
| ulli: | Hallo zooinsider: Wie würde mein Geozoo aussehen ? Dies geht wieder sehr Richtung Eure Planung, deshalb stelle ich diesen Beitrag zusätzlich auch dort hinein. Zunächst ist der Neubau eines weiteren Großzoos sicher nicht unbedingt sinnvoll. Die dort aufgewendeten Mittel sind für den unmittelbaren Arten- und Biotopschutz vor Ort besser angelegt. Nach dieser Vorbemerkung zum Thema: Ich bin von Haus aus gar nicht speziell festgelegt, es muss sich bei der Besichtigung eines Geländes jeweils ergeben. Man muss dabei stark von den örtlichen Gegebenheiten ausgehen, insofern ist eine pauschale Planung eigentlich unsinnig. Die erste Frage ist natürlich die Größe und die Beschaffenheit des Areals an sich. Bei weniger als 5 ha braucht man z.B. eine Elefantenanlage gar nicht erst in Erwägung ziehen es sei denn man gibt sich konkret mit diesem Schwerpunkt zufrieden und ergänzt es beispielsweise nur um ein Haustiergehege oder bei Asiatischen Elefanten um ein Tropenhaus. Wenn man ein waldnahes Terrain hat, bieten sich Waldbewohner an. Andererseits ist man in Hinblick auf Huftiere eingeschränkt. Wenn man nahe am Gewässer liegt, bietet sich ein Schwerpunkt Wassertiere an. In Salzburg, Halle oder Bern ist die Schwerpunktsetzung auf Gebirgstiere aufgrund des Areals geradezu offensichtlich geboten. Dabei muss man sich von vornherein gar nicht nur auf ausgefallene Arten stürzen. Zunächst würde ich (Alpen-) Steinbock, Gämse, zwei bis drei weitere Gebirgswiederkäuerarten, Murmeltier, Lama, Jak, Schneeleopard, Puma, Luchs, Wolf und Bär auswählen. Darüber hinaus gibt es Traditionen, sei es in der Tierhaltung eines Zoos selbst oder in der Tradition der Stadt aufgrund der Historie, aufgrund von Handelsbeziehungen oder aufgrund von Städtepartnerschaften. Bären im Zoo Berlin sind zwingend, der Zoo Duisburg erhielt den Chinesischen Garten als Geschenk der Stadt Wuhan. Auch hieran hat sich die Planung zu orientieren. In Hamburg keine Robben zu halten, wäre in meinen Augen ebenso grotesk. Manchmal gibt es auch Sponsoren, die bestimmte Schwerpunkte sich wünschen. In Osnabrück ist es beispielsweise die Karmann-Stiftung mit der ausschließlichen Förderung für Südamerika, das Ehepaar Heinemann hat seine Stiftung von der Giraffen-Haltung abhängig gemacht. Hieraus ergeben sich auch für den gesamten restlichen Zoo Leitlinien. Osnabrück wird z.B. auf lange Sicht nie ein Zoo mit Schwerpunkt Asien werden können. Darüber hinaus muss man sehen, welche Zoos in der Nachbarschaft Zoos liegen. Im Ruhrgebiet muss man ein klares Profil bieten; in Gebieten, wo ein Zoo räumlich weit entfernt von anderen großen Zoos liegt, ist ein größeres Spektrum an Großtieren seitens der Besucher erwünscht so wird man vielleicht aufgrund der Erwartungshaltung vieler Besucher nach spektakulären Arten wie Giraffe, Zebra, Nashorn oder Elefant schnell auf die Afrika-Savanne kommen. Die Größe einer Stadt spielt eine große Rolle. Kleinere Städte müssen mit geringeren Besucherzahlen kalkulieren dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Auswahl des Tierbestandes. Wenn man hier beispielsweise Elefanten halten will, sind von vornherein finanzielle Ressourcen für andere Großprojekte eingeschränkt. In einer kleineren Stadt (um die 50.000 Einwohner) bietet sich ein Querschnitt durch die Vielfalt der Haustierhaltung an (Südamerika Lama / Zentralasien Jak und Trampeltier / Europa beispielsweise durch Ungarn oder die Alpen oder Nordskandinavien oder Schottland / Afrika mit Watussirind, Schwarzkopfschaf und Zwergziege / Südostasien ) in einer Großstadt kann dies aufgrund einer dort