
| cajun: | Eine aktuelle Meldung aus Leipzig zum Thread- Thema: "Wissenschaftliche Komplexität- Das Zoo-ABC von Artenschutz bis Wirtschaft Artenschutz Der Zoo Leipzig engagiert sich weltweit und regional für den Artenschutz und leistet damit auch aus Sicht der Weltnaturschutzunion (IUCN) als Teil der Zoo- und Aquariengemeinschaft einen bedeutenden Beitrag zum Artenschutz. Neben dem Lebensraumschutz bilden sowohl der Schutz bedrohter Arten im natürlichen Lebensraum als auch die Zucht bedrohter Arten im Zoo Schwerpunkte unserer Artenschutzprojekte. Der Erhalt von genetisch-diversen Reservepopulationen ist notwendig, um perspektivisch schrumpfende Bestände in der Natur stützen zu können. Nur so können Wiederansiedlungsprojekte erfolgreich durchgeführt werden, wenn der durch politische Unruhen, Kriege oder Zerstörung bedrohte Lebensraum wieder sicher ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Arten unglaublich schnell aussterben können. In besonderen Situationen stellen auch Naturentnahmen wie zum Beispiel beim Feldhamster sicher, dass eine Reservepopulation aufgebaut werden kann und die Art nicht ausstirbt. Auswilderung Die Auswilderung von Tieren ist auf Ebene der Welt-Staatengemeinschaft bei der Welt-Naturschutzunion IUCN an konkrete Richtlinien geknüpft und ein langwieriger Prozess, der zu allererst den politischen Willen sowie geeignete Lebens- und Schutzräume für wildlebende Populationen erfordert. Genau an diesen fehlt es häufig, was die Bestände im natürlichen Lebensraum schrumpfen lässt. Zum verantwortungsvollen Populationsmanagement gehört es deshalb, gesunde Bestände in menschlicher Obhut zu erhalten, um bei verbesserten Bedingungen in den natürlichen Lebensräumen Tiere zur Auswilderung bereitstellen zu können. Auch dieser Schritt bedarf großen zeitlichen Vorlaufs, da die schrittweise Gewöhnung und das Erlernen des Überlebens über verschiedene Etappen und ggf. Generationen erfolgen muss. Daneben bedarf es Strukturen vor Ort im Verbreitungsgebiet, über die die Auswilderungen durchgeführt und langfristig wissenschaftlich begleitet werden können. Der Zoo Leipzig hat sich in der Vergangenheit und Gegenwart verschiedentlich an Auswilderungsprojekten beteiligt. Sowohl 2024 als auch 2025 konnten gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Kooperativer Feldhamsterschutz in Sachsen“ ((Link öffnet einen neuen Tab))Feldhamster ausgewildert und damit ein positives regionales Artenschutzprojekt unterstützt werden. Mehrfach wurden im Zoo geborene Nachzuchten auch an internationale Projekte abgegeben, z.B. Przewalski-Pferde in die Mongolei und nach China sowie Habichtskäuze nach Österreich. Bildung durch Erleben Gäbe es keine Zoos – man müsste sie erfinden, um das Erleben von Wildtieren, die Sensibilisierung für ihre Bedürfnisse und das Begreifen ihrer Schutzbedürftigkeit mit allen Sinnen zu ermöglichen. Der Zoo Leipzig empfängt jährlich bis zu 13.000 Schülerinnen und Schüler zum fachübergreifenden Unterricht in der Zooschule ((Link öffnet einen neuen Tab)), unterstützt die Forschung und Lehre z.B. an der Universität Leipzig, vermittelt bei Kinderuniversitäten in Mitteldeutschland Wissen über bedrohte Tierarten und den Artenschutz und steht als Partner für zahlreiche Wissensformate zur Verfügung. Auch die edukative Beschilderung im Zoo, interaktive Lernstationen, geführte Entdeckertouren ((Link öffnet einen neuen Tab)) und thematische Veranstaltungen reichern das Zooerlebnis an und stellen eine emotionale Verbindung zwischen Mensch und Tier her. Fischbestand im Aquarium Neben edukativen Aspekten stehen der Arterhalt und die Nachzucht von bedrohten Fischarten in unserem Aquarium zunehmend im Fokus. In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich sich die Wissenschaft v.a. auf die Erforschung artgemäßer Bedingungen für Säugetiere und Vögel konzentriert. Durch den enormen Wissenszuwachs sowie durch technische Innovationen in den vergangenen Jahren sind auch die Möglichkeit der langfristigen und selbsterhaltenden Haltung und Zucht vieler Fischarten und anderer aquatischer Tierarten gegeben. Bei Süßwasserfischen gehen unsere Bestände bereits fast ausschließlich auf Nachzuchten aus eigenen Beständen oder anderen zoologischen Einrichtungen zurück. Auch in der Meerwasseraquaristik gibt es sehr große Fortschritte und eine immer größere Zahl erfolgreicher Nachzuchten. Trotzdem sind im Prozess dieser Transformation noch Naturentnahmen notwendig. Dabei tragen Projekte, die durch eine streng regulierte Fischerei und als wichtige Einkommensquelle für die lokale Bevölkerung funktionieren, dazu bei, dass aquatische Lebensräume nachhaltig geschützt werden. Zudem finden sich im Zoo Leipzig auch zahlreiche Fische und Wirbellose, die aus Bestandsauflösungen von Aquarianern und zoologischen Einrichtungen stammen, sodass diese Tiere bestmögliche Bedingungen auf neuestem technischen und wissenschaftlichen Stand vorfinden. Futterlogistik Die artgemäße Fütterung des wertvollen Tierbestandes im Zoo Leipzig gehört zu einer guten Tierhaltung dazu. Der Zoo Leipzig verfügt über einen zentralen Futtertrakt, der entsprechend der Ernährungspläne, die auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse ausgearbeitet werden, die verschiedenen Tierarten in den Revieren versorgt. Das Futterteam kümmert sich sieben Tage die Woche um die Versorgung der hungrigen Mäuler und Schnäbel der uns anvertrauten Tiere. Mehr als 600 Tierarten zu versorgen, bedeutet eine hohe Variabilität in der Versorgung und eine anspruchsvolle Vorrats- und Frischfutterlogistik. Beispielhaft folgen hier die Verbrauchswerte der einzelnen Futtermittel innerhalb eines Jahres zur Fütterung des gesamten Tierbestandes: 159.670 kg Wiesenheu, 49.770 kg Luzerneheu, 47.520 kg Stroh, 39.570 kg div. Pellets, 2.925 kg Getreideprodukte, 1.246 kg Mineral- und Wirkstoffgemische, 36.350 kg Vogelfutter, 311.150 kg frisches Grünfutter wie Gras und Luzerne, 32.760 Eier, 728 Toastbrote, 1.715 Liter Milch, 28.612 kg Fleisch, 20.245 kg Fisch, 39.500 kg Äpfel/Birnen, 30.160 kg Möhren, 8.750 kg Rüben, 179.000 kg diverses andere Obst und Gemüse und 5574 Bündel Eukalyptuslaub. Dass Tiger, Leoparden und Seelöwen keinen Salat fressen, ist allgemein bekannt. Aber wie viel Futter benötigt der Zoo Leipzig für seine Raubtiere und fleischfressenden Bewohner im Einzelnen? Auf ein ganzes Jahr gesehen kommen mehr als 28.000 kg Fleisch und mehr als 20.000 kg Fisch zum Einsatz: Der Bedarf an Rindfleisch mit Knochen liegt dabei bei etwa 20.000 kg. Dazu kommen etwa 30.000 Küken, Insekten und Kleinsäuger wie Mäuse, Ratten und Hamster (nicht die vom Aussterben bedrohten Feldhamster), die zum großen Teil aus der zooeigenen Futtertierhaltung stammen. Manchmal werden auch Wild- und Nutztiere aus dem Zoobestand verfüttert. Gehege als Lebensraum Bei der Gehegegestaltung orientieren wir uns stark an den Verhaltensweisen der Tiere, um artgemäße Lebensräume zu gewährleisten. Die reine Fläche und Größe des Geheges ist dabei weniger der entscheidende Faktor. Es kommt vor allem darauf an, dass die Tiere je nach Art ausreichend Kletter- und Versteckmöglichkeiten, Wasser- und Lehmsuhlen oder Badebecken, Sitzmöglichkeiten oder Liegeflächen haben, um natürliche Verhaltensweisen