
| cajun: | Im Zoochat wurde ein Link zum Tierbestand von 2023/24 in Vantara veröffentlicht. Man sieht auch aus welchen Ländern die Arten importiert wurden. Neben einer häufigen Erwähnung Österreichs, Südafrikas und der UAE findet auch Deutschland Erwähnung. Ihr könnt mal selbst schauen: https://cza.nic.in/uploads/documents/reports/english/AR_gzzrjamnagar_2324.pdf (14.10.2025, 16:07) | ||
| cajun: | Na, da bin ich mal gespannt, was raus kommt- oder auch nicht raus kommt: "Oberstes Gericht Indiens untersucht Zooprojekt Vantara Vantara rettet nach eigener Aussage Tiere aus Not. Auf Kritik am indischen Megazoo reagiert nun der indische Supreme Court: Ein Ermittlungsteam soll eine lange Liste von Vorwürfen in den Blick nehmen. Das Oberste Gericht Indiens lässt mögliche Unregelmäßigkeiten rund um den indischen Megazoo Vantara untersuchen. Ein entsprechender Beschluss des Gerichts vom Montag wurde am Dienstag bekannt, er liegt der SZ vor. Das Gericht spricht von einer großen Tragweite der erhobenen Vorwürfe, nicht nur gegen Vantara, sondern auch gegen staatliche Akteure wie die indische Zoobehörde, die eingereichten Petitionen zufolge ihren Aufgaben nicht adäquat nachkämen. Vor diesem Hintergrund sei eine „unabhängige Sachverhaltsprüfung“ durch ein Sonderermittlungsteam angebracht. Ein ehemaliger Richter am Supreme Court soll dieses Team leiten. Vantara ist die größte Tiersammlung in Menschenhand, die es je gab. Nach SZ-Recherchen wurden bis zum Frühsommer dieses Jahres mehr als 45 000 Tiere aus aller Welt auf das Gelände im Westen Indiens geschafft, unter anderem aus der Demokratischen Republik Kongo und Venezuela. Darunter sind allein mehrere hundert Raubkatzen und Dutzende Menschenaffen, darunter ein Berggorilla, den es sonst offiziell nirgendwo in Gefangenschaft gibt. Hinter dem Projekt steht die reichste indische Familie, die unter anderem in der Öl- und Gasindustrie ihr Geld verdient. Gesicht des Zoos ist Anant Ambani, der jüngste Sohn der Familie, der mit einer Hochzeitsfeier mit Staraufgebot von sich reden machte. Der eingesetzte Sonderermittler hat die Befugnis, von Behörden Informationen zu erfragen und Unterlagen zu erhalten. Mit seinem Team soll er nun unter anderem herausfinden, ob Vantara beim Erwerb von Tieren aus Indien und dem Ausland nationale und internationale Vorschriften wie die des Washingtoner Artenschutzabkommens eingehalten hat. Ebenso soll geklärt werden, ob im Zoo die Standards für Tierhaltung und tierärztliche Versorgung eingehalten werden. Ausdrücklich soll auch untersucht werden, ob Ambani eine „Prestigesammlung oder Privatsammlung“ aufbaut. Auch um Fragen der finanziellen Compliance und möglichen Geldwäsche soll es gehen. Viel Zeit bleibt den Sonderermittlern nicht, bereits am 12. September soll dem Gericht ein umfassender Bericht vorgelegt werden. Vantara hat öffentlich immer behauptet, ausschließlich Tiere in Not zu retten und niemals für ein Tier Geld bezahlt zu haben. Recherchen der SZ haben daran große Zweifel aufgeworfen. Vorliegende Rechnungen und Chatverläufe zeigen, dass Vantara auf dem kommerziellen Markt Tiere aufkauft und es offenbar auch darum geht, möglichst viele Tiere zu sammeln. Einer der Einkäufer des Zoos war den Recherchen zufolge ein deutscher Artenschützer, der daran beteiligt war, den seltenen Spix-Ara vor dem Aussterben zu retten. Mehrere Personen hatten Petitionen beim Obersten Gericht eingereicht, sie berufen sich darin auch auf die SZ-Recherchen. Daraufhin entschied das Gericht, die Anschuldigungen untersuchen zu lassen. Vantara hat angekündigt, umfassend mit dem Ermittlungsteam zu kooperieren." Quelle:https://www.sueddeutsche.de/wissen/zoo-indien-artenschutz-wildtiere-li.3303701 (27.08.2025, 11:10) | ||
| cajun: | Ich glaube dieses Wochenende kaufe ich mir mal die SZ. Vantara ist übrigens Mitglied in der EARZA: "Wildtierhandel„Wir nehmen fast alles!“ Der indische Mega-Zoo Vantara behauptet, eine Rettungsstation für Tiere in Not zu sein – und für keines auch nur einen Cent zu bezahlen. SZ-Recherchen zeigen nun, wie ein Artenschützer aus Brandenburg für seine „indischen Freunde“ offenbar auf große Einkaufstour geht und die seltensten Tiere gegen Geld beschafft. Ein deutscher Artenschützer ist nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung daran beteiligt, auf dem kommerziellen Wildtiermarkt Exemplare streng geschützter Arten für den größten Zoo der Welt zu beschaffen. Der SZ liegen Chatnachrichten vor, in denen der Vorsitzende des Papageienschutzvereins ACTP aus Brandenburg, Martin Guth, als Einkäufer für den indischen Zoo Vantara auftritt, offiziell ein Projekt zur Rettung notleidender Tiere aus aller Welt. Dort ist in kurzer Zeit die größte Sammlung an lebenden Wildtieren entstanden, die je in Menschenhand gelegen hat. Experten hielten es bisher schon für nahezu ausgeschlossen, dass die Zigtausenden Tiere, die dort inzwischen gehalten werden, allesamt alt, verletzt oder in Not geratene Exemplare ihrer Arten sein sollen. Vantara teilt auf Anfrage mit, „in voller Übereinstimmung mit allen nationalen Gesetzen, internationalen Verträgen“ und dem Washingtoner Artenschutzabkommen Cites zu arbeiten. „Wir sind eine gemeinnützige, nicht-kommerzielle Organisation, die sich dem Tierschutz und dem Artenschutz verschrieben hat.“ Noch nie hätten sie Tiere gekauft oder verkauft und würden das auch in Zukunft nicht tun. Guths Anwältin antwortet auf eine entsprechende Anfrage: „Martin Guth ist und war für niemanden, auch nicht das Vantara-Projekt, als ‚Tiereinkäufer‘ oder ‚Tierhändler ‘oder ‚Tierbeschaffer‘ tätig.