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Zuchtprogramme und deren Sinn



cajun:   Ein interessantes Projekt. Das Israel involviert ist, war mir gar nicht so bewusst:

"Arnheimer Seeadler behaupten sich am Himmel ĂŒber Israel
FĂŒr eine Reihe von Tierarten bestehen Auswilderungsprojekte: Tiere, die in Zoos geboren wurden, werden unter der Aufsicht eines Biologen-Teams wieder in freier Wildbahn angesiedelt. Dies geschieht – in der Regel, wenn die Tiere noch jung sind – in Gebieten, die zum ursprĂŒnglichen Lebensraum der Art gehören, in denen das Tier jedoch lokal ausgestorben oder sein Bestand drastisch zurĂŒckgegangen ist. Oft sind Wiederansiedlungsprojekte viel aufwendiger, als es klingt, aber wenn es möglich und zu verantworten ist, arbeiten wir als Zoo sehr gerne daran mit. In dieser Ausgabe geht es um Arnheimer Seeadler, die in Israel erfolgreich ausgewildert wurden.
Der Seeadler hatte ursprĂŒnglich ein großes Verbreitungsgebiet, das sich ĂŒber ganz Europa und Teile Asiens bis nach Indien und China erstreckte. Lange Zeit ging die Population in freier Wildbahn immer weiter zurĂŒck, aber zum GlĂŒck hat sich die Lage in den letzten Jahrzehnten verbessert. In den Niederlanden wurde erstmals 2006, nach einer mehrere hundert Jahre andauernden Abwesenheit, wieder ein erfolgreicher Brutversuch des Seeadlers beobachtet, und zwar in den Oostvaardersplassen, einem Feuchtgebiet sĂŒdlich des IJsselmeers. Seitdem brĂŒtet der Vogel in den Niederlanden jedes Jahr und 2020 sind bereits etwa 20 Brutpaare gezĂ€hlt worden. Der Seeadler ist also definitiv in die Niederlande zurĂŒckgekehrt.

In anderen LĂ€ndern hat man beschlossen, den Seeadlern unter die Arme zu greifen. Wir möchten in diesem Artikel ĂŒber ein erfolgreiches Auswilderungsprojekt fĂŒr Seeadler berichten, zu dem der Burgers’ Zoo einen wichtigen Beitrag leisten konnte. Wir hatten schon seit vielen Jahren Seeadler in unserem Bestand, als 1993 ein europĂ€isches Populationsmanagement-Programm fĂŒr diese Vogelart aufgelegt wurde. Ein Jahr spĂ€ter, 1994, wurden auch die Seeadler in israelischen Zoos in dieses Programm aufgenommen. Im nĂ€chsten Schritt brachte man vier mĂ€nnliche Vögel aus Israel in europĂ€ische Tierparks, wo sie sich mit den dort vorhandenen Weibchen paaren sollten. Ziel war es, die Population mit Blick auf die Zukunft genetisch gesund zu erhalten. Im Jahr 1995 kam schließlich ein Seeadler-MĂ€nnchen aus Israel nach Arnheim, und wir schickten im Gegenzug ein in Arnheim geschlĂŒpftes MĂ€nnchen in den Nahen Osten. Dieser Tiertausch erwies sich als sehr erfolgreich: Das MĂ€nnchen aus Israel hat im Burgers’ Zoo zahlreiche Nachkommen gezeugt.
Dank der intensiven Kooperation mit Israel kam unser Zoo 1995 auch mit dem Ramat Hanadiv Raptor Reintroduction Project in Kontakt, das sich dem Schutz und der Wiederansiedlung von Raubvögeln – insbesondere von Seeadlern – in Israel widmet. Dieses Auswilderungsprojekt war in enger Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t und anderen wissenschaftlichen Instituten in Tel Aviv ins Leben gerufen worden und wird von verschiedenen israelischen Biologen intensiv betreut. Schließlich bĂŒndelten das Ramat-Hanadiv-Projekt und das europĂ€ische Populationsmanagement-Programm ihre KrĂ€fte, um den Seeadler in Israel in freier Wildbahn wieder anzusiedeln. Die Vögel waren dort seit 1957 ausgestorben. Im Burgers’ Zoo haben wir uns gefreut, an diesem professionell konzipierten, hoffnungsvollen Projekt mitwirken zu können.

Innerhalb weniger Jahre sind insgesamt neun junge Seeadler aus europĂ€ischen Zoos nach Israel ĂŒbergesiedelt, von denen ganze sieben in Arnheim zur Welt gekommen waren. „Die Zusammenarbeit mit dem Burgers’ Zoo war entscheidend fĂŒr den Erfolg des Projekts“, erklĂ€rt der Koordinator des Ramat-Hanadiv-Projekts. „Ein Auswilderungsprojekt hĂ€ngt weitgehend davon ab, dass eine ausreichende Anzahl von Adlern innerhalb kurzer Zeit ausgesetzt wird. Die Vögel, die an einem bestimmten Ort freigelassen werden, sollten außerdem in etwa das gleiche Alter haben, um die Erfolgschancen zu erhöhen.“

Wie gestaltete sich die Wiederansiedlung in der Praxis? Als die jungen Seeadler im Begriff waren, das Nest zu verlassen, wurden sie von den Tierpflegern aus dem Nest geholt. Nach einer kurzen Untersuchung durch den Tierarzt traten die Vögel in Transportkisten den Flug nach Israel an. Die Fluggesellschaft El Al unterstĂŒtzte dieses Projekt und beförderte die Vögel kostenlos. Am Zielort angekommen, durften sich die Jungvögel zunĂ€chst in einem speziell dafĂŒr entworfenen Ausgewöhnungsgehege langsam mit ihrer neuen Umgebung vertraut machen. Hier wurden sie tĂ€glich gefĂŒttert und von den beteiligten Biologen sorgfĂ€ltig ĂŒberwacht. Irgendwann öffneten diese die TĂŒr des Geheges und die Vögel unternahmen neugierig ihre ersten FlĂŒge. Manchmal kamen sie auf einen Sprung zurĂŒck, um zu fressen, aber schon bald waren sie darauf nicht mehr angewiesen. Sie schafften es, ihre Nahrung selbst zu finden.

Dank dieser erfolgreichen Auswilderung fliegen heute mehrere Seeadler ĂŒber Israel, die in Arnheim geschlĂŒpft sind. Zudem konnten die Biologen im Laufe der Jahre beobachten, dass verschiedene Vögel, die im Rahmen dieses Projekts freigelassen wurden, einen Partner gefunden und erfolgreich Junge aufgezogen haben. Der Burgers’ Zoo durfte also einen wichtigen Beitrag zur RĂŒckkehr des Seeadlers nach Israel leisten: ein bedeutendes Projekt, auf das unsere Biologen und Tierpfleger nicht ohne Stolz zurĂŒckblicken."
Quelle: https://www.burgerszoo.de/nieuws/2022/06/arnheimer-seeadler-behaupten-sich-am-himmel-uber-israel
(23.06.2022, 16:29)
cajun:   Eine Meldung aus Frankreich zum Thema:
"Wie kann ein im Zoo geborenes Tier wieder ausgewildert werden?
Am Mittwoch, dem 5. Januar 2022, flog ein im Bioparc in DouĂ©-la-Fontaine (49) geborener Riesenotter nach Argentinien. Eine Premiere in Frankreich fĂŒr ein Tier dieser bedrohten Art. Ziel ist es, Arirahna, ein siebenjĂ€hriges Weibchen, in Begleitung eines MĂ€nnchens aus einem schwedischen Zoo in ihre natĂŒrliche Umgebung zu entlassen. Ein Projekt, das mehr als 20 Jahre in Anspruch nahm. Pierre Gay, PrĂ€sident von Bioparc Conservation, erklĂ€rt, dass er Ende der 2000er Jahre zum 40-jĂ€hrigen JubilĂ€um des Bioparc die Idee hatte, Naturschutzprogramme zu unterstĂŒtzen, die von lokalen Gemeinschaften verwaltet werden. Viele Reisen und Treffen fĂŒhrten 2005 zur Schaffung eines Zuchtprogramms fĂŒr die Otter in Europa. Damals gab es in europĂ€ischen Zoos nur sieben Individuen, darunter nur ein vermehrungsfĂ€higes MĂ€nnchen. Gleichzeitig begrĂŒĂŸte der Bioparc 2007 endlich sein erstes RiesenotterpĂ€rchen, das mehrere Junge zur Welt bringen wird, darunter Arirahna im September 2013. Arirahna und das schwedische MĂ€nnchen, das sie in IberĂĄ im Herzen von Argentiniens grĂ¶ĂŸtem Naturpark begleiten wird, wurden vom wissenschaftlichen Koordinator fĂŒr die Art in Europa aus der gesamten Population von Riesenottern in europĂ€ischen Zoos (etwa 80 Tiere) ausgewĂ€hlt. Unter den berĂŒcksichtigten Kriterien: Alter, Reife und genetische KompatibilitĂ€t. Ein erstes Paar Riesenotter war 2019 wieder ausgewildert worden und hatte mehrere WĂŒrfe. Gute Nachrichten fĂŒr diese Art, die von der IUCN in Argentinien als "wahrscheinlich ausgestorben" angesehen wird.
Schwierig, aber nicht unmöglich. In Russland gibt es deshalb ein Projekt mit den Persischen Leoparden. "Sie haben in europĂ€ischen Zoos in sehr großen Gehegen aufgezogene Tiere genommen, die sie in noch grĂ¶ĂŸere Gehege setzen. Ihre Absicht ist es, ihre Jungen freizulassen." Bei Primaten ist das Prinzip Ă€hnlich. Es geht darum, Individuen fernab des Menschen in einer sozialen Gruppe leben zu lassen, um dann die nachfolgenden Generationen auszuwildern. Der Zoo Beauval hatte daher 2019 zwei seiner Gorillas in Gabun wieder ausgewildert. Schließlich mĂŒssen der Ort, an dem die Tiere freigelassen werden, der richtige Zeitpunkt sowie die VerfĂŒgbarkeit von Futter sorgfĂ€ltig ausgewĂ€hlt werden."
Quelle: https://www.geo.fr/environnement/comment-un-animal-ne-dans-un-zoo-peut-il-etre-reintroduit-dans-la-nature-207773
Übersetzung: Zoopresseschau
(03.02.2022, 16:29)
cajun:   Seit Jahren ein erfolgreiches Projekt- nicht nur in NBG:

"Ohne Zoos und Zuchtstationen gibt es keine Tiere zur Auswilderung"

Seit Juli 2021 ziehen die beiden Bartgeier-Weibchen Wally und Bavaria ihre Kreise in den Ostalpen: Ihre Auswilderung markierte den Beginn eines auf zehn Jahre angelegten Projektes, das dort wieder einen stabilen Bestand wildlebender Bartgeier aufbauen soll.

Jedes Jahr wollen der bayerische Naturschutzverband LBV und der Nationalpark Berchtesgaden dafĂŒr in Zusammenarbeit mit dem Tiergarten der Stadt NĂŒrnberg und der Vulture Conservation Foundation (VCF) zwei bis drei weitere Jungvögel im Nationalpark Berchtesgaden auswildern. Einer der Vögel könnte in diesem Jahr aus dem Tiergarten NĂŒrnberg kommen.

Das dort lebende Bartgeierpaar hat sich bereits gepaart und mit dem Nestbau begonnen. "Mit etwas GlĂŒck legt das Weibchen im Laufe des Januars ein bis zwei Eier, die auch befruchtet sind - und das Paar beginnt mit der etwa zwei Monate dauernden Brut", sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Jörg Beckmann.

Die Zucht dieser Vögel wird im Rahmen des EuropĂ€ischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) koordiniert, an dem auch der Tiergarten NĂŒrnberg von Anfang an beteiligt war. "NatĂŒrlich haben wir die Hoffnung, dass im zweiten Auswilderungsjahr auch ein frĂ€nkischer Bartgeier in Berchtesgaden dabei sein wird", sagt LBV-Projektleiter Toni Wegscheider.