ausleben zu können. Die weiten Strecken, die einige Tierarten im natürlichen Lebensraum zurücklegen, können wir nicht bieten. Im natürlichen Lebensraum sind sie zumeist durch die Notwendigkeit der Nahrungs- und Wasserbeschaffung bedingt. Im Zoo entfallen dieses belastenden Wegstrecken und Futterknappheit, da die Tiere täglich artgemäß versorgt werden. Medizinisches Training und artgemäße Beschäftigung Neben der artgemäßen Gestaltung des Geheges ist auch der Tagesverlauf sowie die Anreicherung des Alltages durch die Tierpfleger entscheidend. In sozialen Gruppen und Herden ergeben sich tagtäglich neue Situationen und Herausforderungen für die einzelnen Tiere. Auch die Vergesellschaftung verschiedener Arten in einer Anlage sorgt für eine natürliche Bereicherung. Bei einigen Arten werden zusätzliche medizinische Trainingseinheiten oder Beschäftigungen wie Futterbälle und versteckte Gerüche eingesetzt oder Herausforderungen beim Futter finden gestellt. Die Tierpfleger sind auch darüber hinaus kreativ und ideenreich, um neue Impulse für die Tiere zu setzen. Dadurch werden die Tiere körperlich und mental gefordert und bleiben fit. Auch das Ablaufen ähnlicher Wege zur Markierung und Kontrolle des eigenen Reviers gehört bei manchen Tierarten zum typischen Verhalten dazu. Nachhaltigkeit und Umweltschutz Die Auszeichnung mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2024“ als erster deutscher Zoo hat uns stolz gemacht und ist Ansporn, unseren Weg zum klimaneutralen Zoo fortzusetzen. Durch das EMAS-zertifizierte Umweltmanagementsystem, das wir seit 2014 pflegen, haben wir unsere Energieverbräuche teilweise um mehr als 50 Prozent reduzieren können. Wir beziehen zu 100 Prozent Ökostrom und nutzen Fernwärme der Stadtwerke Leipzig. Beim täglichen Handeln leitet uns das Ziel, Ressourcen schonend zu arbeiten und Abfall zu vermeiden. Weitergehende Informationen dazu finden sich hier. ((Link öffnet einen neuen Tab)) Populationsmanagement Um eine artgemäße Tierhaltung zu gewährleisten und gesunde Populationen bedrohter Tierarten zu erhalten, sind zahlreiche Aspekte zu beachten. Wohlbefinden, Tiergesundheit, artgerechte Ernährung und das Ausleben von Sozialverhalten sowie Jungtieraufzucht und Fortpflanzung gehören dazu. Zuchtempfehlungen bei bedrohten Arten werden vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm auf Basis des kontinentalen Bestandes ausgesprochen. Die Zukunftsdaten sind dabei nicht allumfassend, so dass die Entwicklung der Populationen mit Blick auf Geburten und Sterbefälle nur bedingt vorhergesagt werden kann. Wichtig ist die Gesunderhaltung der Population sowie einer adäquaten Alters- und Geschlechtsstruktur, die den langfristigen Fortbestand der Arten ermöglicht. Im Rahmen dieses ausgewogenen Populationsmanagements kann es deshalb notwendig sein, dass Tiere nicht in ihren Gruppen oder Herden bleiben können, weil es die Alters- oder Geschlechtsstruktur oder der Platz nicht hergeben. In solchen Fällen wird gemeinsam mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das die Bestände bedrohter Arten in Europa koordiniert, eine Lösung für eine neue Unterbringung gesucht. Gibt es keine Alternative, kann die Entscheidung getroffen werden, Tiere zum Zweck der Verfütterung zu töten (siehe „Verfüttern von Zootieren“). Verfüttern von Zootieren Im Rahmen des Populationsmanagements werden alle Möglichkeiten für alternative Unterbringungsmöglichkeiten für Tiere, die nicht in ihrem sozialen Verband bleiben können, geprüft. Kann keine verantwortungsvolle Lösung gefunden werden, kann durch eine zoo-interne Tierschutzkommission der Beschluss zur Tötung zum Zweck der Verfütterung an Raubtiere gefasst werden. Derartige Entscheidungen werden nicht leichtfertig getroffen, sondern sind Ergebnis intensiver Prozesse. Tatsache ist aber auch, dass zum Artenschutz auch die Reproduktionsfähigkeit des Bestandes erhalten werden muss und nicht durch Überalterung gefährdet werden darf. Die Fortpflanzung und Aufzucht von Nachwuchs gehören zudem zu einer artgemäßen Haltung dazu. Darüber hinaus sind zum Zeitpunkt der Zuchtentscheidung nie alle Parameter der Populationsentwicklung - z.B. mit Blick auf Geburten und Sterbefälle - bekannt. Wenn Zootiere zum Verfüttern getötet werden, handelt es sich um gesundes und vollwertiges Futter für die Raubtiere, von dem Kerkunft und Haltung bekannt sind. Die Tiere zu entsorgen statt zu verfüttern, wäre nicht sinnvoll und nicht vertretbar, denn auch anderes Fleisch zur Fütterung wird durch Tötung von Tieren gewonnen, um das Nahrungsspektrum der Raubtiere zu erfüllen. Vergesellschaftung: Der Zoo Leipzig gestaltet die Gehege so weit wie möglich als artgemäße Lebensräume, in denen auch verschiedene Tierarten gemeinsam gehalten werden können. Dies entspricht zum einen dem natürlichen Geschehen im ursprünglichen Lebensraum der Tiere, wo sie ebenfalls auf andere Arten treffen, zum anderen ist das Aufeinandertreffen verschiedener Arten immer auch eine Beschäftigung für die Tiere, da man sich auf andere Reize und Erlebnisse im Zusammenspiel untereinander einstellen muss. Dies sorgt für Abwechslung und bereichert den Tagesablauf der Tiere positiv. Vogelhaltung Die meisten unserer Vogelarten werden bereits in überdachten oder übernetzten Anlagen wie der Tropenhalle oder großen Volieren wie den Freiflugvolieren und der Flamingolagune gehalten. Bei wenigen anderen Arten bedienen wir uns gesetzes- und tierschutzkonform dem Federn beschneiden, das schmerzfrei erfolgt und mit dem Haare schneiden vergleichbar ist. So können wir gewährleisten, dass die Tiere im geschützten Rahmen mit ausreichend Futterangebot sowie der professionellen Pflege verbleiben. Wirtschaftliche Notwendigkeiten Der Zoo Leipzig ist ein Natur- und Erlebniszentrum, das sich auf den Schutz bedrohter Arten, die Wissensvermittlung und das Naturerlebnis konzentriert. Um die herausfordernden Aufgaben zu meistern, sind finanzielle Mittel notwendig. Die Zoo Leipzig GmbH finanziert seinen Geschäftsbetrieb sowie die Arten- und Naturschutzarbeit dabei zu ca. 90 Prozent selbst durch Eintrittsgelder, Zooshop- und Gastronomieerlöse sowie Spenden. Die übrigen etwas zehn Prozent sind Zuschüsse der Stadt Leipzig, die Eigentümer der Zoo Leipzig GmbH ist." Quelle:https://www.zoo-leipzig.de/presse/das-zoo-abc-von-artenschutz-bis-wirtschaft/ (30.07.2025, 15:59) | ||
| Niels: | Also ein Zookombiticket gab es schon mal, Und zwar die ZOOberlausitz-Card (5 Zoos zum Preis für 3) mit Hoyerswerda, Görlitz, Zittau, Bischofswerda und Weißwasser. Das gab es auch als Einzelticket, wo man nach und nach alle Tierparks abarbeiten konnte. Aber das scheint es nicht mehr zu geben, jedenfalls gibt es auf den Homepages keine Information dazu. (15.07.2006, 13:26) | ||
| Michael AMEND: | Ha, ich habe ja wenigstens noch den gleichen Vornamen, aber Herr Büschner..... (15.07.2006, 06:34) | ||
| Michael Mettler: | @Zoosammler: Ja, aber nur, wenn die dann unbesiedelten "Landschaften" für die Besucher begehbar (und beschwimmbar...) wären. Dann wäre das Ganze einfach eine "afrikanische Parkanlage" - und Menschen besuchen schließlich auch Rosarien oder Japan-Gärten, obwohl da keine Tiere gehalten werden. (Das meine ich jetzt sogar ernst!) Erlebnis funktioniert auch ohne Tiere, umgekehrt genauso. Aber wenn man zur Freude des Publikums beide Elemente themengerecht verknüpfen kann...? (14.07.2006, 23:31) | ||
