
| cajun: | Ein Postionspapier vom neuen Direktor im Zoo Rheine: "Positionspapier des NaturZoo Rheine zur Paviantötung im Tiergarten Nürnberg Dr. Felix Husemann, Zoodirektor des NaturZoo Rheine Rückendeckung aus Rheine für Nürnberg – Warum wir für nachhaltigen Artenschutz auch unbequeme Wege gehen müssen Der NaturZoo Rheine unterstützt das Vorgehen des Tiergartens Nürnberg in der aktuellen Debatte um Populationsmanagement und Tiertötungen – nicht trotz, sondern weil wir Wildtiere lieben. Zoos haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu bedeutenden Kompetenzzentren für Artenschutz, Bildung und Forschung entwickelt. In einer Welt, in der Biodiversität in rasantem Tempo verloren geht und natürliche Lebensräume zunehmend zerstört werden, tragen Zoos eine immense Verantwortung: Sie sichern das Überleben bedrohter Arten – innerhalb und außerhalb ihrer natürlichen Lebensräume. Doch erfolgreicher Artenschutz verlangt Konsequenz, Fachwissen – und manchmal auch Entscheidungen, die emotional herausfordern. Nachhaltiges Populationsmanagement ist keine Option, sondern Pflicht In europäischen Zoos leben heute Tierpopulationen, die so stabil, genetisch vielfältig und vermehrungsfähig sind, dass wir uns mit Herausforderungen konfrontiert sehen, die vor wenigen Jahrzehnten undenkbar waren. Dies ist eine gute Nachricht: Es zeigt, dass Zoos ihre Aufgabe als Arche und Bildungsinstitution ernst nehmen und erfolgreich erfüllen. Doch damit einher geht die Verpflichtung, Tierbestände langfristig nachhaltig zu regulieren. Artenschutz ist gesetzlich verankert – national wie europäisch. Zoos sind verpflichtet, an Erhaltungszuchtprogrammen mitzuwirken, deren Ziel es ist, gesunde, sich selbst erhaltende Populationen außerhalb des natürlichen Lebensraums zu sichern. Dies erfordert ein funktionierendes Sozialgefüge, eine natürliche Altersstruktur, regelmäßige Fortpflanzung – und die Bereitschaft, Tiere unentgeltlich zwischen Zoos auszutauschen oder, wenn keine Alternative bleibt, tierschutzgerecht zu töten. Was paradox erscheinen mag, folgt biologischen und ethischen Grundsätzen: Eine Tierpopulation, die nicht verjüngt wird, altert, wird unfruchtbar und stirbt aus – auch im Zoo. Tierartunabhängig. Verhütung ist keine nachhaltige Lösung Vermeintlich tierfreundliche Maßnahmen wie hormonelle Verhütung oder Geschlechtertrennung bergen gravierende Risiken: Verfügbare Verhütungsmittel sind für Wildtiere nicht zugelassen, ihre Wirkung teilweise irreversibel. Zudem kann unregelmäßige Fortpflanzung zur sogenannten Seneszenz führen – einem biologischen Prozess, der bei vielen Tierarten zur Unfruchtbarkeit führt. Das bedeutet: Tiere, die nicht regelmäßig züchten, fallen dauerhaft für die Erhaltungszucht aus. Zucht auf „Knopfdruck“ funktioniert nicht. Tiere sind keine Maschinen. Und wer nachhaltige Tierhaltung ernst meint, darf ihnen elementare Verhaltensweisen wie Paarung, Trächtigkeit und Jungenaufzucht nicht dauerhaft vorenthalten. Warum das Töten ein letzter, aber notwendiger Schritt sein kann Die Tötung von Tieren – auch, wenn sie zu Futterzwecken dient – ist ein hoch emotionales Thema. Doch sie ist nicht pauschal verwerflich. Millionen von Tieren werden täglich geschlachtet, ohne dass dies gesellschaftlich hinterfragt wird. Die ethische Bewertung eines Zootieres darf nicht über der eines Nutztieres stehen. In Zoos aufgezogene Tiere, die Teil einer nachhaltigen Zuchtstrategie sind, leben unter besten Bedingungen in sozialen Gruppen und mit hoher Lebensqualität. Wenn ihre Tötung notwendig wird – etwa zur Regulierung der Population oder als Teil des natürlichen Nahrungskreislaufs – geschieht dies tierschutzgerecht, ohne Transporte und unter weit weniger Stress als in der konventionellen Tierhaltung. Raubtiere profitieren zudem von der Fütterung ganzer Beutetiere – sie entspricht ihrer natürlichen Ernährung und dient dem Tierwohl. Auswilderungen sind aufgrund der vorherrschenden Bedrohungslagen, wie zerstörte Lebensräume, oft nicht möglich, sind aber Ziel der Reservepopulationen in Zoos. So konnten bereits Arten, darunter Säbelantilopen, die im natürlichen Lebensraum ausgerottet waren, wieder von Zoos in die Natur entlassen werden. Zoos sind keine Tierlager – sie sind Zukunftswerkstätten der Biodiversität Die Gesellschaft muss lernen, dass echter Artenschutz keine Unterschiede zwischen „liebenswerten“ und „weniger beliebten“ Arten machen darf. Ob Affe oder Insekt – unsere Verantwortung gilt allen Arten. Emotionale Vorlieben dürfen nicht über wissenschaftlich fundiertes Handeln triumphieren. Wenn wir es nicht schaffen gesellschaftliche Befindlichkeiten abzulegen, werden wir die Tiere, denen wir uns am nächsten fühlen, als erstes verlieren. Der Platz in Zoos ist begrenzt – doch entscheidend ist nicht, wie viele Tiere wir halten, sondern wie wir sie halten. Und vor allem, ob wir dazu beitragen, dass ihre Art überlebt. Ein Appell an Vernunft und Verantwortung Artenschutz ist keine einfache Aufgabe. Er verlangt Engagement, Fachkenntnis – und manchmal den Mut, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen. Der NaturZoo Rheine steht fest an der Seite aller zoologischen Einrichtungen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und diese konsequent wahrnehmen. Nicht, weil wir Tiere weniger lieben. Sondern weil wir sie so sehr lieben, dass wir alles tun, um ihre Zukunft zu sichern." Quelle:https://www.naturzoo.de/aktuelles/positionspapier-tiergarten-nuernberg (05.08.2025, 12:12) | ||
| Mark Meier: | Die Zeit hat ein sehr ausführliches und lesenswertes Interview mit Herrn Encke geführt (leider hinter einer Paywall). Ich will mal aber Mal die für mich neuen oder besonders interessanten Punkte sinngemäß wiedergeben: Zum genauen Ablauf der Tötung sowie seinen Gedanken und Emotionen dazu: - Am Dienstagmorgen habe man zuerst alle Paviane auf die Außenanlage gelassen, die gar nicht für den Abschuss infrage kamen: darunter neben Weibchen mit Nachwuchs auch große Männchen, mit denen aktuell eine Studie durchgeführt wird. - Anschließend wurden zunächst passende Weibchen ohne Jungtiere wurden narkotisiert und per Ultraschall auf Trächtigkeit untersucht (nebenbei wurden auch gleich Gewebe- und Blutproben für die Forschung entnommen). - Unter den nicht tragende Weibchen wurden dann neun ausgewählt, in "speziell präparierte" Kisten gelegt und dort in noch schläfrigem Zustand per Kugelschuss getötet. Zwei der Weibchen seien indessen ungewöhnlicherweise schon unter der Narkose verstorben, weshalb man sie nun untersuchen werde. - Die drei Männchen seien zu gefährlich, um sie einzufangen. Daher habe man sie in Kisten getrieben, in denen man gut auf sie zielen und mit nur einem gezielten Schuss töten kann. Sie hätten sich darin nur erstaunt umgeguckt und dann gar nichts vom Abschuss mitbekommen. Er sei selbst dabei gewesen. - Der gezielte Abschuss mit einer Langwaffe bedeute, dass die Tiere nach einem Schuss sofort tot seien und man sie anschließend vollständig verfüttern könne. Dies sei daher die schnellste, sauberste und auch insgesamt beste Methode. - Für ihn selbst sei es kein schöner Moment gewesen und er habe die "große Verantwortung" gefühlt, eine unumkehrbare Entscheidung getroffen zu haben. Dennoch sei er sich nach wie vor sicher, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei. Zugleich wisse er, dass diese Haltung für viele Menschen schwer nachvollziehbar sei. Zur Motivation der Entscheidung: - Letztlich diene diese Maßnahme dem Management einer möglichst gesunden, stabilen und überlebensfähigen Population auf dem dafür vorhandenen Platz und damit dem Primärziel der Zoohaltung, i.e. dem bestmöglichen Erhalt der Biodiversität. Auch in anderen Fällen töte man gelegentlich gesunde Tiere für den Artenschutz, unter anderem bei invasiven Arten. Das müsse man mitunter sogar und das sei in Fachkreisen/weiten Teilen der Gesellschaft auch entsprechend akzeptiert (anders als nun in diesem Fall). - Auf der Anlage könne man idealerweise ca. 25 erwachsene Paviane gut "im Einklang mit dem Tierschutzgesetz" halten. Die Tiere hätten die zunehmende Überpopulation noch vergleichsweise intelligent gemanagt, es sei aber schon zunehmend zu Stress, Streit und Aggressionen gekommen. Auf Dauer sei das so nicht mehr tragbar gewesen. Nach dem Abschuss seien die Männchen in die Bäume geklettert und hätten dort Warnrufe ausgestoßen. Die Tiere hätten ähnlich wie nach einem Leopardenangriff o.ä. gespürt, dass die Gruppe angegriffen wurde/Schutz brauche und den Zusammenhalt gesucht. - Nichtstun hätte zur Katastrophe geführt und auch wenn man mögliche Alternativen selbst bevorzugt hätte, seien diese trotz langem Vorlauf nicht umsetzbar gewesen: In den Datenbanken der Partnerorganisationen habe man in der Vergangenheit zu wenige Tiere unterbringen können. Die anderen Angebote zur Aufnahme der Affen seien letztlich ebenfalls nicht in Frage gekommen, wobei Vantara/Indien besonders spannend gewesen sei. Man habe sich die Einrichtung vor Ort selbst angesehen. Es gebe dort gut beeindruckende sowie gut geeignete Anlagen aber auch viel entsprechende Expertise. Vermutlich habe dieser Privatzoo sogar mehr Potential für die weltweite Arterhaltung als das gesamte europäische Erhaltungszuchtprogramm. Andererseits habe man dort aber auch Tiere gesehen, bei denen eine legale Herkunft sehr zweifelhaft sei. Man habe mit der Einrichtung über drei mögliche Kooperationen verhandelt (ob die Affen dann noch Teil davon waren, sagt Encke nicht explizit aber es klingt schon danach), als dann auch entsprechende Recherchen über illegalen Wildtierhandel ans Licht kamen. Damit sei die Sache erledigt. Mit Verhütung etc könne man nicht über Generationen eine gesunde Population erhalten. Eine Auswilderung sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich bzw. auch nicht sinnvoll gewesen. Der Lebensraum gehe weiter zurück und die natürliche Population sei im Niedergang. So etwas gehe auch nicht so schnell, u.a. da man keine Krankheiten in die wilden Habitate einschleppen wolle. Zur Tierrechtsdebatte, speziell der Forderung für menschenähnliche Rechte und einen Verzicht auf Wildtierhaltung: - Er kenne und verstehe die Argumentation. Der Zeitgeist verändere sich und man setze die Würde von Tieren zunehmend gleich mit der des Menschen und leite entsprechende Verpflichtungen daraus ab. Tatsächlich habe die Wissenschaft ergeben, dass die scharfe Abgrenzung zwischen Mensch und Tier so nicht haltbar sei. Man wisse inzwischen u.a. durch Jane Goodall, dass Menschenaffen nicht nur Werkzeuge benutzen, sondern auch eine Sprache sowie Gefühle besitzen und in Familien leben. Zugleich wisse man inzwischen aber auch, dass die Abgrenzung zwischen den Tierklassen problematisch sei, da die Evolution zwischen diesen eher parallel statt geradlinig aufeinanderfolgend abgelaufen sei/ablaufe: Auch Vögel ohne Großhirnrinde hätten aufgrund ähnlicher Anforderungen auch ähnlich hohe kognitive Fähigkeiten entwickelt wie etwa Affen. Aber auch bei Wirbellosen wie Kopffüßlern erkenne man Formen von Intelligenz oder auch Empfindungen wie Schmerz etc. - Für ihn ergebe sich daraus aber nicht, dass der Mensch keine natürlichen Ressourcen inklusive Tieren für sich nutzen oder aber umgekehrt keine Verantwortung für diese Übernehmen dürfe. Und zu dieser Verantwortung gehöre mitunter auch die Tötung von Tieren. Die Zoos hätten dabei viel zu lange ein "heiles Bild in die Öffentlichkeit getragen und ihr Marketing darauf ausgerichtet, was die Leute im Zoo sehen und erleben wollen". Zur gesellschaftlichen Akzeptanz/Legitimierung und der rechtlichen Thematik: - Man habe bewusst frühzeitig den Austausch mit der Öffentlichkeit gesucht, auch wenn man so kein umfassendes Stimmungsbild erhalten könne. - Man habe jedoch den verantwortlichen Gremien im Umweltausschuss in Nürnberg entsprechend fundiert berichtet und am Ende hätten alle Fraktionen die Entscheidung auch mitgetragen. Das Umweltamt habe sogar "von sich aus bestätigt, dass in diesem Fall ein vernünftiger Grund zur Tötung von Affen vorliegt". - Auch habe man juristische Gutachten erstellen lassen zu den rechtlichen Widersprüchen zwischen Tier- und Artenschutz und diese Rechtsgutachten würden die Entscheidung plausibel begründen. Es gebe jedoch neben dem ethischen auch noch ein juristisches Dilemma, weil bisher nicht ausreichend sicher definiert sei, was eine Tötung von Tieren "aus vernünftigen Gründen" darstelle. - Er selbst habe dennoch keine Angst wegen der Strafanzeigen. Er hoffe aus den besagten Fällen, dass die Verfahren eingestellt werden. Man habe alles über Jahre sorgfältig adressiert. - Auch der öffentliche Shitstorm gegen seine Person belaste ihn nicht. Er sei überzeugt, dass ein Umdenken stattfinden muss. Da gehöre so etwas dazu. Was er dagegen schlimm finde, seien die massiven Anfeindungen gegen sein Personal. Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2025-07/nuernberg-paviane-toetung-tierschutz-polizei-dag-encke (03.08.2025, 15:19) | ||
| Carsten Horn: | Berlin hatte doch Werner Bode, der jedes Tier in einem vernünftigen und anerkannten Zoo untergebracht hat, wenn in Berlin kein Platz mehr war. Im Jahresbericht wurde sich früher regelmäßig für die gute Zusammenarbeit bedankt! (02.08.2025, 09:02) | ||
| Rainer Hillenbrand: | Bemerkenswert von Karlsruhe, darauf hinzuweisen (was eigentlich gar nicht nötig sein sollte - denn es versteht sich von selbst), daß das für die Beteiligten in Nürnberg ein schwerer Gang war. Eine solche Entscheidung trifft man nicht eben so und macht das auch nicht eben so - ein hineinversetzen können in die Gefühlslage der anderen Seite ist halt für viele nicht machbar - vor allem wenn ich immer alles durch die ideologische Brille sehe - das vor allem im Hinblick auf die Aussagen derer die sich offenbar als "moralische Instanzen" in Sachen Tierhaltung in diesem Land sehen, wie Pro Wildlife, DTB und Peta sowieso und mitunter den Zoo`s so ziemlich für alles die niedrigsten Beweggründe unterstellen! (01.08.2025, 21:44) | ||
| zollifreund: | @th.oma.s: irgendwo habe ich das auch schon mal gelesen, es würde ja auch gut zu Berlin passen, wenn die Veterinärbehörden das nicht genehmigen. Für mich ist das aber kein Grund, dass dann der Zoo so scheinheilig gegen die eigenen Kollegen argumentiert. Er könnte ganz im Gegenteil die Diskussion nutzen, um auch in Berlin eine Erlaubnis für das ansonsten deutschlandweite Vorgehen zu bekommen. (01.08.2025, 20:26) | ||