Der Tiergarten NĂŒrnberg hĂ€lt – mit nur kurzen Unterbrechungen – seit 1965 Bartgeier. Das NĂŒrnberger Bartgeierweibchen ist 22 Jahre alt, das MĂ€nnchen 42. Das Paar hatte in der Vergangenheit bereits fĂŒnf Mal Nachwuchs, vier der Jungtiere wurden großgezogen, drei davon im Rahmen des EEP ausgewildert.

"Zoos und Zuchtstationen spielen bei dem Auswilderungsprojekt eine entscheidende Rolle: Denn ohne eine stabile sogenannte Reservepopulation an Tieren, die in menschlicher Obhut gehalten und gezĂŒchtet wird, gibt es auch keine Tiere, die ausgewildert werden können", erklĂ€rt Beckmann weiter.

Sollte das Bartgeierpaar aus dem Tiergarten erfolgreich brĂŒten, wĂ€re der NĂŒrnberger Nachwuchs unter den Kandidaten fĂŒr das Auswilderungsprojekt und könnte mit etwas GlĂŒck auch seine neue Heimat in Berchtesgaden und somit in den Ostalpen finden. Doch "auch wenn es in diesem Bartgeierjahr nicht mit Nachwuchs klappen sollte, arbeitet der Tiergarten NĂŒrnberg weiter intensiv an der erfolgreichen Stabilisierung einer wildlebenden Bartgeierpopulation mit", ergĂ€nzt Beckmann.

In Zuchtzentren in Spanien und Österreich, woher ebenfalls zukĂŒnftige Bartgeier fĂŒr das Auswilderungsprojekt stammen können, ist derzeit der Höhepunkt der Eiablage. "Mittlerweile sollten ĂŒber viele der beteiligten Zoos und Zuchtzentren verstreut mehr als 20 Paare brĂŒten. Wir sind schon gespannt, aus welchen LĂ€ndern die Jungvögel fĂŒr unser Auswilderungsjahr 2022 stammen werden", sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

Wally im Umfeld des Nationalparks unterwegs

Anfang Juni 2021 kamen die beiden im Vorjahr ausgewilderten Bartgeierweibchen Wally und Bavaria aus der Zuchtstation GuadalentĂ­n in SĂŒdspanien in die Außenstelle des Tiergartens NĂŒrnberg in Schwaig. Dort wurden ihre Federn gebleicht und die Sender angepasst. Anschließend hat das Team des Tiergartens die Vögel in den Nationalpark Berchtesgaden gebracht.

Derzeit sind die jungen Bartgeier weiterhin im deutsch-österreichischen Grenzgebiet unterwegs. "Der GPS-Sender von Wally liefert regelmĂ€ĂŸig Daten aus dem grĂ¶ĂŸeren Umfeld des Nationalparks, wo sie umherstreift und erfolgreich nach Nahrung sucht. Von Bavaria gab es vor wenigen Tagen eine mögliche Sichtung im Salzburger Land, die derzeit noch ĂŒberprĂŒft wird", so Nationalparkdirektor Dr. Roland Baier.

Zum Projekt:

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zĂ€hlt mit einer FlĂŒgelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den grĂ¶ĂŸten, flugfĂ€higen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestĂ€tische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegrĂŒndeten EEP (EuropĂ€isches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europĂ€ische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in ZĂŒrich geleitet. WĂ€hrend sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbststĂ€ndig vermehren, kommt die natĂŒrliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund fĂŒr Vogelschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstĂŒtzt in Kooperation mit dem Tiergarten NĂŒrnberg die alpenweite Wiederansiedelung. DafĂŒr werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen"
Quelle Pressemeldung des TG
(19.01.2022, 23:16)
cajun:   Zum Thema noch ein sehr guter Beitrag des Magazins "Nano" mit dem Interview Partner Dag Encke aus dem Tiergarten NĂŒrnberg.
Ich weiß nicht, wie lange es online steht, also schaut mal zĂŒgig. Es ist wirklich sehenswert und nicht unkontrovers.
https://www.3sat.de/wissen/nano/211011-toeten-nano-100.html
(19.10.2021, 16:03)
cajun:   Eine schöne Meldung aus Landau zum Thema:
"Überraschend kam es nicht, dennoch war die Freude und Erleichterung am 2. Oktober groß, als aus dem dem Affenhaus vermeldet wurde: „Die kleine Mangabe ist da, es ist alles okay.“ Beim jĂŒngsten Mitglied der Landauer Gruppe der Weißscheitelmangaben handelt es sich bereits um das fĂŒnfte Jungtier des damit sehr erfahrenen Zuchtweibchens CONCHITA, das im Jahr 2008 im Zoo in London geboren wurde und seit September 2011 im Zoo Landau lebt. Demenentsprechend gelassen ist die Mutter und hat es die momentan insgesamt 11köpfige Gruppe des Zoos aufgenommen. FĂŒr Vater CHARLES ist es bereits das 12. Jungtier. Bei Primaten fĂ€llt der z.B. bei den Huftieren ĂŒbliche Gesundheitscheck in den ersten Lebenstagen, bei denen die Tiere auch ihren Transponder zur eindeutigen Identifizierung gesetzt bekommen aus, um die wichtige Mutter-Kind-Bindung nicht zu stören. Aus diesem Grund ist auch das Geschlecht des Jungtieres noch nicht bekannt. ZoogĂ€ste durften sich bereits am Geburtstag des Kleinen freuen, denn CONCHITA zeigte sich bei schönstem SpĂ€tsommerwetter bereits im Außengehege. Die meisten konnten es kaum glauben, dass ein Affenbaby, das schon so aufmerksam in die Welt schaut, noch weniger als 24 Stunden alt ist. Weißscheitelmangaben gehören zu den bedrohtesten Affenarten der Welt. Sie kommen nur in wenigen verbliebenenen WaldstĂŒcken im Grenzgebiet von Ghana und der ElfenbeinkĂŒste in Westafrika vor. Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) nimmt der Bestand dieser Art noch immer rapide ab, da ihr Lebensraum weiter geschĂ€digt wird und der Jagddruck, insbesondere in Ghana, zunimmt. Es wird davon ausgegangen, dass die Populationszahlen der Art in den letzten 27 Jahren um mindestens 50 % zurĂŒckgegangen sind, obwohl der RĂŒckgang möglicherweise noch gravierender war, was eine Einstufung in der zweithöchten GefĂ€hrdungskategorie der Roten Liste (stark gefĂ€hrdet) rechtfertigt. Der Nachzucht zum Erhalt einer gesunden und stabilen Reserverpopulation in Menschenobhut kommt also eine besondere Bedeutung zu. Neben der Teilnahme am EuropĂ€ischen ex-situ-Programm (EEP) bemĂŒht sich der Zoo Landau außerdem als Mitglied der West African Primate Conservation Action (WAPCA), einer vom Zoo Heidelberg geleiteten Artenschutzorganisation, fĂŒr den Schutz der Art vor Ort. WAPCA ist sehr erfolgereich darin, die verbleibenden LebensrĂ€ume gemeinsam mit den ortsansĂ€ssigen Gemeinden vor illegalem Holzeinschlag und die Fauna vor illegaler Jagd zu schĂŒtzen. Die Organisation betreibt umfangreiche Umweltbildungsmaßnahmen und eine Auffang- und Zuchtstation fĂŒr Weißscheitelmangaben und die ebenfalls stark bedrohten Roloway-Meerkatzen, die gemeinsam als Flagschiffarten fĂŒr den Schutz des Upper Guinea Forest in Ghana und der ElfenbeinkĂŒste dienen. Aus dieser Station erreichte das Zooteam am Wochenende außerdem die Nachricht, dass der Landauer Zuchtmann CHARLES bereits zum zweiten Mal Großvater geworden ist. Seine erste Tochter, 2013 im Zoo Landau geboren, wurde im Jahr 2017 im Rahmen des EEP zurĂŒck in ihr Heimatland geschickt und zieht ihr inwischen zweites Jungtier erfreulicherweise erneut ohne Probleme auf. Der Zoo Landau scheut kaum Arbeit und finanzielle Belastungen, um dieses Projekt zu unterstĂŒtzen. In diesem FrĂŒhsommer wurde bereits die zweite Nachzucht, ein im Jahr 2016 geborenes Weibchen, ebenfalls nach Ghana geschickt. Die Nachkommen der Landauer Tiere könnten möglicherweise zu den Tieren zĂ€hlen, die zukĂŒnftig wieder durch gut geschĂŒtzte ghanaische WĂ€lder streifen. Mit einem naturnahen Gehege, in dem einige Mangaben unter „halb-wilden“ Bedingungen gehalten und von einem Forscherteam ĂŒberwacht werden, ist WAPCA den ersten Schritt in Richtung Auswilderung von zoogeborenen Tieren bereits gegangen."

Mehr zur Arbeit von WAPCA finden Sie unter www.wapca.org
Quelle:https://zoo-landau.de/aktuelle-geburten/erfreulicher-nachwuchs-bei-den-weissscheitelmangaben.html
(12.10.2021, 13:29)
cajun:   Ein kleines Tutorial aus Basel.

Wenn Zootiere reisen: Der Weg zur gezielten Erhaltungszucht
Ein Tiertransport verlangt sorgfĂ€ltige Organisation und Planung. Von den FormalitĂ€ten ĂŒber die passende Transportbox bis zur tiermedizinischen Vorbereitung des Passagiers – es gibt einiges zu tun. Deshalb reisen Zootiere nicht «last minute» von Zoo zu Zoo.

Am Anfang jedes Zootiertransports steht die Frage: «Wer passt zu wem»? Wobei bei Zootieren immer das Genmaterial im Vordergrund steht und nicht Charaktereigenschaften oder Äusserlichkeiten. Viele Tierarten werden im Rahmen von internationalen Zuchtprogrammen gemanagt. Die Zuchtpaare werden in der Regel so zusammengestellt, dass die Partner möglichst wenig oder gar nicht verwandt sind. So bleibt die grösstmögliche genetische Vielfalt erhalten. Der Zoo Basel fĂŒhrt die ZuchtbĂŒcher fĂŒr Kleine Kudus, Somali-Wildesel, Zwergflusspferde, Panzernashörner, TotenkopfĂ€ffchen und TĂŒrkisnaschvögel.

Viele FormalitÀten

Sobald geklĂ€rt ist, welches Tier wohin reisen soll, beginnen die Transportvorbereitungen. FĂŒr Tierarten, die unter das internationale Artenschutzabkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) fallen, wie z.B. Elefanten, Somali-Wildesel oder der Fischer-Turako, werden zuerst die Export- und ImportbestĂ€tigungen der jeweiligen LĂ€nder beantragt. Ohne diese Papiere wĂŒrden unsere Zootiere zu Schmuggelware. Dazu kommt eine Proforma-Rechnung – pro forma, weil Zootiere zwischen wissenschaftlich gefĂŒhrten Zoos nicht verkauft, sondern getauscht oder geliehen werden. Lediglich die Transportkosten ĂŒbernimmt meist der EmpfĂ€ngerzoo. Diese können rasch in die Höhe schnellen, wenn etwa ein Elefant transportiert wird. Als der Elefantenbulle Tusker im Zoo Basel eintraf, brauchte es allein zwei KrĂ€ne, um die Kiste vor dem Zoo auf einen kleineren Lastwagen zu verladen und um sie bei der Tembea-Anlage abzusetzen. Vorher wurde Tusker auf einem Tieflader von einem spezialisierten Zootiertransportunternehmen von Rhenen in den Niederlanden nach Basel gefahren.

Gesundheit geht vor

Zu den Transportpapieren gehört auch ein Gesundheitszeugnis der ZootierĂ€rzte sowie die Bescheinigung des Kantonstierarztes, dass das Zootier «fit for travel» ist. Die TierĂ€rzte der jeweiligen Zoos stehen bereits vor dem Transport in Kontakt und beraten ĂŒber Untersuchungen, die im jeweiligen Land oder Zoo nötig oder erwĂŒnscht sind, damit sichergestellt ist, dass das Tier gesund reist. Wenn immer möglich wird darauf verzichtet, das Tier nur fĂŒr die Transportuntersuchung unter Narkose zu setzen. Viele wissenschaftlich gefĂŒhrte Zoos sind von den Behörden akkreditiert, was einen erleichterten Austausch ohne umfangreiche Untersuchungen ermöglicht. Dies, weil die Zoos den Behörden regelmĂ€ssig nachweisen, dass sie gestorbene Tiere untersuchen lassen und Kotuntersuchungen durchfĂŒhren, um infektiöse Erkrankungen frĂŒhzeitig zu erkennen.