| Zoosammler: | So sind sie, die vergeistigten Zoofreaks, die einem zwar sagen können, wo die Erstzucht des Taiwanseraus gelang, aber ihre eigenen Namen nicht wissen, vielleicht würde es den betreffenden Herren leichter fallen, wenn sie sich zu ihrem deutschen einen wissenschaftlichen Namen zulegen würden... ;) Gegen Freizeitparkelemente in Zoos ist grundsätzlich nichts einzuwenden (irgendwie habe ich das Gefühl, das tägliche Grüßen eines Marmota monax zu vernehmen... Diese Diskussion kommt mir so bekannt vor), solange erkennbar bleibt, ob es sich um einen Zoo oder einen Freizeitpark handelt. Ein Zoo, wenn im Zweifelsfalle das Tier im Mittelpunkt steht. Ein Freizeitpark, wenn im Zweifelsfalle die Freizeitattraktionen im Mittelpunkt stehen. Beispiel: Würde Hannovers Sambesi nicht auch ohne Tiere funktionieren, wenn man die Nebelmaschine, den Sambesi-Burger, die Bootsfahrt, die Landschaft, die "stilechten" afrikanischen Bauten und Einrichtungen und den Shop behalten würde? (14.07.2006, 23:18) | ||
| Michael Mettler: | Was ist bloß mit meinem Namen, dass ihr ihn so gern benutzt?? (14.07.2006, 23:17) | ||
| Frank-Walter Büschner: | Tja so ist das, wenn man vor Mpdigkeit nicht mal mehr seinen Namen weiss. Den letzten Beitrag habe natürlich ich geschrieben und nicht Michael...*Kopfgegenwandhau* (14.07.2006, 22:39) | ||
| Michael Mettler: | "Eine Entwicklung hin zur Wildwasserbahn durch eine Delphinlagune oder zur Geisterbahn in einer Fledermausgrotte kann ich mir im Moment für deutsche Zoos nicht vorstellen. Aber wer weiß schon, was in zwanzig Jahren ist? Laut Michael Amend gibt es ja solche Entwicklungen schon längst in den USA." Eben, und deswegen gibt es ja diesen Thread ;-) Wenn wir schon alles wüssten wäre es ja auch langweilig. Ich habe ebenfalls prinzipiell nix gegen Fahrgeschäfte in Zoos, aber spätestens hört bei mir die Grenze auf, wenn die Tiere dadurch belästigt werden und womöglich nicht mal ihr normales Verhalten an den tag legen würden. So, und ich geh jetzte ins Bett :P (14.07.2006, 22:38) | ||
| Michael Mettler: | P.S. Mit "solche Entwicklungen" meinte ich im letzten Satz nur das Prinzip. Von der Wildwasserbahn zwischen Jacobitas habe ich gehört, aber ich hoffe doch sehr, das die Geisterbahn zwischen Fledermäusen nur ein Hirngespinst von mir ist... (14.07.2006, 22:36) | ||
| Michael Mettler: | Und wenn nichts mehr dazwischenkommt, entsteht auf dem Gelände des Berliner Zoos demnächst ein Riesenrad. Allerdings nicht mittendrin, sondern hinter der Bahnlinie auf dem Wirtschaftshof, wie zu lesen war. Und die Safari- bzw. Eisschollen-Simulatoren in Leipzig und Gelsenkirchen würde ich durchaus als Fahrgeschäfte bezeichen, auch wenn die Fahrt nur simuliert wird. Die Bootsfahrten in Karlsruhe, Hannover und demnächst Gelsenkirchen zählen auch dazu, und in gewissem Sinne auch jede Form von Pony-, Elefanten- oder Kamelreiten oder Kutschfahrt. Im Tierpark Berlin steht ein Kinderkarussell, wie man es auch auf Jahrmärkten findet. Die Tierparkbahn in Friedrichsfelde würde ich dagegen nicht hinzuzählen, die ist in meinen Augen eher ein Verkehrsmittel. Ich finde Freizeitparkelemente in Verbindung mit Zoo nicht prinzipiell schlecht. Stukenbrock ist für mich ein absolutes Negativbeispiel, Hodenhagen zeigt dagegen, dass beides bei räumlicher Trennung ganz gut zu vereinbaren sein kann. Wenn ich Hodenhagen besuche, mache ich meistens nur die Tour durchs "Tierland" und bekomme dort vom "Freizeitland" so gut wie nichts mit. Also dürfen sie damit meinetwegen gern Geld einnehmen.... Auch in verschiedenen kleinen Parks sind Freizeit- und Tierbereich eng benachbart, z.B. in Thüle, Jaderberg oder Sottrum. Aber alles ohne die Penetranz von Stukenbrock. Eine Entwicklung hin zur Wildwasserbahn durch eine Delphinlagune oder zur Geisterbahn in einer Fledermausgrotte kann ich mir im Moment für deutsche Zoos nicht vorstellen. Aber wer weiß schon, was in zwanzig Jahren ist? Laut Michael Amend gibt es ja solche Entwicklungen schon längst in den USA. (14.07.2006, 22:29) | ||
| Oliver Jahn: | Das gab es in Frankfurt bereits vor 60 Jahren!!! Die Achterbahn (die erste und einzige nach dem Krieg in Westdeutschland) stand ab 1946 dort, wo heute die Max-Schmidt-Anlage ist!! Sie stand dort bis 1949! (14.07.2006, 21:47) | ||
| Frank-Walter Büschner: | Im übrigen, war ich heute im Movie Park Kirchhellen, war auch ganz lustig. Da kam mir der einfall, ob es bei den Zoos in Zukunft nicht auch so etwas geben würde. Soll heissen, Achterbahnen & andere fahrgeschäfte. Somit hat mal Freizeitpark & Zoo ja vereint. Naja der Safaripark Stuckenbrock, ist da wohl doch eher ein sehr schlechtes Beispiel, für die für mich bestimmt gute Simbiose. Bei Sea Wolrd ist es ja ähnlich, nur eben das es es besser ist als in Stuckenbrock. Wie seht ihr das, begrüsst ihr solche Attraktionen, oder findet ihr, Zoo sollte zoo bleiben und Freizeitpark eben freizeitpark? (14.07.2006, 21:40) | ||
| Michael Mettler: | Keine Ahnung. DAS gehört zu den Seiten eines Zoobetriebes, über die ich mir bisher noch nie Gedanken gemacht habe. Kommt ja vielleicht noch... (14.07.2006, 09:09) | ||
| hannoverfreund: | An Michael: Wieviel Prozent des Einzelkartenpreises im Zoo Hannover schätzt Du, dient der reinen Schuldentilgung ? (14.07.2006, 08:29) | ||
| IP66: | Ich habe sämtliche Beiträge hier mit großem Interesse gelesen und denke, daß sie sehr scharfsinnig die Veränderungen der Zoogestaltung seit etwa 1980 umreißen. Ich denke auch, daß Neuanlagen wie Hannover oder Gelsenkirchen noch eine Weile Entwicklungen prägen werden. Das selbe ist sicher vom Trend zu Großanlagen zu vermuten. Ich glaube aber nicht, daß man diesen Entwicklung zu immer mehr Erlebnis, Kommerz und Großgehege länger als ein Jahrzehnt wird fortschreiben können. Zum einen sind die Umgestaltungen außerordentlich aufwendig und nur mit der Bodinus'schen Wende im berliner Zoo oder dem Hagenbeck-Neubau in Stellingen zu vergleichen. Diese beiden historischen Phänomene finanzierten sich aus dem Wirtschaftswachstum nach der Reichgründung bzw. dem zweiten Industrialisierungsboom um 1900. Wenn man da analog denkt - was man nicht muß, aber versuchsweise vielleicht doch einmal tun sollte - sind Leipzig oder Hannover Kinder des "neuen Marktes", der es denkbar erscheinen ließ, ganze Zoos neu errichten zu können. Ob man sich heute dergleichen getrauen mag, werden die berliner Umbauten zeigen. Ästhetisch könnte man die Kunstfelsenorgien gut mit dem "Learning from Las Vegas" und der frühen Postmoderne verbinden, wobei die Pläne in Hannover aber ein gutes Jahrzehnt nach Stirlings neuer Staatsgalerie in Stuttgart, die der deutsche Startschuß dieser Bewegung war, entstanden sind. In der Architektur ist die Wende schon vollzogen, wenn man allein an die Museumsneubauten in Berlin oder Hamburg anschaut. Ich halte es aber keinesfalls für ausgeschlossen, daß der kölner Elefantenpark oder die Afrika-Landschaft in Hannover schon bald als genau so überholt betrachtet werden wie wir das heute mit dem Giraffengehege in Münster tun. Mir fällt es allerdings schwer, Neuanlagen zu nennen, die analog zu den Museumsbauten der "zweiten Moderne" nun die neue Zooarchitektur verkörpern würden. Vielleicht hat die Entwicklung schon eingesetzt, ohne daß wir sie bemerkt haben, vielleicht verspätet sich auch diese Wende in der Zoogestaltung analog zu jener zur Postmoderne? (13.07.2006, 19:02) | ||