“ In dem der SZ zugespielten Chat zwischen Guth und einem Tierhändler bespricht Guth die Preise von Tieren und die Zahlungsmodalitäten, etwa für Affen im Verkaufswert von 120 000 Euro, die bevorzugt in bar beglichen werden sollen, am besten in Dubai. Dort soll der Deutsche inzwischen überwiegend leben. Mehrfach gibt Guth an, in direktem Kontakt mit den Verantwortlichen des indischen Zoo-Projekts Vantara zu stehen und in deren Namen zu handeln, spricht von „meinen indischen Freunden“. Guth bekommt auf Anforderung von dem Tierhändler eine Angebotsliste zugesandt, die die Artbezeichnung der angebotenen Tiere und Beispielfotos enthält. „Wir nehmen fast alles!“, schreibt Guth und fragt nach den Preisen. Hinter dem Zoo, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, steht die indische Industriellendynastie Ambani, die reichste Familie des Landes. Sie betreibt im Nordwesten Indiens auch die größte Ölraffinerie der Welt, in deren unmittelbarer Umgebung Vantara angesiedelt ist. Vor allem im Lauf der vergangenen drei Jahre wurden mehr als 45 000 Tiere dorthin geschafft, wie die SZ unter anderem in Handelsdatenbanken recherchiert hat. Darunter sind allein mehr als 1000 Raubkatzen. Alles nur Tierrettung – oder doch Tierhandel? Viele der Tiere werden aus Ländern, die als Drehscheibe des illegalen Wildtierhandels gelten, nach Indien geliefert. Als Absender dienen nach SZ-Recherchen zum Teil Fake-Zoos, die zwar über eine Zoolizenz und damit das Recht verfügen, Tiere weitergeben zu dürfen, aber nicht über entsprechende Anlagen. Hinter diesen Adressen stehen in Wahrheit kommerzielle Tierhändler. Experten gehen davon aus, dass unter den gelieferten Tieren auch viele Wildfänge sein müssen. Vantara verweist darauf, dass alle geschützten Tiere legal transferiert worden seien und entsprechende Papiere hätten. Mit Martin Guth habe man nur in dessen Eigenschaft als Vorsitzender des gemeinnützigen Papageienschutzvereins ACTP zu tun gehabt. Was auch immer dieser persönlich oder unabhängig mit Dritten unternehme, sei von Vantara nie genehmigt oder autorisiert worden und liege ausschließlich in seiner Verantwortung.Laut indischer Zoobehörde darf sich Vantara als „genehmigte und anerkannte Tierrettungseinrichtung“ unter keinen Umständen an „kommerziellen Abwicklungen von Tieren“ beteiligen. Neben dem Chat zeigen aber auch andere Dokumente, die der SZ und dem tschechischen Investigativmedium Investigace.cz vorliegen, dass Vantara offenkundig in den Wildtierhandel involviert ist: Ein Tierhändler aus Tschechien, mit mehr als 3000 Tieren einer der größten Lieferanten für Vantara, stellte dem Zoo einmal 237 350 Euro, ein anderes Mal 177 800 Euro in Rechnung, jeweils für Hunderte Tiere. Angegeben ist eine Bankverbindung und eine Zahlungsfrist.Der Tierhändler, der auch einen kleinen Zoo betreibt, behauptet, es handele sich um „nicht-kommerzielle Transaktionen“, er bekomme lediglich ein Beratungshonorar. Nicht erklären konnte oder wollte er, warum er als Tierhändler Tiere kostenlos abgegeben haben sollte, für die er selbst zuvor Geld bezahlt hatte, wie die SZ-Recherche zeigt. Vantara teilt mit, es habe keine kommerzielle Vereinbarung mit dem tschechischen Händler gegeben. Die Zusammenarbeit „basiert auf gemeinsamen Tierschutzzielen“. Bei den Dokumenten handele es sich außerdem nicht um Handelsrechnungen, sondern um „Proforma- oder Zollrechnungen“, die ausschließlich zur Einhaltung internationaler Zollbestimmungen erstellt worden seien.Der deutsche Papageienschützer interessiert sich auch für Menschenaffen Offiziell ist der Deutsche Martin Guth lediglich über die Spix-Aras mit Vantara verbunden. Mit der erfolgreichen Zucht dieser seltensten Papageienart überhaupt, die in der Wildnis seit mehr als zwanzig Jahren als ausgestorben gilt, machte er sich über die Artenschutzszene hinaus einen Namen. Er ist Vorsitzender des von ihm gegründeten Vereins Association for the Conservation of Threatend Parrots e. V. (ACTP), der eine Zuchtanlage für Spix-Aras in Brandenburg betreibt. 2022 hat der ACTP in Kooperation mit den brasilianischen Behörden 20 Vögel in ihrer ursprünglichen Heimat ausgewildert. Die brasilianische Regierung hat die Kooperation mit dem ACTP inzwischen allerdings beendet, nachdem der ACTP 26 der streng geschützten Tiere in den indischen Vantara-Zoo verlegt hat. Auf Kritik stieß auch, dass der ACTP Dutzende Spix-Aras an andere Einrichtungen oder private Halter in Europa weitergegeben hat. Zum Teil wurden sie mit Genehmigung der zuständigen deutschen Behörden für fünfstellige Summen verkauft.In dem Chat äußert Martin Guth besonderes Interesse an der Beschaffung von Menschenaffen, etwa Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, betont aber in diesem Zusammenhang gegenüber seinem Chat-Partner, „grundsätzlich nichts, was illegal ist“, zu machen. Sie diskutieren dann, wie man Menschenaffen aus Tierrettungsstationen, sogenannten Rescue Centern, gegen Spenden bekommen könnte. Und der Tierhändler macht den deutschen Artenschützer auch auf eine besondere Spezies aufmerksam, von der es in Europa nur drei Tiere gebe: den Hammerkopf, einen seltenen Flughund mit riesiger Spannweite. Guth fragt zurück: „Und was kostet sowas bzw. überhaupt zu halten?