Die Gesundheit des Tieres steht bei einem Transport an erster Stelle. Obwohl die meisten Transportfahrzeuge der Zootiertransportunternehmen klimatisiert sind, mĂŒssen im Hochsommer oder in einem kalten Winter immer wieder Transporte wegen ungeeigneter Temperaturen verschoben werden. Sommerzeit gleich Reisezeit trifft also auf die Zootiere nicht zu, sie reisen eher in der Nebensaison.

Jedem Tier seine Transportkiste

Im Keller des Zolli-BetriebsgebĂ€udes gibt es ein grosses Lager fĂŒr Transportkisten aller Art, von einer kleinen Holzbox fĂŒr einen Brillenvogel bis zu Kisten fĂŒr einen Somali-Wildesel oder ein Zebra. Noch grössere Kisten werden meist von den Transportunternehmen gebracht oder extra fĂŒr den Transport angefertigt. Es ist wichtig, dass die Kiste weder zu klein noch zu gross ist, ausserdem sollte sie dunkel sein, denn das wirkt beruhigend auf die Tiere. Falls nötig, wird sie direkt vor Ort durch die Zolli-Schreinerei angepasst. Durch Klappen in der Kiste wird der Passagier wĂ€hrend des Transportes und am Zoll kontrolliert und kann gefĂŒttert und getrĂ€nkt werden.

Beim Einladen in die jeweilige Kiste ist die Erfahrung der Tierpfleger entscheidend. Um dabei Stress zu vermeiden, werden Somali-Wildesel bereits einige Wochen vor dem Transport in der Transportkiste gefĂŒttert und gewöhnen sich so daran, selbstĂ€ndig hineinzulaufen. Vögel werden vor dem Transporttag in einem FangkĂ€fig mit Futterschale aus den grossen Volieren herausgefangen und bis zum Transport in kleineren Volieren untergebracht. So ist das Einladen fĂŒr alle Beteiligten mit weniger Aufregung verbunden.

Nach dem finalen Kontrollblick in die Kiste gibt die TierÀrztin oder der Tierarzt das «Go» und die Reise beginnt.
Quelle: https://www.zoobasel.ch/de/aktuelles/news/1359/wenn-zootiere-reisen-der-weg-zur-gezielten-erhaltungszucht/
(11.08.2021, 13:03)
cajun:   Zum Thema eine Meldung aus Rheine. Wer hĂ€tte gedacht, das man mittlerweile bei den Waldrappen "aussuchen" kann wer sich verpaart. Ein Erfolg?
"Geburtenkontrolle zur Arterhaltung
Die Waldrappen gehören nach wie vor zu den seltensten Vogelarten weltweit. Dank Schutzprogrammen und Ansiedlungsprojekten von in Zoos nachgezogenen Tieren bleiben die BestĂ€nde dieser Ibisvögel in Marokko und SĂŒdeuropa aber stabil.
In Zoos wird die Nachzucht ĂŒber ein Zuchtprogramm (EEP) gelenkt: So sollen bevorzugt genetisch unterreprĂ€sentierte Waldrappen heranwachsen.
Den Waldrapp-Paaren im NaturZoo wurde in diesm Jahr jeweils nur ein Ei je Nest gestattet. Somit wissen wir, dass die vier Jungen, die in diesem Jahr heranwachsen von - drei Paaren stammen. Ein Paar hat noch heimlich ein Ei nachgelegt..."
Quelle:https://www.naturzoo.de/aktuelles/artikel/geburtenkontrolle-zur-arterhaltung
(28.07.2021, 12:22)
cajun:   Auch Schweden beteiligt sich an Auswilderungsprojekt fĂŒr Ziesel in Europa. Die Wiederansiedlung im Erzgebirge war nicht sonderlich erfolreich bisher. In Tchechien soll so die einheimische Population gestĂ€rkt werden. Die Tiere leiden unter dem milden Winterklima. Es gibt hohe Verluste durch Krankheiten und NĂ€sse.
Junge Ziesel aus Nordens Ark werden in der Tschechischen Republik ausgewildert
Der kleine und charismatische EuropĂ€ische Ziesel ist eines der am stĂ€rksten gefĂ€hrdeten SĂ€ugetiere Europas. Um die Art zu erhalten, werden in mehreren LĂ€ndern Europas aktive Auswilderungsprojekte durchgefĂŒhrt. In diesem Jahr schickt Nordens Ark alle diesjĂ€hrigen jungen Ziesel an ein Auswilderungsprojekt in Tschechien. In der Tschechischen Republik wurde 2008 ein Maßnahmeprogramm fĂŒr den Ziesel aufgelegt, dessen langfristiges Ziel darin besteht, eine lebensfĂ€hige Population der Art im Land zurĂŒckzugewinnen. Neben der Wiederherstellung und dem Schutz von LebensrĂ€umen arbeiten sie auch aktiv mit Auswilderung. In Zoos geborene Individuen werden freigelassen, um bestehende Populationen zu stĂ€rken und die Art wieder in Gebieten anzusiedeln, in denen sie frĂŒher existierte. Seit 2016 hat das Projekt ĂŒber 300 Ziesel an verschiedenen Standorten im Land ausgewildert. Die Auswilderungen waren bisher erfolgreich, da das Projekt bestĂ€tigen konnte, dass an den Auswilderungsstellen eine Reproduktion stattgefunden hat.
Quelle:https://nordensark.se/nyhetsarkiv/siselungar-fran-nordens-ark-slapps-ut-i-det-fria-i-tjeckien/
Übersetzung: Zoopresseschau
(16.07.2021, 10:02)
cajun:   Nicht nur die Geburtsmeldung, bereits an anderer Stelle gelinkt, ist wichtig.
Hier wird deutlich inwieweit Zoos heute bereits weltweit Projekte in den jeweiligen LebensrÀumen fördern und untereinander per Zuchtprogramm kooperieren.
Neuer Erfolg fĂŒr internationales Artenschutz-Programm Wertvolles Erbe von Dshamilja: Drillinge bei Schneeleoparden
Ein tapsiges Trio erobert in der Wilhelma alle Herzen. Kaum sind sie fĂŒr die GĂ€ste des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart besser zu sehen, sind Dawa, Karma und Nyima „Everybody’s Darlings“. Die Besucher und Besucherinnen begeistern sich an den kleinen RaubkĂ€tzchen mit der besonderen Familiengeschichte. Und die Zoologie-Fachleute freut der wichtige Zuchterfolg bei dieser seltenen Abstammungslinie der bedrohten Schneeleoparden. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Bestand dieser Tierart mit weniger als 4000 Tieren in der Natur als gefĂ€hrdet ein. Am 11. April geboren, blieben die anfangs jeweils etwa ein halbes Kilo leichten Drillinge bis Mitte Juni mit Mutter Kailash in der Wurfbox. Nach der ersten Impfung durften sie dann das erste Mal vor die TĂŒr. Meist frĂŒhmorgens und abends wagten sie die ersten AusflĂŒge unter den Argusaugen von Kailash. Vater Ladakh trifft seinen Nachwuchs vorerst nur als interessierter Zaungast hinter dem Netz zum Nachbargehege. Denn die zwölf Wochen alten Welpen sind noch ungestĂŒm und teilweise unbeholfen auf den Pfoten. Deshalb sollen sie, bevor die Familie zusammengefĂŒhrt wird, zuerst ohne den Kater in Ruhe die Gebirgslandschaft kennen lernen, ihre KrĂ€fte ausprobieren und Körperkontrolle ĂŒben. DafĂŒr wechseln sie ab Donnerstag auf die obere Anlage. Dort können die GĂ€ste sie auf Augenhöhe beim Toben und Turnen, Raufen und Rangeln beobachten. „Zu erleben, wie die drei lebensfrohen KĂ€tzchen unbekĂŒmmert aufwachsen, ist herrlich“, sagt Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Wegen der ergreifenden Vorgeschichte sind unsere kleinen Helden aber fĂŒr den Artenschutz heute schon große Stars. Es ist ein mustergĂŒltiges Beispiel, wie der Artenschutz in der Natur und den Zoos ineinander greift.“ Dass die drei MĂ€dchen ĂŒberhaupt auf die Welt kommen konnten, geht letztlich auf eine internationale Kooperation zurĂŒck. Denn als Töchter von Kailash sind sie Enkelinnen von Dshamilja. Ihr kommt eine spezielle Bedeutung innerhalb des Erhaltungszuchtprogramms der europĂ€ischen Zoos zu. Dshamilja, die im Jahr 2000 im zentralasiatischen Hochgebirge von Tadschikistan geboren wurde, war mit nur fĂŒnf Monaten in die Schlagfalle von Wilderern geraten und hatte dadurch ein Drittel ihres rechten Hinterfußes eingebĂŒĂŸt. Dies fĂŒhrte dazu, dass sie Zeit ihres Lebens stark hinkte. Eine Anti-Wilderer-Einheit entdeckte das verletzte Jungtier auf einem Schwarzmarkt in Bischkek, der Hauptstadt Kirgisien, und beschlagnahmte es. Ohne Mutter und mit dieser VerstĂŒmmelung war an ein eigenstĂ€ndiges Leben in der Wildnis nicht zu denken. Im Zoo ZĂŒrich mit seiner langjĂ€hrigen Zuchterfahrung mit Schneeleoparden konnte Dshamilja in dem geschĂŒtzten Umfeld menschlicher Obhut aufwachsen. Sie erreichte das hohe Alter von 19 Jahren und hatte sogar mehrfach Nachwuchs. Unter ihren drei Söhnen und vier Töchtern war 2010 auch Kailash, die Ende 2011 in die Wilhelma kam und die Familiengeschichte fortschreibt. „Es motiviert unheimlich zu sehen, dass durch die Zusammenarbeit nicht nur das Einzeltier vor dem Tod gerettet werden konnte, sondern dies ĂŒber Generationen dazu beitrĂ€gt, dass die einmalige Großkatzenart noch eine Zukunft hat“, sagt Kölpin. Die Zoos halten und zĂŒchten viele bedrohte Arten als Reserve. Doch dafĂŒr soll kein gesundes Tier der Natur entzogen werden. Um im Zootierbestand die genetische Vielfalt zu erhalten und so eine robuste Gesundheit der Tiere zu gewĂ€hrleisten, erfolgt in internationaler Absprache ein genaues Management, welche Kater und Katzen Zuchtpaare bilden. Kommt einmal ĂŒber einen Sonderfall wie Dshamilja ein Tier aus der Wildbahn hinzu, ist es wichtig, diese seltene Abstammungslinie fortsetzen. „FĂŒr Kailash ist dies ihr dritter Wurf“, erklĂ€rt die Raubtier-Kuratorin, Dr. Ulrike Rademacher. „Bei dem wertvollen Nachwuchs sind wir besonders froh darĂŒber, dass es wieder geklappt hat. Denn Kailash kommt mit elf Jahren in ein Katzenalter, in dem das keine SelbstverstĂ€ndlichkeit mehr ist.“ Kailash hat in der Wilhelma bereits einmal Drillinge und zuletzt Zwillinge aufgezogen. Die 2013 geborenen Kamal, Karim und Laila wurden damals ĂŒber die Zuchtkoordinatoren an Zoos in Portugal, USA und Belgien vermittelt, um eigene Familien grĂŒnden zu können. Von den inzwischen ebenfalls herangewachsenen Jungtieren, die 2019 auf die Welt kamen, ist Askar im Juni im Parco Faunistico Le Cornelle bei Mailand platziert worden. Auf Malou wartet der Zoo Salzburg. Die Wilhelma hĂ€lt seit 30 Jahren Schneeleoparden. Dabei gelang die Nachzucht insgesamt jetzt zum 13. Mal. „Dass wir jetzt so schnell zwei WĂŒrfe hintereinander hatten, zeigt, dass sich Kailash und Ladakh auf der neuen 2018 eröffneten Anlage sehr wohl fĂŒhlen und ihre Jungtiere dort gut aufziehen können“, sagt Rademacher. Mit ZuschĂŒssen des Fördervereins hatte die Wilhelma auf 730 Quadratmetern eine gerĂ€umige Gebirgslandschaft gestaltet, die sich mehrfach unterteilen lĂ€sst, wenn es die Aufzucht erfordert. Direktor Kölpin betont: „Wie das Schicksal von Dshamilja zeigt, mĂŒssen der Schutz gegen die Bedrohung in der Natur, die Rettung verletzter Tiere und die Nachzucht Hand in Hand gehen. Die Wilhelma beteiligt sich daher an allen Aspekten aktiv. Dawa, Karma und Nyima sind sicher die besten Botschafterinnen ihrer Art. Wir wĂŒrden uns freuen, wenn wir dadurch zusĂ€tzliche UnterstĂŒtzung erhalten, die wir zielgerichtet investieren können.“ Die Wilhelma engagiert sich außer im EuropĂ€ischen Erhaltungszuchtprogram auch direkt vor Ort, indem sie sich mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) im Lebensraum der Schneeleoparden fĂŒr deren Schutz einsetzt. Mit Spenden fördert der Zoologisch-Botanische Garten unter anderem eine Anti-Wilderer-Einheit und ein Rehabilitationszentrum fĂŒr beschlagnahmte und verletzte Tiere in Kirgistan. Die Gelder setzen sich zusammen aus dem eigene Artenschutz-Budget der Wilhelma, Tier-Patenschaften, dem Artenschutz-Euro, den GĂ€ste beim Kauf von Eintrittskarten freiwillig beisteuern können, sowie gezielten Spenden fĂŒr das Schutzprojekte.
Quelle: Pressemitteilung Wilhelma
(13.07.2021, 08:34)
cajun:   Hier hat es einen "Sinn". Landau ist was das angeht halt wirklich hĂ€ufig Vorzeigezoo.

