. Vor Ort hatte ich mir das damals nicht im Detail angesehen.

Wie Jana im Tschechien-Thread einmal schrieb, wurde vor dem einzelnen Panzernashorn zwischen 1976 und 1987 ein Paar Breitmaulnashörner in dieser Anlage gehalten. Wenn zwei Breitmaulnashörner in diesen einzelnen Innenstall reinpassten, hĂ€tten theoretisch auch zwei Flusspferde reingepasst, denn die sind nicht grĂ¶ĂŸer und könnten im Gegensatz zu den Rhinos sogar noch die FlĂ€che des Beckens nutzen. (Man stelle sich die Situation fĂŒr die damaligen Nashörner im Winter vor!)

Wie eng man Flusspferde in manchen Zoos hielt - auch nach dem Umbau von Altanlagen - haben wir doch am Beispiel unserer Halle-Recherchen gesehen. Selbst in dem von Hediger als Quantensprung der Tiergartenbiologie postulierten ZĂŒricher Afrikahaus (eröffnet 1965) ist das Hippo-Innenbecken aus GrĂŒnden der Wasserersparnis so klein, dass Spötter die Ursache fĂŒr die erfolgreiche Zucht damit begrĂŒndeten, der Bulle habe eben aus Platzmangel immer auf der Kuh liegen mĂŒssen... Ich habe selbst kaum Erinnerungen an dieses Haus (einziger Besuch vor 17 Jahren), aber laut dem Grundriss, den ich habe, gibt es in ZĂŒrich nicht mal Stallboxen an Land fĂŒr die Hippos! Die Anlage in Kronberg (Beginn der Flusspferdhaltung 1955) könnte im Urstadium sogar kleiner als die Möglichkeiten in Liberec gewesen sein, denn das zweite Becken wurde erst 1963 gebaut (als man das Paar wegen UnvertrĂ€glichkeit trennen musste), der "Weidebereich" kam erst sehr viel spĂ€ter hinzu. Und gerade Kronberg ist auch ein Beispiel, wie nahe Besucher an Hippos herankommen konnten. Sicherheitsbedenken gab es frĂŒher eben wesentlich weniger, da wĂŒrde die eher symbolische Abgrenzung in Liberec durchaus ins Bild passen.

Was die Grabenabgrenzung im Haus betrifft: Ab den 60er Jahren wurde mit sichtfreien Innenboxen fĂŒr DickhĂ€uter experimentiert. Ich weiß nicht, ob Hannover mit dem 1962 eröffneten Elefantenhaus der erste Zoo war, in dem Nashörner und Tapire innen hinter GrĂ€ben statt Gittern gezeigt wurden, auf jeden Fall folgte Berlin mit dem Nashornhaus schnell nach. Auch Nashörner können mit ihren SchĂ€deln ĂŒber den Graben reichen und theoretisch Besucher mit einem Hornstoß verletzen, trotzdem stellte man sie hinter schmale GrĂ€ben. Ich selbst habe frĂŒher die hannoverschen Breitmaulnashörner am Graben der Außenanlage bis an die Ohren kraulen können, und vom Nördlichen Breitmaulnashornbullen des Zoos ist ĂŒberliefert, dass er einmal mit seinem Vorderhorn ĂŒber den Graben hinweg das BesuchergelĂ€nder plattgedrĂŒckt hat!

Ob man damals noch fĂŒr Einzeltiere plante, weiß ich fĂŒr Liberec nicht. Aber war nicht z.B. fĂŒr Magdeburg ursprĂŒnglich auch nur EIN Nashorn eingeplant, obwohl auch diese Tiere schon in Zoos gezĂŒchtet wurden und noch regelmĂ€ĂŸig Importe ins Land kamen (die Breitmaulnashorn-"Schwemme" hatte zudem gerade eingesetzt, und die wurden grundsĂ€tzlich paarweise von den sĂŒdafrikanischen Nationalparks abgegeben)?

Es gibt Details im Haus von Liberec, die es in meinen Augen unwahrscheinlich machen, dass die rechte Box von Anfang an fĂŒr Tapire (oder meinetwegen auch Zwergflusspferde) gebaut war. Da wĂ€re zum einen die StalltĂŒr zur Außenanlage, die dann nicht so groß hĂ€tte sein mĂŒssen - immerhin passten dann sogar Nashörner hindurch. Okay, die könnte nachtrĂ€glich vergrĂ¶ĂŸert worden sein, das weiß ich natĂŒrlich nicht. Aber da wĂ€re auch der Zugang zum Innenbecken: Auf der Elefantenseite sitzt dieser außen an der StallflĂ€che an und besteht (laut meinem Foto) aus einer relativ steilen Treppe. Auf der rechte Beckenseite aber greift der Einstieg weit in die StallflĂ€che hinein. Egal, wie steil die Treppe (oder Rampe?) dort ist - daran kann ich mich nicht erinnern, und das Foto gibt es nicht her: Tapire sind erheblich kleiner und wendiger als Elefanten. Warum also dieser Platzaufwand auf Kosten der StallflĂ€che, wo Tapire doch noch viel leichter "um die Kurve" kommen konnten als die Elefanten gegenĂŒber...?

Mag sein, dass auch DAS nur eine nachtrĂ€gliche VerĂ€nderung und das Becken ursprĂŒnglich NUR fĂŒr die Elefanten begehbar war. Aber auch die fragliche Außenanlage hat einen fĂŒr große Tiere nutzbaren Becken/Grabenzugang, und der wirkt nicht wie nachtrĂ€glich eingebaut.

Eine ursprĂŒngliche Planung fĂŒr ein einzelnes Großtier - Nashorn oder Nilpferd, oder gar "multifunktional" - wĂŒrde ich deshalb nicht fĂŒr abwegig halten. Immerhin hat der Zoo auch 12 Jahre lang (1989-2001) ein einzelnes Panzernashorn dort gehalten, und da waren die Zeiten schon erheblich moderner als bei Planung des Hauses. Vielleicht hatte man sogar fĂŒr zwei Flusspferde geplant und dann Gewissensbisse bekommen, sie dort hineinzustopfen - gerade WEIL inzwischen die Zucht andernorts florierte und zeigte, dass dafĂŒr eine zweite Box und ggfs. ein zweites oder teilbares Becken notwendig werden konnten. Andererseits hatte der Zoo keine Hemmungen, stattdessen zwei Breitmaulnashörner dort einzupferchen, und nach damaligem Kenntnisstand hĂ€tte man sich von denen wohl auch Nachwuchs erhofft...
(23.09.2011, 14:08)
Oliver Jahn:   @Michael, ich habe noch vergessen zu erwĂ€hnen, dass der Beckenzugang von der Tapirseite nur halb so breit ist, wie der von der Elefantenseite.
(22.09.2011, 21:02)
Oliver Jahn:   Nun noch mal ein paar Gedanken zum DickhĂ€uterhaus in Liberec.
Ich zĂ€hle nicht zu den Leuten, die schreiben, das Haus wĂ€re GARANTIERT nie fĂŒr Flusspferde geplant gewesen. Was einigermaßen gesichert scheint, ist der Fakt, dass es keine Flusspferde in Liberec gab. Was nun das Haus angeht, da habe ich ja bereits in meinem ersten Beitrag geschrieben, dass ich die Außen- und die Innenanlagen unterschiedlich sehe, nur ist es eher unĂŒblich, erst die Außenanlage, und dann das Haus zu bauen.
Also möchte ich einfach noch mal ein paar Gedanken zum Haus zur Diskussion stellen.
Ein Vergleich zu HÀusern aus der Vorkriegszeit möchte ich nicht unbedingt heran ziehen, denn in der langen Zeit der Haltung von Flusspferden hat man ja auch viel dazu gelernt und dem entsprechend ihre Haltung weiter entwickelt.
Weiterhin gehe auch ich davon aus, dass man bereits bei Planungen auf Erfahrungen und moderne Bauten anderer Zoos zurĂŒck griff, warum auch sollte jeder Zoo fĂŒr sich das Rad neu erfinden mĂŒssen?
Von daher habe ich mir mal die HĂ€user angeschaut, die ich selber kenne, und die nach dem Krieg entstanden, oder, wie in Frankfurt, nach dem Krieg grundlegend neu gestaltet wurden.
Und da fallen mir so einige Punkte auf, die im Inneren des Hauses gegen eine geplante Flusspferdhaltung sprechen.
Wenn ĂŒberhaupt, dann wĂ€re bei den Abmessungen von Stall und Becken nur die Haltung eines Einzeltieres möglich gewesen. Ein solcher Neubau fĂŒr ein einzelnes Flusspferd ist mir aus der Zeit nicht mehr bekannt, insbesondere, da Flusspferde zu der Zeit schon gut und regelmĂ€ĂŸig zĂŒchteten.
Weiterhin kenne ich ebenfalls aus dieser Zeit kein Haus mehr, in dem sich Elefanten und Flusspferde ein Becken teilen mussten.
Bleibe ich beim Becken, so ist es fĂŒr eine dauerhafte Haltung von Flusspferden, die in dem Zoos innen oft die meiste Zeit IM Becken gezeigt werden, nicht nur sehr klein (das gab es auch anderswo), sondern es ist das fĂŒr Besucher und vor allem fĂŒr Kinder gefĂ€hrlichste Becken, welches ich kenne. Man kommt direkt an den Rand, Kinder können diesen ganz leicht erklettern und er ist nur mit einem ganz kleinen GelĂ€nder gesichert (selbst das Miniaußenbecken in Halle hatte ein höheres GelĂ€nder). Beim Elefantenbaden ist immer ein Pfleger dabei und hier kann man die Besucher gezielt anweisen, die Kinder nicht auf die BrĂŒstung zu stellen. WĂ€re ein Flusspferd darin geplant gewesen, hĂ€tte es stĂ€ndig eines WĂ€rters bedurft, der darauf achtet, dass kein Kind mal so eben schnell auf den Beckenrand klettert und damit sein Leben gefĂ€hrdet.
NatĂŒrlich ist das nicht unmöglich, ich aber halte es fĂŒr unwahrscheinlich.
Schaue ich mir nun den Stall an, so wachsen meine Zweifel noch stÀrker.
Von all den HĂ€usern, die ich kenne, gibt es nicht ein einziges Haus, in dem Flusspferde, im Gegensatz zu Elefanten, Nashörnern und auch Tapiren (trotz ihrer Sprungkraft) auf einer gitterlosen Anlage nur durch einen schmalen Graben vom Besucher getrennt gehalten wurden. Bei den Abmessungen hĂ€tte es genĂŒgt, wenn das Flusspferd einfach nur den Kopf ĂŒber den Graben hĂ€lt, und die Schnauze hĂ€tte schon in den Besucherbereich hinein gereicht.
Magdeburg hatte dicke Gitter zum Besucher hin, trotz eines deutlich breiteren und tieferen Grabens, Prag ebenfalls. Das Haus in Ostrava, von dem ich nur Bilder kennen, mĂŒsste ebenfalls aus dieser Zeit sein und weist diese Gitter ebenfalls auf, genau so ist es mit dem Haus im Zoo Berlin, obwohl hier der Besucher gar nicht so dicht heran kam.
Tapire hingegen kenne ich auf solchen Anlagen ohne Gitter aus Berlin, und als Magdeburg seinen ersten Flachlandtapir bekam, da stand der nicht etwa im Nashorn- oder Flusspferdbereich hinter Gittern, sonder er stand auf der Anlage der Elefanten, die nur durch den Graben zum Besucher hin getrennt war.
In Frankfurt wurden die Flusspferdbereiche zum Besucher hin dick vergittert. Die Tapire in Hannover hielt man hingegen nur hinter einem flachen Graben.
Das alles ist natĂŒrlich kein endgĂŒltiger Beweis, es sind lediglich Indizien, die aus meiner Sicht gegen eine ursprĂŒngliche Planung sprechen, oder aber dafĂŒr, dass man nach Fertigstellung des Hauses merkte, dass man hier nie Flusspferde wird halten können, und man deshalb als Erstbesatz neben den zwei Elefanten gleich zwei Tapire mit einquartierte.

