
| cajun: | Mal sehen wie es mit der Haltungsbilanz weiter geht. Im Zoo Prag ist das weibliche Schuppentier gestern verstorben. Zurück bleiben der Zuchtmann und die beiden Nachwuchs Tiere: " Heute, kurz vor Mittag, starb das weibliche Pangolin Run Hou Tang. Ihre gesundheitlichen Probleme wurden Ende September von Tierpflegern beobachtet. Sie manifestierten sich hauptsächlich durch mangelnden Appetit, d.h. mangelndes Interesse an den angebotenen Lebensmitteln. Das Weibchen wurde einer Reihe von Untersuchungen unterzogen und wurde intensiv überwacht – dank des Kamerasystems in der Ausstellung nahezu kontinuierlich. Ihre Gesundheit und Behandlung wurden die ganze Zeit mit Kollegen aus dem Taipei Zoo, Taiwan, konsultiert. Zufälligerweise war der örtliche Tierarzt zu dieser Zeit auch auf einem Austauschaufenthalt in Prag, der direkt vor Ort an der Therapie des Tieres teilnehmen konnte. Alle Schritte wurden in Synergie mit ihm unternommen. Im Oktober verbesserte sich der Zustand von Run Hou Tang, und das Pangolin begann, zumindest teilweise Nahrung zu sich zu nehmen. Mitte des Monats begann der Zustand des Weibchens wieder zu schwanken, so dass sie wieder nakotisiert und weiteren Untersuchungen unterzogen wurde, einschließlich der Sammlung von Lebergewebe. Es stellte sich heraus, dass es erheblich beschädigt war. Angesichts der Erfahrungen ausländischer Kollegen mit Pod-Leber-Erkrankungen – ähnliche Probleme, die beispielsweise im Juni 2025 durch eine veröffentlichte Studie über Schuppentiere beschrieben wurden, die in nordamerikanischen Zoos gehalten wurden – war die Prognose nicht sehr vielversprechend. Trotz weiterer Behandlungsbemühungen und mehrerer künstlicher Fütterungen durch Sonde direkt in den Magen konnte Run Hou Tang nicht gerettet werden. Die endgültige Diagnose wird nur durch die anschließende Autopsie bestimmt. Trotz Spekulationen war Run Hou Tang zum Zeitpunkt des Todes nicht schwanger. Run Hou Tang wurde am 2. September 2017 im Taipei Zoo geboren. Zusammen mit einem Mann namens Guo Bao kam sie im April 2022 in den Prager Zoo. Im Februar 2023 brachte sie ein Jungtier zur Welt, das berühmte Weibchen Šiška. Es wurde das erste gezüchtete Pangolin nicht nur im Prager Zoo, sondern in ganz Europa. Im folgenden Jahr, im Juli, brachte sie eine andere Frau namens Connie auf die Welt. Die Anwesenheit von Run Hou Tang im Prager Zoo war nicht nur für die Etablierung der Zucht dieser vom Aussterben bedrohten Tiere wichtig, sondern auch für die Popularisierung von Pangolinen in der tschechischen Öffentlichkeit, die Verbreitung des Bewusstseins für diese massiv gejagten und geschmuggelten Säugetiere und die Sammlung von Mitteln für ihren Schutz in freier Wildbahn. Wer die Möglichkeit hatte, sich mit unserer Tang vertraut zu machen, verfiel der Magie dieser faszinierenden und sehr verletzlichen Kreaturen. Mit dem Wissen darüber ist es notwendig hinzuzufügen, dass Run Hou Tang als außergewöhnliches Tier in die Geschichte des Prager Zoos eingetreten ist. Die Zucht von Schuppentieren im Prager Zoo wird fortgesetzt. Das Europäische Zuchtprogramm (EEP) für k Schuppentiere wird vom oben genannten Zoo von Taipeh koordiniert, mit dem der Prager Zoo die Situation intensiv analysiert." Quelle: https://www.zoopraha.cz/aktualne/novinky-u-zvirat/15868-prisli-jsme-o-samici-luskouna-run-hou-tang (10.11.2025, 20:31) | ||