“ Nichtregierungsorganisationen aus dem Bereich des Tier- und Artenschutzes sehen die Gefahr, dass durch die riesige indische Tiersammlung der teils illegale Handel mit streng geschützten Arten angeheizt wird. Ermittlungsbehörden und Zoll rechnen ihn der Organisierten Kriminalität zu, mit einem geschätzten Jahresumsatz von 23 Milliarden Euro. Tierhändler, mit denen die SZ für die Recherche gesprochen hat, erklärten, der Markt sei „leergefegt“, alles gehe „nach Indien“Vantara und die dahinterstehenden Organisationen sind weder Mitglied im Europäischen Zooverband (EAZA) noch im Weltzooverband (WAZA), die auf internationaler Ebene zum Beispiel über Erhaltungszuchtprogramme den Austausch von Tieren untereinander koordinieren. „… wenn es richtig große Tiere sind. So medium Size und XL haben wir schon“ Einer der bisher größten Zoos der Welt, der Berliner Zoo, hält nur etwa 2500 Tiere jener Klassen, von denen in Vantara Zigtausende untergekommen sind. Es geht bei dem indischen Projekt offenbar auch darum, Sammlungen bestimmter Tierarten zu vervollständigen, etwa von Aldabra-Riesenschildkröten, der zweitgrößten Schildkrötenart der Welt: Guth schreibt in dem Chat auf die Frage, ob er und seine Kontakte an diesen Tieren Interesse hätten: „Ja, haben wir, aber suchen auch immer noch, wenn es richtig große Tiere sind. So medium Size und XL haben wir schon.“ Die SZ hat die Chatnachrichten überprüft und keinen Zweifel daran, dass sie echt sind. Guth lässt auf Anfrage über eine Anwaltskanzlei mitteilen: Wann immer ihr Mandant Kenntnis davon erlange, dass Tiere „gerettet oder auch einfach artgerecht untergebracht werden müssen, ist er und wird er auch immer bereit sein, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um dabei mitzuhelfen, diesen Tieren eine Chance auf ein besseres Leben zu ermöglichen“. Quelle: https://www.sueddeutsche.de/wissen/artenschutz-wildtiere-tierhandel-vantara-actp-guth-zoo-indien-li.3273888 (27.06.2025, 17:42) | ||
| Jan Beensen: | Mich würde ja interessieren, wie hoch die Verluste bei diesem Handel von Großwildtieren durch den Transport sind. (26.10.2012, 18:13) | ||
| Michael Mettler: | Ein interessantes Zeitdokument des Wildtierhandels in den 1970er Jahren: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41443444.html (26.10.2012, 09:11) | ||
| Michael Mettler: | @Guddy: Um eine solche Liste würden sich sämtliche Zuchtbuchführer reißen... Allerdings wäre eine Liste von Ruhe wohl mehrere Kilometer lang :-) Selbst in den Zoos, die Ruhe früher als Standorte nutzte (z.B. Hannover oder Gelsenkirchen) sind die aus der jeweiligen Ära vorhandenen Aufzeichnungen nicht wirklich vollständig oder zweifelsfrei bestimmten Individuen zuzuordnen. Und die Kartei des Stammsitzes in Alfeld wurde m.W. nach Konkurs der Firma entsorgt.... (23.05.2009, 15:32) | ||
| Guddy: | Gibt es irgenwo eine Auflistung wann die Firma Ruhe welches Tier wohin geliefert hat und woher die Tiere jeweils stammten? Gleiches wüsste ich gern vom Tierhändler Gollombeck. (23.05.2009, 15:16) | ||
| Shensi-Takin: | EDIT: ein(en) (23.03.2009, 11:55) | ||
| Shensi-Takin: | Wer gern einen Feuerwiesel, Kupferkopf oder Palmgeier als Haustier haette: http://www.zootierhandel.de (23.03.2009, 10:22) | ||
| Michael Mettler: | In der Halle-Chronik II sind für das Jahr 1954 interessante Beispiele für die Handelspreise von Tieren aus der Sowjetunion angegeben. In besagtem Jahr standen für alle Zoos der DDR zusammen Tiere im Wert von 11.500 Rubel zur Verfügung. Zur Wahl standen u.a. (jeweils Stückpreis in Rubel): Walross 3.000,- Trampeltier 2.500-2.800,- Yak 2.460,- Luchs 1.500,- Ostkaukasischer Steinbock 1.000-1.500,- Kulan 1.200,- Maral 1.120,- Saiga 1.100,- Urial 1.000,- Fischotter 1.000,- Krauskopfpelikan 640,- Biber 1,0 400,-, 0,1 800,- Stachelschwein 350,- Schwarzstorch 230,- Uhu 150,- Nachtreiher 70,- Im gleichen Jahr erwarb der Zoo einige Tiere von Ruhe, für die ebenfalls Preise angegeben sind (in DM): 1,1 Rote Riesenkängurus zus. 2.500,- 0,1 Hutaffe 130,- 0,1 Hirschziegenantilope 1.200,- 1,1 Kronenkraniche zus. 700,- 0,1 Trauerschwan 200,- 0,1 Saruskranich 500,- Das 1952 von Ruhe erworbene, erwachsene Flusspferd Paula II kostete den Zoo Halle 18.000 DM, was vor allem deshalb bemerkenswert ist, weil dem Zoo in besagtem Jahr nur insgesamt 21.800 DM Devisen für Tierkäufe zur Verfügung standen. Der Restbetrag reichte noch für je ein Paar Hirschziegenantilopen und Hutaffen sowie einen Indischen Leoparden. Noch bemerkenswerter ist allerdings eine Angabe von 1950, nach der Tiger zu dieser Zeit zu den wertvollsten Zootieren gehörten: "Der Wert eines Tigerpaares soll damals eine halbe Million DM betragen haben." Und Halle züchtete sogar! Ich dachte erst an einen Schreibfehler, aber dann fiel mir ein, dass kurz zuvor im Krieg viele Zooraubtiere in bombengefährdeten Gebieten vorsorglich erschossen werden mussten, der Tierhandel in den ersten Nachkriegsjahren noch am Boden lag und die Zucht von Tigern längst noch keine Selbstverständlichkeit war. (14.02.2009, 20:15) | ||
| Michael Mettler: | Dazu wäre es natürlich schön zu wissen, welche Preise für andere Kleintiere des pharaonischen Ägyptens verlangt wurden, was die Aufzählung im "ZG" leider nicht hergibt (z.B. Heiliger Ibis, Mantelpavian, Rohr- oder Falbkatze). (13.10.2008, 12:29) | ||
| IP66: | Ich vermute eher, daß der Mungo als Tier des pharaonischen Ägyptens verstanden und deshalb geschätzt wurde - immerhin ist der erste exotisierende Tierhausbau der neueren Geschichte ein solcher ägyptischen Stils, obgliech er vorwiegend Tiere aus Schwarzafrika beherbergte und nicht zuletzt mit in diesen Regionen erzielten Gewinnen finanziert wurde. (13.10.2008, 11:53) | ||
