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Zootypen



Shensi-Takin:   @MM: Was "ZOOM" angeht-da gibt's noch viel mehr Bspe., seien es Filme, TV-Shows oder Fluglinien. Alles eine Frage der Schreibweise...;) Bei "Fritz" duerfte sich zudem der eine oder andere maennliche Deutsche direkt angesprochen fuehlen. ;)
(05.02.2009, 10:49)
IP66:   Um den neuen - oder auch nicht mehr ganz so neuen - Zootyp zu bezeichnen, scheint mir nicht unbedingt wichtig zu sein, daß der fragliche Begriff alle Elemente beinhaltet. Ich würde es ausreichend finden, wenn man weiß, was gemeint ist und dies in einer gewissen Beziehung zur Bezeichnung steht. Vielleicht sollte das Wort auch keinen pejorativen Beigeschmack entwickeln - "Betonzoo" klingt vielleicht zu negativ, aber auch "Spaßzoo" beeinhaltet zumindest für einige Forumsteilnehmer einen solchen Beigeschmack.
(03.02.2009, 11:46)
Michael Mettler:   Na ja, "ZOOM" gibt's auch schon als Kamera-Objektiv oder Mazda-Slogan, und "Erlebniswelten" in jedem größeren Kaufhaus...
(03.02.2009, 09:49)
Shensi-Takin:   "FRITZ" gibt es doch schon als Radiosender, DSL-Router oder Comic-das gibt's nur wieder Aerger beim Marketing...;)
(03.02.2009, 09:22)
Michael Mettler:   Ich ergänze noch durch "Fröhlich romantisierender Infotainmentzoo", denn dessen Abkürzung FRITZ ließe sich prima vermarkten :-D
(03.02.2009, 00:55)
Anti-Erdmännchen:   M.M. schrieb am 27.1.: "Auch mit dem durchaus schönen Begriff "Kulissenzoo" ist der Zootyp, um den es hier geht, nicht umfassend abgedeckt - leider. Denn Minengeist, Safarisimulator, Bootsfahrt oder auch das oft beklagte Kommerzielle in Form reichlicher Souvenirshops werden damit nicht abgedeckt. Es ist wirklich schwierig, eine passende Bezeichnung zu finden."

Also ich benutze dafür normalerweise einen der folgenden Begriffe:

Idealisierender Refinanzierungszoo (IRZ)
Verklärender Aufenthaltszoo (VAZ)
Beschönigender Trubelzoo (BTZ)
Klotzender Unterhaltungszoo (KUZ)
Effekthaschender Rummelzoo (ERZ)
Romantisierter Cashzoo (RCZ)

:)



(02.02.2009, 22:59)
Oliver Jahn:   @Gudrun Bardowicks, ICH habe meine Jahreskarte aus dem gleichen Grund wie Sie! ;-)
(02.02.2009, 22:49)
Gudrun Bardowicks:   Ich habe eine Jahreskarte für den Zoo Hannover, weil mir der Tierbestand und eigentlich auch die Tiershows und die Bootsfahrt gut gefallen, Ich habe allerdings keine Kinder. Hannover ist für mich attraktiver als Hagenbecks Tierpark, wenn Hamburg bei mir auch eigentlich "um die Ecke" liegt (ich wohne in Lüneburg) und ich für Hannover eine weitere Anreise in Kauf nehmen muß. Für Hagenbeck besitze ich keine Jahreskarte. In meinem Bekanntenkreis gibt es allerdings viele Besitzer von Zoojahreskarten für Hannover, die auch keine Kinder haben und in erster Linie wegen dem guten Tierbestand den Zoo Hannover besuchen. Alle diese Bekannten sind allerdings von der Bootsfahrt auf dem Sambesi sehr angetan.
(02.02.2009, 22:35)
Oliver Jahn:   Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch im Kundenkreis viele Familien, die sich für eine Familienjahreskarte für den Zoo Hannover nur deshalb entschieden haben, weil die Kinder total begeistert sind von der Bootsfahrt, dem tollen Kinderschminken, der Brodelburg, Mullewap und weil man daneben eben auch mal noch Tiere sehen kann. Und das bei gut 70 Kilometern Entfernung. Und ich brauche nur meine eigene Tochter zu fragen, welcher Zoo ihr am besten gefällt, dann kommt sofort: "Erlebniszoo Hannover!" Und dass ich meine Frau noch mal dazu bekomme, sich regelmäßig für eine Familienkarte für einen Zoo zu entscheiden, dass liegt garantiert nicht an den Tieren, sondern an einem zufriedenen und glücklichen Kind, welches absolut gar nicht mault, wes es mal nicht zu den Tieren geht (im Gegensatz zum Papa!) ;-)
(02.02.2009, 19:11)
IP66:   Ich würde es ja so sehen, daß die Vorstellung von Ökosystemen in den ersten arnheimer Häusern und auch in der Masoala-Halle in Zürich in Hannover und Gelsenkirchen doch eher touristischen Anmutungen gewichen ist - was in mancher Hinsicht auch Vorteile bietet. In der Summe scheinen mir die großen aktuellen Neubauten allerdings unter einem ähnlichen Vorbehalt zu stehen wie die Stilbauten in Berlin: Es braucht gewaltige Mittel, diese besucherorientierten Bauwerke zu errichten, und diese sind letztlich nicht über Eintrittsgelder zu erwirtschaften. Das wäre ja auch der Punkt, weshalb ich, im Gegensatz zu Michael Mettler, die Urwaldhäuser eher als ein eigenes Phänomen anzusehen geneigt bin, da sie billiger zu haben und besser zu integrieren sind. Ich mag manches am Spaßzoo ja wirklich nicht, aber ich würde gerade darin, daß es gelungen ist, neue Besucherschichten zu erschließen, eine größere öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen und letztlich einen zookritikkompatiblen Zootyp bauen zu können, schon eines der großen Verdienste gerade auch der hannoveraner Neubauten sehen. Daß ich mir von den Ideen der Zweiten Moderne letztlich auch eine neue Form von Tieraussstellungsarchitektur erhoffe, mag sein, doch würde diese ohne die Neubauten der Jahrtausendwende wohl einfach mangels öffentlicher Finanzierung nicht stattfinden.
(02.02.2009, 17:57)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Ohne Zweifel sind die Tiere der entscheidende Faktor, auch wenn ich Oliver Jahn im speziellen Fall Hannovers Recht geben muss: Dass Dauerkartenbesitzer tatsächlich manche Besuche hauptsächlich deswegen machen, weil die Kinder unbedingt wieder auf den sehr großen und abwechslungsreichen Spielplatz wollen, habe ich auch schon im eigenen Umfeld gehört, und der umfangreiche Besuch des Winter-Zoos nach 16 Uhr, wenn der "eigentliche" Zoobereich geschlossen ist und selbst auf Meyers Hof kaum noch Tiere zu sehen sind, gehört ja in die gleiche Kategorie. Ich weiß nicht, wie es in dieser Hinsicht in Gelsenkirchen und Leipzig aussieht, da wären Vergleiche sicher interessant.

@IP66: Die taxonomische Bildung weicht ja immer mehr einer ökologischen Richtung: Statt aufzuzeigen, in welcher verwandtschaftlichen Beziehung Leopard, Jaguar und Gepard stehen, deren Unterscheidung den meisten Besuchern auch nach einer direkten Vergleichmöglichkeit schwerfallen wird, fügt man die entsprechenden Arten eben lieber in ein vereinfachtes Gesamtbild ihres Lebensraumes ein und stellt sie in Beziehung zu ihren Beutetieren, Konkurrenten usw. Theoretisch wäre ja auch ein systematischer Zoo in Kulissenform machbar, aber erstens bliebe es dann bei manchen Tiergruppen bei einer beim Publikum wenig beliebten Aneinanderreihung ähnlicher Arten, und zweitens ließe sich das "landestypische" Drumherum schlechter nutzen. Somit gehen hier die beabsichtigte Wirkung und praktische Gründe Hand in Hand.
(02.02.2009, 14:18)
Shensi-Takin:   @MM: Nicht nur wahrscheinlich, sondern mit Sicherheit geht der Grossteil der heutigen ONB der Unterhaltung/Entspannung wegen in den Zoo. Wie die Unterhaltung dann im Detail aussehen kann-das ist die Frage; im Zoo im traditionellen Sinne duerfe nach wie vor noch das Tier, je nach Art und Attraktivitaet, die Hauptattraktion darstellen.
(02.02.2009, 11:46)
IP66:   Interessant finde ich die in diesem Thread ziemlich weitgehend geteilte Überzeugung, daß ein Zoo entsprechende Freizeitbesucher in großen Mengen anziehen muß. Dergleichen Überlegungen spielten etwa beim Neubau des Zoos in Münster oder bei den Ausbauplanungen des Zoos in Berlin eine eher untergeordnete Rolle. Sicherlich plante man auch Spielplätze und Restaurants, doch betrachtete man diese vor einer Generation eher als Ergänzung des Gefüges. Insofern denke ich, daß die Aufwertung dieser nichtzoologischen Bestandteile, sei sie nur vor etwa einem Jahrzehnt oder um 1900 erfolgt, letztlich für ein weniger stark auf zoologische Bildung und Tierbetrachtung ausgerichtetes Zooverständnis spricht.
Herrn Mettlers Hinweis auf die ökologische Legitimation, mit denen man bei den Hallenbauten in Arnheim argumentiert, scheint mir auch für eine gewisse Gewichtsverschiebung zu stehen: Zumindest die frühen Bauten in Arnheim geben sich einige Mühe, ihre Kulissen zur Imagination eines spezifischen Lebensraumes zu fügen, der eine gewisse didaktische Zielrichtung aufweist. Dergleichen scheint mir in den später errichteten Anlagen in Gelsenkirchen, aber auch in Hannover eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Diese Gewichtsverschiebung, die ja auch die Kulissen nicht mehr didaktisch, sondern eher atmosphärisch verwendet, bedeutet in beiden Fällen eine Vernachlässigung der taxonimischen Bildung, also eine Abwendung vom Artenzoo, zeigt aber auch, daß wir es auch in der Zeit, die zwischen den jüngsten Zooneubauten und den ersten die Tierausstellung betreffenden Reaktionen auf die Zookritik der ökosozialistischen Bewegung mit verschiedenen Konzepten zu tun haben, aus denen sich vielleicht so etwas wie eine Entwicklung ablesen läßt.
(02.02.2009, 10:47)
Michael Mettler:   Das mit den Konsumenten (ich würde sogar die Anführungszeichen weglassen), die sich wenig Gedanken machen, ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Aspekt bei jeglichem Zootyp. Denn es gibt sie nun mal unzweifelhaft, es sind nicht wenige (wahrscheinlich sogar die Mehrheit) - und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ein Zoobesuch kann GERADE dadurch ausgelöst werden, dass man Entspannung und Erlebnis sucht, ohne sich SCHON WIEDER (nämlich auch in der Freizeit, außerhalb der privaten Lebenssituation usw.) gedanklich mit irgendetwas näher befassen zu müssen.

Unabhängig von der eigenen Stilrichtung hat ja jeder Zoo seine Botschaft, die er vermitteln will und für die er die Tiere nicht nur als Anschauungsbeispiele, sondern gewissermaßen auch als Köder braucht. Ob die Message allerdings wirklich von der Mehrheit der Besucher verstanden wird bzw. diese sich überhaupt die Mühe machen will, sie zu verstehen, ist eine ganz andere Frage. So habe ich z.B. meine Zweifel, ob das Geoprinzip in München beim Zoobesuch wirklich realisiert wird oder ob es in einem Geo-"Spaßzoo" nicht sogar einfacher zu verstehen ist; ob der Besucher beim Betreten eines klassischen Raubtierhauses wie im Berliner Zoo wirklich aufnimmt "das sind also alles Raubtiere" und sich damit beschäftigt, warum dann ein Mungo anders aussieht als eine Katze; ob der Besucher sich wirklich Gedanken macht (machen WILL), warum am Sambesi Somali-Wildesel und Chileflamingos stehen. Schließlich hat er sich wohl auch in einem klassischen Zoo wenig Gedanken darum gemacht, warum Somali-Wildesel in einer Berliner oder Baseler Innenstadt stehen und entgegen ihrer Natur die Nächte in Ställen verbringen. Daraus entsteht zwangsläufig die Frage, ob ONB wirklich der Meinung ist, dass die Kulissen der "Spaßzoos" genaue Naturnachbildungen seien, oder sehr wohl registriert, dass es sich eben "nur" um eine optische Aufhübschung von Gebäuden und Absperrungen handelt, die ihn allerdings emotional anspricht (ihm also gefällt). So hält z.B. der Besucher einer Parkanlage oder eines botanischen Gartens wahrscheinlich das Gesehene auch nicht unbedingt für ein perfektes Abbild der Natur, sondern ist sich über die "Künstlichkeit" der Anlage bewusst. Und z.B. ein Museum besucht er ja auch nicht vordergründig, um dessen Konservierungsarbeit oder "Ideologie" (Message) zu honorieren, sondern weil er präparierte Tiere, Kunstwerke, Technik usw. sehen und bestaunen möchte.
(02.02.2009, 10:25)
Shensi-Takin:   @Oliver Jahn: Ich glaube nicht, dass die meisten Besucher das "anders" sehen-vielmehr machen die sich, als "Konsumenten", darueber nicht solche Gedanken wie wir hier. Und dass ONB Zoos nur allein oder v.a. wegen der Spielplaetze besucht, waere mir neu...Vielmehr ist derlei, wie auch das von MM aufgefuehrte Walsrode-Bsp., ein wichtiges Element zur Erhoehung der allgemeinen Besucherzufriedenheit, wobei auch im Zoo Hannover die Tiere immer noch den Hauptbesuchsgrund darstellen duerften. Andernfalls koennte sich Hannover ja dann gleich zurKostenersparnis von denen trennen...;)
(02.02.2009, 09:21)
Ulli:   Ich persönlich bin auch kein Freund solcher Spekatakel. So lange es eine einmalige Wochenendaktion bleibt, kann ich damit leben.

Mittelalter- oder Eiszeitdörfer sind eine durchaus spannende Idee. Allerdings sind sie olfaktorisch und hygenisch heute kaum zumutbar und damit zwangsläufig wenig authentisch, sondern bilden auch nur ... eine fragwürdige Kulisse ...

In Anbetracht der Vollheit bei solchen Aktionstagen verzichte ich lieber auf den Besuch und bleibe zu Hause.

Nebenbei - Herr Busemann scheint Herrn Machens hinsichtlich Marketings einiges abgeschaut zu haben ...
(02.02.2009, 08:48)
Gudrun Bardowicks:   Im Wisentgehege ist beispielsweise ein Mittelalterdorf in Planung, in dem auch alte Haustierformen gezeigt werden sollen. In der Wingst war ursprünglich ein eiszeitliches Dorf umgeben von Gehegen mit Wisenten, Wildpferden und Wölfen geplant. Dieses Projekt ist am Fehlen eines Investors und an Platzmangel und Naturschutzgründen gescheitert. Der Eiszeitpark sollte auf der Fläche des sogenannten " Wolfs- und Bären-Guantanamos" entstehen.
(01.02.2009, 23:25)
Michael Mettler:   @Andreas: Da gäbe es z.B. die UHU-Burg in Walsrode...

@Oliver: Den Winter-Zoo in Hannover würde ich ebenfalls zu den Einrichtungen zählen, die auch Normalerweise-nicht-Besucher anlocken und "ganz nebenher" für das übrige Angebot des Zoos begeistern sollen.
(01.02.2009, 14:59)
Andreas:   Meiner Meinung nach hatten nicht nur die Zooleitung Osnabrück `ne Meise, sondern auch die "Mittelalterleute". Hatte mich damals, bei der Ankündigung noch zurück gehalten :-)
Grundsätzlich habe ich gegen solche, einmalige Veranstaltungen nichts einzuwenden, aber sie müßten einen Bezug zueinander haben. Es sei denn, die Bären und Wölfe durften sich unter das Volk mischen :-))
Ich bekam früher schon Bauchschmerzen bei Mittelalteraktionen bei Barockbauten, und nun so ein Quatsch !
Klar, die Spectaculum-macher suchen Auftrittsorte. Mit ein bißchen guten Willen können die Beteiligten "Fahrendes Volk" im Mittelalter inszenieren und wären glaubhafter und keine Lachnummer. Menagerien hatten ihre Wahrsager, Feuerspucker... Nur eben keine Ritter.
aber das läßt ja das Machogehabe macher Mittelaltler nicht zu :-)
Wäre doch auch mal ein Thema fur eine "Kulisse"... Sogar mit Bildungsanspruch :-)
(01.02.2009, 14:04)
Oliver Jahn:   @Shensi-Takin, im Bezug auf Hannover sehen das sehr viele Besucher anders. Wie in meinem letzten Beitrag schon erwähnt, betrachten insbesondere Familien mit Kindern, die über eine Jahreskarte verfügen den Zoo als Einrichtung mit einem der besten Spielplätze Hannovers, wegen dem sie nicht selten ausschließlich den Zoo besuchen. Spielplätze dieser Güte sind in der Stadt oder im Umland selten und ebenfalls nicht kostenfrei, so dass man mit einer Jahreskarte hier "zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt"! Dass man dann hin und wieder auch mal "Tiere gucken" kann, ist ein ganz netter Nebeneffekt, keinesfalls aber der Hauptgrund für den Kauf einer Jahreskarte.
Als Risiko verstehe ich das so gar nicht, im Gegenteil, es erschließt dem Zoo eher noch zusätzliche Besuchergruppen, die in diesem Zuge nicht nur Mullewap und die Brodelburg besuchen, sondern dabei auch noch Shop und Gastronomie nutzen, was ebenfalls dem Zoo willkommen sein dürfte.

(01.02.2009, 11:32)
Michael Mettler:   Hinsichtlich des Nebeneinanders von Tierpräsentation und Folklore/Kunst bin ich gespannt darauf, wie das Zukunftsprojekt von Emmen (Verzahnung von Zoo, Theater und Kleinkunst) in natura aussehen wird...
(01.02.2009, 10:26)
Shensi-Takin:   @André Haubrich, Oliver Jahn: Gegen eine Sommerrodelbahn u. ae. ist kaum etwas einzuwenden, solange andere Parameter (wie etwa die Tiere selbst) dadurch nicht zur (vernachlaessigbaren) Nebensache werden-und da sehe ich mitunter ein gewisses "Risiko" bei einigen Einrichtungen; s. Bayernpark.

@MM: Auf ein persoenliches Gespraech mit Ihnen wuerde ich mich freuen-auch wenn wir beide, sehe ich mir so retrospektiv unsere bisherigen, recht harmonisch verlaufenen Diskussionen hier im Forum an, im Grunde eher wenig Klaerungsbedarf haben...;)
Pilsen hat in Hinblick auf "Folklore"-Darbietungen des oefteren was zu bieten, beim letzten Besuch z.B. eine Kenjutsu-Vorfuehrung. Sehr unterhaltsam, auch wenn die benachbarten Pinguine etwas skeptisch dreinblickten...

@Andreas: Nettes Alpaka-Video.
(01.02.2009, 10:18)
Michael Mettler:   Zum Thema "Völkerschauen gibt's nicht mehr" erlaube ich mir einen kleinen Rückgriff in einen anderen Thread:

"Mittelalter-Spectaculum im Zoo Osnabrück
Blankwaffenkämpfe, Weiberversteigerungen, Grafenlager und Pestumzug
Am Samstag, den 18. Oktober und Sonntag, den 19. Oktober jeweils von 10.00 bis 21.00 Uhr, versetzt der Zoo Osnabrück mit seinem Mittelalter-Spectaculum, einer Veranstaltungspremiere, erstmalig seine Besucher in die faszinierende Atmosphäre des Mittelalters. Im Herzen des Zoos entsteht ein großer mittelalterlicher Platz mit Zelten und Ständen. Hier wird gelebt, gekämpft und gefeiert, gefeilscht und verkauft. Über 150 historische Figuren tragen dazu bei, dass der Besucher sich in einer anderen, längst vergangenen Welt glaubt. Schaukämpfe mit Blankwaffen, vielerlei Kinderbelustigung und allerlei Gaumenschmaus, von der Spanferkelbraterei über Brot- und Fladenbäcker bis hin zur Taverne mit Kirschbier und Honigwein werden geboten. Ein Grafenlager, Gaukler und Bogenschützen, Herolde, Fakire, Kunsthandwerker und edle Ritter in Kettenhemden lassen das Mittelalter im Osnabrücker Zoo wieder lebendig werden. Die bekannte Mittelalterband „Schelmish“, der Schrecken aller Spielleute, sorgt für erstklassige musikalische Unterhaltung. Ein „Turney“ um die Hand der Grafentochter und eine Weiberversteigerung runden das faszinierende Programm ab. Als Höhepunkt der Veranstaltung werden die Besucher nach einer großen Feuershow auf Fackelexkursionen in Gruppen durch den abendlichen Zoo geführt. Den Abschluss bildet ein mittelalterlicher Pestumzug durch den Zoo, der gegen 21.00 Uhr endet!"