| th.oma.s: | @michael mettler: dies kommt auf die betrachtungsweise an: m.E. im zusammenwirken mit anderen haltungen dürfte es sich in bezug auf die mähnenschafthaltung um ein beispiel für eine positive haltungsbilanz handeln, vorbehaltlich der diagnose für die 28,4§ jungtierverluste...im übrigen kann m.e. zunächst auch bestands-erhaltung beleg für eine erfogreiche haltunsbilanz sein... wenn die individuen gesund sind... bewirke (16.10.2006, 13:33) | ||
| th.oma.s: | @michael mettler: dies kommt auf die betrachtungsweise an: m.E. im zusammenwirken mit anderen haltungen dürfte es sich in bezug auf die mähnenschafthaltung um ein beispiel für eine positive haltungsbilanz handeln, vorbehaltlich der diagnose für die 28,4§ jungtierverluste...im übrigen kann m.e. zunächst auch bestands-erhaltung beleg für eine erfogreiche haltunsbilanz sein... wenn die individuen gesund sind... bewirke (16.10.2006, 13:33) | ||
| Michael Mettler: | @Andreas Hartung: Danke, der wars. "Mähnenschafe" per Suchfunktion brachte ihn leider nicht ans Tageslicht.... (16.10.2006, 08:41) | ||
| Andreas Hartung: | @Michael Mettler: Das war im Thread "Stark ingezüchtete Zootierarten", Beitrag vom 29. Juni. ;-) (15.10.2006, 22:39) | ||
| Michael Mettler: | Nachtrag, da habe ich ein wichtiges Wörtchen vergessen: Es sollte heißen "...wie viele davon MÖGLICHERWEISE "gestorben WURDEN"... Denn vielleicht war es ja auch gar nicht nötig, den Überschuss auf diese Weise zu reduzieren. (15.10.2006, 22:31) | ||
| Michael Mettler: | Schade, ich weiß den Thread nicht mehr, in dem ich schon mal den Artikel über die Berliner Mähnenschaf-Haltung aus dem letzten BONGO unter die Lupe genommen hatte. Der passt nämlich ebenfalls prima in das Thema, wie man eigentlich eine Haltungsbilanz werten soll. Aus acht ab 1951 angeschafften Mähnenschafen (darunter nur zwei weibliche Tiere!) hat der Berliner Zoo bis 2005 1.550 (!!) Jungtiere erzielt, von denen 447 (28,4%) innerhalb der beiden ersten Lebensmonate starben. Der Bestand auf dem Felsen schwankte im Laufe der Jahrzehnte zwischen 20 und 60 Stück. 104 Mähnenschafe verließen (lebend) den Zoo. Abgänge durch Tod 1952-2005: 1.233 Tiere! Auch hier kann man behaupten: Der Bestand erhält sich im Grunde nur selbst, die Abgaberate steht in einem sehr dürftigen Verhältnis zur Nachzuchtrate. Wobei allerdings aus der eklatanten Zahl gestorbener Tiere (jährlich im Schnitt 22 Stück!) nicht hervor geht, wie viele davon "gestorben WURDEN", sprich also geschlachtet wurden..... Ist das nun ein Beispiel für eine erfolgreiche Haltung oder nur das "Prinzip Pinselohrschwein" (inklusive hochgradiger Inzucht) auf einem höheren Zahlenniveau? (15.10.2006, 22:00) | ||
| Mulan: | Kann man auch nicht. Die Tiere sind hochgradig ingezüchtet, denn sie stammen nur von drei Ursprungstieren ab.Regelmäßige Zuchterfolge hatten in Deutschland nur Duisburg, München, Wuppertal und Landau. Wuppertal hat beide Zuchtsäue, Landau seine einzige Zuchtsau, Duisburg den Zuchteber verloren. Viele Weibchen starben, ohne nachgezüchtet zu haben, wobei Nierenversagen eine der häufigsten Todesursachen ist. Haltungsbedingt ist es nicht, es muß aber auch keine Folge der Inzucht sein. Nürnberg und Hamburg haben definitv Interesse an der Nachzucht, es klappt aber nicht, da die Eber nicht