(22.09.2011, 20:56)
Andreas:   Aus gegebenem Anlaß mal ein DickhĂ€uterhaus, deren Fundament kein Kopfzerbrechen verursacht :-)
Quelle: Dschungel des Internets
(26.11.2008, 05:22)
IP66:   Das mĂŒĂŸte das Bild wohl im letzten Jahrzehnt des Zoogeschehens angefertigt worden sein - was ja im Bereich des Möglichen liegt. Das GebĂ€ude dĂŒrfte eines der gar nicht so zahlreichen Beispiele fĂŒr den englischen Einfluß beim Bau von TierausstellungsgebĂ€uden vorstellen, auch wenn der SeitenflĂŒgel auf die hĂ€ufiger verwendet "Schweizerhaus"-Muster zurĂŒckgreift. Ich finde das insofern interessant, als der antwerpener Zoo ja zum Vorreiter des durch exotisierende Bauten auffallenden AktionĂ€rszoos werden sollte und sich im selben Land und in einer Stadt mit Ă€hnlichem Sozialprofil doch eine andere Entwicklungs ergeben konnte. Vielleicht stehen die Gestaltungsunterschiede aber auch fĂŒr die ZukunftstrĂ€chtigkeit der Konzepte - Gent verschwand, das antwerpener Modell hat die kommenden Krisen erfolgreich ĂŒberstanden.
(10.11.2008, 11:30)
Michael Mettler:   @IP66: Der Zoo in Gent wurde ca. 1904/05 geschlossen.
(08.11.2008, 12:00)
IP66:   Damit mĂŒĂŸte das Suchbild ja richtig einsortiert sein - wobei ich noch gerne wĂŒĂŸte, wann der genter Zoo geschlossen wurde, da es sich um keine ganz frĂŒhe fotographische Aufnahme handelt.
Generell gilt fĂŒr Lithgraphien das Problem, daß sie gezeichnet wurden, und zwar meist von Lohnzeichnern fĂŒr den Tagesgebrauch. Gerade bei Zoogesamtansichten und -panoramen entstand dabei das Problem, daß man, anders als bei Einzelbauten oder Portraits, keine Fotos als Vorlagen verwenden konnte. Insofern ergab sich bei Proportionen und Anordnungen oft ein Moment darstellerischer Entscheidung wo nicht kĂŒnstlerischer Freiheit. Da gerade fĂŒr die Zeitschriften, die dergleichen Zooabbildungen publizierten, hĂ€ufig im Akkord und schlecht bezahlt gezeichnet wurde, ergaben sich zudem Anreize zur Vereinfachung und VerkĂŒrzung.
(08.11.2008, 11:26)
Michael Mettler:   ...und der Kirchturm im Hintergrund ist in diesen 3 Jahren auch noch um mindestens die HĂ€lfte seines Volumens geschrumpft :-D
(07.11.2008, 23:20)
Andreas:   Nicht so doll grĂŒbeln :-) Ich gehe davon aus, daß der KĂŒnstler aus GrĂŒnden der Übersichtlichkeit, und ganz einfach auf grund der komplexen Darstellung "Ihrer" Lithographie einge Details weg gelassen, b.z.w. stilisiert hat. Ab und an habe ich auch schon mit der Feder herumgestĂŒmpert und gerade bei grĂ¶ĂŸeren Übersichten genau zu diesem "Hilfsmittel" gegriffen, ohne die GebĂ€ude an sich zu verĂ€ndern. Um einen Kompromiß einzugehen, wenn nicht zeitgleich, dann "meine" 3 Jahre spĂ€ter. Neuer Dachaufbau, neues Zelt :-))
(07.11.2008, 23:08)
Michael Mettler:   Dem fehlt auf "meiner" Litho vor allem das Gehege drumherum! Und wieder mal frage ich mich: Zeigt die Litho einen tatsĂ€chlichen oder lediglich einen geplanten Zustand?
(07.11.2008, 22:49)
Andreas:   Das Zelt fĂŒr die Kamele auch ? :-)
(07.11.2008, 22:26)
Michael Mettler:   Super! Und damit hĂ€tten wir mal wieder einen Beleg dafĂŒr, dass man alte Darstellungen nicht immer als detailgetreu betrachten darf, denn das Haus hat eindeutig die gleiche Grundform auf beiden Bildern, sieht aber in Details (unser Punkt mit den Fenstern) unterschiedlich aus - bliebe natĂŒrlich die Möglichkeit, dass ein zweites Haus auf den Grundmauern des ersten errichtet wurde. Anbei eine DetailvergrĂ¶ĂŸerung aus "meiner" Gent-Lithografie zum Vergleich, leider sehr zerpixelt.
(07.11.2008, 22:12)
Andreas:   Sorry, im Überschwang das Bild vergessen
(07.11.2008, 22:05)
Andreas:   @Michael Mettler: Found by ... :-) Gent, Elefantenhaus
(07.11.2008, 22:03)
IP66:   Ich habe in er letzten Woche leider hier nicht lesen können und versuche, die WĂŒnsche abzuarbeiten, wobei ich mit den historischen Threads beginne. Fragen, die weniger Aufschub dulden, kann man mir natĂŒrlich auch gerne per E-Mail zuschicken.
Ich beginne mit dem hamburger GebĂ€ude: Es stellt, wie vieles in Hamburg, einen sehr englisch geprĂ€gter Bau vor, ohne exotisierende Elemente, aus Backstein, wenig verziert, allerdings mit der großsen Besucherhalle und den gerĂ€umigen StĂ€llen wohl doch nicht ohne kontinentale EinflĂŒsse entstanden.
Wegen der relativ schlichten Backsteinfront, den Korbbögen und des herzlich unreprĂ€sentativen Kniestockgeschosses mit der Fensterreihe wĂŒrde ich den noch nicht bestimmtern Bau eher in einem englischen denn in einem kontinentalen Kontext vermuten. Allerdings weisen die stilistischen Merkmale eher in das dritte denn in das vierte Jahrhundertviertel, sind als noch vom Stil der Architektengeneration "nach Schinkel" geprĂ€gt und zeigen keinen Einfluß jenes Historismus, den man hier GrĂŒnderzeit, dort Viktorianismus zu nennen sich angewöhnt hat. Cincinnatis Zoo soll sehr stark von stellinger Vorbildern geprĂ€gt gewesen sein. FĂŒr das Haus, daß ja recht auffĂ€llige orientalisierende Elemente zeigt, scheint es dort kein Vorbild gegeben zu haben. Allerdings gab es um die Hagenbeck'sche Dressurhalle eine Menge von StĂ€llen und KĂ€figen, und dieses GebĂ€ude diente auch als zentrales Winterhaus. Wenn man sich den ebenfalls von den neuen Ideen geprĂ€gten alten Zoo in NĂŒrnberg ansieht, so zeigte dieser ein Cincinnati vergleichbares WintergebĂ€ude, in dem allerdings keine Elefanten untergebracht waren und das auch kaum orientalisierende Elemente aufwies. Dennoch halte ich es fĂŒr denkbar, daß man auch in dem WiederkĂ€uergebĂ€ude jenseits des Ozeans eine solche Idee verfolgte, diese aber doch den kontinentalen exotisierenden Bauten annĂ€hern wollte, auch wenn man sich dabei stilistisch eher an schuckĂ€rmeren Vorbildern der Reformbewegung orientierte.
(05.11.2008, 10:52)
Michael Amend:   Zum Kopenhagener DickhĂ€uterhaus: Da der zoo nĂ€chstes Jahr sein 150 jĂ€hriges JubilĂ€um feiert, soll im alten Elefantenhaus eine Austellung zur Geschichte des Zoos aufgebaut werden.(was so mancher deutsche Zoo, der 150 Jahre alt wurde, leider versĂ€umt hat)Danach soll ein Restaurant rein, und eventuell eine Dino-Austellung.
(28.10.2008, 19:04)
Michael Mettler:   @MA: Danke, das war ja ein irres Sammelsurium. Und 20 Arten fĂŒr 13 AuslĂ€ufe...
(28.10.2008, 19:03)
Michael Amend:   So, alos zu dem Haus.FĂŒr 1923 verzeichnet der FĂŒhrer, im Plan sind 13 AuslĂ€ufe eingezeichnet,asiatische und afrikanische Elefanten,Giraffen, das Panzernashorn sowie KĂ€nguruhs, und zwar Graue und Rote RiesenkĂ€nguruhs,Bennet-KĂ€nguruhs,BĂŒrstenschwanz-FelsenkĂ€nguruhs und BergkĂ€nguruhs, desweiteren WasserbĂŒffel,Zebus,Flußpferde,Lamas,Alpakas,Zwergesel,sĂŒdl.Steppenzebras,Flachlandtapire,Nilgau,Hirschziegen und Strauße. War Recht voll, das Haus...