| cajun: | Was mir noch auffällt- auf der sonst so rührigen Facebook Seite von Pro Zoo keine Zeile zum Vorgang in Nürnberg. Schon etwas merkwürdig.... (01.08.2025, 16:10) | ||
| cajun: | Auch in Hamburg stellt man sich an die Seite des Tiergartens Nürnberg. In Wien übrigens auch: "Umstrittener Vorgang- Paviane in Nürnberg getötet: So denkt man bei Hagenbeck darüber Nach der umstrittenen Pavian-Tötung in Nürnberg bezieht der Tierpark Hagenbeck Stellung. Auch hier wurden schon Tiere aus Platzmangel getötet. Der Hamburger Tierpark Hagenbeck kann die teils heftig kritisierte Entscheidung des Nürnberger Tiergartens, zwölf Paviane aus Platzmangel zu töten, nachvollziehen. Das sagte eine Sprecherin des Tierparks t-online am Donnerstag. Die Aktion in Nürnberg soll keine einmalige bleiben: Auch in den nächsten Jahren müsse der Tiergarten einzelne Paviane für den Erhalt der Population töten. Auch der Hamburger Tierpark könnte künftig vor ähnlichen Entscheidungen stehen. "Im Tierpark Hagenbeck wurden noch keine Primaten aus Gründen des Populationsmanagements getötet. Unter den momentanen Gegebenheiten ist dies auch nicht geplant", so die Sprecherin. Dennoch könne man "nicht komplett ausschließen, dass wir im Zuge eines artgerechten Populationsmanagements auch bei Hagenbeck irgendwann vor dieser Entscheidung stehen werden". Dies gelte für den Fall, dass "die Abgabe an geeignete Institutionen scheitern und alle anderen Maßnahmen bereits ausgeschöpft sein" sollten. Bei Hagenbeck werden regelmäßig "Futtertiere" getötet Die Hagenbeck-Sprecherin betonte, dass Populationsmanagement ein wichtiges Thema für Zoos sei, "um gesunde und stabile Tiergruppen mit möglichst natürlicher Demografie zu erhalten". Zoos seien zudem gesetzlich verpflichtet, Arten zu schützen und zum Erhalt der Biodiversität beizutragen. Der Tierpark praktiziert bereits jetzt regelmäßige Tötungen von sogenannten "Futtertieren" wie Hühner, Kaninchen, Ziegen oder Rinder, die dann an Raubtiere verfüttert werden. "Vereinzelt werden aus Gründen des Populationsmanagements Entscheidungen getroffen, auch zum Beispiel Tahrziegen zu verfüttern", so die Sprecherin. Vorausgehend seien stets detaillierte und individuelle Begutachtungen, bei denen allein das Tierwohl im Mittelpunkt steht. "Allen Tieren gebührt eine artgerechte Haltung und Lebensqualität. Daher muss in Einzelfällen so entschieden werden", erklärte sie. Die Haltung von eigenen Futtertieren diene dem natürlichen Kreislauf und verringere den Kauf von Fleisch aus möglicherweise weniger tiergerechter Nutztierhaltung. Scharfe Kritik von Tierschutzorganisationen Die Tötung der Nürnberger Paviane hatte zu massiver Kritik von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen geführt. Pro Wildlife, der Deutsche Tierschutzbund, Peta und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht kündigten an, Strafanzeige zu stellen. Sie sehen in der Tötung einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Hagenbeck verteidigte am Donnerstag hingegen die Nürnberger Praxis: "Wenn die Tötung einzelner Tiere als letzte Möglichkeit genutzt werden muss, wurde diese mit absoluter Sicherheit im Sinne des allgemeinen Tierwohls und im Zuge eines sinnhaften Populationsmanagements getroffen." Quelle:https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_100847546/paviane-in-nuernberg-getoetet-tierpark-hagenbeck-aus-hamburg-reagiert.html (01.08.2025, 15:04) | ||
| th.oma.s: | Zu Berlin habe ich mal (aus gewöhnlich gut informierten Kreisen) gehört, die berliner Veterinärbehörden würden dem Töten von Zoohuftieren zu Verfütterungszwecken in der Regel nicht zustimmen. "Wird eine Anlage für eine Gruppe von Tieren in Zoo oder Tierpark zu klein, steuern wir dies frühzeitig oder geben die Tiere in andere Einrichtungen ab." Die Folgen für die Huftierbestände in Zoo und Tierpark werden ja im Forum auch regelmäßig geschildert. (01.08.2025, 11:32) | ||
| cajun: | Auf seiner Facebook Seite greift der Zoo Karlsruhe das Thema sehr sachlich auf: "Die Nachrichten aus dem Tiergarten Nürnberg haben diese Woche viele Menschen aufgewühlt. Es ist einfach ein sehr emotionales Thema, wenn es um das Töten von Tieren geht, jedoch auch sehr wichtig, das Thema zu versachlichen. Nur so lassen sich auch Argumente austauschen, ohne dass es – wie sonst sehr häufig im Social-Media-Kontext – zu verbalen Entgleisungen kommt, die keinen vernünftigen Diskurs zulassen. Die Entscheidung in Nürnberg ist sicher niemandem leicht gefallen. Wir kennen die handelnden Personen dort persönlich und schätzen deren Fachkompetenz. Auch in der Sache, eine Bestandsregulation der Paviane anzugehen und einige Tiere zur Verfütterung an Löwen und Geier zu töten, stehen wir hinter Nürnberg. Die Kollegen haben auf dieser Seite alle Vorgänge sehr offen und transparent zusammengetragen: https://tiergarten.nuernberg.de/populationsmanagement... Grundsätzlich ist das, was in Nürnberg gemacht wurde, vergleichbar mit unserem Populationsmanagement bei einigen Arten. Wir züchten etwa Wisente. Diese waren in der Natur vom Menschen ausgerottet. Zoologische Einrichtungen haben sich in einer großen Erhaltungszucht zusammengetan, um die Art zu retten. Dafür wurde und wird viel gezüchtet. Einige Tiere gehen in die Auswilderung (https://www.ardmediathek.de/.../Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvb...), wir haben aber viel mehr Nachzuchten. Diese werden dann entweder zur Verjüngung der Gruppe eingesetzt, an andere Zoos abgegeben – oder gehen bei uns in den Futterkreislauf. Auch wir sind dabei ganz offen und kommunizieren dies immer wieder transparent (https://www.ardmediathek.de/.../Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvb...). Raubtiere fressen Fleisch. Dafür müssen Tiere sterben. Wir können im Zoo Karlsruhe mit den bei uns gezüchteten und zur Verfütterung getöteten Tiere derzeit etwa 20 Prozent unseres Fleischbedarfs der Zootiere abdecken. Tiere aus dem eigenen Bestand sind sowohl aus Tierschutzgründen (keine Massentierhaltung, Tötung direkt vor Ort, kein Schlachthof) als auch unter klimaschonenden Gesichtspunkten (deutlich geringerer CO₂-Footprint) der konventionellen Fleischerzeugung vorzuziehen. Bei uns zur Verfütterung getötete Tiere ermöglichen uns zudem Ganzkörperfütterungen. So bekommen Raubtiere neben Fleisch und Fett auch Innereien, Knochen, Sehnen und Fell oder Federn. Diese enthalten wichtige Nährstoffe, die die Tiere auch in der Natur mit ihrer Nahrung aufnehmen. Für die Raubtiere ist das Eröffnen ganzer Beutetiere zudem eine gute und natürliche Beschäftigung. Der unten geteilte Beitrag war eine Pressemitteilung von uns aus dem vergangenen Januar. Auch da haben wir uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und dies an die Öffentlichkeit getragen." Quelle:https://www.facebook.com/zoo.stadtgarten.karlsruhe/?locale=de_DE (01.08.2025, 11:32) | ||
| cajun: | Arne Lawrenz vom Zoo Wuppertal hat sein vollstes Verständnis für das Handeln in Nürnberg ausgedrückt in einem Interview. Ebenso Tim Schikora, Zoo Schwerin, im SAT1 Frühstücksfernsehen. Die Aussagen der Sprecherin der Zoologischen Gärten Berlin finde ich sehr unsolidarisch. Klingt fast nach Pairi Daiza.... (01.08.2025, 10:48) | ||
| Holger Wientjes: | Auf keinen Fall irgendwo anecken und immer politisch korrekt bleiben. Passt doch nach Berlin finde ich... (01.08.2025, 10:31) | ||
| Sacha: | @Zolllifreund und @Rainer Hillenbrand: Danke. Genau meine Meinung. Traurig und vor allem unnnötig, Kollegen so auflaufen zulassen und sich selbst als "Saubermann" aufzuspielen. (01.08.2025, 00:22) | ||
| zollifreund: | ja, ja, der Zoo und TP Berlin ist natürlich moralisch einwandfrei. Hier gibt es "Die Praxis, Tiere gezielt zu züchten, um sie dann zu verfüttern... " nicht. Da ich nicht davon ausgehe, dass in Berlin alle Raubtiere vegetarisch ernährt werden, ist das ziemlich Blödsinn. Statt dem Zoo machen das dann halt externe Lieferanten - ob diese Tiere so ein gutes Leben wie in Nürnberg hatten, spielt da keine Rolle. Geht halt nach dem Motto "wasch mich aber mach mich nicht nass".... und was an der Praxis der Trennung von Geschlechtern artgerecht sein soll, muss mir der so " tolle Herr Direktor K." mal erklären. Wäre das nicht ein Grund für eine Anzeigte wegen Verstoß gegen den Tierschutz ? (31.07.2025, 22:26) | ||
| Rainer Hillenbrand: | Im Statement aus Berlin heißt es unter anderem: "Wird eine Anlage für eine Gruppe von Tieren in Zoo oder Tierpark zu klein, steuern wir dies frühzeitig oder geben die Tiere in andere Einrichtungen ab." So einfach isses also. Tja, Glückwunsch nach Berlin.... (31.07.2025, 21:22) | ||
| cajun: | Und auch ein Statement aus der Wilhelma ist zu finden: "Tiertötung in Nürnberg Wilhelma verfüttert keine Menschenaffen an Löwen Der Zoo in Nürnberg hat gesunde Guinea-Affen getötet. Der Stuttgarter Zoo hält nicht dieselbe Pavianart, sondern Blutbrustpaviane. Was ist in der Wilhelma anders? Die Wogen gehen hoch, seit bekannt wurde, dass der Zoo Nürnberg einen Teil seiner 43 Paviane getötet hat. Der Zoo hatte, wie berichtet, keine Übernahmemöglichkeit für die Guinea-Paviane gefunden.Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin erklärt zum Vorgehen in Nürnberg, der Zoo dort habe alles geprüft, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP habe keine Plätze für die Tiere frei gehabt. Es sei alles sauber besprochen worden, auch mit dem Veterinäramt in Nürnberg und mit Blick auf die Tötung als logische Konsequenz. „Um so eine Population zu managen, gehört auch eine gewisse Mortalitätsrate dazu“, so der Stuttgarter Zoodirektor. Die Zoos hätten ja keine Beutegreifer, die auf natürliche Weise die Tiere fressen würden. Auch bei der Jagd kämen Tiere ums Leben. Kölpin: Es gibt vernünftige Gründe für Reservepopulation Kölpin erklärte, der Tod sei ein emotionales Thema. Es gebe aber vernünftige Gründe, um die Population der bedrohten Art der Guinea-Paviana als Reservepopulation zu erhalten. Und es ergebe Sinn, dass in der Gruppe immer auch Jungtiere sein müssen. Wilhelma hat im Moment kein Platzproblem Wären ähnliche Probleme wie in Nürnberg auch in der Wilhelma möglich? Kölpin erklärt dazu, dass derzeit für die 30 Dscheladas – so heißt die Blutbrustpavian-Art, die in der WiIlhelma lebt –, ausreichend Platz in der Anlage vorhanden sei. Aber es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch die Wilhelma einmal Tiere aus dieser Tiergruppe entnehmen müsse, wenn es zu viele seien. Seine Lösung dann: „Wir würden sie dann anderen Tieren verfüttern, wie den Leoparden oder Löwen. Diese fressen sie auch in der Natur“, so Kölpin. In der Wilhelma werden auch Tiere verfüttert Dass Tiere an andere verfüttert werden, ist in der Wilhelma gang und gäbe. Im Stuttgarter Zoo, der mit seinen etwa 11000 Tieren zu den artenreichsten Zoos weltweit zählt, gibt es in einem großen Bereich die Fleisch fressenden Raubtiere, die täglich ihr Futter brauchen. Bei der Fütterung greife der Zoo selbstverständlich auch auf die eigenen Bestände zurück, so Kölpin. Das habe viele Vorteile, sagt der Wilhelma-Chef. Etwa bei der Population von Antilopen, Steinböcken oder Rindern. Sie leben im Zoo in einer kontrollierten Umgebung mit ordentlichem Futter. Sie können hier nach Kölpins Auffassung ebenso schmerzfrei und ohne Stress getötet werden, um als Nahrung für die Raubtiere zu dienen. „Es handele sich um bestes Biofleisch.“ Artenschutz spielt bei Verfütterung eine Rolle Auch der Artenschutz spielt beim Thema Verfütterung eine Rolle. Tierschützer lehnen dies vehement ab und fordern, wie kürzlich bei einer Demonstration der Tierrechtsorganisation Peta vor der Wilhelma, dass die Tiere nicht für Futterzwecke genutzt werden und dass in Zoos auch keine Reservepopulationen geschaffen werden. Kölpin sieht es grundlegend anders: „Wir haben die Verantwortung, denn wir Menschen sind es, die dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen oft nicht mehr gut sind für die Tiere, deshalb müssen wir hier Reservepopulationen schaffen.“ Der Zoo sei die einzige Möglichkeit, wo man die Tiere ex situ – also außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraum – gesund erhalten könne. Das könne keine andere Institution. Ungeachtet dessen kritisieren die Tierrechtler die Lösung unter dem Motto „artgerecht ist nur die Freiheit“ und fordern, die Zucht und Gefangenhaltung aller Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen. Auch jüngst in Nürnberg gab es Proteste bei der Tötung der Paviane. Stuttgarter Zoo ermöglicht Tieren soziales Zusammenleben Der Stuttgarter Zoo will den Tieren nach eigenem Bekunden ein soziales Zusammenleben ermöglichen. Sie sollen dort ihrem natürlichen, meist starken Fortpflanzungstrieb nachgehen dürfen und als Eltern die Nachzucht aufziehen, so Kölpin. Dies sei ebenso wichtig für die Lebensqualität der Tiere und für den Arterhalt. Würden Tiere aus der Population herausgenommen, dann in dem Alter, in dem es auch in der Natur geschehe, erklärt Kölpin. Bei Jungtieren sei das in dem Alter, in dem sie auch in der Natur die Eltern verlassen. Bei der Verfütterung spielen der Schutz bedrohter Arten und das Ziel, die Reservepopulation gesund zu halten, ebenso eine große Rolle. „Würde die Zucht bei bedrohten Tierarten etwa durch Verhütung stillgelegt, gefährden wir die Population“, sagt Kölpin. Denn es könne sein, dass dann nicht mehr genügend Nachkommen gezeugt werden könnten. Wilhelma verfüttert keine Menschenaffen Die Wilhelma verfüttert nur gesunde Tiere, wie etwa Zebras und Giraffen beispielsweise an Löwen. Tote Paviane werden von Leoparden gefressen. Krokodile bekommen Ratten und Mäuse. Der Stuttgarter Zoo habe aber auch seine ethischen Grenzen, so würden keine halbwüchsigen Gorillas als Nahrung verwendet. „Menschenaffen verfüttern wir nicht, die bewerten wir positiver als beispielsweise Zwergziegen“. Der kranke Giraffenbulle Tilodi mit seiner Darmverschlingung, der kürzlich gestorben ist, kam übrigens in die Pathologie. Er wurde also nicht als Nahrung für andere Tiere verwendet. Stuttgarter Zoo: Tiere schmerzfrei und ohne Stress töten Jeder Zoo müsse für sich entscheiden, wie er das Thema regelt. Kölpin sagt: „Wenn, dann werden die Tiere hier in der natürlichen Umgebung schmerzfrei und ohne Stress getötet.“ Es würden etwas mehr Tiere gezüchtet, damit es genügend Fleisch gebe. Zebras und Antilopen seien Futtertiere. „Denn, wir wollen schon viel über den eigenen Kreislauf abdecken“, so das Ziel des Zoodirektors. Doch die eigenen Futtertiere reichen nicht aus. „Wir müssen immer noch Pferde- oder Rindfleisch bestellen, aber die Qualität des eigenen Futters ist höher.“ Die Tiere seien dadurch viel aktiver. Auch die Verfütterung ganzer Tiere sei dabei wichtig, nicht nur wegen der Mineralien. Die Amurtiger bekommen Huftiere, die Seelöwen bekommen Fisch, auch mal eigene Aquariumsfische. Insgesamt eine große Anzahl von Tieren, genaue Zahlen nennt Kölpin nicht. Auch bei den Fütterungszeiten und den Wilhelma-Talks erklären die Pfleger, warum der Zoo so vorgeht. „Ich bin zufrieden, wenn die Besucher die Gründe nachvollziehen können“, sagt Kölpin." Quelle:https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wilhelma-verfuettert-paviane-aber-keine-menschenaffen-nuernberg.cd3c7933-1bfc-41c5-a19e-bd0b1e28c1b4.html (31.07.2025, 15:04) | ||