decken. Hagenebck hat wenigstens eine zweite Sau dazugeholt, aber ohne Erfolg. Sinnvoll wäre es, mal die Eber auszutauschen, das z.B der Hamburger nach Nürnberg geht und andersrum. Magdeburg hält nur einen Eber und findet seit über 2 Jahren keine Sau ( angeblich )Diese wäre sicherlich aus einem anderem europäischen Zoo zu bekommen. Rotterdam hat zwar eine ganze Rotte von Säuen, gibt aber nichts ab, da die einen neuen Eber aus Amerika bekommen haben, der auf Wildfänge zurückgeht. Auch Salzburg züchtet regelmäßig, die Salzburger Nachzuchten erkennt man sofort an den abgebissenen Schwänzen, das macht die Mutter, warum weiß keiner. Auch in verschiedenen englischen Zoso züchten die Schweine sehr gut nach und in England gibt es eine große Warteliste für sie, die englischen Zoos sind verrückt nach Pinselohrschweinen! Krefeld hat ebenfalls noch nie gezüchtet , in Münster gab es letztes Jahr den ersten, in diesem Jahr den zweiten Wurf. In Prag und im Haustierpark Reutemühle werden reine Ebergruppen gehalten. (15.10.2006, 16:19) | ||
| th.oma.s: | @michael mettler: nach der vorliegeden diskussion kann die pinselohr-haltung bei gesamtbetrachtung keineswegs der rubrik "erfolgreiche haltung" zugeordnet werden... (15.10.2006, 10:25) | ||
| Mel: | ich denke auch das man eigentlich nur von einer positiven Haltungsbilanz reden sollte, wennn sich die gehaltene Art fortpflanzt und die Nachzuchten auch aufwachsen, und so der Bestand sich vergrößert. Jedoch ist eine pos. HB auch von dem mitwirken anderer Zoos abhängig. Da bei größeren Arten meist ein Haltung verschiedener Paare oder Gruppen einen nicht zu unterschätzender Platzfaktor darstellt. Was bei vielen Zoo´s im Falle einer für den Ottonormal Besucher weniger attraktiven Art, die Ein-Paar oder Ein-Gruppenhaltung als Resultat nach sich zieht. nicht desto Trotz können auch solche Haltungen (Zoo) sehr erfolgreich im Punkto Nachzuchten seien. Nur sollte da dann im rahmen der Möglichkeiten für Regelmäßigen Individuenaustausch im Sinne der Inzuchtvermeidung gesorgt werden. (13.10.2006, 21:55) | ||
| IP66: | Ich glaube, daß es oft auch daran liegt, ob ein Zoo über genügend Möglichkeiten verfügt, eine Tierart zu etablieren. In meinem engeren Radius liegt Dortmund mit seiner ziemlich umfangreichen Ameisenbärproduktion. Die Art sah man schon in den 70ern häufiger, Zuchterfolge gab es aber selten. Dortmund hält ja eine ganze Reihe von Tieren, nicht nur in dem entsprechenden Haus, sondern auch auf der Südamerikaanlage und im alten Papageiengehege, aber es gibt auch viele Interessenten, die wieder Ameisenbären halten, wie Berlin oder Stuttgart. Hier ist also ein Interesse an der Art vorhanden. Bei den erwähnten Duckern, m. E. auch bei einigen Hirscharten, gibt es dagegen kaum Haltungsinteresse, hier verschwindet vieles bei Anlagenvergrößerungen wie die vielfach im Forum erwähnten Gnus. Insofern dürften viele Bilanzen eine Folge der Nachfrage entsprechender Zoos sein. Sogar die Pinselohrschweinvermehrung des letzten Jahrzehnts ist damit zu erklären: Die Art eignet sich nämlich gut für kleinere Anlagen, die irgendwo übriggeblieben sind und besetzt werden müssen: Man denke an das ehemalige Zwergzebu-Gehege in Wuppertal oder die Sumpfhirschbucht in Krefeld. Ob das Zuchtinteresse unter solchen Umständen groß ist, kann man sich fragen, wobei es in Wuppertal regelmäßig Nachwuchs gab. (13.10.2006, 20:09) | ||