anders gearteten Erwartungshaltung schwerlich ein Hauptschwerpunkt sein. Natürlich habe auch ich Vorlieben, die sich aus meiner persönlichen Prägung ergeben. Ich bevorzuge hinsichtlich der Kontinente eher Afrika und Südamerika als Asien oder Nordamerika, bei den Klimazonen in Afrika eher den Regenwald als die Savanne oder gar die Wüste, bei Gewässern bevorzuge ich eher Fluss-, Teich- und Sumpf-Landschaften als das Meer, bei den Arten eher Affen als Antilopen. Hieraus ergeben sich auch bei mir Wunschvorstellungen, die ich gerne berücksichtigt sähe, wobei ich mich bei der konkreten Artenbenennung bewusst zurückhalte: - eine begrünte Freianlage für Großkatzen, ergänzt um einen Abenteuerpfad (z.B. Hagenbeck) - eine naturnahe Großbärenanlage - wenn es von der Schwerpunktsetzung her passt: eine große Wolfanlage mit einer höher gelegenen Besucherplattform - wenn es das Areal von der Fläche hergibt (rund zehntausend qm aufwärts ): Elefanten inklusive einem begehbarem Haus mit einer Informationsabteilung (wie z.B. in Münster) - mindestens eine begehbare Affenanlage (Katta oder Totenkopfäffchen oder Guereza oder Berberaffe) - mindestens eine Inselanlage für Affen mit Holzsteg und Sumpfbiotop - (mindestens) eine Menschenaffenart inklusive Haus mit einer Informationsabteilung (z.B. Fähigkeiten und Intelligenz (auch mit interaktiven Spielen), Biotop, Gefährdung usw.) - mehrere begehbare Vogelanlagen( eventuell auch Volieren), denkbar sind Störche, Reiher, Limikolen, Eulen oder Loris (nicht zwingend alle) - eine Freiflughalle mit klarem geographischen Schwerpunkt (es muss wirklich keine gigantische Halle wie in Arnhem oder Zürich werden ! damit wären in jedem Zoo die finanziellen Ressourcen ohne edlen Spender erschöpft) - ein weiteres Winterhaus (oder kombiniert mit der Freiflughalle) mit getrennten Anlagen sowie einer Schwerpunktsetzung (egal ob Biotop-Volieren, Affen, Kleinsäuger, Reptilien). Persönlich würde ich einen prägnanten geographischen Schwerpunkt (z.B. Insel) setzen in der Tierauswahl demnach ein breites Spektrum von Tierstämmen und Wirbeltierklassen bevorzugen. Außerdem soll man sich hier auf gefährdete Arten im Bereich des EEP konzentrieren. Nach den Erfahrungen von Zoodirektoren sollen es nicht weniger als vier (wie,dies ist schon alles) und nicht mehr als acht größere Anlagen (Ermüdungsfaktor) sein. - eine Höhle oder Grotte mit Fledermäusen oder einen unterirdischen Zoo wie demnächst in Osnabrück - die üblichen Verdächtigen (siehe den Thread kann sie nicht mehr sehen) : Stachelschweine, Präriehunde, Erdmännchen, Nasenbären, Otter (möglichst Zwergotter) - optional ein Aquarium (möglichst mit mehreren Biotopaquarien und Ufervegetation) mit Cafe direkt an der Zoogrenze, das man auch abends besichtigen kann angegliedert kann auch eine Krokodilhalle sein - ein großer Streichelbereich . - ein Abenteuerspielplatz - eine Zooschule und (!) - jeder Zoo soll sich zu mindestens einem Natur- oder Artenschutzprogramm verpflichten alles weitere ergibt sich. Bei der Gestaltung würde ich eine zurückhaltende Architektur bevorzugen ( eventuell auch in den Boden abgesenkt) nur wenn sich aus der Topographie (beispielsweise Hang oder Seeufer) eine exponierte Lage ergeben sollte, kann man auch architektonische Akzente setzen (denke hier z.B. an das Regenwaldhaus Hannover). Die Wegführung soll leicht gewunden sein, Stolperfallen auf den Wegen sind möglichst zu vermeiden, es sei denn auf extra ausgewiesen Abenteuerpfaden als Stilmittel beispielsweise bei Großkatzen oder Affenanlagen. Bei den Tiergehegen soll eine Einbindung von