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Cetartiodactyla - und die Folgen



Henry Merker:   Und noch eine weitere Bemerkung zum Tschiru.

Wenn der Tschiru zu den Unterfamilie Pantholopinae gehört, dann kann er kein Ziegenverwandter sein, wie Karsten Vick im Wiederkäuerthread erwähnt. Wenn er jedoch dennoch zu den Ziegenartigen gehört, da die genetischen Befunde dies so bestätigen sollen, gibt es in diesem Zusammenhang eine weitere Frage, die hier auch gut reinpasst:

Stellt die Familie Bovidae wirklich eine monophyletische Gruppe dar oder ist dem nicht so?

Ich weiß, dass diese Frage recht provokant ist, doch würde es mich nicht wundern, wenn es auch in dieser Frage neue, der "klassischen" Systematik (hier klassisch im Sinne, der uns allgemeinhin vertrauten) sehr widersprechende Ergebnisse gäbe.
(02.08.2009, 15:42)
Henry Merker:   @Liz 01.08.2009; Thread: Gebirgswiederkäuer


Ich habe hier mal einige Aspekte zum Thema Cetartiodactyla zusammengestellt, wobei ich einige Aussage von gestern korrigieren muss, was Autoren betrifft; aber ließ doch einfach selbst.

Fragestellung 1: Waltiere
Die Stammesgeschichte der Waltiere war noch bis vor kurzem weitestgehend ungeklärt und auch heute bleibt noch so manche Frage offen. Durch ihre ständige Anpassung an ein Leben im Wasser stellen sie eine Besonderheit im System der Säugetiere dar. Ihre stammesgeschichtliche Herkunft wird schon seit Jahrhunderten diskutiert. Lange Zeit wurde angenommen, dass sie von Urraubtieren abstammen würden, den Creodonten. Tatsächlich weißt ein Teil der Wale große Ähnlichkeiten zu den Raubtieren auf (vgl. „Walker’s Mammals Of The World“, 6. Auflage, S. 3). Im Jahr 1883 stellte der englische Anatom H. Flower fest, dass die Wale eine Seitenlinie der Huftiere darstellen würden, also mit diesen gemeinsame Vorfahren hätte. Leider ist mir hier nicht bekannt, ob er dies auch schon konkreter formulierte. „Wie morphologisch-anatomische (z.B. Harn- und Geschlechtsorgane, Magen, Samen), entwicklungsphysiologische (z.B. Mutterkuchen, Keimhüllen), karyologische (den Zellkern betreffende) und biochemische Befunde in ihrer Gesamtheit erkennen lassen, sind die nächsten Beziehungen zu primitiven Huftieren, und zwar Schweineartigen, anzunehmen. Somit schienen diese Befunde den aus den Fossilfunden gewonnenen Ergebnissen zu widersprechen.“ (Thenius, E. (1988): Stammesgeschichte Waltiere. IN: Grzimeks Enzyklopädie Säugetiere Band 8. Stuttgart.München S. 30-33).Thenius führt weiter an, dass dieser Widerspruch dadurch gelöst worden sei, dass gewisse als Urraubtiere eingeordnete Walvorfahren sich als Angehörige der Stammhuftiere erwiesen hätten (Condylarthra). Als mögliche Kandidaten der Walvorfahren gelten die Triisodontiden. Seit Mitte der 1990ziger dann wurde festgestellte, dass Wale und Flusspferde sehr nah miteinander verwandt seien, weshalb dann auch die Ordnung Cetartiodactyla (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Cetartiodactyla) beschrieben wurde. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob die Waltiere wirklich so einheitlich sind, wie es den Anschein hat.
Denn es gibt auch Stimmen, die sich dafür aussprechen, dass die beiden Unterordnungen der Waltiere (Zahn- und Bartenwale) stammesgeschichtlich keine Einheit bilden würden, also unterschiedliche Vorfahren hätten. „Etliche tiefgreifende morphologisch-anatomische Unterschiede (z.B. Zähne bzw. Barten, Zahl der Nasenöffnungen, Ausbildung von Riechorgan, Ohrmuskeln und Luftsacksystem) haben verschiedentlich zur Annahme eines unabhängigen Ursprungs der Zahn- und Bartenwale geführt.“ (Thenius). Er (Thenius) weißt anschließend jedoch darauf hin, dass ein einheitlicher Karyotyp für eine einheitliche Abstammung sprechen würden und die Unterschiede auf eine unterschiedliche Ernährungsweise zurückzuführen wären. Nowak (vgl. „Walker’s Mammals Of The World“, 6. Auflage, S. 896) erwähnt, dass Rice in den 1970ziger und 1980zigern die Auffassung vertritt, dass Barten- und Zahnwale zwei eigenständige Säugetierordnungen darstellen würden. Zur Begründung heißt es, dass die Abstammung nach wie vor unklar bleibt und scheinbar auch nicht einheitlich sei sowie dass die Unterschiede zwischen diesen beiden Waltiergruppen erheblich seien.
Folgende Frage bleibt also bestehen: Kann man überhaupt von Waltieren im Sinne von Cetacea sprechen?

Fragestellung 2: Welche Waltiere sind gemeint?
Angesichts des gerade eben beschriebenen noch unklaren Sachverhalts stellt sich folgende Frage:
Stammen Flusspferde und Bartenwale von den gleichen Vorfahren ab oder Zahnwale und Flusspferde?

Fragestellung 3: neue Waltierordnung
Sind diejenigen Waltiere, die nicht näher mit den Flusspferden und den restlichen Paarhufern verwandt sind in den Rang einer neue, eigenen Ordnung zu erheben? Hat also Rice mit seiner Aussage recht?
Fragestellung 4: neue Flusspferd-Waltierordnung
Sind diejenigen Waltiere, die die gleichen Vorfahren wie die Flusspferde haben, zusammen mit den Flusspferden in eine eigene Ordnung zu stellen; schließlich sind nach neueren Erkenntnisstand die Paarhufer paraphyletisch, haben also keinen gemeinsamen Urahn (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Cetartiodactyla).

Fragestellung 5: Was wird aus der Ordnung Artiodactyla? (vgl. auch http://de.wikipedia.org/wiki/Paarhufer; Thema Systematik)
Durch die neuen Untersuchungen ergab sich, dass die Paarhufer nun keine einheitliche Vorfahren haben, demnach also mehrere Ordnungen umfassen würden.
Aktuell wären dies dann folgende
Schwielensohler, Schweineartige und Wiederkäuer, die dann auch die Wale und Flusspferde umfassen könnten.

Fragestellung 6:
Welche weiteren Umwälzungen sind zu erwarten?

Fragestellung 7:
Stellt das Taxon Cetartiodactyla „nur“ eine Überordnung dar?
(02.08.2009, 15:02)

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