Leider sind die nachfolgenden FĂŒhrer systematsich gegliedert und geben dadurch keine Auskunft ĂŒber die Besetzung der HĂ€user.Mitte der 50 iger jahre wandelte es sich dann aber langsam zum GroßsĂ€ugerhaus. Es steht ja noch heute. 2002 sah ich es noch mit Giraffen,Elefanten und Okapis besetzt und zwar sehr geschickt restauriert. Der in der Mitte ebfindlcihe Besucherraum, durch zwei EingĂ€nge betretbar, wuurde dichtgemacht und fĂŒr großflĂ€chige Innenanlagen fĂŒr die drei Arten umgebuat, mit dahinter befindlcihen Boxen. Links und rechts davon enstanden zwei kleien BesucherrĂ€ume, von dort aus sind die Elefantena ufd er einen, die Giraffen/und OKapis auf der anderen Seite sichtbar gewesen. Das ist inzwischen passe, das gesamte Haus wird jetzt nur noch fĂŒr Elefanten genutzt, die Giarfefn bezogen im Juni eine neue Anlage, wofĂŒr wieder ein Teil des Parkplatzes verschwunden ist,die Okapis zogen in die ehemalige Bongo-Anlage im African Veldt(das Innen schlimm ist, so das mich sogar damals der Kuator, der mich durchd en zoo fĂŒhrte, davor gewarnt hat.Vielleicht wurde es ja renoviert, es ist aber eh nicht fĂŒr die Besucher geöffnet),die Bongos bezogen die Riesenelen-Anlage, die dafĂŒr verschwunden sind,tja, that's life. Der Zo will aber unbedingt wieder Elefanten zĂŒchten.
(28.10.2008, 18:53)
Michael Mettler:   @MA: Vielleicht reicht sogar der 1923er, die Gehegeaufteilung scheint sich ja ĂŒber lange Zeit nicht verĂ€ndert zu haben. Wahrscheinlich gehörten auch die Flusspferde, Zwergflusspferde und das 1923 erworbene Panzernashorn zum Besatz des Hauses; auf einem leider sehr schwer zu entziffernden Plan von 1942 sieht es jedenfalls nicht so aus, als habe es anderweitig im GelĂ€nde ein Haus fĂŒr diese Tiere gegeben (auch nicht fĂŒr Giraffen).
(28.10.2008, 09:12)
Michael Amend:   qMM. Der Ältetse Ciny-Guide,d en ich da habe, ist von 1923, einer von 1912 ist egrade unterwegs aus Amiland. Mehr dazu spĂ€ter, muß gehen.
(28.10.2008, 07:34)
Michael Mettler:   Hier gibt es mehr Bilder des Herbivora Building sowie insgesamt eine fantastische Kollektion historischer Cincy-Aufnahmen:
http://www.cincinnativiews.net/zoo_part_4.htm
Das auf der gleichen Seite zu sehende Bild einer Zebrastute mit Fohlen in der Stallbox könnte z.B. auch aus dem Herbivora Building stammen.
(27.10.2008, 21:02)
Michael Mettler:   @MA: Hast du zufĂ€llig einen ZoofĂŒhrer aus Cincinnati von 1906 oder den nĂ€heren Folgejahren? Ich musste eben zu meiner Verwunderung feststellen, dass ich ein Buch ĂŒber die Geschichte des Zoos habe - wohl vor Jahren gekauft und gleich wieder vergessen... Darin (und auch auf dem Titel) ist das spĂ€tere Elefantenhaus zu sehen (siehe nebenstehendes Bild), das 1906 ursprĂŒnglich als "Herbivora Building" eröffnet wurde. Mich wĂŒrde der ursprĂŒngliche Besatz interessieren; es gab damals mindestens Elefanten und Giraffen darin, und die schmalen AuslĂ€ufe auf der rechten Bildseite dĂŒrften fĂŒr Antilopen gedacht gewesen sein. (Auf dem Titelbild des Buches, das wahrscheinlich nachkoloriert wurde, stehen im ersten Gitterauslauf zwei waldbockartige Tiere; vielleicht wurden die aber nachtrĂ€glich einmontiert, denn auf dem S/W-Foto ist davon m.E. nichts zu sehen.) Im Internet fand ich eine Angabe, dass auch Nashörner zum Erstbesatz gehört haben sollen. Noch auf dem Zooplan von 1958, der leider ohne Beschriftung im Buch abgedruckt ist, muss dieses GebĂ€ude ausschließlich GitterauslĂ€ufe gehabt haben; acht ganz schmale auf der vermutlichen Antilopenseite, zwei etwas grĂ¶ĂŸere in der Mitte der Gegenseite, die von zwei deutlich grĂ¶ĂŸeren flankiert wurden. Die Schmalseiten des Hauses waren gehegefrei, da sich dort die ZugĂ€nge befanden. Heute hat das Haus doch wohl Freisichtanlagen?

Im Prinzip wĂ€re dieses Haus dann wohl ein spĂ€tes Beispiel fĂŒr die im Thread "Elefantenhaltung im 19. Jh." diskutierte "Exotenkarawane". (Es gab ĂŒbrigens viele Verbindungen zwischen Cincinnati und Deutschland und dementsprechende EinflĂŒsse aus dem alten Kontinent - einer der im Zoo verwirklichten Architekturstile wird im Buch "Teutonic" genannt.) Zum Thema Exotenkarawane passt auch, dass es auf einem Zooplan von Cincinnati aus 1900 einen "Elephant and Camel Stand" gab.

Und das Buch zeigt auch auf, dass man zeitgenössische zeichnerische Darstellungen nicht global fĂŒr dokumentarisch halten darf; auf einer Lithografie von 1878 steht der erste Elefant des Zoos, damals noch im BĂŒffelhaus untergebracht, zusammen mit einem Bison, einem KaffernbĂŒffel und einem undefinierbaren Rind im selben Außengehege!
(27.10.2008, 20:33)
Michael Amend:   Eine Ansicht des DickhĂ€uterhauses im Hamburger Zoo mit dem berĂŒhmten Bullen"Anton".
(27.10.2008, 07:24)
Andreas:   @Michael Mettler Stimmt, Sie haben doch die besseren Augen. WĂ€ren die Gauben(Fenster in DachschrĂ€ge) spĂ€ter verĂ€ndert worden, d.h. SchrĂ€ge beseitigt, 1/2 Stock und neuer Traufbereich aufgesetzt, wĂŒrde die Ornamentik in der Fassade nicht so schön, aus einem Guß, sein.
@Oliver Jahn Das Haus in Königsberg ist, zumindest der Teil ĂŒr die Flußpferde, ist ein Fachwerk, mit verschiedenfarbigen Klinkern ausgemauert. Rautenmuster sind, ob ihrer Einfachheit beim Mauern, als auch ihrer dekorativen Erscheinung, von je her ein beliebtes Dekor. Meist lassen sie keine Datierung oder Festlegung auf einen Ort zu. Der Fachmann könnte evtl. durch den Ziegel an sich (Mischung, Brenntemperatur,Format ) auf die Ziegelei, bzw. Epoche schließen. Eine ganze Wand mit Fenstern ist da schon aussagekrĂ€ftiger
(26.10.2008, 22:58)
Michael Mettler:   @Andreas: Die Farbe der dargestellten GebĂ€ude habe ich nicht mal ĂŒberbewertet, schließlich sind alle ZoohĂ€user hell und alle Nicht-ZoohĂ€user dunkler dargestellt - daraus schloss ich schon auf kĂŒnstlerische Freiheit, wie auch beim Weglassen der Gehegegitter.

Die Fensterreihe auf dem Foto befindet sich doch aber nicht in der DachschrÀge wie in der Litho?

(26.10.2008, 22:18)
Andreas:   @Michael Mettler Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß das GebĂ€ude auf dem Foto identisch ist mit dem, von Ihnen auf der Lithogrphie Benanntem. Giebel mit einem großen Eingang(rechts gedacht)vom Foto - könnte der Giebel sein, der auf der Litho dem Betrachter zugewendet ist.Betrachten Sie bitte die Fensterreihe, den Traufbereich, der von Weitem wie ein Fries wirken können. M.E. ist dies auf der Litho angedeutet. Etwas irritierend fĂŒr den Laien ist allerdings, daß auf der Graphik alle GebĂ€ude hell sind. Das ist m.E. aber kĂŒnstlerische Freiheit. Gerade bei so einer komplexen Zeichnung verzichtet man gerne auf noch mehr Schraffur.Bei schwarz/weiß Darstellung hat man nur diese Möglichkeit "farblichen" Unterscheidung. Wenn der KĂŒnstler dieses noch machen wĂŒrde, geht das zu Lasten von Tiefendarstellung und Kontrast zur Umgebung(BĂŒsche, BĂ€ume)
(26.10.2008, 22:06)
Oliver Jahn:   Nein Michael, ich meine das Vorkriegshaus. Das Nachkriegshaus kann man auch in dem Kourist-Artikel ĂŒber den Zoo Königsberg finden. Aber das alte Haus war fĂŒr Elefanten und Flusspferde und es hatte auch solche Rauten, darum fĂŒhlte ich mich an diesen Bau erinnert.