| Michael Mettler: | Beim Stöbern in den alten "ZG" fand ich jetzt noch heraus, dass das Gewöhnliche Ichneumon seinerzeit zwar keinen Ruf als Schlangentöter gehabt zu haben scheint, aber sehr wohl als Bekämpfer der Krokodile - weil es ihre Eier frisst. Vielleicht reichte das ja schon, um eine Sehenswürdigkeit im Zoo darzustellen. (12.10.2008, 19:45) | ||
| Jennifer Weilguni: | @Rattus Ja, hast recht.. sieht man ja zum Beispiel an den Preisspannen für Reptilien aus WF bzw FZ und DNZ. (10.10.2008, 14:41) | ||
| Michael Mettler: | @Alexander Fuchs: Das Gewöhnliche Ichneumon war ja auch als "Pharaonenratte" bekannt, da liegt der Deutungsversuch von IP66 schon nahe. Ob seine Eigenschaft als Schlangentöter schon damals volkstümlich war oder erst durch Kipling mit seinem Indischen Mungo "Rikki-Tikki-Tavi" allgemeiner bekannt wurde, weiß ich allerdings nicht. Ansonsten "verkaufen sich" Tiere mit einer besonderen Geschichte/Legende natürlich besonders gut. (10.10.2008, 13:16) | ||
| Alexander Fuchs: | Damals wusste man das vllt. noch nicht, mit den Erdmännchen und hat die Erdmännchen für 5 RM verscherbelt;) In den Büchern, aus dem 19. Jh. sind Mungus doch sehr oft abgebildt. Warum das "Intresse" an den Tieren abgenommen hat, weis ich nicht. Das so ein großes Intresse an Erdmännchen, heute besteht, konnte man ja nicht wissen. (10.10.2008, 12:44) | ||
| Michael Mettler: | Fast 9.000 Euro für einen Mungo - hättest du damals ein Erdmännchen importiert, hättest du womöglich für den Rest deines Lebens ausgesorgt gehabt :-) @Drac: Dann gäbe es ja noch die Deutung, dass man damals vielleicht auch noch zwischen vorderasiatischen/indischen Leoparden und hinterindischen/sundanesischen unterschied. Aus letzterer Gegend kamen ja auch die meisten Schwärzlinge, deren hoher Preis ebenfalls auffällt. Das wiederum würde aber wohl bedeuten, dass schwarze Panther dort häufiger waren als "gefleckte Tiger", denn schwieriger zu fangen wären letztere wohl kaum, wenn es sich ebenfalls um Leoparden handelte. (10.10.2008, 12:23) | ||
| Alexander Fuchs: | Es werden aber alle Katzen aufgelistet, Jaguar(Südamerika), Leopard (Afrika), gefleckter und schwarzer Panther (Asien) plus der gefleckte Tiger. (10.10.2008, 12:18) | ||
| Drac: | Aye, anders als Jagdleopard kenne ich auch keinen anderen Namen für den Geparden. Der Nebelparder heißt zwar tatsächlich Asttiger auf indonesisch/malayisch, aber und jetzt kommt das lustige, ich wusste nicht was der Namensbestandteil Tutul beim Leoparden bedeutet, also habe ich grade nachgeguckt, auf indonesisch heißt ein Leopard/Panther tatsächlich gefleckter Tiger ;) (10.10.2008, 12:02) | ||
| Michael Mettler: | @Drac: Der Gepard wird in den alten Ausgaben noch "Guepard" geschrieben, fehlt aber in der Liste. Ich kann mich nicht erinnern, ihn mal in irgendeinem Zusammenhang als "-tiger" gefunden zu haben, sondern allenfalls als "Pardelkatze". Im Altertum war ja sein Name "pardus", und man hielt den Leoparden für ein Mittelding zwischen ihm und dem Löwen (leo x pardus). (10.10.2008, 11:53) | ||
| Drac: | Und wenn man den von Wikipedia dem Hamburger Staatsarchiv zugeschriebenen Wechselkurs nimmt ergibt sich folgendes Bild umgerechnet in Euro afrikanischer Elephant 21.384,- indischer Elephant 53.460,- bis 106.920,- Orang-Utang 35.640,- Känguruhs 3.564,- bis 21.384,- je Paar Rhinoceros 142.560,- bis 356.400,- Wolf 1.782,- bis 3.564,- Hyäne 4.277,- bis 10.692,- Ichneumon 8.910,- Waschbär 2.851,- brauner Bär 3.564,- syrischer oder schwarzer Bär 4.277,- japanischer oder Himalayabär 5.346,- Polarbär 8.910,- amerikanische Pantherkatze 1.069,- bis 3.564,- Jaguar 10.692,- bis 17.820,- Leopard 7.128,- gefleckter Panther 10.692,- schwarzer Panther 53.460,- Löwe oder Tiger 28.512,- gefleckter Tiger mitunter 106.920,- (10.10.2008, 11:52) | ||
| Michael Mettler: | @Rattus: M.W. bezeichnete man früher mit "Leopard" die afrikanischen Vertreter und mit "Panther" die asiatischen, und letztere gab es dann eben gefleckt und schwarz. Was wir heute als Nordpersischen Leoparden bezeichnen, hieß noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in Zooführern "Persischer Panther". Auf den Nebelparder als Möglichkeit für den "gefleckten Tiger" bin ich nur gekommen, weil er in seiner Heimat m.W. auch "Baumtiger" genannt wird. Die unterschiedlichen Preise für Elefanten könnten daran liegen, dass vom Afrikaner grundsätzlich nur Kälber importiert wurden, vom Asiaten dagegen auch (oder überwiegend?) erwachsene Arbeitselefanten. Die waren dann natürlich schon dressiert und wesentlich eindrucksvoller, was den höheren Preis bewirkt haben könnte - und vielleicht sogar größere Beliebtheit. In der Liste findet sich übrigens auch der Hinweis, dass man Elefanten beim Londoner Händler Jamrach derzeit billiger bekam als in Indien... (10.10.2008, 11:41) | ||
| Alexander Fuchs: | Ich gehe auch mal davon aus das es sich um den Nebelparder handelt. Er wird ja auch als Affentiger bezeichnet und damals nannte man ihn gefleckten Tiger. (10.10.2008, 11:40) | ||
| Drac: | Ja, das habe ich dann leider auch gesehen, charakteristische gefleckte (größere) Katzen die fehlen sind wohl nur Nebelparder, Schneeleopard und Gepard - Übrigens, zur Umrechnung von Goldmark zu Euro 1879 ist laut der immer mit vorsicht zu genießenden Wikipedia 1 Mark zu 17,82€ (10.10.2008, 11:38) | ||
| Alexander Fuchs: | @Drac In der Liste werden aber Jaguare mit aufgelistet und daher glaube ich nicht das der gefleckte Tiger = Jaguar ist. (10.10.2008, 11:23) | ||