Klar, die Darsteller werden nicht mit kolonialen Hintergedanken um die halbe Welt herantransportiert, aber für den Besucher sehe ich da wenig Unterschied zwischen einem Mittelalter-Spektakel heute und einer Somali-Karawane oder einem Singhalesen-Dorf zu alten Völkerschauzeiten. Nur heißt sowas heute eben "Folkloredarbietung".
(01.02.2009, 01:16)
Oliver Jahn:   @Andre Haubrich, absolut so sehe ich es auch. Gerade die Sommerrodelbahn und das ganze Mullewap in Hannover sind für Familien mit Kindern ein Hauptanziehungspunkt. Insbesondere Jahreskarteninhaber lassen gern mal den Zoo rechts liegen, und verbringen mit den Kindern ein paar Stunden am Nachmittag ausschließlich dort.
(31.01.2009, 14:14)
André Haubrich:   Aber ich weiß aus meiner eigenen (Klein)Kindheit, dass ich die Hängebrücke im Bush als das so ziemlich beste am ganzen Bush fand.
Man söllte aber auch beachten, dass man kein Lebensraum wie im Freiland nachstellen kann.
Desshalb finde ich es auch nicht schlimm, wenn irgendwo ein Landrover steht und eine Sommerrodelban hält auch die wenigsten von einem Zoobesuch ab, ehr andersrum.
(31.01.2009, 14:09)
Oliver Jahn:   @IP66, natürlich hast du Recht, was die Völkerschauen angeht, da sind wir uns einig, in jedem Punkt. Aber wo bitte liegt der Unterschied zwischen einer vor über 100 Jahren in Leipzig in den Zoo gebauten Radrenn- oder einer Rollschuhbahn, und der Sommerrodelbahn oder der Eislaufbahn im Winterzoo in Hannover? Wurden bzw. werden da nicht völlig gleiche Besucherbedürfnisse in beiden Zoos völlig unabhängug von der Tierhaltung befriedigt?
(31.01.2009, 13:48)
Michael Mettler:   @IP66: Die Einschätzung mit den Urwaldhäusern teile ich nicht, und von den deutschen "Vorzeigespaßzoos" hat zumindest Leipzig mit Pongoland bereits ein solches und mit Gondwanaland demnächst ein zweites. Das Prinzip, dass der Besucher in einen Lebensraum vermeintlich "eintaucht", statt an ihm vorbei zu flanieren, wurde immerhin schon in Anlagen wie der Berliner Krokodilhalle oder den Freiflugräumen diverser Zoos realisiert (bzw. die Idee des Gewächshauses auf Zootiere ausgedehnt). Arnheim hatte zudem schon vor 20 Jahren bei der Eröffnung von Burgers' Bush Spaßzooelemente wie den liegengebliebenen Landrover, Abenteuerpfade mit Hängebrücken, pseudonatürliche Wege usw. ausgerechnet in einem Urwaldhaus untergebracht. Ich weiß nicht, ob es erste Landrover in einem europäischen Zoo war, aber zumindest scheint dieser eine Art Initialzündung und eine Nachahmungswelle "unter freiem Himmel" ausgelöst zu haben. Arnheim selbst bezeichnet übrigens seine Themenbereiche als "Öko-Displays", ungeachtet dessen, ob sie in einer Halle oder im Freien präsentiert werden.
(31.01.2009, 12:05)
IP66:   Ohne jetzt Ärger verursachen zu wollen: Radrennbahnen und Völkerschauen kenne ich in heutigen Spaßzoos keine. Ich denke, daß sich bei der Entwicklung zum Massenzoo - der sind die Spaßelemente in Leipzig (oder in Münster usf.) zu danken - tatsächlich Bedürfnisse ergaben, die man mit unseren heutigen Spaßzooelementen vergleichen kann. Aber in dem Fehlen von Völkerschau und Radrennbahn zeigen sich eben auch Unterschiede, und ich glaubt nicht, daß man mit den damaligen Elementen heute noch unbedingt Erfolg haben würde.
Ein interessantes Elemente bei der Entwicklung von Spaßzooneubauten scheint mir aber jener Zustand zu sein, der sie verursacht. Da kann man in den Zoos von Gelsenkirchen, Hannover und Leipzig tatsächlich ein tertium comperationis finden: Dort gab es niedrige Besucherzahlen, einen Sanierungsstau beim gar nicht so alten Baubestand, einen Rückgang der ausgestellten Arten und ein Empfinden bei Politik und Zooleitung, der vorhandene Zoo würde etwas überholtes und nicht mehr zeitgemäßes vorstellen. Es wäre interessant, ob ein ähnliches Empfinden auch in Arnheim oder Zürich, wo es zu ähnlich kostspieligen und raumgreifenden Neubauten kam, oder auch jenseits des Ozeans auf anderen Kontinenten vergleichbare Folgen gezeitigt hat.
Ich neige dazu, die großen Urwaldhäuser aus der Spaßzooentwicklung auszuklammern, da sie weniger einen neuen Zootyp als eine neue Form von Tierhaus vorstellen, die selten in das Zoogelände ausgreift. Sicherlich gibt es auch dort ein Bedürfnis, einen natürlichen, von Tieren bevölkerten Lebensraum zu imitieren, doch dieser muß nicht unbedingt geographisch definiert werden, er hat bis tief ins 19. Jahrhundert zurückreichende Vorläufer und taucht fehlt zumindest in den deutschen Vorzeigespaßzoos.
(31.01.2009, 11:09)
Oliver Jahn:   Ich habe gerade noch mal ein wenig in den Unterlagen über Leipzig geblättert. Auch hier ist der "Spaßzoo" noch vor Hagenbeck recht deutlich erkennbar. Radrennbahn, Felsengrotte, seillaufende Löwen, Völkerbühne und Rollschubahn sind nur einige Beispiele dafür.
"Vergnügung und Tierschaustellung waren in den Gründungsjahren unseres Zoos noch eng miteinander verbunden."
(31.01.2009, 00:06)
Michael Mettler:   So ein Ärger, jetzt hatte ich gerade zwecks Einschüchterung meine Augenflecken aufpoliert, da kommt ihr hier mit Friedensangeboten.... @André & Andreas: Aus meiner Richtung habt ihr jedenfalls keine Prügel zu befürchten :-)

@Shensi-Takin: Wenn wir beide uns irgendwann in persona über den Weg laufen sollten (z.B. bei einem Forumtreffen), sollten wir uns einfach mal in Ruhe zusammensetzen – an mir soll's jedenfalls nicht scheitern. Es scheint mir da Klärungsbedarf zu geben, und vielleicht glauben Sie meiner Person in Fleisch und Blut eher als meinem bloßen Forum-Namen, dass es mir keineswegs Spaß bereitet, Ihnen "ans Bein zu pinkeln", sondern dass ich schlichtweg Interesse an einem respektvollen und toleranten Miteinander in diesem Forum habe. Wenn ich das – durch wen auch immer - gefährdet oder mich selbst angegriffen sehe, erlaube ich mir allerdings auch, meine Stimme zu erheben und/oder meinen Standpunkt - soweit nötig - zu verteidigen, und gestehe so was auch jedem anderen hier zu. Sie möchten nicht „herabgesetzt“ werden – ich auch nicht, und ich denke, auch niemand anders hier.

Allgemein zum Thema unterschiedliche Ansichten: Wenn es die nicht gäbe, bräuchten wir kein Diskussionsforum. Viele unterschiedliche Blickwinkel ergeben zusammen ein breites Spektrum, und das ist es letztlich, was unsere Runde hier so interessant macht. Dass sich jeder innerhalb der enorm breit gefächerten Materie Zoo früher oder später ein spezielles Interessengebiet sucht bzw. sich eines von selbst ergibt, liegt auf der Hand, denn es ist – und da stimme ich Sacha zu – schlichtweg unmöglich, ALLES im Auge zu behalten.

Und nun komme auch ich endlich wieder zum eigentlichen Thema des Threads zurück. DEN „wahren Zootyp“ wird es vielleicht nie geben, sondern (hoffentlich) immer mehrere nebeneinander. Denn dafür gilt letztlich das Gleiche wie für die Meinungen in einer Diskussion: Verschiedenheit ist der Keimboden für Entwicklungen, Gleichmacherei ist eher ein Hemmnis. Was in Hannover oder Leipzig ankommt, wäre vielleicht in München oder Stuttgart gar nicht möglich, schon weil die Ausgangssituationen andere sind; drei Zoos á la ZOOM nebeneinander im Ruhrgebiet (z.B. wenn auch Dortmund und Duisburg in gleicher Form nachziehen würden) oder zwei vom Typ her absolut gleichartige Zoos in Berlin, Paris oder New York, das würde vermutlich ebenfalls nicht klappen. Das ist es, was ich mit der Anpassung an regionale oder sogar nur lokale „Marktlagen“ meine. Von daher glaube ich zwar durchaus an den Sinn und Erfolg des „Spaßzoos“, aber nicht daran, dass er sein Gegenstück komplett verdrängen wird. Zu den „Gefahren“ für diesen Zootyp zähle ich (soweit ich mich erinnere, hatte das auch IP66 vor längerer Zeit schon mal angeführt) die heute noch nicht abschätzbaren Veränderungen in Sachen Haltungsrichtlinien; Gehege- und vor allem Häusererweiterungen sind da in vielen Fällen sicher schlechter umsetzbar als im „klassischen“ Zoo.

Hatten wir eigentlich bei der Definition des „Spaßzoos“ schon den Punkt, dass er m.E. für ein deutlich größeres Einzugsgebiet konzipiert ist als der „klassische“ Zoo? Mir fiel gerade wieder ein, dass Arnheim als einer der europäischen Vorreiter dieser Entwicklung früher sogar in Hannover (mit dem Auto immerhin über 3 Stunden entfernt) Anzeigenwerbung machte. Ouwehands Dierenpark, der in der Zwischenkriegszeit eröffnet und im Hagenbeck-Stil aufgebaut wurde, konnte schon damals (jetzt wird’s wieder geschichtlich...) etliche Besucher durch geschickte Werbung und per kombiniertem Bahn-/Zoo-Ticket aus Amsterdam (mit einem weltberühmten Zoo) in die kleine Stadt Rhenen locken.

Tourismus spielt ohnehin bei der Konzipierung von „Spaßzoos“ eine große (Standort-)Rolle. Interessant (wenn auch derzeit nicht zu ermitteln) wäre, wie die von IP66 erwähnten Besucherzahlen in Berlin aussähen, wenn es im Zoo keinen Panda gäbe. Der Zoo gibt immerhin einen Auslandstouristenanteil von 50-60 % an, und Bao-Bao zählt für Fernreisende mit ziemlicher Sicherheit zu den touristischen Berliner Wahrzeichen und damit zum Pflichtprogramm – möglicherweise ganz unabhängig davon, auf welchen Typ Zoo sie dort treffen.

(30.01.2009, 20:28)
Andreas:   Auch in Anbetracht dessen, Prügel zu beziehen, bitte ich Euch als etwas ältere Dame, laßt doch das : http://de.youtube.com/watch?v=1gZ0x8AVaBI und http://de.youtube.com/watch?v=arpIBn7AH_0&NR=1 :-)) Schaut Euch diesees an und atmet tief durch :http://de.youtube.com/watch?v=0f3n4tpvNrI
(aus dem Umfeld der oberen Videos könnten sich auch interessante Diskussionen ergeben)
Welcher Zootyp letztendlich der „wahre“ ist, wird die Zukunft zeigen. Auf grund der vorherrschenden Mentalität der Amerikaner oder Chinesen bezweifle ich aber den Erfolg einer 1:1 Umsetzung in Europa. Sei es finanztechnisch oder bevölkerungsmäßig.

(30.01.2009, 15:44)
Shensi-Takin:   Noch ein "PS", was den Ursprung von Zookulissen angeht: Franzosen koennte dies ebenso fuer sich verbuchen.
So ging Koenig Ludwig der XIV. lange vor Hagenbeck in seiner Menagerie kulissenhaften Inszenierungen nach...;)
S.: "Zoo. Von der Menagerie zum Tierpark"
Baratay/Hardouin-Fougier

@André Haubrich: Sich in derlei Zwiegespraechen schlichtend einbringen zu wollen, ist meist eine unglueckliche Entscheidung; allzu haeufig bekommt man dann von beiden Seiten Pruegel ab...

MEn ist in diesem Fall ein internationaler "Approach" zweckdienlich und bedeutsam, aber das habe ich bereits ja dargelegt.
Was die Akzeptanz der anderen Meinung angeht: leider basiert die meist nur auf temporaeres grummeliges Zurueckziehen auf beiden Seiten, ohne dass man wirklich die Meinung des anderen akzeptiert bzw. daraus lernt. Dann doch lieber der offen dargelegte, dabei aber sachlich-hoefliche Widerspruch, der vielleicht die eine oder andere Perle der Weisheit bereithaelt...
(30.01.2009, 14:33)
André Haubrich:   Warum kann man denn nicht die Meinung des andern akzeptieren?
Ob man jetzt lieber in seinem Streifgebiet bleibt oder in die USA, nach Australien oder in die Antarktis fährt ist doch jedem seine Sache.
Und das gegenseitige "Ans bin pinkeln" macht wirklich keinen Sinn.
Es ist schön, wenn sich 2 Personen sehr für Zoos, Tiere und auch geschickte Provokation interessieren, aber das man das dann ausnutzt, um dem anderen seine Überlegenheit zu zeigen ist nicht gerade produktiv.
Tut mir Leid dass ich mich eingemicht habe.
(30.01.2009, 14:02)
Shensi-Takin:   @MM: Was die "abwertende Wortwahl" angeht, so schenken wir uns da nichts. Man sehe sich etwa Ihren letzten Beitrag an-da liesse sich allerlei Abwertendes hineininterpretieren.

Was "potenzielle Zoobesucherzahlen" angeht: das waeren, im Vergleich, ueber 300 Millionen in den USA und jeweils mehr als eine Milliarde in Indien und China. Bei letzteren beiden waere die Zoo-"Intensivierung" auch aufgrund der geringeren Zahl einfacher-und kostenguenstiger...;)


"Kleine heimische Gewaesser" scheint einen Nerv getroffen zu haben, sieht man sich die haeufige Wiederholung an... Was Ihre Frage hinsichtlich Besuch kleiner heimischer Zoos angeht, so ist die mit "Ja" zu beantworten-inklusive Abgruendeln tieferer Schichten jenseits der Oberflaeche.

Eins scheinen Sie (bewusst?) missverstanden zu haben: weder wurden die USA als ultimata ratio in allen Belangen angepriesen, noch wird den USA ueberlegene originelle Innovation in allen Bereichen unterstellt. Ueber die USA wurden und werden allerdings immer wieder, auch hinsichtlich Zoos, neue Trends in die "Alte Welt" importiert, die nicht unbedingt US-Ursprungs sind. Diese koennen positiv (z.B. Intensivierung der Bemuehungen um Medical Training und Behavioural Enrichment, auch bei "nicht wichtigen" Arten wie Amphibien und Reptilien) oder, wie im Fall der hier behandelten "Animal Theme Parks"/"Kulissenzoos", auch mal kritisch-negativ aufgefasst werden. Dass sich ein Deutscher als Verteidiger der zweifelsohne vorhandenen Originalitaet von Hollaendern und Tschechen gebaert, zeigt wenigstens den richtigen Ansatz hinsichtlich internationaler Aufgeschlossenheit. Bravo!

Machen Sie sich indes bitte nicht selbst mit dem Hinweis auf durch Hoehenlagenaufenthalt bedingte gesteigerte Erythropoese laecherlich; ebenso koennte man behaupten, regelmaessig durchs Gehege geschreckte Kudus waeren "leistungsfaehiger". In Wahrheit ist der Unterschied eher marginal.
Offenbar ist mein Vergleich nicht verstanden worden. Die drei genannten Bspe. stehen stellvertretend fuer drei wichtige Aspekte in Zoos ein, die international gleichermassen fuer Zoos von Bedeutung sind: Biologie/Physiologie der gehaltenen Tiere und daraus abzuleitende Parameter fuer die Haltung (Kudu), Veterinaermedizin (Chamaeleon) und Praesentation/Besucherelemente (Afrika-Dorf). 1. und 2. Aspekt spielen auch in Hinblick auf die Praesentation eine wichtige Rolle-sei es in Hinblick auf ausbruchs/tiersichere Gehege bei maximaler Besucherfreundlichkeit oder hinsichtlich Zoonosen-Gefahr.

Eine weitere falsche interpretation Ihrerseits waere es, mir unterstellen zu wollen, dass ich die Wichtigkeit des Unterhaltungscharakters von Zoos fuer die breite Oeffentlichkeit negiere. Das Gegenteil ist eher der Fall, und das sollten Sie eigentlich in den Jahren, die wir hier mit-und nebeneinander fast taeglich Beitraege liefern, eigentlich wissen. Ich denke allerdings, und dabei scheine ich nicht der einzige zu sein, dass es auch Alternativen jenseits des von Hannover oder Gelsenkirchen sowie verschiedenen Zoos weltweit aktuell praesentierten Zookonzept gibt, das dennoch die vom ONB offerierte Unterhaltung bietet.

Zu guter Letzt: was moechten Sie eigentlich mit " – sehen Sie da nicht den Widerspruch in Ihrem Bemühen, mir eine unflexible Denkweise nachweisen zu wollen? Da scheinen mir Ihre „modernen“ ( = derzeit in Mode befindlichen) Bahnen doch sehr viel eingefahrener zu sein als meine ach so konservativen."

und

"Wer sich lieber in seinen wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückzieht und das „triviale“ Volk eher ver- als beachtet, dürfte sich allerdings in dieser Hinsicht schwer tun."

bezwecken? Wer sich nur in persoenliche Attacken fluechten muss, tut dies meist aus Mangel an wirklichen Argumenten...
Fuer's Protokoll: Es war von mir weder beabsichtigt noch gewuenscht, die Diskussion in eine persoenliche Fehde abgleiten zu lassen, von der in Grunde niemand etwas hat.

Ich bemuehe mich nicht darum, Herr Mettler, Ihnen eine unflexible Denkweise zu unterstellen; ich habe nur darauf hingewiesen, dass a) der eroertete Trend nicht auf Deutschland beschraenkt ist sowie in seiner aktuellen Form v.a. auf Einrichtungen in den USA zurueckzufuehren ist und b) man vom Blick ins Ausland, jenseits festgefahrener Bahnen, immer wieder profitieren kann.
Mit einer "modebedingten" Anschauung meinerseits hat das wenig zu tun; die Aufgeschlossenheit Neuem und Fremden ggue. ist trendunabhaengig mit meiner Herkunft und meinem Leben verknuepft. Allenfalls koennte ich Ihnen vorwerfen, dass in Ihren Beitraegen ein Hauch des in D ach so populaeren Antiamerikanismus mitschwingt-und diese "Mode" duerfte hoffentlich mit Abgang von Bush Junior ihr Ende finden.
Auch der Vorwurf des Fluechten in einem Elfenbeinturm samt Verachtung des ONBs trifft nicht zu; das sollten Sie in Hinblick auf bereits genannten laengeren Meinungsaustausch eigentlich wissen.

"Falls Sie übrigens auf Ihrer Wanderung aus dem heimischen Teich durch das grenzenlose (?) Weltmeer mal auf einen WIRKLICH großen Fisch stoßen sollten, seien Sie auf der Hut – nicht jeder lässt sich durch Flossenspreizen beeindrucken." Dem koennte man mit der ebenso kindischen Warnung/"Drohung"(?) begegnen, dass manch einer "Daheimgebliebener" sich ebenso von grossen und groesseren Fischen im kleinen hiesigen Gewaesser (sic) in Acht nehmen sollte-sonst bliebe es nicht nur, um in der Fischmetaphorik zu bleiben, bei unnoetig gestraeubten Schuppen und Flossen, usw. usw.- die uebliche Floskeln des virtuellen Zaehnefletschens und Kiemendeckelspreizens...

Ich frage mich allerdings ernsthaft: was bringt uns beiden dieses wechselseitige Imponiergehabe? Nicht sonderlich viel, allenfalls boeses Blut, viel verschwendete Zeit, lange Posts und wunde Finger...

Wie waere es, wenn wir stattdessen zum eigentlichen Thema zurueckkaemen-und dabei zur Abwechslung aufs wechselseitige Ans-Bein-Pinkeln verzichten?

@Sachas letzter Beitrag summiert gekonnt alles Nennenswerte zusammen. Dem gibt es im Grunde nichts mehr hinzuzufuegen.


(30.01.2009, 13:13)
Ulli:   Tunnelgänge wie im unterirdischem Zoo Osnabrück wirken auf mich weniger mätzchenhaft Gänge mit Schiffsbullaugen in den neugebauten Aquarien oder auch nachgebaute Bergwerksstollen in Zoos - auf der einen Seite ist man Zaungast im angestammten Biotop und beim anderen erfolgt ein Blick aus einer den Tieren biotopfremden Umgebung - dies mag auf den ersten Blick mit meinem Lob zum Naturkundezentrum Osnabrück kollidieren - nur werden in Osnabrück ja gerade die Umwidmungen seitens der Tiere oder bei den Hühnerbatterien die Pervertierung der Tierhaltung thematisiert. Auf ein Aquarium übertragen wäre dies also die Überwucherung eines gesunkenen Schiffes oder einer großen Boje, dessen Umnutzung durch die Lebewesen und die Verwendung von dessen Nischen. Unter dieser Vorgabe kann auch schon einmal ein Bullauge während eines scheunbaren Hineinkriechens Verwendung finden.
(30.01.2009, 13:04)
Ulli:   Noch einmal kurzer Ausflug zum Museum:

Ich kenne das Museum König selbst nicht, ich habe nur jetzt einmal spontan über große Google-Bilder /Picasa ein paar Eindrücke abgerufen - nach diesen Eindrücken ist die Vorgehensweise pfiffig (Reitflußpferd, Angeln) und kommt auf diese Weise auch wieder dem Universum in Bremen näher - nicht als Naturabbildung sondern als Naturhinführung - sehr erfreulich.

Einen eigenständigen Weg ist auch das Naturkundezentrum in Osnabrück gegangen (stark regional bezogen / viele zwar scheinbar naturfremde Häuser, aber immer in Bezug gesetzt (Klappen am Fachwerkhaus mit Modellen von häuslichen Untermietern, auch die Hühnerbatterien natürlich ohne echte Hühner als eine Form der gegenwärtige Form der Tierhaltung, Stadtökologie, Telefonzelle mit Straßenlärm usw.) - andererseits lebende Hochmoore, Bachlauf, ein See, der im Museum seine Fortsetzung findet, viele interaktive Elemente und natürlich die Tunnelgänge in den "unter.Welten", die die einzelnen Teilbereiche verknüpfen und die jetzt im angegliederten Zoo mit dem unterirdischen Zoo ihre direkte und unmittelbare Fortsetzung finden.

Kontrast: Bei den Diorahmen im Landesmuseum Hannover gibt es zwar schon einmal den ein oder anderen Steg, aber niemals große Baukörper - man hat immer das Gefühl einen beliebigen Moment beim Blick in den jeweiligen Biotop erwischt zu haben - abgesehen natürlich von der jeweiligen Tierfülle auf engem Raum.

Aber sowohl Osnabrück als auch Hannover gehen jeder auf seine Weise gerade nicht (!) den Weg der reinen Systematik - und gerade deshalb mag ich beide, weil sie weniger steril, abwechslungsreicher und anregender als reine Vitrinen-Schausammlungen wirken.
(30.01.2009, 12:47)
IP66:   Interessanterweise entstanden die ersten Dioramen in unseren Naturkundemuseen fast zeitgleich mit den frühen Hagenbeck'schen Panoramen - hier scheint ein ähnlicher Ünbergang zum imitierenden Museum stattgefunden zu haben. In eine ähnliche Richtung weisen die ein bis zwei Jahrzehnte früher entstandenen Stilräume - als Standardbeispiel gilt hier des bayerische Landesmuseum in München, die in ähnlicher Weise alle Künste einer Epoche in einem Raum zusammenzuführen versuchten. Allerdings gab es im Museumsbereich, ähnlich wie in den Zoos, eine ganz ausgeprägte Bewegung hin zur systematischen Ausstellung, die ab 1920 in Zusammenhang mit der "internationalen" Moderne zur Auflösung der meisten fraglichen Beispiele führte. Es mag entsprechende Entwicklungen in anderen Ecken dieser Erde gegeben haben, daß erste Museum, das seine systematische naturkundliche Ausstellung vollständig zugunsten einer spaßzooartigen Präsentation, die in tiergeographische Regionen unterteilt war, aufgab, stellte in Europa meines Wissens das Museum Koenig in Bonn.
(30.01.2009, 10:55)
Ulli:   Zumindestens haben Nordhorn und Braunschweig wenig von Hannover abgekupfert.

Der neue unterirdische Zoo in Osnabrück ist übrigens auch nach deiner Version ein "Kulissenzoo" - aber einer von einer ganz anderen Sorte - man taucht in den Lebensraum der Tiere selbst, sprich den Boden, ab; das Tier steht im Zentrum der Betrachtung und doch ist der Besucher inmitten des Geschehens; der Besucher kann selbst entscheiden, welche Wegführung er für sich wählt; man hat spektakuäre Präsentationsformen mit Röhren usw. gewählt; man hat darüberhinaus umfangreiche eigenständige, thematisch ergänzende und technisch aufwendige, interaktive didaktische Angebote angefügt. Zweifelsohne hat Gudrun mit ihren Befürchtungen recht, dass sie sowohl von Kindern wie von Erwahsenen nur zum "Spielen" benutzt werden.

Diese Art "Kulissenzoo" kommt meinem Idealbild der Präsentation sehr nahe und hat so gar nichts mit dem vermittelten Credo des Yukon gemeinsam.

Denn im Yukon, Sambesi, Dschungelpalast wird deduktiv vorgegangen - also die Präsentation einer Gegend wie sie über Medien transportiert und dem Mitteleuropäer damit aus zweiter Hand präsentiert wird = klassischer Frontalunterricht im dozierenden bzw. belehrenden Stil. Letztendlich unterstützen auch die Shows diesen Ansatz der Vermittlung.

P.S. Bitte mir jetzt nicht die Dioramen im Landesmuseum Hannover um die Ohren hauen - 1. sie versinnbildlichen den Idealtypus eines natürlichen Biotopes und 2. kann man diese Landschaften mit realtiv wenig Aufwand in Niedersachsen selbst aufsuchen und dabei vergleichen und 3. haben sie tatsächlich einen Lebensbezug zu der niedersächsischen Bevölkerung (Tierwelt in der Stadt, Kulturfolger, Veränderung eines Baches durch den Menschen, Präsentation und damit Erkennen von Fraßspuren)

Natürlich hast Michael Mettler wiederum recht, dass die Krankheitsanfälligkeit eines Chameleons überall auf der Welt auftreten kann und kein Kriterim für die Qualität einer einer umsichtigen Präsentionu ist.

