
| Michael Mettler: | Vielleicht ist auch nur der Begriff "Erlebniszoo" gar nicht korrekt; letztendlich entzündete sich ja das ganze Für und Wider an Hannover, und hier nennt man sich nun mal so - es ist quasi ein Firmenname. Ein Erlebnis dürfte für unsere Altväter auch schon die Besichtigung einer fahrenden Menagerie gewesen sein... Wenn man all das betrachtet, was bei den Gegnern dieser Entwicklung so verhasst ist, müsste man eigentlich einen völlig neuen Begriff entwerfen - denn es sind eigentlich gar nicht so sehr die Kunstfelslandschaften (die es schon seit über hundert Jahren in Zoos gibt), die Stilbauten (dito) oder die Gehegedekorationen, sondern vor allem die "Vergnügungspark-Elemente" wie Tiershow, Minengeist, Bootsfahrt oder Safari-Simulator, die auf die größte Ablehnung bei Jenen stoßen, für die ein Zoobesuch offensichtlich auf keinen Fall beinhalten darf, dass der Besucher Spaß hat (außer natürlich beim Betrachten von Tieren). Vielleicht käme der Begriff "Abenteuerzoo" dem Inhaltlichen näher als "Erlebniszoo". Wobei ihn seine Gegner deswegen nicht liebenswerter fänden :-) (06.05.2007, 20:55) | ||
| IP66: | Ich finde es sehr einleuchtend, wenn man den entscheidenden Schritt zum Erlebniszoo schon bei Hagenbeck verortet, wobei man darüber diskutieren kann, ob erst die Panoramen in Stellingen diesen Schritt markieren oder schon ihre temporären Vorgänger. Allerdings fällt auf, daß Hagenbeck ohne Stilbauten oder Exotismen auskam, während heute die meisten Erlegniszoos dergleichen verwenden - wobei ich sogar den Jeep dazurechnen möchte. Hier gibt es ein Buch von Herrn Koppelkamm, daß vor allem für die Frühzeit recht interessant ist, die man durchaus in das ausgehende 18. Jahrhundert verschieben darf. Interessant ist allerdings, daß die Übernahme der Hagenbeck'schen Modelle von Zoo zu Zoo sehr unterschiedlich gehandhabt wurde. Insofern könnte man auch von einem Nebeneinander von zwei unterschiedlichen Richtungen sprechen, bei jeweiligem Vorwalten der einen oder der anderen. Man kann auch nicht sagen, daß das Hagenbeck'sche Modell für die Zwischenkriegszeit verbindlich war, denn neben Neuanlagen wie Nürnberg stehen auch Bauhaus-Zoos wie Zürich oder die Abwendung von Hagenbeck-Modellen in Wuppertal spätestens mit der Neuerrichtung des Affenhauses. Insofern kann man auch nur von einem zweitweiligen Vorwalten des Erlebniszoos reden, zumal, Herrn Mettlers Argumentation folgend, die Neuanlagen in Kronberg nicht dazugehören. (06.05.2007, 20:06) | ||
| Michael Mettler: | Als damals die Gedankenspiele zur Neuausrichtung des hannoverschen Zoos publik wurden, wurde als wichtigstes Vorbild immer wieder Emmen genannt. Und auch die damals bereits bestehende Burgers-Bush-Halle in Arnheim hat Denkanstöße für die Entwicklung gegeben - bestimmt nicht nur wegen des ersten (?) "liegen gebliebenen" Landrovers in einem europäischen Zoo.... (04.05.2007, 23:20) | ||
| Shensi-Takin: | Au weh, ich wollte doch nicht schon wieder diese alte Diskussion ob Definition eines Erlebniszoos anfachen...Vielmehr ging es mir um die Beantwortung der von Zoosammler u.a. gestellten Frage hinsichtlich Entwicklung nichtdeutscher Zoos in ähnlicher Beziehung. Die Antwort wäre dementsprechend: ja, z.B. USA und NL-und das z.T. weitaus früher als D. (04.05.2007, 22:14) | ||
| Michael Mettler: | Für mich fängt der Erlebniszoo schon damit an, dass eine Naturillusion erzeugt wird - womit auch immer. Ein Hirsch im Wildgatter (also im heimischen Umfeld) erzeugte keine Naturillusion, ein Löwe im Menageriezwinger ebenfalls nicht; aber als durch Hagenbeck Tiere erstmals vor "Theaterkulisen" präsentiert wurden, war nach meiner Einschätzung der Weg zum Erlebniszoo beschritten. Zwischen der Präsentation von Großkatzen in einer "klassischen" (Hagenbeck) oder neueren (Hannover) Löwenschlucht oder in einer Schneeleoparden-Schlucht (Köln) kann ich trotz sehr unterschiedlicher Wertschätzung aller drei Zoos unter den Hardcore-Fans beim besten Willen keinen nennenswerten Unterschied finden: Alle drei zeigen das Tier in einem Bühnenbild, das der Betrachter für naturgetreu halten soll. Und ob Kinder im Zoo nun auf nachgebildeten Walknochen herumklettern oder didaktisch wertvolle Klapptafeln bedienen, scheint mir vom "Erlebniswert" her eher für erstere Variante zu sprechen - wovon werden sie wohl eher ihren Schulkameraden erzählen, oder andersrum gefragt: Was hinterließ den nachhaltigeren Eindruck? (04.05.2007, 20:37) | ||
| Sacha Beuth: | @Shensi-Takin: Womit wir (wieder) bei der Frage wären, was denn die Definition eines "Erlebniszoos" ist. Ist der Wild Animal Park in Escondido ein Erlebniszoo (Dschungelmusik bei Safarihütten, Schaukel-Safarifahrzeug für Erinnerungsfotos, kurzzeitige Ausstellung mit Dino-Robotern, usw.). Oder der Bronx Zoo in New York (z.B. Räucherstäbchenduft beim Eingang zu Jungle World, diverse künstliche Pflanzen, Felsen und Erdformationen sowie unterirdische Sicht auf Präriehunde im Childrens Zoo usw.) Was gilt als nachahmungswerte Form der Tierpräsentation, was sind sinnvolle und zugleich spannende Ergänzungen dazu und wo fängt der Kitsch an???? PS. Auch in Frankreich hat sich in den letzten Jahren bez. Erlebniszoo einiges getan: So gibt es z.B. im Zoo- und Safaripark von Peaugres einen Tigertunnel, im Zoo La Flèche eine Raubvogel-/Pferdevorführung in einer Art mittelalterlichem Hof. In La Flèche und in Amnéville werden einige Tiere Nordamerikas in Gehegen präsentiert, die an Forts, Wild-West-Farmen oder Trapper-Blockhäuser erinnern. Es gibt da aber auch positive Beispiele. So habe ich in Amnéville und La Flèche auch das erste Mal Eisbären auf Naturboden gesehen. (04.05.2007, 16:49) | ||
| Shensi-Takin: | Auf die in der Vergangenheit in diesem Topic immer wieder gestellte Frage ob der Entwicklung des "Erlebniszoos" im Ausland: Holland wurde bereits erwähnt-aber auch die Amerikaner wären zu nennen. Der Zoo von Topeka etwa, der Ende der 70iger/Anfang der 80iger ein Regenwaldhaus und einen gläsernen Gorillatunnel als Novalität baute oder z.B. der Brooksfield Zoo: http://www.youtube.com/watch?v=jS4bvnkmj8U auch hier wurden neue Wege der Tierpräsentation beschritten, die nicht unbedingt von allen (damaligen) Zooleuten positiv eingeschätzt wurden/werden. In einer älteren amerikanischen Ausgabe der National Geographic(1994?) war ein längerer Artikel über die Veränderung größerer US-Zoos zum "Erlebnis"-Zoo zu finden(Nachgestellte "Forschercamps", Urwaldimitate etc.). Mal sehen, ob ich die Ausgabe wiederfinde. (04.05.2007, 16:11) | ||
| Michael Mettler: | @IP66: Was Gelder betrifft, tut sich in Hannover etwas! Laut heutiger Meldung in der Tagespresse ist die Gründung einer Stiftung zur Förderung der Tierhaltung, des Artenschutzes und der Zucht bedrohter Tierarten im Zoo Hannover jetzt nur noch Formsache. Damit hat der Zoo endlich die Möglichkeit, wieder gegen Quittung Spendengelder anzunehmen, was ihm bei seiner Wirtschaftsform bis jetzt untersagt ist. Damit ist der Weg für interessierte Sponsoren aus der Wirtschaft, aber auch für spendenwillige Privatleute und vor allem für den Förderverein wieder offen, und es ist zu erwarten, dass dies den nächsten Bauprojekten gut tun wird. Zudem hat die Region Hannover nun eine fortlaufende Finanzierung der "Yukon-Bay"-Planungskosten abgenickt. Also: "Yukon ho!" (25.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Wenn ich die Pressermitteilungen aus Hannover richtig interpretiere, so wird die Diskussion um die Pinguine am Nordpol im hannoveraner Zoo akademisch, da man den Neubau nicht finanzieren kann und wohl auch sonst mit seinen Ambitionen an finanzielle Grenzen stößt. Ich frage mich, wie lange der Neubau des Ruhr-Zoos noch durchgehalten wird, auch wenn hier die Situation etwas anders ist als in Hannover, zumindest die Altbauten älter. (25.11.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | Wenn auch die bemerkung schon etwas her ist, soll sie doch wegen des Architekturinteressierten Äußerers nich unkommentiert bleiben: Der Hauptanteil der " Plattenbauten" die direkt vom Bergtierbereich im Tierpark Berlin zu sehen ist ( die front gegenüber), und der tatasächlich selten häßliich ist, ist keine "authentische" DDR- Hinterlassenschaft sondern ein " Geschenk" aus bereits tiefsten Westzeiten! (25.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | ...vielleicht liegt in Alaska ja auch irgendwo ein Schiff mit Pinguinen...? ;-) (19.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Mag ja sein, aber wer - wie ich - gern etwas spitzfindig bei geografischen Fehlbesetzungen ist, muss konsequenterweise dann auch mal eine Kritik zurückziehen: Es gibt definitiv einen nicht gerade kleinen Bestand Hausrentiere in Alaska, das habe ich heute dazugelernt. Und dann habe ich auch nix mehr gegen ihre Anwesenheit in ZOOM Alaska.... (Was nicht heißt, dass ich das Gehege gut finde!) (19.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | ... aber erzähle mir keiner, dass die Gelsenkirchener das recherchiert haben, aber dann vergessen, es auf den Gehegeschildern zu vermarkten oder gleich eine Geschichte daraus zu basteln (wäre doch nett gewesen) (19.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Bezüglich "ZOOM Alaska" in Gelsenkirchen muss ich einen Vorwurf zurücknehmen - nämlich den, mit Hausrentieren Etikettenschwindel zu betreiben. Habe heute das Buch "Deer of the World" erhalten und darin gelesen, dass bereits vor über hundert Jahren europäische Hausrentiere nach Alaska importiert wurden und deren Bestand um 1930 bei rund einer halben Million Tieren lag! Zwar sank diese Zahl danach wieder drastisch, als man versuchte, die Eingeborenen von Karibu-Jägern zu Rentierzüchtern umzupolen, aber dennoch scheint sich das Hausrentier in Alaska etabliert zu haben. Da Gelsenkirchen auf der Beschilderung auch nicht behauptet, Karibus zu zeigen (da steht nur allgemein "Rentier"), ist es somit auch kein tiergeografischer Fauxpas. (19.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Konstantin Ruske: Meine Anmerkung mit den Elefantenbullengehegen war nicht speziell auf den Tierpark, sondern eher auf die allgemeine Situation von Bullen in Zoos gemünzt - sorry, wenn das falsch rüberkam, in diesem Fall bietet der Tierpark Berlin wirklich weniger Anlass zum Meckern als andere Zoos!. Ich bin keineswegs gegen Vorgehege als Einrichtung, sondern nur dagegen, wenn sie als Dauerunterkunft für Böcke, Bullen, Hengste genutzt werden! Da in derlei Abteilen zwangsläufig weniger Platz ist, fehlen dort erst recht Beschäftigungsmöglichkeiten für die "Grünen Witwer", und das Ergebnis ist, dass ihre einzige Beschäftigung darin besteht, am trennenden Zaun zum Großgehege auf und ab zu laufen. Zumal der Grund für die Trennung in der Regel "nur" die Einschränkung bzw. jahreszeitliche Verlagerung der Nachzucht betrifft. Einen männlichen Ellipsenwasserbock - aus welchem Grund auch immer - dauerhaft abgesondert neben "seinen" Kühen zu halten, finde ich nicht besonders erstrebenswert - dann kann man ihn genausogut auf die Giraffenanlage rübernehmen (und dort sogar eine Junggesellengruppe aufbauen). Auch vorübergehend nicht benötigte Böcke, Bullen und Hengste haben Anspruch auf eine "artgerechte" Haltung. (18.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Vielleicht sollte man zwischen Separat- und Eingewöhnungsgehegen unterscheiden. Ich finde es immer schade, wenn man einen Antilopenbock nur um sechs Ecken und durch drei Gitter sieht. Zum Eingewöhnen sind dagegen möglichst abgeschirmte Gehege nützlich - allerdings müssen Tiere, die man ausstellen will, an Besucher gewöhnt werden, dürfen mithin nicht völlig abgeschirmt werden. Mit dem friedrichsfelder Affenhaus bin ich auch unglücklich, es ist ein beinahe klassisches Beispiel für zu wenig Einrichtung in eher zu großen Innengehegen. Im Gegensatz zum Affenhaus des Zoos sind auch die Besucherflächen sehr karg, so daß ich manchmal den Eindruck habe, dort frösteln Affen und Besucher solidarisch miteinander. Die Huftiergehege würde ich von dieser Kritik allerdings ausnehmen. Was Sichtachsen betrifft, so erzielt man den Eindruck von Weite und Abwechslung ja gerade dadurch, daß man plötzlich aus unübersichtlichem Gelände tretend einen weiten Blick über eine Fläche hin auf eine fernen Attraktion werfen kann - in Frankfurt etwa vom Restaurationsgebäude auf das Exotarium, wenn man aus dem Klein-Klein der Gehege um Hirsch- und Straußenhaus tritt. Der von Herrn Mettler geschilderte Effekt, den ich auch schon beobachten konnte, wird eigentlich eher durch ein dichtes Hintereinander von Gehegen am Weg erzielt. Ob man den wirklich vermeiden kann, weiß ich nicht, daß diese Hochgeschwindigkeitsrundgänge auch von einer gewissen Gruppe von Besuchern geschätzt und ganz bewußt absolviert werden. (18.11.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | gerade die fast vollständige Ausstattung mit Vorgehegen ( auch nicht immer im besucherbereich- Gebirgstiere, Asiatische Rinder)und Quarantänegehegen hinter den Kulissen sind ein großes Plus im tierpark berlin ( sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist aber kaum in einem andren Zoo so ausgebaut). Wenn tatsächlich Antilopenböcke( ist nur bei Eleipsenwasserbock und Morrh- gazelle der Fall) dauerhaft weggesperrt werden, sollte man über die möglichkeit des Vorgeheges erfreut sein. Die entscheidung des Wegsperrens haben die Pfleger nicht ohne Grund getroffen, und besser, als den Bock im Stall zu lassen, in einen andren Bereich zu transportieren oder gar abzugeben, ist dann das Vorgehege alle mal. Besonders im Sommer haben die Böcke oft nachts die schauanlage. Die Hengste der halbesel hinter den kulanen sind im Absperrgehege, weil sich kein Abnehmer findet ( Gehege ist übrigens abgeschirmt), und das Kiangvorgehege ( auch versteckt) ist nicht gerade klein. Für den Somali-hengst ( oder auch machmal eine Teilgruppe) wurde extra ein großes absperrgehege zwischen Straußen und Eseln gebaut. Die vielen Vorgehege sind also wirklich ein sgen und auch grundlage vieler kontinuierlicher Zuchten, alo positiov zu werten. Die Elefantenbullenanlagen sind für bullenanlagen eher über dem Durchschnitt ( wirken auch nicht voll, wenn Mutterkindgruppe drauf war), manches später Gebaute Elefantenhaus verfügt über flächenmäßig kleinere Bullenanlagen ( wuppertal). Ich habe da noch keine Kritik gehört ( auf die Außenanlagen bezogen). (18.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @IP66: Wie gut "die meisten neuen Gehege" im Tierpark Berlin eingerichtet sind (wie weit zurück reicht eigentlich "neu"?), war ja schon mehrfach Thema im Forum - in einigen Gehegen (Afrikanum!) besteht die Einrichtung mal gerade aus den Tieren selbst, und die Affen empfinden in ihren Innenkäfigen einen auf dem Boden liegenden Ast oder eine Schaufel voll Sägespäne bestimmt auch nicht gerade als behavioural enrichment (Obwohl: Wenn man SO leben muss, ist wahrscheinlich schon ein einzelnes Stückchen Baumrinde ein Riesenereignis!). Die heutige Dschelada-Freianlage war übrigens zu DDR-Zeiten ursprünglich als Schimpansen-Freianlage konzipiert. Warum nicht die alte Idee an anderer Stelle im Park wieder aufgreifen? Dass im Tierpark einige Vorgehege einsehbar sind, werte ich nicht zwingend als Vorteil. Solche Einrichtungen dienen ja u.a. auch dazu, Tiere einzugewöhnen, und dazu ist es sicher besser, wenn sie nicht auf dem Präsentierteller stehen. Wie schon an anderer Stelle erwähnt bin ich der Meinung, dass der Besucher nicht überall Einblick bekommen muss. (Nur am Rande erwähnt: Die geringe Größe der Bullengehege für Elefanten wird häufig kritisiert. Hat sich eigentlich auch schon mal jemand darüber geäußert, unter welchen Raumbedingungen z.B. im Tierpark Berlin Antilopenböcke und Einhuferhengste fast ganzjährig in Vorgehegen leben müssen?) Was Sichtachsen betrifft: Eines der Konzepte in Hannover ist, solche möglichst zu vermeiden! Damit soll gewährleistet werden, dass der Besucher sich auf das ihm nächstliegende Gehege konzentriert und nicht - "Oh guck mal, die Elefanten!!" (Beispiel: Leipzig) - zügig an vielen Tieren vorbeigeht, um ein weithin sichtbares Fernziel schnellstmöglich zu erreichen. Daher auch die verschlungene Wegführung in Erlebniszoos: Sie täuscht nicht nur mehr Fläche vor (das Prinzip hat aber auch in klassischen Zoos schon funktioniert, Frankfurt z.B. wirkte dadurch schon immer größer), sondern erhöht die Neugier des (Neu-)Besuchers (welche Tiere mögen nach der nächsten Kurve zu sehen sein?). Ist zudem "natürlicher". Wo ein Stilelement wie das Schloss Friedrichsfelde vorhanden ist, macht allerdings eine Achse Sinn (und da gibt es sie auch). Nach meinem Geschmack ist übrigens das Affenhaus im Zoo Berlin (das eigentlich Tropenhaus heißt, oder) haltungstechnisch weder besser noch schlechter als das Menschenaffenhaus, denn beide sind gleichmaßen Repräsentanten der Badezimmer-Ära. Und im Vergleich zu den Mandrills, die als Regenwaldbewohner auf einem nackten Felshaufen sitzen müssen, haben es die Menschenaffen mit Naturboden sogar noch besser. Die Hulman-Innenanlage in Berlin ist seinerzeit meines Wissens übrigens nicht aus dem Grund vergrößert worden, um den Tieren mehr Platz zu bieten, sondern weil viele Besucher des Hauses gar nicht registriert hatten, dass "dahinten um die Ecke" noch Tiere zu sehen sind - also wurde die Scheibe nach vorn versetzt.... (17.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Wenn das Affenhaus im Zoo Berlin schon veraltet ist, kann man das Urwaldhaus in Hannover oder auch die entsprechenden Gebäude in Krefeld und Köln gleichfalls sprengen. Sicher wird man in der Menschenaffenhaltung einiges zusammenlegen müssen, aber der Bereich für niedere Affen ist nach wie vor haltungstechnisch vorbildlich - die Hulmane in Hannover haben deutlich weniger Platz, um einmal ein aktuelles Beispiel zu nennen. Vielleicht wäre es in weiterer Perspektive wirklich interessant, ein Teil der Menschenaffenarten in den Tierpark zu verlegen, wo es ja noch Tierhäuser braucht. Ein klassischer Artenzoo ist der Tierpark eigentlich nicht, er ist in Teilen geographisch sortiert und Vergleichskäfige gibt es eigentlich nur in der Schlangenfarm. Über das ein oder andere Gemeinschaftsgehege dort wäre auch ich froh, und das Plattenbaupanorama, das den Hintergrund der neuen Bergtieranlagen bildet, will mir trotz hoher Autentizität nicht recht gefallen. Doch im Ganzen sind die meisten neuen Gehege sehr groß, gut eingerichtet, man kann oft die Vorgehege einsehen, und in der Regel gibt es auch gitterlose Einblicke. Man muß natürlich konstatieren, daß das Gelände unspektakulär ist, es kaum wirklich ambitionierte Architektur gibt - das Brehm-Haus einmal ausgenommen - und die Sichtachsen, die den Zoo prägend bestimmen, im Tierpark fehlen. Ich glaube aber nicht, daß man diesen Fehler so schenll korrigieren kann, und denke, daß die Bergtierbereiche schon eine Art Reaktion darstellen, die Gelände modellieren und erschließen, ohne Betonfelsen zu türmen. Ich verstehe auch die Panik der Berliner kaum, denn schon von der Substanz der Anlagen her sind Zoo und Tierpark gemeinsam nur schwer zu übertreffen, und man hat, im Gegensatz zu Köln, Frankfurt und mittlerweile auch Stuttgart, allen Platz der Welt, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. (17.11.2005, 00:00) | ||