(26.10.2008, 22:03)
Michael Mettler:   @Oliver: Meinst du mit dem Königsberger Haus einen Vorkriegs- oder einen Nachkriegsbau? Von letzterem sind nĂ€mlich noch Fotos im Net zu finden, es handelt sich um ein nachtrĂ€glich fĂŒr die DickhĂ€uterhaltung umgebautes Gesellschaftshaus...
(26.10.2008, 21:58)
Michael Mettler:   Eine leider undatierte und nicht nĂ€her beschriftete Lithografie des Zoos in Gent, auf der fĂŒr meinen Geschmack viele typische ZoogebĂ€ude der Mitte des 19. Jh. zu erkennen sind - etliche ĂŒbrigens ohne eingezeichnete Außengehege (die aber mit Sicherheit vorhanden waren), womit ich noch mal an die Diskussion um das Maurische Haus in Frankfurt erinnern will. Zu dem fotografisch belegten Elefantenhaus sehe ich auf der Litho nirgends eine Parallele, also war es vermutlich nicht von Anfang an vorhanden. Das Haus ganz hinten links zeigt ein recht massives Auslaufgitter und dahinter ein großes Stalltor und könnte seinerzeit als Elefantenhaus gedient haben, bevor das fotografierte gebaut wurde.

Ansonsten wage ich mal eine Typisierung des Zoos: Rechts vorn der Eingang, links vorn ein Restaurant/Gesellschaftshaus (der große Platz, vor dem es steht, spricht fĂŒr eine Restaurant-AußenflĂ€che, dazu passt der Musikpavillon. Weiter im Uhrzeigersinn vielleicht ein Giraffenhaus (wegen der Höhe des Baukörpers), dann das vermutete Elefantenhaus, ein Kamelzelt, davor eine Großvoliere, eine BĂ€renburg, ein Rundbau fĂŒr Was-auch-immer (KĂ€ngurus?), am hinteren Weg vielleicht zwei HuftierstĂ€lle (das rechte wĂŒrde zu einem Schweinehaus passen, das linke auch zu einem Straußenhaus), davor mittendrin weitere HuftierstĂ€lle (der linke sieht wie ein fĂŒr diese Zeit typisches Hirschhaus aus); rechts hinten tippe ich auf ein Affen- und/oder Vogelhaus - könnte zwar auch eine Raubtiergalerie sein, aber danach sieht mir eher der lange Flachbau neben dem Eingang aus.
(26.10.2008, 21:34)
Oliver Jahn:   @Andreas, ne sorry, da hab ich mich wohl falsch ausgedrĂŒckt, nur das Foto ist von 2007, das Haus ist knapp 100 Jahre alt.
(26.10.2008, 21:26)
Andreas:   Echt Klasse!!! Wenn so etwas dabei heraus kommt und zugleich optimal den Zweck erfĂŒllt, trauere ich manch einem Altbau nicht mehr ganz so viel nach.
(26.10.2008, 21:13)
Oliver Jahn:   Das ist doch mal ein DickhĂ€uterhaus!!
:-)
Budapest 2007
(26.10.2008, 21:00)
Oliver Jahn:   Es gab sie, und sie waren sogar recht gut. Leider ist die Seite vom Netz gegangen und mit ihr sind auch die Bilder weg.
(26.10.2008, 20:43)
Michael Amend:   Der Zoo Cleveland hat mit dem Bau einer ca 2 ha großen Elefanten-Anlage begonen, direkt an das DickhĂ€uterhaus. Ob sich auch die Innenhaltung der Elefanten Ă€ndert, war aus den PlĂ€nen nicht ersichtlich, mĂŒĂŸte aber, denn die Anlage ist fĂŒr bis zu 10 Elefanten inklusive Bullen konzipiert. Afrikaner ĂŒbrigens, denn die Anlage heißt"African Elephant crossing" und wird zusĂ€tzlich Nacktmulle, Flesenphytons und diverse Vogelarten aufnehmen. 2011 soll sie eröffnet werden. Die drei Clevelander Elefantendamen reisten bereits im September nach Columbus und werden dort bis zu ihrer RĂŒckkehr von zwei ihrer Pfleger weiterbetreut !
(26.10.2008, 20:43)
Michael Amend:   Gibt's denn Bilder vom Königsberger Haus ( Sabber) ?
(26.10.2008, 20:38)
Oliver Jahn:   Ich bin mal wieder faszineirt, welche SchĂ€tze hier zu tage gefördert werden. Das ist ein absolut interessantes Haus! Und jetzt mal IP66 an die Front!! Lass uns bitte nicht zu lange im Dunkeln tappen! Ich hoffe, der Bildausschnitt reicht wenigstens dazu, das Haus zeitlich einzuordnen.
Als ich die Karte sah fĂŒhlte ich mich sofort an einen Zoo erinnert, der nicht in die nĂ€here Wahl fĂ€llt, aber Königsberg hatte ein sehr Ă€hnliches Haus!
(26.10.2008, 20:32)
Michael Mettler:   Also, zu SM sage ich jetzt mal nix, Jana Watson :-D

Gent hatte einen Zoo von ca. den 1850er Jahren bis ca. 1905 (wurde geschlossen), wird in der Antwerpener Chronik erwÀhnt. Die belgische Herkunft der Karte erklÀrt dann auch den französisch-hollÀndischen/flÀmischen Aufdruck.
(26.10.2008, 20:24)
Jana:   @Andreas Bin zwar nich SM, doch kann ich vielleicht helfen. Gand ist französische Variente von der Stadt Gent in Belgien. Da gabs mal ein Zoo, zu Elefanten dort (und so zum Datierung von dem Bild) habe ich nur diese Quelle gefunden.
http://www.elephant.se/location2.php?location_id=1108

(26.10.2008, 19:55)
Michael Amend:   @MM. Das kann ich nicht sagen, immerhin liegt Whipsnade ein ganz schönes StĂŒck außerhalb von London, zudem ist e snicht ganz einfach,dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinzukommen, ich glaube, in den Sommermonaten verkehrt ein direkter Bus von Victoriastation zum Park. Aber ehrlich gesagt glaube ich nciht, das wirklich viele Londoner nach Whipsnade rausfahren...Ähnlich verhĂ€lt es sich wohl mit berlin, welcher"West"Berliner fĂ€hrt schon nach Freirichsfelde raus,wenn der Zoo viel schneller zu erreichen ist ? Mich wĂŒrden durchaus die Besucherzahlen Londons vor und nach Abgabe der Elefanten interessieren.

Wien hatte in seiner geschichte nie ein klassisches DickhĂ€uterhaus. Die Elefanten hatten ein eigenes Haus, direkt daneben, in einem eigenen GebĂ€ude, waren Nahörner,Tapire und Flußpferde untergebracht. Nach dem 2.Weltkrieg wurden alle"DickhĂ€uter"Arten in getrennten HĂ€usern untergebracht.

@Andreas. DAs Bild wĂ€re eien harte Nuss fĂŒr die Zoologische Knobelei gewesen. Ich bin recht sicher,das die Aufnahme nicht in einem französischen Zoo gemacht wurde.Oder ist mit"Gand"die Stadt gemeint ? Habe ich jedenfalls noch nie von gehört.
(26.10.2008, 19:35)
Andreas:   Hier ein Fall fĂŒr Sherlock Mettler! Außer dem Aufdruck"Gand, Jardin Zoological" Elefant und WĂ€rter, ist nixchts zu erkennen. RĂŒckseite französisch und hollĂ€ndisch bedruckt. Im Internet habe ich nichts ĂŒber diesen Zoo rausbekommen.
(26.10.2008, 19:22)
Michael Mettler:   @MA: Fahren denn potenzielle Londoner Zoobesucher alternativ ohne Weiteres nach Whipsnade? Oder sparen die sich ganz einfach den Zoobesuch, wenn man nicht mehr "um die Ecke" Elefanten zu sehen bekommt?
(26.10.2008, 17:56)
Michael Amend:   Die Nshorn,-und Elefantenhaltung wurde nicht ohne Grund in diesem Haus aufgegeben. NatĂŒrlich ließe sich das Haus fĂŒr Nashörner oder Elefanten nutzbar machen, aber nur nach gewaltigen und kostenintensiven Umbauarbeiten, die sich der arme Zoo London auch aus dem Grund nicht leisten kann und will, weil es Elefanten und Nashörner in Whipsnade gibt.
(26.10.2008, 17:50)
IP66:   Das londoner DickhĂ€uterhaus dĂŒrfte fĂŒr die Entwicklung der englischen Tiergartenarchitektur eine Ă€hnlich epochemachende Bedeutung entfaltet haben wie die Pinguinanlage von Lubetkin, da es auf der Insel nur sehr wenige Bauten des Brutalismus gab und gibt. Ich neige zu der Ansicht, daß diese GebĂ€ude in wenigen Jahren ebenso geschĂ€tzt werden wie heute die Bauten des Historismus, weshalb ich die Umnutzung fĂŒr Trampeltiere fĂŒr keine schlechte Lösung halte. Noch interessanter fĂ€nde ich es, falls man das GebĂ€ude ohne große VerĂ€nderungen fĂŒr eine DickhĂ€uterart verwenden könnte.
(26.10.2008, 16:09)
Karsten Vick:   Es gab ja auch 2007 nur noch 1,0 Hirscheber und dessen Mischlingskinder.