| Drac: | Ein weiterer Kandidat neben dem Nebelparder könnte auch der Schneeleopard für den gefleckten Tiger sein (10.10.2008, 11:23) | ||
| Drac: | Arg, sehe grade, dass der Jaguar extra geführt wurde, sorry (10.10.2008, 11:21) | ||
| Drac: | Sehr interessant finde ich neben den Ichneumonpreis, dass afrikanische Elefanten günstiger sind als Inder, ob dies mit der britischen Krone und der gerne behaupteten Zähmbarkeit im Vergleich zum Afrikaner liegt? Beim gefleckten Tiger dürfte es sich mWn um Jaguare handeln, jedenfalls wird diese Art bei Humboldt als Tiger bezeichnet (10.10.2008, 11:20) | ||
| Rattus: | "Jaguar 600,- bis 1000,- Leopard 400,- gefleckter Panther 600,-" hat jemand eine idee, was der gefleckte panther sein könnte...? @Jennifer Weilguni "Oder waren Wildfänge generell günstiger zu haben als Nachzuchten?" Sind sie heute in großen Teilen immernoch. (10.10.2008, 11:14) | ||
| IP66: | Ich finde die Überlegungen zu den nachgezüchteten und den zu kaufenden Tieren sehr interessant. Den Ichneumonpreis könnte man mit der Besetzungsnotwendigkeit von KLeinraubtierhäusern und -käfigen erklären, zumal in Deutschland durch die Forschungen von Herrn Lepsius und seinen Kollegen das pharaonische Ägypten und seine Bewohner im Bildungsbürgertum recht geläufig waren. Bezeichnend finde ich auch den Preis schwarzer Leoparden. Für die 1870er Jahre würde ich auch eine Orientierung der Presei am Wandermenagerie- und Zirkusbedarf vermuten - da dürfte dann aber weniger die Ansprüche des Bildungsbürgertum als dies des von Herrn Nipperdey beschriebenen "gehobenen Proletariats" eine Rollse spielen, dessen Unterhaltungsbedürfnis im Lauf des Jahrhunderts getsiegen und dessen finanzielle Mittel ebenfalls im Wachstum begriffen waren. (10.10.2008, 10:57) | ||
| Alexander Fuchs: | Was mich intressiert, was ist ein gefleckter Tiger? Ich kenne nur den gefleckten Tiger (Stachelbeerspanner) als Nachtfalter und der ist bestimmt keine 6000 RM wert gewesen ;) (10.10.2008, 10:48) | ||
| Alexander Fuchs: | In alten, bebilderten Büchern waren (sind) immer Mungos abgebildet, vllt. daher auch der hohe Preis. (10.10.2008, 10:38) | ||
| Michael Mettler: | Was mich mehr wundert als die Preise für Löwe & Co., ist der Preis für ein Ichneumon. Mungos sind weder Statussymbole noch Circusattraktionen, und Nordafrika als vermutliches Herkunftsgebiet der Tiere lag dem europäischen Handel deutlich näher als Nordamerika (Waschbär, Schwarzbär) oder Südamerika (amerik. Pantherkatze = Ozelot oder Puma?). Was also machte dieses Tier so teuer? (10.10.2008, 10:28) | ||
| Alexander Fuchs: | Wenn man Tiere vermarktet steigt natürlich der Rang des Tieres, bei den Besuchern. Je mehr ich über das Tier schreibe oder berichte, steigt automatisch die Popularität. Das beste Beispiel, in der Neuzeit, sind die Erdmännchen. Die dürfen in keinem Zoo mehr fehlen. Die wurden Medienwirksam vermarktet und der Film "König der Löwen" hat sein übriges beigetragen. So kann es natürlch auch mit dem Eisbären gewesen sein, in der Vergangenheit. Dafür bin aber zu jung, um das zu beurteilen. Nur so viel, Zoos warben mit dem Eisbären und auch Tierschutzorganisationen am frühen Anfang. Somit kann man davon ausgehen, dass die Popularität automatisch anstieg und alle Besucher Eisbären sehen wollten. (10.10.2008, 10:25) | ||
| Ingo Rossi: | Die Preisliste erscheint mir sehr angepasst an den, sicherlich grösseren und kapitalkräftigeren Markt, der Circus und Menagerien angepasst zu sein. Die teueren Tiere, wie Tiger,Löwe und ind. Elefant, sind alle gerade in diesem Bereich sehr wichtige und dressierbare Staussymbole gewesen. (10.10.2008, 10:07) | ||
| Ralf Sommerlad: | Das neu herausgegebene Buch "The Lizard King" von Bryan Christy bezieht sich auf den illegalen Reptilienhandel in den USA - und es tauchen durchaus auch Namen auf, die am deutschen "Tiermarkt" nicht ganz unbekannt sind. Sehr lesenswert. (10.10.2008, 09:43) | ||
| Michael Mettler: | P.S. Vielleicht hatten Eisbären damals noch gar nicht einen so hohen Stellenwert beim Zoopublikum? Sie saßen schließlich in den gleichen Zwingern wie andere Bären, und auch wenn man ihnen größere Bassins zugestand, so blieben es doch bessere Badewannen. Mag sein, dass die Beliebtheit der weißen Riesen erst stieg, als man sie weithin sichtbar auf Freisichtanlagen präsentierte, in großen Gruppen hielt und ihnen Wassergräben zur Verfügung stellte, in denen ihre Beweglichkeit im Wasser erst richtig zur Geltung kam. Die beim Publikum so beliebten Kopfsprünge ins Wasser dürfte sich ein Eisbär jedenfalls in einem Bärenburgbassin nicht erlaubt haben... (10.10.2008, 09:28) | ||
| Michael Mettler: | Leider weiß ich nicht, welchem heutigen Gegenwert eine damalige "Mk." (Mark?) entspricht, das würde die Liste noch interessanter machen. Der Preis für den Löwen könnte natürlich auch ein Prestigepreis sein, wo es doch ein "königliches" Tier ist und damals noch Monarchie herrschte :-) In der Preisliste tauchen z.B. Hirsche, Antilopen, Rinder, Kamele oder Einhufer wie auch Vögel überhaupt nicht auf. Genau aus diesen Kreisen (Wild- und Haustierformen) setzten sich aber überwiegend die dokumentierten Nachzuchten der Zoos zusammen, während Raubtier- oder Affennachzuchten eher die Ausnahme waren, von Dickhäutern ganz zu schweigen. Deshalb denke ich, dass die genannten Preise sich auf Importtiere beziehen. (10.10.2008, 09:17) | ||