| Stefan Schubert: | Ich dächte einmal in der Zoopresseschau gelesen zu haben, dass der Berliner Zoo Grundstücke am Wirtschaftshof verkaufen solle um fehlende Zuschüsse des Senats abzufedern. Dies wäre vielleicht eine Erklärung für die dortigen Absichten und da hat die Investorengruppe vieleicht gar nichts mit dem Zoo zu tun? Absicht wäre dann aus einer versteckten Ecke hinterm Bahnhof einen Vorteil zu ziehen: Der Blick über den Tiergarten und dem Zoo! Dies sind nur Mutmassungen und insgeheim hatte ich gehofft näheres von Forumsteilnehmern aus dieser Region zu erfahren! (17.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Karsten Vick: Wie man die "hohle Gasse" im Zoo Berlin für Besucher attraktiv machen kann, zeigen doch gerade die so genannten Erlebnis-Zoos: Ohne Felsentunnel geht ja hier nix mehr, siehe "Bergwerksstollen" in Arnhem, Gelsenkirchen und (geplant) Hannover. Und wenn der Wirtschaftshof seinen alten Standort verlässt (wohin eigentlich??), ist auch der LKW-Verkehr kein Problem mehr. @Bernhard: Ich schließe mich der Aussage an, dass man sich bei der Betrachtung "wie in Alaska" fühlen soll. Das nämlich ist der Sinn eines Landschaftsgeheges bzw- -komplexes, es bzw. er soll eine Illusion wecken. Trotz allem ist und bleibt ein Zoogehege - egal wie es gestaltet ist - ein ERSATZ-Lebensraum. Glücklicherweise scheinen damit viele Tiere weniger Probleme zu haben als manche überkritische Betrachter, für die offensichtlich sogar noch der Sand und die Baumstämme direkt aus Alaska importiert werden müssten. Letztendlich sieht ein geografisch konzipiertes Zoogehege immer so aus, wie sich der heimische Betrachter eben das betreffende Land vorstellt, nur dann entsteht bei diesem der Eindruck "natürlicher" Haltung. Ich behaupte mal, dass der durchschnittliche Mitteleuropäer beim Stichwort Alaska zuerst an Jack London und den Goldrausch denkt, und die neuen Erlebnisbereiche bedienen eben diese Fantasie. Auch das "schönste" Afrika-Gehege täuscht nur darüber hinweg, dass z.B. Ostafrika in weiten Teilen aus Feldern und Wellblechhütten besteht und leider nicht (mehr) aus unberührter Wildnis. Selbst ein langjähriger Afrikareisender wie Dr. Horst Hagen beklagte mir gegenüber mal, dass man in manchen ostafrikanischen Nationalparks kaum noch brauchbare Landschaftsfotos machen kann, weil entweder irgendwo ein Touristen-Bus in der Gegend steht oder auf dem Boden Fahrspuren zu sehen sind. (Wobei die Tiere die Pisten gern als bequeme Wechsel nutzen und deswegen viele Tiere auch bevorzugt auf und neben den Fahrspuren zu finden sind....) Wer WIRKLICHES Afrika zeigen und gleichzeitig mit dem mahnenden Zeigefinger kommen will, müsste demnach in ein Ostafrika-Gehege einen Touri-Bus nebst Fahrspur stellen. DAS aber würden die Puristen dann wieder als billigen Show-Effekt bezeichnen - verkehrte Welt! @Susanne: "Wenn man einfach den ganzen Wirtschaftshof unter die Erde legt..." EINFACH??? Schön wär's ja! Schon beim Bau eines Einfamilienhauses wird heutzutage aus Kostengründen oft auf den Keller verzichtet, weil Tiefbau nun mal mehr kostet als Hochbau. Wo bei oberirdischer Bauweise z.B. eine große Leichtbau-Garage als Lagerhalle reicht, müsste man zum gleichen Zweck unterirdisch "Bunkeranlagen" aus dickem Beton bauen. Und ich möchte nicht wissen, wie oft dann der Zoo Berlin wegen Bombenentschärfung geschlossen werden müsste (wohin evakuiert man eigentlich die Tiere?) - bei der Lage sind haufenweise Blindgänger im Erdboden ja wohl zu erwarten.... Worauf leben eigentlich Kalifornische Seelöwen in der Natur? Die Frage ist nicht ironisch sondern ernst gemeint, ich war noch nie in Amerika - und kenne von "wilden" Kalifornischen Seelöwen nur die Fotos, wo sie sich herdenweise (und freiwillig)auf Hafenpiers und Yachtdecks sonnen. Aber DAS darf ein Zoo natürlich nicht zeigen, das wäre ja wieder nur ein billiger Show-Effekt, der unnötig von den Tieren ablenkt. (Und DAS war jetzt wieder ironisch gemeint!) (17.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | noch @ Karsten Vick: viele nette Hintergrund-Infos - danke - und die sache mit dem Affenpfleger kann ich nur dick untersteichen. Aber: Blaskiewitz ist Tiersammler und hat keinerlei Gespür für interessante, Tier- und naturnahe Gehege. Ja, der würde sicher eine Reihe Dresdner Orangkäfige mit angezählten drei Sitzbrettern für alle bekannten oder noch zu findenen Unterarten nebeneinander bauen, aber wem bringt das was. Orang-Haltung sieht heute anders aus. Und ein Junhold sollte keinem Baskiewitz zur Seite stehen müssen - der ist selbst Direktor, und zwar ein sehr guter. Ein zweiter Junhold wäre wirklich gut in Berlin (in beiden Zoos), aber eben gleich als Direktor Und, nein, das Berliner Affenhaus kann man sicher nicht zum Afrikanischen Tropenwaldhaus umbauen, das wäre nur eine Neubesetzung veralteter Anlagen. Für so eine Anlage heißt es schlicht: Abreißen und neu bauen. Fällt mir noch ein: Ob Basel, Duisburg, London, Emmen, ... - Beispiele für geteilte Zoos gibts genug. Ist nur eine Frage, wie das vernünftig gestaltet wird. Wenn man einfach den ganzen Wirtschaftshof unter die Erde legt (im Emmen mehr oderweniger umgesetzt), wäre genug Platz für ein paar ha neue Anlagen. Aber bitte ohne Riesenrad darüber... (17.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | Ich kenne den alten Ruhrzoo nur zu gut. Glücklich bin ich über Zoom trotzdem nicht. Wer fast alle alle Zoologen aus der Direktion rausschmeißt, die Besucher mit zumindest mißverständlichen Angaben irreführt und nur noch vordergründig Unterhaltung bieten will, hat in meinen Augen das Prädikat Zoo verloren. Es geht aber nicht nur darum, daß vordergründig PR-Spektakel und Erlebnisattraktionen den ZOOM beherrschen, sondern daß dahinter nun fast nichts mehr kommt (anders als in Leipzig, wo es auch Simulator und Kulissen gibt!) Ja, ich will auch Landschaft und Lebensraum um die Zootiere, aber dann bitte richtig. Was da gebaut wurde, hat mit Alaska nichts zu tun. Dann lieber Wiese mit Zaun, und keine sich überschlagende PR-Maschinerie, die mir das als authentische Natur verkaufen will. PS Seelöwen leben NICHT auf Beton in der Natur... Nee, Freude habe ich im ZOOM keine gehabt. (17.11.2005, 00:00) | ||
| Bernhard: | Da im Forum bisher niemand bereit war, auch auf die direkt Frage von Herrn Mettler hin, mal etwas positives über den neuen Ruhr-Zoo zu schreiben, werde ich mich dieser Aufgabe annehmen, und ich mache das gerne: ich habe die neue Zoom-Erlebniswelt Anfang September besucht und mir hat es gefallen, jawohl! Natürlich ist es nicht perfekt (welcher Zoo ist das?), natürlich hätte ich etliches anderes gemacht (wer nicht?) und es ist schon viel berechtigte Kritik geübt worden, aber wer den alten Ruhr-Zoo kennt kann nur glücklich über die neuen Anlagen sein. Und wie schwer das ist neue Anlage zu bauen die alle begeistern und zufrieden stellen sieht man ja schon in den Diskussionen über die Anlagen in Hannover. Da aber ein Zoo nicht nur von uns Zoointeressierten und begeisterten leben kann ist wohl klar, also muss er auch Normalbesucher und v.a. viele neue Besucherschichten ansprechen, und wenn er sich dann aus Marketinggründen Erlebniswelt nennt und mit Geistern und Eisschollenfahrten wirbt und damit die Leute anzieht, muss man das wohl (leider) akzeptieren. Wichtig ist doch die Haltung der Tiere und von einem Vergnügungspark ist der Zoom wirklich weit entfernt. Natürlich wären mehr seltene und bedrohte Arten schön, aber sind die denn so leicht zu haben? Und so verbreitet in der Zoowelt sind Elche, Baumstachler, Kodiakbären und Streifenskunke ja schließlich auch nicht. Jedenfalls sind die Gehege sehr groß und v.a. recht strukturiert angelegt, jede Tierart hat in den Gehegen Versteckmöglichkeiten. So werden z.b. die Kodiakbären auf Kies und Erde gehalten, auch die Eisbären haben sehr viel natürliche Bodenbeläge. Es wird zwar kritisiert dass die Seelöwen nur auf Felsen gehalten werden (worauf leben sie eigentlich in der Natur?) aber nicht anerkannt dass sie ein riesen Becken und auch viel Platz an Land zur Verfügung haben. Dazu sind alle Anlagen in eine schöne Landschaft integriert, die gerade im Waldteil nicht übertrieben aus Kunststoffkulisse besteht und schließlich müssen auch die neu gepflanzten Büsche und Sträucher erst noch wachsen. Für mich gehört die Landschaft in der die Tiere gezeigt werden zu einer richtigen Tierpräsention hinzu. (ist das vielleicht noch ein weiterer Typ Zoobesucher?). Was natürlich bei Großtieren viel schwieriger ist als bei Terrarien und Volieren. Diese Art Präsentation gefällt mir jedenfalls viel besser als wenn manche Zoos einfach ein Stück Wiese einzäumen und dann Zebras darauf halten. Jedenfalls konnte ich mir bei meinem Besuch vorstellen, ich wäre in Alaska (leider war ich dort noch nie und kann daher nicht beurteilen wie gelungen die Kopie in Gelsenkirchen ist). Ein Zoobesuch soll Freude machen, die Beobachtung der Tiere soll Freude machen und warum sollen denn Beobachtungsunterstände den nicht als Trapperhütten angelegt werden. Das dient doch ebenso nur dem Auge des Zoobesuchers und nicht dem Tier wie z.b. orientalische Bauwerke für Antilopen und Blockhütten für Bisons in anderen Zoos. (16.11.2005, 00:00) | ||
| Karsten Vick: | Wer das Geschehen in Zoo und Tierpark Berlin verfolgt, der merkt, dass da nicht nur Friede und Freude herrscht, schon gar nicht jetzt in Zeiten knapper Kassen. Dabei hat der Zoo anscheinend regelrecht Panik, vom Tierpark in einer Beziehung überholt zu werden: im Tierbestand. Seit Geheimrat Hecks Zeiten schmückt sich der Zoo mit dem Prädikat Artenreichster Zoo der Welt. Und diesen Titel werden sie bei fortlaufender Entwicklung in den nächsten 10 Jahren an den Tierpark verlieren, wenn sie nicht die kleinste Amöbe im Aquarium mitzählen. Statt nun offensiv damit umzugehen und diesen Titel abzulegen oder gemeinsam zu nutzen (Berlin die Stadt mit dem größten Zootierbestand das würde ihnen in Ewigkeit keiner streitig machen), sucht der Zoo krampfhaft nach Erweiterungsmöglichkeiten und wirft dabei immer mal ein Auge auf den Wirtschaftshof. Jetzt also ein Riesenrad. Vor ein paar Monaten wollten sie den Streichelzoo auf diese Fläche verlagern und wer diese hohle Gasse mit LKW-Verkehr! kennt, der kann das eigentlich nur für eine dämliche Idee halten. Der Zoo ist ein Innenstadtzoo und muss mit dieser Tatsache genauso umgehen wie Frankfurt. Aber sie haben was, was Frankfurt nicht hat: einen 160 ha großen Betriebsteil. Und nutzen das so wenig. Man könnte im Tierpark z. B. für Orang-Utans was machen, Kletterkäfige wie in Dresden, von mir aus beide Unterarten. Das in Verbindung mit der Gibboninsel, dazu asiatischer Regenwald: Languren, Riesenhörnchen, Hornvögel, Fasanen
Dann könnte man das Menschenaffenhaus im Zoo zum Afrikahaus umgestalten für Gorillas und Bonobos, dazu dann der von Michael Mettler gewünschte afrikanische Regenwald mit Quastenstachler, Ginsterkatze, Mandrill, Turakos, Kongopfau
So sieht Zusammenarbeit aus. Was die Führungsetage betrifft, bin ich zu wenig Insider, um mir ein Urteil zu erlauben, aber wenn der Affenpfleger mehr zu sagen hat als der Direktor und in der Regenbogenpresse schlecht über seinen Arbeitgeber redet, dann stimmt da was nicht. Beide Parks unter einheitlicher Führung wäre schon eine gute Lösung und B. Blaszkiewitz kein schlechter Mann dafür. Nur müsste ihm so ein Marketingexperte mit Tierverstand wie z. B. ein Jörg Junhold zur Seite stehen. (16.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Übrigens ist eines der Lieblingsprojekte von Prof. Dittrich in Hannover aus Kostengründen nie realisiert worden, nämlich ein "Haus der Sinne". Mittels technischer Hilfsmittel wie hochempfindlicher Mikrofone, Restlichtverstärker usw. sollte der Besucher dort erleben, wie verschiedene, in diesem Haus gezeigte Tiere ihre Welt wahrnehmen - z.B. der Fennek als Lausch-Spezialist. Auch das wäre ein "Erlebnis-Element" gewesen - lange bevor der Zoo in Erlebnis-Zoo umgetauft wurde. (12.11.2005, 00:00) | ||
| Dirk K: | Aber auf dem Gelände der Grotenburg soll meines Wissens nur ein Park gebaut werden, was ja eigentlich Schwachsinn ist, denn der Zoo liegt ja wirklich direkt daneben und könnte ohne auf irgendwas zu achten, eingegliedert werden. (12.11.2005, 00:00) | ||
| Dirk K: | Vielen Dank für die Informationen Susanne. Hört sich ja zum Glück nicht nach einer kompletten Umstrukturierung an. (12.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | Stimmt. Ist Teil der gesamten Umstrukturierung - Umwandlung in GmbH ist ja gerade erfolgt. Die Ideen - von neuem Nashorhaus, Menschenaffen-Außenanlagen, neuen Robban- und Paviananlage,... sind wohl in den Köpfen der Direktion fest verankert ;-) Ich habe gehört, daß Wiesental den Masterplan basteln soll, aber weniger das, was man eigentlich unter komplettem Masterplan versteht, sondern nur ein besserer Flächennutzungsplan. Die Details machen die im Zoo sicher lieber selbst. Hängt auch von so vielen ab - bis hin zur Frage, ob das Fußballstadion mal wegkommt und der Zoo erweitert werden kann... (12.11.2005, 00:00) | ||