Auf allen Planzeichnungen zum neuen Elefantenhaus ist das alte mit drauf - also irgendeine Nachnutzung wird ihnen schon vorschweben.
(26.10.2008, 00:27)
Ingo Rossi:   @Oliver Jahn: Ich habe keine Hirscheber mehr gesehen, was mich auch wunderte.
@Michael Mettler: Ich habe nichts gegen Gitter, aber eine fast ununterbrochene Gitterfront ringsherum in einem dĂŒsteren Haus hat auf mich eine ganz ander Wirkung als z.B. das wesentlich aufgelockerte Haus in Rhenen. Da haben die Gitter fĂŒr mich nicht die dominierende Wirkung gehabt wie im alten Haus in Kopenhagen. Amersfoort will ein neues Haus bauen, angeblich Baubeginn noch dieses Jahr... UnabhĂ€ngig von dem Paltzangebot, welches in Rhenen doch auch etwas grösser ist, denke ich, sollte ein Zoo, der im wesentlichen fĂŒr die Besucher gebaut wird, auch seine Bewohner vorteilhaft prĂ€sentieren.
(26.10.2008, 00:15)
Michael Mettler:   Na gut, mit der gleichen Phantasie könnte es auch eine Gruppe Kamele an einer Oase symbolisieren, aber dann mĂŒsste London auf Dromedare umsteigen...
(25.10.2008, 22:16)
Michael Amend:   Also, ich hab ja viel Phantasioe, aber fĂŒr die Vorstellung dieses Architekten reicht sie nicht aus...

Das haus wurde ĂŒbrigens schon 1965 eröffnet, in den ZoofĂŒrhren der 70 iger jahre werden im Kapitel"Elephants"auch Schabrackentapire aufgefĂŒhrt, ich glaube aber nicht, das die im DickhĂ€uterhaus untergebracht waren.
(25.10.2008, 21:50)
Michael Mettler:   Ich glaube, es steht in einem der Durrell-BĂŒcher: Die Architektur des Londoner Hauses soll eine Gruppe Elefanten an einem Wasserloch symbolisieren.
(25.10.2008, 21:16)
Michael Amend:   Eines der grĂ¶ĂŸten DickhĂ€uterhĂ€user Europas, und zugleich eine der grĂ¶ĂŸten Fehlplanungen ĂŒberhaupt, stellt das 1967 eröffnete Elefantenhaus in London da, das von Beginn an nur fĂŒr Elefanten und Nashörner konzipiert war. London hat von Beginn seiner Flußpferdhaltung an diese immer getrennt von Nashörnern und Elefanten gehalten. 1960 hat der zoo die Flußpferdhaltung beendet und das paar nach Whipsnade transferiert. Trotzdem frage ich mich, warum man im Neubau nicht auch eine Flußpferdhaltung eingeplant hat. So zogen letzten Endes Breit,-und Spitzmaulnashörner sowie Elefanten ein. Inzwischenw urde ja sowohl die nashorn,-als auch elefantnehaltung darin aufgegeben und London kann sich rĂŒhmen, nun das grĂ¶ĂŸte Kamelhaus der Welt zu besitzen,neben den Trampeltieren leben noch Bartschweine und Zwergflußpferde darin.
(25.10.2008, 19:49)
Michael Amend:   Warum aus dem Kopenhagener DickhĂ€uterhaus nicht ein Nachttierhaus machen ? Ich habe erst kĂŒrzlich den 2007er JB von Kopenhagen gelesen, kann mich aber nicht daran erinnern, ob da auch etwas ĂŒber die Nachnutzung des Hauses steht.
(25.10.2008, 17:43)
Michael Mettler:   @Ingo Rossi: Beklemmungen? Anbei ein Foto aus dem NEUEN Elefantenhaus in Rhenen, wenn auch in umgekehrter Blickrichtung. Da kann man genausogut die Kopenhagener Gitterfronten stehen lassen. In den neueren ElefantenhĂ€usern von Amersfoort oder Dierenrijk sieht es auch nicht viel anders aus. Elefanten kommen eben zunehmend wieder hinter dicke Gitter, da kann man in historischen HĂ€usern auch gleich beim Altzustand bleiben...
(25.10.2008, 16:29)
Oliver Jahn:   Haben denn die Hirscheber ein neues Domizil oder sind sie ganz weg aus dem Zoo?
(25.10.2008, 13:03)
Ingo Rossi:   Ob das GebĂ€ude leer bleibt oder abgerissen wird weiss ich nicht und mag daher die DĂ€nen noch nicht verurteilen. Die letzten Elefanten sind erst kurz vor meinem Besuch dort ausgezogen. Aber ohne Umbauten wird es bestimmt nicht mehr nutzbar sein ohne bei den Betrachter Beklemmungen hervor zu rufen. (Blick aus einer Box in den Besucherraum)
(25.10.2008, 10:54)
IP66:   Ich halte es fĂŒr problematisch, wenn man TierhĂ€user und Anlagen dauerhaft nicht nutzt. Sicherlich gibt es sinnentstellende Umbauten, die ebenfalls den Nachvollzug eines Denkmals behindern, und der Totalabriß bedeutet einen noch grĂ¶ĂŸeren Verlust - doch mir scheint, daß ein Tierausstellungsbau nur dann begreifbar, wenn seine ursprĂŒngliche Verwendungsform erlebbar ist. Das heißt nicht, daß man in jedem alten Elefantenhaus Elefanten halten muß, aber doch, daß ein leeres GebĂ€ude fĂŒr den Besucher ebenso wenig aussah wie ein kleines Schild, das darauf hinweis, daß hier einst das Elefantenhaus stand.
(25.10.2008, 10:22)
Michael Mettler:   OK, diesmal streikt die BildeinfĂŒgung bei mir. Dann nehmen wir eben den Link, unter dem die Postkarte zu finden ist:
http://www.newyorkcityzoos.com/bronx.html
(24.10.2008, 20:43)
Michael Mettler:   @MA: Ich dachte auch eher an deine ZoofĂŒhrersammlung... Bin mir zwar sicher, auch irgendwo mal eine alte Innenaufnahme gesehen zu haben (Nashorn und Elefant hinter dicken Eisenstangen), aber mir will nicht einfallen, wo. Im Net fand ich noch die nebenstehende Postkarte vom Haus.
(24.10.2008, 20:32)
Michael Amend:   @MM. Leider habe ich keine selbstgemachten Bilder des Bronxener DickhĂ€uterhauses, ich war ja noch nicht in New York, ich mĂŒĂŸte folglich in den ZoofĂŒhrern nachsehen. In der "Abenteuer Zoo"Folge sieht man zumindestens das Innere. Wunderschönes Haus, vor allem die Tierköpfe außen sehen ja toll aus.

Im gleichen Stil wurden ja auch die ĂŒbrigen TierhĂ€user gebaut, das ehemalige Raubtierhaus wurde in ein Madgaskar-Haus umgebaut,das demnĂ€chst eröffnet werden mĂŒĂŸte.
(24.10.2008, 19:39)
Oliver Jahn:   @Ingo, tolle Fotos von einem faszinierenden Haus. Ich habe dieses Haus einmal im Tiergartenrundbrief gesehen und habe von Karsten Vick Bilder dieses Hauses gesehen, die er selber gemacht hat, zu einem Zeitpunkt, als noch Elefanten im Haus waren, aber dort waren auch die Hirscheber. Ich fand gerade Hirscheber eine tolle Wahl als Nachnutzer, galten doch Schweine auch lange Zeit als DickhĂ€uter. Schade, dass das Haus leer steht. Kennt irgendwer die weiteren PlĂ€ne des Zoos mit diesem Haus?
(24.10.2008, 19:19)
Ingo Rossi:   @IP66: Mir ist ĂŒber eine neue Nutzung noch nichts bekannt. Wird es denn abgerissen? Davon war zumindest im Sommer noch nichts zu merken.
(24.10.2008, 15:19)
Michael Mettler:   Die vier oberen Fotos vermitteln einen ganz guten Eindruck von der Architektur - wenn auch nicht von der (frĂŒheren) Tierhaltung im Haus:
http://www.nyc-architecture.com/BKN/BKN-007.htm
(24.10.2008, 14:41)
Michael Mettler:   @MA: Zu den den Tapiren, die das Bronx-Haus bewohnten, zĂ€hlte auch der erste US-Bergtapir. Im Buch "Im Zoo daheim" von Lee Crandall wird das erwĂ€hnt, und auf einem Foto mit Nashorn und Elefanten ist im Hintergrund ein StĂŒck Hausfassade zu sehen, architektonisch interessant mit steinernen Elefantenköpfen. Hast du ein Außenfoto des GebĂ€udes?
(24.10.2008, 13:19)
IP66:   Das kopenhagener Haus ist wohl das grĂ¶ĂŸte Beispiel fĂŒr einen im Klassizismus der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gestalteten GebĂ€ude - jenes "Mehr sein als scheinen"-Stils, den Herr Rathenau auf seinen GĂŒtern pflegte, der aber auch Museumsbauten, etwa Messels Landesmuseum in Darmstadt prĂ€gt. Ich finde es sehr schade, daß die DĂ€nen keine Verwendung fĂŒr das GebĂ€ude des in ihrem Land wenig verbreiteten Stils finden. Sicherlich ist das GebĂ€ude nicht so populĂ€r wie die exotisierenden Stilbauten in Köln, Antwerpen doer Berlin, dafĂŒr ist es aber deutlich besser erhalten und auch sicher einfacher zu nutzen als diese Bauten.
(24.10.2008, 11:04)
Ingo Rossi:   Und ein Blick ins Innere.
(24.10.2008, 09:49)
Ingo Rossi:   Oliver, es klappt wieder, hurra! ;-)
Daher noch ein Bild von der RĂŒckseite.
(24.10.2008, 09:48)
Ingo Rossi:   Hier das alte DickhĂ€uterhaus in Kopenhagen,im Vordergrund ĂŒbrigens Teile des Neuens. Im alten Haus von 1914 (?) wurden zumindest Elefanten, Spitzmaulsnashörner, Flusspferd und Zwergflusspferde gehalten. Heute ist es leer.
(24.10.2008, 09:47)
Michael Mettler:   @IP66: Muss mich korrigieren, das Baseler Haus wurde 1953 eröffnet (und beherbergte anfangs neben den jungen Afrikanischen Elefanten auch das Panzernashornpaar), das Berliner Haus erst 1954. Vor Eintreffen der Afrikaner hatte der Zolli ĂŒber zwei Jahre lang keine Elefanten mehr gehabt, nachdem man die letzte Kuh Matadi zwecks RĂ€umung des GebĂ€udes (sollte abgerissen werden) nach Frankfurt abgegeben hatte. Das alte Haus wurde dann aber doch noch fĂŒr die 1951 und 1952 importierten Panzernashörner genutzt und erst nach Fertigstellung des Neubaues abgerissen. FĂŒr die 1952 importierten AfrikanerkĂ€lber war deshalb kein Platz mehr im Altbau, weshalb sie bis zur Fertigstellung des Neubaues im Baseler Pflanzenkeller aufgestallt wurden.