| Jennifer Weilguni: | Na, das sind doch wahre Schnäppchen. Wobei es mich ehrlich gesagt doch sehr wundert, dass ein Polarbär günstiger gehandelt wurde, als ein Löwe ??? Selbst ein Elefant war da ja noch "billiger" zu haben. Kennt jemand den Grund hierfür ? Oder waren Wildfänge generell günstiger zu haben als Nachzuchten ? (10.10.2008, 07:55) | ||
| Michael Mettler: | Beim Stöbern in alten Jahrgängen des "Zoologischen Garten" bin ich auf eine Liste von 1879 "Preise wilder Thiere im Grosshandel" gestoßen. Da die Preisangaben ja in gewissem Maße die Leichtigkeit oder Schwere der Beschaffung wie auch den beigemessenen Wert in der Zoo-Gründerzeit widerspiegeln, will ich hier mal die wichtigsten Beispiele anführen (alle Preise in Mk. und Tiernamen in Originalschreibweise): afrikanischer Elephant 1200,- indischer Elephant 3000,- bis 6000,- Orang-Utang 2000,- Känguruhs 200,- bis 1200,- je Paar Rhinoceros 8000,- bis 20000,- Wolf 100,- bis 200,- Hyäne 240,- bis 600,- Ichneumon 500,- Waschbär 160,- brauner Bär 200,- syrischer oder schwarzer Bär 240,- japanischer oder Himalayabär 300,- Polarbär 500,- amerikanische Pantherkatze 60,- bis 200,- Jaguar 600,- bis 1000,- Leopard 400,- gefleckter Panther 600,- schwarzer Panther 3000,- Löwe oder Tiger 1600,- gefleckter Tiger "mitunter 6000,-" Was soll nun ein "gefleckter Tiger" sein, wenn Jaguar und Leopard/Panther schon anderweitig aufgezählt sind? Womöglich ein Nebelparder? Bemerkenswert auch, dass ein Ichneumon genauso teuer war wie ein Eisbär bzw. man für den Preis eines Ichneumon-Pärchens schon fast einen afrikanischen Elefanten bekam. Auch der geringe Preisunterschied zwischen Wasch- und Braunbär fällt auf. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen (Löwen?) sollte es sich bei allen genannten Tieren um Wildfänge gehandelt haben. Die alten ZG-Jahrgänge enthalten hie und da auch Verkaufslisten von Zoos (z.B. London) und Angebotslisten für die Antwerpener Tierauktionen. (09.10.2008, 21:11) | ||
| IP66: | So viel ich weiß, hat auch Kaiser Rudolf II. eine lebende Dronte besessen. Offensichtlich waren die Beschaffungen in den Niederlanden und in Belgien so organisiert, daß man die Tiere in ihren Herkunftsländern kaufte, der Transport aber auf Rechnung der Schiffskapitäne - oder der Eigner? - erfolgte. Allerdings ist selbst Antwerpen um 1855 noch eine im Beginn der Industrialisierung steckende Stadt, und auch die große Zoogründungswelle steht noch an ihrem Beginn. Aber es war wohl so, daß diese "Privattransporte" sich langsam vergrößerten und in der Zeit zwischen 1860 und 1880 die großen Importunternehmen entstanden. Die Überlegung ist die, ob man für den Artenzoo diese Importunternehmen brauchte - vielleicht nicht unbedingt in Antwerpen oder Amsterdam, wo man eine Art Vorkaufsrecht hatte, wohl aber doch in Berlin, wo auch heute nur selten Hochseeschiffe anlanden. Immerhin hat Bodinus in den 60ern und 70ern dann mit Bärenburg, Raubtierhaus, Elefantenpagode und vor allem Antilopenhaus Bauten errichtet, die auf regelmäßige Importe angewiesen waren. Vielleicht brauchte der nicht wie Gelsenkirchen unbedingt Breitmaulnashörner, aber er ging beim Bau davon aus, eine Nashornart zu erhalten, und mit den anderen Arten war es ebenso. (03.07.2007, 11:06) | ||
| Michael Mettler: | Laut einer Amsterdam-Chronik "Het boek van Artis" existierte schon im 17. und 18. Jahrhundert, als Holland die bedeutendste Seefahrtnation der Welt gewesen sein soll, ein florierender Import exotischer Tiere per Schiff. Was überlebte, kam in Menagerien und Privatsammlungen, was starb, wanderte in die zoologischen Sammlungen und in Naturalienkabinette. Die Handelsgesellschaft Vereinigte Ost-Indische Kompanie importierte letztlich so viele und so regelmäßig exotische Tiere, dass sie auf ihrem Gelände in Amsterdam extra Stallungen dafür erbaute, die viele Besucher anlockten. 1626 wurde eine lebende Dronte importiert und sogar zusammen mit anderen Tieren auf einem Gemälde dargestellt (darunter unschwer zu erkennen ein roter und ein Gelbbauchara, Molukkenkakadu, Rothalskasuar, Dunkler Kronenkranich, Trauerschwan, Paradiesvögel, Strauß, Asiatischer Elefant, Löwe, einhörniges Nashorn, Trampeltier). Im Jubiläumsbuch aus Antwerpen "The Chant of Paradise" (gibt es auch in Französisch und Holländisch) wird über die Tierbeschaffung im 19. Jahrhundert geschildert, dass die Königliche Gesellschaft für Tierkunde u.a. Kaufleute, Kapitäne und ab 1844 ganze Schiffsgesellschaften dazu animierte, im Ausland für sie Tiere aufzukaufen und mitzubringen. Dafür wurden sogar eigens "Wunschlisten", geordnet nach Herkunftsgebieten, verteilt. Wer ein Tier stiftete, bekam freien Eintritt in den Zoo, bei besonders wertvollen Schenkungen Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft. Allein zwischen 1843 und 1850 gab es 247 Geschenke! Und man sollte nicht glauben, dass die Kapitäne nur Affen, Papageien und anderes Kleingetier auf eigene Faust beschafften. Es wird ein Fall erwähnt, in dem ein Kapitän Harrisson sich anbot, Tiere aus Indien mitzubringen und 1871 mit einem ganzen Transport zurück kam, der zwei Elefanten, Tiger, Panther, ein Nashorn und andere Tiere enthielt. Da die Seeleute wohl kaum selbst auf langwierige Fangexpeditionen gegangen sein dürften, scheint es kein großes Problem gewesen zu sein, bereits vor Ort gehaltene Tiere aufkaufen oder eintauschen zu können. (02.07.2007, 21:50) | ||