Andererseits wird der Platzbedarf eines Chameleons in einer naturnahen Anlage meinentwegen auch mit einem landestypischen Rahmen oder einem Kunstfelsen-Rahmen an der Glasfront nicht den räumlichen Platzbedarf eines kaputten Landrovers übersteigen - hinsichtlich des Erkenntniswertes wird die Chameleon-Ablage sicher deutlich mehr weiterhelfen. Der Landrover wird in der Regel von den Kindern übrigens eher als Spiel- und Klettergerät aufgefasst - sicher ursprünglich so nicht gedacht, aber eine naheliegende und plausible Umwidmung für die eigenen Bedürfnisse.

Und die Elefanten-Wasserspeier im Dschungelpalast sind in erster Linie Kletter- und Spritzanlagen statt Kunstwerk mit landestypischen Ambiente ... aber auch Kunst soll von den Menschen im Idealtypus adaptiert werden.
(30.01.2009, 10:12)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Ich kann mich nicht daran erinnern, Sie "zum Kinderbuchleser herabgesetzt" zu haben. Allerdings spricht Ihre (wieder mal) abwertende Wortwahl Bände (oder Hörspiele). Manche Menschen sind offenbar schon erwachsen zur Welt gekommen...

Das angeblich "kleine heimische Gewässer" beherbergt nicht weniger als 135 Millionen potenzielle Zoobesucher und bietet eine ganze Reihe interessanter Buchten, wenn man bereit ist, auch mal unter seine Oberfläche zu tauchen. Haben Sie in den letzten 10 Jahren mal Zoos wie Jaderberg, Ueckermünde, Nordhorn oder Braunschweig besucht? Sind deren Formen der Tierpräsentation (und die der anderen großen und kleinen Zoos innerhalb meiner „nationalen Nabelschau“ zwischen Rotterdam und Dvur Kralove) wirklich nur aus den USA abgekupfert, oder gibt es womöglich auch in Ihrem "kleinen Gewässer" kluge Köpfe? Und wenn ja, warum zwängen die sich - in Ableitung Ihrer Einschätzung - in ein „enges Korsett“, statt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten überzusiedeln und endlich frei atmen zu können? Wenn der Blick über den Tellerrand allzu sehnsuchtsvoll ausfällt, nimmt man irgendwann nicht mehr wahr, dass auch das eigene Essen lecker sein kann... Falls Sie übrigens auf Ihrer Wanderung aus dem heimischen Teich durch das grenzenlose (?) Weltmeer mal auf einen WIRKLICH großen Fisch stoßen sollten, seien Sie auf der Hut – nicht jeder lässt sich durch Flossenspreizen beeindrucken.

Wer weiß, vielleicht werde selbst ich eines Tages noch US-Zoos sehen – die Möglichkeit eingeschlossen, dass ich dann feststelle, dass auch die nur mit Wasser kochen können... Wenn ich für Fremdes und Neues nicht aufgeschlossen wäre, hätte ich mich wohl kaum auf den Wandel meines Heimatzoos (und anderer Zoos) einlassen können – sehen Sie da nicht den Widerspruch in Ihrem Bemühen, mir eine unflexible Denkweise nachweisen zu wollen? Da scheinen mir Ihre „modernen“ ( = derzeit in Mode befindlichen) Bahnen doch sehr viel eingefahrener zu sein als meine ach so konservativen.

Ich frage mich, was Haltungsparameter wie die Sprungweite eines Kudus (die übrigens in Mexico City durchaus größer sein könnte als in Rotterdam, fragen Sie mal Leichtathleten) oder die Krankheitsanfälligkeit eines Chamäleons mit einem im Besucherbereich vor sich hin rostenden Landrover oder dem Einsatz von Multimedia-Elementen in Spaßzoos wo auch immer auf der Welt zu tun haben. Schließlich diskutieren wir in diesem Thread über Präsentationsformen und nicht-zoologische Elemente, nicht über Haltungsnormen, wenn ich mich nicht irre. Folglich sollten wir hier wohl eher den Erwartungen des Besuchers (sprich: den Kundenbedürfnissen) oder, etwas flapsiger ausgedrückt, der "Pflege des wichtigsten Tieres im Zoo" Aufmerksamkeit schenken, denn ohne Besucher wäre der Zoo gar nicht vorhanden und müsste folglich nicht in irgendeiner (!) Stilrichtung präsentiert bzw. „verkauft“ werden.

Das Prinzip Zoo heute noch vorrangig (!) als wissenschaftlich-pädagogisches Labor zu verstehen, hieße, die Beweggründe des Großteils seiner Besucher zum Zoobesuch zu missachten, was wiederum zu einer Gefährdung wirtschaftlicher Grundlagen und womöglich auch der öffentlichen Bewertung führen könnte. Somit ist es eine durchaus wichtige Aufgabe, den Normalbesucher verstehen zu lernen und dadurch einen Zoo der nationalen oder regionalen, ja manchmal sogar nur lokalen „Marktlage“ mit bestmöglichem Erfolg (und damit einer gesunden Basis für Wissenschaft, Artenschutz und Pädagogik) anpassen zu können. Wer sich lieber in seinen wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückzieht und das „triviale“ Volk eher ver- als beachtet, dürfte sich allerdings in dieser Hinsicht schwer tun.

(29.01.2009, 18:45)
Sacha:   @Shensi-Takin: Wenn wir die "Spassbauernhof"-Elemente weglassen bestimmt...:)

@IP66/@MM: Anhand meiner Beobachtungen muss ich Shensi-Takin im Grundsatz recht geben. Viele Entwicklungen der Zoos sind weltweit vergleichbar. Und gerade die US-Zoos haben in den letzten 10, 20 Jahren in der Gehegegestaltung Trends gesetzt, die dann von europäischen Zoos (als erste sehe ich da auch die Holländer) übernommen wurden. Auch die Asiaten, im besonderen der Zoo Singapur mit seinem offenen und teilweise befahrbaren Nachtzoo, haben Innovation in punkto Spasszoo bewiesen. In China und Thailand wird resp. wurde diese Zooform schon als Ganzes kopiert, in anderen Zoos der Welt zumindest teilweise (Zoo Fuengirola, Spanien).

Meines Erachtens gibt es abgesehen vielleicht von den Gesetzen nur einen Unterschied zwischen DEUTSCHEN (Achtung, nicht gesamteuropäischen) Zoos und US-Zoos: In Deutschland sind die meisten Grosszoos kommunal oder halbprivat, in den USA bis auf wenige Ausnahmen privat (meist von einer Zoolog. Gesellschaft betrieben). Inwieweit dies auf die ideele Entwicklung Einfluss hat, lasse ich mal offen. Nach meiner Erfahrung gibt es sowohl in Privatzoos wie in kommunalen Zoos gute und schlechte Beispiele von Zoo-Entwicklung. Und das trifft auch auf den Umgang mit Finanzen zu.

Ein Blick über den Tellerrand ist wirklich jedem - vorausgesetzt er hat die Möglichkeit - zu empfehlen. Eine Vertiefung in Details und Entwicklung - da gebe ich MM recht - ist natürlich einfacher, wenn man sich auf die Zoos in der Umgebung konzentriert. Nun kann man sich nicht teilen und muss sich eben entscheiden. Ich meinerseits bin wohl eher der "globale" Typ, habe allerdings bez. osteurop. Zoos noch grosses Nachholbedürfnis. Und dort soll sich in der letzten Zeit in Sachen Spasszoo-Elemente ja auch einiges getan haben, wie man in diesem Forum lesen und sehen kann.
(29.01.2009, 14:32)
Shensi-Takin:   @ IP66: In vielerlei Hinsicht sind Haltungsparameter und -aspekte egal wo auf der Welt gleich, sprich: ein Kudu springt ebenso weit und hoch in einem US-Zoo oder einem im Europa, ein Chamaeleon kann unter Cryptosporidienbefall leiden, egal ob es im Zoo von Rio De Janeiro oder Johannesburg gehalten wird, und ein Pseudo-Afrika-Dorf ist ein Pseudo-Afrika-Dorf, egal ob im Zoo von Denver, Leipzig oder Jihlava. Es gibt zwar Unterschiede z.B. im Klima (da allerdings innerhalb der USA aehnlich variantenreich wie innerhalb Europas), Bepflanzung (Gottlob gibt es in Europa noch keinen Giftefeu-trotz Neozoen-Problematik...) und umgebender Fauna (in Europa ist die Gefahr, dass ein wildlebender Puma ins Antilopengehege eindringt, eher marginal...), aber summa summarum haben US-Zoos (bzw. alle Zoos) mit den gleichen bzw. sehr aehnlichen Anforderungen, Anspruechen und Problemen zu kaempfen. Allenfalls die Herangehensweise an bestimmte Aspekte mag sich im groesseren oder kleineren Detail unterschiedlich gestalten (s. US-Reptilienhaltung/zucht).
Kann man also US-Zoo mit hiesigen Zoos vergleichen? Zumindest in Hinblick auf die Entwicklung von "Animal Theme Parks" mit allen Drum und Dran, wuerde ich sagen: definitiv ja.

Man muss sich eins klar machen: Deutschland ist keine Insel, was Zoos angeht; der hier angesprochene Trend, von manchen kritisiert, von anderen begruesst, findet sich in gleicher (oder zumindest sehr aehnlicher) Form in diversen Zoos weltweit, sei es USA, Holland oder selbst China.
http://www.leszoosdanslemonde.com/html/zoo_monde/asie/zoo_chine/qingdao/qingdao_polar/qingdao_polar.htm

@Sacha: Danke fuer den Hinweis. Ist auf dem Bauernhof ueberhaupt noch Platz, wo doch schon all die Berliner Wildschweinarten dort eingestallt wurden...?;)
(29.01.2009, 11:47)
IP66:   Ich denke, daß es in der Tat nicht ganz einfach ist, die Entwicklung im Auge zu behalten - ich würde beispielsweise dringend empfehlen, wichtige europäische Beispiele der Architektur der Zweiten Moderne gründlich anzuschauen, wenn man sich über die Zukunft der Tiergartenarchitektur Gedanken macht - aber ich kann das von niemandem verlangen, ebensowenig, wie ich die Zoosachverständigen dieser Welt nach Bochum zwangsverschicken möchte, damit sie an der dortigen Seehundanlage erfahren, was ich, vielleicht sogar mit guten Argumenten, für ein Paradigma der zukünftigen Zooentwicklung halte.
Ich frage mich allerdings auch, ob tatsächlich, jenseits einer punktuellen Vorbildlichkeit, die Entwicklung des deutschen Zooverständnisses mit seinen Paradigmenwechsel so ohne weiteres mit den Verhältnissen in den USA verglichen werden kann. Von der gesetzlichen Grundlage der Tierhaltung über die klimatischen Verhältnisse, das Naturverständnis und die Finanzierungsmöglichkeiten tun sich da doch einige Gräben auf - wobei ein Blick über die deutsche Grenze in die Niederlande oder nach Polen ausreicht, um zu sehen, daß auch hier manche Wandlungen sich gar nicht, manche nur verspätet nachvollziehen lassen.
Es bedarf ja schon einer gründlichen Analyse, um zu verstehen, was die Hagenbeck'schen Panoramen von den heutigen Kunstfelsanlagen unterscheidet - um so mehr ist Behutsamkeit geboten, wenn man verschiedene Kulturkreise vergleicht.
(29.01.2009, 11:15)
Shensi-Takin:   @MM: "Bespoettelung" kam nicht von meiner Seite-oder habe ich Sie zum Kinderbuch-Leser herabgesetzt und mir aehnliche, unnoetige Seitenhiebe geleistet? Nein. Haette ich das gemacht, wuerde es nur mal wieder maulige Beschwerde-Emails ob meiner Arglistigkeit hageln-und das will ich Herrn Dr. Schueling ersparen... Was "vielleicht werden Sie sie eines Tages selbst noch machen" angeht: das kann ich Ihnen in Hinblick auf internationale Zooerfahrungen, auch in Hinblick auf US-Zoos, ebenfalls nur anraten. Denn das repetitive Kreisen im kleinen heimischen Gewaessern bringt auf Dauer wenig Neues hervor. Gerade heutzutage muss Reisen zudem weder teuer noch zeitaufwaendig sein. Und es ist bekanntermassen besser, fuer Neues und Fremde(s) offen und aufgeschlossen zu sein, anstatt sich selbst ein enges Korsett von "Grenzen" aufzuzwaengen, nur um sich als "grosser" Fisch im kleinen Teich auffuehren zu koennen. Derlei stellt auch nicht unbedingt den "Gipfel der Glückseligkeit" dar, sondern fuehrt allenfalls, wie man hier sieht, zu trivialen Zwiegespraechen mit Andersdenkenden. Ob die Zahl der dabei besuchten Zoos 2,3 stellig oder 650 ist, ist dabei nicht sonderlich von Belang, und inwieweit eine Beschaeftung hier in allen Bereichen "intensiv" sein kann, ist ebenfalls individuelle Ansichtssache.

Meines Erachtens nach sind wir alle Bewohner eines einzigen Planeten, dessen Zoos weltweit im Grunde mit dem selben Themen, Problemen und Entwicklungen konfrontiert sind, und zunehmend miteinander agieren (sollten). Je eher man sich das vor Augen fuehrt und seinen Blick ueber den Tellerrand schweifen laesst, umso besser.

Dass der Blick in die Vergangenheit fuer Gegenwart und Zukunft von Bedeutung ist, sollte eigentlich allgemein bekannt sein; jedoch sollte man nicht den Fehler machen, Vergangenes 1:1 auf Gegenwaertiges uebertragen zu wollen. Wenn Hagenbecks Attraktionen so federfuehrend waren-warum haben sie sich, wie bereits gefragt, nicht noch weitflaechiger durchgesetzt? Und warum muss der Hagenbecksche Tierpark im Hier und Jetzt immer wieder mit Finanzengpaessen bzw. Neuerungen aufwarten? S.a. IP66s Einwand.
Im Vergleich zu Animal Kingdom und ae. "Animal theme parks" (vielleicht der beste Begriff) ist Hagenbeck noch deutlichst ein Zoo im traditionellen Sinn.

Was Hannover angeht: wenn ich mir manch Ihrer Beitraege dazu ansehe, dann beschleicht mich da mitunter ein gegenteiliger Eindruck... ;)


(29.01.2009, 08:35)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Um Ihre wichtigste Frage gleich zu beantworten - nein, ich war in den letzten 10 Jahren in keinem größeren US-Zoo, auch nicht in einem kleineren, und davor auch nicht. Und zwar ganz einfach deswegen, weil es mich nicht sonderlich interessiert. Für jeden Zoo, den ich in weiter Ferne besuchen würde, müsste ich auf einen Zoobesuch in meinem bevorzugten Streifgebiet (das mit bislang sechs nicht ganz unwichtigen Zooländern durchaus international ist) verzichten, denn auch meine Zeit ist nicht dehnbar. Deshalb habe ich frühzeitig beschlossen, mir statt hoher Reisekosten lieber Zooliteratur zu leisten und mich auf ein kleineres Interessengebiet intensiv (!) zu beschränken, was mich trotzdem eine dreistellige Zahl von Zoos u.a. öffentlichen Tierhaltungen kennenlernen ließ. Die eigenen Grenzen zu (er)kennen (und sei es nur die eines Interessengebietes) und sich trotzdem in ihnen wohl zu fühlen, kann eine durchaus befriedigende Lebenserfahrung sein; vielleicht werden Sie sie eines Tages selbst noch machen. Die Kenntnis der großen weiten (Zoo)Welt überlasse ich Ihnen gern und neide sie Ihnen kein Stück, sehe darin aber (wie in jeglicher Globalisierung) auch nicht den Gipfel der Glückseligkeit. Mir ist die Zoosicht von Otto Normalbesucher, der mein Nachbar ist, wichtiger als die von Ed Visitor oder Juan Visitante.

Vor der Zoogegenwart verschließe ich genausowenig die Augen wie vor der Zukunft; beide basieren allerdings unbestreitbar auf der Vergangenheit. Je mehr man davon selbst miterlebt hat, als desto wichtiger erkennt man sie, wenn man es sich nicht bequem macht und sie zum überflüssigen Ballast erklärt. Es gab nun mal auch schon eine Zoowelt, bevor Sie und ich uns das erste Mal damit beschäftigten, auch wenn dieser Zeitpunkt bei uns beiden um ca. zwei Jahrzehnte zu differieren scheint. Das, was man in "vergangener" Zeit ansammelt, nennt man übrigens Erfahrung, und die schadet selten...

Zu Ihrer Hagenbeck-Frage: Ein Blick in den heutigen Tierpark belegt, dass sich die meisten der Attraktionen aus der Anfangszeit bis heute erhalten haben. Das Ende der Völkerschauen muss ich wohl nicht näher erläutern, die Dressurhalle wurde spätestens mit dem Ende des Circustierhandels bzw. des eigenen Circusunternehmens überflüssig, das zweite Restaurant wurde im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut (wie übrigens auch mehrere Kunstfelsanlagen). Auf diesen Flächen entstanden dafür neue, zusätzliche Illusionslandschaften und damit wiederum "Spaßzoo", der bis heute Bestand hat.

Ich weiß nicht, was "manch einer" über seinen Heimatzoo denkt, aber über meinen denke ich keineswegs, dass mit der jetzigen Konzeption das Ende oder gar die Krone der Zoo-Entwicklung erreicht ist; deswegen muss ich jedoch den aktuellen Zustand nicht zwangsläufig schlechtheißen. Einer der von Ihnen bespöttelten Blicke in die Vergangenheit reicht, um festzustellen, dass es schon immer neue Entwicklungen gab und demnach erfahrungs(!)gemäß auch zukünftig geben wird. Vor 25 Jahren konnte ich mir schließlich auch noch nicht vorstellen, in Hannover mal per Boot an Giraffen vorbeizufahren, da war auch ich noch gedanklich in der Zoowelt gefangen, mit der ich aufgewachsen war (und das war weder die Artenschutz- noch die Erlebniszoowelt).
(28.01.2009, 22:54)
IP66:   Vielleicht ein kleiner und dezenter Hinweis zum Thema Hagenbeck: Bis 1945 lebten etwa 80 Prozent des Tierbestandes in konventionell umgitterten Gehegen, bei der Eröffnung gab es es nur zwei Panoramen, die recht bald um zwei weitere ergänzt wurden. Der Restzoo auf dem Erweigerungsgelände wurde erst in der Zwischenkriegszeit mit gitterlosen Freianlagen bebaut, und bis heute kann man im Bereich von Giraffenhaus, Huftierställen und Vogelhaus noch ganz gut nachvollziehen, wie seinerzeit auch das Gros der Raubtiere, die Dickhäuter und Affen ausgestellt wurden. Es ist ohnedies schwer, mittlerweile hundertjährige Gedanken für aktuell zu nehmen, zumal sie, auch in den USA, zwischen 1950 und 1970 so gut wie keine Rolle spielten - insofern würde ich bei der Wiederaufnahme der Kunstfelspanoramen eher von einem Zitat der Hagenbeck'schen Panoramen als von einer gleichsam bruchlosen Entwicklung sprechen - womit wir bei der Postmoderne und ihrer Lieblingsbeschäftigung des Verweisens und Zitierens wären.
Die andere von Herrn Sommerlad gestellte Frage, inwiefern der hohe Aufwand pro ausgestelltem Tier auf Dauer zu leisten sein wird, zeigt, daß zumindest die europäischen Spaßzooneubauten an bestimmte Bedingungen gebunden sind. Doch lehnt die Mehrzahl der Besucher bislang weder die beschränkte Artenzahl in Gelsenkirchen noch die afrikanischen Dörfer in Leipzig ab - insofern stoßen jene Elemente, die man in Zukunft vielleicht nicht mehr wird bezahlen können, noch auf Akzeptanz. Konstitutiv scheinen sie mir aber nicht zu sein, sonst müßten Zoos wie jener von Berlin doch weniger Besucher zählen können, als daß der Fall ist.
Grundsätzlich könnte man von einem gewissen Konnex zwischen Massenzoo und Bespaßungselementen sprechen - was auch insofern naheliegt, als, wer mehr Menschen in einen Zoo locken will, als es Tierinteressierte gibt, eben deren nicht zoologisch geprägte Interessen ansprechen muß. Der Aktionärszoo, der nicht auf die Masse setzen mußte, tat genug, wenn er seinen Besuchern neben zoologischem Konversationsmaterial gepflegte Restauranträume mit aufmerksamem Personal zur Verfügung stellte - den Rest leisteten die Herren selbst. Der Massenzoo, unkommunkativer und vor allem eiliger, brauchte da neue Elemente, und daß hat Herr Hagenbeck sicherlich ebenfalls sehr früh erkannt.
(28.01.2009, 17:56)
Sacha:   @Shensi-Takin: "Tarzan, Karl, Klösschen und Gaby"....:) (Ja, auch ich war mal ein Teenie, auch wenn ich damals Karl-May-Romane bevorzugte).

@MM: Nun ja, wir reden ja hier von Kulissen oder umgangssprachlich "Beigemüse". In einem Zoo oder Vogelpark steht das Tier im Vordergrund, nicht die Pflanze. Das gilt demzufolge auch für Zucht- oder Artenschutzprogramme resp. die Artenauswahl.
Bei Institutionen, die sich sowohl Tieren wie Pflanzen verpflichtet fühlen (z.B. Wilhelma) wird es natürlich schwierig. Insofern gibt es bei mir einen gewissen Widerspruch, das gebe ich auch gerne zu. Handkerum nehmen 10 Tulpen wesentlich weniger Platz ein als 10 Deutsche Edelziegen. Also ab damit auf den Bauernhof....:)
(28.01.2009, 16:47)
Shensi-Takin:   @MM: Freut mich, dass ich zu Ihrem Amuesement beitragen konnte-jedoch kam die fortwaehrende Referenz bzgl. Kunstfels als Hauptkriterium von Ihnen...Den von den US-Zoos ausgehenden Trend auf Plastikpflanzeneinsatz reduzieren zu wollen, ist gleichfalls ein Trugschluss, der bei mir die Frage aufwirft: waren Sie eigentlich in den letzten 10 Jahren in einem groesseren US-Zoo?

Der hier angesprochene Trend ist ein internationaler, auch wenn das manch einer aufgrund allzu nationaler Nabelschau zu verdraengen scheint. So wie Sie mich zu einer naeheren Beschaeftigung mit Hagenbeck aufforden, kann ich Ihnen gleichfalls nur erneut zu mehr Aufgeschlossenheit und Interesse ggue. der modernen(!) internationalem Zoowelt anraten. Das fortwaehrende Verweilen in der dt. bzw. speziell hannoveraner und ab und an Hamburger oder Berliner Vergangenheit ist schoen und gut, jedoch sollte man dabei die internationale Zoogegenwart nicht aus den Augen verlieren.
Ob Hagenbeck auf derlei modernen Schnickschnack zurueckgegriffen haette, ist spekulativ; vielleicht haette der kluge Geschaeftsmann die hier von einigen Usern bereits erwaehnte Kostspieligkeit samt Risiko der schnellen Besucherueberdruessigkeit erkannt und dementsprechend andere Wege eingeschlagen. Oder ist Ihre Kenntnis von & ueber Carl Hagenbeck so gut, dass Sie sein Handeln "mit Sicherheit" noch uebers Grab hinaus deuten koennen?
Das mit den flugunfaehigen Enten-und Stelzvoegeln als Deko-Elemente brachten Sie schon des oefteren an; dementsprechend waere im Grunde jeder Zoo ein "Kulissenzoo"-und das bezweifel ich.

Wenn Sie schon so eifrig beim Zitieren des Hagenbeckschen Bsps. sind: warum haben sich die genannten Attraktionen nicht alle erhalten bzw. weitflaechig durchgesetzt? Koennte es sein, dass derlei Kunstzoolandschaften, inklusive der aktuellen Bspe., vielleicht doch nicht allzu bestaendig sind, wie manch einer aufgrund seines Heimatzoos zu glauben mag?