| Ingo Rossi: | Die Jahrekarte ist schon in vielen Parks eine gängige Methode. Zweimal im Jahr kommen die wenigsten zum normalen Eintritt, mit Jahreskarte aber und lassen dann, neben den Kosten für die Karte, vielleicht auch sonst noch etwas Geld im Zoo. (13.07.2006, 18:08) | ||
| Michael Mettler: | ... sollte natürlich heißen "..ODER die Bahncard..." (13.07.2006, 16:22) | ||
| Michael Mettler: | Stellt sich die Frage, ob die Einzelkarte in Hannover nicht sogar bewusst hochpreisig ist, um die Besucher zum Kauf einer Jahreskarte zu verlocken - wohl wissend, dass manche diese nicht mal "ab-besuchen" werden. Warum auch nicht? Zehnerkarten im Bad ohne die Bahncard funktionieren ja nach ähnlichem Prinzip, und wenn sich jemand eine Zeitung abonniert und die dann nicht liest, ist auch nicht der Verlag Schuld... Nach einer Grafik in der hannoverschen Zoozeitung JAMBO zu urteilen gibt es Dauerkartenbesitzer für den Zoo in fast ganz Deutschland! Und die größeren "weißen Flecken" auf dieser Verbreitungskarte befinden sich vor allem im Einzugsgebiet von Leipzig. Soviel zu Erlebniszoos. (13.07.2006, 16:02) | ||
| Oliver Jahn: | Ich ganz persönlich habe Hannover vor dem Umbau auch deutlich häufiger als danach besucht! DAs lag auch, wenn auch nicht nur an den Preisen! Und gerade jetzt jetzt, mit meiner Tochter, da ist eben Braunschweig für uns die echte Alternative! Hier zahlen wir zu dritt weniger, als in Hannover für einen! Das ist schon ein nicht unbeachtlicher Unterschied. Auch ich habe mehrfach gehört, dass hannover den hauptumsatz nicht mehr mit den Einzelkarten machen soll und dass hier sogar rückläufige Zahlen zu verzeichnen seien. Und wenn die Kinder der jetzigen Familienkartenbesitzer groß sind, dann werden etliche keine neue Karte mehr lösen! Aber wie gesagt, das ist meine ganz persönliche Meinung!! (13.07.2006, 15:24) | ||
| Zoosammler: | @Michael Mettler: Siehe Hagenbecks Hotel, allerdings sind die Verhältnisse bei Privatzoos immer ein wenig anders gelagert. Hannover kann ich bestätigen: Es gibt dort Leute, die nur sehr wenig zoointeressiert sind und vielleicht alle 3 Monate mal für ein Stündchen einen Besuch machen, die Besitzer einer Jahreskarte sind. Warum auch nicht. (13.07.2006, 15:09) | ||
| ulli: | Eine Familie mit Kindern kann sich teure Zoopreise nicht leisten. Ich habe gehört, Hannovers Besucherzahlen rühren in erster Linie von den Dauerkarten. Die sind im Verhältnis deutlich preiswerter als die Einzeleintritte und lohnen sich bereits nach wenigen Besuchen. Aus der Zahl der verkauften teuren Einzeltickets macht der Zoo Hannover bedauerlicherweise ja ein großes Geheimnis. (13.07.2006, 14:35) | ||
| Michael Mettler: | @Stefan Schubert: Auf die letzte Anmerkung setze ich gleich noch einen drauf: Wenn eine entsprechende Fläche an der Peripherie dafür geeignet ist, würde ich an einen Zoo glatt noch ein paar Ferienwohnungen bauen!! Passend zum jeweiligen Zoothema aufgemacht und mit Zugang von außen und innen. Wer sich dort für eine Woche oder ein Wochenende einmietet, darf auch mal einem Pfleger über die Schulter schauen, selbst irgendwelche problemlosen Tiere füttern oder beim Ausmisten helfen. Auch keine neue Idee, gab es z.B. in Warder, und die momentanen "Pfleger-für-einen Tag-Aktionen" gehen ja in eine ähnliche Richtung. (13.07.2006, 09:26) | ||
| Ingo Rossi: | Auch ich finde den hohen Eintrittspreis nicht gut, eigentlich sollte der Zoobesuch kein Luxus sein sondern ein Teil des kulturellen Lebens das sich jeder jederzeit leisten kann. Doch muss ich Michael Mettler recht geben. Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, so spricht alles für stark steigende Preise und eine Entwicklung der Zoos, die zwischen dem herkömmlichen Zoo und einem Freizeitpark liegt. Der steigende Eintrittspreis wird und ist schon nötig, fallende Subventionen auszugleichen und gleichzeitig neue Projekte zu finanzieren. Ohne die, und das hat die Vergangenheit gezeigt, kommen die Besucher nicht mehr in Massen. Das einfache Tier scheint nicht mehr auszureichen. Die Entwicklung zu neuen Dingen geht immer schneller, nicht nur im Bereich der Zoos. Lese ich die aktuelle Kölner Zoozeitschrift, Fred Kurt berichtet über Elefanten, so ist die Kölner Anlage so gerade gross genug und so gerade artgerecht. Solche Erkenntnisse werden die zukünftige Gestaltung der Zoos beeinflussen und entscheidend verändern. Dem Tier gerecht zu werden ist die eine Seite. Die andere ist es, dem Besucher gerecht zu werden. Und der will auch neue Eindrücke erleben. Ich denke schon, das er dafür auch bezahlt. Schliesslich sind die Freizeitparks um einiges teurer und trotzdem gut besucht. Ein Argument für die Preisgestaltung von Freizeitparks ist, immer weniger Menschen können sich einen langen Urlaub leisten, aber ein Kurzurlaub im Freizeitpark/Zoo ist noch drin. Ich komme gerade aus Belgien zurück, bestimmt nicht das reichste Land und trotzdem liegen dort die Eintrittspreise weit über den unseren, Antwerpen 16 Euro, Park Paradiso 18,50 Euro. Und gerade bei letzt genannten, kam bei mir die Frage auf, in wieweit dort nicht schon eine neue Entwicklung des Zoos in Richtung Zoo-Freizeitpark stattfindet. Relativ wenig Tiere in immer aufwendigeren Anlagen, nicht für die Tiere sondern für den Besucher. Leise Beschallung aus vielen kleinen Lautsprechern mit themengerechter Musik schien nur mich zu stören. Und doch kam auch die Erklärung der Tier- und Umwelt nicht zu kurz und war teilweise sogar aufwendig aufbereitet. Ebenso wird Planckendaele zum riesigen Geo-Zoo umgebaut. Die vielen einzelnen, teilweise etwas eintönig wirkenden Huftiergehege verschwinden langsam zu Gunsten von Themenwelten. Und ich befürchte, das die normalen Besucher dann nicht die einen oder andere selten zu sehende Tierart vermissen werden... (13.07.2006, 09:08) | ||
| Stefan Schubert: | In den Fünfzigern hatten die meisten Menschen ihre Probleme den Teller zu füllen, ihre Bleiben zu richten oder die Familien nach dem Krieg wieder zusammenzufinden, doch wieviele Stunden freiwillige Arbeiten wurden erbracht um einige Tiergehege zu errichten oder einen ganzen Tierpark und das nicht nur in der DDR! Damit entstanden Einrichtungen in denen sie für Augenblicke ihre Sorgen vergessen konnten! Somit denke ich hat die Institution Zoo auch eine weitere Zukunft, statt Ägypten pauschal eine Weltreise an einem Tag! (13.07.2006, 09:05) | ||
| Hannes: | Ich wollte meine auch nicht mit den Erwartungen das man nichts Geboten bekommt (Deshalb das Rheine Beispiel) sondern das Harmlose Zoounterhaltung bekommt ohne Bootsfahrt,Simulatoren, und Tonnen Kunstfels sondern Gitter ein bisl Graß, Gehege, Zäune und Käfige aber who cares. Es macht Spass und hat nur 4 gekostet. So etwas bleibt auch in der Zukunft erhalten da diese Zoos einfach sind. Sie bieten als Attraktion das TIER. (13.07.2006, 00:36) | ||