| Dirk K: | Da ich dafür keine extra Thread eröffnen wollte stelle ich die Frage einfach mal hier: Ich hab davon gelesen, dass der Zoo Krefeld z.Z einen Masterplan ausarbeitet, hat jemand Infos darüber was dieser beinhaltet? (12.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich müsste ehrlich gesat auch in die Jahresberichte schauen, wann Prof. Dittrich aus Zoodiensten ausgeschieden ist, aber es fiel mit der Umwandlung vom städtischen Betrieb in eine GmbH zusammen und damit auch mit dem Anfang des Umbaues (erstes Projekt war der Gorillaberg). Soweit ich gehört habe, identifiziert sich Dittrich nicht mit dem "neuen" Zoo, andererseits hört man auch keine Kritik von ihm - es ist halt nicht mehr "sein" Zoo, und das kann und sollte man respektieren. Vielleicht traf der "Kulturschock" des Zoo-Umbaues die Zoofans auch deshalb so sehr, weil der Zoo zu Dittrichs Zeiten immer ein gewisses Understatement pflegte (z.B. wurden einzigartige Haltungen und Erstzuchten nicht besonders hervor gehoben), während die neue Zooleitung vollmundig die Werbetrommel rührt. (In Frankfurt z.B. lief es ja mit dem Übergang Grzimek-Faust umgekehrt: Vom Medienstar zum "Arbeiter im stillen Kämmerlein".) Hannover war nie ein ausgesprochener Vogelzoo, es gab früher den Spruch "bei Dittrich fangen Tiere erst ab Affengröße an". Es hatte aber sicher auch den Hintergrund, dass der Zoo von Ruhe hauptsächlich für große Tierarten als Umschlagplatz gebraucht wurde, für die in Alfeld zu wenig Platz war; zudem wollte Ruhe einige größere Arten in Hannover züchten (z.B. Antilopen), um akklimatisierte Nachzuchten anbieten zu können. Kleinvögel liefen über Alfeld, und man darf vermuten, dass dieser Zweig des Tierhandels auch wegen der hohen Verlustzahlen unter den importierten Tieren lieber "hinter den Kulissen" belassen wurde. Vogel- und Aquarienliebhaber plädierten immer wieder für entsprechende Häuser, so war die Papageienwiese am früheren Eingang für beides im Gespräch. Man darf aber nicht vergessen, dass gerade ein Aquarium ein sehr kostenintensives Gebäude ist. Da war dann der Bau des Urwaldhauses doch sehr viel wichtiger, ging es doch dabei um bereits vorhandene Tierarten, die besser untergebracht werden mussten. (11.11.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Das stimmt, bei Hagenbeck kann man, vorausgesetzt die Tiere befinden sich drinnen, fast jeden Stall betreten. Deswegen habe ich auch eine hier früher mal über Hagenbeck gefallene Äußerung "nicht hinter die Fassade blicken" oder so verstanden, denn fast kein anderer Zoo gibt so unverschlossen Blick auf z.T. veraltete, z.T. einfach nur hässlich-funktionale Ställe wie Hagenbeck. In Hannover fehlt mir auch ein Vogelhaus, allerdings wäre das wirklich Quatsch mit Walsrode in der Nähe. Ein Aquarium schien ja trotz des Vivariums am Maschsee mal geplant gewesen zu sein, ich denke auch nicht, dass das Besucher abgezogen hätte, in manchen anderen Städten existieren zwei Aquarien nebeneinander her. Bis wann hat Herr Dittrich den Zoo eigentlich geleitet, und was sagt er zu "den neuen Wegen"? (11.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Sie haben nicht ganz unrecht, was die hannoveraner Artenzahl betrifft - da war ich bei meinem letzten Besuch selbst überrascht, wie viel beim Nachdenken und Zusammenzählen herauskam. Das Schildkrötenhaus gefällt mir recht gut, und ich bin froh, daß es das Menschenaffenhaus und das Haus für niedere Affen noch gibt. Bei Hagenbeck habe ich noch vor einem Jahr eine ganze Menge kleinerer Häuser - wohl eher Stallungen betreten können - da wir wohl unterschiedliche Winterbesuchserwartungen haben, fand ich das ganz praktisch. Dittrichs Vorstellungen haben sich ja auch im Zoo und seiner Architektur gespiegelt - wobei ich zugeben muß, daß mir in Hannover eigentlich die Vögel schon immer gefehlt haben, Walsrode hin oder her. Den Dschungelpalast würde ich aber denn doch nicht als Tierhaus bezeichnen. Aber vielleicht haben sie recht, und der Umbau ist in Hannover doch kein so gewaltiger Umbruch, wie man sich das von außen, wenn man den Zoo nur alle zwei, drei Jahre besucht, vorstellt. (11.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Sprechen wir hier vom selben Zoo? 1. "Es gibt keine Tierhäuser..." Was sind denn dann Urwald- und Tropenhaus, Schildkrötenhaus und Dschungelpalast (das zentrale Gebäude, nicht der Ganze Parkteil), Tapirhaus (früher Elefantenhaus) und die beiden großen Ställe auf Meyers Hof? Wieviele begehbare Tierhäuser gab es denn vor dem Umbau? (Abgerissen wurde nur das Raubtierhaus - und um das machten die Winterbesucher früher aus geruchlichen Gründen einen weiten Bogen.) Und wieviele Tierhäuser bietet denn z.B. Hagenbeck zum "Aufwärmen"? Also, wenn ich bei kühlem Wetter einen Zoo besuche, dann kleide ich mich entsprechend. Das bringt dann mit sich, dass ich GERADE die Tierhäuser an kalten Tagen nicht betrete, weil der mehrfache Wechsel zwischer kalter Winterluft und Tropenatmosphäre auch nicht angenehm ist! 2. "an grauen Tagen und ohne Laub".... sieht wohl jeder Zoo trauriger aus. Ich weiß nur nicht, warum die heutigen Felskulissen deprimierender sein sollen als der vorherige Sichtbeton. Anscheinend verklärt die Erinnerung einiges, denn zu Zeiten des "alten" hannoverschen Zoos bestand die Vegetation zu großen Teilen aus Eiche und Felsenmispel (Cotoneaster), was ein wenig an Friedhof erinnerte. Prof. Dittrich sagte dazu einmal (während einer Diskussion, ob man den Zoo durch attraktivere Bepflanzung optisch aufwerten könnte) "Die Bepflanzung soll nicht von den Tieren ablenken, schließlich sind wir hier ein Zoo und kein TierPARK". Seit dem Umbau wurden viele Bereiche mit immergrünen Gehölzen und Gräsern bepflanzt. Ich empfehle, beim nächsten Besuch darauf zu achten...! 3. "Die niedrige Artenzahl".... Laut meiner am 25.7.2005 notierten Wildsäugerliste komme ich für Hannover auf 63 Arten und Unterarten, dazu kämen dann noch heimische und exotische Haustiere vom Meerschweinchen bis zum Trampeltier. Damit in der hannoversche Zoo gemessen an diesen Tieren "artenreicher" als viele andere. Zum Vergleich, immer bezogen auf die Wildsäuger: Augsburg (zuletzt besucht 2000) 35, Basel (2001) 47, Erfurt (2003) 32, Halle (2001) 44, Hagenbeck (2001) 41, Heidelberg (2001) 36, Karlsruhe (2003) 34, Krefeld (2000) 60, Kronberg (2003) 38, Magdeburg (2002) 61, Münster (2003) 57, Nürnberg (2001) 60, Osnabrück (2003) 54, Rostock (2000) 38, Saarbrücken (2001) 48, Wuppertal (2002) 58. Wie "erschwert" muss die Tierbeobachtung dann wohl erst dort überall sein? Zudem hat Hannover im Gegensatz zu einigen "klassischen" Zoos wie Berlin, Frankfurt oder Stuttgart nie Wert auf eine möglichst große Kollektion gelegt. Walsrode liegt ein halbe Autostunde entfernt, und im hannoverschen Landesmuseum gibt es ein Aquarium/Terrarium. Deshalb hat der Zoo weder im alten noch im neuen Zustand ein (Klein-)Vogelhaus noch ein Aquarium bekommen, und genau solche Einrichtungen sind es ja, welche die Gesamtartenzahl in manchen Zoos pushen. Also: OBJEKTIVEN Maßstäben hält die eben geäußerte Kritik nicht stand! (11.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich denke, daß die Lage in Hannover ohne Volksbelustigung nicht zu halten sein wird: Es gibt keine Tierhäuser, in denen man sich aufwärmen kann, an grauen Tagen und ohne Laub sehen die Felskulissen noch deprimierender aus, und die niedrige Artenzahl erschwert die Tierbeobachtung zusätzlich. Das hat man schon unter Bodinus in Berlin lernen müssen - es gibt halt nur eine Reihe von Zoos, die mit den Archiven auch gleich die Erfahrungen ihrer Vorgänger in den Wind schreiben. Ich denke, daß wenn Hannover nichts mehr neu bauen kann, dort gegen 2010 die große Krise kommen wird, gegen die dann auch Karusell und Riesenrutsche nicht mehr helfen. (11.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich liefere hier für alle Hannover-Kritiker neues Lästermaterial: Zwischen Ende November und Anfang Januar wird es im Zoo eine Art "Winterwunderland" geben, mit Schlittschuhfläche, Rodelhügel und kleinem Weihnachtsmarkt, dekoriert von echtem, allerdings speziell erzeugtem Schnee! Keine Angst, dafür wird nicht Sambesi geräumt oder so, findet alles auf "Meyers Hof" statt. Die Rodelbahn kommt laut Tageszeitung in ein leeres Streichelgehege, die Schlittschuhbahn wohl auf die Rinderkoppel (die im Winter ohnehin wegen der schlechten Regeneration der Grasnarbe in der Regel den Tieren verschlossen bleibt). Viel Spaß beim Protestieren! (10.11.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | @zoosammler: Kein Wunder, Zoo und Tierpark gehören ja zusammen. Dennoch: Wenn Blaskiewitz öffentlich verkündet, er würde auch nebenher den Zoo noch leiten, merkt man schon, daß da Ränkespiele im Gange sind. Ich erinnere an das Hickhack um den neuen Zoodirektor Lang, der nur der kleinste gemeinsame Nenner zwischen zerstrittenen Aufsichtsrat, Betriebsrat und Vorstand war, letztlich das Problem nur ein paar Jahre verschoben hat und seinerseits sofort eine "Erlebniszoo-Offensive" gestartet hat bis hin zu schon fast Völkerschau-mäßigen Aktionen. Ich weiß aber nicht, ob das hier der Ort ist, um die Quertreiber im Zoo auch öffentlich zu nennen (und die Opfer...) (08.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Es gibt ja in Berlin genug Doppelprobleme, die beiden Zoos sind meines Erachtens aber kein solches, da die Ausrichtung und Geschichte ganz anders ist und auch die Besucherklientel sich unterscheidet. Der Westzoo hat natürlich Mühe, bei den raumgreifenden Arten das ganze Spektrum zu halten - aber er verfügt doch über so viele Tierhäuser, daß Artenarmut nun wirklich nicht ausbrechen muß. Das große Urwaldhaus, von dem Herr Lange in den Jahresberichten schwärmt, gehört meines Erachtens aber doch in den Osten, oder, falls man das doch durchsetzen kann, in den Tiergarten, nicht auf das zugebaute und ja auch atmorphärisch wie architektonisch intakte Westgelände. Denn gute Zoo-Architektur war ja eine Folge der guten Finanzlage - zzgl. einer Reihe von Direktoren, die wußten, was ein Dach und eine Wand ist. (08.11.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Also ich habe immer gehört, dass nachdem es anfänglich Streit zwischen Zoo und Tierpark gab, nun schon seit Jahren die Kooperation gut klappt. Außerdem glaube ich nicht, dass der Zoo direkt in Gefahr steht, er hat eine Top-Lage und wieso sollten erst jetzt Investoren und Spekulanten ein Auge auf ihn als Immobilie werfen und all die Jahre vorher nicht? Auch das ein Riesenrad gebaut wird, kann man als interessante Information, vielleicht sogar als Wink mit dem Zaunpfahl deuten, aber es gibt keinen Grund deswegen gleich Weltuntergangsstimmung zu beginnen. Ein Riesenrad macht noch keinen Ex-Zoo. Interessieren würde mich aber auch, wo der Wirtschaftshof hinkommt. (07.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Im Zoo Berlin herrscht schon seit der Wiedervereinigung Panik! Erstens, weil Westberlin (als Stadt) dadurch seine Sonderstellung verlor - und dadurch etliche Subventionen, was sich natürlich auch auf den Zoo niederschlug. Und zweitens dadurch, dass der Tierpark eben doch eine Konkurrenz darstellt. Früher hat der Zoo z.B. haufenweise Erbschaften gemacht, die sich jetzt auf zwei Zoos aufteilen, da etliche damalige Westberliner zu ihren Ostberliner Wurzeln zurückgekehrt sind. Die Weitläufigkeit des Tierparks hat ebenfalls Besucher aus dem "Stadtzoo" weggelockt. Welch Wunder also, dass man damals schnellstmöglich versuchte, beide Zoos unter einem (Westberliner!) Dach zusammenzufügen - selbst die Schließung des Tierparks stand ja eine Zeit lang auf der Kürzungsliste! Der Berliner Zoo war seit der Grenzöffnung bestrebt, sich "Konkurrenz" vom Leibe zu halten. So ist es z.B. dem Zoo zu "verdanken", dass damals vor den Toren der Stadt kein Vogelpark eröffnet wurde - dafür gab es nämlich schon Pläne. Ich weiß nicht so recht, ob die "Kooperation" mit dem Tierpark nicht hauptsächlich die Außendarstellung betrifft. Der angeblich ergänzend aufeinander abgestimmte Tierbestand könnte jedenfalls nach der langen Zeit wesentlich effektiver abgestimmt sein (Wozu muss z.B. der Zoo in kleinen Anlagen Gruppen beider Großkamelformen halten?). Dass man sich im Westen auf die Arten spezialisiert, welche geheizte Häuser benötigen, und im Osten auf die "kalten" Tiere, ist in meinen Augen jedenfalls keine Neuentwicklung, sondern nur eine konsequente Anpassung an die gegebenen Bauverhältnisse: Der Tierpark konnte sich z.B. deswegen ein teures Menschenaffenhaus sparen, weil ein solches im Zoo bereits vorhanden war. Mal sehen, wie die Aktionäre des Berliner Zoos reagieren, wenn finanzstarke Unternehmen mehr als gierige Blicke auf die perfekt gelegene Innenstadt-Immobilie "Zoo" werfen und entsprechende Angebote unterbreiten! (07.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich habe den Eindruck, daß in Berlin-West derzeit Panik regiert - obgleich die Anlage doch gut besucht ist und man Kooperation mit dem Tierpark ein attraktiver Zoo bleiben kann und ja auch nach wie vor den attraktiveren Standort hat. Und wohin stellt man die Versorgungsbauten, wenn man auf dem Wirtschaftshof einen Rummelplatz errichtet? (07.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Das entlockt mir als Hannoveraner doch ein hämisches Grinsen.... Gibt bestimmt schöne Fotos, Zootiere mit Fahrgeschäft im Hintergrund - fast wie in Stukenbrock. :-) Aber im Ernst: Auch wenn es die Puristen nicht gern hören werden, aber der Zoo Berlin hatte und hat schon immer Erlebniszooelemente, nur nennt man die dort verklärend "Stilbauten". Russische Blockhütte, Totempfahl, Maurischer Einhuferstall, Elefantenpagode, Almhütte auf dem Steinbockfelsen (heute Mähnenschaffelsen) usw. Dazu kommen und kamen Pfingstkonzerte, Ponyreiten, Erinnerungsfoto mit Löwenbaby.... Alles nichts, was mit der puren Haltung, Zucht und Zurschaustellung von Tieren zu tun hat bzw. haben muss. (06.11.2005, 00:00) | ||
| Dirk L: | Zum Thema "Freizeitpark-Attraktionen im Zoo" aus her heutigen "Welt": http://www.welt.de/data/2005/11/05/799461.html Der Berliner Zoo soll ein Riesenrad bekommen. Private Investoren, deren Plan am Gleisdreieck scheiterte, wollen die Attraktion nun in der City-West für 60 Millionen Euro bauen. Das Riesenrad, das 175 Meter hoch sein würde, soll auf dem Gelände des Wirtschaftshofs des Zoos errichtet werden. Auf dem 14 000 Quadratmeter großen Areal an der Hertzallee planen die Investoren der World Wheel Berlin ein dreistöckiges Eingangshaus und ein Parkhaus. Die Gebäude des Zoos dort würden dann abgerissen. Da, dann los, eine Achterbahn ums Aquarium, ein paar Simulatoren dazu, uns schon ist der traditionelle Berliner Zoo auch ein Erlebniszoo moderner Art - oder? (05.11.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Spannend wird es in Gelsenkirchen noch, wie die weiteren Parkteile mit dem vorhandenen alten Baumbestand in Einklang gebracht werden, der meines Wissens in seiner Gesamtheit unter Schutz steht. Da sind den Gehegegrößen und -grenzen doch noch andere Zwänge auferlegt als auf dem offenen Gelände zum Kanal hin! Leider leiden alte Baumbestände ja sehr unter dem Besatz mit Huftieren, welche den Wurzelbereich zu sehr verdichten, zumal sie sich bei starker Sonne oder schlechtem Wetter bevorzugt unter den Bäumen aufhalten. Das war schon vor dem Umbau des hannoverschen Zoos einer der Gründe dafür, dass die Huftieranlagen im Laufe der Jahrzehnte immer baumfreier wurden. Da die Wurzeln eines Baumes ungefähr den gleichen Radius haben wie seine Krone, ist es in Gehegen auch schlecht umsetzbar, den empfindlichen Bereich durch Barrieren zu schützen - dann bleibt nämlich kaum noch Gehegefläche übrig... Auch die neuen hannoverschen Anlagen lichten sich zusehends, weshalb auch der ursprünglich im Elefantengehege stehende Baum leider weg ist. Bin gespannt, wie Gelsenkirchen das dort noch größere Problem löst! (01.11.2005, 00:00) | ||
| IP66: | @michael görick: Sehr glücklich bin ich mit den Neubauten in Gelsenkirchen auch nicht, zumal der Brezelweg und die Verschränkung der Anlagen in Verbindung mit dem vielen Beton wohl wirklich auf Kosten der Tiere konstruiert wurden. Bevor allerdings der große Ausbau kam, hatte ich bei meinen Besuchen im Ruhr-Zoo auch immer das Gefühl, daß es so nicht weitergehen kann. Die Schimpansenhaltung, die man sich ja noch ansehen kann, wäre schon in der Zwischenkriegszeit problematisch gewesen, die Bärenburg war eine recht spannende Verbindung zwischen Grube und Freianlage, aber äußerst eng, und bei den Rentieren gab es zwar viel Schatten, aber nur Platz für zwei bis drei Tiere, was dazu führte, daß der Hirsch regelmäßig Tiere zu Tode forkelte. Freilich hätte man auch hier aus dem schönen Gelände organisch etwas entwickeln können, in dem der ein oder andere Altbau Atmosphäre schafft. Ich weiß auch nicht, was geschieht, wenn jetzt doch nach der Eröffnung des afrikanischen Brezelweges die Gelder gestrichen werden: Dann ist der Zoo erheblich kleiner und artenärmer als seine Nachbarn, aber ebenso teuer, und wenn ihn alle gesehen haben, ist er so schlecht besucht wie in alten Zeiten. (01.11.2005, 00:00) | ||
| michael görick: | Ich war am Sonntag in Gelsenkirchen .Mein Eindruck zu Alaska -Erlebniswelt :Das Tier ist wirklich nur noch Staffage zur Kulisse.Das Schrecklichste ist die Rentierhaltung.Die Tiere lagen Flankenschlagend und hechelnd im kleinen Schatten der Besucherabsperrung.Am Sonntag waren zum Zeitpunkt meines Besuches etwa 25 Grad.Ich frage mich wie die Tiere erst bei richtigen Sommertemperaturen ,ohne Schatten leiden werden. (31.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich vergleiche das Eulenkloster in Köln wegen seines "Erlebnischarakters" mit Bauten wie in Hannover. Ob nun ein verfallener Tempel von Elefanten und Tigern "wieder erobert" wird oder ein altes Kloster von Eulen (und wenn ich mich recht erinnere, auch Schwarzstörchen!), ist schließlich das selbe Prinzip. (31.10.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich würde das Eulenkloster in Köln nicht zwingend unter die Felsanlagen nach dem Muster Hannover und Gelsenkirchen rechnen. Zum einen ist es handwerklich relativ ehrlich, zum anderen beschränkt sich der "Klostercharakter" auf einen Turm und den sog. "Kreuzgang", der, wenn man es ernst nimmt, ja auch nur drei Flügel hat. Als Abschluß der alten Rinderallee kann man das Gebäude wohl akzeptieren. Leider ist die begehbare Voliere haltungstechnisch wohl schwierig, so viel ich weiß, hat hier noch keine Art erfolgreich gebrütet, wie das in den nicht begehbaren Nachbarvolieren regelmäßig der Fall ist. Es gab einige Versuche, die Bepflanzung zu verdichten, wenn heranwächst, was gepflanzt wurde, dürfte vielleicht noch ein Brutversuch gelingen. Allerdings bleibt das alte Großkäfigproblem bei Vögeln: Wenn man keine Kolonienbrüter oder sehr viele unterschiedliche Arten hält, bekommt der Besucher kaum etwas zu sehen. Und kolonienbrütende Eulen muß man erst noch entdecken. (31.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Zoosammler: Ich nehme alles zurück, was ich über Kalifornische Seelöwen und Südafrikanische Seebären gesagt habe..... Bin nochmal die Liste meiner besuchten Zoos durchgegangen, und tatsächlich ist der Kalifornier nach dem Seehund die häufigste Zoorobbe in Deutschland. Da habe ich mich bei den Südafrikanern wohl von einer "gefühlten Häufigkeit" verleiten lassen, sorry! (30.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Und zu den Eisbären. Ein zweites Weibchen kommt aus Leipzig nach Bremerhaven. (30.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Also ich finde die Schimpansenhaltung in Bremerhaven recht gut. Eine große Halle die zawr etwas dunkel ist, aber sonst den Tieren alles bietet (is auch nur zu den Besuchern hin niedrig; Tiere haben viel Rückzugsraum!). Ein Aussengehege ist auch gegeben, und nicht nur eine "Auschaukuppel". Diese sitzt über dem von Felsen umgebenen Ausegehege (damit es Windgeschützt ist) und bietet den Tieren einen tollen überblick. Desweiteren werden die Tiere den ganzen Tag beschäftigt, durch verstecktes Futter und Spielzeug. Für mich eine gute Anlage und Haltung. Die Pumas (mittlerweile FÜNF) werden tatsächlich nicht so doll gehalten (selbes Problem wie in Hannover bei den Katzen; Felsen rundherum). Bilder: Schimpanse im vorhandenen Aussengehege: http://img469.imageshack.us/img469/9384/schim14lv.jpg Schimpanse auf seiner Aussichtsplattform: http://img469.imageshack.us/img469/8885/schim23cw.jpg (30.