| Michael Mettler: | @Carsten: Bode ist Händler. Laut Auskunft aus GE sprang er aber z.B. für Ruhe auch als Transporteur ein (vermutlich auf Honorarbasis), wenn dessen Fahrer gerade alle belegt waren. Gut möglich, dass es weitere Kooperationen dieser Art unter Händlern gab/gibt. (02.07.2007, 08:56) | ||
| Carsten: | Weitere Tierhändler waren / sind u. a. noch Bode (oder war der nur Transporteur), Van den Brink / Jabria (NL), Sensen, Raak (zeitweise Zoo Neuwied ?), Slotta, Bordi (I), Amo Safari (B), Müller (A), Jörgensen (DK), Van Dijk (NL), Künzler, Heini Demmer (A), Interzoo, Halbritter (A), Animex (PL) (02.07.2007, 01:06) | ||
| Michael Mettler: | Zu außerdeutschen Tierhändlern fiel mir eben noch ein: Der Engländer Chapman, nach dem das Zebra benannt wurde, war ebenfalls Tierhändler. (01.07.2007, 20:14) | ||
| IP66: | Interessant! Der Zuchtaspekt könnte natürlich auch bei den Gnus, von denen im Antilopentheread die Rede war, eine Rolle gespielt haben. (01.07.2007, 17:01) | ||
| Michael Mettler: | Ich habe in der 100-Jahre-Chronik Hannovers von 1965 zum Thema Tierhandel vor 1900 nachgeschlagen. Es scheint, als habe zumindest in Hannover - vielleicht aufgrund der eingeschränkten finanziellen Mittel - der Tierhandel gar keine so große Rolle gespielt, wie man meinen könnte. Sehr viele Tiere gelangten als Geschenke in den Zoo, selbst große Arten wie Sambarhirsche oder Bären; in manchen Geschäftsjahren war die Liste der geschenkten Tiere länger als die der gekauften. Nun geht natürlich in den meisten Fällen nicht daraus hervor, ob der jeweilige Donator das Tier vorher selbst gehalten oder wenigstens beschafft hat, oder ob er "nur" die vom Zoo ins Auge gefasste Anschaffung finanziert hat. Aber als besonders eifriger Spender ist z.B. ein Kapitän von Alten erwähnt, der bei jeder Gelegenheit Tiere für den Zoo aus Übersee mitbrachte oder mit anderen Schiffen gen Deutschland schickte. Er wird sie wohl kaum selbst gefangen haben, griff also wahrscheinlich auf das zurück, was er Einheimischen oder Siedlern vor Ort abhandeln konnte. Vielleicht gelangten viele Tiere auf ähnliche Weise, zum Beispiel auch von ausgewanderten Hannoveranern, in den Zoo. Noch bis in die jüngere Zeit erhielten ja Hafenstadtzoos wie Bremerhaven und Rostock regelmäßig lebende Mitbringsel heim kommender Seeleute. Als professionelle Händler tauchen in der Chronik jener Jahre eigentlich nur Hagenbeck und Reiche auf. Diese stellten im Zoo häufig (und vertraglich gebunden) Leihtiere aus, deren Erwerb oder dauerhaften Unterhalt sich der Garten nicht leisten konnte - z.B. Große Ameisenbären oder Seelöwen. Wer weiß, ob nicht so manches kostbare Tier heute in diversen Zoo-Chroniken als Haltung verzeichnet ist, obwohl nur das selbe Individuum nacheinander in mehreren Zoos auf Tournee war, bis es verkauft wurde oder starb... Für ein Flusspferdpaar ist genau das belegt, denn es wurde in diversen Zoos kurzzeitig ausgestellt (u.a. in Berlin), bis es 1860 endgültig in Amsterdam landete. Der Zoo Hannover beteiligte sich aber im 19. Jh. auch selbst eifrig am Tierhandel. So wurden offensichtlich von vielen Tieren nur deshalb Paare zusammengestellt bzw. gekauft, weil man mit dem Verkauf der Nachzucht Geld einnehmen wollte. Sieht so aus, als sei die damalige Artenvielfalt eher durch die ungeplanten Geschenke (wahrscheinlich oft Einzeltiere) als durch die gezielt gekauften Tiere entstanden. Ausnahmen waren teure, aber besucherattraktive Arten wie Elefant oder Schimpanse, bei denen man wahrscheinlich ohnehin nicht damit rechnete, sie zur Fortpflanzung bringen zu können (von vielen anderen Arten war ja aus den bereits bestehenden Zoos und den Menagerien bekannt, dass sie züchtbar waren). Der Zoo betätigte sich sogar als Zwischenhändler, indem er z.B. von Reiche einen größeren Posten Roter Kardinäle aufkaufte und diese dann paarweise an Liebhaber weiterveräußerte! (01.07.2007, 00:31) | ||
| IP66: | Die Bongo-Aufsätze habe ich gelesen. Leider ist es da so wie auch beim Tierbestand des berliner Zoos: Für die Heck-Zeit weiß man sehr viel, aber weder der Tierhandel zur Zeit von Bodinus noch der Tierbestand des Zoos ist zuverlässig rekonstruierbar. Das spricht für einen Wandel des Bedarfs um 1880 - aber den Tierbestand vor diesem Zeitpunkt kennen wir auch in den Zoos sehr schlecht. Es wäre sicher interessant, hier die Zooführer und Jahresberichte, die sich auffinden lassen, systematisch auswertet - das hat anscheinend noch niemand getan. Selbst Schlawes berliner Artenverzeichnis ist da sehr lückenhaft. (30.06.2007, 11:06) | ||
| Michael Mettler: | Ja, Mohr ist ein gutes Stichwort: Da gab es doch in den Berliner BONGOs die Serie über Tierhändler, mit denen Klös Kontakt pflegte. Wenn ich nicht irre, steht doch da auch immer etwas über die Firmengeschichte drin? (29.06.2007, 21:14) | ||
| michl: | nicht zu vergessen die Tierhandlung Mohr- Ulm (29.06.2007, 20:57) | ||
| Michael Mettler: | Nicht zu vergessen, dass selbst der Gründer des Leipziger Zoos, Pinkert, auf eigene Rechnung mit Tieren handelte. Für die Zeit vor 1945 gab es übrigens als deutschen Händler noch Fockelmann. Spezielle Bücher über die Händler des 19. Jh. sind mir nicht bekannt, wenn man von Hagenbecks "Von Tieren und Menschen" einmal absieht. Vielleicht gäben aber auch die alten Ausgaben des "Zoologischen Garten" aus dieser Zeit einigen Aufschluss. (29.06.2007, 20:51) | ||