Zuchtprogramm bringt hochbedrohte Weißscheitelmangabe nach Ghana

"Im Rahmen des Zuchtprogramms reist eine Weißscheitelmangabe, eine hochbedrohte Affenart aus dem Zoo Landau in der Pfalz nach Ghana. Die Erleichterung war groß, als im Landauer Zoo am Freitagmorgen die BestĂ€tigung eintraf: Weißscheitelmangabe KATE ist gut in Ghana angekommen!

Ghana ist das Heimatland der hochbedrohten Weißscheitelmangaben, einer Primatenart, die nur noch in wenigen verbliebenen WĂ€ldern im Grenzgebiet zwischen Ghana und der ElfenbeinkĂŒste zu finden ist. Die auch durch den Landauer Zoo mitgegrĂŒndete Artenschutzorganisation „West African Primate Conservation Action (WAPCA)“ betreibt im Zoo der Hauptstadt Accra eine Auffang- und Zuchtstation fĂŒr Weißscheitelmangaben und weitere hochbedrohte Primaten. Hier hat das Weibchen Kate, das im MĂ€rz 2016 im Zoo Landau geboren wurde, nun eine neue Heimat gefunden. Sie soll dort mit einem weiteren Weibchen und einem jungen MĂ€nnchen vergesellschaftet werden und hoffentlich auch fĂŒr Nachwuchs sorgen.

UnterstĂŒtzung von zahlreichen Zoos und Artenschutzorganisationen

Nachzuchten in Menschenobhut helfen, das Überleben der Art zu sichern, denn im natĂŒrlichen Lebensraum sieht es fĂŒr die Weißscheitelmangaben nicht gut aus. Die fortwĂ€hrende Zerstörung des Regenwaldes und illegale Wilderei brachten die Art nahe an den Rand der Ausrottung. FĂŒr den Erhalt des Regenwaldes in Westafrika, fĂŒr AufklĂ€rung der Bevölkerung zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes und gegen Wilderei setzt sich WAPCA ein. Die Artenschutzinitiative wird vom Zoo Heidelberg koordiniert. Mehrere Zoos und Artenschutzorganisationen unterstĂŒtzen jĂ€hrlich die Arbeit vor Ort mit finanziellen Mitteln und zudem durch Öffentlichkeitsarbeit.

Mögliche Auswilderung in geschĂŒtzter Umgebung

Seit 2017 wird auch intensiv auf eine mögliche Auswilderung von Weißscheitelmangaben hingearbeitet. In einem umzĂ€unten WaldstĂŒck lebt bereits eine Zuchtgruppe Weißscheitelmangaben geschĂŒtzt, aber weitestgehend unter Freilandbedingungen. Sie werden dort intensiv beobachtet und erforscht. „Und wer weiß, vielleicht werden die Nachkommen der Landauer Weibchen eines Tages auch wieder durch gut geschĂŒtzte RegenwĂ€lder streifen,“ sagt Landaus Zoodirektor Dr. Jens-Ove Heckel."
Quelle: https://www.regenbogen.de/kategorie-nachricht/baden-pfalz/20210621/affendame-kate-darf-zurueck-die-heimat
(28.06.2021, 10:57)
Michael Mettler:   Ich habe ein Schopfgibbon-Zuchtbuch von 2005. Der siki-Bestand per 31.12.2004 lag bei 6,3, darunter zwei Weibchen von 35 und 42 Jahren. Das waren gleichzeitig die beiden einzigen GrĂŒnderweibchen der Population, auf mĂ€nnlicher Seite gab es sogar nur einen GrĂŒnder (falls nicht bis zum Erscheinen des ZOOQUARIA-Artikels fremdblĂŒtige Tiere in die Population gelangten).
(14.04.2014, 20:46)
BjörnN:   Danke fĂŒr die AufklĂ€rung...
(14.04.2014, 20:04)
Michael Mettler:   @BjörnN: Zum bewussten Zeitpunkt waren es 10,8,1 Ungkas. Bei Nomascus siki dĂŒrfte wohl auch das ungĂŒnstige GeschlechterverhĂ€ltnis eine Rolle fĂŒr die Überlegungen spielen, möglicherweise auch ein engerer Verwandtschaftsgrad?
(14.04.2014, 19:25)
BjörnN:   Viel mehr als 11 Ungkas dĂŒrfte es hingegen in Europa auch nicht geben.
(14.04.2014, 18:05)
Michael Mettler:   Laut ZOOQUARIA (ex EAZA NEWS) Nr. 76 (2011) wurden 2010 weltweit 330 Zwergflusspferde gehalten, von denen allerdings nur 150 in Zuchtprogramme involviert waren - 120 im EEP, die ĂŒbrigen 30 in Nordamerika. Es besteht Bedarf an weiteren EEP-Teilnehmern.

Heft 71 befasst sich mit Menschenaffen inklusive der Gibbons. FĂŒr eins der Gibbon-Zuchtprogramme wird die Sinnfrage gestellt, weil die EAZA-Population zu klein ist (SĂŒdlicher Weißwangen-Schopfgibbon, Nomascus siki - seinerzeit 7,2,2 Tiere). FĂŒr Siamang und Lar heißt die Aufgabenstellung, unterartreine Tiere herauszufinden und die UA-Mischlinge auslaufen zu lassen. Die Zuchtprogramme fĂŒr Gelbwangen- und Nördlichen Weißwangen-Schopfgibbon, Silbergibbon, Kappengibbon und Ungka suchen sĂ€mtlich zusĂ€tzliche Halter!
(14.04.2014, 09:46)
Michael Mettler:   Ich erinnere mich, dass die Entscheidung eines Zuchtprogramms fĂŒr Blauducker (inklusive Maxwellducker und Mischlinge) seinerzeit nicht wegen einer besonderen Bedrohung dieser Art(engruppe) fiel, sondern quasi zum EinĂŒben eines Duckerprogramms fĂŒr den Ernstfall, sprich irgendwann fĂŒr eine ganz andere und bedrohtere Art. Ähnlich sieht es m.W. mit dem Kirk-Dikdik-Programm aus (fĂŒr das ĂŒbrigens ebenfalls laut Liste noch Halter gesucht wurden). Damit sich Ducker und Dikdik nicht als Konkurrenten um die Planstelle "Zwergantilope" ins Gehege kommen, macht eine vorgegebene Obergrenze vermutlich Sinn. Nun kam ja auch noch die wachsende Rotduckerpopulation hinzu, und unter den Blauduckern gab (gibt?) es immerhin eine ganze Reihe mischblĂŒtiger Tiere. Vielleicht wird da ja auch allmĂ€hlich "ausgeblendet", um Platz zu schaffen?

@WolfDrei: Die Vermutung hinsichtlich des Blyth-Tragopans dĂŒrfte stimmen, deren ESB-Tiere sind wohl eher bei FasanenzĂŒchtern als in Zoos zu finden. Im Gegenzug wurden fĂŒr den Cabot-Tragopan (ebenfalls ESB) noch Halter gesucht.
(13.04.2014, 16:09)
Holger Wientjes:   Danke fĂŒr die interessante Auflistung ! Also Blauducker bei den "Wir-sind-ausgelastet"-Arten ĂŒberrascht mich doch sehr, vor allem auch nach einem Blick in die ZTL.
Die "Halter-gesucht"-Arten ĂŒberraschen dagegen leider weniger. Aber wenn beispielsweise selbst der EEP-FĂŒhrer der Perser die Haltung "seiner" Art beendet...
Die Huftiervielfalt ist ja leider zu Gunsten anderer augenscheinlich populĂ€rerer Tierarten in den letzten Jahren zurĂŒckgegangen. Aber zumindest gibt es auch hier Lichtblicke, wie die Blauschafe in Halle, die Weissnackenmoorantilopen in Leipzig oder die Kleinen Kudus in OsnabrĂŒck, wo in den letzten Jahren neue Haltungen etabliert worden sind.
(13.04.2014, 11:44)
WolfDrei:   @MM: : zu den “Wir-sind-ausgelastet”-Arten: Etwas irritiert war ich beim Blyth-Tragopan - außer jenen Tieren des TP, nun schon lĂ€ngst Historie, habe ich bisher keine weitere Haltung gesehen. Hier könnten allerdings Privathalter das Sagen haben. Auch genĂŒgend Blauducker? Beim Irbis, und um eine Antilope zu nennen, dem Bongo, haben natĂŒrlich die erst seit 30 Jahren guten Zuchterfolge Tiere in die Zoos “gespĂŒlt”. Beim Marabu bin ich ĂŒberrascht - ĂŒberall ausgestellt, kaum Zuchten. Allerdings: so man Zuchtpaare hat, geht es gleich in die Zwanziger (siehe Prag und Cottbus).

“Die-noch-zu-Haltenden”: Beim AmeisenbĂ€r geht es aufwĂ€rts, die “West”Sitatunga ĂŒberrascht mich, da man sie ausschließlich sieht, so gut wie nie die “Ost”Sitatunga”. Aber es stimmt schon, eigentlich sind es immer nur die “Stanmmhalter” - ich erinnere mich dabei an Poznan und Prag. Gleiches gilt wohl auch fĂŒr die Mendes, habe ich sie ja seit 1967 im TP vor Augen. Buchara-Hirsch: ganz wichtig, fand jetzt neben den 3-4 stĂ€ndigen Haltern noch Chomutov und Nordens Ark und wohl auch Edinburgh (die Schotten ĂŒberraschen mich in den letzten Jahren sowieso!)
Zum Waldrentier kann ich Dienstag einige Zahlen nennen, der JB von Nordens Ark liegt vor. Die Zahlen sah ich schon, explodiert sind sie wahrlich nicht - hier besetzen die Hausrentiere den Platz. Die Blauschafe kommen zögerlich - da sind eher die Zooleitungen Schuld: Schon wieder eine Zicke/Schaf. Das gilt dann insbesondere fĂŒr die Halbesel - wenn denn ĂŒberhaupt welche gehalten werden! Die Zahlen von Kulan und Onager im Zuchtbuch enttĂ€uschen mich seit Jahren immer wieder. Da hĂ€lt man doch lieber Grantzebras! (Ironie). Einigermaßen tröstlich sind die Zahlen fĂŒr die Somalis.
Großer Kudu: Irgendwie scheint das nicht zu laufen! Das galt fĂŒr mein Jagdgebiet in Dvur Kralove, Warschau und Prag, nun auch “im Westen”: Hagenbeck und Zoo Berlin. Zu- und Abgang halten sich gerade so die Waage (dito Pudu - hier nicht genannt). Tröstlich nur, dass die in der Natur sprießen. Halten sollte man sie durchaus, da sie zu den wenigen Antilopen gehören, die noch etwas Anklang beim ONB finden.