| cajun: | Es gibt unterschiedliche Haltungen trotz VDZ Statement zum Vorgang in Nürnberg. Man mag seine Schlüsse ziehen... zwei Antworten aus Köln und Berlin: "Tötungen sind Einzelfallentscheidungen Kölner Zoo äußert sich nach Pavian-Tötung in Nürnberg Der Kölner Zoo erklärt seine Maßnahmen zur Populationskontrolle, nachdem der Nürnberger Tiergarten zwölf Paviane getötet hat. Auch hier ist die gezielte Tötung kein Tabu. Der Kölner Zoo hat auf die Tötung von zwölf gesunden Pavianen im Nürnberger Tiergarten reagiert und sein Populations-Management erläutert. Auf Anfrage von t-online erklärte ein Sprecher, dass die Populationen im Kölner Zoo durch verschiedene Maßnahmen reguliert werden können. "Sie reichen von der Gabe von Verhütungsmitteln über die Separierung in verschiedenen Gehege-Bereichen auf dem Gelände bis zur Abgabe von Tieren an andere Zoos gemäß der Empfehlungen des Zuchtbuchführers", so der Sprecher. Nur im Einzelfall kämen auch tierschutzkonforme Tötungen in Betracht, etwa wenn die Steuerung der Gruppenstruktur aus fachlichen, veterinärmedizinischen oder verhaltensbiologischen Gründen nicht umgesetzt werden könne. Auch Kölner Zoo tötet im Einzelfall Tiere Im Kölner Zoo seien im vergangenen Jahr ein Banteng (ein Wildrind), eine Weißnackenmoorantilope und 13 Ziegen getötet und anschließend an andere Tiere verfüttert. "Durch Nutzung dieser Tiere wurden dann keine anderen fremd eingekauft", heißt es vonseiten des Zoos weiter. Dieses Vorgehen werde streng kontrolliert und sei mit dem Veterinäramt der Stadt Köln abgestimmt sowie von diesem genehmigt. Auch sei es Teil des Populations-Managements im Zoo. Aus Platzmangel hat der Nürnberger Tiergarten am Dienstag zwölf Paviane getötet. Dies sei das Ergebnis jahrelanger Abwägungen gewesen, sagte Direktor Dag Encke. Die Tötung der Paviane werde keine einmalige Aktion bleiben, ergänzte er. Auch in den nächsten Jahren werde der Tiergarten einzelne Paviane für den Erhalt der Population töten müssen – allerdings nicht in derselben Größenordnung." Quelle:https://www.t-online.de/region/koeln/id_100844938/koelner-zoo-aeussert-sich-nach-pavian-toetung-im-tiergarten-nuernberg.html Im Zoo/ Tierpark Berlin distanziert man sich: "Pavian-Tötungen in Nürnberger Tierpark Zoo Berlin setzt auf Verhütung statt Tötung Aus Platzmangel hat der Nürnberger Tierpark zwölf Paviane getötet - und eine bundesweite Debatte ausgelöst. Der Berliner Zoo erklärt, er setzte auf strenge Fortpflanzungsregulierung, Einschläferungen gebe es nur in Ausnahmefällen. Nach der bundesweiten Kritik an der Tötung von zwölf Pavianen im Tiergarten Nürnberg [br.de] distanziert sich der Berliner Zoo von der Praxis systematischer Tiertötungen. "In unseren Einrichtungen findet kein systematisches Töten von Wildtieren statt", erklärte Zoo-Sprecherin Hanja Runge dem rbb am Mittwoch. Demnach werde die Fortpflanzung und Vermehrung von Tieren im Berliner Zoo sorgfältig geregelt - durch moderne Verhütungsmethoden oder die getrennte Haltung von fortpflanzungsfähigen Männchen und Weibchen. Die Praxis, Tiere gezielt zu züchten, um sie dann zu verfüttern, wie sie im Tiergarten Nürnberg nun angewandt wurde, werde in Berlin nicht verfolgt und sei auch nicht geplant. "Wird eine Anlage in Zoo oder Tierpark Berlin für eine Gruppe von Tieren zu klein, steuern wir dies frühzeitig oder geben die Tiere in andere zoologische Einrichtungen ab", so Runge. Zwölf Paviane in Nürnberg getötet Im Nürnberger Tiergarten wurden am Dienstag zwölf Guinea-Paviane getötet, nachdem die Gruppe mit zuletzt 43 Tieren zu groß für das vorhandene Gehege geworden war, das nach Angaben des Tierparks nur auf 25 Tiere ausgelegt ist. Der Tierpark erklärte, dass Versuche, die Tiere an andere Einrichtungen abzugeben, gescheitert seien und auch Verhütungsmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten. Auch in den nächsten Jahren werde der Tiergarten einzelne Paviane für den Erhalt der Population töten müssen, wie Direktor Dag Enke sagte. Das werde allerdings dann in kleinerer Größenordnung geschehen. Aus Sicht von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen verstößt die Tötung der Affen gegen das Tierschutzgesetz. Die Organisationen Pro Wildlife, Peta, der Deutsche Tierschutzbund und die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht kündigten bereits an, dass sie Strafanzeige stellen werden. Tierschutzkommission berät Berliner Zoo "in komplexen Fällen" Der Zoo Berlin erklärte am Mittwoch zudem, dass auch Einschläferungen kranker Tiere nur in Ausnahmefällen stattfänden und nur bei unheilbaren Krankheiten oder schweren gesundheitlichen Einschränkungen in Betracht kämen. Das ist im Februar 2025 innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Mal in besonderen Fällen geschehen, der krebskranke Orang-Utan Mano und die gestürzte Rothschild-Giraffe Max mussten eingeschläfert werden. "Solche Entscheidungen erfolgen nie leichtfertig. Sie setzen eine umfassende tierärztliche Beurteilung sowie die sorgfältige Abwägung im Austausch mit nationalen und internationalen Expert:innen voraus", teilte der Zoo mit. In "besonders komplexen Fällen" werde zudem eine Tierschutzkommission einberufen, in der die jeweilige Situation unter Fachleuten mit tierärztlicher, biologischer sowie behördlicher Expertise diskutiert und entschieden werde." Quelle:https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2025/07/berlin-zoo-toetung-paviane-nuernberg-tiergarten-verhuetung.html (31.07.2025, 10:39) | ||
| cajun: | Hier die PM von gestern Abend aus Nürnberg: "Tiergarten verkleinert Paviangruppe durch Tötung Der Tiergarten der Stadt Nürnberg hat am Dienstag, 29. Juli 2025, die Gruppe seiner Guinea-Paviane um zwölf Tiere verkleinert. Diesem letzten verbleibenden Schritt der Tötung gingen viele Jahre intensiven Abwägens und der Suche nach Alternativen voraus. Er fand in Abstimmung mit den zuständigen Aufsichtsbehörden, dem Veterinär- und dem Umweltamt sowie den Koordinatoren des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbandes EAZA statt. Die Verkleinerung der Gruppe war unumgänglich, weil die Zahl der Gruppe mit 43 Tieren die Anzahl von 25 Tieren weit übertroffen hatte, für welche die Paviananlage im Tiergarten ausgelegt ist. Der Tiergarten ist sich bewusst, dass diese Entscheidung für viele Menschen schwer zu verstehen ist, dass sie dadurch irritiert, betroffen oder wütend sind. Für den Tiergarten selbst, seine Mitarbeitenden und alle an der Entscheidungsfindung Beteiligten stellt sie den schwierigsten Weg dar. Sie geht ausnahmslos allen sehr nahe. Die Fachleute im Tiergarten haben diesen Schritt über viele Jahre hinweg mit Biologen, Tierärztinnen, Tierpflegern, Zoologinnen, Juristinnen und Wissenschaftlern intensiv diskutiert und geprüft – ebenso wie alle denkbaren möglichen Alternativen. Im Februar 2024 war der Tiergarten aktiv mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen. Tiergartendirektor Dr. Dag Encke hat das faktische Dilemma erklärt und dessen Hintergründe im Umweltausschuss der Stadt Nürnberg erläutert: Wenn der Tiergarten seinem gesetzlichen Auftrag gerecht werden soll, Arten zu schützen, muss er auf begrenztem Raum gesunde und fortpflanzungsfähige Bestände über Jahrzehnte erhalten und deswegen auch Tiere für die Generationenfolge züchten. Zugleich zeichnet er verantwortlich dafür, die Tiere in seiner Obhut ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten: Das ist die Arbeit, der sich im Tiergarten täglich Tierpflegerinnen und Tierpfleger, Biologinnen, Forscher und Tierärzte mit großem Einsatz widmen. Für Primaten ist dabei die Einbindung in einen funktionierenden Sozialverband wichtig, der maßgeblich vom Fortpflanzungsgeschehen und einer gesunden Altersstruktur geprägt ist. Seinen hohen Ansprüchen an das Tierwohl konnte der Tiergarten bei einer Gruppenstärke von 43 Guinea-Pavianen nicht mehr gerecht werden. Die Anlage wurde 2009 derart erweitert, dass sie mit 25 erwachsenen Tieren auch den Anforderungen des Säugetiergutachtens entsprach, das im Jahr 2014 vom damaligen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (heute Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat) herausgegeben wurde. Der aktive Austausch mit Einrichtungen, die nach der Veröffentlichung des Berichts im Umweltausschuss des Nürnberger Stadtrats im Februar 2024 die Aufnahme von Pavianen angeboten hatten, hat kein konkretes Übernahmeangebot ergeben. Der Tiergarten musste daher rechtzeitig vor dem Winter in Abstimmung mit den zuständigen Aufsichtsbehörden, dem Veterinär- und dem Umweltamt sowie den Koordinatoren des EEP (Erhaltungszuchtprogramm, EAZA ex situ Programm) eine Entscheidung zur Verkleinerung der Pavian-Gruppe treffen, die er unter Abwägung aller Umstände für fachlich richtig und vernünftig hält. Auswahl und Tötung der Tiere Für jedes Tier und für die gesamte Gruppe haben Tiergartenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zusammen mit externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den vergangenen Monaten sogenannte Entscheidungsbäume erarbeitet, anhand derer sich die Entnahme von einzelnen Individuen entschied. Anhaltspunkte für die Entscheidungen waren unter anderem die Altersstruktur innerhalb der Gruppe, das Geschlechterverhältnis, der Trainingszustand des Tieres und eine Trächtigkeit beziehungsweise das Säugen eines Jungtiers. Jedes Weibchen, für das eine Entnahme in Frage kam, wurde untersucht, um auszuschließen, dass es trächtig ist. Bis zu dem Moment, in dem die Tiere jeweils einzeln nach der Identifizierung tierschutzkonform per Kugelschuss in einer Transportkiste getötet wurden, unterschied sich die Situation nicht von einem Transport an einen anderen Ort. Zwei Tiere sind aus bisher ungeklärter Ursache während der Inhalationsnarkose gestorben. Der Tiergarten hat ihre Körper in die Pathologie gegeben, um die Ursachen zu klären. Insgesamt wurden drei erwachsene Männchen und neun erwachsene Weibchen getötet, um die Gruppe auf eine Anzahl von 26 erwachsenen Tieren und fünf Jungtieren zu bringen. Die verbleibende Gruppe setzt sich in einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis aus älteren, erfahrenen Tieren, jüngeren, geschlechtsreifen Tieren und Jungtieren zusammen. Wie bei allen Tieren hat der Tiergarten auch hier die Körper der Tiere soweit wie möglich einer sinnvollen Verwendung zugeführt. Zum einen hat er verschiedenen Forschungseinrichtungen unterschiedliche Proben zur Verfügung gestellt. Manche davon, wie Gewebeproben, etwa von Milz oder Leber, können von wildlebenden Tieren nicht gewonnen werden, sie sind aber für wissenschaftliche Zwecke sehr wertvoll. Auch Knochen und Skelette werden für Forschungszwecke präpariert. Das Muskelfleisch wird an die Raubtiere im Tiergarten verfüttert. Späte Ankündigung der Schließung Wegen massiver Sicherheitsbedenken war es dem Tiergarten leider nicht möglich, die mit der Tötung verbundene Schließung früher als am Dienstagmorgen anzukündigen. Der Tiergarten hat sich bemüht, die Information in kurzer Zeit möglichst breit zu streuen und insbesondere Schulklassen und Kindergartengruppen noch zu erreichen. Mit einer Beschilderung vor Ort und der Verteilung von Infomaterial haben Besucherinnen und Besucher am Dienstag, 29. Juli, Informationen zur Ticketerstattung und zu alternativen Ausflugszielen an die Hand bekommen. Der Tiergarten bittet hierfür um Verständnis und ausdrücklich um Nachsicht sowie um Entschuldigung für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Suche nach Alternativen bis zuletzt erfolglos Der Tiergarten hat seine Guinea-Paviane bis zuletzt aktiv in seinem weltweiten Netzwerk aus über 1 300 Einrichtungen und darüber hinaus zur kostenfreien Abgabe an geeignete Einrichtungen angeboten. Alle ernsthaften Abnahmeangebote, die ihn nach dem Februar 2024 erreicht hatten, hat der Tiergarten gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des EEP geprüft und ist mit den entsprechenden Einrichtungen in Kontakt getreten. Im September 2024 besuchte Tiergartendirektor Dr. Dag Encke zusammen mit einer Delegation des Europäischen Zooverbandes EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) das Greens Zoological Rescue and Rehabilitation Centres (GZRRC) – inzwischen bekannt als „Vantara“ – um zu erörtern, ob eine Übergabe einer Gruppe von Pavianen möglich wäre. Nach einem anfänglich sehr vielversprechenden Austausch konnten keine konkreten Vereinbarungen getroffen werden. Zoos können nach ihren europäischen Statuten nur mit Einrichtungen zusammenarbeiten, die sich an die internationalen Regeln (zum Beispiel CITES/Washingtoner Artenschutzabkommen) halten und bei denen Transparenz hinsichtlich der Herkunft ihres Tierbestands besteht – damit wollen und müssen sie vermeiden, dass Zoos selber einen Beitrag zum illegalen Wildtierhandel leisten. Eine Überprüfung offener Sachfragen war jedoch nicht möglich. Ein konkretes Übernahmeangebot durch das Wales Great Ape and Monkey Sanctuary (WAMS) liegt dem Tiergarten Nürnberg bis heute nicht vor. Der Tiergarten ist nach der ersten Kontaktaufnahme durch das Great Ape Project (GAP) im Februar 2024, die eigenen Angaben zufolge „namens und im Auftrag“ des WAMS erfolgte, aktiv sowohl auf das GAP als auch auf das WAMS zugegangen und hat um die Beantwortung grundlegender Fragen zu den Haltungsbedingungen im WAMS und die