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Einzelaufstallung



Michael Mettler:   @2 Dee: "Moderne Zoohaltung" gab es vor zwanzig Jahren auch schon - modern ist schließlich immer nur der gegenwärtige Zustand (man achte auf den wörtlichen Zusammenhang zwischen "modern" und "in Mode"), und "neu" ist nun mal nicht gleichbedeutend mit "besser als vorher". Z.B. ist es noch gar nicht so lange her, dass man Tiere hinter Gräben halten konnte, ohne kilometerweise Elektrodrähte einsetzen zu müssen....

Dr. Blaszkiewitz hat in einem Artikel erst kürzlich angeregt, dass auch die Tiergärtner der "neuen Generation" mal ältere Bücher in die Hand nehmen sollten. Der Mann hat Recht, und man sollte alte Jahresberichte usw. noch einbeziehen - da steht reichlich über Tierverluste durch Anrennen gegen Zäune usw. drin... Außerdem würde so mancher Zoo dann feststellen, dass seine vermeintliche (und in der Presse gefeierte) Erstzucht oder -haltung schon Jahre oder Jahrzehnte zuvor einem anderen Zoo (oder gar mehreren) geglückt war.

Nebenbei bemerkt können auch Sozialsysteme innerhalb einer Art unter Zooverhältnissen ganz anders aussehen als unter Freilandbedingungen. Dikdiks z.B. leben im Freiland streng paarweise und dulden nur das letztgeborene Kitz. Der Vater vertreibt seine Söhne, die Mutter ihre Töchter aus dem Revier. Im Zoo leben die Weibchen dagegen relativ problemlos in Gruppen zusammen. Umgekehrt bei Wölfen: Während in Zoos um des lieben Frieden willens gern nur eine einzige Fähe pro Rudel gehalten wird, leben im Freiland bei ausreichendem Nahrungsangebot auch mehrere Fähen mit den Rüden zusammen, und die Fortpflanzung ist keineswegs nur auf die Alphafähe beschränkt.
(17.09.2006, 21:59)
2 Dee:   @ Michael Mettler: Kein Widerspruch ;o) Bin mit der modernen Zoohaltung aufgewachsen und hab daher die Unfälle an den Gittern nicht mitbekommen;o)
Was die Nashörner angeht, so muss ich immer wieder feststellen, dass in Tiereinrichtungen so manches anders ist. Allerdings ist es nur zu natürlich, dass Mutter und Jungtier zusammenleben. Auch bei uns in Leipzig werden zwei Kühe Spitzmaulnashörner zusammengehalten. Allerdings gab es da schon mal ein paar Kämpfe und auch heute noch stecken sie manchmal die Köpfe zusammen - und das bestimmt nicht um über den Bullen zu tuscheln. Vermehrt spielt in solchen Einrichtungen garantiert der Platz eine Rolle und auch der Besucher. Wie oft steht man vor Gehegen und der Besucher ist total entäuscht darüber, das das ach so arme Tier (ironie) alleine ist! Wobei der Einfluss wohl der geringere ist (Vielleicht in Zirkussen, wo man ja viele Tiere zeigen möchte und eben kein Platz ist!). Ich hoffe ganz einfach mal, dass solche Zoos bald eine neuere Anlage planen und bauen werden und dann auch genügend Tier-Verhalten am Gehege erläutert wird! Denn das fehlt meist - außer ein paar Daten zu den alt bekannten Daten: Größe, Lebensjahre und Trächtigkeitsdauer.
(17.09.2006, 21:23)
Michael Mettler:   @2 Dee: Einspruch bei den "altmodischen" Gehegen, auch wenn ich kein Tierpfleger bin. Schon tagsüber ist es so, dass Huftiere eher an einem Zaun zu Schaden kommen als an einem Graben - warum sollte das nachts anders sein?

Und was die Nashörner betrifft: Wenn man sieht, wie gesellig Panzernashornkühe mit Kälbern sein können (Basel) oder dass selbst Spitzmaulnashörner "draußen" schon in Gruppen gehalten wurden (z.b. drei Kühe in Magdeburg), dann würde ich bei verträglichen weiblichen Tieren und reichlich Platz genauso wenig Schadenrisiko sehen wie bei Breitmaulnashörnern - bzw. bei wenig Platz die letzteren ebenfalls getrennt aufstallen.