| Michael Mettler: | @Oliver Jahn: Da ich beruflich mit fast allen Branchen zu tun habe, kann ich dir sagen, dass deine genannten Beispiele längst nicht alle auf fehlende Kaufkraft zurückzuführen sind. Der Knick in der Gastronomie kam mit der Euro-Umstellung, denn diese Branche hat es (wahrscheinlich nicht nur in unserer Gegend) am schamlosesten getrieben. Wenn du plötzlich z.B. beim Italiener 14 Euro (28 DM!!!) für einen Teller Nudeln mit ein paar Fischhäppchen darin bezahlen sollst, der vorher schon mit 14 DM recht gut bezahlt war, dann schenkst du dir eben das Essengehen und kochst wieder selbst. Der Rückgang der Autohäuser liegt an der Straffung des Vertriebsnetzes der Hersteller. Über einen großen Hersteller heißt es beispielsweise, dass man dort eine Firma unterstützte, die kleinere Autohäuser aufkaufte und absichtlich "gegen die Wand fuhr". Den Autohäusern wird zudem vorgegeben, wieviele Neuwagen sie abzusetzen haben. Wird die Quote nicht erreicht, erfolgt eine Herabstufung, der Händler bekommt dann irgendwann keine Neuwagen mehr hingestellt und darf nur noch nach Katalog verkaufen und Reparaturen machen. Das halten die wenigsten durch. Dafür bezahlen ja Autokäufer auch noch Geld dafür, sich ihren Wagen jetzt nicht mehr vom Händler an der Ecke abzuholen, sondern aus der Autostadt in Wolfsburg. Dafür muss also noch Geld übrig sein... Und dass der Fachhandel vor die Hunde geht, liegt auch daran, dass immer mehr Super- und Baumärkte zu Kaufhäusern mutieren. Schließlich bekommst du heute im Baumarkt auch Handys und Kaninchenkäfige, im Lebensmitteldiscounter alles - wenn auch nur zeitweise - vom PC bis zur Schrankwand. Und Reisen kannst du über deren Website auch noch buchen.... Ich will die wirtschaftliche Situation in Deutschland keineswegs schön reden, aber es gibt genügend Beispiele dafür, dass die Menschen sehr wohl bereit sind, Geld auszugeben, vor allem, wenn sie sich durch das "sich Geleistete" wohlfühlen. Wellness, Heim & Garten, Haustiere und vor allem Urlaub stehen da im Vordergrund. Und da schlägt sich der Bogen zurück zum Thema: Wenn der Zoobesucher den Besuch als eine Art Kurzurlaub, als Flucht vor dem Alltag in ein scheinbares Paradies empfindet, dann ist er auch eher bereit, dafür mehr zu zahlen. Der Blick über den Tellerrand hilft manchmal, ich greife mal einen schon etwas älteren Vergleich zum Fußball auf, der mich damals sehr beeindruckt hat: Neapel gilt als das Armenhaus Italiens, aber als Diego Maradona beim SSC Neapel spielte, haben viele arme Neapolitaner unverhältnismäßig hohe Summen dafür geopfert, um Jahreskarten zu kaufen - jedes Heimspiel war ausverkauft. Als man sie fragte, warum sie ihr schwer verdientes Geld ausgerechnet DAFÜR ausgaben, war die Antwort unisono: Wir sind stolz darauf, dass Maradona bei uns spielt, und froh darüber, wenn er uns zwei Stunden lang vergessen lässt, wie schwer unser Leben eigentlich ist. ZWEI STUNDEN! Im Zoo kannst du für deinen Eintritt einen ganzen Tag lang den Alltag vergessen.... (12.07.2006, 22:49) | ||
| Oliver Jahn: | Klingt ja alles sehr plausibel, ich glaube es trotzdem nicht. Wieviele Restaurants sind in den letzten drei Jahren pleite gegangen? Wieviele Lebensmittelfachmärkte? Wieviel private Einzelhandelsgeschäfte? Wieviele Autohäuser? Und was ist mit dem Rest? Alle Umsätze gehen zurück! Nur Aldi und Lidel wachsen und wachsen und wachsen!!! Restaurants, in denen man noch vor wenigen Jahren selbst in der Woche einen Tisch bestellen MUSSTE, um einen Platz zu kriegen, die stehen heute fast leer, und das selbst am Samstag Abend! Wer keine Arbeit hat, bekommt gerade noch ein Jahr Arbeitslosengeld, danach wartet schon Hartz IV mit einem Regelsatz von monatl. 354,- Euro plus Kosten der Unterkunft. Da sind keine 18 Euro mehr übrig am Monatsende! Und wer noch Arbeit hat, der packt doch jeden Euro auf die hohe Kante, weil er nicht weiß, wie lange er noch einen Job hat. Deutschland ist Weltmeister bei den Privatinsolvenzen. Sorry, aber auch Hannover wird das zu spüren bekommen, wenn VW die Löhne kürzt oder die nächste Welle raussetzt! Ich glaube, diese Preisspirale geht nicht mehr höher zu drehen, auch nicht durch billige Sonntage. Und Hannes, für 4,50 kann ich sehr wohl Erwartungen stellen!!! Magdburg kostet 5 Euro, Halle 5 Euro, Ascherleben 4 Euro. Und sag jetzt nicht, das wäre kein Niveau! In diesen Zoos kostet der Erwachsene Mensch weniger als in Hannover der Hund! Warten wir ab, wie lange die Menschen bereit sind, das noch zu zahlen. (12.07.2006, 22:19) | ||
| Michael Mettler: | @Frank-Walter Büschner: Da du mir jetzt die Steilvorlage gibst, schiebe ich gleich noch einen Vergleich hinterher, der mir dieser Tage in den Sinn kam, aber eigentlich erst jetzt und an diese Stelle passt: Eigentlich ist ein Zoobesuch doch ähnlich wie ein Kinobesuch. Der eine Kinogänger interessiert sich vor allem für seinen Lieblingsschauspieler, der zweite für die Handlung, der dritte vor allem für die special effects und der vierte für die Regiearbeit. Wenn der Film gut ist, kommen alle Vier auf ihre Kosten. Haben wir doch auch im Zoo: Der eine geht hin, um seine Lieblinge zu sehen, der zweite wegen des Gesamterlebnisses, der dritte wegen der special effects wie Shows, Bootfahren, Riesenrutsche usw., der vierte interessiert sich dafür, wie Haltungs- oder Präsentationsprobleme gelöst wurden. Und damit sind noch längst nicht alle Nutzergruppen aufgeführt, denn es gibt ja noch die Verhaltensbeobachter, die Fotografen, die "Artensammler" usw. Wenn die ALLE zufrieden nach Hause gehen, haben wir einen idealen Zoo, wie auch immer der beschaffen ist. Und natürlich sollen die alle möglichst den ganzen Tag da verbracht, gegessen und Souvenirs gekauft haben, damit der Zoo sein Angebot überhaupt finanzieren kann und zudem noch Geld übrig bleibt, um Artenschutz in situ zu unterstützen. Übrigens entspringen all diese Gedanken nicht etwa einer beruflichen Tätigkeit in Zookreisen. Die Materie Zoo ist für mich nach wie vor nur Hobby, aber da ich erstens eine kaufmännische Ausbildung und zweitens beruflich mit Werbung zu tun habe, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis diese drei Faktoren gedanklich zusammenfließen würden - und der Auslöser dafür war eben die Umkonzeptionierung Hannovers. (12.07.2006, 22:13) | ||
| Frank-Walter Büschner: | Ihr Aussage mit den Kombitickets ist interessant, ich würde es mir dann Vorstellen, wie die Verbände des ÖPNV also VRS (Verkehrsbund Rhein-Sieg) oder VRR (Verkehrsbund Rhein-Ruhr)..das wäre fantastisch..Zumal der zoo sowieso immer mehr zum freizeit vergnügen wird, aber anderes, vielmehr so in Richtung Fun & Action, wo eine Familie den ganzen tag Spaß hat..das ist denke ich auch noch ein großer Faktor, den Zoos in Zukunft beachten sollten. Denn -fast- keiner geht in einen Zoo, um nur Tiere zusehn etc. Der Besucher will auch was geboten bekommen. In meinen Augen hat der Zoo Hannover damit schon einen richtigen Meilenstein vollbracht. (12.07.2006, 20:35) | ||