Aufnahmekapazitäten gebeten. Die Antworten auf diese Fragen stehen bis heute aus. Behauptungen, der Fragebogen könne nur ausgefüllt werden, wenn sich die potenzielle Aufnahmeeinrichtung zur weiteren Zucht mit den Tieren bereit erkläre, entsprechen nicht der Wahrheit. Im Juli 2025 hat der Tiergarten den Direktor des WAMS direkt kontaktiert. In seiner Antwort hat dieser keine der benötigten Informationen zur möglichen Haltung der Tiere mitgeteilt und auch nicht in Aussicht gestellt – den Fragebogen aber als „entsetzlich“ (appalling) und „beleidigend“ (insulting) bezeichnet. Keine zweite Erweiterung der Paviananlage Der Tiergarten hat die Paviananlage im Jahr 2009 erweitert und dabei die Kapazitäten im Innenraum verfünffacht. Eine zweite Erweiterung würde die grundlegende Frage nicht beantworten und darüber hinaus zulasten anderer, dringend anstehender Kapazitätserweiterungen für weitere bedrohte Tierarten wie Harpyien, Schabrackentapire und Gorillas gehen. Artenschutzauftrag in internationalem Naturschutzverbund Der Tiergarten Nürnberg trifft seine Entscheidungen im Rahmen internationaler Bemühungen, das durch menschliche Aktivitäten versursachte Artensterben zu bremsen. Als aktives Mitglied der Weltnaturschutzunion arbeitet er mit hunderten weiteren Einrichtungen sowohl inner- als auch außerhalb des natürlichen Lebensraums von zu schützenden Tieren, Pflanzen und Pilzen zusammen. Der Tiergarten wird weiterhin sein Möglichstes tun, auch schwierige und emotional für Alle herausfordernde Themen wie das Töten von Tieren für den Artenschutz zu erklären und sich den gesellschaftlichen Diskussionen zu stellen. Hintergründe zu den Alternativen, die der Tiergarten in den vergangenen Jahren geprüft und auch angewendet hat, um das Wachstum der Gruppengröße zu verlangsamen und um Tiere abgeben zu können, um die Gruppengröße zu reduzieren, sind hier zu finden: tgnbg.de/3n. Wozu dienen Reservepopulationen? Das Artensterben kann natürlich nicht alleine durch die Bemühungen von Zoos verringert oder gar gestoppt werden. Zoos spielen eine sehr spezifische Rolle in einem ausgedehnten Netzwerk von Artenschutzorganisationen. Sie können Tierarten, die man gut in menschlicher Obhut halten und vermehren kann, über Generationen als Population gesund erhalten. Dies gibt den Artenschutzorganisationen vor Ort Zeit, Habitate wiederherzustellen oder effektiv unter Schutz zu stellen. Zoos stellen dann die Tiere für Auswilderungen aus ihren Beständen. Aktuell sind Zoos stark gefordert, bei sogenannten Last-Rescue-Maßnahmen (Notrettungsmaßnahmen), bei denen die letzten bekannten Individuen oder Populationen aus der Wildbahn entnommen werden, um deren Ausrottung dort zu vermeiden. Damit wird die Verantwortung der Zoos, Platz und Expertise für die letzte Rettung von Arten zur Verfügung zu stellen erdrückend schwer. Vor diesem Hintergrund ist die Grundsatzdebatte um das Töten für den Arterhalt von grundlegender Bedeutung." Quelle:https://tiergarten.nuernberg.de/entdecken/aktuell/detail/news/tiergarten-verkleinert-paviangruppe-durch-toetung (30.07.2025, 08:36) | ||
| cajun: | Interessante Antworten aus NRW: "Nach Pavian-Tötung in Nürnberg: Wie halten es NRW-Zoos? Der Tiergarten Nürnberg hat trotz massiver Kritik aus Platzgründen zwölf Paviane getötet. Wie gehen NRW-Zoos mit diesem Thema um? Am Dienstagnachmittag kam die Nachricht, die viele schon erwartet und zum Teil befürchtet hatten: Der Tiergarten Nürnberg hat trotz Protesten von Tierschützern zwölf Paviane getötet, weil im Gehege zu wenig Platz war. Tiergarten Nürnberg nennt Tötung "alternativlos" Zoodirektor Dag Encke hatte, wie er sagte, dazu keine Alternative mehr gesehen. Alle Möglichkeiten, die Größe der Gruppe zu begrenzen - etwa durch Verhütung oder durch die Abgabe von Tieren an andere Zoos oder Auffangstationen - seien gescheitert. Auch eine weitere Vergrößerung des Geheges kam demnach nicht in Frage. Auch Zoos in NRW müssen "Überbevölkerung" managen Vor dem Problem, dass Tiergruppen zu groß für ihr Gehege werden, stehen auch die Zoos in NRW, so Michael Rolfs, stellvertretender Direktor des Naturzoos in Rheine: "Professionell ist es richtig, dass sie in einer Population zu viele Tiere haben, dass ist in der Natur auch so. Dort gibt es allerdings eine natürliche Selektion." Durch Raubtiere, Krankheiten und Nahrungsmangel werden Tierpopulationen in der Natur unter Kontrolle gehalten. In Gefangenschaft muss das der Mensch tun, findet Rolfs. Bei Huftieren sei das auch akzeptiert. In Rheine werden getötete Tiere an Raubtiere verfüttert Der Naturzoo Rheine schießt und schlachtet zum Beispiel überzählige Antilopen-Böcke und verfüttert sie dann an die Raubtiere: "Da wird ein Tier, das anderthalb Jahre ein super Leben hatte und gutes Futter bekommen hat, getötet und etwa an einen Tiger verfüttert. Nachhaltiger und artgerechter geht es nicht." Ähnlich wird es auch im benachbarten Allwetterzoo in Münster gehandhabt. Dort werden zum Beispiel Kaninchen, Meerschweinchen oder Ziegen geschlachtet - seltener auch Gnus oder Wasserböcke - und an Raubtiere verfüttert, schreibt der Zoo: "Wir sehen den Vorteil darin, dass die Tiere hier bis zu ihrem Tod ein art- und bedürfnisgerechtes Leben geführt haben und auch am Ende ihre Lebens keinen Transportstress oder ähnliches hatten." Wuppertaler Zoodirektor will Tieren nicht die Sexualität nehmen Auch der Direktor des Wuppertaler Zoos, Arne Lawrenz, sieht das so. Der Zoo in Wuppertal geht schon lange offen mit dem Fakt um, dass zum Beispiel die Ziegen aus dem Streichelzoo irgendwann als Zoofutter enden. Denn in den Zoo-Gehegen könne eine Überbevölkerung nur vermieden werden, wenn einzelne Tiere getötet würden. Denn nicht immer gebe es die Möglichkeit, überflüssige Tiere abzugeben. Verhütung kommt für Lawrenz nicht in Frage: "Ich kann ein Tier nicht guten Gewissens einsperren, wenn ich ihm einen seiner wichtigsten Triebe nehmen, nämlich die Sexualität." Das sei häufig auch für die Funktion der einzelnen Tiergruppen wichtig. Tierschützer kritisieren Zuchtprogramme der Zoos Tierschützer hingegen kritisieren die Zuchtprogramme der Zoos. Diese würden über den Bedarf züchten, sagt zum Beispiel James Brückner vom Tierschutzbund: "Wenn ein Zoo zu viele Tiere einer Art züchtet, obwohl eine Auswilderung nicht möglich ist, und dass darin gipfelt, dass Tiere getötet werden, hat das mit Artenschutz nichts mehr zu tun. Der Dortmunder Zoo hingegen betont, dass genau wegen der Aufgabe, bedrohte Arten zu schützen und die Biodiversität zu erhalten, es manchmal notwendig sei einzelne Tiere zu töten. Dies sei alternativlos, wenn Tiere, die für die Zucht nicht mehr notwendig seien, nicht mehr artgerecht untergebracht werden könnten. In diesen Fällen passiere das auch im Dortmunder Zoo." Quelle:https://www1.wdr.de/nachrichten/pavian-toetung-tiergarten-nuernberg-was-machen-nrw-zoos-100.html (29.07.2025, 20:40) | ||
| cajun: | @Adrian; Genau deswegen ist dieser "Zoo" ja in der Kritik.Money rules the world... und ermöglicht halt auch viele dubiose Anschaffungen. Allein die Anzahl an Individuen einzelner Arten ist einfach unglaublich. Dutzende große Ameisenbären oder auch Riesenotter, der Tageanzeiger Artkel erwähnte das... einen "positiven" Eindruck kann man auf Youtube finden. Dazu wenn man weiter sucht auch einige Influencer Videos..... Einfach mal hier anfangen https://www.youtube.com/watch?v=YZVAVxI7qnU (16.05.2025, 09:24) | ||
| Adrian Langer: | Woher will man denn Berggorilla und Tapanulis her haben, wenn das ungewollte Auffangtiere sind? Dann wären die doch wahrscheinlich auch in "herkömmlichen" Zoos schon untergekommen. (15.05.2025, 15:35) | ||
| cajun: | Vom Hörensagen wäre der "indische Zoo" übrigens der Milliadärs- Zoo "Vantara" gewesen. Ein sehr widersprüchliches Projekt, das u.A. auch einen Berggorilla, Tapanuli Orangs und ein leuzistisches Okapi beherbergt und als "Auffangsstation" für ungewollte Tiere konzipiert wurde siehe auch https://www.tagesanzeiger.ch/indien-wurden-tiere-fuer-den-zoo-vantara-wirklich-gerettet-599973477045. : "Paviane aus Nürnberg ziehen nicht in indischen Zoo Der Tiergarten will in den kommenden Wochen prüfen, wie es mit den Pavianen weitergehen könnte. Wird der Tiergarten Paviane töten, weil die Gruppe zu groß geworden ist? Die Hoffnung auf eine Alternative hat sich nun zerschlagen. Überzählige Paviane aus dem Nürnberger Tiergarten werden nicht in einen indischen Zoo umziehen. Dieser komme nicht in Betracht, teilte eine Sprecherin des städtischen Tiergartens auf Nachfrage mit. "Wir prüfen in den kommenden Wochen, welche Optionen wir für das weitere Vorgehen haben." Der Tiergarten hatte Anfang 2024 angekündigt, einzelne der etwa 45 Guinea-Paviane töten zu wollen, weil die Gruppe für das Gehege zu groß geworden ist. Dadurch kommt es nach Angaben des Tiergartens verstärkt zu Konflikten, bei denen sich die Tiere verletzten. Außerdem sei die soziale Struktur innerhalb der Gruppe ungünstig, hieß es zur Begründung. Kritik und Angebote Tierschutzorganisationen hatten die Ankündigung kritisiert und mit Strafanzeigen gedroht, sollte der Tiergarten tatsächlich Paviane töten. Es hatten sich aber auch mehrere Einrichtungen angeboten, die überzähligen Affen zu übernehmen. Der Tiergarten hatte diese Angebote geprüft, bis auf den indischen Zoo aber bald alle abgelehnt. Nach mehr als einem Jahr steht nun fest, dass auch dieser nicht infrage kommt: Zu diesem Ergebnis sei man nach intensivem Austausch mit den Kollegen dort, dem europäischen Zooverband und dem europäischen Erhaltungszuchtprogramm gekommen, teilte die Sprecherin des Tiergartens mit. Details nannte sie nicht. Guinea-Paviane leben seit 1942 im Nürnberger Tiergarten. Sie sind Teil des europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Die Primaten finden dem Tiergarten zufolge in der Natur kaum noch Lebensraum, ihr Bestand nimmt ab. Deshalb soll eine Population in Zoos überleben, die in Zukunft ausgewildert werden könnte, wenn es geschützte Gebiete für sie gäbe." Quelle:https://www.stern.de/gesellschaft/regional/bayern/werden-einzelne-affen-getoetet---paviane-aus-nuernberg-ziehen-nicht-in-indischen-zoo-35724786.html (15.05.2025, 12:27) | ||
| cajun: | Und ein zweiter Artikel, ebenfalls aus der Schweiz, von heute: "Auf Entenjagd in der Masoala-Halle Für eine artgerechte Haltung werden überzählige Tiere getötet und an andere Tiere im Zoo verfüttert. Das freut Otter Cleo. Heute soll das Leben einer Ente enden. Das ist an sich nichts Aussergewöhnliches. Aber in diesem Fall handelt es sich um eine Bernierente, die im Masoala-Regenwald des Zoos Zürich lebt. Weltweit ist ihr Bestand stark abnehmend, sie gehört gar zu den seltensten Entenarten überhaupt. Aber hier gedeihen sie prächtig. So gut, dass der Zoo regulierend eingreifen muss. «Sonst nehmen die Revierkämpfe zu, und die Tiere können nicht mehr in Ruhe Brüten und ihre Jungen grossziehen», sagt Basil von Ah. Von Ah ist Kurator für Vögel im Zoo Zürich und zuständig für den Masoala-Regenwald. Heute muss der 35-Jährige mit dem Einfangen und Töten einer Bernierente dafür sorgen, dass ihr Bestand nicht überhandnimmt. Basil von Ah, Kurator für Vögel im Zoo, lächelt in einem blauen Pullover mit Zoologos in einem grünen Garten. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei uns die Grenze mit 60 Bernierente erreicht ist»: Basil von Ah ist verantwortlich für den Tierbestand in der Masoala-Halle. An zwei Stellen im Regenwald hat er Fallen aufgestellt. Sie bestehen aus einem grossen Käfig, dessen Schiebetür er per Die Tierpfleger haben bereits Futter darin ausgelegt, nun beginnt das Warten. Mähnenibis, Madagaskar-Turteltauben, Pünktchenenten – allerlei Federvieh pickt sich durch das Menü in der Falle. Aber keine Bernierente. Oder besser gesagt: nicht die richtigen. Üblicherweise ziele man eher auf Jungtiere ab. Das entspreche der natürlichen Selektion – Jungtiere haben eine hohe Sterblichkeit und werden in der Wildnis am schnellsten gefressen. «Wir müssen heute aber ein altes Tier fangen, damit junge Brutpaare wieder mehr Platz bekommen», sagt von Ah. Damit er das passende Exemplar unter den ähnlich aussehenden, braun gefiederten Enten erkennt, sind sie an beiden Beinen mit farbigen Ringen markiert. «Je nach Farbkombination sehen wir, um welches Tier es sich handelt», sagt von Ah. Nichts darf dem Zufall überlassen werden, damit die genetische Vielfalt der Art sich nicht verkleinert. Um diesen Genpool insbesondere bei einer bedrohten Art möglichst vielfältig zu halten, geht der Zoo Zürich neue Wege: Er verzichtet weitgehend auf Geburtenkontrollen wie geschlechtergetrennte Tierhaltung, Hormonbehandlungen, Sterilisation oder Kastration. Damit hat er eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen. «Unser Ziel ist es, möglichst nicht mehr in die natürlichen Abläufe einzugreifen», sagt Zoo-Mediensprecher Dominik Ryser. Fortpflanzung sei ein Grundbedürfnis von Tieren und daher relevant für eine artgerechte Haltung. Auch funktioniere die Aufzucht von Nachwuchs nicht bei allen Tierarten instinktiv, sondern oft durch Beobachten in der Gemeinschaft. «Findet keine Fortpflanzung und keine Aufzucht statt, geht dieses Wissen verloren, und die Zoopopulation überaltert», sagt Ryser. Das könne gerade bei bedrohten Arten langfristig zum Problem werden. Fleischlieferungen aus dem Osten Überzählige, gesunde Tiere werden an andere Zoos abgegeben oder – wenn sich kein passender Abgabeplatz findet oder das Tier für das Zuchtprogramm keine genetische Relevanz hat – getötet und an die eigenen Wildtiere verfüttert. Dieses Vorgehen entspricht auch den Empfehlungen einer Studie, welche die Universität Zürich unlängst publiziert hat. Den Fleischbedarf im Zoo Zürich decke diese Massnahme allerdings nur zu rund 15 Prozent, sagt Ryser. Der Bedarf dürfte mit der Eröffnung der Panthera-Anlage für Grosskatzen Ende März noch weiter ansteigen. Reine Futtertiere auf dem Zoogelände selbst zu züchten, sei aus Platzgründen in der benötigten Menge nicht möglich. Deshalb bezieht der Zoo Zürich das Fleisch für Grosstiere derzeit unter anderem aus Schlachtungen des Tierspitals und lokalen Hühnerproduktionen. Kleine Futtertieren wie Mäuse und Kaninchen liefern auch Produzenten aus Ländern im Osten, die sich auf die Zucht von Futtertieren für Zoos und Privathalter spezialisiert haben. Sie müssen zwar gemäss Ryser gewisse