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Bei den Schimpansen habe ich wohl nicht so richtig hingeschaut... Ich finde auch, man hätte auf sie verzichten können, aber andererseits geben ja inzwischen andere große Zoos ihre Schimpansenhaltung auf, während in kleinen Tierparks diese Tiere Ge/behalten werden... Aber ich wollte nochmal mit Nachdruck darauf hinweisen, dass ich die alten "Tiergrotten" zwar nicht kannte, aber es schon für ziemlich hervorragend halte, was aus dem Zoo am Meer gemacht wurde. Was die Seelöwen betrifft: Ich habe zwar keine Artenliste oder so mit Anspruch auf Vollständigkeit, aber mir scheint doch, dass die Kalifornier die weitaus häufigste Art sind. Und Seehunde sind in Bremerhaven ja wohl mehr oder weniger Pflicht. Mähenrobben kannte ich bis dato auch nur aus Hamburg... (30.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Die Schimpansen in Bremerhaven waren schon zu Vor-Umbau-Zeiten ein Politikum. Kurz vor der Schließung des "alten" Zoos am Meer war ich noch mal dort und traf zufällig auch Dr. Wandrey, den damaligen Direktor. Die Schimpansen saßen zu dieser Zeit schon in ihrem "Übergangskäfig", und ich fragte, warum man diese Art denn überhaupt noch halte. Die Antwort: "ICH hätte die Schimpansen schon lange abgegeben, aber ich darf nicht...." Von oberster Stelle wurden die Schimpansen für unverzichtbar erklärt. Gleiches galt übrigens auch für die beiden letzten Barbados-Meerkatzen. @Zoosammler: "Nur" zwei Eisbären, das finde ich mal richtig gut. Schließlich sind Eisbären keine Herdentiere, auch wenn man sie in manchen Zoos so präsentiert bekommt. Warum eigentlich "angenehmerweise keine Kalifornischen Seelöwen"? Seehunde und Südafrikanische Seebären sind doch in Zoos mindestens genauso häufig, wenn nicht sogar häufiger zu sehen! Die einzige seltenere Ohrenrobbenart ist hierzulande der Südamerikanische Seebär - jedenfalls noch, da sich ja mehrere Zoos (z.B. Duisburg, Dortmund, Düsseldorf, Landau) an einem Zuchtprogramm beteiligen. Verstehe auch nicht, warum Waschbären nicht in "einen Zoo von heute" gehören sollen? Wenn der Grund für diese Bemerkung sein sollte, dass es sich um keine bedrohte Tierart handelt, dann gilt das für viele andere wie den Afrikanischen Elefanten, das Steppenzebra oder das Erdferkel auch. Andererseits sind viele "gewöhnliche" Zoo-Arten im Freiland seltener als man durch ihre ständige Zoo-Präsenz denkt bzw. gibt es genügend Beispiele, dass unspektakuläre Arten fast unbemerkt und schnell an den Rand der Existens geraten, z.B. Drill, Nilgau- und Hirschziegenantilope, Bengalgeier oder Indischer Marabu. In Teilen Botswanas ist z.B. der Bestand des Südlichen Streifengnus um 75% (!)zurück gegangen, weil man die wandernden Herden durch Zäune von (für das Nutzvieh reservierten) Wasserstellen abhält. Ich habe für einen ZOOFREUND-Artikel mal geschrieben, dass die "Arche Zoo" vorsichtshalber auch ein Deck für die heutige "Touristenklasse" unter den Tierarten bereit halten sollte. Zu dieser Aussage stehe ich mehr denn je! Eine REINE Sammelei seltener Arten (wobei "selten" bei Zoofans ja in vielen Fällen mit "selten gehalten" gleichgesetzt wird und über die Freilandbestände nichts aussagt) wünsche ICH mir jedenfalls nicht für "einen Zoo von heute", auch wenn ich mich für jede noch nie gesehene Art/Unterart nach wie vor begeistern kann. (30.10.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | Auch ich finde Bremerhaven durchaus gelungen. Aber es gibt auch Schattenseiten, die gerade im Kontrast extrem auffällig sind: Zum einen wollten wohl die Auftraggeber oder die Designer jede Form von Gitter verbannen. So sind die Pumas rundherum von Felsen umgeben (und haben keinen Ausblick), die Keas sitzen in einem verglasten Felsturm, Volieren gibt es gar nicht (auch nicht für Seevögel, was thematisch nur logisch gewesen wäre). Die überhaupt nicht ins Konzept passenden Schimpansen haben einen außen nur einen kleinen versteckten Ausguck-Käfig, den man als Normalbesucher nie endeckt, man sieht sie eigentlich nur innen. Innen ist bei den Schimpansen alles mit E-Draht zugehängt, sogar die (niedrige) Decke, weil man sich das Geld für schimpansensichere Oberlichter sparen wolte. Die Kunstfelsen wurden so übermäßig verwendet (die Designer waren ja auch eine Kunstfels-Firma!), daß z.B. Rollstuhlfahrer die Robben gar nicht sehen konnten. Da hat die Zooleitung schon diesen Sommer wieder einiges weggerissen und mit Glas ersetzt. Die Waschbär-Anlage ist lächerlich: nur ein paar Dutzend qm, zwar nett bepflanzt, aber nur ein dürrer toter Ast zum Klettern. So etwas neu zu bauen ist unglaublich. Von wegen übrigens keine "Erlebnishäppchen": Da liegt ein völlig künstlich wirkender Beute-Kadaver auf einem Felssims bei den Pumas... KLar, im alten Zoo hätte ich fast n jedem Gehege was auszusetzen gehabt, von daher in jedem Fall eine Verbesserung. Aber viele Chancen durch Architekten verbaut, im wahrsten Wortsinne. Immerhin gibt es eine gute Zooleitung, die nun das Beste daraus macht. Das dürfte der Hauptunterschied zu Gelsenkirchen sein... (30.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Mal was postives zum Ruhr-Zoo: Die Löwen leben in einer reinen Männergruppe, weil ews sowieso schon zuviel Raubtiernachwuchs in Europa gibt. (29.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Ich war Mitte Oktober das erste Mal in Bremerhaven, und muss sagen, der Zoo hat mir insgesamt recht gut gefallen. Zwar ist hier mit Kunstfelsen eindeutig übertrieben worden, doch verzichtete man stattdessen auf andere großartige Kulissen, Accessoires oder andere unnütze Erlebnsiweltappetithäppchen. Denn wohl kein anderer Zoo der Welt hat eine solche natürliche Kulisse und genau der lässt man an der Wesermünde ihre Geltung: Wasser. Immer wieder fällt der Blick auf die Weite der Weser, auf Schiffe und den kleinen Leuchtturm. Mit ein wenig Phantasie geht sogar so manches Becken ins Brackwasser vor den Zootoren und dem Deich über. Man betritt den Zoo durch/in eine Art Grotte. Durch große Glasscheiben kann man die Schimpansen beobachten, allerdings ist deren Gehege, ein Pseudo-Innengehege, so tief, dass das ein wenig schwer fällt. Doch die Affen wenigstens scheinen sich nicht zu langweilen, dem Laienauge gefällt die Einrichtung die Präsentation nicht so sehr. Die Schimpansen gehören ja fast auch schon zu den aussterbenden Zooarten und es ist zu begrüßen, dass man die Haltung dieser interessanten Menschenaffenart nicht allein kleinen Privatzoos und Zirkussen überlässt. Bremerhaven überzeugt auch durch Zucht. Einen Großteil des Zoos durchwandert man zwischen, unter und an Kunstfelsen vorbei, Tunnel oder Höhlencharakter kommt so wie von selbst. Ob`s gefällt ist wohl Geschmackssache. Das neue Eisbärengehege ist sehr großzügig und bietet verschiedene Bodengründe, viel Raum zum Schwimmen und auch Höhenunterschiede ein wohl vorbildliches Konstrukt. Allerdings nur mit zwei Eisbären besetzt, wenn diese gerade Pause machen, ist es für den Besucher ein wenig unattraktiv. Die Robben nehmen in Bremerhaven einen wichtigen Platz ein. Obwohl der Zoo winzig ist, haben sie riesig viel Platz zum Schwimmen und angenehmerweise hält man auch keine Kalifornischen Seelöwen. Stattdessen aber Seehunde, Mähnenrobben und Südafrikanische Seebären. Die Infotafeln sind kurz und knapp, fast ein bisschen oberflächlich, aber anscheinend werden sie dafür gelesen. Der Prozentsatz der Besucher für die alle drei Arten Seehunde waren, war im Beobachtungszeitraum relativ gering. *g* In keinem anderen Zoo habe ich bislang so prächtig und eindrucksvoll Robben beobachten können, nicht zuletzt aufgrund der großen Unterwasserscheiben. Diese verzerren allerdings, so dass man nach ½ h davorstehen, durchaus Kopfschmerzen bekommt. Sehr imposant war eine Robbe, die den ganzen Tag vor der Scheibe verbracht hat und den Handbewegungen der Besucher nachgeschwommen ist. So unterhalten sich Tier und Mensch gegenseitig. Weiter zu erwähnen sind vielleicht noch die Pinguine, die Waschbären, an die der Besucher sehr nah rankommt und die auf einer kleinen, aber schön gestalteten Anlage gehalten werden. Zwar ist der Waschbär nicht unbedingt eine Tierart, die man sich in einem Zoo von heute wünscht, aber wenn Menschen so die Natur näher gebracht werden kann . Eine weitere Anlage widmet sich Kormoranen, Basstölpeln und Eiderenten. Sie wird von den meisten Besuchern natürlich übergangen, gehört aber zu den sehenswertesten. Überhaupt ist die Präsentation der Wasservögel sehr geglückt, man sieht sie statt in anderen Zoos auf großen Seen und von hunderten Artgenossen umgegeben von weitem in Bremerhaven von nahem in Becken. Das Bild wird nur durch den Wasserstand der Becken getrübt, der beim Blick durch die Scheiben gerade mal zulässt, die Beine und rudernden Füße der Vögel zu sehen. Vom Thema Zoo am Meer wichen natürlich einige Tiere ab, etwa die Pumas, die ich das erste Mal seit langem wieder in einem Zoo sah. Sie waren sogar sehr aktiv. Ebenso ein Kleinod für Artenliebhaber, jedenfalls für mich, denn Schneehasen hatte ich noch nie live, Zwergsäger zumindest nicht bewusst gesehen. Die meisten Besucher strichen natürlich auch hieran vorbei, andere warfen einen kurzen Blick auf die schlafenden Kannickel. Gegenüber dann das negativ Beispiel: Hauskanninchen und meerschweinchen in einer winzigen Anlage, die durch knöchelhohe Steine abgegrenzt war. Außerdem gibt es in Bremerhaven ein einzelnes Aquarium, wohl als Erinnerung an das abgerissene Schauaquarium, sowie Krallenaffen und Köhlerschildkröten. Man kann sich in dem Zoo ein bis zwei Stunden aufhalten, man kann ihn nach zehn Minuten verlassen haben. Wie man will . Die Eintrittspreise habe ich nicht mehr im Kopf, aber sie waren in Ordnung, v.a. wenn man bedenkt, dass ein Kinobesuch heutzutage bis zu neun Euro kostet. Und geiziges Sparen hilft unserem Land sowieso nicht auf die Beine *g*. Unschön, hingegen war der Zooführer für 4 , der passenderweise Zoobuch heißt, denn er ist eigentlich eher ein drittklassiges Tierlexikon. Dann lieber den Tiergarten-Rundbrief kaufen, auch den gibts im Shop. Die Klappmützenstatue ist leider nicht beschriftet o.ä., so dass sie für guck ma, da is noch ein Seehund gehalten wird. Traurig. Aber wenigstens die Geschichte dieser außergewöhnlichen Robbe wird dann im Zooführer erzählt. Insgesamt ein positives Urteil über Bremerhaven, gerade wegen der Tierhaltung. Bei der Präsentation hätte ich sicher manches anders gemacht und ein bisschen weniger Disneyland-Atmosphäre hätten es auch getan, aber gut, nun ist es so, wie es ist. Auf alle Fälle ist es erstaunlich, was dank (fast) kompromissloser Thema- und Konzepttreue aus diesem winzigen Zooareal herausgeholt werden konnte. Hochachtung! Ich würde einen Besuch also empfehlen, obwohl die Stadt sonst nicht viel zu bieten hat (außer einem hervorragenden Museum, dass sich mit der Geschichte deutscher Auswanderer beschäftigt, aber das nur so nebenbei) und schlecht zu erreichen ist. (29.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Wenigstens sind die Hausrentiere in Gelsenkirchen nicht als Karibus ausgeschildert. Allerdings auch nicht als (altweltliche) HAUSrentiere, genauso wenig wie die Luchse oder Elche als Nicht-Amerikaner ausgeschildert sind. Der Kodiakbär hingegen trägt seinen richtigen Namen, konsequenterweise hätte dort auch nur "Braunbär" stehen dürfen..... Hannover verschweigt auch auf den Gehegeschildern nicht, dass es sich bei den Großkatzen im Dschungelpalast um Sibirische Tiger und Persische Leoparden handelt. Das mag Puristen angesichts des Tempels ein Dorn im Auge sein, wird aber in anderen Zoos auch nicht unbedingt konsequenter gehandhabt. Ich erinnere nur an "Südamerika-Anlagen" mit Vikunjas und Wasserschweinen bzw. Ameisenbären, die aus völlig verschiedenen Teilen Südamerikas stammen oder daran, dass in Leizig Damagazellen für die Kiwara-Savanne eingeplant waren. Leider wurde die im "Exil" in Hodenhagen lebende Zuchtgruppe dort allem Anschein nach "verheizt". Eine Schande übrigens, dass sich kein anderer Zoo damals bereit erklärt hatte (oder gefragt wurde??), diese kostbaren Tiere übergangsweise zu pflegen. Da sich die Diskussion an dieser Stelle in der Hauptsache um Hannover und Leipzig (sowie jetzt auch Arnhem) dreht: Gibt es in diesem Forum eigentlich auch positive Meinungen zu ZOOM Gelsenkirchen, und wie sieht es mit positiven und negativen Meinungen zum Zoo am Meer Bremerhaven aus (da war ich noch nicht wieder)? (29.10.2005, 00:00) | ||
| Karsten Vick: | Ich war bisher weder im alten noch im neuen Gelsenkirchener Zoo, aber ich habe jetzt fast zeitgleich zwei Artikel gelesen, die nebeneinandergelegt und zwischen den Zeilen gelesen einem sagen, wie der Hase da läuft. Einmal war das der Alaska-Reisebericht des Altdirektors Gürtler, wie er dort Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt beobachtet und von seinem Alaska-Parkteil träumt (im MILU). Und andererseits den Exkursionsbericht von C. Schöne auf der Zoo-AG-Seite mit der Nebeninfo, dass Gürtler nicht mehr viel zu sagen hat und die Kuratorin entlassen wurde. Da scheint es wirklich nur noch um Effekthascherei zu gehen und die Tiere sind Nebensache. Wenn das Tier hier noch im Mittelpunkt stehen würde, dann hätten sie das Geld für die goldschürfenden Geisterbahn-Männlein sparen sollen und dafür lieber 1,2 Karibus aus Calgary holen. Ich kann Carsten Schöne nicht zustimmen, dass es halbwegs verboten ist, Hausrentiere zu halten, aber es gehört verboten, sie den Leuten als Karibus aufzuschwatzen. Ein bisschen naturwissenschaftliche Bildung sollte im Zoo immer erhalten bleiben. Jedenfalls hört für mich an diesem Punkt der Spaß auf. Diese Information über Tiere habe ich in Leipzig und in Hannover gefunden. Und ich lasse mich im ZOOM gerne eines besseren belehren, wenn ich mal dahin komme. (28.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Tut mir ja leid, wenn ich die "Gegenwehr" einfach nicht aufgebe... Auf der ersten Planung für Yukon Bay standen noch weitere Arten wie Walross, Polarfuchs und Papageitaucher(!). Die Haltung von zwei Robbenarten auf der Fläche des Alaskateils hätte aber wegen der Größe artgerechter Gehege zu Platzproblemen bei anderen Arten geführt, und auf Ohrenrobben will man nicht verzichten. Der durch den Wegfall der Walrosse frei gewordene Raum kommt nun den Eisbären zugute, die sich sonst die Fläche mit den Walrossen hätten teilen müssen. Die Polarfüchse stehen noch immer auf der Kippe, da - wie schon erwähnt - noch eine Fläche für eine Präriehund-Freianlage in Option gehalten werden soll. Warum auf die Papageitaucher nunmehr verzichtet wird, weiß ich nicht, vielleicht ist es aber angesichts der Haltungsprobleme bei dieser Art auch besser so. @Zoosammler: Was die Bemerkungen zum Artenspektrum betrifft, wird die Diskussion allmählich albern! Ich wüsste z.B. nicht, wo Arnhem Wombats, Sinai-Stachelmäuse, Drills, Somali-Wildesel, Kaffernbüffel usw. hält... Aber ich möchte hier sachlich bleiben. Arnhem hatte im Gegensatz zu Hannover schon lange ein Nachttierhaus, das gegen Ende seines Bestehens dringend renovierungsbedürftig war. Also war es doch folgerichtig, eine neue Nachttierabteilung einzuplanen, und zwar eingebunden in das Konzept der Ökodisplays. Somit wurde aus dem vorherigen internationalen Besatz ein Nordamerika-Besatz, und dafür brauchte man eben Kitfuchs, Katzenfrett & Co., die vorher nicht vorhanden waren. Wegrationalisiert wurden dafür so interessante Arten wie Lyles Flughund, Potto, Riesengalago, Nachtaffe, Zweifinger-Faultier, Sechsbinden-Gürteltier, Bergpaka, Azara-Aguti. Und auch im restlichen Zoo Arnhem verschwanden zu Gunsten des Umbaues seit 1985 Arten wie Drill, Husarenaffe, Ungka-Gibbon, Braun- Eis- und Malaienbär, Europäischer Dachs, Streifenhyäne, Puma, Schneeleopard, Jaguar, Przewalskipferd, Wisent. Natürlich kamen auch neue hinzu - aber wo nicht? Hannover hatte wie viele andere Zoos nie ein Nachttierhaus, stand also auch nicht vor der Entscheidung, eine den Besucher gewohnte Einrichtung anderweitig unterbringen zu müssen. Die Anmerkung mit den Eulen ist ebenfalls albern, denn in Hannover wurde schließlich schon mehrfach "für Eulen gebaut", sonst stünden wohl kaum entsprechende Anlagen. Man muss eben auch mal Seitenwege entlang gehen :-) Und zur Beruhigung: Auch das Thema Schnee-Eule ist für Yukon Bay noch nicht vom Tisch, allerdings leider nicht in einem Kloster, falls das als neuer Haltungsstandard gilt.... NATÜRLICH gibt es jede Menge interessante Arten, aber das gilt für jedes beliebige Zookonzept, und wer kann schon alle halten? Außerdem: Wie passt die Forderung nach zusätzlich passenden Arten mit der zusammen, erst einmal die vorhandenen besser unterzubringen - wo soll der Zoo denn die Prioritäten setzen? Sambesi z.B. ist noch längst nicht fertig, noch blockieren Australien- und Bärenanlage einen Teil des Geländes. So wurde z.B. schon über Hyänen nachgedacht oder sogar über eine Gemeinschaftshaltung Geparde/Kaffernbüffel! Auch in den anderen Zoobereichen steckt noch Potenzial - nur gab es eben bisher Wichtigeres. So ist es durchaus möglich, dass auch die eine oder andere "gewöhnliche" Tierart noch durch eine "edlere" ersetzt wird. Man träumt in Hannover z.B. von Nördlichen Seebären statt der Kalifornischen Seelöwen, und das Karibu-Thema ist auch noch nicht vom Tisch. (28.