Was die Ausbrüche betrifft: Wenn man sich überlegt, wie viele Fälle es gegeben hat, in denen aus ihren Gehegen entkommene Tiere (gerade Huftiere) von selbst zurück kamen oder es wenigstens versuchten, dann würde ich glatt behaupten, dass an der Unterbringung etwas nicht stimmt, wenn ein Tier lieber auf "Wanderschaft" geht. Und wenn Giraffen wirklich so stock-konservativ sind, wie man immer wieder mal liest, dann wird wohl in Leipzig keine gleich bis in die Innenstadt durchlaufen, wenn sie mal das Gehege verlässt.... :-)
(17.09.2006, 19:25)
2 Dee:   @Michael Mettler: Hab jetzt erst den gesamten Thread gelesen: Breitmaulnashörner sind die einzigen der 5 Nashornarten die in Gruppen leben. Bei allen anderen Nashornarten wäre es tödlich, die Tiere zusammen aufzustallen!
(17.09.2006, 18:38)
2 Dee:   In vielen altmodischen Gehegeeinrichtungen wäre es bestimmt nichts gefährliches, die Tiere auch des Nachts draußen zu lassen. Der neue Gedanke, der sich mit der Tierhaltung entwickelt hat - Tiere eben in naturnahen Gehegen mit freier Sicht für die Besucher - hat eben auch das verändert. In Stallungen, wie sie früher normal waren, wo ein hoher Zaun das gesamte Gehege abgegrenzt hat, kommt es natürlich nicht zu solchen Verletzungen oder gar Ausbrüchen. Dann spielt die Umgebung bestimmt auch eine große Rolle: liegt der Zoo im Grünen schön ruhig folgt einem unbekannten lauten Geräusch mit Sicherheit der Warnruf der Tiere. Folge ist Panik. Liegt die Einrichtung jedoch in einer Gegend wo von vornherein viel los ist und Tiere diesen "Lärm" und die Alltagshektik gewohnt sind, spielt da ein unbekannteres Geräusch nicht die große Rolle, wenn es nicht andauernd ist.
Desweiteren wäre vielleicht noch zu erfragen, ob in diesen Einrichtungen Nachtwachen von den Pflegern geführt werden, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Das ist meiner Ansicht nach in modernen Anlagen unverantwortlich, wenn es nicht so wäre!

Ein weiterer Punkt, der zu betrachten ist, sind bestimmt auch die Gruppen, die sich in einem Gehege aufhalten. Laufen dort 5 verschiedene Tierarten herum, wäre es sehr riskant, alle über Nacht zusammen zu lassen.
Wie Mel schon sagte: Die Tiere müssen mindestens einmal am Tag auch in ihre Stallungen kommen, damit sie wissen, wo das ist und bei Behandlung die Tiere nicht stundenlang draußen einfangen zu müssen. Das wäre der sichere Kollaps. Um diesem aus dem Weg zu gehen, kommen sie einmal am Tag, und das ist eben abends, wenn kaum noch Besucher und nachts gar keine mehr da sind, ins Haus, wo sie meist auch ihre großen Mahlzeiten vorfinden. Wenn die Tiere danach gleich wieder raus gelassen werden und dann folglich noch die Stallungen offen bleiben, würde sich so manches rangniedere Tier denken, dass es eh keinen Zweck hat, rein zu kommen, da es vom Futter vertrieben wird. Bleibt lieber draußen, wartet, bis die anderen wieder raus sind und geht dann rein um sich die letzten Happen zu holen. Also auch eine Sichere Methode, die Tiere langfristig (über Nacht) zu trennen, um jeden seine Mahlzeit zu gewährleisten uns so evtl. auch Medikamente übers Futter zu verabreichen.
Es sind also viele Faktoren, die da eine Rolle spielen.