Haltungsauflagen erfüllen, «diese bis ins letzte Detail zu überprüfen, gestaltet sich aber schwierig». Um eine bessere Kontrolle der Futtertierhaltung zu bekommen, seien Gespräche innerhalb von Zooschweiz, dem Dachverband der wissenschaftlich geleiteten Zoos, im Gange. Vorgesehen ist der Aufbau einer eigenen Produktion. Wann es so weit sein wird, ist allerdings unklar. Die artgerechte Haltung der Bernierenten, die heute hätte verfüttert werden sollen, wäre zwar gegeben gewesen. Aber einfangen liessen sie sich nicht. Ein möglichst stressfreier Tod ist Pflicht Wäre eine Passende in die Falle getappt, hätte von Ah sie mit einem Netz eingefangen und mit einem Bolzenschussgerät betäubt. Dabei trifft eine Platte mit sehr hoher Geschwindigkeit auf den Schädel des Tieres. «Meist stirbt es allein durch den heftigen Aufprall an einem Schädeltrauma», sagt er. Trotzdem wird anschliessend bei jedem Tier noch ein Kehlschnitt vollzogen, um sicherzustellen, dass es tot ist. So sieht es die Schweizer Tierschutzverordnung vor. Es muss alles sehr schnell gehen, um Schmerzen, Leiden oder Angst beim Tier auf ein Minimum zu reduzieren. Auch das ist in der Verordnung festgeschrieben. «Für das Einfangen und Töten der Ente hätte ich nur wenige Sekunden benötigt», sagt von Ah. Die Bernierenten hätte auf dem Speiseplan der Fischotter gestanden. Nun musste eine aus dem Vorrat her, welche die Tierpflegerin an einem Baum der Anlage aufhängen konnte. Denn wie sich zeigen sollte, hatte vor allem Fischotterdame Cleo mächtig Hunger. Schon nach wenigen Minuten hat sie die Witterung der toten Ente aufgenommen, schnappt sie sich blitzschnell und zieht sich damit auf einen Felsen zurück. Mit viel Kraft zerteilt sie das Tier und frisst es erstaunlich speditiv auf – unter ständiger Beobachtung einer Kinderschar. Mit offenen Mündern und grossen Augen beobachten sie das Geschehen. «Der Otter muss halt auch was essen, und Hörnli hat er nicht so gern wie du», sagt ein Vater zu seinem Kind, das gebannt zuschaut. Irgendwann ist der Hunger des Fischotters gestillt. Cleo zieht sich satt und zufrieden zurück. Nur noch ein paar Federn, die auf dem Wasser treiben, erinnern daran, dass hier gerade eine Bernierente verfüttert wurde. Quelle:https://www.tagesanzeiger.ch/zoo-zuerich-auf-entenjagd-in-der-masoala-halle-534499800741 (24.03.2025, 17:25) | ||
| cajun: | Eine Meldung zum Thema von heute: "Verzicht auf Sterilisation- Dählhölzli verfüttert überzählige Frischlinge an Raubtiere Der Tierpark setzt auf freie Fortpflanzung. Das kann zu Platzmangel führen. Deshalb wurden im letzten Jahr elf junge Wildschweine getötet und an die Raubtiere verfüttert. Der Platz in den Gehegen des Tierparks Dählhölzli ist begrenzt. Wohin also mit all dem Nachwuchs? Für die meisten Jungtiere gibt es, im Rahmen von Zuchtprogrammen, Platz in anderen Zoos. Lässt sich kein Platz finden, dann werden die Tiere getötet und an die Raubtiere verfüttert. So sind im vergangenen Jahr elf Wildsäuli mittels Bolzen getötet, anschliessend untersucht und verfüttert worden, wie Tierparkdirektorin Friederike von Houwald gegenüber der «Plattform J» sagt. Wildschweine können bis zu dreimal jährlich Junge werfen, «das vertragen die Population und die Anlage aber nicht», so von Houwald weiter. Töten statt verhüten Manche Zoos setzen zur Regulierung der Population bei den Tieren Verhütungsmittel ein oder lassen sie sterilisieren. Das kann jedoch dazu führen, dass es zu einer Überalterung in den Tierparks kommt. Deshalb empfehlen Zürcher Forschende, in einer Anfang Jahr publizierten Studie, die Tötung von Zootieren und Verfütterung an Raubtiere. Dadurch könne eine Überpopulation vermieden werden. Gleichzeitig bleibe die Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere erhalten. Der Tierpark Dählhölzli gehört zu jenen Zoos, welche diese Strategie verfolgen. Ganze Kadaver halten länger satt Es kommt auch vor, dass Zootiere aus gesundheitlichen Gründen getötet werden müssen. Tierparkdirektorin von Houwald nennt gegenüber der «Plattform J» ein Beispiel: Vor kurzem musste eines der Zwergziegenmännchen mittels Bolzen getötet werden. Das Tier hatte einen massiven Knieschaden mit Kreuzbandriss, «dies und eine bedingte ausgeprägte Lahmheit bereiteten ihm starke Schmerzen». Nach der tierärztlichen Untersuchung sei das Zwergziegenmännchen an die Leoparden und Wölfe verfüttert worden. Die Raubtiere im Dählhölzli erhalten jeweils den ganzen Kadaver, so die Direktorin. Das sei für die Raubtiere besser. Federn, Haare oder Knochen enthalten wichtige Nährstoffe und machen länger satt." Quelle:https://www.bernerzeitung.ch/bern-daehlhoelzli-verfuettert-ueberzaehlige-wildsaeuli-an-raubtiere-410222782084 (24.03.2025, 17:14) | ||
| cajun: | Eine Stellungnahmen des Zoos Leipzig zur aktuellen Entscheiddung: "Populationsmanagement als elementares Element im Artenschutz Zoos im 21. Jahrhundert sind Bildungsstätte und Erholungsort, aber vor allem auch Artenschutzzentrum. Um eine artgemäße Tierhaltung zu gewährleisten und gesunde Populationen bedrohter Tierarten zu erhalten, sind zahlreiche Aspekte zu beachten. Wohlbefinden, Tiergesundheit, artgerechte Ernährung und das Ausleben von Sozialverhalten, Jungtieraufzucht und Fortpflanzung gehören dazu. Zuchtempfehlungen bei bedrohten Arten werden vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm auf Basis des kontinentalen Bestandes ausgesprochen. Zukunftsdaten sind nicht allumfassend, so dass die Entwicklung der Populationen mit Blick auf Geburten und Sterbefälle nur bedingt vorhergesagt werden kann. Wenn dann noch Seuchen wie die Blauzungenkrankheit und Maul- und Klauenseuche dazukommen, wird die internationale Zusammenarbeit beim Austausch der Tiere ebenso wie das Bestandsmanagement noch zusätzlich erschwert. Wichtig ist die Gesunderhaltung der Population sowie einer adäquaten Alters- und Geschlechtsstruktur, die den langfristigen Fortbestand der Arten ermöglicht. Der Entscheidungsprozess Im Rahmen dieses ausgewogenen Populationsmanagements kann es deshalb notwendig sein, dass Tiere nicht in ihren Gruppen oder Herden bleiben können, weil es die Alters- oder Geschlechtsstruktur oder der Platz nicht hergeben. In solchen Fällen wird gemeinsam mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), das die Bestände bedrohter Arten in Europa koordiniert, eine Lösung für eine neue Unterbringung gesucht. Der Zoo Leipzig konnte in der Vergangenheit bereits Nachzuchten von Weißnacken-Moorantilopen an Zoos in andere europäische Länder abgeben, allerdings zu einer Zeit, als aktuelle Beschränkungen durch die Tierseuchenlage noch nicht bestanden. Auch im aktuellen Fall der vier Weißnacken-Moorantilopen im Bestand des Zoo Leipzig hat es zunächst ein intensives Verfahren unter Einbeziehung des zuständigen EEPs gegeben, im Rahmen dessen jedoch keine verantwortungsvolle realisierbare Unterbringung in einer anderen Einrichtung gefunden werden konnte. Abschließend hat eine zoo-interne Tierschutzkommission deshalb nach Prüfung aller Möglichkeiten den Beschluss zur Tötung der Moorantilopen zum Zweck der Verfütterung an Raubtiere gefasst. Artgemäße Haltung und artgemäßes Futter Derartige Entscheidungen werden nicht leichtfertig getroffen, sondern sind Ergebnis intensiver Prozesse. Tatsache ist aber auch, dass die Fortpflanzung und Aufzucht von Nachwuchs zu einer artgemäßen Haltung dazu gehören, zum Zeitpunkt der Zuchtentscheidung nie alle Parameter der Zukunft z.B. mit Blick auf Geburten und Sterbefälle bekannt sind – und dass Raubtiere Futter brauchen. Kommt das Futter aus dem eigenen Bestand, sind sowohl die Haltung als auch die Ernährung bekannt und das Futter kann als gesund und vollwertig eingestuft werden. Die Tiere zu entsorgen statt zu verfüttern, wäre nicht sinnvoll und nicht vertretbar, denn auch anderes Fleisch zur Fütterung wird durch Tötung von Tieren gewonnen. Darüber hinaus gehören Antilopen zum natürlichen Nahrungsspektrum unserer Raubtiere und somit zum Nahrungskreislauf. Auswilderung als Alternative? Die Auswilderung von Tieren ist auf Ebene der Welt-Staatengemeinschaft bei der Welt-Naturschutzunion IUCN an konkrete Richtlinien geknüpft und ein langwieriger Prozess, der zu allererst geeignete Lebens- und Schutzräume für wildlebende Populationen erfordert. Genau an diesen fehlt es häufig, was die Bestände im natürlichen Lebensraum schrumpfen lässt. Zum verantwortungsvollen Populationsmanagement gehört es deshalb, gesunde Bestände zu erhalten, um bei verbesserten Bedingungen in den natürlichen Lebensräumen Tiere zur Auswilderung bereitstellen zu können. Auch dieser Schritt bedarf großen zeitlichen Vorlaufs, da die schrittweise Gewöhnung und das Erlernen des Überlebens über verschiedene Etappen und ggf. Generationen erfolgen muss. Daneben bedarf es Strukturen vor Ort im Verbreitungsgebiet, über die die Auswilderungen durchgeführt und langfristig wissenschaftlch begleitet werden können. Der Zoo Leipzig hat jüngst mit der Auswilderung von Feldhamstern ein positives regionales Beispiel starten können, aber auch schon mehrfach Nachzuchten in derartige internationale Projekte gesendet, z.B. Przewalski-Pferde in die Mongolei und nach China. Im Falle der Weißnacken-Moorantilopen liegt das Verbreitungsgebiet fast gänzlich im politisch instabilen Südsudan (wird in verschiedenen Indizes als „gescheiterter Staat“ geführt), wo die Voraussetzungen für Auswilderungsprojekte derzeit nicht gegeben sind. Umso wichtiger ist es, durch regelmäßige Nachzucht eine gesunde Reservepopulation aufrechtzuerhalten, da auch der Erhalt der noch verbleibenden Freilandpopulation durch die dortigen Umstände erschwert ist. Zoos im 21. Jahrhundert sind neben dem Artenschutzzentrum auch Bildungsstätte. Aus diesem Grund ist auch die Aufklärung über artgemäßes Futter, Futterherkunft und Notwendigkeiten im Tiermanagement Teil des Anliegens des Zoo Leipzig. " Quelle:https://www.zoo-leipzig.de/artikel/populationsmanagement-gehoert-zum-artenschutz-dazu-1655/ (20.01.2025, 15:45) | ||
| cajun: | Zum Thema: Der Zoo Leipzig hat aktuell 1,3 Mrs Grays Wasserböcke , die nicht vermittelt werden konnten, geschlachtet und verfüttert und Bayern24, basierend auf einem Interview mit dem Nürnberger Zoodirektor, folgenden Artikel publiziert: "Artenschutz im Zoo: Was tun, wenn es zu viele Tiere werden? In vielen Zoos leben auch vom Aussterben bedrohte Tierarten. Hier leisten Zoos aktiven Artenschutz. Das Dilemma: Wird die Herde zu groß, müssen sie Tiere töten. Wäre Empfängnisverhütung eine Lösung? Zootiere werden geboren, sie haben in Gefangenschaft ein behütetes Leben, und Zootiere sterben. Neben der artgerechten Haltung sorgt vor allem immer wieder für Aufregung, wenn gesunde, vom Aussterben bedrohte Tiere in Zoos getötet werden. In einem neuen Artikel (externer Link) im Fachmagazin PNAS haben Zoofachleute nun ihre Forderung erneuert und wissenschaftlich untermauert, Tiere für den Erhalt von gesunden Beständen zu töten. In der Öffentlichkeit wird das Thema seit der Jahrtausendwende breiter diskutiert. Damals ging es um die Tötung von Somali-Wildeseln. Die grauen Tiere mit den Zebrastreifen an den Beinen und dem verschlafenen Blick sind in ihrer Heimat Ostafrika fast ausgestorben. Maximal 200 wildlebende Exemplare weist die Rote Liste der gefährdeten Arten aus. Kriege, Dürren, Hungersnöte – die Liste der Gefahren für die Esel ist groß. Ein paar Hundert Esel leben in Zoos und Tiergärten – und sollen hier gezüchtet werden, für den Fall, dass eine Auswilderung doch irgendwann möglich ist. Recht auf Reproduktion In Gefangenschaft vermehrten sich die Tiere jedoch zu gut, der Platz in den Gehegen wurde eng. Es gab eine Zuchtpause, bei Zootieren funktioniert das durch die Trennung von Männchen und Weibchen oder durch medikamentöse Schwangerschaftsverhütung – die "Pille" für Elefant, Tiger & Co. "Dann stellte sich heraus: Die Stuten waren unfruchtbar, bekamen ihren Zyklus nicht mehr", erzählt Dag Encke, Tiergartendirektor in Nürnberg. Dabei habe man dringend wieder Nachwuchs gebraucht. Ein Leben ohne Paarung, ohne Schwangerschaft, ohne Jungtiere – das bringt unerwartete Probleme. Das berichtet auch der Leiter des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, Heribert Hofer. Wenn Großkatzen, Nashörnern oder Elefanten die Fortpflanzung verweigert wird, altern die Fortpflanzungsorgane schneller, sagt der Zoologe. Dauerhafte Unfruchtbarkeit ist die harmlosere Folge, im schlimmsten Fall bekommen die Tiere Krebs. "Deswegen haben wir schon vor über 20 Jahren darüber gesprochen, dass wir eigentlich ein Recht auf Reproduktion fordern", so Hofer. Tierleid findet zu Lebzeiten statt Der vorzeitige Tod, lange vor dem Ableben durch Altersschwäche, ist in der Natur völlig normal. Ein Leben ohne Reproduktion dagegen nicht, argumentiert Tiergartendirektor Encke. Er ist einer, der immer wieder mit kontroversen Äußerungen an die Öffentlichkeit geht. Auch an dem neuen Aufsatz hat Encke mitgeschrieben. Zoologe Heribert Hofer will sich mit ethischen Bewertungen zurückhalten, aber auch er sagt: "Wenn Sie ein Tier nach den besten Prinzipien töten, erfährt dieses Tier kein Leid. Tierleid findet dann statt, wenn das Tier am Leben ist", zum Beispiel, wenn die Nashorndame einen Tumor hat. Es geht aber nicht nur um körperliche Leiden, die durch Verhütung von Schwangerschaften ausgelöst werden. Die Aufzucht von Jungtieren ist auch wichtig für das Sozialverhalten, zum Beispiel bei Pavianen. Die Männchen würden sich um die Jungtiere kümmern, das wiederum sorge für Frieden in der Gruppe, berichtet Encke. Er sieht die Aufzucht von Jungtieren als Tierschutzmaßnahme, die das Leben in den Gehegen lebenswert macht. Als der Nürnberger Zoo eine öffentliche Diskussion darüber startete, dass man überzählige Paviane töten müsse, war die Aufregung groß. Manche Tiere sind dem Menschen näher Encke führt zu den Fetten Sandratten im Wüstenhaus. Auch die pummeligen Nager aus dem Sinai mit kurzen Ohren und dicken, behaarten Schwänzchen werden schnell zu viel. Sie werden dann getötet und an andere Zoobewohner verfüttert. Encke will hier die Hierarchie der Tiere demonstrieren, die wir unweigerlich in unseren Köpfen haben: "Eine Ratte zu verfüttern ist weniger schlimm, als einen Pavian zu töten, weil wir zum Pavian eine höhere Nähe empfinden. Von den sozialen Leistungen sind die beiden ähnlich." Dass das Thema jetzt wieder in den Medien ist, stört Encke nicht. "Ich glaube nicht, dass ich provoziere", sagt er, der die Diskussion öffentlich führen will. Er geht sogar so weit, dass er einen geschlossenen Nahrungskreislauf anstrebt: 100 Prozent des Fleischverbrauchs aus eigener Haltung – sei es vom Somali-Esel aus Freilandaufzucht oder von einer Giraffe. Besser als Stallhaltung und Transport zum Schlachthof sei das allemal, so die Argumentation. Denn es sei wichtig, dass die Tiere unerwartet sterben und dass die anderen im Gehege den Tod mitbekommen. So normal das Sterben im Tierreich ist, der bewusste Abschied von einem Artgenossen ist bei manchen Tierarten auch wichtig." Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wissen/artenschutz-im-zoo-was-tun-wenn-es-zu-viele-tiere-werden,Ua2Kxqr (18.01.2025, 19:54) | ||