Elementen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes erfolgen: bei Haustieren in Hinsicht der Stallgestaltung, bei den Umzäunungen, in der Bepflanzung, gegebenenfalls auch durch Kulturgegenstände der Region (soweit verfügbar). Hier fand ich persönlich den Afrika-Gral in Gelsenkirchen gelungen. und bitte keine Mätzchen wie kaputte Landrover (höchstens auf dem Spielplatz), zerrissene Fallschirme, Adventure-Kinos oder Möchtegern-Forschungsstationen, wo ernsthafte Wissenschaftler Lachanfälle bekommen und bitte keine Delphinarien oder auch Walrösser, Klappmützen, See-Leoparden , schon gar nicht im Binnenland ... Bei der Gelegenheit fallen mir auch Pamirschafe ein Es gibt Arten, da soll der Ehrgeiz nach Ausgefallenem ruhen. Lasst die Tiere wo sie sind und rettet dort lieber ihr Überleben. (28.09.2006, 11:46) | ||
| ulli: | Es sind zweifelsfrei Hasen - Kaninchen sind in der Gegend eher die Ausnahme. (28.09.2006, 09:04) | ||
| ulli: | Ich fahre morgens mit dem Bus nach Hannover zur Arbeit. Dabei führt der Weg lange Zeit durch die Feldmark und ein Waldstück. Im Sommer ist die Beobachtung durch das hochstehende Korn zweifelsohne sehr eingeschränkt. Es gibt bei uns zwei Rudel Rehe, mindestens eins kann man immer sehen. Die Hasen sind sicher keinetägliche Begegnungen. Mäusebussarde sieht man ständig, Fasane relativ selten, einen Fuchs so gut wie nie - dieses ist meine persönliche Bestandsaufnahme. (28.09.2006, 09:00) | ||
| Johannes Pfleiderer: | Zum Thema Feldhasenhaltung. Der Tierpark Lange Erlen in Basel hält und züchtet Feldhasen in seiner Fasanerie. (27.09.2006, 20:50) | ||
| Jennifer Weilguni: | Danke für die Info mit Dortmund, auch wenn wir hier auf dem Land leben, ist es doch eher selten, dass mir Rehe oder gar Feldhasen über den Weg laufen. Zu dem Thema mit den Hasen und den Kaninchen könnte man eigentlich auch einen eigenen Thread aufmachen "Zoologische Fauxpas", denn leider kennen manchmal nicht einmal die Tierparks selber den Unterschied und bieten da ungeniert ihre "Hasen" den Kindern zum Streicheln an *kopfschüttel* (27.09.2006, 18:21) | ||
| zooinsider: | würde gerne planung ihres eigenen geozoos sehen (27.09.2006, 15:21) | ||
| Michael Mettler: | @ulli: Leider haben nicht viele Menschen das Glück, jederzeit frei lebende Rehe und Hasen sehen zu können - oder nur als braune Punkte in der Ferne. Die meisten Mitmenschen dürften Reh und Hase nur als Braten, als überfahrenes Straßenopfer oder - im schlechtesten Fall - als plötzlich im Lichtkegel ihres Autos auftauchendes Schreckobjekt kennen. Ist schließlich kein Wunder, dass es noch immer nicht zum Allgemeinwissen zählt, dass Hase und Kaninchen nicht das Selbe sind und das Reh nicht die Frau vom Hirsch ist. Zoos (und Wildparks) sind dazu da, eine Mensch-Tier-Begegnung zu ermöglichen - womit ich beim Großteil der gehaltenen Arten nicht körperlichen Kontakt meine. Also macht es Sinn, auch Rehe und Hasen zu halten. Das "Gefährdungspotenzial für die Besucher" lässt sich durch eine entsprechende Abgrenzung umgehen, macht man schließlich bei anderen Tierarten auch, oder? (27.09.2006, 14:02) | ||
| ulli: | ... Geweihstangen ... (27.09.2006, 12:02) | ||
| ulli: | und Rehe sind nicht weniger heikel - sowohl was die Pflege selbst als auch das Gefährdungspotential für Besucher betrifft. Man geht zum Rehbock - ach wie süss - und zack kommen die Gehörnstangen ... Rehe und Hasen sehe ich jeden Morgen beim Weg zur Arbeit - und ehrlich gesagt finde ich sie im Freiland beeindruckender als hinter Maschendrahtzaun. (27.09.2006, 12:02) | ||