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Danke, Dirk, ich wollte fast das gleiche sagen: Seekühe, Erdferkel oder Kitfüchse würde man in Hannvoer nie finden, in Arnheim schon. Das Eulenkloster in Köln ist für mich eher ein Gegenargument, denn es wird ja wohl niemand ernsthaft behaupten wollen, dass man in Hannover für Eulen (!) gebaut hätte. In Nordhorn sind für Steinböcke und Geier schöne Anlagen entstanden, in Bremerhaven (in Teilen finde ich mich dort auch sehr an Hannover erinnert) Schneehasen und Gänsesäger (!). Das passte hervorragend in deren Zoothema. In Hannover hätte es auch viele interessante Arten gegeben, die zu Sambesi oder Dschungelpalast "gepasst" hätten... Diese Chance hat man offensichtlich nicht genutzt, wahrscheinlich wollte man sie gar nicht nutzen. (28.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Dirk L.: Meinen Applaus für die Anmerkung mit der verdrängten Historie in Hannover!! Ich fühle mich manchmal erinnert an die Art und Weise, wie die DDR mit Flüchtlingen umging: Jede Spur ihrer vorherigen Anwesenheit wurde getilgt, es hatte sie vorher einfach nicht gegeben (so wurde es mir als "Wessi" jedenfalls erzählt).... Zu Frankfurt: Und genau da liegt die Parallele zu Hannover. Der hiesige Zoo lief in den 80er und 90er Jahren als städtischer Betrieb praktisch dauernd Gefahr, geschlossen zu werden. Erstens wegen der Kosten bei gleichzeitig stetigem Besucherrückgang, zweitens wegen etlicher seiner Gehege, die lange vor den EU-Richtlinien den Anfordrungen für die zwischenzeitlich eingeführte Genehmigungspflicht für öffentliche Tier-Schaustellungen nicht mehr genügten. Für viele Tierarten wurde seinerzeit die Auflage erstellt, dass nur der vorhandene Bestand in den zu kleinen Anlagen verbleiben durfte, für neue Artgenossen gab es keine Genehmigung. (Deswegen auch die verwitweten Einzeltiere bei Braunbär und Walross). Der Umbau bzw. die Vergrößerung bestehender Gehege war seinerzeit mit irrsinnigen Kosten verbunden, über die sich der damalige Direktor Prof. Dittrich mehrfach aufregte, da die Baubestimmungen sehr viel schärfer als in anderen Städten waren. Ein Beispiel: Die original nach den Bauplänen aus Nürnberg errichteten Greifvogel-Zuchtvolieren wären für Hannover beinahe nicht genehmigt worden, weil hiesige Statiker der Meinung waren, dass sie keine Schneelast aushalten.... Das erklärt auch, warum z.B. die Außenanlagen für Affen am Tropenhaus aussehen wie verglaste Atombunker. Für das hannoversche Bauamt war dicker Beton unverzichtbar - zur gleichen Zeit lebten in Rheine vergleichbar große Affen in Leichtbauvolieren..... Ich erinnere mich noch, dass bei einer Zoofreundeversammlung, bei der es um die Attraktivitätssteigerung des Zoos ging, ein Vorschlag wegen der zu hohen Kosten von Prof. Dittrich abgelehnt wurde. Es ging darum, aus der damaligen Wiese hinter dem Eingang, auf der sich nur ein paar Papageien-Kletterbäume verloren, eine Stelzvogelwiese zu machen. Die Kosten dafür hätten sich unter hannoverschen Verhältnissen auf MINDESTENS eine Million D-Mark belaufen! Vielleicht wird vor diesen Hintergründen deutlich, weshalb dem Zoo nicht viel anderes übrig blieb, als die Flucht nach vorn anzutreten und vor allem erstmal mehr Besucher anzulocken, um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Und das entspricht nun wirklich der Situation im Nachkriegs-Frankfurt (und erklärt, warum vorrangig für "Publikumslieblinge" gebaut wurde). Und ich bezweifele stark, dass die Verbundenheit der Hannoveraner zu ihrem Zoo geringer ist als die der Leipziger. Man hört bei den Rundgängen immer wieder, wieviele Besucher z.B. die Eigennamen vieler Tiere kennen und dass der letzte Besuch noch nicht lange her war. Mit dem "Zoo davor" haben sie sich längst nicht so sehr identifiziert! Ich war früher fast jede Woche dort und hatte eher den Eindruck, dass nur noch Senioren den Zoo zu schätzen wussten. Zu der Neandertaler-Beerdigung: Der Rundweg über den Gorillaberg soll ebenfalls eine Geschichte erzählen, nämlich die der verwandtschaftlichen Beziehung zwischen Menschenaffe und Mensch, und so wurden Museumsexponate eingebaut (und eine entsprechende Beschilderung erstellt). Emmen hat sein Biochron - ausgestopfte oder nachgebildete Tiere zwischen lebenden, ist das dann auch "Kitsch"? Man muss natürlich bereit sein, sich die angebotenen "Geschichten" erzählen zu lassen und nicht gleich mit einem Vorurteil den Zoo besuchen. Andererseits bezweifele ich, dass ein abgestürzter Jeep in Arnhem, eine Stadt des Altertums in Amersfoort oder ein Eulenkloster in Köln eine "bessere" oder auch nur eindeutigere Geschichte erzählen als ihre Gegenstücke in Hannover. In Arnhem z.B. habe ich von vielen deutschen Besuchern in Burgers' Bush vernommen "ist ja schön hier, nur schade, dass man so wenig Tiere sieht". Ein kleines Schmankerl abseits der Diskussion: Wenn es sich bei den "seltenen Stachelmäusen" in Leipzig noch immer um die Dunklen Nil-Stachelmäuse im Löwenfelsen handelt, dann sind die erstens nicht selten (sondern in Liebhaberkreisen weit verbreitet) und stammen zweitens über -zig Generationen von einer kleinen Gruppe ab, die ich selbst 1987 bei meinem ersten Besuch bei Bruno Schneider in die DDR eingeschmuggelt habe. Schön ,dass es sie noch gibt! (28.10.2005, 00:00) | ||
| Dirk L: | meine Güte, ist hier was los! schon wieder ein Beitrag dazwischen ;-) Hier kommt doch noch der zweite Teil von mir. - @ Michael Mettler: Hängt vielleicht davon ab, welchen Zoo man "schon immer" kennt: Ich hatte den alten Zoo Hannover, den ich nur alle paar Jahre besuchen konnte, immer als einen Zoo mit besonderen Charme gesehen, die unverwechselbaren Huftieranlagen mit Gemeinschaftshaltungen, - wie ernst man eine Neuanlage auch aus Tierhaltungs-Sicht plant, macht sich meiner Meinung nach auch daran fest, wie viel Wert man den kleineren und unbekannteren (bedrohten?) Tierarten widmet. Gelsenkirchen und auch Hannover haben einfach nur auf dem Papier die großen Tiere verteilt - die Zuschauer-Zieher eben. Leipzig hat hier ein paar seltene Stachelmäuse, dort Graumulle, und alle geplanten Anlagen warten mit ähnlichen Überraschungen auf., Und das macht Arnheim auch - gerade dort hält man eine Unzahl von Tieren, an die der Zoo-Planer a la Gelsenkirchen keinerlei Gedanken verschwenden würde. Der Zoobesucher scheint das zu mögen! - und zuletzt noch zu Frankfurt - Grzimek: Klar hatte der eine Achterbahn, das war aber eine Notlösung wenige Jahre nach dem Krieg, als es noch kaumn Tiere gab, aber Bestrebungen, den Zoo aufzulösen. Da her er Fakten geschaffen, und später die Achterbahn ganz schnell wieder arausgeworfen (ebenso wie den Zirkus - hatter er deswegen nicht sogar Klagen am Hals?). Und die Behauptung, Frankfurt hätte damals nicht mehr zu bieten als andere Zoos finde ich ganz schön mutig. Grzimek hat neue Haltungskonzepte eingeführt (Freiflughallen...), seltene Tiere geholt (Okapi, Gerenuk...), die erste Zooschule aufgebaut usw. usf. Auch hier ein ganzheitliches Konzept. (27.10.2005, 00:00) | ||
| Susanne: | Ein paar Bilder von Hannover Innen - mal wieder - bei der Zoo-AG: http://www.zoo-ag.de/exkursionen/1999_hannover.htm Leider nicht mehr sehr aktuell. (27.10.2005, 00:00) | ||
| Dirk L: | - Natürlich ist Arnheim "Erlebniszoo"; die aufgezählten Nicht-Tier-Bestandteile sind aber nicht nur vordergründige Staffage, sondern erzählen eine Geschichte. Stimmt, auch da stehen nicht die Tiere im Vordergund, aber auch nicht wie in Hannover und Gelsenkirchen der Mensch, sondern das Ökosystem. - Hannover blendet z.B. die Bedrohung der Natur ganz aus - schöne neue Tierwelt. Die werden sich NIE eine Pipeline ins Rentiergehege stellen; überall ist doch eitel friedlich Zusammenleben von Mensch und Tier inszeniert, und selbst bei den bedrohtesten Tieren erfährt man nichts über Naturschutzthemen. Die Drills werden in Hannover stiefmütterlich behandelt, obwohl dies wirklich ein Pfund zum Wuchern wäre. Die waren in "Afrika" gar nicht eingeplant, und auch "Alaska" wird keine wirklich bedrohten Tiere zeigen (geschweige denn Kinflikte), so wie es Gelsenkirchen jetzt schon tut. - Ich habe gar nichts dagegen, das Thema Mensch auch im Zoo zu bringen, aber dann muß es mehr sein als Ruinen oder eine kitschige Neanderthaler-Beerdigung. Z.B. wie in Amersfoort - kennt das jemand? - Bezug Tier-Mensch steht hier als Thema im Mittlpunkt, aber hochgradig kritisch und auch einfallsreich. - Leipzig hat eben nicht nur ein vordergründiges Schau-Konzept, sondern ein sehr ausgeklügeltes Tierhaltungskonzept und zu jedem Parkteil ein angeschlossenes Artenschutz-Projekt. (Der Direktor ist bekennender Artenschützer). Edukation natürlich auch. Ganzheitliches Denken im modernen Gewand, und Ernstnehmen aller(!) Aufgaben eines heutigen Zoos. Dazu gehört eben auch, in einer Fernsehsendung offen auch über Probleme wie Einschläfern von Tieren usw zu kommunizieren. DAS ärgert mich nämlich in Hannover besonders: Die aalglatte PR-Maschinerie, die großspurig stets vom größte, schönsten, erfolgreichsten Zoo/Gehege/Attraktion berichtet, so tut, als hätte sie Erlebniszoos, ja den modernen Zoo an sich erfunden, aber die eigene Historie geradezu peinlich verschweigt. Leipzig hingegen steht zur Vergangenheit, baut darauf auf statt sie zu zerschreddern und verleugnen, und erzeugt so auch eine ganz andere Verbundenheut der Besucher zu "Ihrem" Zoo - und nicht nur zu einem netten xy-Freizeitpark. (27.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | das empfinden hab ich in Münster. Außen die schönen neu gestalteten anlagen und innen meist noch gekachelte käfige . (27.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Das isses: Der Unterschied zwischen den tatsächlich sehr funktionale gehaltenen Tierstallungen (da wären wir wieder bei "Badezimmerarchitektur", wenn auch neuzeitlicher, z.B. mit weichen Fußböden bei den Nashörnern) und pseudonatürlichen Freianlagen wäre einfach zu groß - eben ein Kulturschock auf wenige Meter Abstand. Auch das ist übrigens nicht auf Hannover beschränkt, man sehe sich bloß mal an, wie viele Zoos ihre Wiesen- und Teichvögel überwintern (und aus gutem Grund keine Einblickmöglichkeit bieten). Der Besucher BRAUCHT objektiv betrachtet natürlich nicht unbedingt "Kulissen hinter den Kulissen", aber leider VERLANGT er sie, wenn er sie nebenan präsentiert bekommt. Die im einem Tierhaus gemachte Äußerung "Draußen haben es die Tiere so schön, und hier...." habe ich jedenfalls schon in vielen Zoos vernommen, und Mitleid mit den gehaltenen Tieren ist ja nicht gerade das, was ein Zoo erreichen will. (27.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Und schon in den 60ern hat ein Deutscher, der Direktor eines amerikanischen Zoos war, Tierhäuser wenigstens mit Glaswänden versehen, so dass die Besucher die Tiere drinnen von draußen beobachten konnten. Ich habe ständig den Eindruck in Hannover müsste man etwas verbergen, sicherlich ist der falsch, aber weder bei Löwen, noch bei Tigern, weder bei Nashörnern, noch bei Elefanten sind die Innenanlagen einsehbar. Wahrscheinlich sind die sehr funktional eingerichtet, das würde mich nicht weiter stören, wohl aber das Gesamtbild eines "natürlich" aussehenden Tierparadieses. (27.10.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Sicherlich kann man nachvollziehen, daß begehbare Tierhäuser Geld kosten. Es ist aber doch ein wenig seltsam, wenn man argumentiert, man könne keine einsehbaren Tierhäuser einrichten, weil die dort aufzurichtenden Kulissen zu teuer wären. Braucht der Besucher die Kulissen denn so zwingend, daß ihm die Begegnung mit dem Tier, aber ohne Kulissen, nicht zugemutet werden kann. Ich fühle mich auch nicht allein, wenn ich es schätze, an Schlechtwettertagen in ein Tierhaus flüchten zu können. Ein Winterbesuch kann in Hannover zu einer ziemlich tierarmen - und kulissenreichen - Sache werden. (27.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | P.S.: Seit dem Umzug in den Dschungel-Palast hat sich der Hautzustand der "alten" Hannoveraner Elefanten sichtbar gebessert (über die Zunahme des Haarwuchses habe ich unter "Elefanten-Unterarten" schon was geschrieben). Das spricht für einen guten Bodengrund und eine (für die Tiere!) gesunde Luftfeuchte im Stallgebäude. Und nochmal zum Dschungeltruck - falls die neu gestaltete Leopardenanlage damit gemeint ist: Dort ist tatsächlich die Rückfront (und mehr auch nicht) des "Baustellen-Lkw" zu sehen. Den hatte ich schon wieder vergessen - muss also sehr ablenkend gewesen sein :-) (27.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Um mal rückwärts anzufangen: Nicht einsehbare Innenanlagen (betrifft ja nicht nur die Elefanten, sondern auch Großkatzen usw.) gibt es nicht nur in Hannover. Der Grund dafür ist letztendlich das Geld: Um nicht auch noch Innenanlagen als Biotop-Illusionen gestalten zu müssen und um die Häuser kleiner halten (und damit besser kaschieren) zu können, beschränkte man sich in Hannover auf den Raum, den die Tierstallungen und die notwendigen Versorgungsbereiche benötigen. Das führt zudem zu einer deutlichen Energieersparnis, da z.B. im Winter nicht noch ein großer Besucherraum und der notwendige Sicherheitsabstand zwischen diesem und den Tierstallungen beheizt werden muss. Und weil die Innenanlagen "nur" zweckmäßig, aber nicht "schön" (und passend zu den Außenanlagen) gestaltet wurden, verzichtete man bei Elefanten, Großkatzen usw. auch auf Sichtscheiben. Somit stellt das hannoversche Elefantenhaus den absoluten Gegenentwurf zum anderen Extrem, dem Dickhäuterhaus im Tierpark Berlin (wenig Raum für Tiere, viel Raum für Besucher und Zierbeete) dar. Der angeblich harte Bodengrund spricht für eine sehr oberflächliche Betrachtung des Außengeheges der Elefanten, denn tatsächlich stehen ihnen vier verschiedene Untergründe zur freien Auswahl: Im vorderen, zu den Besuchern hin gelegenen (und besonders stark frequentierten) Teil besteht der Boden aus Beton, im mittleren Teil aus tiefem Sand (in dem die Elefanten metertiefe Löcher ausheben können, was speziell die jüngeren Tiere gern tun) und einer Lehmsuhle, im hinteren Teil aus einem mit Mineralgemisch verfestigten Naturboden, auf dem sich teil- und zeitweise sogar eine schwache Anflugbegrünung hält. DIESER Punkt der Kritik ist also überhaupt nicht stichhaltig! Bei der Dressur der Elefanten schließe ich mich teilweise an, nämlich bei den "echten" Circus-Elementen, während ich in der Darstellung der Körperkraft (Baumstammziehen) oder im Hinlegen auf Kommando nichts Verwerfliches sehe. Zu Kiosken und Imbissen: Das waren vor dem Umbau auch schon viele, wenn auch beides unter einem Dach war, sich der kulinarische Teil auf Bockwurst mit Brot beschränkte und der Bau aussah wie jede beliebige Imbißbude an der Straße! Da finde ich die jetzige Lösung doch etwas eleganter. Und wo steht in Hannover der erwähnte Dschungel-Truck? Den muss ich wohl in all den Jahren übersehen haben... Ich kenne nur den Landrover am Gorillaberg, und so einen gab es auch schon Jahre vorher in Arnhem (und zwar viel spektakulärer, nämlich "von der Fahrbahn geschlittert" samt Reifenspuren). Und da sind wir beim Punkt: Der "Erlebniszoo" ist keine hannoversche Erfindung, höchstens seine Benennung. In der Arnhem-Ökodisplays wimmelt es von Abenteuerbrücken, Goldminen, liegen gebliebenen Planwagen und Landrovern, Tierschädeln in der Wüste, verlassenen Pfahlbausiedlungen im Urwald, Schiffswracks im Aquarium usw. So gesehen war Arnhem der Vorreiter dieser Welle, auch die meisten der heutigen Emmener Anlagen entstanden erst nach Burgers' Bush. Wo bleibt die Kritik an Arnhem - wo z.B. steht in der Urwald- oder Wüstenhalle das Tier im Mittelpunkt? Und trotzdem erzeugen sie Begeisterung. Auf Show ausgerichtete Einzelelemente heutiger "Erlebniswelten" gab es natürlich schon vorher, selbst das Bremerhavener Aquarium hatte im Piranha-Becken einen "abgenagten" Schädel liegen (übrigens den einer Elenantilope!)... (27.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Also zunächst mal finde ich nicht, dass Gehegeinrichtung nicht das Problem ist. Wenn nötig und wenn für das Wohlbefinden und die Bedürfnisse der entsprechenden Tierart nötig, kann die Einrichtung ruhig vom Tier ablenken. Aber ich sprach eher von Nebelmaschinen, Shops und Imbissen wohin man schaut, Szenen, wie etwa die mit dem Dschungeltruck, ... Ich meinte eben mit "ablenken", dass das Drumherum wichtiger wird, als das Gehege und das Tier. So etwas finde ich in Hamburg nicht, in Köln nicht und auch in Berlin-Zoo nicht. Z.B. die "neue" Jaguarundi-Anlage dort hat mir sehr gut gefallen, zwar einerseits durchaus "romantisch", sprich einer evtl. unrealistischen Vorstellung vom Lebensraum des Tieres nachgehend, aber gleichzeitig auf das Tier fixiert. Solche Beispiele gibt es viele und auch so kann man Zoos erneuern und auch so für Tierarten, die keinen Rüssel haben oder laut brüllen. Das ist genauso nötig, wie neue Anlagen für Großtiere zu schaffen. In Hannover fehlt mir das ein wenig. Ich kann mir freilich auch "Erlebniszoos" vorstellen, wo ich weniger zu meckern hätte, gegen den Zootyp "Erlebniszoo" habe ich ansich nichts (auch wenn mir herkömmliche Zoos vielleicht NOCH besser gefallen, konservativ will ich nicht sein). Das Giraffengehege und deren Präsentation oder auch die Strauße und Kaamas sind Hannoveraner Beispiele, mit denen ich durchaus einverstanden bin. In Hannover habe ich das subjektive Gefühl, dass jeder Quadratzentimeter nur nach den Gesichtspunkten "Wie sieht es möglichst sensationell aus und wie kann man damit Geld verdienen" gestaltet ist. Zur Elefantenanlage: Den Neubau einer Anlage sollte man doch als Chance ergreifen, alles so gut wie möglich zu machen. Wieso werden Elefanten so lächerlich "dressiert", wieso ist der Bodenuntergrund hart geblieben, wieso kann man die Innenanlagen nicht einsehen? Es ist für meine Begriffe "verrückt" eine neue Anlage und Art, Tiere zu haltne, so zu konzipieren. (26.