| Carsten Horn: | Ja, besser sehenden Auges unkommentiert und ohne Gegenmaßnahmen in den Untergang, weil manche es nicht lernen, ihren Lörres unter Kontrolle zu halten... Ein Zuchtbuch für den Menschen wäre vermutlich das beste Zuchtbuch, welches man erstellen könnte... Aber die Diskussion zu führen ist nicht Sache der Zoos, wobei es sicherlich einer der Hauptgründe ist, warum immer mehr Tierarten verschwinden von der Erde... (16.01.2025, 13:17) | ||
| Patrick Marburger: | Und spätestens mit dem letzten Kommentar hätten wir am Rande den philosophischen Diskurs tangiert, ob es einen wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt. Wenn es den gibt, spricht viel für das Züricher Paper. Das muss noch lange nicht heißen nichtmenschlichen Entitäten jeglichen Wert abzusprechen! Wenn es diesen Unterschied nicht oder nur gering gibt - und in diese Richtung bewegt sich die Äußerung von PD und das Gefühl vieler Menschen - sind Zoos ethisch nicht rechtfertigbar, auch nicht durch Artenschutz, Forschung, Bildung etc. Schließlich würde keine dieser Zwecke die Freiheitsberaubung von Menschen rechtfertigen. Die Zoos tun gut daran in dieser Debatte so beredet wie möglich zu schweigen oder aber für eine größtmögliche Differenz zwischen Mensch und Tier zu argumentieren, sonst sieht es, wenn man das auch nur halbwegs konsequent durchdenkt, sehr schnell sehr finster aus. (15.01.2025, 15:45) | ||
| Carsten Horn: | Die Alternative zum Züricher Plan, der grundsätzlich richtig ist, wäre mehr Geld in die Hand zu nehmen und Tiere eben nicht zu töten, sondern zusätzlich zu halten, ggf. in speziellen "Altersheimen" wie in Karlsruhe für die Elefanten. Was ich grundsätzlich schwierig finde, ist das es sich bei den Tieren nicht um tote Gegenstände, sondern um Lebewesen handelt, die Respekt verdient haben und nicht einfach ausrangiert werden sollten. Der nächste Schritt wäre dann, gleiches bei den Menschen zu tun, wobei ich das für deutlich sinnvoller halten würde bei der unvernünftigen Überbevölkerung der Erde... (15.01.2025, 13:55) | ||
| th.oma.s: | Als außenstehender und interessierter Laie stimme ich der Meinung aus dem "Paradies" vom Grundsatz her nicht zu. Sie ist m. E.zu sehr vom Tierschutzgedanken und der Vermenschlichung von Tieren geprägt. Der Züricher Ansatz ist m. E., wenn er denn verantwortungsvoll, transparent und nach wissenschaftlichen Kriterien umgesetzt wird alternativlos, wenn man ernsthaft in zoologischen Einrichtungen Populations- bzw. Artenschutz zu betreiben möchte. Dies liegt m. E. vor allem daran, das es vor dem Hintergrund des Arten- und Populationsschutzes in erster Linie darum geht die genetische Vielfalt einer Population über einen gewissen Zeitraum zu erhalten. Dies erreicht man nicht mit "Vermehrung" sondern nur durch Zucht einschließlich "Selektion" (d.h. gesteuerte Vermehrung mit dem Ziel Erahlt der genetischen Vielfalt bei weitgehend artgerechter Haltung). Zucht heist aber immer auch Merzung (Ausschluss vom Fortpflanzungsgeschehen). Aufgrund der auf absehbare Zeit sehr beschränkten Kapazität in Anbedracht der diversen Probleme des Artenschutzes vor Ort bleibt das Töten dieser Exemplare notwendig im Rahmen eines wissenschaftlichen Populationsmanagements. Ein zweiter m.E. ebenfalls wichtiger Aspekt der Züricher Argumentation ist die These von der notwendigen Gewährleistung fortpflanzungsfähiger und sich tatsächlich fortpflanzender Zucht gruppen in menschlicher Obhut zur Gewährleistung einer artgerechten Haltung. Die Argumentation aus dem Paradies fokusiert m. E. so zoologische Einrichtungen auf das Ziel einer primär auf dass individuelle Tierwohl gerichteten Schaustellung von Tieren vor letztendlich kommerziellem Hintergrund. Dabei wird aber außer acht gelassen, dass diese Fokussierung ein Paradoxon ist weil eben dann der Besucher und der wirtschaftliche Erfolg der Tierschau im Vordergrund steht und eben nicht das Tier oder der Erhalt der Artenvielfalt. Bei Tierpersönlichkeiten (Elefanten und Menschenaffen (m.E. insbesondere Schimpansen oder Bonobos)) sind die aus dem Paradies vorgetragenen Bedenken m. E. aber keinesfalls ohne weiteres von der Hand zuweisen. Hier sind m.E. grundsätzlich Ausnahmen von den züricher Erhaltungszuchtthesen erforderlich. (14.01.2025, 19:01) | ||
| cajun: | Zum sehr vernünftigen Artikel der Universität Zürich (s.u.) kommt Gegenwind "aus dem Paradies". Was meint ihr denn dazu?: "Ein Artikel, der letzte Woche in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht wurde, löste in der Welt der Zoos und darüber hinaus Schockwellen aus. Pairi Daiza und sein Gründungspräsident Éric Domb lehnen diese Idee entschieden ab: „In einem kürzlich veröffentlichten Artikel stellen Wissenschaftler einen herzzerreißenden Vorschlag vor: Tiere in Zoos zu töten, bevor sie altern. Ihre Argumentation scheint unerbittlich: 1. Tiere in Gefangenschaft leben länger als in freier Wildbahn, was zu hohen Pflegekosten führt. 2. Ältere Individuen vermehren sich nicht mehr und besetzen Raum, der „besser genutzt“ werden könnte. 3. In der Natur reguliert der Tod die Population. Sie sagen, dass Parks diesen Prozess nachahmen sollten, um die Vitalität von Gruppen zu bewahren. Aber diese „natürliche Logik“ an Orten anzuwenden, an denen wir uns entschieden haben, Tiere zu schützen und ihnen unsere Liebe und Fürsorge anzubieten, ist eine Verleugnung unserer Menschlichkeit. Diese Vision vergisst eine wesentliche Sache: Jedes Leben trägt eine einzigartige Geschichte der Bindung, Weitergabe und Erinnerung in sich. Alter ist kein Fehler, der korrigiert werden muss. Es ist ein Sieg des Lebens. Elefantenmatriarchinnen führen ihre Herden in Dürrezeiten zum Wasser, weil sie sich an die Herausforderungen erinnern, die sie in den vergangenen Jahren gemeistert haben. Ältere Delfine spielen zusammen mit jüngeren Delfinen bei der Jagd eine wichtige Rolle und bringen ihnen die Kunst bei, sich zu organisieren und zusammenzuarbeiten, um zu überleben. Viele Vogelarten zeigen jungen Vögeln, wie sie Aufwinde verstehen und nutzen können, um höher zu steigen und weiter zu fliegen. Die Auslöschung dieser Ältesten bedeutet die Zerstörung eines unsichtbaren, aber lebenswichtigen Erbes. Darüber hinaus befinden wir uns in einem Zoo nicht in der Wildnis, wo Hunger, Krankheiten und Raubtiere das Leben rücksichtslos verkürzen. Ein Heiligtum ist kein turbulenter Ozean oder eine endlose Savanne. Es ist ein Zufluchtsort, ein Raum, der so gestaltet ist, dass jeder unserer Schützlinge jede Phase seines Lebens, auch die letzte, vollständig erleben kann. Wie könnten wir unter diesen Bedingungen einer Eliminierung zustimmen, um „Platz zu sparen“ oder „den Verwaltungsaufwand zu reduzieren“? Wenn man von „Populationssmanagement“ spricht, als ob die Tiere in Zoos Zahlen wären, vergisst man, dass es sich um Individuen handelt, die in der Lage sind, tiefe emotionale Bindungen zwischen sich selbst und denen, die ihnen ihr Leben widmen, aufzubauen. Ältere Tiere erkennen und schätzen die vertrauten Stimmen ihrer menschlichen Begleiter. Sie warten auf eine Geste, einen Kontakt. Das sind echte Verbindungen, die über die Jahre geduldig geknüpft wurden. Diese Momente der Verbundenheit sind keine abstrakten Ideen: Sie sind der lebendige Beweis dafür, dass das Leben in einem Zoo voller Respekt, Vertrauen und Liebe sein kann. Wildparks sind keine Zuchtfabriken. Wenn wir sie zu Orten machen, an denen wir den Raum optimieren, indem wir Senioren eliminieren, verraten wir ihr Vertrauen und das, was sie für uns repräsentieren. Nicht nur als Botschafter einer zu erhaltenden Art, sondern auch als geliebte und respektierte Lebewesen. Besucher kommen nicht, um Zahlentabellen zu lesen. Sie kommen zum Fühlen. Sie kommen, um zu staunen und zu lieben. Wer kennt Mala nicht, unseren alten und rührenden Elefanten? Sein unausweichlicher Tod wird ein gemeinsames Leid sein. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil im Laufe der Jahre durch tausende Begegnungen eine ungebrochene Bindung zwischen ihr und denen entstanden ist, die sie live gesehen haben. Diese Kontaktszenen prägen sich unauslöschliche Erinnerungen in uns ein, denn sie erinnern uns daran, was das Leben ist: ein Wunder, das es verdient, begleitet zu werden, auch wenn es langsamer wird. Ein Tier bis zu seinem letzten Atemzug zu begleiten ist kein unnötiger Luxus oder eine sentimentale Laune. Es ist ein gehaltenes Versprechen. Es soll bekräftigen, dass das Alter kein „Versagen“ ist, sondern eine Hommage an das Leben selbst. Wir leben in einer Zeit, in der die Artenvielfalt in erschreckendem Tempo zusammenbricht. Jedes Tierleben hat eine immense symbolische Bedeutung. Wenn wir beschließen, das Leben älterer Individuen zu verkürzen, um die Führung zu „vereinfachen“, senden wir eine verzweifelte Botschaft: die der Gelassenheit und nicht des Respekts. Tiere zählen keine Jahre. Aber sie spüren Geduld, Zärtlichkeit und Präsenz. Und das müssen wir ihnen bieten können. Was wir für sie tun, zeigt, wer wir sind.“ Eric Domb Quelle:https://www.facebook.com/JardinDesMondes/?locale=de_DE (14.01.2025, 14:53) | ||
| cajun: | Ein interessanter Artikel von der Seite der Universität Zürich mit Link zur Studie weiter unten: "Umdenken bei der Regulierung von Zoopopulationen Was passiert mit überzähligen Tieren in Zoos? Bislang wurde meist die Fortpflanzung der Tiere kontrolliert. Nun plädieren Forschende für ein Umdenken: Durch fachgerecht durchgeführte Tötungen können Zoos ihre fortpflanzungsfähigen Populationen erhalten, das Bewusstsein für die Herausforderungen des Artenschutzes schärfen – und Tierwohl und Klimabilanz verbessern. Im Gegensatz zu Tieren in der Wildnis stehen Tiere im Zoo weniger stark unter Druck. Sie haben ausreichend Nahrung zur Verfügung und werden nicht von Fressfeinden gejagt. Daher leben Tiere in Zoos meist viel länger als in der Wildnis. Dies stellt Zoos wiederum vor die Herausforderung, die begrenzten Aufnahmekapazitäten optimal zu managen. Aus logistischen und finanziellen Gründen beschränken viele Zoos die Nachzucht ihrer Tiere. Andere Zoos gehen einen anderen Weg und töten überzählige Tiere – und riskieren damit öffentliche Reaktionen: So löste die Verfütterung von Marius, einer gesunden, zweijährigen Giraffe, vor zehn Jahren eine internationale Debatte darüber aus, was Zoos mit ihren überzähligen Tieren tun sollen. Zoopopulationen werden immer älter In einer Stellungnahme unter der Leitung der Universität Zürich argumentieren Forschende nun, dass die weit verbreiteten Verhütungspraktiken das Altersprofil von Zoopopulationen verändern – und zwar nicht zum Besseren. «Fortpflanzung ist ein Grundbedürfnis von Tieren. Ohne Reproduktion wird ihnen einer ihrer wichtigsten evolutionären Antriebe genommen», sagt Marcus Clauss vom Universitären Tierspital der UZH und Erstautor der Studie. «Mit der Zeit werden die Zoopopulationen immer älter, was eines der Grundprinzipien von Zoos gefährdet: die Erhaltung der eigenen Populationen.» Überzählige Tiere können oft nicht anderweitig untergebracht werden, da der Platz in Zoos begrenzt ist und eine Auswilderung von Tieren spezielle Programme und einen geeigneten Lebensraum erfordert. Daher plädieren die Forschenden für eine geplante und fachgerechte Tötung überzähliger Zootiere. «Wir halten dies für ein rationales und verantwortungsvolles Populationsmanagement. Zudem kann dieser Ansatz den Zoos dabei helfen, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen», so Clauss. Natürlicher Lebenszyklus der Tiere als Bildungsauftrag Jedes Jahr besuchen mehr als 700 Millionen Menschen zoologische Einrichtungen auf der ganzen Welt. «Zoos können dazu beitragen, das öffentliche Verständnis für den natürlichen Lebenszyklus von Tieren zu fördern. Indem sie den Tod von Tieren an den Rand drängen, halten Zoos jedoch unrealistische Erwartungen an das Leben in der Wildnis aufrecht», erklärt Mitautor Andrew Abraham von der Universität Aarhus. Zoos haben aber auch die Pflicht, die Tierpopulation zu erhalten. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. «Schon heute sind viele Tierarten vom Aussterben bedroht, und in den kommenden Jahrzehnten werden zahlreiche weitere Tierarten dazukommen. Es ist daher entscheidend, dass die Zoos fortpflanzungsfähige Populationen und das Wissen über die Aufzucht von Jungtieren erhalten. Was wir nicht brauchen, ist eine Sammlung geriatrischer Tiere – und Tierärzt:innen, die sich mit Palliativpflege beschäftigen», fügt Abraham hinzu. Eigene Fleischversorgung verbessert Klimabilanz Soll es mehr Geburten in den Zoos geben, müssen überzählige Tiere getötet werden dürfen. Ein Zoo in Deutschland ist so in der Lage, seine Raubtiere mit bis zu 30 Prozent des Fleisches von Tieren aus der eigenen Einrichtung zu füttern und seine Kohlenstoffemissionen und den Bedarf an kommerziell geschlachtetem Vieh zu reduzieren. Auch wenn die Tötung von Säugetieren wie etwa der Giraffe Marius oft Kontroversen auslöst, gibt es Hinweise darauf, dass die öffentliche Meinung ausgewogener ist, als in den Medien dargestellt. «Zoos haben die Verantwortung, ihre Gäste über die Realitäten von Leben und Tod in der Tierhaltung aufzuklären», sagt Clauss. «Eine transparente Kommunikation kann dazu beitragen, die öffentliche Wahrnehmung zu verändern und die Akzeptanz von langfristigen, nachhaltigen Ansätzen zu erhöhen.» " Literatur M. Clauss, M. Roller, M.F. Bertelsen, C. Rudolf von Rohr, D.W.H. Müller, C. Schiffmann, M. Kummrow, D. Encke, S. Ferreira, E.S. Duvall, C. Maré, A.J. Abraham. Zoos must embrace animal death for education and conservation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. 30 December 2024. DOI:https://doi.org/10.1073/pnas.241456512 Quelle:https://www.news.uzh.ch/de/articles/media/2025/Zootiere.html (08.01.2025, 09:35) | ||