| ulli: | Hasen sind so ziemlich die am schwierigsten zu haltenden Tiere unter Zoobedingungen überhaupt. (27.09.2006, 11:50) | ||
| Dortmunder: | Also, soweit ich weiß, sind durchaus noch Hasen mit auf der Rehwiese in Dortmund und auch die Kraniche sind noch da und brüten sehr erfolgreich... Rehe sind ja ohnehin eine Dortmunder Spezialität, auf die leider nur nicht besonders geachtet wird... (27.09.2006, 11:44) | ||
| Michael Mettler: | Reh/Feldhase (plus Europäischer Kranich)war doch eine langjährige, traditionelle Kombi in Dortmund. Hat Dortmund denn die Hasenhaltung aufgegeben? War länger nicht dort. (27.09.2006, 11:32) | ||
| Jennifer Weilguni: | @ Dortmunder Die Kombi fände ich alleine schon deshalb interessant, weil ich persönlich keinen einzigen Zoo kenne, der feldhasen hält. Kennt hier jemand so einen Zoo ? Und auch Rehe sind ja in Zoos eher selten zu sehen, meistens werden ja eher Mesopotamische Damhirsche gezeigt, die Haltung von Rehen in Gefangenschaft ist wohl ein heikles Thema. (27.09.2006, 11:25) | ||
| Johannes Pfleiderer: | Die Bongos in den zentral- und westafrikanischen Gehegekomplexen ließen sich durch Sitatungas ersetzen. Die sind zwar nicht ganz so imposant, aber auch eine schöne Antilopenart. Außerdem wäre es hinsichtlich der jüngsten Bestandsentwicklung beider Formen in deutschen Zoos sehr ratsam. (27.09.2006, 10:18) | ||
| Dortmunder: | Dann plädiere ich mal für einen Europazoo... Rehe und Feldhasen sind ja z. B. eine gute Kombi, bei der man nicht zwingend auf Unterarten achten muss, oder täusche ich mich da ? (27.09.2006, 10:05) | ||
| Michael Mettler: | @?: Die Unterarten "passen" nicht. Zum Böhmzebra würde das Östliche oder Westliche Weißbartgnu passen, zum Südlichen Streifengnu (das in Münster gehalten wird) wäre das Damara- oder das Chapmanzebra "richtig". Wenn man denn puristisch sein wollte. (26.09.2006, 19:23) | ||
| ?: | Was ist denn an der Vergesellschaftung Streifengnu und böhmzebra so falsch ? Streifengnus leben doch auch in der natur mit Böhmzebras zusammen ? (26.09.2006, 18:32) | ||
| Michael Mettler: | @Ulli: Na eben. Deshalb sehe ich das auch heute nicht mehr so eng. Ist doch wie mit dem halb vollen und halb leeren Glas: Ich kann mich vor das Münsteraner Afrikapanorama stellen und mich freuen, dort Streifengnus zu sehen - oder mich ärgern, dass sie unpassenderweise mit Böhmzebras vergesellschaftet sind. Da freue ich mich lieber.... Übrigens GIBT es bereits (angesiedelte)Südliche Breitmaulnashörner in Ostafrika - z.B. im Meru-Nationalpark. Nicht weit entfernt von den Bongos :-) (26.09.2006, 17:24) | ||
| Ulli: | Michael - vielleicht zum Trost: So gravierend ist das Problem mit den Breitmaulnashörnern nicht. Das Nördliche Breitmaulnashorn, inzwischen wohl ausgestorben, hat ja in Ostafrika gelebt. Wenn man ausdrücklich darauf hinweist, dass die südliche Unterart quasi als Stellvertreter in Ermangelung der anderen Art fungiert, kann man in dem Zuge gleich auf die Problematik des Artenschwundes hinweisen. Und gleich noch eine ketzerische Bemerkung hinterher: eine Auswilderung der südlichen Unterart in das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der nördlichen Unterart halte ich persönlich für keine große Verfälschung der Fauna. Zu den Bongos: Sie haben ein gewisses Spektrum von möglichen besiedelbaren Lebensräumen. Sie sind darüber hinaus nun einmal typische (!) Vertreter für eine west- und zentralafrikanische Regenwaldfauna. Das in Europa rein zufällig nur die ostafrikanischen Vertreter sind, ist mir an dieser Stelle ziemlich egal. Wenn man die Tiere dieser Unterart im zentralafrikanischen Regenwald aussetzen würde, kämen