(17.09.2006, 18:32)
Mel:   Die Entscheidung Tiere über Nacht nicht ein zu stallen hängt von vielen Begebenheiten ab. Ausbruchs und Verletzungsgefahr der Tiere bei eintretender Panik, damit resultierend die Gehegesicherheit, Klimatische Beschaffenheit, Sozailesgefüge in der Herde oder Gruppe. Ein Zabra gerät schnell in Panik wenn etwas untypisches passiert, es kommt immer auch eben auf die Beschaffenheit des Geheges an.
(17.09.2006, 18:10)
Frankfurter:   Im San Diego Zoo und Wild Animal Park bleiben ganzjährig ALLE Huftiere ( außer Okapis, Gerenuks und Ducker )einschließlich von Nashörnern, Giraffen und Elefanten Tag und Nacht draußen. Bisher gab es keine Verluste, sieht man von einem Elefantnbullen ab, der von 2 Koyoten erlegt wurde.
(17.09.2006, 17:55)
Mel:   Richtig, das nächtliche einsperren dient eigentlich zum größten Teil der Sicherheit der Tiere und zweitens zur gezielten Futteraufnahme. Kaum ein Zoo kann es sich leisten bzw. möchte ein tier verlieren weil es nachts in Panik geraten ist und sich verletzt beziehungsweise einen tödlichen Unfall erleidet.

Man sollte nie die gefahren der Stad unterschätzen, manchmal reicht auch schon ein hubschraubereinsatz am tage um die tiere zu beunruhigen, oder ein Fuchs der des nachts durch die Anlagen streift. Es gibt aber auch ausnahmen in dennen weniger scheuhe Tiere des Nachts im Sommer draussen bleiben, jedoch handelt es sich dabei meist um einzelne tiere.

(17.09.2006, 16:42)
2 Dee:   @ Bernhard: genau kann ich das auch nicht beantworten. Meine Vermutung liegt aber darin, dass die Tiere nachts im Haus nicht versuchen können, abzuhauen. Sollte ein Tier aus welchen Gründen auch immer, das Gehge nachts verlassen, stehen die Chancen dieses wieder einzufangen wohl schlecht. Bzw. wenn auf der Außennalge etwas passiert, aknn keiner helfen, denn der Wachtdienst - sofern es einen gibt, wird mit den Tieren selber wenig am Hut haben.
Bei einem Beispiel: Im Leipziger Zoo sind vor einigen Wochen zwei Zebras in den Wassergraben gefallen. Alleine konnten sie sich nicht befreien. Eine "Passantin" konnte zumindest das Jungtier beruhigen, so dass es nicht abgesoffen ist. Die anderen der Zebra-herde hatten versucht, das Junge von der Mutter zu trennen (ist bei Zebras häufig so, dass andere Stuten das Jungtier haben wollen). Wäre das Nachts passiert, wären sowohl die Mutter als auch das Jungtier kläglich zugrundegegangen! Wenn statt des Zebras jetzt eine Giraffe aus welchen Gründen auch immer, den Elektrozaun ignorieren sollte, geht dieses dann im Rosenthal spazieren. Und das gehört nicht mehr zum Zoo. Und der nächsten Weg ist dann die Innenstadt! Uns die müssen so zeitig anfangen falls die Tiere mal nicht so wollen wie sie sollen, damit man noch Lehrlauf hat. Desweiteren ist für das Einsperren nur ein pfleger pro Revioer zuständig. Und hat das Revier 5-10 Häuser, wo Tiere eingesperrt werden müssen, kannst du dir evtl. vorstellen, dass das seine Zeit bedarf.

(17.09.2006, 14:23)
Bernhard:   warum werden denn eigentlich behaupt die meisten huftiere nachts aufgestallt? kann man die tiere denn z.b. im sommer nicht nachts einfach auf der außenanlage lassen bzw. nach Gehegereinigung und Fütterung wieder hinauslassen? wenn sie nachts sowieso in einem grppenaufstallung sind.
habe mich das schon häufiger gefragt, v.a. wenn ich mal wieder bis zur schließung in einem zoos war und schon über eine halbe stunde vorher keine tiere in den außenanlagen zu sehen waren.
(17.09.2006, 14:03)
Mel:   Dem möchte ich auch hier wieder zu sprechen, ich bin ähnlicher Meinung, und möchte hier nur kurz nochmals darauf hin weisen das dies was ich hier schreibe die momentanen erkentnisse und handlings, und nicht uneingeschränkt meine eigene meinung sind.

die interaktion zwischen huftieren, speziel okapis konnte ich erst vor kurzem selber erleben und ich war erstaunt, trotz jahre langer erfahrung wie stark die interaktion zwischen den einzelnen individuen, während und nach der nächtlichen einzelaufstallung sind. es bleibt also immer im endeffekt sicher eine frage der wichtung und wertigkeit eines tieres (ich weis das klingt grausam, aber die realität ist so) welche art von aufstallung bevorzugt wird.
(13.09.2006, 01:18)
Michael Mettler:   Die Definition eines Familienverbandes trifft aber unter natürlichen Verhältnissen auf Steppenzebras ebenfalls zu. Wie überhaupt eine Herde bei verschiedenen Tierarten nicht die anonyme Masse darstellt, für die man sie halten könnte, sondern aus kleineren, sozial eng gebundenen Einheiten bestehen kann - sieht man ja schön beim Elefanten.