In einem alten International Zoo Yearbook fand ich noch ein weiteres DickhÀuterhaus, nÀmlich in Chester: beide Elefantenarten (darunter zwei adulte Afrikanerbullen), Spitzmaulnashörner, Nilpferde, Schabrackentapire. Ist das möglicherweise das heute noch bestehende Elefantenhaus?
(23.10.2008, 20:58)
Michael Amend:   Korrektur,es gibt doch Nashörner in Toledo, BreitmĂ€uler, die im Afrika-Bereich leben, wie die Elefanten udn Hippos,ich kann mich jetzt aber nicht erinnern, ob das Nashornhaus begehbar war, die Fotos werden's zeigen.

Im Lincoln Park Chicago gab es auch ein klasssiches DickhĂ€uterhaus mit beiden Elefantenarten,SpitzmĂ€ulern,Giraffen,Zwergflußpfderen,Tapiren und Capybaras. In habe 2005 gerade noch ein Spitzmaulnashorn darin gesehen, deren Anlage ist jetzt mit Dromedaren besetzt, Elefanten,Tapire und capybaras gibt es nicht mehr im Zoo und das DickhĂ€uetrhaus wurde aufwendig in das 2Regesntein Africa Jouirney"umgebaut, darin befidnet sich auch die Indoor-Anlage fĂŒr die Zwerghippos. Ein Foto davon habe ich im "Flußpferd-thread"eingestellt.
(23.10.2008, 20:29)
Michael Amend:   Noch existent ista uchd as alte DickhĂ€uterhaus im Bronx-Zoo, frĂŒher mit Elefanten,Nashörnmern,Flußpferden,Zwergflußpferden und Tapiren besetzt, war es bis Ende 2005 Heimat fĂŒr Elefanten,Tapire und"Rapunzel",das Sumatra-Nashorn.

Vielleicht kann Sacha beantworten,was heute darin lebt, außer den Elefanten ?

Flußpferde selbst gibt es wohl schon seit etlichen Jahren nicht mehr im Bronx-Zoo.

Auch ind en USA verschwinden nach und nach die systematischen TierhÀuser.

Auch Saint Louis verfĂŒgte ĂŒber ein riesiges DickhĂ€uterhaus. Noch bis in die 70 iger jahre war es mit beiden Elefantenarten,Hippo,Zwerg-Hippo,Flachland,-und Schabrackentapir und Breitmaulnashörnern besetzt. Zud er Zeit hatte der zoo noch ein Paar Manatis, könnte mir durchaus vorstellen, das die im DickhĂ€uterhaus untergebracht waren, die ZoofĂŒhrer geben darĂŒber keine Auskunft. Im letzten ZoofĂŒhrer des Zoo Saint Louis von 1990, werden keien Flachland-Tapire mehr genannt und die BreitmĂ€uler sind gegen SpitzmĂ€uler ersetzt. Das Haus wurde lĂ€ngst abgerissen.Elefanten,SpitzmĂ€uler und Hippos leben jetzt in einem gĂ€nzlich neuen Komplex,"Rivers Edge",in zwei getrennten HĂ€usern, die nicht mehr fĂŒr die Besucher begehbar sind.

Eine Ă€hnliche Entwicklung gibt es in Toledo. Das alte Elefantenhaus, ind em auch Flußpferde und Zwergflußpferde lebten( Nashörner gibt es bis heute nicht in Toledo)wird heute als Eduacation Department genutzt, Elefanten und Flußpferde bezogen neue Anlagen, wobei nur das Elefantenhaus auch fĂŒr Besucher geöffnet ist.
(23.10.2008, 20:20)
Michael Mettler:   @Oliver: Vielleicht war der Leipziger Amerika-Vergleich ja gar nicht auf DickhĂ€uterhĂ€user beschrĂ€nkt, sondern auf TierhĂ€user allgemein bezogen. Es heißt ja nicht "DickhĂ€uterhaus, wie es höchstens in Amerika ĂŒblich ist", sondern "Dimensionen, wie sie ..."

@MA: MĂŒsste nicht New York Bronx ein DickhĂ€uterhaus haben / gehabt haben?

@IP66: Das jetzige Baseler Elefantenhaus könnte jĂŒnger als das Berliner sein, ein Einfluss in diese Richtung wĂ€re also möglich. Die in den 50er Jahren importierten Panzernashörner wurden nĂ€mlich noch in drei Außengehegen des alten Elefantenhauses zusammengewöhnt, nachdem die Elefanten ins neue Haus umgezogen waren. Vielleicht finde ich darĂŒber etwas in den BĂŒchern von Hediger, der damals noch Direktor in Basel gewesen sein mĂŒsste.
(23.10.2008, 20:01)
Oliver Jahn:   Michael, das Haus sieht gut aus, aber ich dachte eher an historiche HĂ€user, und dieses hier ist doch recht neu, oder tĂ€uscht das Bild? Der Artikel ĂŒber das leipziger Haus, in dem auf die großen Dimensionen der DHH in den USA hingwiesen wird, ist von 1924!! Gibt es aus dieser Zeit noch DHH und wenn ja, sind sie noch besetzt?
(23.10.2008, 19:58)
Michael Amend:   @Oliver Jahn. Offensichtlich waren DickhĂ€uterhĂ€user mit Elefant,Nashorn und Flußpferd auch ind en USA nicht sehr hĂ€ufig. 2005 habe ich noch ein solches Haus im Zoo Birmingham gesehehen, allerdings gibt es dort jetzt keine Elefanten mehr. Dallas hatte ebenfalls ein DHH ( ich weiß, du magst keine ABK's, aber ich will nicht stĂ€ndig diese langen Wörter ausschreiben), da wraen zusĂ€tzlich noch Giraffen drin. Die Nashörner zogen aber gegen Beginn der 80iger Jahre aus.

In wichita gibt es noch das Africa Veldt Building, mit Hippo,Elefant,Nashorn und Giraffe.

Ein riesiges DickhĂ€uterhaus gibt es heute noch im Brookfield Zoo , frĂŒher mit beiden Elefantenarten, Panzer,-Breit,-und Spitzmaulnashörnern,Hippos, zwergflußpferden und Tapiren besetzt! bei den tapiren könnten es Flachland,-und Schabrackentapire gewesen sein ! Ist das nicht ein traumhafter Besatz ? Inzwischen ist es fast leer, 2005 habe ich 30der 4 Elefanten, Spitzmaulnashörner, ein Flußpferd und ein Zwergflußpferd darin gesehen, an Tapire kann ich mich nicht mehr erinnern.