Zu guter letzt: ich moechte im Gegenzug, auch um international zu bleiben ( ;) ) Zhōu Wén Wáng als Erfinder des "Spasszoos" vorschlagen. Lingyou sollte schliesslich dem Kaiser und Edelleuten Spass machen, und wurde dementsprechend auch im Sinne des Kaisers gestaltet. Und wenn der werte Kaiser die heutigen Mittel und Produkte zu Verfuegung gehabt haette, ja dann haette er diese mit Sicherheit fuer seinen Zoo eingesetzt...

Und weil's PSen so gaengig ist:

PS: Was sollte ich mir denn ansonsten unter "TKKG" vorstellen?





(28.01.2009, 16:16)
Ralf Sommerlad:   Ich will doch garnicht bezweifeln, dass der Spasszoo seine Existenzberechtigung hat – und ich bin unbedingt auch der Meinung, dass Hagenbeck vielleicht als Erfinder dieser Präsentationsform gelten muss. Das macht mich letztlich allerdings auch nicht begeisterter von dieser Form eines Zoologischen Gartens als Stätte der Bildung und Refugium des Arten-und Naturschutzes. Aber eine Existenzberechtigung haben wohl beide ( oder vielleicht sogar noch ganz andere ) Zooformen sicherlich – nur nehme ich eben den sogenannten Spasszoo besonders in diesem unserem Lande nicht so wichtig. Die Spasszoos werden, vermute ich in diesen Zeiten, wegen der ausnahmslos hohen Eintrittspreise in den kommenden Jahren ohnehin finanziell zu knabbern haben, mehr jedenfalls als kommunal geführte und durch Steuergeld mitfinanzierte Zoos, an die schon wegen der öffentlichen Förderung zumindest meiner Meinung nach höhere Ansprüche in Bezug auf Forschung und Bildung gestellt werden müssen.
(28.01.2009, 15:03)
Michael Mettler:   P.S., zu den von Gudrun Bardowicks erwähnten "Fühlelementen": Es gibt nicht wenige Menschen, die präparierte Tiere oder auch nur Teile davon mit Ekel betrachten, nie anfassen würden und dies auch ihren Kindern vermitteln. Eine Fühlbox ist da durchaus in der Lage, ein traumatisches Erlebnis zu erzeugen... Sowas ist übrigens ein selten erwähnter Aspekt, der manchem Zoobesucher Erlebnisse vergällt oder gar nicht erst ermöglicht. Wer z.B. vor frei fliegenden Vögeln oder Fledertieren Angst hat (anscheinend gar nicht so wenige Menschen), kann zwar problemlos eine Flugshow meiden, ist aber heute in vielen Zoos vom Besuch interessanter Schauhäuser faktisch ausgeschlossen und kann manche begehbare Voliere nicht mal alternativ von außen einsehen, selbst wenn ihn die Vögel hinter "sicherem" Gitter nicht stören.
(28.01.2009, 14:46)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Ihr Versuch, meine Argumentation einseitig auf Kunstfels reduzieren zu wollen, amüsiert mich sehr; ausgerechnet meine Beiträge in dieser Diskussion befassen sich schließlich am ausgiebigsten mit der Breite und Verbreitung des Spektrums von Spaßzoo-Elementen - und dazu noch "vor der Haustür", statt mich auf zwei Zoos in Übersee zu berufen, die vermutlich der größte Teil der Forumteilnehmer noch nie besucht hat. Statt "AKBG" wäre übrigens auch "TKKG" möglich - nein, nicht was Sie denken, sondern "Trubel, Kunstfels, Kommerz, Gastronomie" :-)

Ermuntern möchte ich Sie allerdings, sich ein wenig näher mit der Geschichte Hagenbecks, seiner Ideen und seines Einflusses auf die Zoowelt zu befassen, denn auch das reduzieren Sie offensichtlich auf den Kunstfels und auf heutige Verhältnisse. Hätte Hagenbeck heutige Technik und heutige Industrieprodukte (vor allem Kunststoffe) zur Verfügung gehabt, er hätte sie mit Sicherheit eingesetzt, auf die Mittel seiner Zeit griff er nämlich gern zurück. Beim Anblick des heutigen, "zugewachsenen" Tierparks vergisst man schnell, dass die Betongebirge anfangs außerhalb der Stadt auf platter Ebene standen und in der damaligen Zoowelt (reisende Zoofans dürften damals noch spärlich vertreten gewesen sein) einen ähnlichen "Kulturschock" erzeugten wie später ihre Nachfolger, die aus den Abrissflächen in Hannover und Gelsenkirchen emporwuchsen. Aber der Zooplan von 1913 zeigt, dass Hagenbecks Tierpark keinesfalls nur mit den Panoramen gleichzusetzen war, sondern haufenweise Spaßzoo-Elemente aufwies: "circusreifes" Eingangstor, Dressurhalle, Völkerschauplatz (natürlich mit Kulissenlandschaften!), Tempelruine, Sauriergarten, Kleineisenbahn, Japanischer Garten - dazu Konzertplatz und zwei riesige Restaurants mit entsprechenden Außenflächen. Grob geschätzt nahm die für Tierhaltung verwendete Fläche nur etwa ein Fünftel des genutzten Geländes ein; und dabei darf man nicht vergessen, dass zu dieser Zeit auch das Tier letztlich nur Kulissenfunktion hatte, denn die Arche-Funktion der Zoos lag noch in weiter Ferne, wenn auch Ansätze schon zu finden waren. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass wir bestimmte Tierarten bzw. -gruppen eigentlich auch heute noch als Kulissen- und somit Spaßzooelemente definieren müssten, da sie hauptsächlich optischen und weniger (erhaltungs-)züchterischen Zielsetzungen entspringen; ich denke da z.B. an Schwimmvögel und Koi zur Belebung von Teichanlagen oder an Stelzvögel (im tierhalterischen Sinn) auf Wiesen und Huftieranlagen. Letztlich dient ja mancher flugunfähig gemachte Kronenkranich oder Marabu auf einer Afrika-Anlage noch heute einem ähnlichen Zweck wie Hagenbecks auf den künstlichen Gebirgen angekettete Geier: zur Abrundung des Gesamtbildes.

Aber zurück zu Hagenbecks "Spaßzoo", den er selbst übrigens mit einem nahezu gleichbedeutenden Ausdruck belegte: "Es galt, eine Wildnis (Anm.: Damit meinte er das Baugelände) in einen Lustpark umzuschaffen, in einen Lustpark mit Wasserläufen und Gebirgsformationen, mit praktischen Tierhäusern und reinen Luxusgebäuden". Auf dem "Gebirge" stand eine Sennhütte, vom Eismeerpanorama - dessen reisender Vorläufer noch mit einem im Eis eingeschlossenen Schiff bestückt war! - führte die anderorts schon diskutierte Riesenrutsche herab, und in einem Tunnel unter dem Südpolar-Panorama "konnten sich die Besucher anhand der Originalfotos in einem Scioptikum (einem Vorläufer des Diaprojektors) auch über die Antarktis-Expedition informieren". Heute würde man letzteres als Multimedia-Präsentation bezeichnen. Die Zitate stammen übrigens aus dem Buch "Hagenbeck - Ein zoologisches Paradies", wie auch das folgende: "Mit dieser Verbindung von naturnaher Tierpräsentation, Gastronomie, Unterhaltung und Erholung hatte Hagenbeck einen völlig neuen Typus von Freizeitpark (!) geschaffen." Welche Auswirkungen das auch auf Amerika hatte, wo Hagenbeck als Tierhändler und Schausteller weithin bekannt war, belegt die Tatsache, dass "Heinrich Hagenbeck in den 1920er Jahren maßgeblich an der Neukonzeption von Zoos in den USA beteiligt war, so unter anderem in Seattle, Detroit und Chicago-Brookfield". Es liegt auf der Hand, dass die Firma Hagenbeck dorthin nicht nur die Verwendungsmöglichkeiten von Kunstfels "exportierte", sondern die gesamte Grundidee ihres "Verkaufsmusters" in Stellingen - und dass diese andernorts (auch in Europa) modifiziert, rück- (Völkerschau) und weiterentwickelt (Plastikpflanzen) wurde.
(28.01.2009, 14:27)
Gudrun Bardowicks:   @ Ulli: Ich besuche den Zoo in Hannover allerdings immer noch in erster Linie wegen dem attraktiven Tierbestand und den vielen guten Zuchtgruppen -z.B. Gorillas, Drills, Haubenlanguren, Elefanten, Huftiere- und nicht wegen der Kulissenlandschaft. Wenn es im Zoo keine interessanten Tiere mehr geben würde sondern fast nur noch Kulissen und Kommerz, würde ich ihn wohl auch nicht mehr aufsuchen. Z.Z. sehe ich diese Gefahr in Hannover allerdings noch nicht, auch wenn ich mir in Yukon Bay lieber einige weitere oder grössere Tiergehege als die ganzen Kulissengebäude wie Restaurants und Souvenirshops wünschen würde. Multimediale Elemente sind in Hannover leider in der Tat unterrepräsentiert und ich wünschte mir mehr davon. Allerdings denke ich, dass man auch die kommentierten Fütterungen, während der häufig sehr viele und gute Informationen über die jeweiligen Tierarten vermittelt werden, und teilweise die Tiershows mit Erläuterungen zum Verhalten der Tiere ebenfalls als multimediale Elementebezeichnet werden könnten. Bei technischen Spielereien,besonders jenen, bei denen es sich um Bildschirme und Informationscomputer handelt (Touchscreens zum Abrufen von Bildern, Filmen oder ergänzenden Infotexten), besteht allerdings die Gefahr, dass diese von Kindern und Jugendlichen als reine Spielereien genutzt werden, deren Informationen gar nicht als solche wahrgenommen werden. Bei diesen technischen Hilfsmitteln kommt es daher auch häufig zu Störungen und Schäden, deren regelmäßige Reparaturen auf Dauer sehr teuer werden können. Im alten Regenwaldhaus in Hannover und auch im Zoo Emmen und ähnlichen Einrichtungen mit vielen multimedialen technischen Elementen sind bzw, waren diese Computer häufig kaputt oder außer Betrieb. Diese Probleme gibt es im Tropenaquarium Hagenbeck speziell bei den Informationscomputern beim Korallenriffbecken und beim Amazonasbecken ebenfalls. Ich habe dort und in anderen Tiereinrichtungen und Museen, die diese Mittel zur Information verwenden, schon häufig gesehen, dass Kinder, aber auch Erwachsene an diesen Geräten nur herumspielen, die Informationen aber nicht gründlich lesen oder gar verarbeiten. In diesen Fällen ist es einfach der Reiz der bunten und bewegten Bilder, der zur Nutzung verleitet, aber häufig vermutlich auch für keinen grösseren Informationswert hat als konventionelle Infotafeln. Das Gesagte gilt natürlich vor allem für ONB. Für mich als wirklich naturkundlich interessierter Zoobesucher sind diese weiterführenden Informationen natürlich schon sehr reizvoll und können i. der Tat auf anschauliche Weise auch viele Informationen vermitteln, für die auf konventionellen Infotafeln bzw. Zooschildern kein Platz ist. Allerdings geht ONB in erster Linie wegen dem Spaßfaktor in einen Zoo, nicht um sein Wissen über Tiere, Natur- und Umweltschutz zu vertiefen.
Spielerische informative Elemente wie z.B. Klapptafeln, Grabbelboxen oder Geweihe, Hörner und andere berührbare Gegenstände oder Tier- bzw. Pflanzenteile finde ich allerdings sehr gut und sinnvoll, und hier gibt es in Hannover, aber auch vielen anderen grösseren Zoos in der Tat Nachholbedarf, zumal so etwas auch nicht allzusehr in die Kosten gehen dürfte. Sie wären sicher eine grosse Bereicherung für alle Zootypen.
(28.01.2009, 13:35)
Michael Mettler:   @Sacha: Soso, Haustieren im Zoo stehst du bekanntlich eher abweisend gegenüber, aber Tulpen = "domestizierte" Pflanzen haben in Zoos wegen ihres natürlichen Ursprungs ihre Berechtigung? Sollten da in den Beeten nicht lieber vom Aussterben bedrohte Wildpflanzen angesiedelt und vermehrt werden...? :-)

@Ulli, in Sachen "Zaungast": Betrachten wir den angesprochenen Punkt mal aus zwei Blickrichtungen. Du bemängelst im Grunde, dass der Mensch (Besucher) in Hannover symbolisch in den Mittelpunkt gestellt wird. Ich finde daran nichts Verwerfliches, ist doch ein Zoo kein Mittel zum Selbstzweck mit Duldung von Besuchern, die sich tunlichst im Hintergrund zu halten haben, sondern vorrangig eine Einrichtung für Besucher. Ich zitiere Prof. Hediger, den Begründer der Tiergartenbiologie: "Die erste und vornehmste Aufgabe eines Zoologischen Gartens oder Tierparkes - ich betone Garten oder Park - besteht darin, einem breiten Publikum, vor allem den Großstadtbewohnern, als Erholungsraum zu dienen. (...) Sie (Zoos) stehen so zu sagen im Dienste der Psychohygiene des strapazierten Großstadtmenschen." (aus Hediger, "Zoologische Gärten gestern - heute - morgen"). In einem Zoo, in dem der Besucher symbolisch an den Rand gedrängt und auf Schlüssellocheinblicke beschränkt würde, wäre es wohl noch deutlich schwieriger, ihm didaktisch zu vermitteln, dass der Mensch "draußen" ausgerechnet durch seine Mittelpunktrolle (!) zur Bedrohung der Natur geworden ist.

Andererseits kann die Zentralisierung der Besucherbereiche auch schlichtweg ein Nebenprodukt des Konzeptes sein, Tierhäuser, technische Einrichtungen und Versorgungswege an die Peripherie zu verlegen - ein Konzept, das übrigens ähnlich in Frankfurt schon im 19. Jh. umgesetzt und bis heute weitgehend beibehalten wurde (und anscheinend auch im Konzept von Niekisch fortgesetzt werden wird). Damit ergibt sich die Ausrichtung der Gehege und schlussendlich der daran entlang führenden Besucherwege von ganz allein. Unterschied zu Frankfurt ist, dass man den Besucher nicht oder nur geringfügig durch die Tierhäuser hindurchführt (Ausnahmen bildet bezeichnenderweise vor allem der alte Baubestand), so dass man deren Innenräume nicht mit weiterem Kosten- und Platzaufwand optisch den Außenkulissen anpassen muss. Die eigentliche Tierhaltung verläuft dadurch sicherlich störungsfreier.

Und das leitet gleich über zum Punkt der fehlenden Besucherperspektiven "von oben und von unten": Ich kann es nur vermuten, denke aber, dass es vielen Tierarten ganz recht ist, wenn der Besucher NICHT auf mehreren Ebenen und an verschiedensten Punkten in ihr Territorium vordringen bzw. sich auf Zentimeter nähern kann. Bei der hannoverschen Löwin z.B. festigt sich bei mir allmählich der Eindruck, dass es ihr lieber wäre, wenn es die Scheibe an ihrem bevorzugten Liegeplatz nicht gäbe, da ich sie nun schon mehrfach bei Drohverhalten gegenüber Besuchern (die wirklich nur geschaut und nicht etwa an die Scheibe geklopft haben) beobachtet habe. Ihr persönlicher Vorteil (geheizte Liegefläche) scheint aber die (zumindest zeitweilige) Abneigung gegen die "Voyeure" auszugleichen. Gerade WEIL solche Einblickmöglichkeiten in Hannover an vielen Gehege fehlen, ist der Besucher letztlich eher (buchstäblicher) Zaungast als mit ihnen. Mir persönlich ist noch ein daraus resultierender Nebeneffekt ganz angenehm: Besonders in Gelsenkirchen, aber auch in Bremerhaven fiel mir auf, dass die vielfältigen "Gucklöcher" auch dazu führen, dass man dadurch im Hintergrund der Gehege zwangsläufig immer wieder andere Besucher sieht, was die Naturillusion etwas trübt. Da finde ich die hannoversche Gestaltung gelungener.

Dass in Hannover ausschließlich visuelle "Erlebnisse" möglich sein sollen, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Das Hören und Riechen von Zootieren ist problemlos möglich, bei manchen Arten sogar besser als in vollverglasten Anlagen anderer Zoos. Dem Ertasten von Wildtieren sind zwangsläufig Grenzen gesetzt (individuelle Ausnahmen bei Tiershows und gebuchten Lieblingstier-Besuchen - beides übrigens Spaßzoo-Elemente), Haustiere stehen zu diesem Zweck reichlich zur Verfügung, und auch die Gestaltung der Besucherbereiche bietet heute deutlich mehr taktile Naturreize als im "klassischen" Zoo (Knüppelholz- und Natursteinbarrieren, Kletterfelsen für Kinder, Bambuspflanzungen statt "abweisender" Dornenhecke usw.). Zum Schmecken - na ja, ich kann zwar nicht unbedingt einen Gorilla ablecken, aber seine Ausdünstungen habe ich nach dem Urwaldhausbesuch noch eine Weile auf der Zunge :-)
(28.01.2009, 13:29)
Ulli:   Kulissenzoo:
die meisten exotisierenden Häuser in Berlin stammen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg (Quelle: Klös, Heinz-Georg: Der Berliner Zoo im Spiegel seiner Bauten 1841 - 1989, eine baugeschichtliche und und denkmalpflegerische Dokumentation über den Zoologischen Garten Berlin. 2. Aufl. Berlin : Zoologischer Garten, 1990.) Ich habe nichts dagegen, wenn man intakte Bauwerke aus dieser Zeit mit einer akzeptablen Möglichkeit der Tierhaltung oder einer vernünftigen Idee der Umwidmung (Cafe, Laden, Themenhaus, Ausstellungen) weiterhin hegt und pflegt. Ich frage mich nur, ob es heute für Zoos Sinn macht, illusionierende Assoziations-Großbauten oder historisierende Neubauten (!) zu erstellen. Es bleibt immer eine Gratwanderung in der Abgrenzung zum Kitsch hin (Wikipedia: Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters emotional minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck).

Dschungelpalast:
Natürlich hat der Dschungelpalast in Hannover unter dem Thema „Tiere erobern sich eine menschliche Behausung zurück“ Charme und ist an sich eine pfiffige Herangehensweise. Nur ist es gerade nicht der landläufige Lebensraum der vorgestellten Tiere und führt insofern den Menschen nicht wirklich zu den vielfältigen Natur-Problemen dieser Region heran. Meiner Kenntnis nach ist das aber auch nicht das Hauptanliegen innerhalb der Konzeption des Zoos Hannover oder in seiner eigenen Selbstdarstellung des „Erlebniszoos“.
Kunstfelsen/Kulissenzoo/Spaßzoo
Kunstfelsen, abgesehen von den plausiblen Einschränkungen von IP66, sind durchaus ein passables Stilmittel in jeder Form von Zoo. Nehmen wir einmal an, man würde die Schimpansen-Außenanlage in Hannover von denselben Fassadenkünstlern aus Frankreich herrichten, ferner die Klettereinrichtungen „biotopnäher“ gestalten, den Weg ähnlich geheimnisvoll und von Gehölzen und Bamus flankiert verschlungen führen, die Glasfronten im Hintergrund mit Felsen, Pflanzen oder Holz kaschieren, die Absperrung außen ebenfalls mit Holz oder Felsen oder an einzelnen Stellen mit Glas gestalten, eventuell noch eine Aussichtsveranda wie bei den Giraffen errichten - sie würde sich abgesehen von der Grünkulisse (durch einen funktionalen Graben ermöglicht) nicht mehr von der Gorillaanlage unterscheiden - und die Kosten wären im Vergleich zu den Kosten für den gesamten Gorillaberg vertretbar. Auch größenmässig würde sich die eigentliche Tier-Anlage nicht wesentlich unterscheiden (Schimpansen 400 qm / Gorillas knapp über 600 qm).
Diese Anlage stammt aber nicht aus der Phase des „Erlebnis-„ oder „Spaßzoos“.
Demnach scheidet Kunstfels oder andere verkleidende Stilmittel der eigentlichen Gehegeabgrenzung als Kriterium eher aus und es bleiben in erster Linie die von Micheal Mettler selbst zusammengefassten, leider wenig charmanten Kriterien.

Multimedia:
Im Zoo Hannover wird in Bezug auf Multimedien eigentlich nur ein (!) Kriterium wirklich berücksichtigt: die visuelle Hineinversetzung in für Mitteleuropäer scheinbar authentische Landschaften. Die anderen vielfältigen Möglichkeiten und auch die Berücksichtigung der anderen Sinne werden in der Regel nicht aufgegriffen.

Position des Menschen im Zoogeschehen:
In Hannover ist im Grunde der Mensch immer im Zentrum des Geschehens, die Cafes in den Themenlandschaften (Sambesi, Dschungelpalst, Yukon) sind immer in der Mitte, Dieses ist meines Wissens konsequent nur in Schönnbrunn auch umgesetzt worden - 1752.
Die Tieranlagen in Hannover liegen drumherum und grundsätzlich an der Peripherie der Wege. Auch werden andere Perspektiven (Blick von oben, Blick von unten) nur sehr selten verwendet: konsequent z.Zt. eigentlich nur bei den Giraffen und in Zukunft bei den Robben.
Meine Vorstellung von Zoo sieht den Menschen dagegen eher als Zaungast - also am Rande des Geschehens.

Position des Tieres im Zoogeschehen:
Und noch etwas trennt mich vom Hannover-Konzept: Ich habe oft das Gefühl, dass es zwar Tiere gibt, die aber konzepttechnisch an die Wand gedrückt werden oder nur Ausstattung bilden und zunächst einmal konzepttechnisch gar nicht da sein müssten. Man erfüllt zwar die Wünsche nach bestimmten Arten (schließlich bringen sie aufgrund des Besuches und den nebenbei anfallenden weiteren wahrgenommenen kommerziellen Angeboten das Geld in die Kasse) - aber immer in Kulissen, die durch den Menschen geprägt wurden - der Zoo ist also eine Art Freilichtmuseum.
Sinnigerweise ist ein Abendbummel ohne die Tiere draußen und ohne die jeweiligen Shows nur durch die „Kulissen“, die aber große Teile der Baukosten gebunden haben, durch den ganzen (!) Zoo nach einer (!) Stunde beendet - ein Abendbummel durch den Tiergarten in Hannover-Kirchrode dauert länger.
Falls man also einmal über eine Nachnutzung nachdenkt - es ist ein ideales Terrain für Abenteuer- und Karl-May-Filme… also wieder Illusionen und Kulisse…
Ich dagegen möchte die vorgestellte Tierart in seiner ganzen Vielfalt in den zentralen Blickpunkt gerückt sehen, also auch mit der Veranschaulichung wie die Tiere manches anders als der Mensch verwenden, die Tiere in einem ökologischen Kontext zu ihrem tatsächlichen und angestammten, zweifellos auch vom Menschen beeinflußten, Lebensraum stehen und die Tiere manches auch körperlich ganz anders wahrnehmen. Übrigens können da auch einzelne Hightech-Elemente wunderbar diese Funktion erfüllen.
Dies führt in meinen Augen weit stärker zur Veränderung mancher (Seh-) Gewohnheiten und angestammter Blickwinkel und zu einer Sensibilisierung „ich kann nur schützen, was ich wirklich kenne“ und das Tier ist „in seiner Art etwas Außergewöhnliches und Besonderes“.
Die Vorstellungen von Herrn Niekisch im Zoo Frankfurt sind unter dieser Prämisse dem Zoo Hannover konzeptionell um Lichtjahre voraus.