| Michael Mettler: | Nachtrag: Die marktwirtschaftliche Betrachtung der Materie Zoo ist ja bei uns noch recht neu und etwas ungewohnt. Aber es besteht ja auch bei den Eintrittspreisen durchaus die Möglichkeit, über Sonderaktionen Besucher anzulocken - schon jetzt wurde doch gerade irgendwo (Münster?) ein "billiger Tag" pro Monat für einkommensschwache Mitbürger eingerichtet und damit eigentlich nur ganz tief in die Mottenkiste gegriffen, denn das gab es ja zu Kaiserzeiten auch schon und wurde erst sehr viel später abgeschafft. Vermutlich wird es irgendwann in den Zoos Aktionen geben wie freien Eintritt für Kinder in einer Aktionswoche usw. Wenn man sich gedanklich erstmal vom musealen Charakter vergangener Zoozeiten gelöst hat, sind dem Ideenreichtum ja keine Grenzen mehr gesetzt. Und sollte es tatsächlich zu Entwicklungen kommen wie "Afrika in Gelsenkirchen, Südamerika in Dortmund", dann liegt es auf der Hand, dass es dann Kombi-Tickets oder sogar Rhein-Ruhr-Zoojahreskarten für einen ganzen Zooverbund geben sollte. Auch in diese Richtung gibt es ja längst erste Schritte. Man muss ja nur mal mit offenen Augen darauf achten, wie in anderen Branchen um zusätzliche Kunden geworben wird. Ihr kennt doch wahrscheinlich alle diese in Mode gekommenen Restaurant-Coupon-Hefte, wo gegen Vorlage des Gutscheins eine von zwei Personen gratis isst (und zwar das preisgünstigere Gericht). Das wird ja gemacht, um mehr Leute für's Essengehen zu begeistern und wenigstens noch an den Getränken zu verdienen (die Gastronomie scheint ohnehin eher von den verkauften Getränken als von den Speisen zu leben, da letztere ja viel höheren Material- und Personaleinsatz bedeuten). Diese Methode ist nicht nur für Zoos denkbar, sie wird auch schon durchgeführt, und zwar vom Serengetipark Hodenhagen: Über Anzeigen und Faltblätter bietet der Park stark ermäßigten Eintritt für eine Person, wenn die zweite voll bezahlt. Mehrere Jahre lang galt die Anzeige sogar als Freikarte und es gab den Passus mit der zweiten Person nicht, weswegen ich damals öfter in Hodenhagen war - für lau... OK, ich musste eine "Parkgebühr" von 1 oder 2 Euro zahlen. Normalerweise würde ein Besucher aber im Park noch etwas konsumieren und mehr kaufen als nur einen Zooführer wie ich :-) Die von Circussen reichlich verteilten Freikarten für billige Plätze, nur für Kinder oder für ganz bestimmte Vorstellungen erfüllen einen ähnlichen Zweck. Sie machen Werbung für den Circus, zeigen seinen guten Willen, etwas zu verschenken und sollen letztendlich doch nur dazu verlocken, die teureren Karten auf den besseren Plätzen zu kaufen und mit mehreren Leuten hinzugehen. Mit solchen Mitteln werden auch die Zoos in Zukunft sicher arbeiten. (12.07.2006, 19:24) | ||
| Hannes: | Für 4,50 Eintritt für nen Erwachsenen brauch man auch kaum erwartungen haben und wenns nen Spielülatz gibt sind die Kiddies auch zufrieden. Wenn man dann mal wirklich wegen den Tieren in den Zoo geht darfs auch mal etwas mehr kosten. Ich denke an Touristisch sehr günstigen Standpunkten wie in Berlin, Hamburg oder München darf der Eintritt auch sehr hoch sein. Ein Vergnügungspark kostet 35 Eintritt, Disneys Animal Kingdom 80 da wird sich doch wohl eine für Touristen angemessene Mitte finden lassen (wenn er was geboten bekommt) (12.07.2006, 19:00) | ||
| Michael Mettler: | Die Höhe des Eintritts wird sicherlich irgendwann an eine Schmerzgrenze stoßen. Aber wenn es so weit ist, gibt es immer noch ein probates Mittel, um wieder mehr Besucher zu locken: Eine drastische Reduzierung der Preise, um mit höherer Kundenzahl erstmal den gleichen Umsatz zu machen. Dass ein solches Prinzip funktioniert, zeigt der Aufstieg von Fielmann zum Optik-Giganten. Nur ist auch das nicht von Dauer, denn auch da muss man bemüht sein, den über "billig" geworbenen Kunden/Besucher sachte wieder an ein höheres Preisniveau heranzuführen. Mit anderen Worten: der Zyklus startet von Neuem. Deshalb habe ich auch wenig Angst um Hannover oder Leipzig, denn wenn die dortigen Besucher nicht überwiegend der Meinung wären, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, dann hätte der Einbruch mindestens in Hannover längst kommen müssen. Und das Beispiel Zoo Berlin zeigt ja auch, wie attraktiv ein Zoo für Touristen sein kann, die gemeinhin großzügiger mit dem Geld umgehen. Das Hannover-Konzept ist z.B. für ein sehr großes Einzugsgebiet ausgelegt, nicht umsonst hat der Zoo zum Ärger von Hagenbeck sogar in Hamburg Werbung gemacht. Andersrum geht's aber auch: Meine Frau erhielt einen Bettelbrief von Hagenbeck, in dem sinngemäß stand, dass Elefantenzucht eine sehr kostspielige Sache sei und ob sie diese nicht mit einer Spende unterstützen wolle. Und niemand weiß, wie die an die Adresse gekommen sind - gibt's da etwa innerhamburgische Verbindungen zum Otto-Versand...? In einer hannoverschen Tageszeitung fand ich sogar schon Anzeigenwerbung für Arnheim - von hier immerhin dreieinhalb Autostunden entfernt!! Das sind offensichtlich die Dimensionen, mit denen moderne Zookonzepte kalkulieren (müssen). Der kleine Familientierpark "um die Ecke" wird auch in Zukunft seine öklogische Nische finden, da bin ich mir ganz sicher. In einem Tierpark wie Bad Pyrmont oder Grömitz sind allerdings auch die Besuchererwartungen längst nicht so hoch gesteckt wie in den großen Zoos. (12.07.2006, 18:32) | ||
| Hannes: | @Oliver Jahn genau daran habe ich auch gedacht. Heute moderne Zoos werden nicht sofort auf eine neue Welle aufspringen was Modernisierungen angeht (in Münster hats über 25 Jahre gedauert)aber Zoos die zukünftig bauen werden etwas großes bauen. Wir reden hier ja oft über kleine Zoos und deren potenzial. Wer weiß schon wie es in 10-15 Jahren in Dresden oder Karlsruhe aussieht. ZU oder ZOOM man weiß es nicht. Ich denke es wird trotzdem preiswerte Zoos geben die zum Beispiel Tierbestände die kleiner, Anspruchsloser und Preiswerter im Unterhalt sind. Rheine und Münster liegen einen Katzensprung auseinander trotzdem bevorzugen viele Familien Rheine da er einfach 1/3 des Eintritts von Münster kostet. Diese Preiswerten Zoos können trotzdem spannende Tierbestände haben wie diverse europäische,asiatische und nordamerikanische Tiere. Preiswerte Anlagen sind auch für Amurtiger, diverse Caniden, Kamele, laufvögel und Kängurihs zu bauen ohne überhaupt Heizkosten zu haben. (12.07.2006, 18:12) | ||
| Michael Mettler: | @Frank-Walter Büschner: Sind ja alles nur Gedankenspielereien. Und eins muss ich noch klarzustellen: Ob ICH mir eine Entwicklung wünsche, wie ich sie unten beschrieben habe, steht auf einem ganz anderen Blatt; mit dem Prinzip Zoo, durch das ich zum Fan der Materie wurde, hätte das beschriebene Szenarium nur noch wenig zu tun. Aber mir ging es bei der Vision auch nicht um meine persönlichen Wünsche und Vorlieben - ich gehe zwar auch mal zu McD., aber im Zoo müsste ich es nicht unbedingt haben... Zooschließungen halte ich gar nicht mal für so unwahrscheinlich, und gerade da könnte sich enge Nachbarschaft sogar verhängnisvoll auswirken - wenn nämlich eine defizitäre Stadt in Versuchung gerät, unter Verweis auf den Zoo in einer nahe gelegenen Stadt ihren eigenen dicht zu machen. (12.07.2006, 18:07) | ||