Nach dem, was ich über Zebraverhalten gelesen habe, gibt es sogar unter Steppenzebrahengsten verschiedener Familiengruppen in der Natur "Freundschaften", d.h. sie pflegen ein nachbarschaftliches Miteinander, begrüßen sich bei Treffen usw. - wenigstens, so lange keine rossige Stute dabei ist. Und auch Zebras sollen Familienmitglieder, die z.B. durch einen Raubtierangriff kurzzeitig von der Gruppe getrennt wurden, beim Wiederzusammenfinden ausgiebig begrüßen. Das spricht doch für ein sehr ausgeprägtes Sozialsystem.

Ich werde den Gedanken nicht los, dass Huftiere in dieser Hinsicht völlig unterschätzt werden und man für ihre Unterbringung in Zoos schlichtweg die Verhältnisse bei landwirtschaftlichen Nutztieren (dem angeblich "dummen Vieh") und in Reitställen bzw. Gestüten übernommen hat (bis auf die Anbindehaltung). Menschenaffen und Elefanten waren eben schon immer "wertvolle" Zootiere mit "Persönlichkeit" (nicht, dass ich sie ihnen abspreche - ich spreche sie aber auch anderen Tieren zu!), über deren Haltung man sich ein paar mehr Gedanken machte. Frei nach Orwell: Einige Tiere sind eben "gleicher" - auch im Zoo.


(13.09.2006, 01:11)
Mel:   Was die Kriterien zur Einzelaufstallung betrifft, wird meist nach folgenden Prinzip verfahren:

1. Risikofaktor-Gefahrenfaktor (für das Tier und auch für den Pfleger)
2. Herden, Paare oder Familienverband (Sozialstruktur)
3. Intelligenzfaktor (so blöd wie es klingt es ist so)
4. Platz und Bauliche Möglichkeiten
(13.09.2006, 01:07)
Mel:   Der Unterschied für die Handhabung basiert auf einmal dem Basiswissen ( ändert sich von Jahr zu Jahr je nach neuen Erkentnissen) und zum zweiten auf Zoobezogene Erfahrungen die sich später in Fachberichten und dem daraus resultierenden Fachbeiträgen entwickeln, simpel und vorsichtig vormuliert, einer probiert mal ne kleine Veränderung und wenn sie erfolgreich ist wird sie verstärkt analysiert und dannach bei Erfolg ins Basispogram aufgenommen, Grundsätzlich gibt es ja leider nur ein Mindestanforderungsprotokoll, das gesetzlich vorgeschrieben ist. die "Husbandry Manuals" die hochwertigiger sind in der Zoohaltungsbranche werden eben von solchen Fällen geprägt die auf Erfahrungs und Erfolgswerte fussen. Aber eben leider nicht Gesetz sind.
(13.09.2006, 00:53)
Mel:   Sorry meinte: um einiges komplizierter.

Da waren meine Gedanken wieder mal schneller als die finger :-)
(13.09.2006, 00:45)
Mel:   Ok das wird jetzt länger, sorry schon mal im Voraus für Tipfehler.