| Sandra Trenka: | Irgendwie erinnert mich derartiger Aktionismus an eine der Endszenen von "Findet Nemo" mit den in Plastiksäcken schwimmenden Meerestieren: https://youtu.be/WDTxr7Mrkuc?feature=shared (07.01.2025, 14:32) | ||
| Sacha: | Sollte die beiden Wale tatsächlich nach Kanada gebracht werden, bin ich gespannt darauf, wer dieses "Programm" a. ...leitet b. ...tatsächlich finanziert (und wieviel es kostet) und c. wie lange die Wale dort leben. Sorry, aber die meines Erachtens am wenigsten schlechte Lösung bleibt der Loro Park. Und wenn sie dort in den Shows auftreten "müssen", dann werden sie wenigstens geistig gefordert (was ja für das Tierwohl gemeinhin nicht so schlecht ist). (06.01.2025, 17:48) | ||
| cajun: | Menschen sind schon komisch....erst das ganze Drama entfachen und dann nicht wissen wohin mit den Tieren, weil "nichts richtig artgerecht ist" ... jetzt hat man den Salat: "Am Sonntag hat das Marineland Antibes, Europas größter Meereszoo, seine Türen endgültig für Besucher geschlossen. Grund ist das baldige Inkrafttreten des Gesetzes zur Bekämpfung von Tierquälerei in Frankreich. Die an der Côte d'Azur nahe Cannes gelegene Anlage war bekannt für ihre Shows mit Delfinen, Schwertwalen und anderen Meeressäugern. Was für viele Gäste spektakuläre Nummern waren, wird in Frankreich aber ab 2026 als Tierquälerei per Gesetz verfolgt. Tierschützer jubeln über die Schließung, doch ein großes Problem bleibt: Die Zukunft der beiden Orcas Wikie (23) und Keijo (11), die seit ihrer Geburt in dem Zoo leben, ist ungeklärt. Während die Zoobetreiber auf eine Lösung drängen, die den bisherigen Bedingungen nahekommt, fordern Tierschutzgruppen ein naturgetreueres Lebensumfeld für die Schwertwale. Wie die BBC nun berichtet, könnte ein kanadisches Walprojekt eine Lösung bereithalten. Warum eine Auswilderung nicht infrage kommt Die meisten Experten seien sich einig, dass die beiden Wale, bei denen es sich um isländische Orcas handelt, nicht in die freie Wildbahn entlassen werden sollten. Beide wurden in Gefangenschaft geboren und verfügen den Aussagen nach nicht über die nötigen Fähigkeiten zum Überleben. "Das ist ein bisschen so, als würde man seinen Hund aus dem Haus jagen und ihn in den Wald schicken, damit er als Wolf frei leben kann", sagte Hanne Strager der BBC. Die Meeresbiologin weiter: "Diese beiden Wale haben ihre engste Beziehung zum Menschen. Sie sind diejenigen, die sie mit Nahrung, Pflege, Aktivitäten und sozialen Beziehungen versorgt haben. Sie sind von den Menschen abhängig, es ist das Einzige, was sie kennen." Kontroversen um mögliche neue Unterkünfte Ein Vorschlag, die Orcas in einen japanischen Meerespark zu verlegen, stieß auf heftigen Widerstand von Aktivisten und wurde im November 2024 von der französischen Regierung blockiert. Die 13.000 Kilometer lange Transportstrecke und niedrigere Tierschutzstandards in Japan wurden als Gründe angegeben. Alternativen wie der Loro Parque auf den Kanarischen Inseln, der strengen europäischen Tierschutzrichtlinien entspricht, sind ebenfalls umstritten. Aktivisten befürchten, dass die Orcas dort erneut in Shows auftreten könnten, was ihrer Ansicht nach einem Wechsel von einem "Walgefängnis" ins nächste gleichkäme. Hinzu kommt, dass im Loro Parque zwischen 2021 und 2024 vier relativ junge Orcas starben (lesen Sie hier alles zu den ungeklärten Todesfällen). Wie alt werden Schwertwale? In der freien Wildbahn liegt die Lebenserwartung der Weibchen bei durchschnittlich 50 Jahren, in Einzelfällen werden sie 80 oder gar 90 Jahre alt. Männchen erreichen durchschnittlich ein Alter von 29 Jahren, maximal 50 bis 60 Jahre. Hoffnung auf ein Schutzgebiet vor Kanada Die Organisation Whale Sanctuary Project (WSP) hat nun laut BBC ein Konzept vorgelegt, das Wikie und Keijo ein Leben in einem geschützten Meeresareal vor der Küste Nova Scotias in Kanada ermöglichen könnte. Dort könnten Mutter und Sohn unter tierärztlicher Betreuung ein Leben in einem mit Netzen abgetrennten, 40 Hektar großen Areal führen, das ihrer natürlichen Umgebung nahekommt. Die Finanzierung hänge jedoch von der Zustimmung der französischen Regierung ab, heißt es. "Das Leben in der Auffangstation wird so nah wie möglich an dem sein, was sie erlebt haben, als sie im Meer aufwuchsen", wird die WSP von der BBC zitiert. "Es wird ein neues Leben sein, das so viel von dem, was vorher war, wieder wettmacht. Diese Art von Projekt hat es schon einmal gegeben. Keiko, der Orca, der 1993 in dem Film "Free Willy" die Hauptrolle spielte, wurde 1996 aus der Gefangenschaft gerettet und 1998 in eine Bucht in Island gebracht. Im Gegensatz zu Wikie und Keijo wurde er jedoch in freier Wildbahn geboren und konnte einige der notwendigen Überlebensfähigkeiten neu erlernen. Nach vier Jahren verließ Keiko mit einer Gruppe von Orcas, der er sich angeschlossen hatte, die Bucht und schwamm nach Norwegen. Hier starb er 2003 an einer Infektion. Meeresbiologin Strager warnt davor, dass sich das geplante Schutzgebiet für Wikie und Keijo genauso fremd anfühlen könnte wie das offene Meer. "Wir haben die Vorstellung, dass Tiere die Freiheit in demselben Sinne genießen wie wir. Aber wir wissen nicht, ob sie die Freiheit auf dieselbe Weise sehen. Werden sie sich fürchten, weil es so anders ist als das, was sie gewohnt sind? Ich glaube nicht, dass es gute Lösungen für Tiere gibt, die ihr ganzes Leben in Gefangenschaft verbracht haben." Quelle:https://www.t-online.de/leben/reisen/id_100566780/frankreich-meeres-zoo-bei-cannes-schliesst-schicksal-der-wale.html (06.01.2025, 16:05) | ||
| Michael Mettler: | @Karsten Vick: Bodenbewuchs, der als Deckung für kleine Rallen zumindest theoretisch gereicht hätte, gab es auch damals schon entlang des betonierten "Urwaldbaches" und andernorts im Haus, nur eben mit sehr wenig Distanz zu den Besucherwegen. Wahrscheinlich hat das die Rallen in die Höhe getrieben, wo sie auf Rankgewächsen auch von Baum zu Baum wechseln konnten, ohne fliegen zu müssen. (12.11.2008, 22:54) | ||
| Karsten Vick: | @Michael: Rallen leben auch nicht "am Bach", sondern "in der Vegetation". Deckung ist ihnen wichtiger als Wasser. Hab ich gerade im September in Olomouc wieder erfahren, als ich in der Großvoliere die Purpurhühner suchte. Beim dritten Anlauf war gerade Fütterungszeit und da kamen sie alle von den Bäumen geflattert. (12.11.2008, 22:47) | ||
| Shensi-Takin: | @Jennifer Weilguni: Soweit ich mich erinnern kann, wurden die kannibalistischen Akte per se nicht beobachtet. Die Jungtiere (ob kraenkelnd oder nicht) "verschwanden" einfach, und bei der naechsten Kotuntersuchung tauchten ihre Knochen in der Kotprobe v.a. anderer Weibchen als der Mutter auf... "Fehlernaehrung" durch exzentrische tierische Gourmets kommt auch bei gaenzlich anderen Tieren im Zoo vor-und ist mitunter ein Grund, warum eine ansonsten funktionierende Gemeinschaftshaltung beendet werden muss. So wurde in einem amerikanischen Zoo die Gemeinschaftshaltung von Graupapageien und diversen Wasservoegeln (u.a. Sichler) aufgeloest, weil einige Graupapageien "Sushilust" entwickelten und den anderen Voegeln die Futterfische klauten. (12.11.2008, 11:27) | ||
| IP66: | Ich vermute, daß die meisten Gehege als Ersatzlebensräumen von den Bewohnern anders beurteilt werden als von den Planern und Betrachtern. So leben die meisten Flamingos auf anderem Boden als in freier Wildbahn, ihnen steht durch andere chemische Werte gekennzeichnetes Wasser zur Verfügung und eine Analyse wird vermutlich auch den Schlamm, den man ihnen zum Nestbau zur Verfügung stellt, als letztlich fremd definieren. Wenn die Tiere brüten, normales Balzverhalten zeigen und alt werden, scheint mir das alles auch nicht so problematisch, aber man sollte sich meines Erachtens von der Vorstellung lösen, die Natur nachbauen zu können. Immerhin ähnelt die Lage der Flamingos im Zoo insofern der in freier Wildbahn, als ihre Jungvögel einem Feindruck durch Krähen und Möwen ausgesetzt sind - eine in dieser Hinsicht "artgerechte" Unterbringung erleben nur wenige Zootiere ... (12.11.2008, 11:11) | ||
| Michael Mettler: | @Shensi-Takin: Stimmt, und auch den umgekehrten Fall gibt es in Zoos gar nicht so selten - Bodentiere, die sich höhere Regionen erschließen. Als das hannoversche Urwaldhaus (Menschenaffenhaus) erstmals mit Vögeln besetzt wurde, waren darunter auch Mohrenrallen, die zur Belebung des "Urwaldbaches" beitragen sollten. Die Vögel waren allerdings mit ihrer Planstelle nicht einverstanden und verbrachten ihr Leben fast ausschließlich in den Baumkronen. Vielleicht war ihnen der Besucherverkehr zu trubelig. Dennoch ein Beweis für flexibles Verhalten - andere Tiere wären unter ähnlichen Umständen vielleicht schlichtweg an Stress gestorben, bevor sie sich aus ihrer "artgerechten" Umgebung entfernt hätten... (12.11.2008, 09:32) | ||
| Jennifer Weilguni: | Ob Gorillas im Freiland ihre Jungtiere aber aus "Fleischeslust" töten wage ich mal zu bezweifeln. Kann es nicht eher sein, dass damit möglicherweise nicht ganz gesunde Tiere ausgemerzt werden ? Das Tier, das sich meiner Meinung nach am Meisten aus seiner biologischen Schublade entfernt ist und bleibt der Mensch, aber ich schätze mal, hier soll es nur um Zootiere gehen :-) (12.11.2008, 09:05) | ||
| Shensi-Takin: | @Anti-Erdmännchen: Das stimmt so nicht; zwar besteht die Ernaehrung von wildlebenden Gorillas je nach Population und Jahreszeit v.a. aus Blaettern und Fruechten, es wurde aber schon der mehr oder minder gezielte Verzehr von Kleintieren, z.B. Termiten, beobachtet. Fossey u.a. beschreiben zudem bei Berggorillas gelegentliche Faelle von Kannibalismus, dem Jungtiere zum Opfer fallen. Was man bei Gorillas allerdings in Zoos beobachten kann, ist bei einigen Exemplaren haeufiges Erbrechen mit z.T. anschliessendem Verzehr des Erbrochenen. Ursachen dafuer koennten z.B. Langweile oder ein zu geringer Rohfaseranteil der Nahrung sein. @MM: Spontan fallen mir in Hinblick auf "Biotop-Schubladen"-Abweichler Tiere ein, die im urspruenglichen Habitat nahezu ausschliesslich arboreal sind, sich im Zoo aber weitaus haeufiger am Boden aufhalten. Prominenteste Bspe. sind da diverse Primaten, z.B. Gibbons; beim GLT gab es u.a. auch deswegen bei den Wiederansiedlungsprojekten groessere Rueckschlaege. (12.11.2008, 07:58) | ||
| Anti-Erdmännchen: | Dazu fallen mir spontan die Gorillas ein. Sie sollen ja nur in menschlicher Obhut tierische Nahrung zu sich nehmen, obwohl es ihnen auch in der Wildbahn möglich sein müßte, zumindest Insekten oder Eier zu erbeuten. (12.11.2008, 00:01) | ||
| Michael Mettler: | Zur Ergänzung hier der "Dickicht-Flamingo" aus Hannover. (11.11.2008, 23:33) | ||
| Michael Mettler: | Mich beschäftigt eine Frage, die wohl in diesen alten Thread am besten passt. Viele Zoos sind ja bemüht, Gehege so zu gestalten, dass sie dem natürlichen Lebensraum ihrer Bewohner optisch und/oder funktionell ähneln. Diverse Beobachtungen ließen bei mir allerdings den Verdacht keimen, dass so manche Tierart bei Auswahlmöglichkeit einen ganz anderen Lebensraum bevorzugen würde als den, mit dem wir sie verbinden und den ihr die Zoos nachzubilden versuchen... Das Beispiel mit den Eisbären, die sich im Sommer stundenlang auf sonnendurchglühten Felsen und Betonflächen räkeln, ist ja altbekannt. Aber ich habe auch schon in diversen Haltungen Flamingos - in der Natur Bewohner deckungsloser Flächen - ausgerechnet unter Bäumen, in Gebäudewinkeln oder sogar mitten in einem Bambusgebüsch brüten sehen, obwohl ihnen reichlich offene Fläche zur Verfügung stand - z.B. in Darmstadt, Thüle oder Hannover. Als dies auf der alten Flamingoanlage in Hannover vor Jahrzehnten erstmals vorkam, vermutete der damalige Zoochef Dittrich, dass die Vögel aus den vorangegangenen Erfahrungen mit Krähen als Nesträubern gelernt hatten, den eigentlich vorgegebenen Nistplatz zu meiden und sich stattdessen unter schützenden Gehölzen im Hintergrund der Anlage Nisthügel anlegten. Auch die diesjährige Flamingobrut in Hannover, die erste seit Jahren, fand nicht am vom menschen ausgeguckten Platz statt, sondern nah am Besucherweg (das vorderste Nest war vielleicht einen Meter vom Zaun entfernt) und quasi in Direktkontakt um ein niedriges Bambusgebüsch herum - ein Nest wurde sogar mitten in den Bambus hinein gebaut. Das grobe Bodensubstrat störte die Vögel offensichtlich überhaupt nicht, während ihnen am angedachten Brutplatz "edelster" Lehm zur Verfügung stand. Nun haben Flamingos im Freiland genauso unter Nesträubern zu leiden - halten sie sich womöglich dort nur notgedrungen auf weiten Freiflächen auf, auf denen Raubtiere weithin erkennbar sind, und würden sich ohne Druck durch Bodenfeinde eher in Schilfgebieten ansiedeln...? Von einer zweiten Vogelart kenne ich in Zoos Ähnliches, und zwar vom Basstölpel. Das nebenstehende Foto entstand im September in Amsterdam, wo die Tölpel auf der sehr weiträumigen Brillenpinguinanlage untergebracht sind. Als Bewohner von Vogelfelsen hätte ich sie auf dieser Anlage ausgerechnet dort, wo ich sie aufgenommen habe, am wenigsten vermutet. Der Tag war bedeckt (also diente der Strauch nicht als Sonnenschirm) und zeitweise regnerisch, aber auch Wasser von oben sollte doch eigentlich einen Seevogel nicht gleich in Deckung treiben...? "Busch-Tölpel" kenne ich auch aus anderen Zoos, z.B. aus Arnhem und meiner schwachen Erinnerung nach an die dortige alte Anlage auch aus Bremerhaven (in beiden Zoos erfolgreich brütend). Als die Tölpel in Walsrode noch auf der ersten Pelikananlage (heute Meerespelikane) untergebracht waren, brütete das Paar ausgerechnet unter einem schirmförmig überhängenden Bambus, obwohl auch hier wiederum reichlich offener Platz andernorts in der Anlage gewesen wäre. Kennt ihr weitere Beispiele für Tierarten, die sich offensichtlich gern aus ihrer "Biotop-Schublade" entfernen? (11.11.2008, 23:27) | ||
| Sitara: | @IP66: Ich stimme der Argumentation zu, dass es in freier Wildbahn unter Elefanten auch Einzelgänger gibt, das betrifft aber nur Bullen und ältere Kühe, die sich kurz vor ihrem Tod von der Herde absondern. Grundsätzlich ist der Elefant ein HERDENTIER und (13.12.2005, 00:00) | ||