| Michael Mettler: | Wenn man sich nicht um Nachzucht bemüht, ist das natürlich noch ein ganz anderer Faktor - da würden selbst "beste Gene" nichts nützen, und dann entzieht sich die Art natürlich auch der Bewertung "erfolgreich/nicht erfolgreich". Ist die Ursache für das Nierenversagen der Schweine schon bekannt - haltungsbedingt oder erblich? (13.10.2006, 09:39) | ||
| Mulan: | Also ist das doch offensichtlich.. 18 Tiere werden importiert und sterben nach nur kurzer Haltung, 10 Kitze kommen zur Welt, 8 werden aufgezogen und nur eines davon pflanzt sich selber fort, und das auch noch mit seiner Mutter. Tut mir Leid, das ist definitiv keine erfolgreiche Haltung. Darunter verstehe ich, das sich ein Bestand langjährig nicht nur gesunderhält, sondern auch selbsterhält und stetig anwächst, das auch Tochtergruppen in anderen Zoos etabliert werden können und das der Bestand nicht ständig mit Importen oder Tieren aus anderen Zoso aufgestockt werden muß. Und was die Pinselohrschweine anbelangt, deren Bestand wächst nicht, sondern erhält sich momentan nur. Viele Pinselohrschweien sterben an Nierenversagen, viele zuchtfähige Tiere kommen nicht zur Zucht, da sich diese Halter kaum daraum bemühen, sie zur Zucht zu bringen mangels Abnehmern. Langfristig gesehen wird das Pinselohrschwein wieder aus den Zoos verschwinden. (13.10.2006, 06:52) | ||
| Michael Mettler: | Was wieder meine Frage aufwirft: Wann ist eine Haltung eigentlich "erfolgreich"? Unter Naturverhältnissen ist ja die Beibehaltung einer konstanten Anzahl über einen langen Zeitraum eher ein Erfolg, da es ja bei vielen - wenn nicht den meisten - Tierarten eine hohe Verlustquote gibt. Auch wird selten ein sehr hohes Alter erreicht. Der für Zoos geforderte "sich selbst erhaltende Bestand" beinhaltet ja nicht unbedingt Wachstum. Und da es etliche Tierarten gibt, bei denen Inzucht KEIN Problem zu sein scheint - das Thema hatten wir ja schon öfter - wäre ja schon eine kontinuierliche Haltung mit kontinuierlichen Geburten/Schlupfen eigentlich ein Erfolg, solange sich Zugänge und Verluste ausgleichen. Anders ausgedrückt: Ist z.B. die Haltung des Pinselohrschweins ein Erfolg (weil man aus wenigen Foundern einen stetig wachsenden Bestand erzeugen konnte) oder ein Misserfolg (weil dieser Bestand zwangsläufig ingezüchtet ist)? Da kann man geteilter Meinung sein. (12.10.2006, 21:05) | ||
| Frankfurter: | Hier noch eine Bilanz für eine erfolglose Haltung: Zebraducker in Frankfurt. Frankfurt hatte die einzige Haltung dieser Art in Europa nach dem 2. Weltkrieg. Die Art wurde ohne Unterbrechung zwischen 1958 und 1988 gehalten. Dies war nur möglich, weil insgesamt 7,11 Tiere in 12 Importen zwischen 1958 und 1985 nach Frankfurt kamen. Der Erstimport 1958 bestand aus 1,2, der Bock starb drei Tage nach seiner Ankunft, es gelang erst 1965 ! , einen neuen Bock zu bekommen, dazwischen wurden nur Weibchen importiert, es war nie ein Bock dabei. Dieser Bock züchtete nicht, also kam 6 Wochen später ein zweiter Bock an, auch dieser züchtete nicht. Erst 1977 gelang die Europaerstzucht. Bis 1985 wurden 10 Kitze geboren, 8 aufgezogen. Alle Kitze stammten von nur einem Weibchen, und von drei Böcken, darunter einem Sohn, der seine eigene Mutter deckte. Ein neuerworbener Bock aus Los Angeles züchtete