sie auch dort klar und würden wohl auch keine Verdrängung der ursprünglichen Unterart betreiben, falls man dies überhaupt registrieren könnte. Wenn in Europa als Nebeneffekt die seltenere Unterart (im vermeintlich falschen Biotop) erhalten wird, ist dies doch erfreulich. Sicherlich ist auf einer Informationstafel auch ein Bild von Löwe und Bongo im kenianischen Hochland geboten - zunächst als Aha-Effekt, um dann im zweiten Schritt auf die Mannigfaltigkeit der Lebensräume und die Anpassungsfähigkeit auch des Bongos an sich und im Allgemeinen hinzuweisen. So einfach lassen sich manchmal "Probleme" lösen. Ansonsten halte ich es an dieser Stelle mit dem Spruch von Prof. Dittrich: Wie mache ich aus drei Tieren vier Unterarten. Problematisch wird die Sache erst, wenn es zu tatsächlichen Verdrängungen von Arten kommt: wie beim Europäischen Nerz durch den amerikanischen Mink oder beim Eichhörnchen durch das Grauhörnchen. Ansonsten sehe ich mich eher als Anhänger von ökologischen Zusammenhängen. In dem Zusammenhang habe ich nur darauf hingewiesen, dass man die jeweilige Botanik nicht ganz außer Betracht lassen soll. Insofern war die Konzentration des Regenwaldhauses in Hannover auf einen speziellen Lebensraum im brasilianischen Küstenbergland wenigstens in botanischer Hinsicht konsequent. Was von diesem Ansatz nach der Umgestaltung zu Sea-Life davon übrig bleibt, muss man abwarten. Übrigens waren sie bei der Tierauswahl nicht ganz so konsequent hat mich nicht weiter gestört. Ein Tukan- oder Tangarenvertreter ist auch dort heimisch. Fazit: Zur Vermittlung von Ökozusammenhängen kann es durchaus erlaubt sein, auf Stellvertreter zurückzugreifen - um auch die Zwergagutis und Krallenaffen in die Argumentation mit einzubeziehen. (26.09.2006, 17:10) | ||
| Michael Mettler: | @Sacha Beuth: Langsam muss ich wohl vom Zoo Hannover PR-Provision verlangen :-) @Ulli + Johannes Pfleiderer: In Sachen Geo-Purismus kämpfen zwei Seelen in meiner Brust. Meinem zoologischen Interesse entsprechend rümpfe ich über die eine oder andere Vergesellschaftung oder Benachbarung in Geo-Gehegen bzw. -parkteilen ebenfalls die Nase; meine Lieblings-Feindbilder sind Säbelantilopen auf Afrika-Savannen und Südamerika-Anlagen mit allem, was Urwald, Pampa und Andenhochland hergeben. Andererseits lerne ich auch immer mehr die Probleme zu sehen, welche die Zoos mit puristischem Tierbesatz hätten, ohne dass es von den Besuchern honoriert würde. Eine Tiergemeinschaft wie auf der Emmener Afrika-Savanne wäre z.B. unter puristischen Gesichtspunkten in der Praxis kaum umsetzbar. Mit den südlichen Breitmaulnashörnern wäre man auf KwaZulu-Natal als Thema festgelegt, da sie nicht durch andere Nashörner zu ersetzen wären. Dazu bräuchte es aber Kapgiraffen - woher nehmen? Die Böhmzebras wären fehl am Platz - aber welcher Systematik folgt man, um sie gegen die "richtige" Unterart auszutauschen? Je nach Systematiker zählen die Steppenzebras vor Ort zu einer eigenen Unterart wahlbergi (Zululand-Zebra), zum Chapman-, zum Damara- oder zum Burchellzebra, welches wiederum nach neuester Ansicht Damara- und Zululand-Zebra beinhalten soll. Und nun? Seltsamerweise wird der Bongo in Planungen gern für zentral- bzw. westafrikanische Themenkomplexe eingesetzt. Nun gehören sämtliche Zoo-Bongos Europas zur kenianischen Hochlandform isaaci, in deren Lebensraum keine Gorillas oder Zwergflusspferde vorkommen, dagegen aber z.B. Löwen, Savannenbüffel und Savannenelefanten... Okapis und Rotducker, Flachlandgorillas und Kikuyu-Guerezas, Dscheladas und Mähnenspringer begegnen sich nirgends in freier Wildbahn, das müsste man dann alles umbesetzen. Und welche Krallenäffchenart(en) mit Zwergagutis stimmig wäre(n), müsste man dann auch mal überprüfen - habe ich noch nicht getan, da kommt man doch schnell vom Hundertsten ins Tausendste. Von Unterartbastarden bei vielen Zootierarten (ich sage nur Elenantilope oder Blauhalsstrauß) ganz zu schweigen.... (26.09.2006, 15:35) | ||