| Oliver Jahn: | Trocken schlucken ist wohl der richtige Ausdruck. *Schluck* Dennoch ist etliches davon tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Warum ich aber dennoch an eine solche Zukunft nicht glaube, ist die Finanzierung. Zoos wie Hannover und Leipzig sind trotz Erlebniszoocharakter ja Zoos geblieben, im völlig klassischen Sinne. Und dennoch haben die Umbauten Millionen verschlungen, an denen erst mal eine ganze Weile zu kauen sein wird! Dennoch haben viele Besucher diese Stufe der dafür nötigen Preiserhöhungen (mitunter zähneknirschend) akzeptiert. Wenn nun solche Zoos in absehbarer Zeit wieder "modernisieren", dann wird das nicht ohne erneute Preissteigerungen gehen. Und genau da glaube ich, ist jetzt bereits das Ende der Fahnenstange erreicht!Es wird sich zeigen, wie lange Hannover die hohen Eintrittspreise durchhält, wenn der Charmen des "Neuen" weg ist. Dann aber wieder neu zu bauen, in der Hoffnung, der Besucher würde das mittragen, kann schnell zum Eigentor werden. Sollte Deutschland in einigen Jahren Vollbeschäftigung haben und einen deutlichen Zuwachs im Lohnniveau, dann könnte das klappen. Da ich aber daran kaum glauben kann, bei den Millionen, die jährlich in Hartz IV fließen, wird es eine zweite solche Welle nicht geben! Und genau daran wird das ganze in absehbarer Zeit scheitern. Der Zoo-Besuch am Sonntag Nachmittag, der vielleicht zur Zeit in Zoos mit bis zu 10 Eintritt noch die Regel ist, insbesondere für Familien, der wird dann zur jährlich einmaligen Angelegeheit mit besonderem Charakter. Und genau das wird an Eintritt den Zoos nicht reichen, um solche Konzepte umzusetzen. Von daher glaube ich schon, dass es den "klassischen" Zoo auch weiterhin geben wird, weil der "normale" Besucher ihn auch weiterhin will!!! Daneben wird es natürlich etliche geben, die neu oder umgebaut dem Konzept von Michael entsprechen. Die Zeit wird es dann zeigen, welches Konzept trägt. Denn genau so, wie es heute viele Menschen gibt, die immer größere Anlagen wünschen, damit es ihnen beim Betrachten des Tieres besser geht, genau so gibt es viele Menschen, die in einen Zoo gehen, weil sie Tiere sehen, nicht suchen wollen! Weiterhin sind Zoos auch noch immer Stätten der Erholung, an denen die Menschen gerade in Städten wie Frankfurt oder Halle oder oder oder ein Stück Natur wollen, und auch dazu im "Grünen" sein wollen, an der "frischen Luft"! Das gibt ihnen keine Glashalle, egal ob darunter nun Afrika oder Südamerika scheinbar dargestellt wird. Es hat schon immer Zeiten gegeben, in denen explosionsartig in den Zoos riesige Veränderungen Einzug hielten. Immer aber gab es danach auch wieder Zeiten, in denen dann eher auf Kontinuität und Konsolidierung Wert gelegt wurde und auf Bestandspflege. Auch wenn die Zeit heute viel kurzlebiger ist, so kann es nicht ausgeschlossen werden, dass wir vielleicht diese nächste "Welle" gar nicht mehr erleben. (12.07.2006, 18:00) | ||
| Frank-Walter Büschner: | Ihre Idee -ich zitier jetzt mal: "Wobei sowohl zu Hannes' als auch zu meiner Vision noch gehören würde, dass Zoos innerhalb eines bestimmten Einzugsgebietes in Zukunft gar nicht umgehen können, ihre Themen untereinander so gut abzustimmen, dass sie sich nicht gegenseitig die Besucher abwerben, sondern ganz im Gegenteil zum Besuch der anderen Zoos animieren. Nach dem Motto: "Afrika habe ich gerade in Gelsenkirchen gesehen - jetzt will ich auch Südamerika in Dortmund besuchen!" Das fände ich Super, und wäre auch wünschenswert. Zu den Meerestierparks. Ich fände es Klasse wenn es sowas mal wieder enstehen würde, und interesse bei den Besuchern gibt es sicher eine Menge. Was die Zukunft der zoos wirklich betrifft, lässt sich meines erachtens nur schwer schätzen. Vllt. kommt es ja auch ganz anderes, und viele Zoos werden dicht machen, so das es nur noch 4-6 Zentrale Zoos geben wird, oder in der richtung. (12.07.2006, 17:32) | ||
| Hannes: | Nicht nur Meerestierparks könnten gegründet werden sondern es würde sogar die Möglichkeit bestehen das langgeplante Zoos entstehen wie der schon seit ewigkeiten geplante Raubtierpark oder ein Affenpark wie Apenheul. Nur nebenbei bemerkt ich habe das Gefühl das das Ruhrgebiet heute schon besser abgestimmt ist als die beiden berliner Zoos aber das wird sich ja wohl bald ändern. (12.07.2006, 17:23) | ||
| Michael Mettler: | Wobei sowohl zu Hannes' als auch zu meiner Vision noch gehören würde, dass Zoos innerhalb eines bestimmten Einzugsgebietes in Zukunft gar nicht umgehen können, ihre Themen untereinander so gut abzustimmen, dass sie sich nicht gegenseitig die Besucher abwerben, sondern ganz im Gegenteil zum Besuch der anderen Zoos animieren. Nach dem Motto: "Afrika habe ich gerade in Gelsenkirchen gesehen - jetzt will ich auch Südamerika in Dortmund besuchen!" Oder - um Zookonzepte nicht auf Geographie zu beschränken - den Haustier-Park, den Evolutionspark usw. @Hannes: Deinen Vorschlag mit dem Meerestierpark finde ich klasse, zumal das auch Potenzial für eine völlige Neugründung hergäbe. Nachdem in den letzten Jahrzehnten so viele Werften dicht gemacht haben, müsste doch passendes Gelände an der Küste zu bekommen sein...? (12.07.2006, 17:17) | ||
| Hannes: | Ich denke die Umgestaltung des Tierparks Berlin wird aufgrund seiner Riesigen Fläche der Grundstein werden um von der normalen Geo-Zoo-Erlebniswelle zum Zoo der Superlative zu kommen. Hallen die Burgers Zoo bei weitem Übertreffen sind in beengten Zoos nicht undenkbar da hier auch 3 Dimensional gebaut werden kann. Ich denke auch das im Berliner Tierpark etwas ähnliches, wahrscheinlich noch größeres entstehen wird wie die Savanne in Arnheim und das nicht nur für afrikanische Huftiere. Den Erlebnischarakter den wir bekommen werden kann man heute schon an vielen Holländischen Zoos sehen wo (nach meinem empfinden) die Gehege nicht wie Burgen wirken sondern, trotz Kunstfels, offen und hin und wieder, dank vieler E-Drähte, provisorisch. Wenn es soweit kommt werden safaripark ähnliche Zoos wieder aus dem Boden schießen. Diese werden eventuell auch aus alten Zoos heraus entstehen die sich verlagern (Thema Außenzoo). Kleine Zoos werden sich warscheinlich wirklich auf einzelne bereiche spezialisieren wie Afrika Savanne (Giraffen,Elefanten,Nashörner,Flusspferde,Löwen,Hyänen und ein oder zwei Antilopenarten),Afrika Tropenwald mit Hallen und mit Howletts vergleichbare jedoch naturnähere Gorilla und Schimpansenanlagen sowie vergesellschaftungen mit Bongos und Okapis. In Asien wird es warscheinlich nur noch eine Tigerart geben da es sich nicht rentiert hat andere zu Züchten.Auch hier wird es wieder Hallen geben. Südamerika stelle ich mir ähnlich wie Tropenafrika und Asien vor. Nordamerika und Australien finden wir (genau wie heute) nur als kleinen Zusatz oder in kleinen Zoos und Wildparks. Mit ausnahem des Rentiers und es Watussirinds sowie zum Thema passende Ziegen werden die meisten Haustiere in unseren Zoos austerben. Profitieren werden von dieser Welle größere Arten Niedere Affen (sowie die Krallenaffen schon heute), Großgruppen und Vergesellschaftungsfähige Huftiere und die meist ungeachteten Vögel die in den Tropenhallen leben. Weiterer Verlierer werden Kleinkatzen und dieverse nachtaktive sein da man keine ausreichend großen Nachtierhäuser bauen wird. Die Polarregionen hab ich mal außenvorgelassen da es kaum etwas vergleichbares gibt im moment aber ich hab so das gefühl das die Chance auf den ersten Deutschen Meerestierpark besteht den Duisburg hat nicht besonders viel Platz und Nürnberg setzt mit seiner lagune auch Zeichen und sollten nach Harderwjk jemals wieder Orcas oder Belugas ziehen darf deutschland nicht hinterher hinken. So mehr fällt mir auf anhieb nicht ein. (12.07.2006, 16:17) | ||