nur einmal, und starb nach nur 2 Jahren. Nach dessem Tod gab es nur noch Mutter und Tochter, es gelang nicht, einen neuen Bock zu bekommen, die Mutter starb 1987, die Tochter wurde 1988 nach L.A abgegeben. Zwei Nachzuchten gingen an einen Tierhändler und starben dort, zwei Kitze gingen nach L.A, der Rest blieb in Frankfurt und starb nach kurzer Zeit. Die älteste Nachzucht, der Sohn, mit dem später weitergezüchtet wurde, wurde nur 5 Jahre alt. Insgesamt gesehen, keine erfolgreiche Haltung. Hätten mehrere Zoos zur gleichen Zeit mehrere Paare importiert, es könnte heute noch Zebraducker in Europa geben. Ähnlich verlief die Gerenukhaltung, die starb durch Inzucht aus. (12.10.2006, 20:53) | ||
| Shensi-Takin: | Och, auf die verzichten die gerne...;) Im Ernst: leider machen die Ministerien hier wie drüben weitläufigere Tieraustausche leider recht beschwerlich...:( (11.10.2006, 21:13) | ||
| Michael Mettler: | Wie ich hörte, sollen auch Mantelpaviane in US-Zoos zu den Raritäten gehören. Dann mal ran ans Tauschgeschäft... :-) (11.10.2006, 19:52) | ||
| Shensi-Takin: | Ein mir gut bekannter amerikanischer Zooarzt &-fan bemerkte kürzlich scherzend, dass Okapis in den USA inzwischen weitgehend ihre Reputation als zoologisches Kleinod eingebüsst haben-was, wie Mulan richtig sagt, v.a. mit der erfolgreichen Zucht dortzulande zusammenhängt. Kleiner Trost: dagegen herrscht in amerikanischen Zoos zzt. ein Mangel an verfügbaren Zwergseidenäffchen...;) (11.10.2006, 19:24) | ||
| Mulan: | Kein Wunder, irgendwo müssen die Amerikaner ja ihre Okapis unterbringen, denn im Gegensatz zu Europa wächst die Population in Amerika rapide an, es gibt wesentlich mehr Geburten als Todesfälle, die Aufzuchtsquote liegt bei fast 100 %, und es gibt etliche Zoos, wo es jährlich mehrere Kälber gibt ( San Diego WAP, Dallas, White Oak )und viele Zoos, die jährlich mindestens ein Kalb haben. Alle Züchter in den Staaten halten mehrere Paare und was wichtig ist, die Bullen werden regelmäßig im Ring getauscht. In Europa sieht es düster aus, der Bestand stagniert seit etlichen Jahren, Geburten gleichen gerade einmal die Verlsute aus, es gab aber auch Jahre, da gab es mehr Todesfälle als Geburten. Um das zu ändern, gibt es nun die Eep-Auflage, das alle Zoos zwei Paare halten müssen. Auch die Bullen sollen öfter getauscht werden, so wie es jetzt getan wurde. In den USA beginnt jeder Zoo erstmal mit Bullen, ehe der Neuhalter Weibchen erhält. (11.10.2006, 18:37) | ||
| Shensi-Takin: | Apropo USA: dort scheinen Okapis immer mehr fester Bestandteil der Zoowelt zu werden; die meisten der größeren Zoos halten mind. ein Exemplar(z.B. Denver, Miami, Brookesfield, Bronx, Omaha, Cincinnati... usw.). (11.10.2006, 17:05) | ||
| Michael Mettler: | @Stefan: Volle Zustimmung, was den Vorteil des Zulassens natürlicher Vermehrungsrhythmen betrifft. Meine Aussage bezog sich allerdings mehr auf das Quantitative: Zuchtpausen/Leerstandszeiten waren vor Jahrzehnten bei etlichen Tierarten nicht unbedingt gegeben, WEIL die Jungen nicht so lange bei der Mutter blieben bzw. das Vatertier schnellstmöglich wieder hinzu gelassen wurde. (11.10.2006, 13:16) | ||