| Johannes Pfleiderer: | Ich wäre auch eher für Häuser wie das Südamerikahaus in Zürich, in denen in mittelgroßen Volieren/Vitrinen Vögel und Kleinsaüger aus einem normalen Besucherraum heraus betrachtet werden können. Da könnte man z.B. für Indonesien pro Insel ein oder zwei mit kleinen und mittelgroßen Arten besetzen, abgerundet mit einer Freiflughalle, z.B. mit Vögeln von Neuguinea. Da wäre das Verfügbarkeitsproblem ausgeräumt (allerdings sind zumindest von Borneo und Sumatra genug Arten für ein Haus realtiv gut verfügbar) und man könnte v.a. die Vögel besser zu Gesicht bekommen als in einer Riesenhalle wie dem Masoala-Regenwald. (26.09.2006, 15:34) | ||
| Ulli: | Die Ausführungen von Johannes sind zweifellos richtig. Nur kann man leider auch hier an schnell an Grenzen stoßen. Wenn man z.B. die Tierwelt einer Insel wie Java oder Sulawesi im Zoo präsentieren möchte, kann es eventuell zu Schwierigkeiten in der Beschaffung von Tieren kommen. Manche der von Johannes genannten Arten sind keine Massenware Importe sollen bestenfalls eine Ausnahme bilden. Bei Gemeinschaftshaltungen speziell im Vogelbereich muss man auf Verträglichkeiten achten. So steht man manchmal vor der Entscheidung, nur selektiv Arten dieser Region präsentieren zu können (diese aber möglichst naturnah in seinem Ersatzbiotop sowie mit einer informativen Präsentation hinsichtlich seiner Einbindung innerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes) unter Verzicht auf eventuell prägende Arten dieser Region sowie Verzicht auf die Präsentation der natürlichen Nahrungskette oder aber auf eine verwandte, geographisch aber nicht ganz korrekte Unterart ausweichen zu müssen. Ein Normalbesucher merkt dies selten, ein Zooexperte schon sehr schnell. Ein zweites Problem ist auch die botanische Gestaltung solcher Biotop-Häuser. Möchte man ein möglichst realistisches Abbild der anzutreffenden Botanik und der Landschaftsform zeigen, verbietet sich oft die Haltung großer Arten wenn man diese Arten halten will, ist es sofort, auch für den Laien erkennbar, eine offensichtliche Ersatzlandschaft und die Vermittlung von biologischen Bezügen gerade auch zwischen Tier und Pflanze wird erschwert. Was große Huftieranlagen und deren Besetzung nach geographischen Gesichtspunkten betrifft, so hat zumindest Osnabrück bei seiner Artenauswahl für Samburu hierauf weitgehend geachtet (die Strauße sind, glaube ich, in der Unterart nicht ganz korrekt) in Hannover kann man sicher bei Sambesi und Mendesantilope die Nase rümpfen beide haben soviel miteinander zu tun wie Spanien mit Skandinavien. Aber soll Hannover deshalb ernsthaft auf die Mendesantilopen verzichten oder an anderer Stelle eine neue Anlage errichten wenn überhaupt bei den Dromedaren ? Nebenbei sind große Eichen in einem Wüstenbiotop mit künstlichen Sicheldünen auch nicht unbedingt passend soll man diese Eichen umhauen ? Ansonsten gebe ich Johannes recht. Man soll sich lieber auf kleinräumigere Regionen konzentrieren die Masoala-Regenwaldhalle in Zürich liegt mir konzeptionell näher als BurgersBush in Arnhem. (26.09.2006, 13:14) | ||