die gängigen Boxenkonstruktionen sehen bis Hüfthöhe eine Bebretterung vor und ab dort eine Vergitterung. Das Tier kann also die anderen Herdenmitglieder riechen, hören und sehen und bedingt interaggieren, es ist seinen Nachtstall als solches gewöhnt und damit auch die temporäre Isolation. Eine behandlung findet meist in den selbigen Stall statt, jedoch meist nach dem der Rest der gruppe auf die aussenanlagen "entlassen" wurde (Verringerung des Stressfaktors durch Gruppendynamik unt Interaktion). Nach dem engrif/Behandlung wird das Tier jenach Behandlungsgrund zur Herde zurück gelassen oder auf ein Vorgehege geschickt wo der AV Kontakt bis zur nächtlichen Absperrung wieder hergestellt wird. Somit sind die meisten Tiere nur minimal von der Gruppe bzw. Herde total getrennt 8je nach Behandlungsgrund natürlich). Die Totale Isolation während der behandlung ist natürlich ungewohnt für das Tier, jedoch wird es durch die nächtliche Aufstallung an die zeitweise Körperliche Isolation gewöhnt. Bei Menschenaffen liegt der Fall etwas anders. Es handelt sich hier nicht um eine Gruppern oder Herdengesellschaft sondern um ein Familienverband. Der Aufgrund kurzzeitigem "Ausfall" eines Mitgliedes zwar Stress ausgesetzt ist, diesiges aber im Normalfalle bei zurückführung sofort "umsorgt", die zeitweilige Absperrung eines Menschenaffen ist aber auch um komplizierter.
(13.09.2006, 00:43)
Michael Mettler:   @Mel: Du sagst, dass trotz Einzelaufstallung der audio-visuelle Kontakt erhalten bliebe - und somit auch das Gruppengefühl. Wie kann dann ein einzeln aufgestalltes Tier an die Isolation von der Gruppe gewöhnt sein? Das widerspricht sich doch. Und außerdem müsste man nach dem Argument, das Tier sei dann im Krankheitsfall besser auf die Einzelunterbringung vorbereitet, doch auch die Menschenaffen weiterhin stundenweise einzeln unterbringen??

Nur zur Klarheit: Ich bin kein Tierpfleger und will hier auch nicht klugscheißen, aber diese Frage hat mich schon oft beschäftigt - vor allem, weil die verschiedensten Tierarten in dieser Hinsicht unterschiedlich gehandhabt werden und mir nie recht klar wurde, nach welchen Kriterien die unterschiedliche Handhabung entstand.
(13.09.2006, 00:33)
Mel:   Ich möchte hier zustimmen, sicher ist das einzell Aufstallen eine antiquierte Art der Haltung. Sie ist aber Platz bedingt ind den meisten Zoo´s die einzig praktikalble Möglichkeit, leider. Im Grundtenor, geht es ja darum das jedes einzelne tier gesund erhalten werden soll. Leider fehlen den meisten Zoo´s die Möglichkeiten (Platz) für nächtliche Gruppenaufstallungen, bei Hornlosen Weiblichen Tieren bestimmter Arten (Impalas) ist das Gruppenaufstallen sicherlich risikoloser. Sicher wäre es wünschens wert auf Einzelaufstallung zu verzichten bloß sollte man sich auch hier was Planung betrifft über den dann benötigten Platz bewußt werden.

Ich bin kein Verfechter der EAS aber es ist bei dem momentanen Platzmöglichkeiten der meistens Zoo (um die Artenvielfalt zu halten) eine kaum umgängliche Notwendigkeit. Whipsnade hatte dies von Anfang an bedacht und dem entsprechend größer geplant, allerdings haben sie auch da meines Wissens EAS.
(13.09.2006, 00:29)
Michael Mettler:   Schön, aber das sind doch alles Faktoren, die es für den HALTER praktischer machen sollen und trotzdem gegen die Natur der Tierart sind. Auch andere Tierarten können sich nachts gegenseitig verletzen und werden trotzdem nicht einzeln aufgestallt - bei z.B. 40 Weißbartpekaris im Berliner Zoo auch illusorisch. Und das sind ja nun beileibe keine Schmusetierchen.

Dass man nicht einfach die Verbindungstüren zwischen den Boxen öffenen und sagen kann "nun vertragt euch mal schön", ist mir klar, denn die Enge und damit der fehlende Raum zum Ausweichen bliebe ja trotzdem.

Aber warum nicht das Prinzip neuerer Elefantenhäuser auch für andere Tiere: Einzelboxen zur kurzzeitigen Unterbringung (z.B. für gezielte Fütterung) oder als Wurfställe, aber ein Gemeinschaftsauslauf auch innen? Wie sieht das in dieser Hinsicht z.B. in Safariparks aus - stallen die ihre Zebras einzeln auf? Wenn ich mich nicht täusche, habe ich sogar mal ein Foto aus Whipsnade mit Breitmaulnashorn-Gemeinschaftsställen gesehen.