| Stefan: | @Thomas W: Der "Konkurrenzdruck" ist wohl bei einigen Tierarten ausschlaggebend, so auch beim Breitmaulnashorn. Auch hier haben sich die Zoo-Nachwuchsraten mit dem neuen Biologie-Kenntnisstand erhöht. @Michael Mettler: Die heutige Haltung von mehreren Weibchen und dem Zugestehen der natürlichen Aufzucht-Mutter-Kind-Bindungsphase ist im Vergleich zu früher immerhin artgerecht und hat wiederum entscheidenden Einfluss auf spätere Elternqualitäten der zoogeborenen Nachwuchstiere. Also: M.E. kein ausgeglichener Effekt, sondern wenigstens ein leichtes Plus!:) (11.10.2006, 10:26) | ||
| Thomas W.: | Vielen Dank für Eure ntworten! Also es ist auch eurer Meinung nach keinesfalls so, dass der Giraffenbestand in Zoos sich zwar vermehrt, aber nicht wächst und immer kleiner wird. In den U.S.A. wurde mir erzählt, dass die Zucht von Okapis dort immer besser klappt, da sie auch zwei Männchen halten. Durch den Konkurrenzdruck haben die dann doch Interesse an der Paarung. (11.10.2006, 09:59) | ||
| Michael Mettler: | @Stefan: Der geschilderte Effekt gleicht sich aber dadurch aus, dass man in früheren Zeiten bei manchen Tierarten und in manchen Zoos die Jungtiere wesentlich früher von der Mutter getrennt hat und dadurch eine schnellere Geburtenfolge verzeichnete. Man denke nur an die zeitweise rasanten Vermehrungsraten von Menschenaffen (deren Junge mit der Flasche aufgezogen wurden) oder auch die Elefantenzucht unter Ruhe in Hannover, wo die Kälber teilweise mit nur einem Jahr von den Kühen getrennt wurden (wobei das wohl eher mit Platzgründen zu tun hatte als mit dem Ziel, schneller zu "produzieren"). Somit war das jeweilige Zuchtweibchen wesentlich stärker "ausgelastet" als heute üblich/möglich, unabhängig davon, wieviele weibliche Tiere der Art im Zoo gehalten wurden. (11.10.2006, 09:16) | ||
| Michael Mettler: | Also wenn sich Okapis "langsam etablieren", dann sind doch 60 Jahre Zoohaltung eine verdammt lange Anlaufzeit dafür??? Bei anderen Tierarten hätte es in diesem Forum unter ähnlichen Voraussetzungen längst geheißen, man solle sie lieber gar nicht mehr in Zoos halten. Zwar richtet sich mein Zoo-Hauptinteresse nur auf einen kleinen Teil Europas, aber trotzdem habe ich nicht den Eindruck, dass die Okapi-Population in letzter Zeit "explodiert" ist bzw. in ihrer Wachstumsrate dem Vermehrungspotenzial eines Huftieres dieses Kalibers entspricht. Falls ich mich täusche, korrigiert mich bitte, interessiert mich wirklich! (11.10.2006, 09:01) | ||
| Stefan: | @Dortmunder: Safari und Epulu haben in Frankfurt laut Angaben eines älteren Zooführers "nur" achtmal Nachwuchs gehabt (das ganze in der Zeit von 1960 bis 1975). Zum Thema: Außer vermehrten Haltungserfahrungen und verbesserten Austauschbeziehungen dürfte auch EINE wichtige Tatsache maßgebend zum gesteigerten Nachzuchterfolg bei ehemals schwierigen/heiklen Pfleglingen beigetragen haben: Viele Zoos halten nämlich nicht mehr nur das früher klassische Zuchtpaar (1 Männchen, 1 Weibchen). Durch die Haltung von mindestens zwei Zuchtweibchen (z.B. EEP-Auflage für Okapi-Haltungen) können die (Sorry, jetzt wird`s ökonomisch) Tier-Ressourcen besser genutzt werden und längere Zuchtpausen/Leerstandszeiten (z.B. Mutter-Kind-Bindung bis zur Entwöhnung) erheblich verkürzt werden. So kommt es auch, dass ehemalige Sondermeldungen wie die Geburt eines Panzernashorns in immer kürzer werdenden Abständen vermeldet werden können. Beispiele: Doppelgeburten Basel und Tierpark Berlin 2004 (letzterer legte mit Saathi 2005 gleich noch einmal nach). Um wieder zu den Okapis zurück zu kommen: Auch hier gab es spektakuläre Doppel in Rotterdam und Stuttgart 2005. (11.10.2006, 08:51) | ||