| Sacha Beuth: | @Michael Mettler: Sind im grossen und ganzen meine Worte (siehe "schautechnisch"). Und wenn man München mit Schnickschnack etwas "aufpeppt", dann hätte es auch dort der Besucher einfacher zu erkennen, wann er eine neue Geozone betritt. Jedenfalls dort, wo das noch möglich ist (funktioniert z.B. beim Schildkrötenhaus nicht). Uebrigens finde ich es wieder verblüffend, wie Du die Gelegenheit genutzt hast, den Erlebniszoo Hannover ins Sonnenlicht zu rücken (schmunzel). (26.09.2006, 12:35) | ||
| Johannes Pfleiderer: | Wenn man einen Zoo nach dem Geozooprinzip , das auch ich für das beste halte, plant und baut, sollte man allerdings nicht nur Tiere eines Kontinents in einem Gehegekomplex halten, sondern wirklich Tiere, die nebeneinander in der Natur vorkommen. Im unten erwähnten "Indonesien"-Haus in Rotterdam werden südchinesische Goldkatzen, philippinische Prinz-Alfred-Hirsche, javanische Languren und Bantengs, Hirscheber von Sulawesi und indische Hirschziegenantilopen gehalten - so stelle ich mir einen Geozoo nicht vor. Wenn, dann sollte man ein Sulawesihaus mit Hirschebern, Anoas und Schopfmakaken oder ein Javahaus mit Bantengs, Silbergibbons und Kappenlanguren bauen. Gleiches gilt für die zahlreichen neuen Savannengehege, die Arten aus allen möglichen Regionen Afrikas vergesellschaften, obwohl genug (Unter-)Arten aus einer Region verfügbar wären. (26.09.2006, 12:21) | ||
| Ulli: | Ich habe mal versuchsweise durchgespielt, wie man einen Zoo für einen einzigen Kontinent und dessen spezielle einzelnen Lebensräume errichten kann. Für Europa gibt es die Umsetzung ja bereits in einer Vielzahl von Heimattiergärten und Wildparks. Asien bietet die größte Spannbreite an Wirbeltierarten aufgrund der Vielzahl von Geozonen, Afrika würde sicher die spektakulärsten Arten bieten, Amerika hat zwar die größte geographische Breite auf dem Globus, hinsichtlich der Gestaltung würde aber manche Großtierart fehlen. Australien, die Polargebiete und die Meere würden sehr schnell zu Spezialzoos. Im übrigen ist Nürnberg hinsichtlich der Schwerpunktsetzung und Verteilung seiner Anlagen auch ein Gedozoo, nur halt hinsichtlich der verschiedenen Klimazonen. (26.09.2006, 11:58) | ||
| Michael Mettler: | @Sacha Beuth: Kommt darauf an, WAS man didaktisch rüberbringen will. Der Aquazoo Düsseldorf legt z.B. extrem viel Wert auf Didaktik, benutzt aber dazu nicht das Geo-Konzept, sondern Themenbereiche wie Lebensraum Wüste, unterschiedliche Körperformen von Fischen als Anpassung an ihre Lebensweise usw. Ein Konzept, das mir persönlich gut gefällt und problemlos auch auf Großtiere übertragbar wäre. Die Bedrohung des Lebensraumes Regenwald ließe sich z.B. auch dann übermitteln, wenn im selben Tropenhaus Orangs, Meerkatzen und Krallenäffchen gezeigt würden. Münster folgt z.B. einem Themenwelten-Konzept, das nicht auf Geo basiert. Ich könnte mir vorstellen, dass die momentane Hinwendung der Zoos (vor allem der Erlebniszoos) zum Geokonzept nicht nur didaktische Gründe hat - und "just for fun" macht kein Zoo eine derart aufwändige und kostenspielige Planung. Man achte auf das Drumherum, welches ja zur Steigerung der Besucherzahlen und damit der Einnahmen erheblich beigetragen hat: Paläste, Lodges usw. bringen eben mehr "Feeling", wenn sie landes- oder auch nur kontinenttypisch zuzuordnen sind. Der Besucher soll sich ja z.B. "wie in Afrika" fühlen (bzw. in etwas, was so aussieht, wie er sich Afrika vorstellt). Eine solche Illusion ist schwieriger darzustellen, wenn man z.B. Rote Riesenkängurus neben Säbelantilopen präsentieren würde, weil sich beide Arten an das Leben in Wüsten und Halbwüsten angepasst haben. So gesehen hat das Geokonzept vielleicht auch einen umsatzfördernden Vorteil. Nur muss das Prinzip auch für den Besucher zu verstehen sein, d.h. er sollte auch MERKEN, wenn er einen "Kontinent" verlässt und einen anderen betritt. DAS vermitteln neuere Geozoos wie Hannover oder Gelsenkirchen wesentlich deutlicher als der Ur-Geozoo München. (26.09.2006, 11:45) | ||