| Ingo Rossi: | In Signor Saltarinos Artisten Lexikon von 1895 (Nachdruck 1987) gibt es eine kleine Liste mit "Thierhandlungen": -Hagenbeck HH -Heinrich Möller, Aachen -C.Reiche, Alfeld -C.Bertrams, Braunschweig -J.Menges, Limburg -Carlo Zweier, Triest -Gebr. J. u G. Hagenbeck, HH -Fritz Calovius, Leipzig Die Welt es damals aufkommenden Typ des Zelt-Zirkus und die schon vorher florierenden Menagerien hatten ja einen regen Tierbedarf. Vielleicht kann man darüber mehr über die tierischen Bezugsquellen erfahren. (29.06.2007, 19:58) | ||
| IP66: | Anscheinend betreffen die von ihnen angeführten Werke hauptsächlich den Tierhandel nach 1880. Interessant ist, daß Artenzookonzepte ja schon vorher entstanden sind, vor allem in Berlin, und auch da schon manches Gehege gefüllt werden mußte. Um 1900 haben wir dann doch so etwas wie Tiergroßhandel, der auch in einen anderen Zootyp mündet. Ich frage mich aber doch, ob man nicht über einzelne spektapuläre Arten, Giraffen, Elefanten oder Großkatzen zum Beispiel, mehr über den Tierhandel zwischen 1830 und 1880 herausbekommen kann. (29.06.2007, 18:59) | ||
| Michael Mettler: | Es gab auf jeden Fall auch einige Händler in Großbritannien, z.B. die Jamrachs oder Hamlyn, in Frankreich (Heck sen. schrieb sehr ausführlich über seine Einkaufsfahrten nach Marseille) sowie in den USA. Ab wann Belgien und die Niederlande zum Handelsschwerpunkt wurden, weiß ich nicht. (28.06.2007, 12:23) | ||
| IP66: | Nach den Angaben hier müßte der Tierhandel vor 1945 recht fest in deutscher Hand gewesen sein - jedenfalls habe ich noch nie etwas von einer nichtdeutschen Tierhandelsfirma gelesen. Hängt das damit zusammen, daß es Deutschland auch so viele Zoos besaß oder ist es einfach eine nationale Perspektive, der die nichtdeutschen Firmen entgehen? (28.06.2007, 12:01) | ||
| Tim Ziesmann: | Vielen Dank, Michael! (27.06.2007, 15:14) | ||
| Michael Mettler: | Ausgehend von der Fragestellung im Thread "Leoparden-Unterarten" hier ein paar Bücher, die sich ausschließlich oder u.A. mit Tierfang und -handel befassen: Gerald Durrell: Tiere, Tänze, Trommeln - Auf Tierfang im Regenwald Kameruns dito: Auf Kleintierfang in Kamerun - Die Spürhunde des großen Fon (oder als Taschenbuch: Zoo unterm Zeltdach) dito: Ein Koffer voller Tiere - Ich fange meinen eigenen Zoo dito: Ein Noah von heute dito: Das flüsternde Land (oder als Taschenbuch: Die goldene Herde) dito: Der trunkene Wald dito: Mr. Zoo & Co. (oder als Taschenbuch: Fang mir einen Colobus) dito: Ein Himmel voller rosa Tauben Alle Durrell-Bücher wimmeln nicht nur von interessanten Tierarten, sondern sind gleichzeitig sehr unterhaltsam und mit viel Humor verfasst. Christoph Schulz: Auf Großtierfang für Hagenbeck Lutz Heck: Aus der Wildnis in den Zoo dito: Tiere - Mein Abenteuer Hermann Ruhe: Wilde Tiere frei Haus Peter Ryhiner: Auf Tierfang durch die Welt Jean-Yves Domalain: Gottes wilde Geschöpfe John Nichol: Tierschmuggel (Die beiden letztgenannten behandeln die schmutzige Seite des Tierhandels.) Besonders interessant, da nicht auf eine spezielle Region der Erde beschränkt, ist das Buch von Peter Ryhiner, einem Schweizer, der z.B. die ersten Panzernashörner und das Sumatranashorn nach Basel gebracht hat. Über den Fang des letzteren findet man leider nichts im Buch. Mag aber sein, dass es hie und da an Genauigkeit mangelt, denn laut Buch wurde das Panzernashornpaar, dessen Fang und Transport ausführlich beschrieben werden, zeitgleich nach Basel gebracht, in der Realität kam jedoch der Bulle zuerst in den Zoo und lebte dort eien Weile allein, bis die Kuh folgte. Das Buch erschien zuerst in Englisch, was sich in der deutschen Ausgabe bei einigen Tierarten bemerkbar macht, deren Namen einfach wörtlich aus dem Englischen übersetzt wurden (z.B. "Kleinerer Panda", "baktrisches Kamel" oder "Himalaja-Bär"). (27.06.2007, 14:19) | ||
| Sven P. Peter: | Na ja... Z.B. bei Nagetieren is ein Erdmännchen abgebildet... das gibt zu denken! (19.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | kannst du mir ein beispiel für die Seiten nennen. Wäre nett. wieso Merkwürdig? ein zwielichtes Unternehmen oder in welcher hinsicht (19.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | http://www.exotenvermittlung.de/frame.html Geht inzwischen wieder is aber sehr merkwürdig, wie ich finde. Vor allem die Tierbilder von den Verschiedensten Seiten die ich kenne. (19.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Was ist mit der Liste der EAZA auf der alle Abgabetiere und gesuche der Mitgliedszoos stehen? kommt man da irgendwie ran? (11.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Besten dank dachte mir nur unter anderem titel ist es vielleicht ansprechender (10.10.2005, 00:00) | ||
| Sven P. Peter: | Und ich stelle meine Antwort auch hier rein... wie unsinnig... zweima der selbe Threat! Hallo ich kenne nur diese hier: http://www.tiertausch.de/ Es gab auch ma www.exotenvermittlung.de doch die scheinen wieder verschwunden zu sein... MfG Sven P. Peter (09.10.2005, 00:00) | ||
| Hannes: | Ich bin vor ein zwei monaten auf eine Seite einer Tiervermittlung aus den neuen bundesländern gestoßen die verschiedene wildtiere (Löwe, Tiger, Wasserbüffel etc.)an privatleute und Zoos vermitteln. kennt jemand diese oder eine ähnliche seite. interessiere mich sehr für den handel/tausch oder das einstellen von tieren in zoos. bin aucgh sehr interessiert an berichten Preislisten oder geschichten über tierhändler (Bode, Ruhe) sowie seltenen oder spektakulären fangaktionen und importen. wäre für jegliche information dankbar. Ich stell die Bitte einfach nochmal rein um mehr ergebnisse zu erhalten. (09.10.2005, 00:00) |
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