Der Zoo Hannover versinnbildlicht also zunächst eher den „boah“-Effekt und weniger den „aha“-Effekt in Form von persönlichem Erkenntnisgewinn oder dem „hmm“-Effekt in Form von Nachdenklichkeit. Zur Ehrenrettung: Die Zooschullehrer und die Scouts versuchen diesem ersten Eindruck in seiner Ausschließlichkeit natürlich (erfolgreich) entgegenzusteuern. Aber wer sucht in der Regel schon die Zoowissenschaftler, die Zooschullehrer, die Scouts oder die Tierpfleger auf…

Kommerz:
Ich finde es fragwürdig, dass man in Hannover die Verweilzonen konsequent nahe und fast ausschließlich an die kommerziellen Angebote rückt. Die damals von den Zoofreunden angeschafften mobilen Stühle waren schnell verschwunden. Und ich finde es überhaupt nicht „spaßig“ ständig von solchen Angeboten traktiert zu werden oder in Diskussionen über Anschaffungen verwickelt zu werden - auf diese Art „Erlebnis“ möchte ich gerne verzichten.

zu Walsrode und Spaßzoo: vielleicht rühren ja manche der heutigen Probleme tatsächlich aus dem Konzept aus seiner Glanzzeit (riesige Flächen mit Rosenbeeten, Sommerblumen, Rhododendren und englischem Rasen, Windmühle, Wasserspiele, künstliche Wasserfälle, mehrere über der Park verteilte Souvenirshops, Besucher achteten häufig mehr auf die blühenden Tulpen als auf die Vögel usw.). - nur dass diese Präsentionsform heute nicht mehr dem Zeitgeschmack der Mehrheit der Bevölkerung entspricht … und das Problem kann (!) dem Zoo Hannover irgendwann leider auch blühen.
(28.01.2009, 11:39)
IP66:   Ich würde ich der Überlegung anschließen, daß die berliner Stilbauten einem ähnlichen imaginativen Bedürfnis entsprangen, wie sie manches heutige Urwaldhaus oder exotisierende Zoogebäude hervorgerufen haben. Allerding scheint mir, daß die Einstellung zum Tier und auch zum Zoo im 19. Jahrhundert denn doch eine andere war, daß es nicht darum ging, einen als natürlich empfundenen Kontext zu schaffen, sondern eher eine völker- und stilkundliche Ergänzung zu den ausgestellten Einzeltieren zu bieten. Gerade der Eindruck von "natürlichen Lebensräumen", den die Firma Rasbach so gerne verspricht, scheint sich mir für den heutigen Besucher des berliner Zoos nicht einzustellen. Allerdings würde ich Frau Bardowicks insofern zustimmen, als ich die Rekonstruktionen der Toranlagen oder von Teilen des Antilipenhauses ebenso auf eine postmoderne Einstellung zur Architekturgeschichte zurückführen würde wie die Bereicherung der Kunstfelskulissen durch exotisierende Staffagebauten in Leipzig, Hannover oder Gelsenkirchen. Den Erhalt der Rinder- oder Hirschhäuser dagegen, der ja schon in den 50er Jahren beschlossen wurde, scheint mir eher in der Tradition begründet, zumal gerade Herr Klös ja jenseits von Kinderzoo und Altbauten sehr aktuelle Architekturen bevorzugte.
Es stimmt natürlich schon, daß ich meine Spaßzoodefintion tatsächlich aus den Erscheinungsbildern und Publikationen der großflächigen Neubauten zusammengebastelt habe. Das kann man kritisieren, allerdings wollte ich vermeiden, daß man Gestaltungsprinzipien, Neubaufinanzierung, Zooverständnis, Besuchererwartung und politische Einflußnahme völlig auseinanderdefiniert. Ich denke tatsächlich, daß ein Teil der Spaßzoo-Grundlagen wie etwa die Arche-Ideologie und die Forderung nach Großgehegen, von Herrn Nogge und seinem Stab entwickelt wurden, daß aber in Köln dann doch entscheidende Grundbedingungen für einen definitionsgemäßen Spaßzooneubau nicht gegeben waren: So fehlten für einen geographisierende Neubau die Fläche, für einen Totalneubau die öffentlichen Mittel und in vielen Bereichen wohl auch die kommerzielle Ausrichtung. Gerade die Kunstfelsen im Elefantenpark scheinen mir da sehr bezeichnend - wenn man sie mit den entsprechenden Elementen in Hannover oder Gelsenkirchen vergleicht, merkt man, welch konventioneller und letztlich doch in den 70er Jahren begründeter Entwurfsstil dem kölner Elefantenhaus zugrunde liegt.
Mir scheint es wichtig, von einer Spaßzookritik oder Begeisterung zu einer Analyse der entsprechenden Zooneubauten zu gelangen, um aufmerksam für Veränderungen zu werden, die sich durch derzeit in Planung befindliche Neubauten ergeben, aber auch, um erkennen zu können, inwiefern die Ideen der Jahrtausendwende tatsächlich ältere Entwicklungen aufgreifen, neue Ideen formulieren und vor allem, welches Naturverständnis ihnen zugrunde liegt.
(28.01.2009, 11:23)
Sacha:   @Michael Mettler: Zu Deiner Zusammenfassung von "Spasszoo":

In punkto Zoo Berlin sehe ich es wie Du. Viele Kulissen, die dem Tier nicht dienen. Ob man hier einen Unterschied zwischen "historisch" und "neumodischer Kitsch" machen darf und soll ist wohl Ansichts- resp. Geschmackssache. Ich persönlich finde ja.

Zur "Zooelement-Regel":
Hier müsste man ergänzen resp. ändern:
- Elemente, die NICHT natürlichen Ursprungs sind und Platz verschwenden. Somit hätten die Tulpen in Walsrode wieder ihre Berechtigung. Der Wasserfall bliebe dann eine Streitfrage (Wasser = natürlich, die Technik für den Wasserfall aber von Menschen gemacht).

Grundsätzlich glaube ich auch, dass man Zoos nach den genannten "Spasszoo"-Kriterien gar nicht unterscheiden kann, weil sich überall welche finden. Die Frage ist, was man daraus macht. Und da ist vieles wirklich nur Geschmackssache. So bin ich persönlich für Naturillusions-Elemente wie (GUT GEMACHTE) Kunstkulissen, Kunstpflanzen, Vogelstimmen ab Band usw., aber gegen Jeep-Wracks, Tierkadaver, leckgeschlagene Boote, verlassene Forschercamps usw. - AUSSER sie lassen sich vom Besucher (oder gar vom Zootier) interaktiv nutzen.
(28.01.2009, 10:50)
Shensi-Takin:   @MM: MEn passt "Kulissenzoo", oder "AKBG" immer noch besser als "Spasszoo"-zumal von Ihnen erwaehnte "Gegenbspe" durchaus als Teil der Kulissenlandschaft aufzufassen sind.
Was angeblich "veraltete" Konzept vom tiergerechten Gehege angeht-s. z.B. das von mir genannte Bsp. aus DK.

Versuchen Sie bitte nicht, den Kunstfels als alleiniges Kriterium ausmachen zu wollen-denn dann wuerde Sie sich im Grunde selbst widersprechen; s. "Minengeist, Safarisimulator, Bootsfahrt" als weitere Bestandteile. Das Ausmass, die dabei verwendeten Materialien und Multimediaelemente zur Erschaffung der "Kulissenzoolandschaften" finden sich weder bei Hagenbeck noch bei noch frueheren Zoobauten. Der heute(!) zu beobachtende Trend ist auf die Amerikaner zurueckzufuehren, und wurde in Europa wohl zuerst von den Hollaendern aufgegriffen.
(28.01.2009, 08:05)
Gudrun Bardowicks:   Ich selbst denke allerdings, dass der Berliner Zoo ebenfalls ein Kulissenzoo ist, da dort noch sehr viele exotisierende Tierhäuser und Eingangsportale existieren, die letztendlich auch auf die Herkunftsländer der in ihnen bzw. auf den Freisichtanlagen vor ihnen lebenden Tiere hinweisen. Ich denke hier nur an die Rinderhäuser für Wisente und Bisons, das Antilopenhaus für Giraffen und Antilopen, die asiatischen Rinderhäuser für Gaure und Bantengs, die ehemalige Alpenanlage für Sibirische Steinböcke, Mähnenschafe und Tahre oder den noch relativ neuen Kinderzoo in Bauernhofform. Gerade diese exotisierenden Bauten dürften auch heute noch bei vielen Besuchern des Berliner Zoos gut ankommen und vielleicht sogar eine der Hauptattraktionen für die den Zoo besuchenden Touristen sein. Diese historischen bzw. originalgetreu wiederaufgebauten Gebäude erinnern mich doch sehr an den Dschungelpalast, das afrikanische Dorf und den Hof Meier in Hannover, an die afrikanisch, asiatisch und alaskanisch angehauchten Gebäude in Gelsenkirchen oder den Elefantenpalast und die Tigeranlage in Leipzig. Der grosse Unterschied zu Hannover und Gelsenkirchen und teilweise auch zu Leipzig dürfte sein, dass die Bauten im Berliner Zoo oder vergleichbare Gebäude in Köln, Amsterdam und Antwerpen historische Gebäude sind, bei denen es sich auch um Kulturdenkmale handelt, während es sich bei den Neubauten in Hannover, Gelsenkirchen und Leipzig um Neubauten aus dem Anfang des 21. Jhd. handelt, die historischen, kulturellen oder kunstgeschichtlichen Gebäuden nachgebildet sind. Letztendlich würde ich aber auch die historischen Zoos in Berlin, Amsterdam, Antwerpen oder auch Paris als Kulissenzoos bezeichnen, welche allerdings bisher nur recht wenige Spaßzooelemente aufweisen. Dieses ändert sich aber allmählich, wie man beispielsweise an der starken Zunahme von Kinderspielplätzen und den Neubauten von Flußpferdhaus und Pinguinhaus im Berliner Zoo in den letzten Jahren oder der im Gang befindlichen Umgestaltung der Zoos in Amsterdam und Antwerpen mit "Spaßzoo"-Elementen sehen kann.
(27.01.2009, 23:30)
Michael Mettler:   @IP66: Dass der Berliner Zoo "sehr weitgehend auf Kulissen verzichtet", ist mir neu. Antilopenhaus, Maurischer Pferdeturm, Siamesisches Rinderhaus oder Almhütte am Gebirgswiederkäuerfelsen sind Kulissenelemente, und auch wenn der Zoo lieber mit Naturstein als mit Kunstfels arbeitet, so folgen doch viele seiner Freianlagen dem selben Gestaltungsprinzip: Das Tier auf der Bühne, Graben davor, Felswand dahinter... Im Kölner Elefantenpark gibt es lange Kunstfelsreihen, wo schlichte Betonwände die gleiche Funktion erfüllt hätten, und andere Anlagen neueren Datums bedienen sich ebenfalls der Kulissenmethode, siehe Leoparden- und Schneeleopardenanlage oder Eulenkloster. Wirklich nur den Tieren zuliebe oder vielleicht nicht doch, weil man sich dadurch mehr Zuspruch bei den Besuchern erhofft - obwohl GERADE der Kölner Zoo ein so ausgeprägtes Didaktik-Konzept verfolgt, dass es ihm doch mittels Schautafeln ein Leichtes sein müsste, dem Besucher Schlichtgehege als völlig ausreichend zu vermitteln. Somit wäre es auch interessant zu wissen, ob der Elefantenpark in schlichtester Betonarchitektur oder eine Schneeleopardenanlage im Stil der Wilhelma-Bergaffengehege genauso viele Besucher anlocken würde wie in der realisierten Form.

Dass Hannover in der Vor-Umbau-Zeit keine spektakulären neuen Arten angeschafft haben soll, bedarf einer Klärung. Das Besucher-Wunschsortiment von Elefant über Giraffe bis Känguru war vorhanden, darunter alle "wichtigen" Dickhäuter und Großkatzen sowie drei Menschenaffenarten. Unter diesen Umständen fällt es zwangsläufig schwer, spektakuläre POPULÄRE Arten hinzuzuholen - Pandas und Koalas waren nicht machbar. Spektakuläres für den zoologisch Interessierten kam in der städtischen Zeit durchaus hinzu, ich denke da z.B. an Sömmeringgazellen, Nebelparder, Schneegeier oder Arabische Oryx; die ziehen allerdings keine Besuchermassen an. Die letzten großen Neubauten dieser Ära waren bei Start des Umbaues zum Erlebniszoo 12 Jahre (Urwaldhaus) bzw. 7 Jahre alt (Greifvogel-Großvoliere - übrigens eine Illusionslandschaft mit Kunstfelskulisse).

Nochmal zur Definitionsfrage: Welche Eigenschaften hat eigentlich ein Spaßzoo-Element? Wenn ich die bisherigen Aussagen zusammenfasse, entsteht ungefähr folgendes Bild: Ein Spaßzooelement ist in der Regel etwas, das
- vom Zootier nicht genutzt werden kann;
- viel Geld und/oder Platz kostet, das der Zoofan lieber in zusätzliche Gehege und/oder Artenschutzmaßnahmen investiert sähe;
- eine Illusion erzeugt;
- dem Kommerz dient;
- vom Tier ablenkt.
Nach dieser Definition war Walsrode in seiner Glanzzeit ein Spaßzoo (riesige Flächen mit Rosenbeeten, Sommerblumen, Rhododendren und englischem Rasen, Windmühle, Wasserspiele, künstliche Wasserfälle, mehrere über der Park verteilte Souvenirshops, Abenteuerspielplatz, Besucher achteten häufig mehr auf die blühenden Tulpen als auf die Vögel usw.). Die neueren Entwicklungen wie UHU-Burg, Tiershows oder Streichelzoo (Bauernhof-Illusion - eine Muster-Legebatterie käme der Wirklichkeit schließlich näher und könnte auf Problematiken aufmerksam machen!) reiten auf dieser Welle weiter.

Vielleicht sollte man das Pferd mal andersrum aufzäumen: Wenn ein Zoo bei einem eingefleischten Zoofan die Reaktionen hervorruft "Muss man denn unbedingt ALLES ummodeln?" und "Was hätte man mit dem vielen Geld STATTDESSEN alles anfangen können...", dann ist es ein Spaßzoo :-)
(27.01.2009, 22:23)
IP66:   Ich wäre vorsichtig, die Zooneubauten in Gelsenkirchen und Hannover als gleichsam gelungene Ablösung veralteter Konzepte zu beurteilen. Wenn dem so wäre, dürften eigentlich nicht in Berlin jährlich über drei Millionen Menschen zwei Zoos besuchen, die auf Kulissen sehr weitgehend verzichten, und auch der Erfolg des vgerleichsweise kulissenfreien Elefantenparks in Köln ließte sich so kaum begründen. Ich würde es eher so sehen, daß bei Zoo- oder Gehegeneubauten derzeit gerne postmodern geprägte Kunstfelslösungen gewählt werden, und daß man in den Zooplanungsetagen ein bestimmtes Besucherbild hat, das man bedient, zudem eine bestimmte Vorstellung von Tierausstellung, die man für "zeitgemäß" hält. Wenn man diesen Planern sehr viel Geld zur Verfügung steht, erzielen sie recht eindrückliche Besuchererfolge - ob dies an der Qualität der Neubauten liegt oder an der Tatsache, daß es diese einfach gibt, ist schwer zu beurteilen.
In Hannover war seit Jahrzehnten kein Neubau mehr entstanden, desgleichen in Gelsenkirchen. Beide Zoos betrieben eine eher zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit und hatten ihre Tierbestände nach und nach reduziert, ohne spektakuläre neue Arten anzuschaffen. Es wäre interessant zu wissen, ob ein Kinderzoo wie der jetzt an der Leine verwirklichte, mit Winterzoo- und gastronomischen Aktivitäten, aber ohne Kulissenelemente, nicht einen ähnlichen Erfolg erzielt hätte. Desgleichen hätte man in Gelsenkirchen auch einen Parkteil für nordische Tierarten anfügen können, der sich an den Gehegeneubauten in Friedrichsfelde orientiert, und damit die immer noch recht bescheidenen Besucherzahlen erzielen können. Ob das so ist, wissen wir nicht, ich denke aber, daß die Zooneubauten mehr über Entwurf und Konzept aussagen als über die Wahrnehmung des einzelnen Besuchers, der bestimmte Tiererlebnisse, eine praktikable Gastronomie vielleicht viel stärker wahrnimmt als Gehegeabgrenzungen oder elegant disponierte Tierhäuser.
(27.01.2009, 19:01)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Auch mit dem durchaus schönen Begriff "Kulissenzoo" ist der Zootyp, um den es hier geht, nicht umfassend abgedeckt - leider. Denn Minengeist, Safarisimulator, Bootsfahrt oder auch das oft beklagte Kommerzielle in Form reichlicher Souvenirshops werden damit nicht abgedeckt. Es ist wirklich schwierig, eine passende Bezeichnung zu finden.

Wenn der Besucher von einem "gesunden Tier in einem schlichten Gehege" mehr hätte, dann frage ich mich, warum genau dieses Konzept in Hannover, Gelsenkirchen oder Arnheim (ist zwar international, aber in meinem Streifgebiet...) nicht mehr funktioniert zu haben scheint (Nochmal die Frage: Wie war das eigentlich in Leipzig?), wodurch die Umorientierung überhaupt erst ausgelöst wurde.

Die reichliche Verwendung von Kunstfels hat übrigens keineswegs seinen Ursprung in US-Zoos, da erinnere ich nochmal an Hagenbeck und an eine frühere Aussage von IP66, dass man sogar schon weit vorher in Landschaftsgartengestaltungen damit gearbeitet hat. Hagenbeck beschränkte sich dabei ja nicht nur auf die Felskulisse (die im Falle des Eismeerpanoramas m.W. sogar eis-weiß gestrichen war), sondern sorgte mit Palmen u.a. Pflanzen in der Saison für eine Abrundung der Illusion. Ich weiß nicht, wie erschwinglich Kunstpflanzen zu dieser Zeit waren - aus Textil gab es mit Sicherheit schon welche - aber Hagenbeck hätte bestimmt keine Abneigung gehabt, sie an passenden Stellen einzusetzen. Und ER war es, der auch die Entwicklung der US-Zoos letztlich maßgeblich beeinflusste. Dass man in den Staaten gern der Meinung ist, alles Mögliche selbst erfunden zu haben, wurde mir schon mal erzählt :-)
(27.01.2009, 17:41)
Shensi-Takin:   @MM: Auch aus diesem Grund finde ich den Begriff "Spasszoo" unzutreffend. Es wurden bereits passendere Begriffe, wie etwas Ullis "Kulissenzoo", vorgeschlagen.

Die heute in deutschen bzw. europaeischen und zunehmend auch asiatischen Einrichtungen anzutreffende moderne Kunst(fels/pflanzen...)zoolandschaft hat ihren Ursprung in erwaehnten amerikanischen Einrichtungen-und der hier besprochene Trend war (bereits vor Jahren) bzw. ist in US-Zoos ebenfalls zu bemerken. Sogar National Geographic brachte diese Beobachtung in einer Ausgabe in den 1990igern zu Papier.

"In Relation"-aber selbst dann bewegt sich das Ganze meist nicht in Millionenhoehe-selbst wenn man noch einen Leiterwagen drauflegt...

"Kulissenlandschaften" gibt es v.a. in der Aquaristik (und z.T. Terraristik) idT seit laengerem-nur beschraenkt man sich dabei meist (von Ausnahmen wie der Kobra in der Ruinenkulisse) auf eine Biotop(!)nachahmung im kleinen (raeumlichen und finanziellen) Rahmen. Dichte Bepflanzung, die auch nicht mit "Hot wire" abgegrenzt ist, kommt zudem gerade "aengstlicheren" Fischen wie Neonsalmern zugute...

Ein "Nicht-Spasszoo" muss nicht zwangslaeufig auf Sichtbeton und Maschendraht beschraenkt sein-ebenso wie sein Konterpart darauf hinter den Kulissen verzichten kann. MEn hat ONB mehr (auch hinsichtlich Wissensvermittlung) von einem gesunden Tier in einem schlichten Gehege, das trotzdem seinen Beduerfnissen und denen des Besuchers gut bis sehr gut gerecht wird, als einer ueberteuerten, kitschigen Kulissenlandschaft, die allenfalls dem Besucherbeduerfnis der reinen Tierdarbietung (unter dem Deckmantel der "natuerlichen" Kulisse) wird.
Zum Vergleich, auch wenn es Ihnen, da international, nicht zusagen mag:
Eisbaergehege im Zoo von Detroit und im Skandinavisk Dyrepark, Daenemark.
Allerdings muss man sich nicht von einem Extrem ins andere fluechten; es gibt das eine oder andere Bsp. fuer zufriedenstellende "Hybride" (Arnheim z.B.), auch wenn u.g. Gefahr der Kitschueberfrachtung (um das Aquarium-Bsp aufzugreifen: Neonsalmer zwischen Taucher und Plastikschaedel...) immer wieder praesent ist.

(27.01.2009, 15:01)
Michael Mettler:   @Shensi-Takin: Die Definition eines Spaßzoos wird durch einen globalen Blick eher schwieriger als einfacher, da wir es dann wieder mit sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und somit auch unterschiedlichen Besuchererwartungen zu tun bekommen. Mancher Chinese würde zum Spaßzoo vielleicht als unverzichtbar hinzuzählen, lebende Hühner an Raubtiere verfüttern und sich neben einem zahmen (oder doch eher auf mehr oder weniger zweifelhafte Weise ruhiggestellten) Tiger fotografieren lassen zu können. Ob uns das in einer Diskussion, die sich einst vor allem an Gelsenkirchen und Hannover entzündet hat, wirklich weiterhilft als der Blick auf die Zoolandschaft der näheren Umgebung? Deshalb interessiert mich persönlich ein künstlicher Baobab in Kronberg erheblich mehr als einer in Florida, den Blick in die große weite Welt überlasse ich da lieber den Weitgereisten unter uns....

In Relation zur finanziellen Gesamtsituation dürfte übrigens die Investition einer stilechten Blockhütte oder eines Fachwerkstalles in einem Wildpark oder Haustierpark durchaus vergleichbar mit einem Zoo-Großprojekt sein. Nicht ohne Grund dürfte z.B. die veranschlagte Bauzeit für die neue Kleinraubtieranlage in Springe auf drei Jahre (!, laut Aushang an der Baustelle im Januar letzten Jahres) angelegt sein - obwohl man auch diese Tiere wie bisher in ganz gewöhnlichen Käfigen/Volieren statt in Naturillusionen zeigen könnte.

"Übertriebene Kulissenlandschaften" sind ja nun auch keine Neuerfindung, im Grunde wurde nur auf Großtiere übertragen, was man mit Kleintieren in den Zoos schon lange macht. Wer will, kann nämlich auch z.B. die Gehegegestaltung im Frankfurter Grzimek-Haus oder das weit verbreitete, prächtig bepflanzte, lichtdurchflutete und mit klarem Wasser bestückte Amazonas-Aquarium mit Neonsalmlern als Disney-Kitsch klassifizieren.