| Ulli: | Ich möchte meinen ersten Beitrag zum Geozoo um eine Bemerkung noch ergänzen. Ganz neue große Zoos, auch Geozoos, sind in Deutschland nicht erforderlich. In der vorhandenen Zooinfrastruktur lassen sich viele Ideen speziell zu Geo-Konzepten gut umsetzen (auch wenn die Idee des Raubtierzoos aus Arterhaltungsgründen durchaus reizvoll ist). Ich komme auf diese Ergänzung deshalb, weil beispielsweise immer wieder der Neubau eines Frankfurter Außenzoos in die Diskussion rückt. Hierzu muss ich kategorisch nein zu sagen, man soll sich mit Kronberg auf eine Kooperation verständigen, gerade auch in Hinblick auf eine dort mögliche Elefanten- und Nashornhaltung, die in Frankfurt selbst schwierig ist.(Dies gilt in gleicher Weise für Frankfurt und Darmstadt hinsichtlich kleinerer Säugetiere, Terrarien- und Aquarientiere). Wie ich in einem anderen Beitrag zu Erfurt schon gesagt habe: Von dem Geld, was in Deutschland in Zoos in nur einem Jahr verbaut wird, kann man in Afrika oder Asien für Jahrzehnte Artenschutz betreiben. (Im Übrigen verweise ich auf meine dortigen Aussagen) Der beste Arten- und Naturschutz lässt sich vor Ort selbst realisieren. (26.09.2006, 11:32) | ||
| Stefan Schubert: | Ganz meiner Meinung! In einem Geo-Zoo lassen sich Zusammenhänge und Anpassungen in und an der Natur nicht nur pädagogisch besser veranschaulichen als im herkömmlichen "Artenzoo", sondern vor allem auch auf deren Bedrohung besser hinweisen! Interessant finde ich dabei auch ethnologische Zusammenhänge der heimischen Bevölkerung im Leben in und von der Natur, wenngleich die eine oder andere "Negerhütte" noch eher der Staffage dient. Doch Ansätze hierfür sehe ich beispielsweise in Rotterdam mit den indonesischen Häusern oder der Afrika-Gral in Gelsenkirchen zur Präsentation von Haustieren. Insgesamt ist dieser Punkt noch ausbaufähig! (26.09.2006, 11:26) | ||
| Sacha Beuth: | Kann mich Ulli und Swonarew nur anschliessen. Aus didaktischer Sicht ist ein Geozoo sowieso das Beste. Und auch schautechnisch kann man mit einer "Afrika-Erlebniswelt" mehr erreichen als mit einem "Raubkatzenhaus" (was wohlgemerkt nichts über deren Qualität aussagen muss) (26.09.2006, 10:33) | ||
| Ulli: | Kurz und bündig: Geozoo - wenn auch nicht alle Lebensräume und Kontinente in einem Zoo gleichzeitig. Außerdem muss es sich den örtlichen Gegebenheiten anpassen: In waldnahen Gebieten sind in erster Linie geographische Waldregionen angebracht, an der Küste Meeresbewohner, an Auen eher verschiedene Fluss- und Sumpfbiotope, im weitläufigem Flachland eher Steppe und Wüste. P.S. Hagenbecks Kunstfelsen versprühen trotzdem auch heute ihren Reiz - würde ich aber heute nicht mehr bauen. Desweiteren muss man an mehrere begehbare und begrünte Tierhäuser mit unterschiedlichen Wirbeltierarten für den Winter denken. (26.09.2006, 10:16) | ||
| Swonarew: | Also ich bin der Meinung dass die größeren Parks sich nur noch als eine Art Geozoo präsentiern sollten. Besser wäre es wenn sie sich einem Biom mehr widmen würden. Gerade in dichtbesiedelten Zoolandschaften (Ruhrgebiet) würde sich das anbieten. (26.09.2006, 10:15) | ||
| zoo insider: | wie ist ihre meinung zum thema zoo. eher geozoo oder anders (26.09.2006, 09:56) |
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