(13.04.2014, 11:28)
Michael Mettler:   Beim Stöbern in den "EAZA News" stieß ich im Jahrgang 2006 auf einen Artikel in der Rubrik "Collection Planning", in dem aufgelistet wurde, welche Zuchtprogramme zum damaligen Zeitpunkt KEINE zusĂ€tzlichen Teilnehmer benötigten - beinhaltend die Bitte, sich Gedanken zu machen, ob man bei entsprechend freiem Platz nicht alternativ eine Art aus der daneben veröffentlichten, gut 4-mal so langen Liste jener Arten in den Bestand nehmen könnte, fĂŒr die noch Erweiterungsbedarf bestand.

In der Liste der "Wir-sind-ausgelastet"-Arten waren 2006 aufgefĂŒhrt: Stachel-Erdschildkröte, Schwarzstorch, Afrikanischer Marabu, Blyth-Tragopan, Rotbauchtamarin, EuropĂ€ischer Otter, Eurasischer Luchs (auf Artniveau angegeben, also vermutlich alle UA eingeschlossen?), Amurtiger, Schneeleopard, Przewalskipferd, Rothschildgiraffe und Blauducker.

Bei den "Halter-gesucht"-Arten beschrĂ€nke ich mich mal auf die grĂ¶ĂŸeren SĂ€uger, bei denen ja der Platzbedarf eine grĂ¶ĂŸere Rolle spielt als bei Kleintieren und die deshalb eher mit anderen Arten/Unterarten um freie PlĂ€tze konkurrieren mĂŒssen: Drill, Großer AmeisenbĂ€r, Erdferkel, LippenbĂ€r, Vielfraß, Amur- und Persischer Leopard, Sumatratiger, Onager, Bucharahirsch, Waldrentier, Netzgiraffe, Kleiner und Großer Kudu, Westliche Sitatunga, Mendesantilope, Weißnacken-Moorantilope, Moschusochse, Blauschaf. Die Großhuftiere machten mehr als ein Drittel der in der Liste angefĂŒhrten SĂ€ugetierarten mit Halterbedarf aus.

Zumindest im deutschsprachigen Raum scheint sich die Halterzahl der genannten Arten allerdings seit 2006 nicht wirklich erhöht zu haben, oder?
(13.04.2014, 09:02)
Ulli:   Ich war gestern in Walsrode und habe folgende AusfĂŒhrungen zum Balistar gefunden:
sehr kleines (Rest-)Verbreitungsgebiet
in Nordwest-Bali
zu Beginn der massnahme 15 Tiere auf Bali freilebend, durch Wiederansiedlung wurde bestand auf 55 Tiere angewachsen, heute gibt es dort nur noch rund 25 Balistare.

GrĂŒnde wurden in den AusfĂŒhrungen offengelassen - einerseits werden 2000 Dollar pro Tier auf dem Schwarzmarkt geboten, andererseits bietet das Restareal vielleicht auch nicht einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl hinreichend Ressourcen.
In Zoos leben zur Zeit rund 1000 Balistare
...
(09.02.2009, 09:32)
Michael Mettler:   Auf seiner Homepage gibt der Berliner Zoo noch immer an, die EEPs fĂŒr Spitzmaulnashorn und Gaur zu betreuen... Allerdings scheinen die HPs fĂŒr Zoo und Tierpark nicht sonderlich auf dem Laufenden gehalten zu werden, denn da heißt es z.B. immer noch "Der Tierpark wird 50!" - und dass jĂ€hrlich "weit ĂŒber eine Million Besucher" den Tierpark besuchen, ist ja leider auch nicht mehr aktuell.
(04.02.2009, 22:55)
BjörnN:   Diese Kombination + das ISB dĂŒrfte es in Leipzig noch fĂŒr den Flachland-Anoa geben...
(23.01.2009, 20:49)
Michael Mettler:   Laut der EAZA-Seite ist das Hirscheber-EEP in Kronberg (Stand laut TAG 18.12.2007). Gibt es ĂŒberhaupt irgendwo fĂŒr ein und die selbe Tierart noch ESB und EEP? Die Kropfgazelle ist in der Liste der Antelope and Giraffe TAG (Stand 19.11.2008) nicht aufgefĂŒhrt.

In Sachen ISB wĂŒsste ich noch
- Afrikanische Wildesel im TP Berlin
- Asiatische Wildesel ebenfalls
- Prinz-Alfred-Hirsch in Landau

Sind die ISB fĂŒr afrikanische Nashörner und Gaur noch im Berliner Zoo?
(23.01.2009, 20:07)
BjörnN:   @Michael Mettler
Karlsruhe mĂŒsste auch die Persische Kropfgazelle koordinatorisch betreuen. Von der Wilhelma auch mĂŒsste das Hirscheber EEP koordniert werden, wĂ€hrend das ESB in Kronberg gefĂŒhrt wird.

- Leipzig fĂŒhrt das ISB fĂŒr Tiger
- Rostock fĂŒhrt das ISB fĂŒr EisbĂ€ren
- Frankfurt fĂŒr Gorillas, MĂ€hnenwölfe, Rostkatzen und Waldhunde
- Dortmund fĂŒr Riesenotter
- Berlin Zoo fĂŒr Bongos
(23.01.2009, 19:12)
Michael Mettler:   Auf der EAZA-Homepage www.eaza.net findet man einen kompletten Überblick ĂŒber die in EEPs und ESBs betreuten Tierformen und deren Koordinatoren bzw. ZuchtbuchfĂŒhrer. Das reizte mich dazu, mal ein paar Zahlen zu den deutschen Zoos zusammenzustellen. Anders als im Thread-Titel geht es dabei zwar nicht um den Sinn der Programme, aber ich wolte nicht extra einen eigenen Thread aufmachen. Achtung: Internationale = weltweite ZuchtbĂŒcher (ISB) finden nachfolgend keine BerĂŒcksichtigung (habe dazu keinen entsprechenden aktuellen Stand), das Wiedergegebene beschrĂ€nkt sich auf die "europĂ€ische Zuchtarbeit"!

Insgesamt werden nach dieser Liste in deutschen Zoos derzeit 54 Tierformen "gemanagt" (37 EEPs, 17 ESBs), bei 5 weiteren (3 EEPs, 2 ESBs) ist die FĂŒhrung derzeit vakant. Aktive Koordinatoren bzw. ZuchtbuchfĂŒhrer befinden sich in 22 Zoos, 2 weitere Zoos tauchen unter den vakanten Programmen auf. Die Zahl der Koordinatoren/ZuchtbuchfĂŒhrer ist geringer als die der betreuten Arten/Unterarten, da manche Personen bis zu vier EEPs und ESBs gleichzeitig betreuen. WĂ€hrend es z.B. fĂŒr den Vari ein alle Formen umfassendes EEP gibt, sind andere Tierarten aufgesplittet (z.B. Persischer Leopard/MĂŒnster und Chinaleopard/Hamburg). Je nachdem, wieviel Wert der Unterartzugehörigkeit innerhalb einer Art zugemessen wird, ist also die tatsĂ€chliche Zahl der betreuten Tierformen höher als die in der Liste angegebene.

Wie insgesamt liegt auch bei den deutschen Zoos das Schwergewicht auf den SĂ€ugetieren. Amphibien, Fische und Wirbellose werden hier nicht gemanagt (und sind auch europaweit nur Randgruppen), von den Reptilien gerade mal 2 aktive ESBs (Stumpfkrokodil/Leipzig, Smaragdwaran/DĂŒsseldorf) und 1 vakantes (Nashornleguan/vorher Frankfurt). Bei den Vögeln sind es mit 8 Formen auch nicht gerade viele, die sich zudem auf nur 3 Personen und 1 vakante Stelle verteilen. Die restlichen 47 EEPs und ESBs (darunter 3 vakante) "gehören" den SĂ€ugetieren.

Von den 22 aktiven Zoos betreuen 10 jeweils eine Tierform, die ĂŒbrigen mindestens zwei. Die "Top 3" bilden: 1. Köln (10 EEPs/ESBs, 2 weitere bisherige sind vakant), 2. Frankfurt (6, 1 weiteres bisheriges ist vakant), 3. Hannover (5). Sowohl in Frankfurt wie auch in Köln liegen jeweils 4 Arten in der Hand einer Person (einen dritten solchen Fall gibt es mit Duisburg, das auf Platz 4 folgen wĂŒrde). Zum Vergleich: In Hannover sind die 5 Arten auf 5 verschiedene Betreuer aufgeteilt.

Interessant ist, dass ausgerechnet drei sehr artenreiche Zoos derzeit kein EEP oder ESB leiten: Walsrode (das bisherige ESB Weißnacken-Fasantaube ist vakant), Zoo Berlin (bisheriges EEP Gaur ist vakant) und Wilhelma Stuttgart. Weitere auf der "Karte" fehlende Namen großer Zoos wĂ€ren z.B. Dresden, Gelsenkirchen oder Rostock. Ebenso bemerkenswert finde ich, dass MĂŒnster als einer der Vorreiter der Artenschutzzoo-Bewegung "nur" mit einer EEP-FĂŒhrung (Persischer Leopard) vertreten ist.

BerĂŒcksichtigen muss man noch, dass der Aufwand je nach betreuter Tierart natĂŒrlich erheblich unterschiedlich groß ausfallen kann. So hat Karlsruhe, das ausschließlich den Orang-Utan betreut, damit sicher erheblich mehr Arbeit als MĂŒnchen mit dem Silbergibbon oder Duisburg mit dem Nacktnasenwombat, von dem europaweit gerade mal eine Handvoll Tiere in drei Zoos gehalten werden und es seit Jahren keine Nachzucht gab.

In einigen FĂ€llen werden EEPs von Zoos gefĂŒhrt, in denen die jeweilige Art nicht (mehr) gehalten wird: Matschie-BaumkĂ€nguru/Krefeld (hier auch Goodfellow-B.), Waldhund/Frankfurt, Hoffmann-Zweifingerfaultier/Halle (hier auch Gewöhnliches Z.), Hirscheber/Kronberg; beim Rothund/Erfurt bin ich mir nicht sicher, ich war lange nicht mehr dort.