In Sachen "Message": Um wieviel besser kommt die eigentlich in einem "Nicht-Spaßzoo" rüber? Ist der Lerneffekt für den Besucher wirklich mit Sichtbeton und Wandkacheln größer? Nimmt ein Besucher mehr Wissen über eine Tierart mit nach Hause, wenn sie in einem schlichten Maschendrahtauslauf statt vor Kunstfelskulisse und hinter kostenaufwändigen Graben- und Panzerglasabsperrungen zu sehen ist?
(27.01.2009, 14:18)
IP66:   Die Grundidee der Spaßzoos liegt ja eben darin, die Wünsche der Besucher und deren Vorstellung von idealer Haltung möglichst umfassend und deckungsgleich umzusetzen. Und da gilt eben Beton als schlecht, Kunstfels dagegen als vegrüßenswert, weil das eine die landläufige Vorstellung eines "natürlchen" Geheges stört, das andere ebendiese erzeugt. Und wenn man dann auch noch regelmäßig auf gesteigerte Besucherzahlen und Zufriedenheitswerte beim Publikum schaut, so tut man zwar nichts böses, aber man gerät in eine sich selbst bestätigende Spirale, aus der schwer herauszukommen ist - vielleicht am ehesten, wenn die gewaltigen Mittel, die die Illusionen verschlingen, nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich denke, daß der "Spaßzoo"-Typ letztlich so lange realisiert werden wird, wie das System funktioniert, also die Gelder fließen, die Besucher die Gehege als "natürlich" und "tiergerecht" empfinden und kein neuer Zootyp ein alternatives Tiererlebnis ermöglicht.
(27.01.2009, 10:41)
Shensi-Takin:   @MM: Vielleicht taete ein Blick jenseits des Atlantiks (oder auch innerhalb Europas, etwa gen Westen/Sueden) ganz gut, um nicht auf unzureichende Vergleiche zurueckzugreifen zu muessen. Denn kaum ein hiesiger Wildpark, geschweige denn ein "durchschnittlicher", investiert in dem Umfang und Ausmass in seine "Immersion/Illusionsselemente" wie erwaehnte amerikanische Einrichtungen. Die "Kulisse", wie von @Ulli richtig tituliert, draengt sich bei manch einem zunehmend in den Vordergrund; sie mag zwar mitunter der Not (etwa der 'Camouflage' der Staelle) entspringen, aber das sollte die Tiere nicht nur zu "Statisten" und "Cash cows" verkommen lassen. Und wie schon richtig bemerkt: entsendet das Gehege dem Besucher ggue. wirklich die richtige "Message" bzw. Information, wenn es Afrika/Asien/Amerika usw. zur austauschbar-beschoenten Kulisse verniedlicht, Beduerfnisse der Tiere, wie oft zu beobachten, aber dabei vernachlaessigt?

Manches stimmt einen in Hinblick auf die Tierhaltung schon nachdenklich: wird da Geld und Platz zuungunsten der gehaltenen Tiere ver(sch)wendet? Etwa, wenn in einem Zoo der 8. Jeep oder 5. Safari-Simulator vor sich hinrostet, wo man eigentlich ein ordentliches Hengst/Bock-Gehege bauen koennte? Verkommen, wie Herr Sommerlad absolut richtig bemerkte, die Tiere zum "schmueckenden Beiwerk" und der Arten-und Naturschutzgedanke zum PR-wirksamen, fadenscheinigen Feigenblatt fuer ueberbordenden Kommerzialismus? Das mag uebertrieben klingen, aber ist durchaus in der einen oder anderen Form und Einrichtung (s. Bayern-Park, Dreamworld etc.) zu beobachten.
Dass im Grunde alle Regenwaldhaeuser und Aehnliches im Zoo nur idealisierte "Momentanaufnahmen" sind-darauf habe ich schon unter "Eure Planung" in Form eines "realistischen" Regenwaldhauses hingewiesen. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass man es mit der Kulissenlandschaft uebertreiben und das Ganze zur "Fun"-Farce verkommen lassen muss. Ein echter Baum (oder echter Berg), und wenn es aufgrund unguenstigem Klimas auch kein Baobab ist, bringt allen Beteiligten mehr als ein teurer Fieberglas-Baum (oder -Berg). Selbst manche Tiere scheinen deutlich sichtbar das Echte dem Kuenstlichen vorzuziehen; so wurden in US-Zoos Affen dabei beobachtet, dass sie Wasser von echten, nicht aber von Plastikpflanzen leckten.

Und was Kunstfelsen anbelangt: die moegen zwar billiger und besser modellierbar als Naturfelsen sein, haben aber einige Nachteile; so ist ihre "HWZ" nicht unbedingt die laengste, und aufgrund ihrer im Vergleich zu Naturfelsen schlechteren Waermespeicherung strahlen sie mehr (Sonnen)Hitze ab-was bei Tieren mit beschraenktem Thermoregulationsvermoegen (wie etwa Robben oder sonnenbadende "weiße Riesen") v.a. bei sich erwaermenden Wasserbecken zu Problemen fuehren kann. S. AAZV Proceedings LA, 2008.

Summa summarum: Kulissen = ja, wenn erforderlich und zweckmaessig; aber, wie alles, moeglichst nicht im Uebermass, wie etwa bei Disneyland und Co. "Plastikgeschmack" ist unangenehm-das wissen nicht nur Affen...
(27.01.2009, 10:30)
Ulli:   Ergänzung zu meiner Äußerung zum Sägewerk im Yukon. Natürlich ist es eine recht geschickte Tarnung der Rückseite des Elefantenbullenstalles Andererseits war es auch gar nicht nötig so weit an den Stall heranzugehen, denn letztlich befindet sich hier nur der als Goldmine kaschierte Durchgang. Die verwendete Reifenmarke beim LKW ist mir absolut wurscht und auch völlig belanglos.

Das Sägewerk kann man aber didaktisch wunderbar als Aufhänger für die Bedrohung der Borealen Nadelwälder verwenden. In einem Pavillon oder durch Klapptafeln, Kopfhörer etc.
kann man wunderbar auf die Gefahren der Abholzung durch die wachsende Holz- und Papierindustrie hinweisen, eine Verknüpfung zu dem eigenen Papierkonsum herstellen und mit dem Hinweis auf die schwindenden Wälder auch auf die Klimaproblematik eingehen.

Aber gerade diese Präsentation wird im Zoo Hannover nicht angestrebt, weil es die Illusionen ankratzt. Eigentlich ist es sogar nicht schlimmer: Statt die Vernichtung zu thematisieren und zu problematisieren, wird hier das Sägewerk eher in eine Natur-Idylle verwandelt.

Nebenbei: Die drei bunten Reitelefanten, die im Zuge des Yukons an der Stelle verschwunden sind, hatten gerade bei Kindern mit dem Beklettern einen hohen Stellenwert und hatten damit einen weitaus höheren Unterhaltungswert als das Sägewerk und der Minengang zusammen.


@Micheal Mettler:

Du hast mit den Einwendungen in vielem recht - ich denke, dass wir in einer Diskussion in vielen oder den meisten Aspekten letztlich zu einem Konsens kommen werden.

Auch ich habe ein Faible für abwechslungsreiche und verschlungene Pfade (z.B. Tiger- und Elefantenpfad bei Hagenbeck, du wirst es vielleicht nicht glauben: auch die Wegführung im Sambesi Hannover), phantasievolle Aussichtsplätze und ergänzende Details. Bei Zoo-Tycoon muss ich mir immer die Lästereien meiner Familie hinsichtlich meiner „Ambiente-Neigung“ gefallen lassen.

Nur wandelt Hannover (den kenne ich nun einmal am intensivsten - bei Leipzig oder Gelsenkirchen habe ich nur einen Eindruck davon) in meinen Augen leider zu sehr auf rein visuellen Pfaden und berührt oft die Grenze des reinen „Kitsches“ (hier treffend Wikipedia: Kitsch steht zumeist abwertend gemeinsprachlich für einen aus Sicht des Betrachters emotional minderwertigen, sehnsuchtartigen Gefühlsausdruck / zur Abrundung, aber weniger treffend in dem Zusammenhang der Brockhaus: Kitsch, geschmacklos gestalteter Gebrauchs- oder Schmuckgegenstand. )

Falls du dich erinnern kannst, war ich einer der Ersten im Forum, der gesagt hat, dass die Präsentation eines Zoo-Regenwaldes mit einem Natur-Regenwald wenig gemein hat und auch eine reine Illusion darstellt. Aber der Leguan kann das Ambiente (abgesehen von Beeinträchtigungen durch die Besucherwege, die daraus resultierende Fluchtdistanz und konkurrierende, eventuell ihm überlegene Arten oder Artgenossen ) für die eigenen Lebensbedürfnisse tatsächlich umformen und verwenden.

Die Aussichtsveranda bei den Giraffen im Zoo Hannover finde ich wirklich sehr gelungen und schön. Kleine Lästerei: sie vermittelt tatsächlich einen authentischen Tourismusblick von einer Lodge aus - ist hier nicht störend und angemessen. Aber ein Brunnen, der tatsächlich veranschaulicht, was neben den guten Einnahmen der Tourismus für fatale Auswirkungen auf den Wasserverbrauch in Afrika hat, wäre auch eine sinnvolle Ergänzung. Aber dieser Widerhaken wäre der Illusion gerade abträglich.

Zu den Löwen: Vielleicht ist die hier schon kritisierte riesige Löwenananlage in Wuppertal mit ihrer schieren Größe einfach eine angemessenere Abbildung des Lebensraumes und des Familienlebens als überspitzt ein Kral mit Aussichtsfenster zu den Löwen (gibt es in Hannover so natürlich nicht !!!) Ach ja - natürlich muss man in hiesigen Klimaten tropischen Arten Innenanlagen bieten, aber die wenigsten Innenanlagen in Hannover, also auch die Löwen, kann man besichtigen. Denn mit ihrer Nüchternheit wären die Innenanlagen der Illusion gerade abträglich.

Kleine Anmerkungen zu den Wildeseln: Die sind erst sehr viel später eingezogen als die Mendesantilopen. Übrigens suchen Mendesantilopen durchaus auch Felsen und Buschgebiete auf. Die jetzt vorhandenen Steinkulissen kommen damit also sowohl den Mendesantilopen als auch den Somali-Wildesel zugute. Dass die Böden in Zoos natürlich anders aussehen müssen als im Freiland ist allgemein bekannt. Nur: In Anbetracht der arabischen Kulisse, also einer von Menschenhand erstellten und für seine Zwecke umgeformten Natur-Kulisse, wären Hausdromedare und Hausesel tatsächlich die ideale Besetzung. Der normale Zoobesucher würde es wahrscheinlich sogar begrüßen (es gibt wieder Kamele !) - in Bezug auf den immer wieder propagierten Artenschutz gerade in Bezug auf alle drei Arten wäre eine solche Entscheidung natürlich fatal. Aber wozu soll diese neue Kulisse dann dienen. Und wenn man nun schon auf Illusion setzt: ein Blick in den Atlas genügt, um zu erkennen, dass der Sambesi weit weg ist und mit Arabien nun so gar nichts gemeinsam hat. Vorher ist es aber weit weniger aufgefallen, dass die Mendesantilopen eigentlich hier gar nicht hingehört haben. Eigentlich ballert man sich mit diesem Neubau selbst ins Knie.

Kleine Anmerkung zu den Rothirschen: Noch so bewaldete Rothirsch-Gehege werden binnen kurzer Zeit ungeschützt tatsächlich zu reinen „Steppenanlagen“.

Kleine Anmerkungen zu den Eisbären: Bedauerlicherweise müssen sie erst einmal die Landflächen erreichen können, um Rentiere jagen zu können. Fatalerweise ist nur fast der gesamte Lebensraum der Eisbären über dem Meeresboden und damit Hunderte Meilen weit weg von jeder Landmasse und jedem noch so ausdauerndem Schwimmer geht auch einmal die Puste aus. Und über die grundsätzliche Zooeignung von Eisbären gibt es sehr konträre Auffassungen.
(27.01.2009, 10:01)
Michael Mettler:   @Ulli: Um dein Beispiel mit dem Löwen einmal auf die Regenwaldhäuser zu verlagern - ich nehme an, dass auch eine Krontaube in Neuguinea oder ein Grüner Leguan in Guayana nicht zwischen Menschenbeinen umherwieselt oder auch nur neben dem Wegrand sitzen bleibt. Diejenigen, die das taten, wurden mit Sicherheit schon sehr früh per Kochtopf ausselektiert. Auch Regenwaldhäuser sind nun mal nur Naturnachbildungen und damit Illusionslandschaften.

Die Nähe menschlicher Bauwerke, seien es nun "afrikanische" Rundhütten oder andere, lässt sich in einem als Landschaft (und wenn auch nur als künstliche) gestalteten Zoo schlecht vermeiden. Denn im Gegensatz zum wirklichen Lebensraum müssen die meisten Zootiere nun mal nachts und im Winter aufgestallt werden, und dafür geben z.B. weder die Serengeti noch die polare Tundra passende natürliche (!) Möglichkeiten als Vorbild her. Auch ein Abstand von acht Kilometern zwischen Löwenanlage und nächster menschlicher Behausung bzw. als solcher getarntem Innenkäfig ist in einem Zoo schwer zu realisieren. Abgesehen davon variiert der Lebensraum vieler Tierarten saisonal drastisch (Regen-/Trockenzeit, Wanderverhalten), so dass man für sie eigentlich jeweils zwei völlig unterschiedliche Gehege/Volieren usw. einrichten müsste.

Dass die Zookulissen für Menschen gebaut werden, liegt auf der Hand, schließlich ist ja der ganze Zoo in erster Linie eine Einrichtung für Menschen. Dass diese Kulissen nicht immer stimmig sind, dürfte wiederum in den meisten Fällen Menschen mehr stören als Tiere. Somali-Wildesel leben z.B. im Freiland eher an steinigen Hängen als zwischen Sicheldünen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie den bequemeren Gehegeboden im direkten Vergleich dem "echten" vorziehen würden. Schließlich dürften viele Tierarten nicht aus Begeisterung ihre heutigen natürlichen Lebensräume erschlossen haben, sondern aus purer Not (Ursprungsgebiet übervölkert, stark bejagt, nach Naturkatastrophe verändert usw.) - siehe Rothirsch, den womöglich erst die menschliche Bejagung vom Steppen- zum Waldtier gemacht hat. Auch beim in Zusammenhang mit Klimaschutzkampagnen werbewirksam in den Vordergrund gestellten Eisbären wäre ich mir nicht so sicher, ob der sich nicht über ein paar Grad Celsius mehr durchaus freuen und in der Tundra den Rentierherden hinterher wandern würde, wenn ihm diesen "Job" nicht der Wolf streitig machen würde - selbst bei "Bärenhitze" räkeln sich die weißen Riesen in den Zoos ja gern stundenlang in der Sonne...

Ich bin ganz froh drum, dass mir die Kulissenzoos nicht z.B. das ungeschminkte Afrika zeigen. Vermutlich bliebe es sonst nicht bei EINEM Autowrack, es gäbe noch mehr Wellblech als ohnehin schon in Hannover zu sehen, und auf Tsetsefliegen und Blutegel in einem Afrikahaus und kiloweise Gnuköttel auf den Wegen kann ich durchaus verzichten. Ob die Rundhütte, in der nachts Kronenkraniche aufgestallt werden, nach einem realen Vorbild aus Burkina Faso, Kenia oder doch eher Lesotho gestaltet wurde, ist mir auch relativ egal, schließlich sehe ich ja auch innerhalb von fünf Minuten Fußweg in Hannover Kaama-Hartebeeste, Böhmzebras und Dorkasgazellen, also ebenfalls einen gesamtafrikanischen Schmelztiegel (plus chilenischer Flamingos...). Besucher aus Alaska sollen allerdings am hannoverschen Yukon Trail schon fassungslos den Kopf geschüttelt haben, weil die am dort aufgestellten Holzfäller-Lkw aufgezogene Reifenmarke am echten Yukon gar nicht erhältlich ist (Ironie).
(26.01.2009, 20:06)
Ulli:   Ich greife einmal den Beitrag von @zollifreund auf: …In Adelaide habe ich hierfür schon vor mehreren Jahren eine passende Bezeichnung gefunden. Bei meinem Besuch 2005 wurde gerade der "Immersion-South East Asia Rainforest" weiterentwickelt und diese "Eintauchen in den Regenwald" … Analog diesem Beispiel würde ich die Zoos von Gelsenkirchen, Leipzig und Hannover auch eher "Immersion-Zoos" nennen. Weil hier der Besucher wirklich in eine andere, fremde (exotische) Welt eintauchen kann und sich mitten im Lebensraum der ausgestellten Tiere und Pflanzen befindet.“

Bei meiner Kritik geht es auch nicht per se um Kunstfelsen oder Immersionen oder landestypische Anpflanzungen. Nachempfundene Kulturgegenstände zum Elefanten gehören natürlich zur umfassenden Darstellung der Elefanten

Aber handelt es sich hierbei tatsächlich um den Lebensraum der Tiere - doch wohl eher um eine Assoziation, also um dem Besucher etwas zu veranschaulichen : Tiere um ein Afrikadorf platziert  diese Tiere leben in Afrika , Dschungelpalast  muss wohl Indien sein, Goldmine und Sägewerk  muss wohl Alaska sein.

Um eines klarzustellen: Die Grundidee zum Dschungelpalast mit „die Tiere erobern sich eine alte Tempelanlage zurück“ hat wirklich Charme.

Wenn sich aber ein Löwe nahe einem afrikanischen Dorf aufhält oder ein Eisbär sich am Sägewerk zu schaffen macht, führt das im Freiland bei der einheimischen Bevölkerung eher zu panikartigen Aktionen und Abwehrmassnahmen. Man kann natürlich sagen, Eisbären haben sich in Churchill die Müllplätze als Lebensraum erschlossen - willkommen sind sie aber dort ganz gewiss nicht.

Mir hat man einmal erzählt, das Brüllen eines Löwebn hört man acht Kilometer weit, in der Regel befindet sich ein Löwe auch in einem derartigen Abstand zu einem Dorf in einer savannenartigen Landschft ohne Hütten.

Demnach handelt es sich also gerade nicht um die Lebensräume der Tiere !!! Wenn man innerhalb eines Regenwaldhauses (auch wenn solche Häuser sicher nicht das normale Abbild eines Regenwaldes sind) einen Vogel, einen Frosch oder Eidechse sieht, so ist die jewilige Art meiner Ansicht nach weitaus näher an seinem angestammten Lebensraum als in einer vermeintlich landestypischen Kulisse. Natürlich formt jedes Tier einen vorgefundenen Lebensraum, siehe den Müllplatz von Churchill, für seine Belange um. Dennoch sind diese Immersionen oder „Kulissen“ dann doch in erster Linie für den Menschen / Besucher gebaut.

Das Problem sind also die reinen "Kulissenzoos", die eine Wirklichkeit vorgaukeln, wie man sie aus dem Fernsehen oder den Abenteuerfilmen her zu kennen glaubt, aber mit der Realität vor Ort nichts oder nur am Rande etwas zu tun haben und bei denen die tatsächlich Ortsansässigen dann von einer "romantisierenden" Gestaltung (Originalzeitungszitat von afrikanischen Gästen zum damaligen Sambesi-Modell) sprechen. Also ist es weder Lebenstraum der Tiere noch der Menschen !! In gewisser Weise nähert man sich damit wieder dem alten Völkerschaugedanken - glücklicherweise ohne die „präsentierten“ Menschen. Nur reklamiert gerade diese Zoovariante das Etikett "Erlebnis" oder "Spaß" für sich.

Und ehrlich gesagt war ich fassungslos, als ich die neue Baustelle bei den Mendesantilopen sah mit den stilisierten arabischen Gebäude im Rohbau sah. Die bisherigen „Betonsicheldünen“ (die aber durchaus eine Funktion für die Arten hatten) sind dagegen verschwunden - also eher eine Verschlechterung für die Tiere.

„Spaßzoo“ beinhaltet das Wort Spaß, und der ist bei jedem subjektiv und da ist das äußere Aussehen zunächst einmal uninteressant. „Spaßzoos“ können für jemanden auch
Zoos mit einem artenreichen Tierbestand sein; oder Zoos mit ungewöhnlichen Wegführungen und ungewöhnlichen Beobachtungsperspektiven sein; oder Zoos mit Anregungen aus der Phaenomenta (Wolfsburg) oder dem Universum (Bremen) mit viel Drehen, Tasten, Bewegen, Riechen, Sehen und Hören usw. sein; oder Zoos in einer weitläufigen naturnahen und unaufdringlichen Gestaltung, in dem man Ruhe findet und in dem auch schon mal ein Baumstamm zum Klettern liegenbleibt oder schlichte Naturpfade angelegt wurden, sein.
(26.01.2009, 15:45)
Ralf Sommerlad:   gemacht. ich habe zu schnell eingegeben, Entschuldigung daher auch für Tippfehler.
(26.01.2009, 14:42)
Ralf Sommerlad:   Es ist meines Erachtens von mir nicht zu kritisieren, dass ein Zoo sich wandelt bzw, die Art der Darstellung gepflegter Tiere dem Zeitgeist ( oder wirklich neuesten tiergärtnerischen Erkenntnissen ) anpasst.
Wenn ich allerdings den Eindruck gewinne, dass die Tierhaltung zum schmückenden Beiwerk
eines Unterhaltungsbetriebes mutiert oder Arterhaltungs – oder gar Bildungsauftrag vernachlässigt werden zu Gunsten des „Fun-effektes“, muss man eben doch nachdenklich werden. Mir hat sich das in GE aufgedrängt. Nochmals: Ich bin sicherlich nicht der grosse Fan der Zookonzeption von Diney oder Anhaeuser-Busch – wenn ich aber sehe, welche Geldmittel solche Institutionen etwa für den in-situ Artenschutz aufwenden, dann ist eine Menge wieder gut

(26.01.2009, 14:40)
Michael Mettler:   In der mehr oder weniger gelungenen Nachbildung fremdländischer Lebensräume mag ich für sich betrachtet nichts Disneyland-haftes sehen. Um einen frühen "Immersionszoo" zu betrachten, muss ich nämlich nicht mal den Atlantik überqueren, sondern nur einen durchschnittlichen Wildpark um die Ecke aufsuchen. Auch da ist der Besucher (bzw. war schon immer) "mittendrin statt nur dabei", wandelt auf Naturbodenpfaden und findet Naturillusionen vor (künstliche Wasserfälle, zu Kletterhügeln aufgeschichtetes Naturgestein, forsttypische Wildraufen, rustikale "Jagdhütten" und Hochsitze, regionaltypische Fachwerk- oder Bretterställe für Haustiere), dazu begehbare Gehege (teils mit Streichelmöglichkeit) und zeitweilige Vorführungen jagdlicher Folklore, dazu nicht selten eine passende Themengastronomie. Statt des rostigen Landrovers steht dort eben ein vor sich hin morschender alter Leiterwagen als Dekoration herum. Wenn ich das ganz einfach z.B. "ins Afrikanische" übersetze und teilweise modische Namen dafür verwende, das habe ich halt ein Wasserloch mit Windrad, eine Rangerstation, Rundhütten mit (z.T. begehbarem) Viehkral, wiederum Kletterfelsen und Themengastronomie, nur heißen die Darbietungen hier "Shows", und es werden "Events" gefeiert. Da Naturstein schwer zu handhaben und noch schwerer zu wirklich natürlich aussehenden Formationen zu schichten ist und echte Baobabs in unserem Klima nicht wachsen, wird eben beides aus künstlichen Materialien nachgebildet, wenn man Gorillas nicht als Kiefernwald- und Zebras nicht als Marschlandbewohner "verkaufen" will. Und da es dem Zoobesuch durchaus abträglich ist, wenn sich das Wegesystem in eine Schlammpartie verwandelt, werden Naturwege eben per Rindenmulch oder modelliertem Beton imitiert.

Das Gegenstück zu dieser Art von Tierdarstellung in echten oder nachgebildeten Naturausschnitten ist für mich die, in der die Tiere quasi als "Stadtbewohner" in der Geometrie gehorchenden "Wohnungen" und "Gärten" bzw. auf "Plätzen" präsentiert werden. Beides ist ohne weiteres zusammen im selben Zoo zu finden. So wirkt z.B. die Anlage der Rosa- und Krauskopfpelikane im Vogelpark Walsrode wie ein relativ natürliches Seeufer, während das Kasuargehege durch rechtwinklige Gehege- und Grabenform, Fachwerkhäuschen und Formschnitthecke eher so wirkt, als hätte sich der Urwaldbewohner aus Neuguinea in einen norddeutschen Kleingarten verirrt. Und so sah/sieht auch manche ältere Menschenaffenhaltung so aus, als lebten die Tiere auf einem Kinderspielplatz oder in einer Nasszelle. Anders gesagt: Diese Art der Tierpräsentation weist unverblümt (und damit im Grunde sehr ehrlich) darauf hin, dass die Tiere GEHALTEN werden, was der Besucher bei der Immersionslösung möglichst "vergessen" soll.
(26.01.2009, 12:46)
Shensi-Takin:   @zollifreund: Eine auf "Immersion" abzielende Gehegegestaltung gab/gibt es auch schon vor "AKBG"-Vorbildern, s. z.B. Woodland Park Zoo-und das ohne rostige Jeeps am Wegesrand, "Wildererverfolgungsjagden". Kunstfelsen, Fieberglas-Baobabs oder virtuellen Minengeister,...All das traegt mEn nicht unbedingt zum Eintauchen in die nachgeahmte Landschaft bei, sondern eher zur Schaffung eines kuenstlichen "Disneyland"-Charakters.
Aus bereits genannten Gruenden stimme ich dennoch in einem Aspekt zu: ich halte die erwaehnte Unterteilung hinsichtlich "Spass/Artenzoo" ebenfalls fuer ungluecklich formuliert und nicht zutreffend.