Anbei ein Foto in die Besucherhalle. Das Foto ist per Scanner etwas aufgehellt, das Haus ist sehr dunkel und der Blitz hat nichts gebracht. Man bekommt aber schon einen guten Eindruck von der GrĂ¶ĂŸe des Hauses.
(23.10.2008, 19:51)
Oliver Jahn:   Es gab auch noch ein DickhĂ€uterhaus im Zoo von DĂŒsseldorf. Leider gibt es darĂŒber kaum Informationen. Aber auf jeden Fall gab es in diesem Haus Elefanten und Flusspferde. Über Nashörner konnte ich leider nichts finden, allerdings steht mir auch lediglich der Artikel von Werner Weyler aus dem Tiergarten-Rundbrief zur VerfĂŒgung.
(23.10.2008, 19:28)
IP66:   Interessant ist, daß das von Katharina Heinroth konzipierte berliner Elefantenhaus, das ja zunĂ€chst auch fĂŒr diverse DickhĂ€uter genutzt wurde, vom Architekturstil und Plan dem basler Bau Ă€hnelt - wobei Frau Heinroth allerdings die gerĂ€umigen InnenstĂ€lle an den Schmalseiten der Pagode als BullenstĂ€lle zitieren ließ.
Auf die Idee, das leipziger DickhĂ€uterhaus in irgend einer Hinsicht mit Bauten der USA zu vergleichen, wĂ€re ich nie gekommen. Eher schien mir der Bau bislang dafĂŒr zu sprechen, daß der Zoo, der ja mit allen bisherigen Prachtarchitekturen weit hinter den berliner Beispielen zurĂŒckgeblieben war, nun endlich einmal monumental und unĂŒbersehbar bauen wollte - gleichsam ein kölner Elefantenpark auf Expressionistisch ...
(23.10.2008, 19:26)
Michael Mettler:   Mir ist eben noch ein "DickhĂ€uterhaus in Etappen" eingefallen: Das alte (nicht mehr existente) Baseler Elefantenhaus. Mehr als zwei Arten gleichzeitig waren vielleicht nie drin, aber es mĂŒsste im Laufe der Zeit beide Elefantenarten, das Ursprungspaar Panzernashörner, die Ursprungszucht der Zwergflusspferde und zeitweise ein eingestelltes Circus-Nilpferd beherbergt haben.
(23.10.2008, 19:21)
Oliver Jahn:   @Michael Amend, deine Aussagen zu den US-Zoos erstaunt und verwundert mich. Das habe ich echt nicht erwartet. Wenn es ein Land gibt, in dem ich große und vollstĂ€ndig besetzte DickhĂ€userhĂ€user vermutet hĂ€tte, dann wĂ€ren es die USA gewesen.
Zum einen ist dieser Gigantismus und GrĂ¶ĂŸenwahn ja fast schon sprichwörtlich fĂŒr dieses Land. Zum anderen aber habe ich die Aufzeichnungen zu Leipzig gelesen. Hier war das grĂ¶ĂŸte DickhĂ€uterhaus Europas geplant, mit Elefanten (inklusive Bullenstall), Flusspferden mit großem Wasserbecken, Nashörnern und Seitengelassen fĂŒr Tapire und Zwergflusspferde. Und auch wenn das Haus in dieser Konstellation nicht vollendet wurde, so liest man zu einer Eröffnung (obwohl nur die eine HĂ€lfte stand) "...entstand ein DickhĂ€uterhaus von Dimensionen, wie sie höchstens in Amerika ĂŒblich sind..."
Nach diesem Satz dachte ich wirklich, es wimmelt in den Statten nur so von diesen HĂ€user. Schade, sollte ich also doch mal irgendwann rĂŒber kommen, brauch ich also in diese Richtung gar keine Hoffnungen hegen.
(23.10.2008, 18:49)
Michael Mettler:   Bezeichnenderweise nannte sich das GebĂ€ude ĂŒber lange Zeit auch nicht DickhĂ€uterhaus, sondern Warmhaus, denn wie in der ZoogrĂŒnderĂ€ra wurden darin in der kalten Jahreszeit zusĂ€tzlich kleinere, wĂ€rmebedĂŒrftige Tiere eingewintert. Ich meine anderswo gelesen zu haben, dass noch bis Anfang der 70er Jahre inmitten der Halle im Winter KĂ€fige und "Kisten" mit Tieren standen...
(23.10.2008, 15:37)
IP66:   Das mĂŒnchner Haus wird wohl in der ersten Phase seiner Existenz einen sehr eingeschrĂ€nkten Betrieb erlebt haben und wurde dann wĂ€hrend der Schließungszeit des Zoos nicht genutzt - wenn ich recht informiert bin, hat man sogar Teile der Innenausstattung in dieser Phase verkauft. Dennoch finde ich den Idealplan interessant, sieht er doch planmĂ€ĂŸig zwei Nashornarten vor und denkt auf diesem Wege, in Kenntnis der neuen stellinger Ideen, das Modell des großen systematischen Tierhauses noch einmal neu - im nicht so weit entfernten NĂŒrnberg dagegen wurden die TierhĂ€user bewußt bescheiden gehalten.
Allerdings gab es noch einmal nach dem zweiten Weltkrieg den Versuch, DickhÀuter zusammenzufassen, nÀmlich beim Neubau auf den zerstörten LogengelÀnden in Schönbrunn. Hier wurden zwar mehrere HÀuser errichtet, doch diese bildeten ein eigenes DickhÀuterviertel, wie es dies vor dem zweiten Weltkrieg nicht gegeben hatte.
(23.10.2008, 14:28)
Michael Mettler:   @IP66: Das GebĂ€ude wurde 1914 eröffnet und Giraffen waren schon zur Jahrhundertwende wieder verfĂŒgbar, also war es wohl wirklich als reines DickhĂ€uterhaus geplant. Leider gibt der Text nicht her, ob es bei seiner Eröffnung auch wirklich so war oder schon erste Nicht-DickhĂ€uter eingezogen waren - das Eröffnungsjahr fiel ja etwas unglĂŒcklich mit dem Beginn des 1. Weltkriegs zusammen. Das separate Nashornhaus wird jedenfalls erst mit Eröffnungsjahr 1930 angegeben.
(23.10.2008, 10:25)
IP66:   Ihren Informationen nach gab es in keinem der mĂŒnchner TurmstĂ€lle Giraffen? War der Mahdi-Aufstand der Grund dafĂŒr, oder wollte man ein reines DickhĂ€uterhaus? Das GebĂ€ude bedeutet im Maßstab eine neue Stufe, zudem hat Herr von Seidl, der Architekt, den im Vergleich mit dem berliner Antilopenhaus ausgesprochen "spĂ€thistoristisch" wirkenden Schritt getan, die Raumstruktur zu vereinfachen und zu vereinheitlichen, in dem man in einem riesigen Besuchersaal unter einer Flachkuppel stehend von einem Tierstall zum anderen schauen konnte, die DickhĂ€uter also alle gleichzeitig im Blick hatte. Ich wĂŒrde bei diesem GebĂ€ude auch nicht unbedingt auf axialitĂ€t setzen, da diese in einem solchen Zentralbau ohnedies kein dominierendes Kriterium vorstellt, zum anderen aber die TurmstĂ€lle nach innen wie nach außen die bewohner auch durch architektonsiche WĂŒrdeformeln auszeichnen. Die durch die Raubtierterrassen bedingte Parkachse durchquerte das Haus bezeichnenderweise nicht auf der Linie Besuchereingang-Flußpferde, sondern kreuzte diese.
(23.10.2008, 10:16)
Michael Amend:   @IP66. Von Philadelphia frĂŒhestens im nĂ€chsten Sommer,nachdem ich dort war...

Ich habe mal flĂŒchtig die DickhĂ€uterhĂ€user einiger Ă€lterer Us-Zoos anhand von ZoofĂŒhrern unter die Lupe genommen, die wenigsten davon hatten Nashörner darin, die waren fast ĂŒberall schon von Anfang an getrennt untergebracht , also trifft Oliver Jahns Aussage auch auf die USA zu.
(22.10.2008, 18:31)
Michael Mettler:   In Deutschland steht noch ein weiteres DickhĂ€uterhaus - zumindest eins, das als solches geplant wurde: das Warmhaus in MĂŒnchen. Der Ursprungsentwurf, zu finden in der Chronik "Nilpferde an der Isar", sah noch eine komplette Symmetrie des Hauses und seiner Außenanlagen vor: Dem Eingang gegenĂŒber Flusspferde, in den vier EcktĂŒrmen Einzeltiere von Afrikanischem und Indischem Elefanten, afrikanischem und indischem Nashorn (also wohl Spitzmaul- und Panzernashorn) mit zwischen den TĂŒrmen befindlichen AbsperrkĂ€figen fĂŒr diese vier Tiere, und rechts und links des Einganges Tapire.
(22.10.2008, 13:54)
IP66:   Gibt es Bilder?
(20.10.2008, 18:17)
Michael Amend:   Philadelphia besitzt noch heute ein altes, klassisches DickhĂ€uterhaus mit den Big Three,dazu ..Okapis !


(20.10.2008, 14:14)
IP66:   Interessant in diesem Zusammeng finde ich, daß man sich schon im 19. Jahrhundert darĂŒber im Klaren war, daß die zusammen ausgestellten DickhĂ€uter systematisch nicht zusammengehörten. dennoch hat sich der Bautypus sehr lange gehalten, wobei ich die enge Bindung von Flußpferd- und Elefantenhaus in Hannover und Stuttgart als Versuch deute, die Baumassen architektonisch zu entschĂ€rfen - in Stuttgart wegen des Erhalts des Rosensteinparks, in Hannover wegen der Vorstellung von Herrn Oesterlen, die gerne ephemĂ€r wirkende, elegante Bauten vorsah.
Ich wĂŒrd allerdings in usnere Überlegungen auch das große Elefnatenhaus in Friedrichsfelde einbeziehen, das in mancher Hinsicht den bislang zuletzt errichteten Vertreter dieser Gattung in Europa vorstellt.
Die Genese des Bautyps scheint mir letztlich auf das Warmhaus fĂŒr GroßsĂ€uger zurĂŒckzufĂŒhren zu sein. Letztlich lĂ€uft ja Tierhaltung auf zwei Typen von Unterbringungen, nĂ€mlich den geschlossenen KĂ€fig und das nach oben geöffnete Gatter hinaus, und wenn man von einer Trennung beider Typen in HĂ€usern ausgeht, so stehen wir recht schnell vor den begehbaren Gatter-StĂ€llen, eben den GroßsĂ€ugerhĂ€usern. In den systematischen Zoos kam es zu einer Aufspaltung dieser Bauten in verschiedene Typen, von das DickhĂ€uterhaus mit mehr oder weniger vollstĂ€ndiger Besetzung einen der frĂŒhesten vorstellte.
(20.10.2008, 11:04)
Oliver Jahn:   Stimmt, eigentlich bin ich auch ein Gegner von AbkĂŒrzungen! :-)
Prag hatte auch noch das ganze Programm!
(19.10.2008, 21:50)
Michael Mettler:   @Oliver: Elo ist 'ne Hunderasse, zĂ€hlt nicht als DickhĂ€uter :-)
(19.10.2008, 21:27)
Oliver Jahn:   Leipzig war geplant, der Nashornteil wurde aber nie vollendet (also nicht fĂŒr Nashörner). Und mit der Kombi Elo-Nashorn und Zwergflusspferd kenne ich noch Tallinn, bis heute so.
(19.10.2008, 21:15)
Oliver Jahn:   Also fĂŒr die großen Drei kennen ich von historischen Aufnahmen noch Budapest, zeitweilig auch noch zusĂ€tzlich mit Tapir. Heute sind noch die großen Flusspferde und die Elefanten drin und die Schliefer.
(19.10.2008, 20:41)
Michael Mettler:   @Oliver: Sorry, MĂŒnster hatte ich ĂŒberlesen. Anbei eine Aufsicht des Rotterdamer Rivierahallen-Komplexes (sieht ein bisschen aus wie ein gelandetes Raumschiff, nicht wahr?). Der obere von den drei langgestreckten Baukörpern ist der (ehemalige) DickhĂ€uterbereich, das Rondell an seinem linken Ende der Menschenaffenbereich. DarĂŒber oben rechts die große Außenanlage der Elefanten (heute Giraffen), links daneben die der Nilpferde (heute Zwergflusspferde) und noch eins weiter (schlechter erkennbar) das Nashorngehege (heute Warzenschweine). Die Innenanlagen befinden sich lĂ€ngst eines schnurgeraden Besucherweges nebeneinander.
(19.10.2008, 20:37)
Michael Amend:   Also ich meine wirklich die klassische Dreier-Konstellation Eelefant,Nashorn,Flußpferd. HĂ€tte es in berlin damals den Flußpferd-Unfall nicht gegeben, ist anzunehmen,das die Flußpferde in der Pagode geblieebn wĂ€ren und dieses Haus also das Dreier-haus geblieben wĂ€re.ZĂ€hlenw ir Zwerg-Hippos zu den "Flußpferden"dazu, lasse ich Rene Manteis Einwurf gelten,das Krefeld tatsĂ€chlich noch ein DickhĂ€uterhaus mit den Big Three hat. Mageburg nach Abgabe der Hippos nicht mehr, und auch FFm hat nach Abgabe von"Baroda"seit 1984 kein DickhĂ€uterhaus mehr. Stuttgart fĂ€llt somit ebenso flach. Im hamburger Zoo bin ich mir nicht sicher, ob dort im dickhĂ€uterhaus Nashörner gehalten wurden, in beiden ZF, die ich habe(1901 und 1927 )gibt es keine Nashörner im Bestand, im DickhĂ€uterhaus werden nur Elefanten,Flußpferde,Tapire und teilweise auch Einhufer gehalten. da der zoo aber auch nashörner gehalten hat, darunter auch Sumatra-Nashörner, mĂŒssen die theoretisch auch im DickhĂ€uterhaus gehalten worden sein.