| Dortmunder: | Oh, es geht mal um Okapis... *freu* Also, der Bestand entwickelt sich langsam aber sicher... Anfangs (und damit meine ich noch meine Kindheit), musste ich nach Frankfurt fahren, um mal ein Paar Okapis, bzw. die einzige Zuchtgruppe Deutschlands zu sehen... Zwar gabe es immer wieder Einzeltiere (Duisburg, Leipzig, beide Berliner Parks), aber gezüchtet hat wohl immer nur Grzimek in Frankfurt (mit Epulu und Safari, die, glaub ich 12 Kälber bekommen hat)... Grade als Frankfurt eine Zuchtpause hatte, bekamen auch andere deutsche Zoos Tiere (die vorher erwähnten Einzeltiere waren da schon lange wieder tot). Mittlerweile hat sich ein relativ konstanter Zuchtstamm gebildet... Von den Zoohaltungen in den letzten 10 Jahren ist nur München (1996) wieder erloschen... Dafür gibt es momentan Okapis in Frankfurt (Zucht), Stuttgart (Zucht), Köln (Zucht), Berlin (Zucht), Wuppertal (mal abwarten) und Leipzig (Einzeltier). Zwar sind Okapis immer noch schwierige Pfleglinge, die sehr sensibel auf Krankheitserreger und Stress reagieren, aber die Haltung etabliert sich so langsam... Die Okapis scheinen sich langsam als Zootiere zu bewähren, was man von manchen anderen Arten ja leider immer noch nicht behaupten kann... (11.10.2006, 08:21) | ||
| Mulan: | @Thomas W. Mittlerweile hat die Wihelma längst einen neuen Giraffenbestand mit Jungtieren aus anderen Zoos aufgebaut. Der Vergleich mit den Okapis hinkt, in Stuttgart wurden erst 5 Okapis geboren, nur eines davon starb ein paar Wochen später. Dem stehen aber fast 40 aufgezogene Netzgiraffen gegenüber. (11.10.2006, 06:34) | ||
| Mulan: | @Thomas W. Mittlerweile hat die Wihelma längst einen neuen Giraffenbestand mit Jungtieren aus anderen Zoos aufgebaut. Der Vergleich mit den Okapis hinkt, in Stuttgart wurden erst 5 Okapis geboren, nur eines davon starb ein paar Wochen später. Dem stehen aber fast 40 aufgezogene Netzgiraffen gegenüber. (11.10.2006, 06:34) | ||
| Thomas W.: | Ich kann auch nicht so viel dazu beitragen, aber um auch gleichmal eine Frage loszuwerden: in der Wilhelma wurde mir erzählt, das der Giraffenbestand immernoch von Exporten aus den 60ern zehrt, also mittlerweile Zucht- und Überlebensrate bei Nachzuchttieren bei Okapis größer ist als bei Giraffen. Ich konnte dies auch kaum glauben... (11.10.2006, 00:32) | ||
| Saya: | Ich kann zwar nicht viel dazu beitragen, finde das Thema aber sehr interessant, danke für die Eröffnung! (10.10.2006, 19:46) | ||
| Michael Mettler: | Nachdem wir in jüngster Zeit gleich in mehreren Threads und bei mehreren Tierarten das Thema hatten, ob man die Zoohaltung und -zucht über die Jahre hinweg als erfolgreich oder als nicht erfolgreich werten kann (z.B. Nasenaffe, Fingertier, Gabelbock) und solche Gedanken auch schon früher mal Thema waren (z.B. See-Elefant, Erdwolf, Klippspringer, Zebraducker), ist es doch an der Zeit, einen eigenen Thread dafür zu eröffnen. Frage an die Spezialisten bezüglich dieser Tierarten: Wie sieht denn nach rund 60 (?) Jahren Zoohaltung die Bilanz beim Okapi aus? Oder - da kenne ich den Zeitraum nicht - beim Hirscheber? (10.10.2006, 19:39) |
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