Eine bessere Besucherbetreuung muss nicht unbedingt mit dem ominoesen "Spasszoo"-Begriff gleichgesetzt werden. Dementsprechend war Berlin selbst unter Hecks Artensammelei mit der beliebten oeffentlichen Robbenfuetterung (samt jeweiligem Roland/Goliath) ein "Spasszoo"?



(25.01.2009, 20:11)
IP66:   Ich denke, gerade in diesen subjektiven Perspektivwechseln kann man die Paradigmata erfahren, die die jeweilige Zooauffassung prägten. Natürlich gab es individuelle Unterschiede - so bot der hannoveraner Zoo der Oesterlen Zeit viel stärker als die Parallelbauten in Köln oder Berlin eine Leistungsschau zeitgenössischen architektonischen Gestaltens und war darin in mancher Hinsicht den noch gut erhaltenen Baubeispielen in der Wilhelma vergleichbar.
Ich denke, daß letztlich die Paradigmenwechsel auch jene Zoos prägen, die in der fraglichen Zeit nur wenig Neubauten auf den Weg gebracht haben - selbst in Friedrichsfelde wird man Spaßzooelemente ausmachen können, selbst in Köln gibt es Ansätze brutalistischer Architektur. Die jeweiligen großflächigen oder Totalneubauten stellen da nur besonders gut analysierbare und gleichsam exemplarische Beispiele vor, in denen sich die jeweilige Gestaltungsepoche besonders gut nachvollziehen läßt.
(25.01.2009, 16:56)
zollifreund:   ich finde persönlich die Unterscheidung der verschiedenen Zootypen in "Spaßzoo" oder "Artenzoo" nicht glücklich. In den meisten Zoos finden sich doch immer Elemente von den als für diese Zootypen charakteristisch genannten Eigenschaften (dies wurde schon mehrmals gut aufgezeigt).
Wenn man sich die häufig genannten Beispiele für die beiden genannten zwei Zootypen anschaut, fällt auf, dass eine andere Art der Unterscheide eigentlich besser ist:

einmal sind da die Zoos, die in den letzten Jahren fast komplett bzw. größtenteils umgebaut wurden ( Zoom, Hannover, Leipzig) und andererseits Zoos, in denen nur einzelne Gehege neu gestaltet wurden ( Berlin, Frankfurt, Wilhelma). Bei allen neu gestalteten Zoos wurden Themengebiete (meist geographischer Natur) gestaltet, die auf so genannte "natürliche" Gehegeabgrenzungen setzten. Hier sind die traditionellen "Gitter" nicht mehr vorhanden.
In Adelaide habe ich hierfür schon vor mehreren Jahren eine passende Bezeichnung gefunden. Bei meinem Besuch 2005 wurde gerade der "Immersion-South East Asia Rainforest" weiterentwickelt und diese "Eintauchen in den Regenwald" als Unterschied zu den weiter bestehenden "traditionellen" Gehegen herausgehoben.

Analog diesem Beispiel würde ich die Zoos von Gelsenkirchen, Leipzig und Hannover auch eher "Immersion-Zoos" nennen. Weil hier der Besucher wirklich in eine andere, fremde (exotische) Welt eintauchen kann und sich mitten im Lebensraum der ausgestellten Tiere und Pflanzen befindet.
Man ist mittendrin statt nur dabei (sprich vor dem Gehege) - vielleicht ist das auch ein Grund für die sehr große Akzeptanz und Besucherzahlen dieser neuen "Immersion-Zoos"?

(25.01.2009, 16:51)
Oliver Jahn:   Michael, genau das meine ich. Unsere Generation kannte doch in ihrer Kindheit und Jugend ausschließlich Zoos, die man heute als klassiche Artenzoos bezeichnet. Und Münster und Hannover waren schon etwas besonderes, ohne Spaßzoos zu sein, einfach nur, weil sie anders waren.
(24.01.2009, 21:32)
Michael Mettler:   Ich frage mich, ob man den "alten" hannoverschen Zoo bei seiner Entstehung mittels Großumbaues in den 60er Jahren gegenüber dem "ganz alten" hannoverschen Zoo von vorher auch schon als "Spaßzoo" empfunden hat, ohne es so zu titulieren. Die damalige junge Generation fand wahrscheinlich die modernen Betonbauten viel schöner als die alten, dunklen und feuchten Gemäuer, die ältere Generation sah mit Wehmut ihre Kindheitserinnerungen von Bärenzwinger und Antilopenmoschee schwinden...
(24.01.2009, 20:30)
Oliver Jahn:   Ich glaube aber schon, dass diese beiden Epochen vergleichbar sind. @IP66, wir sehen das immer ein wenig mit den Augen unserer Generation! Die vielen jüngeren Zoofans, die die "Spaßzoos" quasi von Anfang an kenne gelernt haben und denen die Vergleiche fehlen, werden die Dinger sicher anders betrachten, als wir. Wer den alten Zoo Hannover nur noch in seinen letzten Zügen erlebt hat, der wird sich sicher heute über den Umbau freuen. Ähnlich ist es mit Leipzig. Die Jüngeren, die Leipzig evtl. das erste mal nach dem Mauerfall gesehen haben, werden den heutigen Umbau sicher als durchweg positiv betrachten, der etwas ältere Besucher hingegen, der den Zoo auch noch aus besseren Jahren kennt, der wird vielleicht etwas kritischer mit dem ein oder anderen Umbau umgehen.
(24.01.2009, 19:07)
IP66:   Ein gewisser Effekt der "Spaßzoos" - oder haben wir mittlerweile einen besseren Namen? - liegt darin, daß durch die Illusion die Tatsache, daß dort letztlich Tiere um der Menschen willen vorgeführt werden, ein wenig unsichtbarer wird, als daß in Tierhäusern der 60er oder 70er Jahre der Fall war. Auf der einen Seite ist das sicher auch der Zweck der Anlagen und auch nicht Sinn eines Zoos, den Besuchern ein schlechtes gewissen zu bereiten. Ich könnte mir aber vorstellen, daß sich hier im Kontext der zweiten Moderne, vor allem aber der Aufgabe der postmodernen Ästhetik der archimedische Punkt findet, von dem aus letztlich der "Spaßzoo" aus den Angeln gehoben werden kann. Insofern würde ich auch nicht so weit gehen wie Michael Mettler, diesem Modell eine solche Veränderungskraft zuzuschreiben, wie sie der Hagenbeck'schen Panorama-Idee zugekommen ist.
(24.01.2009, 17:28)
Michael Mettler:   @André Haubrich: Wer weiß? Für Hannover haben ja Kritiker des Konzeptes auch die Souvenirshops und Gastronomien gezählt und für zuviel befunden :-)

Was die Vermittlung von Informationen betrifft, liegt für den "klassischen" und den "Spaßzoo" eigentlich der Vergleich mit einer Bibliothek nahe. Der "klassische" Zoo stellte die Bücher hin, ließ den Gast damit allein und erwartete, dass er sich deren Inhalt selbst und möglichst ausgiebig erschloss. Wenn er etwas nicht verstand: Pech gehabt. Der heutige "Spaßzoo" wendet sich mit den Büchern an seinen Gast, liest ihm kleine Kapitel vor, um ihn auf den Rest neugierig zu machen (kommentierte Shows und Fütterungen, Zooscouts, Mitmachelemente) und bietet von sich aus an, Fragen zu beantworten. (Man könnte es also auch als "Service-Zoo" bezeichnen, im Gegensatz zum früheren "Selbstbedienungszoo").

Diesen Unterschied findet man sogar innerhalb einzelner Dinge, die man für sich als Spaßzoo-Elemente bezeichnen kann. Beispiel Seelöwenfütterung: Es macht in der Wirkung auf den Zuschauer eben einen erheblichen Unterschied, ob ein Pfleger wortlos die Anlage betritt, mit oder ohne Show-Elemente (der Sprung von einer Kanzel fehlte eigentlich selten) wortlos seine Fische verteilt und danach wortlos wieder verschwindet, oder ob er das Publikum begrüßt (und damit willkommen heißt), während der Fütterung (mit oder ohne Show-Elemente) etwas über die Tiere erzählt, danach Fragen beantwortet und sich vom Publikum verabschiedet. In beiden Fällen handelt es sich um eine Fütterung und evtl. Dressur, die im Prinzip für die Tiere exakt gleich ablaufen kann; nur ist der Besucher im ersten Fall einfacher Passant, im zweiten Fall eingeladener und ins Geschehen eingebundener Gast.
(24.01.2009, 16:45)
André Haubrich:   Ich denke, dass gerade Spielplätze in Zoos eine bedeutende Rolle spielen.
Wärend Dortmund nur einen, dafür aber sehr Zentralen Spielplatz besitzt, begegnet man in Gelsenkirchen hinter (fast) jeder Ecke einem.

Kann man einen Spaßzoo also auch an der Menge und größe der Spielplätze befinieren?
(24.01.2009, 15:31)
Shensi-Takin:   EDIT: vielleicht besser: AKBG-das "D" haette fuer Disney stehen sollen...
(24.01.2009, 13:26)
Shensi-Takin:   @MM: Was die Subjektivitaet angeht: Ja und Nein. Fuer einen sogenannten "Tierpurist" ohne Familienanhang duerfte im Grunde auch schon ein einfacher Kinderspielplatz im Zoo fast schon zuviel Ablenkung vom Hauptthema "Tier" darstellen. Tierferne Freizeit(park)elemente koennen aber, in allzu aufdringlicher und schier allgegenwaertiger Form, auch fuer nicht wenige ONB befremdlich und, im Hinsicht auf die traditionelle Vorstellung eines Zoos, deplaziert wirken. Haeufig kommt dann die Frage auf, ob man sich ueberhaupt noch in einem Zoo oder eher einem Freizeitpark a la Disneyland befindet. Ein Bsp.: ich besuchte mit einigen tierlieben, aber nicht unbedingt "tierpuristischen" oder zoovernarrten Bekannten und Freunden gemeinsam den "Bayern-Park" bei Reisbach in Niederbayern. Bei meinem ersten Besuch (was schon etwas laenger zurueckliegt) war dies ein relativ typischer Wildpark mit verschiedenen einheimischen Wildtierarten (u.a. Reh, Feldhase, Rotmilan usw.), einer Fasanerie und ein paar "Erlebniselementen" (Spielplatz, Biergarten, Sommerrodelbahn) gewesen. Beim letzten Besuch sah das Ganze allerdings so aus:
http://www.bayern-park.de/content/01_attraktionen/parkplan_main.htm

Interessanterweise kam das aktuelle Konzept bei meinen Bekannten, trotz mitgebrachter Kinderschar, weniger gut an-man verliess den Park alsbald. Uebereinstimmendes Urteil: man zoege einen "normalen" Zoo/Wildpark einer solchen unruhigen Kunstlandschaft voller Fahrgeschaefte vor. Eine Pro-Wildpark Erwartungshaltung war im Vorfeld nicht mal geschuert worden; man hatte nur eine fuer alle angenehme Freizeitbeschaeftigung gesucht.

"Leider" glueckt mEn nur in wenigen Faellen die Hybridisierung von tierfernen Freizeitpark und Zoo (egal ob "Arten"- oder sonstiger Unterkategorisierung); allzu haeufig bleibt die Terhaltung dabei in der einen oder anderen Hinsicht auf der Strecke. Den gehaltenen Tieren mag dabei durchaus gut gehen, und selbst fuer den Artenschutz mag der eine oder andere Krumen abfallen-und sei es auch nur fuer PR-Zwecke
http://www.dreamworld.com.au/content/drw_2008_standard.asp?name=HelpingSaveTigers

...

Aber allzu oft ist der Zoobereich dann derjenige Parkabschnitt, der nur eher randlaeufig nebst der Fahrgeschaefte existiert-und der im Zweifelsfalle mit als erstes dem Rotstift zum Opfer faellt. S. Bayern-Park...

Ich halte wenig von der Bezeichnung "Spasszoo"-weil, wie andere bereits erwaehnten, eigentlich jeder Zoo "Spass" machen sollte. Wie waer's stattdessen mit dem Kuerzel
"ADBG"-Zoo, was fuer "Animal Kingdom/Bush Gardens" steht-zwei in Hinblick auf den beschriebenen Trend prominente Bspe.?
(24.01.2009, 13:23)
Michael Mettler:   Ich denke, unabhängig vom Zeitgeist befinden wir uns gerade in einer ähnlichen Situation, wie sie die Zoolandschaft vor ungefähr 90 Jahren aufwies. Hagenbecks Tierpark, von den Verfechtern des "lebenden Museums Zoo" argwöhnisch betrachtet und als ungeliebte Randerscheinung eingestuft, war keine Eintagsfliege geblieben, sondern hatte sich etabliert und großen Besucherzuspruch, die Tierhaltung und -darbietung in den neuen Landschaftsgehegen "funktionierte". Dass es sich bei den darin präsentierten Tieren überwiegend eher um die "einfacheren" Arten handelte, während die zoologischen Spezialitäten auch dort wie im klassischen Zoo untergebracht waren, fiel nur den Kennern auf, "das Volk" war zufrieden. Hagenbecks Ideen (oder wenn es nicht seine eigenen waren, zumindest das von ihm geschaffene "Modell") hatten sich nach und nach auch in die Köpfe der anderen Zoodirektoren eingeschlichen, auch wenn sie sich nach außen hin vielleicht noch tapfer und zähneknirschend dagegen wehrten und versuchten, sie in ihren eigenen Zoos mit weniger "Brimborium" umzusetzen (wobei dann aber auch teilweise Lösungen entstanden, die dem Original an Wirkung nicht das Wasser reichen konnten). Und dabei entstanden dann alle fließenden Übergänge von Hagenbecks "Spaßzoo" bis zum tapfer am Artensammelkonzept festhaltenden entgegengesetzten Extrem, das aber inzwischen auch nicht mehr ohne Freisichtanlage mit Felskulisse (ob aus Beton oder Naturstein) auskommen konnte. Genau diesen Entwicklungsstand und diese Variationsbreite sehe ich heute in der deutschen Zoolandschaft auch. Hannover hat schließlich den "Spaßzoo" nicht erfunden, sondern nur wiederbelebt und modernisiert.

@Shensi-Takin: Auch das Verhältnis zwischen Tierschau und Freizeitpark wird doch vom einzelnen Betrachter subjektiv festgelegt. Wer als Tierpurist bei allem in seinen Augen überflüssigen Drumherum die Hasskappe aufsetzt, bewertet letzteres leicht über. Umgekehrt beweist manches gelangweilte Kind, dass es eben auch ein Gehege oder eine Voliere zuviel geben kann. Ich denke dabei gerade wieder an Walsrode: Wer als Kind in den frühen 70ern dorthin kam, für den war der Park gleichbedeutend mit einem Super-Spielplatz, für den man einen Haufen mehr oder weniger interessante Vögel in Kauf nehmen musste. Objektiv betrachtet nahm aber selbst der für damalige Zooverhältnisse ungewöhnlich große Spielplatz nur einen kleinen Bruchteil des Geländes ein und war für den zoologisch Interessierten leicht "auszublenden". So hätten zwei verschiedene Besuchergruppen den ein und selben Park sowohl als "Spaßzoo" als auch als "Artenzoo" kategorisieren können. Auch das umgekehrte Verhältnis ist ja durchaus möglich: Neben einem großen, optisch beherrschenden Freizeitparkbereich ein kleiner Tierparkbereich, in dem aber - wahrscheinlich dank der Einnahmen aus dem Freizeitpark - vorbildliche Tierhaltung und erfolgreiche Artenschutzarbeit betrieben werden. Ist das nun ein Spaß- oder ein Artenzoo...?
(24.01.2009, 11:52)
IP66:   Ich würde, wenn das erlaubt ist, eine Summe der Beiträge zu ziehen, eine große Akzeptanz dessen, was ich "Spaßzoo" gennant haben, feststellen, zumindest unter den Forumsteilnehmern. Vielleicht klingt hier und da ein Bedauern des Verlustes einiger Arten durch, und es gibt Kritik an zu vielen und zu tierfernen "Spaßelementen", aber in der Summe werden die entsprechenden Umbauten akzeptiert.
Mein Bedürfnis nach Klassifikation ergab sich daraus, daß vor einiger Zoos wie der Neubau in Münster oder der Heck-Zoo in Berlin eine ebensogroße Akzeptanz fanden, daß es also offensichtlich zwischen dem, was zu bestimmten Zeiten als zeitgemäßer oder "moderner" Zoo akzeptiert wird, Unterschiede gibt.
Ich sehe in diesen Unterschieden eine sehr eindrückliche Möglichkeit, die Einstellung der jeweiligen Gesellschaft - und zwar der gesamten Gesellschaft - zum Thema Tier und Natur zu verstehen und deren historische Wandlungen zu verfolgen, in dem man die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vorhandene Scnittstelle zur Natur und deren Gestaltung betrachtet. Wenn man sich da in die eigene Zeit hineinbegibt, begegnet man auch den Problemen, die Zeitgeschichtsschreibung so mit sich bringt. Ich dachte, daß das Phänomen "Spaßzoo" gut ein Jahrzehnt nach seiner Ankunft in Deutschland vielleicht eine solche Betrachtung wert wäre.
(24.01.2009, 10:45)
Shensi-Takin:   Meines Erachtens ist beim Versuch, Zoos irgendwie kategorisieren zu wollen (ungeachtet derzeit beliebter Kriterien wie Zoogeographie oder Habitatdarstellung) die Ratio zwischen Tierschau/haltungselementen und tierfernen Freizeltelementen ein wichtiges Kriterium.
Ueberwiegen Achterbahnen, wilde Safaribusfahrten, 3D Kino, "Disney"-Kulisse, moeglichst spektakulaere Tiershows usw. bei einem hinsichtlich Darstellung und Artenwahl immer uniformeren Tierbestand ("Links Erdmaennchen und Loewen in Afrikafelskulisse, rechts Zwergotter und [weisse] Tiger im "Asiendschungel", inklusive Plastikbambus, Kalifornische Seeloewen nebst Eisbaeren mit Unterwassereinblick usw in der Mitte"), so rueckt sich der jeweilige Zoo im Sinne der Zoofans und -fachleute in die Naehe eines Freizeitparks mit dazugehoeriger Tierhaltung (sozusagen unter "ferner liefen"). Bei "Artenzoos" ueberwiegt (noch) eher die reine Tier(zur)schau(stellung)als Hauptattraktion-obwohl auch hier nicht erst seit Hagenbeck und Grzimek tierferne Unterhaltungselemente eine wichtige Rolle spielen-immerhin will man auch hier sein modernes Publikum unterhalten und zur Wiederkehr bewegen.
(24.01.2009, 10:17)
Gudrun Bardowicks:   Ich kenne den Zoo Hannover seit Anfang der 70er Jahre und habe ihn somit auch noch vor seiner Umwandlung zum Erlebniszoo oder "Spaßzoo" erlebt. In den 70er Jahrenwar ich von seinem ausgezeichneten Tierbestand mit vielen seltenen Arten und den vielen Jungtieren begeistert. Ich habe seine Umwandlung in den heutigen Erlebniszoo miterlebt und war natürlich traurig, dass viele Antilopen-, Affen- und Vogelarten abgegeben wurden, wobei die Abgabe der Antilopen teilweise auch damit zusammenhing, dass die alten Gruppen langsam aber sicher ausstarben, weil kein Nachschub zu bekommen war. Dieses war z.B. bei Gabelböcken, Topis und Kongonis der Fall.Den Abbruch einer Reihe von Betonbauten und Betongehegen im Rahmen der Zooumgestaltung bedauere ich allerdings keinesfalls. Auch gehe ich heute noch immer vor allem wegen dem noch immer großartigen Tierbestand in den Zoo Hannover. Ich habe mich mittlerweile an die Erlebniswelten gewöhnt und freue mich auch schon auf Yukon Bay, wenn dort auch für meine Begriffe zu viele Gebäude, die nichts mit der Tierhaltung zu tun haben, entstehen werde. Ich hätte mir mehr oder zumindest noch großzügigere Tieranlagen als in der Planung gewünscht, aber ONB möchte eben heute auch gerne ausreichend Restaurationen und Souvenirshops haben und möchte in eine andere Welt eintauchen, was mit liebevoll eingerichteten Kulissen wie in Hannover natürlich einfacher ist, als wenn in einem Zoo viele ähnlich aussehende Tiergehege mit vielen ähnlichen Tiergestalten wie beispielsweise in Berlin Friedrichsfelde vorhanden sind. Auch glaube ich, dass Informationen über Tiere auch in informativen Tiershows und kommentierten Tierfütterungen, wie es sie in manchen "Spaßzoos" wie beispielsweise Hannover gang und gäbe sind,vermittelt werden können, nicht nur durch ausführliche Infotafeln wie beispielsweise in Berlin, Köln oder Dortmund. Auch können durch Tiershows und kommentierte Fütterungen bei vielen Besuchern eher Emotionen oder Interesse an Tieren allgemein geweckt werden, als wenn diese möglichst viele und seltene Tierarten vor allem schlafend in ihren langweilig anmutenden Gehegen sehen und viele ausführliche Beschilderungen lesen müssen, um überhaupt zu wissen, welche Tiere sie vor sich haben.
Im übrigen gibt es auch in vielen sogenannten Artenzoos, beispielsweise Zoo Berlin, Zoo Duisburg, Allwetterzoo Münster oder Zoo Köln, verschiedene Tiershows und Tierfütterungen (z.B. Robbenshows, Delphinshows,, Pavianfütterungen, Raubtierfütterungen, Flugshows), die beim Publikum zwar sehr beliebt sind, aber in Spaßzoos immer wieder kritisiert werden. In den Artenzoos werden diese Veranstaltungen hingegen meistens als Bildungsmöglichkeiten gelobt. Auch gibt es sogar in "Spaßzoos" wie Hannover einige gute Infotafeln an bestimmten Tiergehegen, Zooschulen und eine Teilnahme an verschiedenen Erhaltungszuchtprogrammen. So groß, wie die Spaßzoogegner immer wieder meinen, sind also die Unterschiede zwischen "Spaßzoos" und "Artenzoos" gar nicht.
Auch ich finde artenreiche Zoos wie die beiden Berliner Zoos, Kölner Zoo, Frankfurter Zoo oder München Hellabrunn sehr attraktiv, ich habe aber auch nichts gegen "Spaßzoos", wenn diese interessante Tierbestände und Tieranlagen aufweisen. Spaß machen mir alle Arten von Zoos, in denen die Tiere gut gehalten werden, egal ob Kunstfelsanlagen, historische Zooarchitektur, artenreiche Tierbestände oder naturnahe großzügige Tieranlagen diese Zoos prägen. Auch die Grösse eines Zoos oder Tierparks ist mir in dieser Hinsicht egal. Kleinere Zoos wie Bernburg oder Rheine sind für mich genauso interessant wie Spaßzoos wie Zoom Gelsenkirchen oder Hannover oder große Zoos mit artenreichen Tierbeständen wie die Berliner Zoos, Köln oder die Stuttgarter Wilhelma.
(24.01.2009, 00:50)
Michael Mettler:   Ich frage mich, ob der "klassische Artenzoo" überhaupt WEGEN seiner Arten(vielfalt) funktioniert hat. Wenn ich mir alte Postkartenmotive und künstlerische Darstellungen, also "volkstümliche" Bilder aus Zoos der Ära Geheimrat Heck anschaue, dann zeigen die gemeinhin keine zum Vergleichen anregenden Gehegereihen, sondern neben reinen Tiermotiven ausgerechnet exotische oder romantische Gebäude, große Gastronomien, Eingangsbauten, Besucher beim Pony-, Kamel- oder Elefantenreiten oder bei Kutschfahrten, Tierdressuren, Sonderschaustellungen usw. usw. - alles "Spaßzoo"-Elemente. Irgendwie kann ich mir auch nicht recht vorstellen, dass es außer einem Zoologen oder Jäger ein Besucher des Berliner Zoos für einen gelungenen Nachmittag hielt, 40 für ihn gar nicht so verschiedene Hirschformen untereinander vergleichen zu sollen. Da zog es die Leute wohl doch eher wegen der Stilbauten und der Illusion, auf eine kleine Weltreise zu gehen, in den Zoo (von charismatischen Tieren mal ganz abgesehen).