| Michael Mettler: | Was kommt als nächste Entwicklung? Diese Frage haben wir unter diversen Themen schon kurz angeschnitten, meistens allerdings auf spezielle Zoos oder Tiergruppen bezogen. Wahrscheinlich ist ja selbst die momentane Tendenz zum Artenschutzzentrum und/oder Erlebniszoo nur eine Momentaufnahme in der Geschichte der Zoowelt. Wie wird - realistisch betrachtet, also möglichst ohne große Träumerei oder Schwarzmalerei - der nächste Entwicklungsschritt aussehen, wenn man die Erfahrungen der letzten Entwicklungen als Grundlage nimmt? Ich möchte behaupten, dass sich in Zukunft die Platzprobleme der meisten deutschen Zoos verschärfen werden. Der Trend zu immer größeren Anlagen wird ungebrochen bleiben, selbst Anlagen wie der Kölner Elefantenpark werden in nicht allzu weiter Ferne flächenmäßig von anderen Zoos übertroffen werden - ich denke da an Nürnberg, den Tierpark Berlin und vielleicht noch den einen oder anderen "Außenseiter", mit dem man jetzt noch nicht rechnet (wer hätte vor zehn, fünfzehn Jahren gedacht, wieviel Areal Köln einer einzigen Tierart einräumen würde?). Da sich gleichzeitig auch die Flächenansprüche für andere populäre Großtierarten (Großraubtiere, Nashörner, Robben, Menschenaffen)vergrößern, wenn nicht sogar vervielfachen werden, stehen die Zoos zukünftig noch stärker vor der Entscheidung, wie sich ihr "Sortiment" zusammensetzen soll. Da ein Zoobesucher eine gewisse Vielfalt erwartet, werden hie und da platzintensive Arten aus den Sortimenten herausfallen - wie jetzt auch - um durch kleinere ersetzt zu werden. Vielleicht werden auch die heute aktuellen bzw. neu errichteten Elefanten- und Gorilla-Anlagen dann Nashörner und Niedere Affen beherbergen, weil sie für die ursprünglichen Bewohner wiederum als zu klein gelten. Manche Großanlagen, vielleicht sogar ganze Zoos ohne Ausdehnungsmöglichkeiten werden vermutlich den Charakter eines Wildreservates bekommen: In einer je nach gezeigtem Lebensraum möglichst wildnisähnlichen Umgebung werden Lebensgemeinschaften aus einer Vielzahl von Arten zu sehen sein - oder eben auch NICHT zu sehen, da sich die Tiere in weiten Teilen der Anlage fernab der Besucher aufhalten können. Diese Entwicklung wäre die logische Erbfolge von Anlagen wie Burgers' Bush oder Masoala. Vielleicht wird ein enger Stadtzoo wie der Frankfurter eines Tages eine riesige Tropenhalle sein, in der sich eine Lebensgemeinschaft des brasilianischen Regenwaldes bis auf wenige Ausnahmen (Großraubtiere) frei bewegen kann. Ein anderer, größerer Zoo wäre vielleicht eine durchgehende afrikanische Savanne, in der wiederum nur die nicht gesellschaftsfähigen Arten in eigenen Anlagen leben, ohne aber die Illusion des zusammenhängenden Lebensraumes zu zerstören. Nur Zoos mit Riesenflächen können es sich dann noch erlauben, mehrere Themenwelten zu zeigen. Der Tierbestand wird sich noch mehr als heute danach ausrichten, welche Arten zum gewählten Thema passen, denn beliebig besetzbare Neutralgehege wird es nicht mehr geben. Eine von drei verschiedenen Rollen wird eine Tierart ausfüllen müssen: Den "Publikums-Star", also einen auch von Laien auf den ersten Blick identifizierbaren, populären Tiertyp, die "Ergänzungsart", die zwar weitaus weniger populär ist, aber zur Darstellung von Zusammenhängen (z.B. Beutegreifer-Beute) unverzichtbar, und die zum Entdecken in den "Reservaten" anregende "Such-mich-Art" (überwiegend kleinere Tiere). Das ist zwar im Prinzip schon heute so, doch wird in Zukunft das zahlen- und flächenmäßige Verhältnis dieser drei Grundtypen zueinander eine wesentlich größere Rolle spielen. Der Zoo der Zukunft wird noch weitaus mehr Aufklärungsarbeit leisten müssen als der heutige. Er wird unter anderem offensiv erklären müssen, warum Erhaltungszucht auch Tötung "überzähliger" Tiere bedeuten muss, da das schon heute zunehmend gewählte Mittel der Zuchtverhinderung kein brauchbares Werkzeug für die Erhaltung einer genetischen Vielfalt sein kann und man für die Finanzierung von Erhaltungszuchten nur werben kann, wenn man den eigentlichen Sinn einer solchen erfüllt, nämlich die Fortpflanzung der Tiere zulässt. Kein lokaler Sponsor wird z.B. den Neubau einer Zuchtanlage unterstützen, wenn womöglich vom Zuchtmanagement ein jahrelanger Zuchtstopp verfügt wird. Und man wird vor allen Dingen das Publikum darauf sensibilisieren müssen, dass solche Maßnahmen nicht nur für "Egal-Tiere" wie Hirsche, Schweine oder Antilopen gelten dürfen, sondern auch bei "Tabu-Tieren" wie Elefanten, Großraubtieren oder Affen nicht zu umgehen sein werden. Der große Erklärungsbedarf der Zoos wird nicht mehr mit an den Gehegen aufgestellten Schildern zu erledigen sein. Im Zoo der Zukunft werden die Besucherströme verstärkt in geführte Gruppen gegliedert werden, um die Inhalte durch persönliche Ansprache besser an die Zielgruppe zu bringen. Natürlich darf die Teilnahme an einer solchen Gruppe keine Pflicht sein, um zahlungswillige, aber nicht lernwillige Besucher als reine Konsumenten (und somit Geldbringer) nicht abzuschrecken. Ziel wird sein, den geführten Gruppen den Zoobesuch sowohl auf informativer als auch auf emotionaler Ebene so sehr zum Erlebnis zu machen, dass sie sich geradezu verpflichtet fühlen, noch vor Ort die Artenschutzprojekte des Zoos mit einer Spende zu unterstützen. Wohlgemerkt: Sie sollen freiwillig spenden, weil sie vom Gesehenen und Gehörten begeistert sind und sich damit identifizieren können - bloße Belehrung mit erhobenem Zeigefinger wäre hier also fehl am Platze. Um den vor allem personellen Aufwand zu refinanzieren, wird der Konsumbereich in den Zoos der Zukunft noch erheblich wachsen müssen, da mit steigenden Zuschüssen der öffentlichen Hand kaum zu rechnen sein wird. Der Zoobesuch als solches wird zum Gesamt-Event werden, themenbezogene Souvenirs werden eine große Rolle spielen - noch größer als in den jetzigen Erlebniszoos. Vielleicht werden die Besucher sogar manche Souvenirs selbst erstellen, z.B. unter Aufsicht Fährtenabgüsse aus Gips in kurzzeitig abgesperrten Bereichen der Tiergehege (etwa am Rand einer Wasserstelle) machen dürfen. Der Gastronomiebereich wird wachsen und sich den unterschiedlichen Bedürfnissen der Besucher anpassen, es wird den auch abends zugänglichen Gourmet-Tempel an der Zoo-Peripherie genauso geben wie den Fast-Food-Imbiss mittendrin. Und auch die Zoowelt wird nicht drumherum kommen, Sponsoren über Werbemöglichkeiten zu akquirieren: Einzelne Werbetafeln oder Autopräsentationen sind schon heute in den Zoos zu finden, vermutlich werden später Hauptsponsoren eine große Rolle spielen: "Unsere Afrika-Landschaft Luangwa Valley wird Ihnen präsentiert von Coca-Cola" oder ein McDonalds als Imbiss mitten im Zoo sind nicht undenkbar. Manch einer wird sicher bei der einen oder anderen meiner Visionen trocken schlucken oder protestieren, aber ich habe nichts weiter getan, als bisherige Entwicklungen in der Zoowelt UND in unserer Gesellschaft allgemein schlichtweg weiterzudenken. Und nun bin ich auf die Diskussion gespannt! (12.07.2006, 15:37) |
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