| IP66: | @Sitara: In Sachen Elefanteneinzelhaltung würde ich argumentieren, daß insbesondere ältere Tiere in freier Wildbahn auch als Einzelgänger leben und zumindest bei den Indern auch eine Tradition der Einzelhaltung als Arbeitstier besteht. Auffällig ist auch, (13.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | ...und dazu gehört auch die Vermittlung der Information, WARUM manche Tierarten im Zoo zu mehreren gehalten werden können, auch wenn sie im Freiland als Einzelgänger bekannt sind: Weil es ihnen der "Luxus" der Vollpension im Zoo erlaubt und sie im Freiland gar nicht so einzelgängerisch wären - wenn es denn genug Nahrung für alle am selben Platz gäbe. Bestes Beispiel sind doch die Großbären in Nordamerika: Wo genug zu futtern ist - ob auf einer Müllhalde oder am Lachsfluss - werden die Eigenbrötler ganz schnell gesellig. Oder auch Dikdiks und Klippspringer: Im Freiland streng paarweise lebend (bei Dikdiks verscheucht der Bock herangewachsene Söhne und die Geiß herangewachsene Töchter aus dem heimatlichen Territorium), lassen sich beide Arten im Zoo relativ stressfrei sogar in Großfamilien halten (und das sogar unter wenig berauschenden Platzverhältnissen wie z.B. früher die Klippspringer im Frankfurter Rundbau). Womit wiederum bewiesen wäre, dass Tiere flexibler sein können als oft angenommen. Geselligkeit ist ohnehin relativ. Manche Tierarten leben in enger Dichte beieinander, ohne "echtes" Sozialverhalten wie gegenseitige Fellpflege usw. zu zeigen: Die in vielen Zoos gehaltene Europäische Zwergmaus ist so ein Beispiel "anonymer Gemeinschaft", sie ist nämlich überhaupt nicht auf die Anwesenheit von Artgenossen angewiesen. Und manche vermeintlichen Einzelgänger haben sich nach genauerer Erforschung als sehr sozial veranlagt erwiesen, denn sie gehen zwar allein auf Nahrungssuche, unterhalten aber ein Netzwerk freundschaftlicher Nachbarschaftsbeziehungen: Hierzu gehören Tiger und Rotfuchs, aber auch die Hauskatze. (12.12.2005, 00:00) | ||
| Sitara: | @IP66: EIN Elefant....wo und wie auch immer gehalten, wäre nicht "tiergerecht" (s.u.!), da Elefanten Herdentiere unter matriachalischer Führung sind. Ich denke, hier war auch "Elefanten" (im Plural!) gemeint, oder? Dies gilt aber auch für alle anderen Tie (12.12.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Vielleicht sollte man auch zwischen Mindestforderungen und Wünschenswertem unterscheiden. Ein Elefant unter Apell in der historischen Haltungsform mag verantwortbar - "artgerecht" - gehalten werden. Es ist aber in der Tat so, daß ein wenig größere Elefantengruppen für Besucher attraktiver sind. Das Problem beginnt, wenn Einzelgänger wie Tiger oder Eisbären plötzlich in Großgruppen gehalten werden. Das Publikum meint, daß arme Tier hätte jetzt endlich ein wenig Gesellschaft, wo es doch im Gegenteil unter heftigem Sozialstreß steht. (12.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Ganz meine Meinung. Es darf nicht heißen "das ist schlecht, also hören wir damit auf", sondern "das ist schlecht - wie können wir es verbessern?". Und da gibt es bei vielen Tierarten, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen, noch viel mehr Nachholbedarf als ausgerechnet bei den "Tier-Promis", die ohnehin unter kritischerer Beobachtung durch Zoo und Zoopublikum stehen. Nebenbei bemerkt ist schon der Begriff "im Zoo" mehr als relativ, da z.B. die zur Verfügung stehenden Raumverhältnisse innerhalb der Zoos äußerst unterschiedlich sind. Es liegt auf der Hand, dass man die Bedürfnisse von Elefanten oder Orcas z.B. unter Bremerhavener Platzverhältnissen nicht erfüllen könnte, ohne den Zoo auf eine einzige Tierart zu reduzieren. Und "viel Platz" ist keineswegs das wichtigste (wenn auch das populärste)Kriterium bei der Tierhaltung. Ein Beispiel: Die Zucht von Wüstenspringmäusen (Jaculus spec.) ist keineswegs einfach, obwohl die Tiere problemlos zu halten sind; Viele Jungtiere werden zwar geboren, aber nicht aufgezogen. Ein auf Springmäuse spezialisierter Zoologe fand bei seinen eigenen Tieren heraus, dass Springmäuse auf großen Flächen offensichtlich Schwierigkeiten haben, ihr Nest mit den Jungen wieder zu finden! Es entstand die Theorie, dass die Mäuseweibchen einfach jene Jungen säugen, über die sie mehr oder weniger zufällig stolpern... (Angesichts der beliebten Theorie vom Egoismus der Gene eine geradezu ketzerische Annahme!) Besagter Zoologe stellte seinen Mäusen fortan Nistkästen so auf, dass das Einschlupfloch unmittelbar neben einer Wand lag. Wie die meisten Tiere wandern auch Springmäuse an den Gehegegrenzen auf und ab, wodurch die Weibchen immer wieder auf die Einschlupflöcher stießen und plötzlich problemlos die Jungen aufzogen. Eine analoge Erfahrung habe ich später bei der Haltung von Grauen Steppenlemmingen (Lagurus lagurus) gemacht, die sich unter großräumigen Verhältnissen sehr unwohl fühlten und erst bei einer Raumbeschränkung, die MIR schon unangenehm war, entspanntes Verhalten an den Tag legten und endlich ihre Jungen auch aufzogen. Finde so etwas mal jemand im Freiland heraus, ohne die Tiere zu stören! Und das selbe Prinzip gilt auch für größere Tierarten, denn Freilandforschung ist nicht immer ohne Risiko für das erforschte Tier: Ich glaube, es stand mal in der damaligen deutschen Ausgabe der BBC Wildlife, dass die Lebenserwartung Afrikanischer Wildhunde, die zu Markierungs- und sonstigen Forschungszwecken kurzfristig per Betäubung eingefangen worden waren, drastisch niedriger war als die ihrer Artgenossen, denen man nicht so dicht "auf den Pelz gerückt" war. (09.12.2005, 00:00) | ||
| Sitara: | An den aufgeführten Beispielen sieht man sehr deutlich wie unterschiedlich die Bedürfnisse der einzelnen Tierarten sind. Ein wichtiger Faktor ist deshalb die Verhaltensforschung am Wildtier und die vergleichende Forschung an den Zootieren. Dadurch ist es erst möglich, die Voraussetzungen für ein artgerechtes Leben im Zoo zu schaffen. Ich sehe es leider auch so, dass bestimmte Tierarten, die mehr in unser Bewußtsein gedrängt werden, auch mehr Mitleid erregen als andere. Aber ist nicht gerade dies eine Chance, sich auch diesen anderen zuzuwenden und sich über deren Lebensbedingungen Gedanken zu machen? Ich halte deshalb eine KONSTRUKTIVE kritische Auseinandersetzung für eine wichtige Basis, Verbesserungen in der Zootierhaltung zu schaffen. (09.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | ....womit die Frage aufgeworfen wird, wie man "Leiden" definiert. Leidet ein kupierter Vogel, weil er nur noch zu Fuß gehen kann? Leidet ein Wolf mehr als ein Hering, weil sie sich beide im Zoo/Aquarium nicht lange Strecken mehr oder weniger geradeaus, sondern an den Gehege/Beckengrenzen die gleiche Wegstrecke "nur im Kreis" bewegen können? Oder beweisen beide gerade dadurch, dass sie sich den Umweltbedingungen (in diesem Fall der Umwelt Zoo) durchaus anpassen können? Es fällt auf, dass sich die Argumentation bzw. das Mitleid in der Regel auf jene Tierarten bzw. -gruppen beschränkt, die einen Beliebtheits-/Bewunderungsbonus beim Publikum genießen. Solche, deren Verhalten menschlich wirkt oder zumindest aus der Sichtweise eines Menschen relativ leicht nachzuvollziehen ist (z.B. Menschenaffen, Elefanten, Großbären) und solche, denen der Mensch einen gewissen "Adel" oder Mythos verliehen hat (Adler, Großkatzen, Wölfe, Delfine). Auch die "hohe geistige Entwicklung" wird häufig angeführt (Affen, Elefanten, Walartige). Merkwürdigerweise scheiden sich die Geister selten an Rabenvögeln und Schweinen (hochintelligent und mit bemerkenswertem Sozialverhalten), an Pferden und Hirschen ("edel") oder sonstigem Hufgetier - von kleineren Tierarten ganz zu schweigen. Greifvögel "darf" man angeblich nicht hinter Gittern halten, "weil sie zum Fliegen geboren sind", aber kaum jemand hat etwas dagegen bzw. macht sich Gedanken darum, dass Schwimm- und Stelzvögel sowie Kraniche kupiert (also schlichtweg verstümmelt) auf "Frei"anlagen und Teichen gehalten werden, obwohl viele Arten als Zugvögel Abertausende Kilometer im Flug zurücklegen würden. Es sind halt "nur Enten" (usw.). Daraus leitet sich ab, dass man bei der Bewertung sehr schnell in Gefahr kommt, das bemitleidete Tier zu vermenschlichen: Arten, mit denen wir uns leichter identifizieren können und die in unsere Wertmaßstäbe passen, werden eher bemitleidet als solche, deren "Welt" sich unserem Verständnis nur in Ansätzen öffnet. Beispiel: Ein Affe in einem nackten Betonkubus mit künstlicher Einrichtung erregt (zu Recht!) unser Mitleid, eine Riesenschlange auf Kunstfels mit einem künstlichen Kletterbaum nicht. Dass der Affe als intelligenter gilt, dürfte der Schlange egal sein, weil sie diese Form der Anpassung an ihre Umgebung (und nichts anderes IST Intelligenz) schlichtweg nicht benötigt (das "Baumodell" Riesenschlange funktioniert immerhin schon etliche Jahrmillionen länger als das "Modell Affe"). Der Affe nimmt seine Umgebung mit den gleichen Sinnen wahr wie ein Mensch; die Riesenschlange lebt in einer Welt von Vibrationen, Geschmäckern ("Riechen" über die Zunge) und Wärmeabstrahlungen. Ein Königspython z.B. kann wahrscheinlich lebende Mäuse mit Hilfe seiner "Wärmesensoren" in der Oberlippe wegen der unterschiedlichen Wäremreflexion nach Fellfarbe unterscheiden (viele Königspythons nehmen nur Futtermäuse einer bestimmten Farbe an, obwohl ihr Sehvermögen eine solche Beurteilung kaum zulässt!). Ein solches Lebewesen findet (trotz "mangelnder Intelligenz") in einem Terrarium mit Kunstharzfelsen und -bäumen ungefähr soviele Umweltreize vor wie in einer Aldi-Tüte. Kann man also auch Pythons im Zoo nicht "artgerecht" halten? Doch, kann man - wenn man dem Tier über entsprechende Reizdarbietung die Möglichkeit bietet, seine Sinne einzusetzen. In dieser Hinsicht sind die Zoos gerade bei den umstrittensten Tiergruppen auf einem guten Weg, die wirklichen Defizite betreffen viel häufiger die "Mauerblümchenarten". Tatsache ist unzweifelbar, dass gerade die "geistig beweglichen" Tierarten viel eher als andere in der Lage sind, Defizite durch Kompensation auszugleichen - sie SUCHEN sich Beschäftigung, und dazu zählt z.B. bei Affen und Großkatzen als optisch orientierten Tierarten die genaue und stundenlange Beobachtung der Zoobesucher, also quasi die Umkehrung des Zoo-Effektes. Genau wie wir Menschen kompensieren sie also Alltagsdefizite durch "Fernsehen". Ist das nun ein NATÜRLICHES Verhalten und somit "artgerecht"? (09.12.2005, 00:00) | ||
| Zoosammler: | Finde die zitierte Definition gut, wobei den "biologischen Bedürfnissen gerecht werden" ja sehr weit gefasst ist, und deswegen würde ich noch anmerken: Eine Tierart nur so zu halten, dass ihr keine Schmerzen, Leiden oder Schäden (wie auch immer man wieder Leiden und Schäden definieren möchte...) muss noch nicht artgerecht sein. Letztlich ist für mich fraglich, ob man Artgerechtheit überhaupt messen kann. Für mich muss man da im Einzelfall nach Struktur und Gestaltung des Geheges, Umfeld und Pflege, sowie Zustand und Sozialverband des jeweiligen Tieres gehen. Jedenfalls ist artgerecht für mich nicht unbedingt gleich wenn man einen Urwald nachbaut oder einen Sandkasten mit Kunstfelsen ausstaffiert, genausowenig gekachelte Käfige umbedingt unartgerecht sein müssen. (09.12.2005, 00:00) | ||
| Sitara: | Wenn hier von artgerechter Tierhaltung die Rede ist, sollte man auch auf die Begrifflichkeiten von tiergerecht und verhaltensgerecht hinweisen, da diese in unmittelbarem Zusammenhang stehen. An anderer Stelle in diesem Forum habe ich bereits auf die Definition in dem von der staatlichen Beauftragten für Tierschutz in Hessen 1996 in Wiesbaden herausgegebenen Buch "Tierschutz-Basiswissen - Zur Behandlung von Tierschutzthemen im Unterricht" hingewiesen, die für mich bislang die beste und einfachste war und nach deren Kriterien man Tierhaltung in menschlicher Obhut beurteilen kann: "Artgerechte Tierhaltung" heißt den biologischen Bedürfnissen der jeweiligen Tierart gerecht zu werden und die Tiere so unterzubringen und zu versorgen, dass ihnen keine Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. "Tiergerecht" betont in diesem Zusammenhang die Ansprüche der jeweils betroffenen Tiere, die innerhalb einer Art, z. B. in Abhängigkeit von der Entwicklungsstufe unterschiedlich sein können (z.B. brauchen Jungtiere im allgemeinen mehr Gelegenheit zu Spiel und Bewegung als ältere Tiere). Verhaltensgerecht betont in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung der Ansprüche, die im Verhalten der jeweiligen Tiere begründet sind." (09.12.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Ich habe iene frage an Faru Kraft aus dem alten thread. Warum kann man großkatzen und menschenaffen in menschlicher obhut nicht artgerecht halten aber elefanten im zirkus. dort werden doch auuch schimpansen und großkatzen gehalten und trainiert. (09.12.2005, 00:00) | ||
| IP66: | Ich fürchte, es ist nicht überaus glücklich, wenn ich den zweiten Beitrag zu dieser Diskussion liefere. Ich finde es aber nur eingeschränkt radikal, wenn man artgerecht dergestalt dfiniert, daß die jeweilige Tierart in der Haltung ihre durchschnittliche Lebensdauer in freier Wildbahn durchschnittlich erreicht und die Fortpflanzungsquote der in der Natur entspricht, mit Rücksicht auf die Tatsache, daß auch dort nicht jedes Exemplar dieses Durchschnittsalter erreicht und zur Fortpflanzung gelangt. Unwesentlich für diese Bewertung ist, ob der Durchschnittsbesucher die Haltung als artgerecht beurteilt. (09.12.2005, 00:00) | ||
| Michael Mettler: | Zu den Themen Orcas und Elefanten kamen bereits einige Beiträge, dass man diese und jene Tiere in Zoos, Delfinarien oder Circussen nicht artgerecht halten könne. Ich würde gern mal in möglichst sachlicher Diskussion die Argumente einander gegenüber stellen, denn ich finde es interessant (und das meine ich nicht ironisch), wenn jemand nicht generell gegen Zoos ist, aber manche Tiere als nicht artgerecht haltbar betrachtet. Bei allem Herzblut der Befürworter beider Seiten wäre es schön, an dieser Stelle NICHT in Kampfgeschrei ("Zoos sind wichtig" vs. "Zoos sind überflüssig") zu verfallen, sondern fundierte Argumente anzuführen. Also: Welche Anforderungen sollte eine "artgerechte" Haltung erfüllen, und woran ist sie messbar? (09.12.2005, 00:00) |
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