Was machte Grzimek in der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg? Er lockte das Publikum mit Freizeitparkelementen, Theater usw. in den Zoo, wo es diesem bei der Wiederauferstehung zuschauen konnte und dadurch eine enge Bindung zu ihm entwickelte. In der Folgezeit nutzte Grzimek äußerst erfolgreich typische Schaustellertricks, um seinen Zoo im Gespräch zu halten: Tierdressuren (ich erinnere an die circusreife Pumagruppe), Gags (der "weiße" Elefant), Superlative in der Außendarstellung (die Einzigen, die Ersten usw.) - "Spaßzoo" auch hier. "Es" war eben immer da und ist untrennbar mit Zoos verbunden, auch wenn sich mancher Zoopurist tapfer anstrengt, um es zu ignorieren. Ohne dieses "Nebenher" könnte er aber seinem Hobby gar nicht nachgehen, denn die Zoos hätten mangels Einnahmen schon längst alle dichtgemacht...

Zu Olivers Anmerkungen: Ich habe ja nun als gebürtiger Hannoveraner und Zoofan seit Kindertagen beide Phasen des Zoos recht intensiv miterlebt - inklusive einer Art persönlicher Zoo-Identitätskrise in der Übergangszeit, denn auch mir brach ja damit ein großes Stück Vertrautes weg. Vor dem Großumbau war ich glühender Verfechter dessen, was in dieser Diskussion als Artenzoo bezeichnet wird, weshalb ich meine damalige Denkweise in vielen Beiträgen dieses Forums durchaus wiedererkennen und diese nachvollziehen kann. Z.B. verbrachte auch ich damals viel Zeit mit Gedankenspielen, wie man durch Rausschmeißen von Haustieren und "gewöhnlichen" Wildtieren den Bestand "verbessern" könnte. Und dann kam irgendwann der Umbau, dessen erste Schritte ich aus Trotz gar nicht verfolgt habe (worüber ich mich heute ärgere), und ich kam eines Tages zurück in "meinen" Zoo und stellte staunend fest: Es geht auch anders, man muss sich nur darauf einlassen wollen. Damit will ich gar nicht behaupten, dass diese Sichtweise besser oder reifer sei, aber sie ist auf jeden Fall deutlich näher am Normalbesucher - und für den ist der Zoo schließlich gebaut, als Fan sitzt man da gern mal auf einem (zu) hohen Ross.

Spätestens seit dem Aha-Effekt, als ich an einem Wintertag einfach nur Nähe zu Tieren und Ruhe zum Abschalten suchte und dann vor einer gemütlich im Stall von Meyers Hof fressenden Schwarzbunten die Zeit vergaß, habe ich auch als Fan ein ganz anderes Verhältnis zur Materie. Denn in diesem Moment wurde mir schlagartig klar, dass es mir gerade völlig egal war, ob ich eine Kuh oder einen Kouprey vor mir hatte - das war Zooerlebnis mit dem Bauch, nicht mit dem Kopf. Und das halte ich inzwischen für viel wirkungsvoller und nachhaltiger. Seitdem stehe ich auf dem Standpunkt: Artenschutz gern und so viel wie möglich, Didaktik auch gern, aber nicht mit dem Holzhammer - aber vor alledem sollte das Erzielen von Emotionen beim Besucher stehen, die ihn erst für die Kopfarbeit in Stimmung bringen. Denn - da wiederhole ich nochmal meine Anmerkung aus dem Thread, in dem die aktuelle Diskussion startete - das Gegenteil von einem Spaßzoo wäre ja ein Unlustzoo, und was könnte der wohl bewirken...?
(23.01.2009, 22:48)
Oliver Jahn:   Also zum einen meine ich, dass es eine Frage des Angebots ist, was der Besucher nachfragt. Wenn meine Heimatstadt einen Artenzoo hat, dann werde ich als normaler Besucher diesen Zoo bevorzugen, weil ich ihn erreiche, und das ohne große Umstände. Und dann ist das halt MEIN Zoo, und ich kenne ihn vielleicht bereits seit meiner Kindheit, und somit ist es mein Zootyp, einfach weil er mir vertraut ist. Genau aus diesem Grund sind viele Kritiker z.B. am "Spaßzoo" Hannover auch Hannoveraner, denen ein Stück Gewohnheit verloren gegangen ist. Besucher von Außerhalb hingegen sehen den Zoo fast durchweg positiv, denn der Gewohnheitsfaktor greift hier nicht.
Zum anderen zeigt ja nun gerade Hannover, dass eben ein Spaßzoo durchaus auch ein Artenzoo sein kann und ganz nebenbei auch noch die eingefleischten Zoo-Fans befriedigen kann, in dem er so einiges zu bieten hat, was man in anderen Zoos selten oder gar nicht findet.
Und da haben wir wohl den wichtigsten Unterschied zwischen diesen Einrichtungen, der Spaßzoo, so wie ihn IP66 definiert kann eben durchaus auch gleichzeitig Artenzoo sein. Andersherum geht das eher schwieriger, und da, wo es versucht wurde, wirkte es eher lächerlich.

(23.01.2009, 21:11)
Wulfgard:   Also ich denke dem Normalbesucher ist es Egal wie ein Zoo Klassifiziert wird solange er seine Unterhaltung hat.
Mir ist es übrigens auch Wurscht das einige Erbsenzähler unbedingt alles in eine Schublade einordnen müssen.
Natütlich ist es Webewirksamer div. Shows oder ähnliches anzubieten als der versuch damit zuwerben man habe 3 oder 4 Unterarten vom Leoparden,Allfarblori oder was auch immer für die meisten ist das eine eben eine gefleckte Katze und der andere ein bunter Papagei die erst dann Unterhaltsam sind wenn Sie sich möglichst viel und Untypisch in Ihrem Gehege bewegen.
Und schon hat man einen Spaßzoo.
(23.01.2009, 20:54)
Michael Mettler:   Im Extremfall hat sich mancher Zoobesucher auf ein einziges Tierindividuum als Liebling fixiert, besucht es so oft wie möglich und hat daran in gewisser Weise ebenfalls Spaß... Davon gibt es möglicherweise genauso viele wie von den wissenschaftlich gebildeten (oder zumindest angehauchten) Verhaltensbeobachtern. Beiden dürfte übrigens die Klassifizierung des jeweiligen Zoos relativ gleichgültig sein, solange sie das Gefühl haben, dass es ihren Favoriten gut geht. Wobei es ja umgekehrt auch Menschen gibt, die in Zoos gehen, um Mitleid mit den gefangenen Tieren ausleben zu können (womit wir wieder bei der emotionalen Seite wären - es ist eben ein sehr vielschichtiges Thema).

Nun sind wir ja eher bei Besuchertypen als Zootypen gelandet, woraus die spannende Frage entsteht: Zieht der so genannte Spaßzoo wirklich ein grundlegend anderes Publikum an als der Artenzoo? Oder sind es nur die im Verhältnis zur Gesamtbesucherzahl relativ wenigen Fans und Gegner der einen und anderen Stilrichtung, die auf die Unterscheidung Wert legen, während der schweigende Normalbesucher beides akzeptiert und nur nach "gefällt mir" und "gefällt mir nicht" unterscheidet? Eine schlechte Gastronomie, sumpfige Wege oder vergleichbare Faktoren aus dem allgemeinen Besucherservice geben schließlich im Spaßzoo genauso Minuspunkte wie im Artenzoo.
(23.01.2009, 20:24)
André Haubrich:   In gewisser Weise ist ja jeder Zoo von jedem etwas.
Spaßzoo finde ich gar nicht so abwertend, ein Zoo darf Spaß machen und wenn daraus kein Freizeitpark wird habe ich nichts gagegen.
Aber mehr Zusatzelemente müssten als in Gelsenkirchen müssten es für mich nocht sein.
(23.01.2009, 20:13)
Wulfgard:   Um mal etwas Provokativ zu fragen was ist ein Spaßzoo? oder anders wer bestimmt was ein Spaßzoo ist?
Ich will mal versuchen das aus meiner Sicht etwas zu erklären.
1) Der O.N. der will sicher etwas Lustiges und Unterhaltsames im Zoo erleben und geht eher hin wenn Ihm Shows und eben unterhaltsame Tiere wie Nasenbären oder Erdmännchen z.B. geboten werden auch ein drolliger kl. Eisbär ist da sehr förderlich.
2) Der Hobby Zoobesucher hat seinen Spaß entweder an der Zooarchitektur Oder für Ihn besonders Interessante Tierarten.
3) Der Wissenschaftlich gebildete mag seinen Spaß am Beobachten des Verhaltens bestimmter Tierarten haben.
Und man kann diese Liste beliebig weiterführen, so habe ich z.B. meinen Spaß daran mich recht Intensiv mit Vogelvolieren der Einrichtung und Ihren Bewohnern zu befassen.

(23.01.2009, 19:12)
Michael Mettler:   Man darf bei alldem nicht vergessen, dass Otto Normalbesucher kein genormtes Wesen ist, sondern es in seinen Reihen viele unterschiedliche, teilweise sogar gegensätzliche Intentionen gibt, einen Zoo zu besuchen. Die Kunst der Zoos, die ja vor allem Einrichtungen für Besucher sind, besteht nun mal darin, möglichst viele dieser Kundenwünsche abzudecken, um daraus ihre wirtschaftliche Basis zu gewinnen. Wäre die breite Masse der Besucher dazu bereit, einen mimimalistisch gestalteten Erhaltungszuchtbetrieb mit Lehrausstellung durch ihre Eintritts- und Konsumgelder zu finanzieren, bräuchte man sich um Erlebniswelten, Streichelgehege oder die wachsende Nasenbärisierung mancher Tierbestände gar keine Gedanken machen. Und wir hätten nicht mehr viel zu diskutieren :-)
(23.01.2009, 18:02)
Andreas:   Dem zu folge ist Hagenbecks Tierpark der Urtyp des Spaßzoos :-)))Ich halte eine Einteilung von Zoos und Tiergärten in solche Schubladen für kontraproduktiv. Gerade die Vielgestalt der Zoolandschaft macht ihren Reiz aus. Ein reiner "Artenschutzzoo" wäre für mich langweilend und eventuell abschreckend, wenn überall sachlich nüchtern, der (be)lehrende Finger erhoben wird.
Gerade dadurch, daß jeder Zoo "seine" Nische findet, sein Konzept weiterentwickelt, werden sie für verschiedene Zielgruppen attraktiv.
Für mich gibt es nur gute und schlechte Zoos in Bezug auf die Tierhaltung. Jedoch darf die Tierhaltung nicht zur Staffage für einen Rummel verkommen. Da hört der Spaß auf.


(23.01.2009, 17:19)
IP66:   Ich habe meine "Spaßzoo"-Definition auch noch einmal im Urzustand eingestellt, auch um die Diskussion darüber anzuregen, ob der auch andere Zoos diese Elemente auszuweisen haben:Ich denke, daß der Typus "Spaßzoo" wie so viele andere Entwicklungen im Rahmen der Tierausstellungsarchitektur eine bestimmte Einstellung zum zoologischen Garten und zur Natur wiederspiegelt. Im speziellen Fall würde ich darin eine Reaktion auf die Zookritik der 80er Jahre, wie sie sich exemplarisch im enstprechenden Buch von Herrn Tudge spiegelt und auf die Freizeitgesellschaft der alten Bundesrepublik in ihrem letzten Jahrzehnt sehen. Sie löst sich vom wissenschaftlich organisierten Artenzoo und versucht, die dortigen zoologisch definierten Ausstellungskriterien mit Bildungszielen durch die Bewirkung von Erlebnissen und Eindrücken zu ersetzen, in denen das Tier als Teil eines Environments fungiert, daß den Besuch ferner Länder und dort zu bestehender Abentuer suggeriert. Das Ganze soll sich finanziell möglichst selbst tragen, weshalb hohe Besucherzahlen bei kurzer Verweildauer des einzelnen, hohe Eintrittsgelder und eine Beweritschaftung von Nebenproukten wie Gastronomie und Souvenirverkauf angestrebt werden. Hingegen tritt die Bildungsfunktion hinter das Erlebnis zurück, in das allerdings Elemente des Arten- und Naturschutzes integriert werden. In den architektonischen Elementen bedient man sich dabei als postmodern verstandener Grundsätze, bei der aus Freizeitparks und Schaustellerbuden übernommene Elemente sich mit Ideen des Exotismus und Historismus mischen, ohne diese allerdings zu ironisieren und zu unterlaufen.
(23.01.2009, 16:29)
Michael Mettler:   Ich habe diesen alten Thread mal "aus dem Keller geholt", um die unter "Wildpark Lüneburger Heide" begonnene, von diesem aber eigentlich unabhängige Diskussion um die Einteilung in Spaßzoos, Artenzoos usw. unter einer passenderen Überschrift weiterzuführen.

Der von IP66 geprägte Begriff "Spaßzoo" birgt leider das Risiko der Assoziation mit etwas, was man als Interessierter bzw. Zoofan nicht ernst nehmen kann/darf. Genau in diese Richtung scheint mir auch mancher Beitrag in diesem Forum zu laufen, wenn es z.B. um Zoos wie Gelsenkirchen oder Hannover geht, während sich andere Erlebniszoos wie Leipzig und Hagenbecks Tierpark oder die "Artenschutzzoos" wie Münster und Köln im Vergleich einer gewissen Ehrfurcht unter Zoofans erfreuen. Wie gerechtfertigt eine solche Gliederung ist, wäre sicher ein paar Gedanken wert. So habe ich mich gefragt, wie wohl ZOOM bewertet würde, wenn irgendwo in einer Ecke des Geländes ein sorgfältig restauriertes Gebäude-Ensemble á la Leipziger Gründergarten stünde; der heutige Zoo in Gelsenkirchen (Hardliner sprechen ihm ja sogar den Status als Zoo ab) kann schließlich nichts dafür, dass er erst nach dem Krieg gegründet wurde und folglich nicht mit hundertjähriger Architektur glänzen kann. Oder: Wie würde Hagenbeck bewertet, wenn der Park exakt in seiner jetzigen Form erst vor ein paar Jahren aus dem Boden gestampft worden wäre, statt auf nunmehr hundertjährige Tradition (Und das als Urvater aller "Spaßzoos"!) zurückblicken zu können?

Mir fallen da immer wieder große Parallelen zwischen den Fankulturen der Zooszene und des Fußballs auf. Auch bei letzterem zeigen die Anhänger der so genannten "Traditionsvereine" gern abschätzig mit dem Finger auf Emporkömmlinge und angebliche "Plastikclubs". Und das umso heftiger, je erfolgreicher der ungeliebte "Neue" im Vergleich zum eigenen Historienverein dasteht. Wie Zoofans stehen auch Fußballfans vielen neuen Wegen zumindest anfangs äußerst skeptisch bis ablehnend gegenüber, und beide teilen ein großes Schreckgespenst: Die Angst vor zunehmender Kommerzialisierung.
(23.01.2009, 14:37)
Sitara:   @IP66: Dazu kann ich mal ein Beispiel geben von meinem letzten Besuch in Blijdorp (Rotterdam) vor kurzem: Die meisten Besucher an diesem Tag fand man vor der Elefantenanlage, wo man sich richtiggehend um einen Platz kloppen mußte, da dort eine intakte Familiengruppe gehalten wird, wo es auch Einiges an "action" zu sehen gab; des weiteren bei den Okapis (!), wo auch ein Jungtier präsentiert wurde, und in der neuen Tigeranlage sowie im Oceanium! Für mich heißt das, dass es auf die richtige "Mischung" ankommt, also, sowohl als auch...
(05.12.2005, 00:00)
IP66:   Ist die Verweildauer des Publikums bei Elefanten wirklich so hoch? Ich habe eher den Eindruck, daß sie zu einem Zoo-Kanon gehören, wie Menschenaffen, Nashörner, Flußpferde, Kamele, Papageien usf. Antilopen oder Hirsche fallen aus diesem Kanon heraus, das Okapi übrigends auch. Ich habe es selten erlebt, daß ein Durchschnittszoobesucher Okapis als solche sofort erkennt. Hingegen schafft eine besondere Präsentation Aufmerksamkeit - so schauen sich die wuppertaler Zoobesucher die mittelamerikanischen Tapire fast immer sorgfältig an, wenn sie das alte Elefantenhaus besuchen, selbst wenn diese in einer Ecke liegen und schlafen. Das Haus ist attraktiv, man kann die Tiere sehen und ist auch relativ nah dran.
(05.12.2005, 00:00)
Michael Mettler:   ... und so hat eben jeder Betrachter eine ganz eigene Definition von "interessant". Schon Hediger wies allderdings darauf hin, dass für die meisten Zoobesucher ein Shetlandpony - möglichst noch mit Fohlen - mehr Schauwert besitzt als ein Bongo. Und das bestimmt nicht wegen seines ausgefeilteren Sozialverhaltens!

Die Macht der Medien ist dabei nicht zu unterschätzen: Dass ausgerechnet Wombats beim hannoverschen Zoopublikum Kult sind, liegt daran, dass ihnen vor Jahren (!) in einer hiesigen Tageszeitung mehrere sehr humorvoll geschriebene Artikel gewidmet wurden. "Such den Wombat" ist jedenfalls ein äußerst beliebtes Spiel vor der Australienanlage, und schon dadurch ist das Tier "interessant" geworden - obwohl es Wombats schon seit den 70er Jahren ununterbrochen im Zoo gibt! So stehen wir in Hannover vor dem Kuriosum, dass ein nicht zu entdeckender Wombat in der heutigen Anlage mehr Schauwert hat als seine gut sichtbar untergebrachten Vorgänger im früheren Elefantenhaus....
(04.12.2005, 00:00)
Sitara:   Die Frage, ob ein Tier per se „interessant“ ist, richtet sich meiner Meinung nach nicht nur nach der Häufigkeit seines Vorkommens, seines ungewöhnlichen Aussehens oder der Häufigkeit der Präsentation in einem Zoo/Zoopark/Safaripark, sondern auch, und für mich vor allem auch, nach seiner sozialen Kompetenz, der Intelligenz und der Interaktion mit seinen Artgenossen. Dazu gehören nun mal in erster Linie Menschenaffen und Elefanten, bei denen man dies besonders gut beobachten kann. Aber auch bei anderen Tierarten, bei denen Interaktionen, z. B. auch durch Vergesellschaftungen, stattfinden, bleiben Besucher wesentlich häufiger stehen und kommentieren dies, als wenn z. B. ein „seltenes Exemplar“ einzeln oder nur paarweise gezeigt und gehalten wird.
(04.12.2005, 00:00)
Michael Mettler:   "...interessantere Arten": Objektiv betrachtet ist JEDE Tierart interessant, wenn man gewillt ist, sich mit ihr zu befassen.
Seien wir Zoofans doch mal ehrlich: Das Wort "interessant" ist in unserem Sprachgebrauch doch eigentlich nichts weiter als eine Umschreibung für "nicht alltäglich". Wer in seinem Heimatzoo oder den häufiger besuchten Zoos seines Wohnumfeldes bestimmte Arten bei jedem Besuch sieht, empfindet diese als wenig interessant, wenn er sie in einem erstmals besuchten Zoo antrifft. Ich selbst z.B. habe früher in anderen Zoos nie allzu lange vor Davidshirschen gestanden, obwohl sie noch immer zu den seltenen Tierarten zählen und eine große zoohistorische Bedeutung haben. Aber ich kannte sie aus dem Zoo Hannover von Kindertagen an, sie waren für mich "gewöhnliche" Zootiere. Tatsächlich interessiere ich mich heute viel mehr für sie - in Hannover gibt es sie ja auch nicht mehr...

Dann gibt es die Arten, die wegen eines speziellen Mythos "interessanter" wirken. Warum gilt ein Okapi als "interessanter" als z.B. eine Elenantilope? Nur aus Gründen, für die das Tier selbst nichts kann: 1. spektakuläre Entdeckungsgeschichte, 2. jede Menge "PR" durch Grzimek, 3. geringer Bestand in den Zoos. Streng genommen ist das Okapi also nicht interessanter, sondern (unter Zoofans)nur prominenter als manche andere Tierart.
Ähnliches gilt für Elefanten: Kenner der Materie können alle Zoo-Elefanten mit Eigennamen und Haltungsort herunterbeten, aber ich kenne niemanden, der dies z.B. bei Dromedaren oder Luchsen kann. SIND Elefanten wirklich "interessanter", oder werden sie nur dazu GEMACHT? Immerhin haben auch Dromedar und Luchs (stellvertretend für viele andere Arten) Interessantes zu bieten, nur stehen sie nicht so sehr im Rampenlicht wie die grauen Riesen.

Yaks - um den Bogen zurück zu schlagen - gehören meinem Empfinden nach zu den Zootieren, die beim Publikum beliebter sind als bei den Zooleitungen. Ich habe nur selten Zoobesucher völlig unbeeindruckt an Yaks vorbeigehen sehen (solange diese nicht in einer dunklen oder abgelegenen Gehegeecke lagen), aber ich habe schon oft an einem gut besuchten Zootag und in einem beliebigen Zoo ALLEIN vor irgendeiner zoologischen Seltenheit aus irgendeinem Zuchtprogramm gestanden. Wer "interessant" sagt, müsste also eigentlich immer hinzufügen "Für wen?"....
(03.12.2005, 00:00)
IP66:   In der Diskussion über verschiedene Rinderhaltungen ist die Frage aufgetaucht, weshalb es in den Zoos der neuen Bundesländer mehr Yak-Haltungen gibt als in denen der alten. Generell ist auch mir aufgefallen, daß man in manchem "Ostzoo" interessantere Arten antrifft und gewisse "Tiermoden" hier weniger umfassend übernommen werden als im Westen. Allerdings ist dies für jemanden, der die Zoos der DDR vor 1989 nur sporadisch besucht hat, schwer zu beurteilen. Ein weiteres Phänomen ist aber in kleineren Zoos generell zu beobachten: Hier wird oft auf die einzelne Art meist mehr Wert gelegt, auch wenn sie klein, häßlich und unpopulär ist. Man denke an die Ameisenbärenhaltung in Dortmund, die Descheladas in Reine, aber auch an Blauducker in Krefeld. Und schließlich gibt es seit dem Stern-Test und den Hannover-Neubauten auch eine Herausforderung, die man entweder negieren (etwa Friedrichsfelde), übernehmen (etwa Gelsenkirchen) oder dezent einbauen kann (etwa Wuppertal). Neu ist diese Entwicklung nicht, am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es die Herausforderung durch Hagenbeck's Panorama-Anlagen, in den 50er Jahren war es Mode, sich von den historistischen Altbauten zu trennen. Dabei könnte man sich Yaks ja durchaus in einem nachgebauten Hochgebirge nebst Yeti-Hütte vorstellen, und ob sie unscheinbarer sind als Rentiere und Eisfüchse im Fellwechsel, darüber läßt sich auch streiten.
(03.12.2005, 00:00)

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