Falls jemand einen GesamtĂŒberblick ĂŒber ISB-FĂŒhrung in deutschen Zoos hat, wĂ€re das zur VervollstĂ€ndigung sehr interessant!
(23.01.2009, 17:48)
th.oma.s:   probleme: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,509743,00.html
(07.10.2007, 09:56)
IP66:   Ich habe in dem Thread "Zoozwecke" versucht, die verschiedenen Ziele eines zoologischen Gartens zu berschreiben und dabei auch auf jene Diekrepanz hingewiesen, die sich jetzt bei den konkreten Angaben zur Zebrahaltung verdeutlicht. Erhaltung und Erforschung von Arten (meintehalben auch Unterarten) ist nur einer dieser Zoozwecke, und zwar ein solcher, der in der Öffentlichkeit seit den Diskussionen der 80er Jahre stĂ€rker hervorgehoven wird, als er in der RealitĂ€t eine Rolle spielt. Gerade der Trend zu großen geographisch besetzten Huftieranlagen fĂŒhrt aber bei der Zebrahaltung dazu, daß besonders agressive Formen wie GrĂ©vy- oder Bergzebras ungern gehalten werden, da hier die Probleme mit dem Beibesatz grĂ¶ĂŸer sind, als wenn man ein paar billig erhĂ€ltliche Böhm-Zebra-Stuten auf die Anlage lĂ€ĂŸt. Da aber die Unterhaltung und eine gewisse an Moden orientierte Konkurrenz auch zu den die Gestaltung zoologischer GĂ€rten prĂ€genden GrundsĂ€tzen zielen, kommt es zu jener UnterrepĂ€sentation von bestimmten Einhuferarten. In Artenzoos wie Friedrichsfelde kann man die Zebras ja durchaus vorfinden, sogar nebeneinander und gut vergleichbar, und im Sinne einer taxonomischen PrĂ€sentation wird hierdurch auch der Zoozweck der Belehrung erfĂŒllt und das Bewußtsein fĂŒr die biologische Vielfalt geschĂ€rft, aber es wird gegen bestimmte und vor allem verbreitete Vorstellungen vom Aussehen eines "modernen" (sc. modischen) Zoo verstoßen.
(24.09.2007, 18:55)
Uakari:   Ich habe mehrmals darauf hingewiesen,
das nach wie vor zu viele unbedrohte bzw. unterartenvermischte Tiere
nachgezogen werden (Zoolöwe, Lar, Giraffenhybride etc.). Darum habe ich fĂŒr solche Zoopopulationen hier schon
halb ernst, halb sarkastisch EEPs gefordert .
Ein Weisshandgibbon der jetzt geboren wird, nimmt z.B. in 30 Jahren noch den Platz in Anspruch, den ein seltener Schopfgibbon, Kappengibbon und v.a. Moloch brauchen wĂŒrde.
Das dies alles keine Spinnerei von mir ist, zeigt der BONGO von 2007 mit folgendem Statement:
"Bei den in freier Wildbahn stark bedrohten Grevyzebras hielten sich Zu- und AbgĂ€nge die Waage.... da durch die guten Zuchterfolge Hengst "Raphael" im europ. Genpool fast ĂŒberreprĂ€sentiert ist. Aus diesem Grund soll er die Stuten - auf Empfehlung der Artkoordinatorin - ... möglichst nicht eindecken.
FĂŒr unsere Böhmzebras gibt es keine derartig restriktiven Empfehlungen, denn die UNBEDROHTE ZEBRAART KANN OHNE
INTERNATIONALES MANAGEMENT GEZÜCHTET UND ABGEGEBEN WERDEN. So verliessen den Zoo 2 der gut nachgefragten Jungstuten...

Nun ist gerade das Grevyzebra-EEP eines
der erfolgreichsten (monotypische Zuchtpopulation, hohe und steigende Individuenzahl, sinnvolle Hengst-gruppen). Wenn aber bedrohte Arten eingeschrĂ€nkt gezĂŒchtet werden und unbedrohte nicht, muss man sich stark wundern. Das fĂŒhrt den Sinn der EEPs ad absurdum. Das Populationsgenetiker auf zĂŒchterische Ausgewogenheit achten
ist wichtig, aber salopp gesagt halte ich 1000 Grevyzebras fĂŒr den Erhalt der Art wichtiger als 500 (die Zahlen hierbei sind nur Bsp.) und jedes zoogeborene Grevyzebra fĂŒr den Erhaltungszuchtgedanken bedeutender
als ein Böhmzebrafohlen.

Abgesehen davon und trotz seiner Bedrohung, dauerhaft sollte das Grevyzebra im Sinne des Kontrast-programms nur noch in einer Berliner Einrichtung leben.

Es stellt sich aber auch die Frage warum Zebrazucht ĂŒberhaupt eingeschrĂ€nkt wird und man nicht ganz natĂŒrlich die Zoolöwen mit ihnen fĂŒttert. Das Löwen Zebras fressen wissen doch selbst Kleinkinder, warum dann also nur in Afrika oder NĂŒrnberg. Aber das ist natĂŒrlich wieder nicht vermittelbar an die lieben Tierfreunde.

Deswegen verlange ich keineswegs die Schlachtung aktueller Böhmzebras und schon gar nicht deren Totalausrottung im Zoo (!), falls der Einwand wieder kommt.

Das bedrohteste Zebra, das Kap-Bergzebra wird natĂŒrlich wieder nirgends ausserhalb Afrikas gehalten
und wird auch nicht gewĂŒnscht,
zumal das Hartmann-Bergzebra-EEP auch immer noch auf Recht niedrigem Niveau herumkrebst (danke Landau, danke Nordhorn).

Im Lichte obiger Äusserung von Dr. Lange aus dem Bongo, stellt sich erneut die Frage, ob man die EEPs nicht lieber fĂŒr die unbedrohten Zootiere einrichten sollte...
(22.09.2007, 17:30)
Michael Mettler:   Eine perfekte Methode scheint mir ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, denn vielerorts mangelt es ja auch in der Natur an linearer Entwicklung. Selbst das Prinzip des aus vielerlei Zutaten gemischten "Zoolöwen" ist Bestandteil der Evolution: Z.B. scheint sich die Wissenschaft darĂŒber einig zu sein, dass sich als Folge der Eiszeit in Nordamerika mehrere weit verteilte RĂŒckzugsgebiete des Wolfes am Rande des Eisschildes erhielten, in denen sich die Populationen aufgrund ihrer langen Isolation eigenstĂ€ndig zu dem entwickelten, was wir heute als Unterarten bezeichnen. Als der Eisschild schmolz, drangen Wölfe quasi von allen Seiten in den frei werdenden Lebensraum ein - und da die vorangegangene Zeit offensichtlich nicht zur Artbildung gereicht hatte, entstand im Grunde genommen in einem riesigen Gebiet Nordamerikas ein Schmelztiegel dreier Unterarten. Wie soll man nun diese Mischwölfe klassifizieren? Aus einem Zuchtprogramm wĂŒrde die selbe Mixtur herausfliegen... Ähnlich soll es mit den Steppenzebras sein, auch deren Verbreitungsgebiet war laut Kingdon schon einmal durch LebensraumverĂ€nderungen zersplittert und floss danach wieder zusammen. Vielleicht sind sĂ€mtliche Steppenzebra-Unterarten nichts weiter als genetisch nicht trennbare Farbvarianten - fĂŒr einige Giraffenformen wurde ja schon Ähnliches gesagt.

Und eins darf man auch beim kladistischen Modell nicht vergessen: Bei der Entwicklung von Unterarten, Arten, Gattungen usw. macht die Evolution ja nicht an einem bestimmten Punkt "klick" und prĂ€sentiert schlagartig ab dann ein völlig neues Modell, sondern es ist nach wie vor menschliche WillkĂŒr, welche eine Grenze festsetzt, die es eigentlich gar nicht gab. Als plumper Vergleich: Wenn das Blatt eines Baumes im Herbst von GrĂŒn zu Braun umfĂ€rbt und man das als Modellvorgang fĂŒr die Entstehung einer neuen Art betrachtet (Ausgangszustand GrĂŒn: Vorfahrenart, Braun: neu entstandene Art), dann gibt es nur einen nach menschlicher Auffassung festgelegten, aber keiner neutralen Betrachtung standhaltenden Zeitpunkt, wann man das Blatt nicht mehr als grĂŒn, sondern nunmehr als braun definiert. Und auch das GrĂŒn war ja - symbolisch gesehen - nicht mehr als ein Zwischenschritt...
(26.06.2007, 21:37)
IP66:   Ich glaube nicht, daß die von Ihnen geschilderte Methode das Problem löst. Im Grunde scheint nur so nur der statische Idealtyp in die Vergangenheit verlagert zu werden. Zudem muß man die heuristische Technik des Beschreibens auch noch an einem Objekt ĂŒben, von dem man nicht einmal weiß, ob es wirklich existiert hat. Der Vergleich ist wohl weit hergeholt, aber vielleicht hilfreich: In der ArchĂ€ologie gibt es bei der griechischen Skulptur das Dilemma, daß man aus der zeitgenössischen Literatur eine Reihe von viel beschriebenen und diskutierten Skulpturen kennt, deren Gestalt aber nur in Kopien römischer Zeit ĂŒberliefert ist, die, wie sich das fĂŒr Kopien gehört, manchmal erschreckend verschieden aussehen, auch wenn sie merkbar einem Prototyp nacheifern. Trotzdem kann man auch mit solchen Werken (Myrons Diskuswerfer ist eines davon, das viele kennen) Stilgeschichte treiben, wenn man es nicht ĂŒbertreibt und sich bei jeder Untersuchung deutlich macht, daß man keine Originale mehr befragen kann.
Ein Ă€hnliches Vorgehen wĂŒrde ich auch in der Taxonomie vorschlagen - was in der Unterartenfrage heißt, daß nur solche feststellbar sind, die den Kriterien der jederzeitigen NachprĂŒfbarkeit der Bestimmungskriterien entspringen. Auch Erhaltungszuchtprogramme ĂŒber lange Generationenfolgen sind ja möglich, nur wird es auch da nicht gelingen, Unterarten statisch zu konsverieren.
(26.06.2007, 19:29)
Michael Mettler:   Nun ja, diese neueren Einteilungen basieren ja bereits auf einer verĂ€nderten Sichtweise der Systematik, indem nun die Entstehungsgeschichte einer Tierform höher bewertet wird als das Endprodukt, und das kommt der im Flusse befindlichen Entwicklung der Lebensformen deutlich nĂ€her als das klassische System.

Ein Beispiel: Man war ja nach alter Systematik inzwischen so weit, dass die Regel galt, dass alle domestizierten Tierformen auf jeweils nur eine Stammform zurĂŒck zu fĂŒhren sind. Nun gibt es z.B. unter den Hauskatzen eine Rasse namens Bengal, die dadurch erzeugt wurde, dass man wirkliche Bengalkatzen mit Hauskatzen kreuzte und deren Bastarde weiterzĂŒchtete. Bei diesen Nachkommen handelt es sich also nicht nur um Art-, sondern sogar um Gattungskreuzungen, die aber trotzdem nur als Zuchtform der Hauskatze betrachtet werden.

Solche Möglichkeiten der Artentstehung, die hie und da auch in der Natur vorkommen können, sind im klassischen System nicht vorgesehen, da sie nicht in die Schublade passen. Beim anscheinend auf dem Vormarsch befindlichen kladistischen System spielen hingegen die Vorfahren eine große Rolle, da die heutigen Tiere deren Produkt sind; man versucht, Tierformen durch genetische Untersuchungen zu einem möglichen gemeinsamen Vorfahren zurĂŒck zu verfolgen, um auf diese Weise Verwandtschaften zu erkennen, ohne z.B. den PhĂ€notyp ĂŒberzubewerten. Und dabei kommen offensichtlich viele ĂŒberraschende Ergebnisse zu Tage, dass eben Tierformen trotz Ă€ußerlicher oder anatomischer Übereinstimmung grundverschiedene Abstammungen, also so zu sagen "familiĂ€re HintergrĂŒnde" haben können.

WĂŒrde man solche Überlegungen in den Zoo-Zuchtprogrammen ignorieren, hieße das genau genommen, man bremste nicht nur die Evolution, sondern schraubte sie sogar auf eine frĂŒhere Stufe zurĂŒck. Um das Beispiel Hulman zu nehmen: Wenn im Zoobestand die Gene von zwei oder gar mehr Ausgangsformen vermischt wurden, ist das Produkt nach meinem VerstĂ€ndnis und ganz streng genommen eine Art rĂŒckgezĂŒchteter Ur-Hulman, denn man hat genetische Besonderheiten wieder zusammengefĂŒhrt, die sich eigentlich lĂ€ngst getrennt hatten. Das wĂ€re dann eigentlich keine in die Zukunft gerichtete Erhaltungszucht, sondern ein evolutionĂ€rer RĂŒckschritt, den man flapsig mit "Gehe zurĂŒck auf LOS" umschreiben könnte... Hartes Brot fĂŒr die Zoowelt und ihre Ziele, die sie sich selbst steckt bzw. die von ihr erwartet werden.