Bei einigen Antilopenarten gibt es ebenfalls Gruppenaufstallung, speziell bei den im weiblichen Geschlecht hornlosen Arten wie Impalas. Und auch da scheint ja kein Tier zu verhungern. Ist die Einzelaufstallung bei einigen Tierarten nur eine alte, nie recht hinterfragte Gewohnheit in den Zoos, wie es das Anketten der Elefanten war?
(13.09.2006, 00:19)
Mel:   die Isolation, welchen zweck bedürfend auch immer, eines tieres das es gewöhnt ist rund um die Uhr in der Herde zu leben, ist extrem kompliziert und bedeutet in diesem Falle eine immense Stressbelastung für das selbige. Da es sich um ein Fluchttier handelt hätte dies sicher fatale Folgen bei eine Isolation, Beispiel Tierärztliche Behandlung das Tier hätte auf Grund des Stresses durch Trennung und Behandlung ein unnötig erhötes Risiko des kreislaufkollapses. Bei menschenaffen verhält es sich auf Grund der höheren Intelligenz bei weitem anders. Jedoch werden diese auch, auf Grund Ihres in Anspruch genommenen Nutzungsraumes (Boden-Höhe-Klettermöglichkeiten) anders gehalten und haben mehr Möglichkeiten bei Rangkämpfen sich zurück zu ziehen. Bei weitem sind diese Rangkämpfe auch nicht so gefährlich als die bei Elefanten und huftieren, das Menschenaffen Inteligenzbedingt auf Unterwerfungsgesten eher reagieren (ausnahmen hier bilden geschlechtsreife Mänchen).

(13.09.2006, 00:09)
Mel:   zweitens ist durch die Einzelaufstallung, die Gewöhnung der Tiere an eine Isolation von der Gruppe gewährleistet was bei medizinischen Behandlungen und der auch daraus resultierenden Genesungsbehandlung vorteilhaft ist, da das Tier an zeitliche Trennung von der Herde gewöhnt ist.
(13.09.2006, 00:00)
Mel:   Sorry für die Tipfehler, aber es ist schon spät. :-)
(12.09.2006, 23:58)
Mel:   Schön das dieses Thema einzel gestellt wurde.

Zu Elefanten möchte ich sagen das in den meisten Fällen eine nächtliche einzelaufstallung aus Sicherheitsgründen durch geführt wird, hierzu zähle ich jetzt auch mal das anketten mehrer tiere in einem Stall über Nacht, Grund hierfür ist eigentlich nur die Vermeidung von Rangkämpfen in der Stallung. da diese bei weitem nicht die ausweich und Fluchtmöglichkeiten bieten wie es bei solch einer Rang-Auslotung von Nöten wäre. Somit wird vermieden das es zu starken Verletzungen oder Todesfällen kommen kann. Da eine Überwachung durch Pflegepersonal nur in wenigen Fällen garantiert ist. Damit wäre aber auch wieder das Thema Platzbedarf und möglichkeit angesprochen. Zebras hingegen sind zwar hochsotial aber auch hier gibt es einige Punkte die für eine Einzellaufstallung sprechen. Erstens wird das abendendliche Aufstallen immer mit der Fütterung verbunden. Um sicher zugehen das jedes Tier genug Nahrung erhält. Auch die Zugabe von Präparaten (Krankheits oder Mangelfall) läßt sich so besser garantieren. Auch ist meist der exitierende Platz für eine gemeinsamme Nachtaufstallung nicht vorhanden, jedoch besteht durch die Stallkonzipierung immer noch der Audio-Visuelle-Kontakt gewährleistet.
(12.09.2006, 23:56)
Michael Mettler:   Wie sehen die Entwicklungen in dieser Hinsicht aus? Früher war es z.B. in vielen Zoos normal, Menschenaffen nachts einzeln in "Schlafkisten" zu sperren - das macht heute wohl hoffentlich kein Zoo mehr. Für Elefanten fordern die Fans und Spezialisten vehement "Freilaufhallen", damit die Tiere auch innen ihre sozialen Kontakte ausleben können - Boxen stehen dann zwar für Einzelaufstallung weiterhin bereit, aber nicht mehr als Dauerlösung. Immerhin verbringen die meisten Tropentiere im Winter mehr Zeit drinnen als draußen. Aber müsste man diese Überlegung nicht konsequenterweise auf viel mehr Tierarten übertragen? Steppenzebras z.B. sind hochsoziale Tiere mit gegenseitiger Fellpflege, aber durch die bei ihnen übliche Boxenaufstallung bleibt ihnen das Grooming "drinnen" verwehrt.
(12.09.2006, 23:46)

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