Wie sieht es denn europaweit aus ? London hatte nie ein DickhĂ€uterhaus mit den Big Three, sondern hatte die Flußpferde immer getrennt von Elefant und Nashorn.
(19.10.2008, 20:27)
Oliver Jahn:   @Michael, ich erkenne es an, nur traf es nicht die Beschreibung von MA, der den Thread eröffnete. Und MĂŒnster habe ich bereits genannt. Rotterdam kenne ich nicht.
(19.10.2008, 20:24)
Michael Mettler:   @Oliver: Du erkennst Hannover (den Bau der 60er Jahre) und Stuttgart nicht als DickhĂ€uterhĂ€user i.e.S. an, weil es sich lediglich um bauliche, wenn auch in unmittelbarer Verbindung stehende GebĂ€udekomplexe handelt. Wie definieren wir andersherum die frĂŒhere Rotterdamer Haltung von Elefant, Flusspferd und Nashorn unmittelbar nebeneinander - nur war es kein gesondertes Haus, sondern "nur" ein eigener FlĂŒgel der Rivierahalle? (Heute besetzt mit Giraffen, Zwergflusspferden und Warzenschweinen.) Übrigens: Im hannoverschen Elefantenhaus lebte zeitweise außer den Elefanten und Nashörnern auch das letzte Zwergflusspferd :-)

Das historische Elefantenhaus war allerdings wirklich ein Parade-DickhĂ€uterhaus, denn in ihm standen Elefant, Nashorn und Nilpferd sowie zeitweise sogar noch Tapir. Die drei erstgenannten muss es auch im alten Hamburger Zoo im selben GebĂ€ude gegeben haben, und der Allwetterzoo MĂŒnster wurde auch noch nicht genannt. Köln ist ein witziger Sonderfall, war es doch eigentlich ein Antilopenhaus, in das sich nach und nach die DickhĂ€uter einschlichen. LĂ€ngere Zeit - noch bis weit in die Nachkriegszeit - hielten sich die beiden Tiergruppen etwa im Gleichgewicht, dann "siegten" die grauen Riesen - aber bis heute gibt es noch Antilopen im Haus, dafĂŒr keine Elefanten mehr.

Wenn zwei "Typen" fĂŒr die Klassifikation eines DickhĂ€uterhauses reichen, dann hatte auch der Ruhrzoo Gelsenkirchen eins, ebenso Hagenbeck, MĂŒnchen (Ă€hnlicher Sonderfall wie Köln), Leipzig, Dresden, der Landois-Zoo in MĂŒnster (kurzzeitig), NĂŒrnberg, Zoo Berlin (zeitweise Nashörner im Elefantenhaus)... Und Wuppertal konnte ĂŒber lĂ€ngere Zeit immerhin vier DickhĂ€uterarten im selben Haus prĂ€sentieren: Afrikanischen und Asiatischen Elefanten, Nilpferd und Flachlandtapir!
(19.10.2008, 20:04)
Oliver Jahn:   Ich habe natĂŒrlich bei den historischen wieder mal Hannover vergessen. Grenzen gibt es da keine, alle die genannten HĂ€user sind DickhĂ€uterhĂ€user, denn sie beherbergen ja solche. Nur sprach Michael Amend das klassiche, umfassend besetzte DickhĂ€uterhaus an, welches ja mindestens dir drei Großen beinhaltet. Und von denen gab es in Deutschland m.E. doch nicht so viele, wie ursprĂŒnglich angenommen. In abgespeckter Version gibt es noch etliche dieser HĂ€user. Erfurt z.B., auch hier waren mal Elefanten und Nashörner. Wuppertal steht ebenfalls noch, heute zumindestens mit Tapiren besetzt.
(19.10.2008, 19:38)
Michael Mettler:   @Oliver: OK, dann hat Stuttgart sogar zwei DickhĂ€uterhĂ€user: Nashörner/ Elefanten und Nilpferde/Zwergflusspferde/Schabrackentapire (die Hirscheber mal nicht eingerechnet).
(19.10.2008, 19:18)
Rattus:   Frankfurt hat ja auch noch ein gemeinsames Haus mit Flusspferd und Nashorn. Und in Karlsruhe sind Elefanten und Flusspferde in einem Haus (das mĂŒsste sogar fĂŒr genau diese Konstellation gebaut worden sein...?)
Ab wann darf man denn von einem DickhÀuterhaus sprechen? Wo ist denn die Grenze?
(19.10.2008, 19:11)
Oliver Jahn:   Na ja, ich wollte gerade noch ergĂ€nzen, da kam MM mit seinem Beitrag.
Gerade diese beiden Beispiele treffen es nicht so gut, denn Stuttgart benutzt mehrere HĂ€user, in Berlin fehlten die großen Flusspferde.
Und dazu wollte ich so aus der Erinnerung einfach mal bemerken, dass die klassichen Dreier-HĂ€user schon in den historischen Zoos eher selten waren.
Elefant-Hippo-Nashorn (Zwergflusspferd und Tapir waren eher Zugaben) gab es doch gar nicht so viel.
Breslau, Köln und Frankfurt fallen mir da ein und fĂŒr kurze Zeit Berlin in den AnfĂ€ngen der Pagode, nur zogen hier die Flusspferde ja schon bald wieder aus. Alle anderen, die mir jetzt so einfallen, hatten mindestens eine der drei großen Arten gar nicht oder wo anders untergebracht.
Und nach dem Krieg fallen mir da auch wieder erst mal nur Magdeburg und MĂŒnster ein. Hannover hatte die Hippos zwar daneben, aber eben nicht im gleichen Haus. Von daher scheint es wohl so typisch das DickhĂ€uterhaus mit dem Großen Dreibesatz nicht gegeben zu haben.
(19.10.2008, 19:06)
Michael Mettler:   Und dann wĂ€ren da ja noch die DickhĂ€uterhĂ€user im Tierpark Berlin und in der Wilhelma...
(19.10.2008, 18:58)
Oliver Jahn:   Nun, es gibt diese HĂ€user noch. Sie sind ja oft so groß und wuchtig, dass ein Zoo sich nur selten von ihnen schnell trennen kann. Und fast alle diese HĂ€user werden auch nach wie vor fĂŒr die Haltung von DickhĂ€utern genutzt, schließlich gehörten ja auch Schweine lange zu den DickhĂ€utern. Nur sind diese HĂ€user eben heute oft nur noch mit deutlich weniger Arten besetzt. Überwiegend waren es die Flusspferde, die es traf. Zunehmend gehen die Zoos eben dazu ĂŒber, fĂŒr jeden DickhĂ€uterart ein eigenes Haus zu bauen. Und das sind eben in den letzten Jahren vornehmlich die Elefanten, die davon profitieren.
(19.10.2008, 18:58)
Rene Mantei:   Krefeld hĂ€lt Elefanten,Spitzmaulnashörner und ein Zwergflußpferd in einem Haus.Also ist dies ja eigentlich ein DickhĂ€uterhaus...
(19.10.2008, 18:38)
Michael Amend:   Zum Schluß noch eine von zwei Innenboxen fĂŒr die Elefanten, die nicht angekettet werden.
(19.10.2008, 18:22)
Michael Amend:   Könnte abera uch ein Blick in den Besuchergang sein,Ha,ha. Hier das richtige Bild.
(19.10.2008, 18:21)
Michael Amend:   Innenbecken fĂŒr Zwerglußpferde.
(19.10.2008, 18:19)
Michael Amend:   Die Innenbox fĂŒr Warzenschweine.
(19.10.2008, 18:18)
Michael Amend:   Das klassische DickhĂ€uterhaus, umfassend besetzt mit den "DickhĂ€uter"Arten Elefant,Nashorn,Flußpferd resp. Tapir/Zwergflußpferd ist ja mittlerweile fast gĂ€nzlich aus den Zoos von heute verschwunden und teilt damit das Schicksal mit anderen sytematischen TierhĂ€usern. In Deutschalnd sind DickhĂ€uetrhĂ€user gar nicht mehr vorhanden, hĂ€tte es Oliver Jahn nicht einmal wegen Breslau erwĂ€hnt, wĂ€re es mir wahsrcheinlich kaum aufgefallen,das HĂ€user mit dieser Besetzung ja fast ĂŒberhaupt nicht mehr existieren, allenfalls sind alte DickhĂ€uterhĂ€user noch mit Elefant und Flußpferd besetzt.

Ich habe 2005 im Zoo von Cleveland noch ein traditionell besetztes DickhĂ€uterhaus vorgefunden, besetzt mit dem Grundbesatz Elefant(Afrikaner),Flußpferd, Zwergflußpferd und Schabrackentapir,nur die Nashörner , SpitzmĂ€uler,wenn ich mich richtig erinnere, waren zu diesem Zeitpunkt in ein eigenes Haus umgesetzt worden.Als Ersatz zogen Warzenschweine in das Haus ein, das in den nĂ€chsten Jahren ebenfalls umgebaut werden soll.

Das Foto zeigt den Blick in das Innere des Hauses vom LĂ€ngstrakt(Hippos,Tapire,Warzenschwein )in den QuerflĂŒgel(Elefanten)
(19.10.2008, 18:16)

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