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Arnheim und emmen sind für mich auch erlebniszoos und was ich von beekse bergen gehört hab würd ich ihn auch so bezeichenen wobei diese zoos trotzdem einen unglaublich interessanten tierbestand haben sind aber trotzdem nicht einfach nur gehege sondern in erdteile gegliederte(emmen)große anlagen und häuser oder riesige hallen mit menschlichen spuren die ich amüsant ausgefallen und real sowie aufklärend finde aber was man über den zoom liest. das ist zu viel des guten. (26.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Zoosammler: Ist kein Fettnäpfchen, niemand kann überall auf dem aktuellen Stand sein. Auch die Präriehunde sind "Geschichte" in Hannover. Jedenfalls vorläufig, denn es gab schon Überlegungen, sie in das "Yukon Bay"-Konzept einzubinden. Passt zwar nur vom Erdteil her - aber selbst im berühmtesten und ältesten Geo-Zoo Deutschlands gibt's ja im Parkteil Europa Schneeziegen und Przewalskipferde.... Wenn möglichst wenig von den Tieren ablenken darf, landen wir bei Verhältnissen wie im Tierpark Berlin, wo das Tier selbst z.T. die einzige "Gehegeeinrichtung" darstellt.... In Großtiergehegen setzt sich allmählich durch, was in Kleinsäugeranlagen, Vogelvolieren, Aquarien und Terrarien schon lange üblich ist, nämlich das Tier und seine Umgebung in einer "Gesamtkomposition" zu präsentieren. Welche davon schöner oder "richtiger" ist, ist reine Geschmackssache. Im Amsterdamer Aquarium gibt es z.B. ein Großbecken mit einer nachgebildeten Gracht - inklusive des hineingeworfenen Mülls. Natürlich könnte man die selben Fischarten auch in einem üppig bepflanzten Naturlebensraum zeigen - das wäre romantischer, aber nicht zwingend realistischer, denn es GIBT nun mal den Lebensraum Gracht. Und genau so sehe ich auch das Konzept in Hannover. Was lenkt denn vom Tier ab, wenn ich dort in ein Gehege schaue? Anders als in Gelsenkirchen sieht man nicht ständig andere Besucher gegenüber, und Kunstfelsen gibt es überall in Zoos. Man kann in Hannover keine paar Meter laufen, ohne Tiere zu sehen. Wie SOLLTE man sie denn "mehr in den Mittelpunkt stellen"? Da hätte ich doch gern mal konkrete Beispiele (auch aus anderen Zoos), damit die Diskussion voran kommt. Was das Ausland betrifft: Eines der wichtigsten Vorbilder für den Umbau in Hannover war Emmen! Und da kommen wir wieder zu der Definition eines "Erlebniszoos" - die gibt es nämlich gar nicht! Frankfurt hatte früher eine Achterbahn - war das nicht auch ein "Erlebniszoo"? Sooo neu ist die Entwicklung also keineswegs (auch wenn sich Hannover so vermarktet). (26.10.2005, 00:00) | ||
| Saya: | Leipzig gefällt mir viel besser als Hannover, weil ich (aus Laiensicht) den Eindruck habe dass nicht völlig an den Bedürfnissen der Tiere vorbei gebaut wird. Sicher ist da auch nicht alles perfekt und es gibt Zugeständnisse an die Besucher. Pongoland, Tigertaiga, Afrikaanlagen - mir hat´s gefallen! Auf die neue Elefantenanlage mit dem Sandboden innen bin ich auch schon sehr gespannt. Das ist ja mal ewas wirklich innovatives und lt. dem Roocroft-Artikel im Tiergartenrundbrief für die Elefanten auch dringend notwendig. (26.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Leider war ich noch nie in Leipzig, aber in einem muss ich wirklich zustimmen: In Hannover steht meiner Meinung nach zu Großteilen NICHT das Tier im MIttelpunkt. In den alten Anlagen schon, da gibt es eben nichts, was "ablenkt". Natürlich waren die alten Anlagen auch nicht lobenswert. Es gibt eben nicht Perfektes, aber warum soll man nicht versuchen, etwas so gut wie möglich zu machen? Und da finde ich eben bestreiten andere Zoos, durchaus auch Traditionszoos, heutzutage bessere Wege. Der Großteil verzichtet ja nun wirklich auf Erlebniswelten, keiner wird aber abstreiten können, dass die anderen Zoos deshalb nicht um Verbesserung der Tierhaltung bemüht sind... Herr Mettler, es tut mir leid, was Polarfüchse und Luchse betrifft war ich nicht auf dem neuesten Stand, danke für die Aufklärung. Ehe ich aber wieder ins Fettnäpfchen trete: Leben in Hannover noch die Präriehunde in ihrem "Bottich"? Mich würde auch interessieren, ob "Erlebniswelt um jeden Preis" eine rein deutsche Entwicklung ist. In den ausländischen Zoos, die ich kenne, konnte ich zumindest überhaupt nicht die geringsten Ansätze zum "Erlebniszoo" erkennen. (26.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Zu dem Thema: http://www.zoo-ag.de/exkursionen/2005_zoo_gelsenkirchen_carsten.htm (25.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Konstantin Ruske: Ich verstehe nicht, wo in Hannover das Tier NICHT im Mittelpunkt stehen soll...? Ob der Besucher nun Pongoland oder den Gorillaberg in Hannover betritt, er erwartet dort in erster Linie die Begegnung mit Tieren. Das Selbe gilt für Kiwara-Savanne/Makasi Simba vs. Sambesi. Was dem einen die Bootsfahrt, ist dem anderen der Safari-Simulator. "Afrikanisches Dorf" hier, "Handelsstation" da, Tiger-Taiga contra Dschungelpalast... Und siehe da, die Leipziger Elefantenanlage soll im fertigen Zustand eine Palastruine darstellen, die von den Tieren "zurück erobert" wurde - kommt mir irgendwie bekannt vor... Wo ist da der Niveau-Unterschied? Davon, dass man ein Nashorn-Gehege in Nashorn-Savanne umtauft, wird noch nicht das Niveau gehoben. In meinen Augen ist die Leipziger Lösung in ihrer Gesamtheit nicht besser und nicht schlechter als die hannoversche. Wer weiß, ob es in Leipzig jemals zu einer Artenschutz-Dauerausstellung gekommen wäre, hätte man nicht das Raubtierhaus irgendwie umnutzen müssen.... (25.10.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | meine frage zielte ja vor allem in die Richtung, ob jemand die Ansicht teilt, daß leipzigs Neugestaltung ( nicht nur baulich) doch mit mehr Niveau passiert, das tier vielleicht noch eher im Mittelpunkt steht? (25.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Der Leipziger Zoo hatte für mich in seinem Zustand vor dem Umbau eine schwer zu beschreibende, reizvolle Atmosphäre - sicherlich auch bedingt durch die unzeitgemäßen, urigen Häuser und die Klinkerarchitektur. Leider war ich länger nicht in Leipzig und kenne von den Neuanlagen in natura nur Pongoland und die Löwenanlage (die anderen nur aus TV und Zooführern). Ich fand aber damals, dass die Mischung aus "altem" und "neuem" Zoo in Leipzig noch immer Charme verströmte. (Das Kriterium "Qualität der Tierhaltung" lasse ich bewusst an dieser Stelle aus, auch für die beiden folgenden Beispiele.) Dem "alten" Zoo Hannover fehlte eine vergleichbare Atmosphäre (und das sage ich, obwohl ich mit ihm aufgewachsen bin). Somit konnte eigentlich auch keine verloren gehen... Selbst der alte Ruhrzoo hatte für mich seinen Reiz, da er mich immer ein wenig an "Tierfanglager" erinnerte. Leipzig ist für mich so lange nicht mit den beiden anderen Zoos vergleichbar, wie die alte Architektur erhalten bleibt. So gesehen nimmt der Zoo Leipzig eine Zwitterstellung zwischen klassischem und Erlebnis-Zoo ein, nur lässt sich der letztere Aspekt eben besser vermarkten. Gelsenkirchen und Hannover spielen für meinen Geschmack dagegen in der gleichen Liga und decken den gleichen Besucheranspruch. Die Besucherzahlen in Hannover gingen seit dem Umbau trotz heftigen Preisanstiegs steil bergauf (vor allem die Jahreskarten!)und halten sich auf hohem Niveau, was beweist, dass die Besucher das Zookonzept gut finden. Leipzig bezieht einen großen Teil der Publikumssympathie sicherlich aus der Doku-Soap "Elefant, Tiger & Co." (die man auch als Dauerwerbesendung bezeichnen könnte...), die dem Zoo "Gesichter" gibt. Das erinnert mich daran, dass Frankfurt früher auch den "Grzimek-Bonus" hatte, obwohl der Zoo (als Ganzes gesehen, nicht auf seltene Tierarten bezogen!) nicht viel mehr bot als andere Zoos. Durch die Macht der Medien bedingt ist man dann doch geneigt, einen Zoo wohlwollender zu betrachten, er gehört so zu sagen schon zur Familie. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Oliver Jahn: | Für mich muss ein Zoo die Tiere gar nicht in einer Pseudo-Natürlichkeit zeigen. Zoos sollten ihre Tiere artgerecht unterbringen, ohne dabei immer wieder dem Versuch zu erliegen, dem Besucher vorzugaukeln, so würden die Tiere tatsächlich leben. Das gelingt nämlich eigentlich so gut wie nie. Von daher sind mir Zoos lieber, die sich dazu bekennen, Tiere zu halten, und zwar im Zoo!!! Und nicht in einer nachgebildeten Kulisse, die einen Anschein von Natürlichkeit erwecken soll. Ich habe etliche Jahre ehrenamtlich in einer Zooschule gearbeitet. Ich bin mit den Kindern zu den Tieren gegangen und habe sie ihnen gezeigt. Und zwar als ein Tier im Zoo. Und ich habe ihnen einiges von diesen Tieren erzählt, und davon, wie sie in ihrer angestammten Heimat leben oder lebten. Dann haben sich viele Kinder einen Zooführer gekauft, um mehr über ihr spezielles "Lieblingstier" zu erfahren. Etliche Kinder haben auch dann zu hause noch einmal im eigenen, oder im Bücherschrank der Eltern nachgesehen und haben sich weitergehend mit dem Tier beschäftigt. Oft habe ich dann beim nächsten Besuch der gleichen Klasse erstaunt festgestellt, wieviele Kinder sich in der Zwischenzeit damit beschäftigt haben, noch mehr über die einzelnen Tiere zu erfahren. Der Zoobesuch war für einige Kinder (alle erreicht man nie, es muss ja auch noch immer ein paar geben, die sich nicht für Tiere, sondern für Fußball interessieren)Impulsgeber, für eine weitergehnde Beschäftigung mit dem Thema Tier. Allerdings konzentrierte sich der Zoo auch auf das Thema Tier. Ich übe diese Tätigkeit nun schon seit einigen Jahren nicht mehr aus, daher kann ich mir keine fundiertes Bild darüber heute machen. Was mir aber schon aufgefallen ist, dass in den neuen Erlebniszoos die Kinder nach einem Besuch in erster Linie von der Bootsfahrt, dem Hoppelpoppelland und dem Sambesiburger schwärmen. Fragt man sie nach den Tieren, sind die Antworten oft recht dünn, und die Antworten, die kommen, die sehen dann eben so aus, dass Elefanten, Tiger (auch die vom Amur!) und Leoparden in Tempeln, Flusspferde in Grotten, Löwen in Schluchten und in Zukunft dann auch Pinguine auf gesunkenen Schiffen leben. Dem Bildungsanspruch, den nicht ich, sondern den diese Zoos sich immer wieder selbst gestellt haben, werden sie so meines Erachtens nicht mehr gerecht. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Konstantin Ruske: | Bei betrachtung von deutschen zoos, die sich offensiv als " Erlebnis- Zoos" der zukunft positionieren ( wollen), habe ich immer wieder den Eindruck, das Leipzig das in angenehmerer Weise umsetzt. Das mag auch an der noch vorhandenen alten Substanz liegen, die eine gewisse "Gesichtslosigkeit" nicht aufkommen läßt. Aber gerade die edukative Seite wird für mich bisher in leipzig seriöser angegangen. Hannover und Gelsenkirchen gehen für mich schlichtweg in Richtung Rummel.Ich befürworte nicht jede Veränderung im leipziger Zoo in den letzten Jahren, aber wenn hier zum Beispiel menschliche Einflüsse dargestellt werden sollen, geschieht das ( bisher zumindest) etwas subtiler. Die tigertauga als ganzes ist mir zwar zu übertrieben, und ich fand die eigentliche Funktion des alten Hirschhauses auch besser, aber wie dieses Tierháus umgenutzt wurde, trägt doch mehe zur Vermittlung des Konfliktes Natur/ mensch bei als jeder abgestellte Jeep und Betonmischer im leopardengehege. Wie sehen es die anderen? Würden sie Leipzig auch " gefühlsmäßig" anspruchsvoller einschätzen? Ähnlich angenehm ( für mich noch besser), verbindet etwa Prag ( Blick Richtung Ausland) fast einen Komplettumbau, offensive Medienpräsenz und " Events" mit natürlich (!) wirkenden Anlagen, wirklicher besucherinformation ( welcher zoo würde dem Besucher bei Schaufütterung die haltung von Schabrackenhyänen näherbringen)und auch noch einem extrem interessanten Tierbestand ( erwähne hier nur mal das Reihnwardtshuhn).Die Besucherzahlen spiegeln den Erfolg wieder ( über eine Million dieses Jahr), und sie werden wohl auch langfristig erreicht werden können. So muß Zoo für mich sein, dann ist er auch ein erlebnis, aber eins, das man genießen kann. (25.10.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Die Diskussion über die neuen Ideen in Hannover und Gelsenkirchen ist hier recht lebendig, und das ist sicher gut so. Was ich mich frage, ist, ob es in Resteuropa vergleichbare Entwicklungen gibt oder ob es sich hier in der Tat um eine deutsche Novität handelt. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Sven P. Peter: Die Tigeranlage ist nach hinten hin "mauerfrei" (bis auf den Torbogen), und von dort können den Katzen auch keine Besucher auf den Pelz starren. Nach meinen Beobachtungen suchen sich die Tiger aber Ausguckplätze ausgerechnet mit dem RÜCKEN nach dort, von denen aus sie das Treiben hinter den Scheiben (also die Besucher) verfolgen können. Die seitliche Gitterfront in Richtung Gastronomie/Elefantenanlage wird dagegen zu diesem Zweck anscheinend kaum genutzt. Auch den Leoparden stehen große Glas- und Gitterfronten zur Verfügung. So, wie sich die Kritiken hier lesen, könnte man glauben, die Tiere würden in einer Grube gehalten... @Saya: Was den "natürlichen Lebensraum" als Zoogehege betrifft, so finde ich es mal einen guten Ansatz, den Einfluss des Menschen auch darzustellen und nicht nur immer (im Bezug auf Lebensraumschutz) davon zu reden. Und das fängt nun mal mit kleinen Eingriffen in die Natur an. Leider leben Wildtiere in großen Teilen unseres Planeten nicht mehr in einer Disney-Wildnis, sondern stolpern überall über menschliche Spuren. Ob im Zoo eine verlassene indische Baustelle mit Leoparden dabei über das Ziel hinaus schießt, ist sicherlich Geschmackssache, aber auf das Beispiel der Australienanlage bin ich ja schon vorher in diesem Thread eingegangen. MEINE erste Begegnung mit diesem Denkansatz war für mich jedenfalls ein Aha-Erlebnis und fand schon vor anderthalb Jahrzehnten in Burgers' Bush statt: Der nachgebildete Baumstumpf eines gefällten Baumriesen, die "Fahrspuren" auf den Wegen, überall Spuren menschlicher Anwesenheit (und dabei meine ich nicht die Besucher) im Wald. Ich glaube, dass man damit etwas beim Zoopublikum bewirken kann. Wenn z.B. eine Lemurenanlage (oder deren Umgebung) ein Stück "Brandrodungsfläche" mit erodiertem Boden zeigen würde oder eine Urwaldhaus-Anlage ein "Wildererlager" mit Bushmeat-Nachbildungen, fände ich das pädagogisch sogar wertvoller als eine pseudo-natürliche Anlage (Lemuren klettern auf Madagaskar nun mal nicht auf Weiden- oder anderen mitteleuropäischen Bäumen herum, und die wenigstens Tiere leben ständig in Felsumgebungen). Wie schon erwähnt, finde ich die geplante Pinguingeschichte in Hannover bescheuert. Aber ich hätte z.B. kein Problem damit, in die Kulisse der "Karibus" (werden wohl auch erstmal "gewöhnliche" Rentiere sein) ein Stück oberirdischer Ölpipeline einzubauen, denn die Konfrontation damit ist nun mal ein alltägliches Erlebnis für frei lebende Karibus. Es gilt meines Erachtens einfach, die richtige Balance in der Gehegegestaltung zu finden, um dem Tier gerecht zu werden und dem Besucher etwas beizubringen, obwohl er eigentlich nicht zum Zwecke des Belehren-Lassens einen Zoo besucht. Letztlich ist ja fast jedes Zoogehege, egal wie es gestaltet ist, nur ein künstlicher Lebensraum und eine Illusionskulisse. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Saya: | @Sven: Sehe ich genauso. Die Tiger haben etwas Ausblick durch ein Gitter auf der rechten Seite der Anlage aber "Überblick" kann man das nun wirklich nicht nennen. Die leoparden haben durch den Aufbruch der linken Mauer im ursprünglichen Gehege nun ebenfalls ein bißchen "Blick", aber ebenfalls - nur ein bißchen. Zudem die von mir bereits erwähnten nachteile dass in der rechten Anlage die Deckung durch einen "englischen Rasen" mit lärmendem Springbrunnen ersetzt wurde. Dass Deckung geben bedeutet, den Tieren Aussicht zu nehmen halte ich so nicht für richtig; wer in einem Busch sitzt sieht alles nach draußen, nur die von außen sehen kaum etwas. Natürlich gibt es in einem mit Büschen und Bäumen (teilweise) zugewachsenen Gehege Stellen von denen man aus nichts sieht, aber eben auch viele andere. Vor allem wenn es erhöhte Plätze gibt und/ oder das Terrein nicht eben ist. Ich wette die leoparden in Hagenbeck in dem total zugewachsenen Urwald-Käfig haben tolle Ausblick-Plätze für sich gefunden. Die besucher haben es dort allerdings schwer. - Robben: Sicher leben (zahlenmäßig vermutlich sehr wenige) Robben in Hafenbecken, aber was mich an der Yukon Bay so stört ist dass das ganze keine Inszenierung/ Darstellung eines natürlichen Lebensraumes ist sondern alles auf Menshcen ausgerichtet, dh eine Goldgräbersiedlung. und das ist für die Tierwelt in Alaska sicherlich NICHT typisch/ prägend. Das ist allerdings in der Tat reine Geschmacksfrage. - Gorillas: Sicher ist der Gorillaberg rein platzmäßig eine Verbesserung. Wenn man sich aber anguckt das mit den 10 Millionen (oder wie teuer war´s genau?) nicht mehr, nicht VIEL mehr erreicht hat, das ist ein Armutszeugnis. Anlagen komplett an den Bedürfnissen der Tiere vorbei geplant und das auch noch schweine teuer (wie bei den Gibbons und Gorillas), das finde ich schlimm. ES ist bei mir inzwischen so dass ich - nach vielen Jahren der Hannover-Begeisterung - schon hoffe dass die derzeitige Zoleitung kein Geld mehr bekommt. Die alte Situation war zweifellos auch nicht haltbar, aber so? Die Sambesi-Anlagen find eich ja noch recht gelungen, aber in den letzten Baumaßnahmen (Hulman-Verkleinerung; Leoparden) kann ich nicht einmal mehr eine Verbesserung sehen. Die probleme in der Hulman-Innenanlage kommen m.M. nach daher weil das ganze von vornherein zu beengt angelegt ist. Bei mehr Raum würden mehr Klettermöglichkeiten nichts ausmachen. Nur nimmt fraußen leider der Graben genausoviel Platz weg wie die Anlage selbst, die ja auch noch verkleinert wurde. Warum, das habe ich nie auch nur ansatzweise verstanden. Damit die Affen näher am Besucher sitzen? - Menschenaffen innen: Ich würde vorschlagen 1. die Raumaufteilung völlig zu ändern - mehr Platz für Tiere, viel weniger für Besucher, und 2. die Begrenzung grundsätzlich durch ein Gitter zu gestalten (nach oben abgedeckt) und bis ca. 2 m Höhe für Besuchersicht durch Glasscheiben zu ersetzen. Durch die Sicht durch Glas ist das mit "Einmauern" mE nicht vergleichbar. Gegen Gitter außerhalb ihres Sichtbereichs haben Besucher meiner Erfahrung nach gar nichts. Zudem denke ich dass allgemein die besucher viel mehr verstehen würden wenn die Zoos sich nur die Mühe machen würden es zu erklären, warum ZB Wassergräben (jedenfalls bei beengten Platzverhältnissen) für Affen nicht gut sind, und warum Gitter zum klettern wichtig + gut sind. Dann könnte man den Besuchern auch eine große Gibbon-Voliere erklären und sie von dem Insel-Stil "entwöhnen". Das Schlimme an den hier von mir kritisierten Hannover-Gehegen ist nicht dass sie in 10 oder 20 Jahren veraltet sein werden, sondern dass sie es bei ihrer Eröffnung schon waren, und dass die Zooleitung (jedenfalls soweit ich das aus besuchersicht erkennen kann) keinerlei Bemühungen macht diese Fehler auszubügeln oder abzumildern (Öffnung der Leopardenanlage zählt nicht, so). Es wäre nicht soooo schwer die Gorillaanlage besser einzurichten, oder den Schimpansen ohne großen Umbau oder finanziellen Aufwand mehr Klettermöglichkeiten zu geben. Es fällt mir nicht leicht bei diesem Thema auf alle Polemik zu verzichten (dafür habe ich mich zu sehr geärgert bei diversen Zoobesuchen) - abe rich versuch´s! Kontroverse Diskussionen find eich nämlich auch spannend. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Also bei den Tigern und Leoparden in Hannover hab ich nicht gesehen, das die gute Aussichtspunkte hatten. So wie es sich mir dar stellte schauten die in jede Richtung nur gegen eine Mauer. (25.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Keine Angst, ich sehe den Zoo Hannover keineswegs kritiklos durch die berühmte "rosa Brille"! Deswegen finde ich eine kontroverse Diskussion durchaus gut, wehre mich allerdings gegen Polemik. Und einige Vorwürfe leuchten mir schlichtweg nicht ein und halten einer objektiven Betrachtung auch nicht stand. Über den Quatsch mit den Pinguinen in Yukon Bay kann auch ich nur den Kopf schütteln. Die Idee entstand im Zoo meines Wissens nur, weil man 1. "aus praktischen Gründen die Fischfresser in einem Revier behalten wollte" (Und was fressen Pelikane? Müsli etwa?) und 2. nicht so recht wusste, wo man die Pinguine sonst im Masterplan unterbringen sollte (ICH würde sie im Afrikateil unterbringen, schließlich sind es Brillenpinguine). Aber warum nicht Robben im Hafenbecken? In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet haben Kalifornische Seelöwen doch auch ganze Hafenpiers für sich annektiert! Und warum heißt der Seehund im Englischen "Harbour seal"...? @Saya: Bei den Großkatzen dreht sich die Argumentation im Kreis. Wenn die Tiere einen Rundum-Überblick schätzen, darf man ihnen das Gehege nicht mit Einrichtung verbarrikadieren. Um Deckung zu bieten, muss man genau dies tun. Also liegt die Wahrheit doch in der Mitte, oder? Die Tigeranlage bietet den Tieren doch etliche Ausblicke, ohne dass sie sich auf dem Präsentierteller fühlen müssen wie auf manchen grabenbegrenzten Freianlagen. Und die Leopardenanlage wurde ja nun gerade mit großem Aufwand offener gestaltet, also nachgebessert. Was die Einrichtung betrifft, gebe ich auch bei den Hulmans zu bedenken: Je mehr Klettermöglichkeiten auf gleichem Raum, desto weniger Sprungmöglichkeiten (wenn man auf Käfiggitter als Kletterwände verzichtet). Hulmans haben einen anderen Bewegungsablauf als spezialisiertere Astkletterer unter den Affen und haben sich z.B. im Nordwesten Indiens freiwillig (!) alte Palastruinen als Lebensraum ausgesucht. Komischerweise regt sich niemand über Pavianfelsen in anderen Zoos auf, obwohl Mantelpaviane im Freiland bestimmt nicht ihr ganzes Leben auf Steinhaufen verbringen! Zu der "Das hätte man besser machen können"-Thematik: Die Gorilla-Anlage IST eine Verbesserung der vorherigen Haltung, denn da war die Gruppe auf die Hälfte der jetzigen Schimpansen-Außenanlage beschränkt. Die kahlen Innenräume ließen sich nur anders strukturieren, wenn man statt der Gräben Glasfronten oder Gitter verwenden würde. Gitter sind ja leider beim Publikum verpönt, und ob sich Menschenaffen in den allseits vorhandenen "Großterrarien" wirklich wohl fühlen...? (Wie war das mit dem "Einmauern?") Die Kritik an der winzigen Orang-Außenanlage findet meine volle Zustimmung, für die Orangs stelle ich mir auf der Fläche des Gepardengeheges hinter dem Dschungelpalast eine wunderbare Anlage auf zwei Ebenen vor (und habe ich dem Zoo auch schon vorgeschlagen). Die Gibbons sitzen auch mir zu beengt, die Inselhaltung war wieder einmal ein Zugeständnis an die Zoobesucher, welche ja die alte Gibbon-Insel gewohnt waren. Leider ist ja so, dass ein heutiges "Gehege der Zukunft" in ein paar Jahren schon wieder ein Auslaufmodell sein wird - dazu sind die Zoos eben zu sehr vom Publikumsgeschmack abhängig. Man stelle sich vor, ein Zoo würde hier eine Gorilla-Anlage im Aspinall-Stil errichten: Eine große "Turnhalle" aus Gitter mit knietiefer Stroheinstreu. Das gäbe ein Mordsgezeter von wegen nicht zeitgemäßer Tierhaltung - obwohl sich die Gorillas sauwohl fühlen.... (24.10.2005, 00:00) | ||
| Dirk K: | Das mit den Pinguinen in Yukon Bay finde ich auch höchst merkwürdig. Wenigstens wird es im Infostand so dargestellt, dass irgendein Kapitän in Südafrika Pinguine an Bord genommen hat um sie weiter nach Kalifornien zu verschiffen. Das Schiff ist dann aber in Yukon Bay gesunken und die Pinguine haben die Macht übernommen. Ziemlich erbärmlich nur weil man diese Tiere unbedingt in ein Alaska-Projekt integrieren will, denn die meisten Leute glauben ja immer noch das es diese Brillenpinguine am Nordpol gibt, wie die Umfrage des Pflegers während der Show der Meere zeigt. Die Innenanlage der Hulmans fand ich auch erbärmlich mit Klettermöglichkeiten ausgestattet. Nur eine kleiner hängender Baumstamm, vielleicht die Brüstung dieser Treppe und ein paar Fenstersimse wobei man letztere ja kaum als Klettermöglichkeit zählen kann. (24.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Ich kann ihnen in fast allem zustimmen. Trotz eingesetzter Millionen in den Umbau, ist die hannoversche Tierhaltung, jedenfalls aus Sicht diverser Laien, mich eingeschlossen, immer noch nicht vorbildlich. Allerdings erlaube ich mir auch den Hinweis, dass die Anlagen der betr. Tiere natürlcih vorher auch nicht besser waren. Aber vielen Dank an Saya, endlich wird diese Diskussion kontrovers geführt! @Michael Mettler: Vielen Dank für ihren Beitrag, auf den ich noch eingehen möchte, im Moment fehlt mir dazu aber die Zeit, so dass ich sie auf Mittwoch vertrösten muss. (24.10.2005, 00:00) | ||
| Saya: | Ich habe an und für sich nichts gegen die sog. "Erlebniswelten", solange der Neubau nicht nur den Besuchern, sondern auch den Tieren zugute kommt. Und gerade da liegt bei einigen Anlagen in Hannover das Problem... Leoparden und Tiger einzumauern, kann man ja wohl nur als abartig bezeichnen; soweit ich weiß lieben beide Tierarten den Überblick. Die Baumaßnahmen am Leopardengehege letzten Winter haben die Sache eher noch schlimmer gemacht, wenn ich das richtig in Erinnerung habe - im rechten Gehege ist die Deckung durch das Bambusgebüsch weg und dafür macht jetzt der Brunnen einen Heidenlärm. Was das Platzieren von Baugebräten im Umwelterziehung zu tun hat, würde ich mir auch gerne einmal von einem Verantwortlichen in Hannover mal erklären lassen...!! Die Anlagen für Gibbons und Gorillas sind ja wohl von der Tierhaltung auch nur "suboptimal", um´s freunlich auszudrücken, ebenso wie die Hulmananlage. Gorillas haben kaum Deckung, keine Möglichkeiten den Besuchern oder Artgenossen aus dem Blick zu gehen, außer einem einzigen toten Baum keinerlei Klettermöglichkeiten. Dazu dieser saugefährliche Wassergraben mit der glitschigen Kante. ich habe da mal ein Jungtier nach einem Stück Apfel angeln sehen und mir ist ganz schlecht geworden. Die Gibbons haben ebenfalls kaum Klettermöglichkeiten. Da sind doch Käfige de alten Art wie in Osnabrück viel besser! Gleiches gilt für die Hulmans. In welchem Zoo wurde in den letzten Jahren mal eine Anlage verkleinert? Dass für B#ren und Walrösser nicht neu gebaut wird finde ich sehr vernünftig, aber die Pläne für die Alaskawelt find eich zum Gruseln. Das ist doch das gleiche wie in Gelsenkirchen- Show für die Besucher, dazuwischen ein paar nicht bedrohte Tierarten in Felsenkulissen und Aufklärung und Information der Besucher bleiben auf der Strecke. Robben im Hafenbecken?? Pinguine in Alaska?? Muss das sein? Und während dafür Millionen ausgegeben werden sitzen die Orangs in einem quasi nicht existenten Außengehege, die Schimpansen innen wie außen ohne deckung und Klettermöglichkeiten auf dem Boden (das das Waldbewohner sind, hat in Hannover offensichtlich noch keiner mitbekommen), und die Innenanlage der Gorllas ist ebenfalls klein und kahl. Das macht mich in der Tat wütend. (24.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Zoosammler: Harsche und zum Teil ungerechtfertigte Kritik (kann man schon fast als Wut definieren), deswegen eine längere Antwort. Zu 1): Herzlichen Glückwunsch, denn der "Generalist" ist gegenüber Neuerungen in der Regel aufgeschlossener als der "Spezialist", da er auch über den eigenen Tellerrand guckt. Zu 2): Hinsichtlich der Erdmännchen und Nasenbären schließe ich mich der Meinung an. Allerdings würde ich unter den genannten Kriterien auch den Orang-Utan zu den Allerweltsarten zählen. Es profitierten jedoch mehr selten gehaltene Arten als nur Kaama und Addax vom Umbau, z.B. Thomson- und Dorkasgazelle, Impala, Flusspferd (zählt auch schon dazu, siehe dortiges Forumthema), Hulman, Kleiner Panda, Sumpfwallaby, Nacktnasenwombat. Die seltenen Haustierrassen sowie Somali-Wildesel und Bergzebras sind erst nach dem Umbau hinzugekommen (was unter den vorherigen Bedingungen nicht passiert wäre), daneben auch "gewöhnliche" Arten wie der Blässbock. Die "aufwändigen" Neubauten für Kaninchen und Meerschweinchen sind lediglich mit Stein oder Zaun eingefasste Wiesenstücke, hier wollen wir doch mal die Kirche im Dorf lassen.... Über die Kritik bezüglich Fuchs und Luchs ist die Zeit längst hinweg gegangen, im Zoo Hannover leben schon länger keine (Polar-)Füchse mehr, und der letzte, sehr alte Luchs ist auch schon lange weg.... Der letzte Braunbär blockiert als altes Einzeltier den weiteren Umbau von Sambesi, da es keine Haltungsgenehmigung für einen oder mehrere Artgenossen für die alte Anlage gibt und das alte Tier nicht zu vermitteln ist - und eigentlich auch nicht mehr in eine andere Anlage oder Haltung übersiedeln soll. Letzteres gilt auch für das letzte, ebenfalls alte Walross. Beide Tiere könnten theoretisch jeden Tag den Alterstod sterben - ist es da ein Wunder, wenn die Anlagen nicht mehr umgestaltet werden? Mich würde übrigens schon interessieren, WAS an der neuen Elefantenanlage "ein Witz" sein soll. Das Drumherum oder die Tierhaltung als solche? Die Bemerkung "Andere Zoos sind stets bestrebt, ALLE Anlagen zu verbessern", finde ich sehr merkwürdig, denn auf einen Schlag ist das wohl noch niemand gelungen (außer bei einem kompletten Neubau wie damals in Münster). Immerhin ist der Umbau in Hannover genausowenig abgeschlossen wie der in Leipzig oder Köln. Mit dem Finger auf die noch nicht erneuerten Anlagen zu zeigen, halte ich für etwas simpel, schließlich hat jeder Zoo seine "Altlasten". In Hannover wurde also nur für "Besuchertiere" neu gebaut? Na, dann schauen wir uns doch mal in den ach so viel besseren (?) anderen Zoos um! Zoo Berlin: Robben und Pinguine, plant für Menschenaffen; Wuppertal: Pinguine; Dortmund: Menschenaffen (und Tapire, o.k.); Köln: Elefanten; Münster: Pferde, Haustiere allgemein, Affen und Menschenaffen; Stuttgart: plant für Menschenaffen; Halle: Krokodile, plant für Elefanten; Hagenbeck: Menschenaffen, plant für Elefanten, usw. usw. - sind das alles keine "Besuchertiere"? Die Kritik beißt sich in den Schwanz: Für Neu- und Umbauten wird Geld benötigt, mehr Geld kommt aber nur durch mehr Besucher (und deren Konsum), und die kommen sicherlich nicht in Scharen gelaufen für eine Neuanlage mit Fleckenrollern, Baweanhirschen oder Blaumaskenamazonen - sondern für das "Standardprogramm". Und erst, wenn DAS Geld da ist, profitieren auch weniger publikumsattraktive Arten davon, siehe Somali-Wildesel und Bergzebra. Wäre es denn besser gewesen, Hannover hätte auf den Umbau verzichtet oder - wie manche andere Zoos - Pseudoverbesserungen gemacht, indem man den grauen Beton grün angemalt oder mit Kletterpflanzen berankt hätte? Davon hätten weder die "Allerweltsarten" noch die Raritäten profitiert, und das seinerzeit im Schnitt sehr alte Zoopublikum wäre nach und nach weg gestorben. Den Nachwuchs, der auch in Zukunft Zoos besucht, hat jedenfalls erst der Umbau wieder gebracht. (24.10.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Pauschal kritisieren würde ich "Erlebniswelten" auch nie, aber ich habe hier schön oft meine Meinung zu Hannover kundgetan. Ich finde aber auch vieles richtig, was hier geschrieben wurde. Vielleicht aber erstmal ein paar kleine Anmerkungen: 1.) Die Einteilung erscheint auf den ersten Blick richtig, ist jedoch m.M. nach nicht praxistauglich: Ich selbst fände mich in jedem der beschriebenen "Besuchercharaktere" recht gut wieder. 2.) Für welche Tierarten entstehen denn die Erlebniswelten? Wenn man von Kaama und Addax einmal absieht, wurde z.B. in Hannover nur für zootypische, teilweise schon überrepräsentierte Tiere, die den Besuchern gefallen, gebaut, es wurde sogar noch weitergegangen: Nicht nur, dass man publikumsunattraktive Arten aus dem Bestand nahm, nein, andere "Allerweltsarten", die aber jedes "Sonntag-Nachmittag-Zoobesucher"-Herz beglücken, wurden neu eingeführt: Zum Beispiel Erdmännchen und Nasenbären. Für Kanninchen und Meerschweinchen entstehen aufwendige Neubauten, Fuchs und Luchs, Walroß und Orang-Utan bleiben weiterhin in Gehegen, die man böswillig als "schrecklich" bezeichnen könnte, ich nenne sie mal "suboptimal" *g*. 3.) Wenn der Zoo, wie von Herrn Weyler gefordert, seine Mithauptaufgabe, die Bildung, aufgeben würde, dann wäre das für mich ein Skandal. Hannover hat umgebaut, aber lediglich um mehr Geld udn Besucher anzuziehen, Hagenbeck hat seinerzeit doch auch für Tiere und "Volksbelehrung" umgebaut. Letztere war in seinen revolutionären Anlagen in vielen Teilen sogar besser möglich, als in den traditionellen "Menagerien". Ich möchte hier nicht den Eindruck gewinnen, ich sei gegen Neues. Und sicher: Auch mich unterhält die Sambesi-Bootsfahrt prächtig, nur neue Anlagen in Köln, Berlin, Rostock oder Hamburg ziehen mich genauso in ihren Bann. Ich brauche keine großartigen Felkulissen und umgestürzte Trucks. Ich bin immer für Neues zu haben, wenn es auch eine spürbare Verbesserung der Tierhaltung mit sich bringt. Das ist in Hannover sicherlich an einigen Stellen der Fall, an anderen kann man das nicht genau sagen. Die Elefantenanlage im Dschungelpalast ist ein schlechter Witz (zugegeben, das war die alte auch). Und es will mir nicht in den Kopf, warum ich begrüßen soll, dass ein Zooteil im Licht der Kunstfelsen glänzt und als Bühne für tatsächliche oder vorgetäuschte Supertierhaltung dient, der andere aber im ewigen Schatten bleibt. Andere Zoos sind stets bestrebt, ALLE Anlagen zu verbessern. Auch wenn die dann nciht zwanglsäufig für Fernsehreportagen und Zeitungsartikel herhalten. (24.10.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Vielleicht kann man gerade an der neuen wuppertaler Pinguinanlage - wenn sie denn fertig geworden ist - lernen, daß die neue Anlage nicht natürlicher ist als die alte. In den 70er Jahren galt die wuppertaler Anlage als überaus natürlich, weil sie Raum und Brumöglichkeiten für die Tiere, Einsichtsmöglichkeiten für die Besucher und eine optimale Ausnutzung des Hanges bot. Die jetzt im Bau befindliche Anlage wäre weder bei Fachleuten noch bei Besuchern durchsetzbar gewesen, weil sie als Kulisse abqualifiziert worden wäre, die verbirgt, was die Tiere brauchen und was nicht. Ich habe nichts gegen die neue Anlage - außer daß der alte Schafsstall geopfert wurde, den man hätte integrieren können - aber sie wird in 15 Jahren genauso überholt sein wie ihre Vorgängerin heute. (24.