Wobei es auch eine positive Seite der Zoo-Mischzuchten gibt: Die genetische Vielfalt der Mischlinge sollte höher sein als die der spezialisierteren, reinblĂŒtigen Linien. Womöglich kann sich ein solcher Mischling bei einer Wiederauswilderung den seit dem Fang seiner Urvorfahren verĂ€nderten Lebensbedingungen sogar besser anpassen als sein reinblĂŒtiger Verwandter - eben WEIL durch die Zoo-Zucht unabsichtlich quasi die "Reset-Taste" gedrĂŒckt wurde....
(26.06.2007, 12:48)
IP66:   Ich möchte die Diskussion nicht rĂŒcksichtslos in philosophische wenden, aber doch eine Überlegung einfĂŒgen, die ich in Sachen Taxonomie schon anderenorts im Forum geĂ€ußert habe: Das taxonomische System ist ein Kind des 18. Jahrhunderts und geht von einer Art als statischem Begriff aus, definiert das zu beschreibende als sich nicht verĂ€nderndes Objekt. So lange man sich auf einzelne Exemplare und kurze ZeitrĂ€ume bezieht, funktioniert das System recht gut. Im Grunde ist es aber nicht geeignet, evultionĂ€re ZustĂ€nde zu beschreiben, also Arten als Teil eines Systems, daß sich stĂ€ndiger, wenn auch langsamer VerĂ€nderung ausgesetzt sieht. Wenn man nun einerseits aber in lĂ€ngeren ZeitrĂ€umen denkt oder, andererseits, den Artbegriff sehr eng definiert, gerĂ€t man in Schwierigkeiten. Wenn man nun Unterart als besonders eng deifnierte Art versteht, ist klar, warum sich da im System Schwierigkeiten einstellen, die man letztlich mit wissenschaftlichen Kriterien, insbesondere den ĂŒberlieferten, nur schwer erfassen kann, weshalb Ergebnisse in die eine oder in die andere Richtung möglich sind. Ergebnisse sind diese neuen Unterarten-Bestimmungen aber vor allem dahingehend, daß sie die FragwĂŒrdigkeit des taxonomischen Systems nachweisen. In einem Zoo, der der Idee einer Erhaltungszucht folgt, entsteht dann auch noch ein praktisches Problem, da die Erhaltung einer Art ja ebenfalls einen statischen Artbegriff voraussetzt - selbst eine geforderte breite genetische Grundlage ist ja ein philosophisches Ideal (um den Begriff Ideologie zu vermeiden), das, hĂ€lt man Darwins Evolutionstheorie fĂŒr wirksam, utopischen Charakter hat.
Sicherlich kannman das vorhandene taxonomische System nicht ohne weiteres ersetzten - wenn das so einfach wĂ€re, brĂ€uchten wir uns nicht mehr damit zu befassen - man sollte aber nicht versuchen, es ĂŒber die Grenzen hinaus zu belasten - und mir scheinen die Begriffe "Unterart" und "Erhaltungszucht" gefĂ€hrlich nah an diese Grenzen zu geraten.
(26.06.2007, 11:57)
Michael Mettler:   Die neuen Ansichten in der Systematik mĂŒssten eigentlich in der nĂ€chsten Zeit ziemliche Wellen in der Zoowelt schlagen. Nachdem man sich ja bei einigen Zuchtprogrammen dazu entschlossen hat, Unterarten nicht zu berĂŒcksichtigen, steht man doch nun vor dem Problem, es in manchen FĂ€llen plötzlich mit ARTkreuzungen zu tun zu haben - vor allem bei Primaten. Wenn nach moderner Auffassungsweise z.B. der Hulman in sieben eigene Arten untergliedert wird, mĂŒsste auf diversen Gehegeschildern zukĂŒnftig eigentlich "Semnopithecus spec." zu lesen sein... Ähnlich sieht es z.B. mit Schweinsaffen, Großen Plumploris und Schlankloris aus (neuerdings jeweils zwei Arten), wenn Tiere unterschiedlicher Herkunft verkreuzt wurden. Beim Schlanklori sind aber m.W. einige BestĂ€nde art-/unterartrein gezĂŒchtete nordicus, die nach der Neueinteilung als Unterart zum Formenkreis des Grauen Schlankloris (Loris lydekkerianus) zĂ€hlen.

Das macht die Arterhaltung - ob nun fĂŒr mögliche spĂ€tere Auswilderungszwecke oder "nur" fĂŒr den Fortbestand der Zoopopulationen - nicht gerade einfacher und sorgt zudem dafĂŒr, dass die BestĂ€nde einiger Arten endgĂŒltig auf eine extrem schmale genetische Basis reduziert werden wĂŒrden. Bei den bastardisierten BestĂ€nden bekĂ€me die Bezeichnung "Modelltier" bzw. "Botschaftertier" eine ganz neue Bedeutung, denn wer z.B. weiße Tiger (eines unserer Lieblingsthemen) zu reinen Ausstellungszwecken dienenden Kunstprodukten erklĂ€rt, mĂŒsste zukĂŒnftig "Zoo-Hulmans" usw. noch stĂ€rker mit Argusaugen betrachten, denn unter ihnen finden sich ja sogar (nach neuer Definition) ARTkreuzungen....
(26.06.2007, 10:07)
Hannes:   Was denn? Ich finde es um den mensch traurig aber mein Ausspruch fiel automatisch auf die Tiere, ich kann mir nicht genau erklĂ€ren warum. Wahrscheinlich aus den unten geschilderten GrĂŒnden.
Ich finde es wirklich schwer soetwas abzuwÀgen denn hat nicht jedes Lebewesen ein recht auf Leben?
Es ist fĂŒr mich wirklich schwer zu sagen welches mehr "Wert" ist
(24.04.2006, 00:00)
Togo:   @Hannes
Was soll man denn auf soetwas noch antworten ? Ehrlich , mir fehlen die Worte !
(24.04.2006, 00:00)
Hannes:   Zu der Sache das das Überleben des menschen dem tier vorzuziehen ist.
Das ist eine schwierige Sache denn ich fuhr vor einiger zeit mit einigen Freundinnen (das weibliche Geschlecht ist ja hin und wieder gefĂŒhlbetonter als unsereins)im Auto durch die gegend und wir hörten radio als die Meldung kam das ein Viehtransport mit (lasst mich nicht LĂŒgen)30-40 KĂ€lbern verunglĂŒckt ist. Die Tiere sind alle VERBRANNT der Fahrer starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Mein Kommentar dazu "Die armen Tiere" worauf ich Ausrufe des blanken Entsetzens erntete wie ich sowas sagen könnte es sei schließlich ein mensch gestorben.
Mir war der Mann eigentlich egal da ich automatisch davon ausging das er unter Àrztlicher Aufsicht und unter Schmerzmittel oder so starb wÀhrend ich die verbrennenden KÀlber vor mir sah.
Es ist um Mnsch wie Tier traurig aber es ist nun die Frage ist es wirklich so verwerflich zusagen dss einem das Tier mehr leid tut
(24.04.2006, 00:00)
th.oma.s:   @michael mettler: und letzterem ist nicht viel hinzuzufĂŒgen...
(24.04.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Ist schon etwas schwierig, sich zu diesem Thema zu Ă€ußern, ohne gleich in Verdacht zu geraten, man sei grundsĂ€tzlich FÜR das Schlachten von Tigern usw. - das bin ich keineswegs. Aber ich halte es fĂŒr sehr schwierig, einem anderen Kulturkreis den eigenen Standpunkt nicht nur einfach aufzudrĂŒcken, sondern ihn davon zu ĂŒberzeugen. Und da neigen EuropĂ€er und Amerikaner nun mal dazu, ihre Sichtweise als die einzig richtige zu betrachten.

Ich habe mal einen Vortrag von Roland Wirth ĂŒber Artenschutz auf den Philippinen gehört. Da berichtete er, dass eine der grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten darin besteht, den Menschen vor Ort klar zu machen, dass es die von ihnen bejagten bzw. gewilderten Tiere eben NICHT ĂŒberall auf der Welt gebe und der "Vorrat" nicht unerschöpflich sei.

Und da ist eben der Kontrast zu uns: Wir sitzen hier und begeistern uns hobbymĂ€ĂŸig fĂŒr Riesenrappenantilopen, ZwergseekĂŒhe oder irgendwelche anderen seltenen Tiere in fernen LĂ€ndern, wĂ€hrend der Filipino vor Ort sich zuallererst um seine unmittelbare Umgebung kĂŒmmert (was uns auch manchmal gut tĂ€te...) und zusehen muss, wie er sich selbst und seine Familie ĂŒber die Runden kriegt (auf dem Weg dorthin sind wir allerdings auch wieder). Da stelle man sich mal vor, wie der gute Mann reagiert, wenn plötzlich jemand sinngemĂ€ĂŸ zu ihm sagt "deine ganze Tradition ist wissenschaftlich betrachtet Blödsinn, und der Prinz-Alfred-Hirsch da vorn ist von jetzt an kein leckerer Braten mehr, sondern den musst du schĂŒtzen".

Wie wĂŒrden WIR wohl reagieren, wenn plötzlich die Chinesen vor uns stĂŒnden, unsere Schulmedizin fĂŒr Humbug und uns fĂŒr bescheuert erklĂ€rten, weil wir nutzlose Heimtiere durchfĂŒttern, ohne sie hinterher aufzuessen.....

Eigentlich muss ich dafĂŒr nicht mal bis nach China gucken. Meine Schwiegermutter (84) versteht bis heute nicht, dass ich Kaninchen nur aus reinem Spaß an den Tieren halte und sie nicht schlachte. Auch bei ihr wĂŒrde ich darauf wetten, dass es ihr wurscht wĂ€re, ob eine Tierart bedroht ist, wenn ein Produkt daraus irgendein Leiden lindern wĂŒrde - und das meine ich nicht mal böse (und sie in einem solchen hypothetischen Fall bestimmt auch nicht).

Ist es nicht auch paradox, wenn viele Menschen aus unserem Kulturkreis den Schutz von Pandas, Tigern oder Gorillas in fernen LĂ€ndern befĂŒrworten, aber hierzulande gegen die Wiederansiedlung von Wolf, Luchs und BĂ€r sind und in "Natur" noch immer vor allem einem idealen Bauplatz fĂŒr ihr Eigenheim sehen...?
(24.04.2006, 00:00)
Togo:   @Hannes
Ich denke, wenn Sie persönlich betroffen wĂ€ren, das heißt Sie selber oder ein Verwandter schwer erkrankt wĂ€re, und die einzige Heilung in der Verwendung von Medikamenten beruhrt, die aus Körperteilen von Tigern oder einer anderen bedrohten Tierart hergestellt wurden, dann wĂŒrden Sie, und auch Ich, sicherlich die PrioritĂ€ten ganz klar in Ihrem eigenen Interesse setzen. Das Wohlergehen von Menschen ist dem von Tieren ganz klar vorzuziehen.
(24.04.2006, 00:00)
Hannes:   OK das stimmt es ist nur schade das zur Heilung auf seltene Tierarten zurĂŒck gegriffen werden muss und das ist fĂŒr unser westliches verstĂ€ndnis nicht gemacht aber wir sind halt mit dem einem solchen denken aufgewachsen.
Vor kurzem sah ich erst einen bericht was in China wirklich in den Restaurants gegessen wird.
Das mit Hunden und Katzen kommt nicht von irgendwo.
Da kann man sich in Luxus restaurants in aller Ruhe seine Schildkröte oder was man essen möchte aussuchen aber da lebt wirklich alles noch.
Jeder Fisch, Krabbe und sonstwas und bei uns ekeln sich manche wenn das Schnitzel nicht schon Paniert ist und man noch erkennt das es mal Fleisch war.
(24.04.2006, 00:00)
Michael Mettler:   @Hannes: "Unsinnig" ist sehr relativ, wenn du auf meine Äußerung bezĂŒglich der Tiger anspielst. In unserem ach so aufgeklĂ€rten Europa schĂŒtteln wir den Kopf darĂŒber, was man in Ostasien alles als heilend betrachtet, und verweisen darauf, dass die Heilwirkung von Tigerknochen, Hirschpanten usw. nicht wissenschaftlich nachweisbar sei. Komischerweise glauben aber die Asiaten an die Heilwirkung und erzielen vielleicht gerade deswegen den Heileffekt. Immerhin kommen auch bei uns immer wieder Studien zu dem Ergebnis, dass bestimmte Substanzen UNSERER Medizin oder Naturheilkunde keine wissenschaftlich nachweislichen Wirkungen erbringen, obwohl es vielen anwendenden Patienten mit eben diesen Mitteln (oder sogar mit Placebos) ganz offensichtlich besser geht als ohne sie.