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ganz meine Meinung. Schauen wir uns doch mal an, welche Funktionen Zoos innerhalb der letzten 150 Jahre hatten: Für ein lebendes Museum waren nur möglichst viele Käfige, Gehege und Volieren nötig, um eine umfassende Sammlung zeigen zu können. Für eine Kolonialausstellung brauchte man dann die Stilbauten als exotische Kulisse (und möglichst eine Völkerschau dazu). Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte die Nüchternheit in die Zoobauten ein, gepaart mit besseren Hygienemöglichkeiten - die "Badezimmerära" mit Kacheln, Edelstahl, Glas und kubischen Formen. Entsprechend entwickelte sich doch auch der Baustil privater und öffentlicher Gebäude, oder sehe ich das als Laie auf dem Gebiet der Architektur falsch? Als nächste Periode kam die Vergötterung des nackten Betons, statt Wiederherstellung ging es in unseren Köpfen um Zukunft, und die Technikbegeisterung startete durch (Raumfahrt). Was begeisterte den Zoobesucher (und ebenso den Architekten) mehr, als ein Zoobau, wie man ihn sich für das noch so ferne Jahr 2000 vorstellen könnte? So war es sicherlich auch in Münster ein Kulturschock, als die Besucher statt des altehrwürdigen Landois-Zoos plötzlich in einem Retorten-Zoo standen, dessen Bau aus einem Guss und in einheitlichem Vieleck-Stil ebenfalls einen architektonischen Meilenstein darstellt - auch wenn wir uns heute mit Grausen von nacktem Beton abwenden. Heute sind wir (endlich?) dort angelangt, wo Hediger den Zoo schon zu seiner Zeit positionierte: Am Notausgang zur Natur. Ist es dann ein Wunder, wenn Zoobesucher heute "natürliche" Gehege den Architektendenkmälern vorziehen? (Wobei "natürlich" relativ ist, wenn man z.B. daran denkt, wieviele Tierarten in Felsenanlagen präsentiert werden.) Der stetige Rückgang der Besucherzahlen im "alten" Zoo Hannover und der explosionsartige Anstieg seit Beginn des Umbaues ist eine deutliche Abstimmung darüber, wie sich der heutige Durchschnitts-Zoobesucher einen Zoo wünscht. Ob der dann "Erlebniszoo", "Erlebniswelt", "Landschaftszoo" oder sonstwie heißt, ist dabei völlig egal - in jedem Kaufhaus heißt heute die Spielwarenabteilung "Kinderwelt", und keinen stört es. Um auf den ursprünglichen Titel des Beitrags zurück zu kommen: Was ist eigentlich ein "richtiger" Zoo? (22.10.2005, 00:00) | ||
| Werner Weyler: | Welchen Kulturschock müssen die ersten Besucher in Stellingen erlebt haben, als Carl Hagenbeck 1907 seine " Erlebniswelt " eröffnete. Keine Raubtiere mehr in eisenstarrenden Käfigen und Burgen, usw., usw. Jeder zoologische Garten ist eine lebende Institution, die sich verändert und weiter entwickelt. Natürlich versucht man weitgehends den Wünschen der Besucher Rechnung zu tragen. Der Trend geht derzeit nun mal zu den hier immer wieder diskutierten Erlebniswelten. Vielleicht liege ich mit meiner Meinung nicht richtig, aber suchen nicht immer mehr Menschen solche Oasen, um einmal den tristen Alltag und die Sorgen zu vergessen? Ich bin der Auffassung, dass Zoobesucher nicht mehr unterrichtet werden wollen, man will eher das Tier in einer natürlich gestalteten Umgebung sehen. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, dass für viele Besucher eine Bootsfahrt auf dem Sambesi in Hannover ein Stückchen Urlaubsersatz bleiben muß. Hagenbeck hat meiner Ansicht nach vor hundert Jahren nichts anderes gemacht. Er präsentierte die Tiere in möglichst natürlicher Umgebung und holte aus allen Erdteilen die verschiedensten Völker. Ein nicht endender Besucherstrom zeigte, dass er genau den Geschmack des Publikums getroffen hatte. Hagenbeck war mit seinen Ideen nicht unumstritten und wurde teilweise von Kollegen hart attakiert. Dennoch wurden viele seiner Ideen auch in anderen Zoos umgesetzt. Heute gehört Hagenbeck's Tierpark zu den Besten und keiner käme mehr auf die Idee, an der Richtigkeit seines damaligen Konzeptes zu zweifeln. Nichts anderes sehe ich in den zurzeit geschaffenen und entstehenden Erlebniswelten. Sie werden die klassischen Zoos nicht verdrängen, aber teilweise wird deren Konzeption woanders übernommen. Zum Beispiel die derzeit entstehende Pinguinanlage im Wuppertaler Zoo sehe ich als ein Stückchen Erlebniswelt. Sie wird wunderschön und Kritiker fordere ich auf, sie mit der noch bestehenden Pinguinanlage zu vergleichen. Vielen Zoos würde ein bischen mehr Erlebniswelt gut tun, was ja zum Glück auch geschieht. Zusammenfassend muß ich sagen dass es schade wäre, wenn alle Zoos den gleichen Charakter und Stil hätten dies wäre stink langweilig. Erlebniswelten zu schaffen ist keine deutsche Erfindung. Wie schrieb mir mein ( leider viel zu früh verstorbener ) Sammlerfreund Martin Ramsauer über einem Zoo in den USA: " Man wendet sich hier von dem Konzept ab, die Tierarten aneinander zu reihen. Vielmehr soll der Besucher diese in einem möglichst natürlichen Umfeld erleben "! (22.10.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Die Einteilung von Herrn Mettler scheint mir sehr klug. Man kann sie untergliedern und differenzieren, aber sie trifft den Kern. Ergänzen würde ich lediglich den zufälligen Zoobesucher, der da ist, weil alle da waren, und den Besuch etwa so abwickelt, wie der Raucher eine Zigarette raucht. Kulturschocks wie etwa die Umbauten hat es immer gegeben, man denke an die Wirkung der Hagenbeck'schen Anlagen in Berlin oder auch die Grzimek-Neubauten in Frankfurt, die ebenfalls in Berlin, aber auch im Rest Mitteleuropas, manche Neuentwicklung ausgelöst haben. Ich fürchte, daß ich mich in 20 Jahren für den Erhalt der dann überholten jetzt noch ganz frischen Anlagen ebsno einsetzen werde wie jetzt für den Erhalt den Raubtierhäuser in Wuppertal oder Stuttgart. Allerdigns fällt etwas auf: In der Architektenwelt wurden Bauten wie das alte Antilopenhaus oder die Elefantepagode in Berlin genauso diskutiert wie die erwähnten Bauten in Frankfurt oder das Menschenaffenhaus in Stuttgart, um ein Beispiel des Brutalismus zu nennen. Das ist weder für Hannover noch für Gelsenkirchen der Fall - im Gegensatz zum Elefantenhaus in Köln, das im Feuilleton der FAZ besprochen wurde. Ich würde mich nicht so weit vorwagen, dort das Ende der Zoos zu sehen, wo der akademisch ausgebildete Fachmann sich abwendet - doch hier ereignet sich eine Art Paradigmenwechsel, der sehr stark in Richtung Freizeitpark orientiert ist: Das Phantasialand in Brühl hat ja auch noch nie einen Architekturpreis gewonnen. Zoologische Gärten sind Kultureinrichtungen und als solche Freizeiteinrichtungen, sie werden von der Gesellschaft für die Gesellschaft unterhalten und insofern spiegelt sich in ihnen die Art, in der Gesellschaft Natur oder Tier zu begegnen wünscht. Aber es ist eben die Frage, wie die verantwortlichen dieser Aufgabe begegnen und in welchem Grad diese Begegnung reflektiert wird. (21.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | @Werner Weyler: Meine volle Zustimmung zum Freizeitpark-Gedanken! Ich sehe z.B. keinen sonderlichen Unterschied in Haltungsqualität und Art der Präsentation, wenn ich mir die Nashornanlagen im "Erlebniszoo" Hannover und im "klassischen Zoo" Berlin ansehe, aber sehr wohl zur Haltung in Stukenbrock! (Wer noch nicht dort war: 1,1 Breitmaulnashörner, deren Gehege ringsum von Fahrgeschäften u.a. Kirmes-Elementen umgeben ist. Die Anlage besteht aus einer tiefsandigen Fläche - noch nie habe ich irgendwo anders Nashörner mit lang ausgewachsenen Fußnägeln gesehen!) Vielleicht stößt es vielen auf, dass sich der Zoo Hannover offen dazu bekennt, eine FREIZEITeinrichtung zu sein, aber mal ehrlich: Wieviele Besucher verbringen schon BERUFLICH Zeit in Zoos? Der Zoologische Leiter Dr. Engel verriet mir übrigens mal mit einem nicht zu übersehenden Grinsen im Gesicht, dass Hannover schon viele Anfragen aus Zoos, die nach außen hin die "WIR doch nicht!"-Einstellung vertreten, bekommen habe: Wie habt ihr dies und das gemacht, wieviel hat es gekostet usw. Lassen wir uns doch mal überraschen, wer als nächstes folgt. Ich vermisse übrigens in der Diskussion um die Erlebniszoos die Namen Hagenbeck (Dschungelnächte, Aida-Aufführung, Elefantenreiten usw.) und Köln (Eulenkloster, Leopardenanlagen, Dino- u.a. Sonderausstellungen), die schon vor Hannover & Co. auf dieser Schiene fuhren, wenn auch nicht so konsequent umgesetzt und mit einem Totalumbau verbunden. (21.10.2005, 00:00) | ||
| Werner Weyler: | Für mich hat jeder Zoo zum Glück seinen eigenen Charakter und dies finde ich sehr schön so. Es ist mir auch gleich, ob ich in eine " Erlebniswelt " oder einen alt ehrwürdigen Zoo gehe. Solange die Tiere artgerecht gehalten und in ansprechendem Rahmen dem Betrachter gezeigt werden, finde ich dies vollkommen in Ordnung. Was ich absolut nicht mag, ist die Schaustellung von Tieren in Freizeitparks. Zwischen dem ganzen Rummel haben Tiere nichts zu suchen. Als Beispiel in einem Freizeitpark liefen gefärbte Hühner in ständiger Panik vor verfolgenden Kindern weg, da sie noch nicht einmal einen Rückzugraum hatten. Oder Lämmer und Zicklein wurden den ganzen Tag, aus gleichem Grund, von Kindern herumgeschleppt. Im Prinzip ist jeder Zoo für mich eine " Erlebniswelt ". Wenn ich nun in Hellabrunn durch die einzelnen " Erdteile " wandle, so ist der Unterschied zu Hannover auch nicht so groß, wo ich vom Boot aus Einblicke in die afrikanische Tierwelt erhalte. (20.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Ganz ehrlich ich muss michael Mettler zustimmen, ich finde solche erlebniswelten auch mal schön aber ich seh mir auch gerne "tiersammlungen" an. Das ist ein weiterer Punkt warum ich Burgers zoo so liebe, die mischung aus Dschungel wüsten und safari und ozean erlebnis mit dem alten zoo zusammen seinen teils noch sehr alten umgestalteten anlagen und der fasanerie. ich glaube das ist auch ein hauptgrund warum fast alle die berliner zoos lieben nicht weil die einem ein "erlebnis" bieten sondern weil man das gefühl hat man sieht jede tierart die es gibt aber auch schöne neue anlagen. (20.10.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ich möchte dieses Thema wieder aufgreifen, weil es in diversen Beiträgen immer wieder aufflackert und es eigentlich wert ist, mal ganz für sich betrachtet zu werden. Also: Wieviel "Erlebnis" veträgt ein Zoo? Für mich als Hannoveraner und allgemein Zoo-Interessierter war der Umstieg vom "alten" auf den "neuen" Zoo ein Kulturschock, und vielen hier im Forum wird es ähnlich ergangen sein. Andererseits hatte ich ein vergleichbares Gefühl auch bei meinen ersten Besuchen in Antwerpen (1984) und Leipzig (1987) - ich verglich es schon einmal mit einer Reise per Zeitmaschine rückwärts - und im Tierpark Berlin (1985), den ich vorher nur aus Zooführern und Tierparkteletreff-Sendungen kannte und sehr erstaunt war, dass der "Zoo der Zukunft" zu großen Teilen aus Provisorien bestand (wenn auch mit zoologischen Leckerbissen übersät). Anhand der unterschiedlichsten Beiträge hier im Forum ist deutlich zu sehen, dass jeder von uns einen Zoo mit etwas anderen Augen sieht. Um mal die Extreme zu nennen, ohne sie auf bestimmte Teilnehmer zu beziehen: - der "Artensammler", für den das Tier aus zoologisch-systematischen Gründen im Mittelpunkt steht - der "Historiker", der vor allem auf die Epochen der Zooentwicklung achtet - der "Artenschützer", der den Erhalt bedrohter Tierarten in den Vordergrund stellt - der "Biologe", dem Faktoren wie Verhalten, Gehegeeinrichtung usw. wichtiger sind als Art, Unterart oder Baustil - der "Fan" (mir fällt kein besseres Wort ein), der sich vor allem für eine bestimmte Tierart oder -gruppe begeistert. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass keine der von mir gewählten Bezeichnungen abfällig oder ironisch gemeint ist, und zwischen den Extremen - vielleicht gibt es noch mehr davon - gibt es alle fließenden Übergänge. Interessant dabei ist, dass sich beim Begriff "Erlebnis-Zoo" offensichtlich ALLEN die Nackenhaare hochstellen. Deswegen frage ich jetzt mal provokativ: WARUM EIGENTLICH? Ich nenne jetzt mal aktuelle Beispiele aus unterschiedlichen deutschen Zoos: Bootsfahrt, Safari-Simulator, Goldmine, Pfingstkonzert, Streichelzoo, Elefantenreiten, Hochzeitsfeier im Dschungelzelt, Dschungelnacht, Dinosaurierausstellung, Kirmeskarussell im Kinderzoo, Candlelight-Dinner im Aquarium, Elefantenfüttern. Merkt ihr was? Hannover, Gelsenkirchen und Leipzig befinden sich in bester Gesellschaft. Hier der "verfallene Dschungelpalast", dort Bisons in der Blockhütte samt Totempfahl davor. Hier der neu errichtete Stilbau, der anscheinend "pfui" ist, dort der altehrwürdige Stilbau, der anbetungswürdig ist. Hier Bongotrommeln, da Blasmusik. Robben- und Greifvogelshows allerorten. Selbst die Bootsfahrt in Hannover ist nicht neu: Karlsruhe! Kommerz an allen Ecken und Enden? Nun, die Souvenirs sind halt heute vielfältiger und die Shops damit größer. Was hätte ich als Kind dafür gegeben, eine solche Auswahl gehabt zu haben.... Das Tier nur als Beiwerk? Wenn ich durch den hannoverschen Zoo gehe und Besuchern zuhöre, geht es eigentlich immer nur um die Tiere. NATÜRLICH werden die Unterhaltungsangebote genutzt, aber kommt jemand wirklich nur deswegen und "verfälscht" damit die Zielgruppe ernsthafter Zoos? Der Informationscharakter? Ich kenne Zoos mit ellenlangen Texten auf den Gehegeschildern, riesigen Schautafeln usw. - und kaum jemand beachtet sie. Vielen Besuchern reicht offensichtlich bei der Beschilderung noch immer die Information, die mir zu Kinderzeiten als Teilnehmer einer Ferienpassaktion im Zoo Hannover lieblos dargeboten wurde: "Das ist der Löwe, der kommt aus Afrika und frisst jeden Tag sieben Kilo Fleisch". (Die Führung hätte ich damals schon selbst abhalten und wesentlich mehr dazu erzählen können!) An erster Stelle steht für einen Zoobesucher doch die Faszination Tier, und das ist nun mal ein "Erlebnis". Ich oute mich hier z.B. gern als großer Liebhaber weißer Tiger - für mich sind sie keine Fehlgeburten (so lange sie keine Erbfehler wie Schielen haben, die aber auch bei normalfarbigen Tieren auftreten können), sondern genauso faszinierend wie normalfarbige. Und ich finde es faszinierend, Tiere in einer auf sie abgestimmten Umgebung zu erleben - und für nicht heimische Arten bedeutet das nun einmal eine Illusionskulisse. Unser Blick ist durch Tierdokus im Fernsehen verwöhnt, die selten die raue Wirklichkeit zeigen; fragt mal z.B. Australienbesucher, ob und in welcher Umgebung sie Kängurus gesehen haben. Ich habe es getan: Die "Normalbeobachtung" sind überfahrene Tiere am Wegesrand, ein paar weghuschende Silhouetten am Horizont - oder halbzahme Exemplare zwischen Mobilhomes auf dem Campingplatz oder neben den Müllboxen des Motels. Da sieht man dann die mit alten Ölfässern und Windrad dekorierte Australienanlage in Hannover plötzlich mit anderen Augen. Auch andere Zoos als die neu gestalteten bieten "Erlebniswelten", die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben: Wüsten-Huftiere auf satt grüner Wiese, Urwaldbewohner auf und vor Felsenkulisse (ob Kunst- oder Naturfels, ist dabei egal), Nachttiere am Tage. Steht ein Lama oder Kamel auf einer hektargroßen Wiesenfläche im Mittelpunkt der Betrachtung oder ist es "nur Beiwerk" für eine imposante Grünanlage? Sind Begriffe wie "Sambesi", "Kiwara-Savanne" oder "Makasi Simba" weniger seriös als "Äquatorium", "Afrikanum", und "Parkteil Asien"? Und zuletzt: Wird nicht - und damit zitiere ich Altmeister Grzimek - ein Zoo in erster Linie für Menschen gebaut? Unsere Vorfahren haben wahrscheinlich ähnlich verständnislos geguckt, als sie beim Zoobesuch erstmals Elefanten in einer Pagode oder afrikanische Huf- und Raubtiere in einem Panorama gesehen haben: "Erlebniszoos" gab es schon immer und überall. Warum also sind die "neuen" nur deswegen schlechter? (20.10.2005, 00:00) | ||
| Jost Leuchtenberg: | Im Grunde bin ich der gleichen Ansicht, auch wenn ein Besuch in Hannover immer wieder sehr interessant und unterhaltsam ist. Ich habe auch nicht wirklich die Sorge, dass das "Erlebniswelt-Konzept" das klassische Zoo-Konzept völlig verdrängt. Dafür ist ein solcher Umbau - oder auch "fast-völlig-Neubau" wie gegenwärtig im Ruhr-Zoo ("ZOOM") -letztlich viel zu aufwändig und teuer. Das kann sich kaum eine Stadt leisten. Und die, die es trotzdem versuchen, werden in den nächsten Jahren schon merken, dass auch ihr "Erlebnis-Zoo" ein Zuschussgeschäft bleibt. Das wiederum wird langfristig sicherlich viele Städte abschrecken, die jetzt vielleicht gerne "auf den Zug aufspringen" würden. Etwas Gutes hat das Ganze aber: Der Ruhr-Zoo ist vorerst gerettet und auch die Presse berichtet sehr umfassend und durchaus positiv über das Thema "Zoo". Gruß Jost Leuchtenberg (06.07.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Hallo immer mehr Parks steigen auf diese "Erlebniswelt"-Schiene um und verlieren ihren Charakter. Meist sind dann diese Welten noch mehr auf Besucher als auf die Tiere ausgelegt (bestes Beispiel Hannover). Ich hoffe zwar das sich in vielen Parks die Tierhaltung verbessert, doch das sie Zoos bleiben und nicht solche Erlebniswelten. MfG Sven P. Peter (05.07.2005, 00:00) |
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