Man stelle sich mal vor, eine amerikanische Studie wĂŒrde erweisen, dass Tigerknochen gegen Krebs helfen - dann wĂŒrden auch in unserem "aufgeklĂ€rten" Westen ruck-zuck alle möglichen Betroffenen zu diesem Strohhalm greifen, und dann wĂ€re es plötzlich UNSER Kulturkreis, welcher der Tigerwilderei Vorschub leisten wĂŒrde. Und sage bloß keiner, sowas könne nicht passieren...
(22.04.2006, 00:00)
Hannes:   Also Tiere aus unsinnigen GrĂŒnden töten halte ich auch fĂŒr Dumm aber warum nicht den Schwarzmarkt fĂŒr solche Haustiere austrocknen.
(22.04.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Und noch etwas Zitierenswertes aus dem Kölner Jahresbericht fĂŒr 2005, betreffend den Balistar:

"Auch im Bali-Barat-Nationalpark gibt es eine Zuchtstation, in der schon gut 260 Stare gezĂŒchtet wurden. Jedes Jahr werden hieraus zwischen 15 und 25 Vögel in die Natur entlassen. Die meisten fallen jedoch Wilderern zum Opfer, denn auf dem Schwarzmarkt erzielen sie bis zu 2.000 US-Dollar pro Vogel. Davon kann eine indonesische Familie ein ganzes Jahr leben. Kein Wunder, dass der Freilandbestand zwischen 10 und 20 Individuen schwankt."

Da stellt sich mir doch die Frage, warum man nicht gleich nachgezĂŒchtete Balistare zu möglichst hohen Preisen in den Handel gibt (und damit das Projekt sogar noch finanziell unterstĂŒtzt). Auf diese Weise könnte man im Sinne der Arterhaltung vielleicht den Schwarzmarkt austrocknen und den mĂŒhsam aufgezogenen und ausgewilderten Vögeln einen möglicherweise verlustreichen Wiederfang ersparen.... SO ist das ganze jedenfalls "Artenschutz paradox".

Wenn man genauer darĂŒber nachdenkt, ist es doch auch kurios, wenn in der Zoowelt z.B. bei Tigern Zuchtstopps verordnet werden und man sich Sorgen um genetisch ĂŒberreprĂ€sentierte Tiere macht, wĂ€hrend ein anderer Kulturkreis den Tiger als eine Art "medizinisches Nutztier" betrachtet und fĂŒr ĂŒberzĂ€hlige Tiere wahrscheinlich Verwendung hĂ€tte (und dafĂŒr vielleicht die frei lebenden Artgenossen in Ruhe ließe).... Aber da wĂ€ren wir wieder bei der ethischen Grundsatzdiskussion.
(22.04.2006, 00:00)
Michael Mettler:   @IP66: Kleine Korrektur, da inzwischen auch drei Standorte (Halle, Leipzig, Chemnitz) mit Angola-Löwen bestehen (in der Literatur fand ich fĂŒr diese Unterart ĂŒbrigens mehrfach den Namen Katanga-Löwe).
(10.02.2006, 00:00)
IP66:   Ein noch besseres Beispiel fĂŒr den Unsinn von sog. Zoopopulationen stellen die Schimpansen vor: Hier wird ja nur ganz vereinzelt unterartenrein gezĂŒchtet. Wenn eine Gruppe aufgelöst wird, leigt das meist am zu kleinen Menschenaffenhaus und em Wunsch nach großen Gorillaanlagen, aber nicht daran, daß man sie durch eine reinblĂŒtige Unterart des Schimpansen ersetzen möchte. Beim Löwen scheint mir da an manchen Stellen ein Umdenken eingesetzt zu haben, allerdings bislang nur zugunsten der asiatischen Unterart.
(10.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   (Fortsetzung, da ich eben unterbrechen musste) Nun ist die Steppenelefanten-Zoopopulation in großen Teilen relativ jung, so dass sie sich in naher Zukunft keineswegs drastisch reduzieren dĂŒrfte. Ich frage mich jedoch, ob man wirklich noch neue Zuchtstandorte fĂŒr Steppenelefanten einrichten sollte, falls die Möglichkeit bestĂŒnde, ein Zuchtprogramm fĂŒr Waldelefanten aufzubauen. (Hat es ĂŒberhaupt schon Überlegungen in diese Richtung gegeben?) Schließlich können die Zoos ja schlecht sagen "Okay, unsere Steppenelefanten brauchten wir nur zum Üben, jetzt schaffen wir sie ab und holen uns Waldelefanten...."

Ähnlich wie bei den Elefanten sehe ich ĂŒbrigens die Situation bei den Erhaltungszuchten der Menschenaffen. Auch hier sind z.B. alle anderen Gorillaformen bedrohter als der weit verbreitete und "zoo-ĂŒbliche" Westliche Flachlandgorilla - das Thema hatten wir schon mal unter "Berggorillas in Zoos".

Wie schon erwĂ€hnt, können die Zoos aber deswegen weder ihre jetzigen Steppenelefanten noch ihre Gorillas rausschmeißen (wohin auch?), um die Planstellen mit den anderen Formen zu bestĂŒcken. Aber auch dieses Prinzip sollte nicht nur fĂŒr "Lieblingstiere" gelten: Bei anderen Tierarten, die beim Publikum weniger beliebt sind (und innerhalb der Zoowelt weniger Prestige bringen!), sind viele Zoos durchaus rigider: Ich erinnere an unser Dauerthema Artenschwund bei Antilopen, Meerkatzen usw.
(05.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   @Andreas Hartung: Habe mir den Beitrag von Dr. Perret eben nochmal durchgelesen, wo es allerdings um den Afrikanischen Elefanten im Ganzen geht, also nicht zwischen Wald- und Steppenelefant differenziert wird.
Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, d
(05.02.2006, 00:00)
Andreas Hartung:   @Michael Mettler
"... dass der Afrikanische Steppenelefant angesichts seiner Bestandszahlen im Freiland nicht gerade vorrangig einer Erhaltungszucht im Zoo bedarf."
Ich möchte zu dieser Frage gern auf den alten Thread "Sammlungen der Zoologischen GÀrten"
(05.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   @Stefan: Habe ja schon an anderer Stelle im Forum meine Meinung kundgetan, dass der Afrikanische Steppenelefant angesichts seiner Bestandszahlen im Freiland nicht gerade vorrangig einer Erhaltungszucht im Zoo bedarf.

Neben eventuellen Einfuhrschwierigkei
(05.02.2006, 00:00)
Stefan:   @Michael Mettler: Sie haben einen sehr interessanten Aspekt angesprochen. Auch ich frage mich schon seit einiger Zeit, warum Zoos nicht versuchen, ihre erweiterten Haltungskenntnisse und Zuchterfahrungen auf Waldelefanten auszudehnen. Schließlich gab es E
(05.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Habe gerade ein hochinteressantes Buch entdeckt, das einen zum Nachdenken ĂŒber die Zuchtprogramme der Zoos bringt (und das ist jetzt nicht mal negativ gemeint): "Wie der Wal zur Flosse kam - Ein neuer Blick auf den Ursprung der Arten" von Steve Jones. Inhaltlich dreht sich vieles um Gene - mit interessanten Infos: Eine schottische Freilandstudie, die sich ĂŒber mehrere Jahrzehnte hinzog, zeigte z.B. auf, dass "genetische ÜberreprĂ€sentation", wie sie in den Zoos möglichst vermieden werden soll, etwas durchaus NatĂŒrliches ist. Forschungsobjekt war der europĂ€ische Sperber, und es stellte sich heraus, dass 90% der aufgewachsenen Jungvögel im Beobachtungsgebiet auf nur 20% der vorhandenen Altvögel zurĂŒckzufĂŒhren waren; regelmĂ€ĂŸig starben Blutlinien aus: Evolution pur.

Außerdem wird erwĂ€hnt, dass Tiere innerhalb ihrer Art genetisch einheitlicher sind, je weiter ihr Verbreitungsgebiet vom Äquator entfernt ist (was hauptsĂ€chlich fĂŒr Festlandsbewohner gilt, Inselbewohner sind ein Sonderfall). Unwirtliche klimatische Bedingungen rotten offensichtlich viele Blutlinien aus, so dass sich die erfolgreich Überlebenden und Vermehrenden ebenfalls auf natĂŒrliche Weise ĂŒberreprĂ€sentieren.

Und es wird deutlich darauf hingewiesen, dass sich auch Zootiere evolutiv anpassen, was man nicht mit Domestikation verwechseln darf: Blutlinien, die sich nicht an den Lebensraum Zoo mit seinen speziellen Bedingungen anpassen konnten, sind ohne Nachkommen erloschen.

Viel genetische DiversitĂ€t ist zu den Glanzzeiten des Tierfanges schon bei Transport und Eingewöhnung auf der Strecke geblieben. Weitere GrĂŒndertiere pflanzten sich nicht fort, weil sie sich als WildfĂ€nge entweder in den damaligen Zooanlagen zu unwohl fĂŒhlten und nicht in Fortpflanzungsstimmung kamen, weil die Haltungsvoraussetzungen insgesamt nicht stimmten (z.B. durch unbewusste FehlernĂ€hrung) oder weil sich z.B. die schreckhafteren Individuen mancher Huftierart bald das Genick an der UmzĂ€unung brachen (frĂŒher eine sehr hĂ€ufige Todesursache in den Zoos!).

Letztere Fakten sind ja jedem an der Materie Zoo Interessierten nicht unbekannt, aber es ist schon interessant, sie mal aus dem Blickwinkel der Evolution zu betrachten.
(04.02.2006, 00:00)
Michael Mettler:   Mir ist eben eingefallen, dass ich hinter meine Anmerkungen zu Jaguar, Leopard und Gepard in Klammern "Achtung, Ironie" hĂ€tte setzen sollen....
(09.11.2005, 00:00)
Michael Mettler:   Solange manche genetische Linien noch nicht "funktionieren", das heißt den gewĂŒnschten Nachwuchs bringen, sollte man "ĂŒberreprĂ€sentierte", also "funktionierende" Linien nicht mit Zuchtverboten belegen. Als Nicht-Zoomitarbeiter weiß ich allerdings nicht, ob es da eine allgemeine Richtlinie z.B. innerhalb des EEP gibt oder ob derartige Maßnahmen von den Koordinatoren individuell unterschiedlich gehandhabt werden.

Was die VerdrĂ€ngung betrifft: Da spielen ja nicht nur Zuchtprogramme, sondern auch didaktische Wertigkeiten heutzutage eine Rolle, wenn es um weniger bedrohte Arten geht. So sollen sich ja z.B. bei Wölfen, BraunbĂ€ren oder Rothirschen die amerikanischen Zoos mit den amerikanischen Formen befassen (also z.B. Timberwolf, Grizzly und Wapiti) und die europĂ€ischen Zoos mit den europĂ€ischen Verwandten (also EuropĂ€ischem Wolf, - BraunbĂ€r und Rothirsch). Dadurch wĂŒrden also die jeweils fremdlĂ€ndischen Arten verdrĂ€ngt. (Finde ich persönlich bezogen auf die deutschen Zoos unsinnig. Solange fĂŒr die "heimischen" Arten Haltungsressourcen in Wildparks u.Ă€. vorhanden sind, bleibt doch in den Zoos i.e.S. genĂŒgend Raum fĂŒr Amerikaner.)
Besonders heftig wird es bei Arten, die weder bedroht noch didaktisch wertvoll sind (wobei nach meinem Empfinden eigentlich JEDE Lebensform didaktisch wertvoll ist), z.B. die Thomsongazelle: Da hieß es in den entsprechenden Auflistungen dann "should be managed to extinction" (natĂŒrlich nur auf Zoos bezogen...)! Die Kriterien fĂŒr solche Einstufungen finde ich merkwĂŒrdig. Jeder x-beliebige Primat vom Galago bis zum Gorilla genießt eine höhere didaktische Wertigkeit, nur weil er mehr oder weniger mit uns Menschen verwandt ist, wĂ€hrend Großtiere, welche durch ihre Biomasse ganze LebensrĂ€ume prĂ€gen und erhalten (z.B. Gnus) durchs Raster fallen! Und so weit ich verstanden habe, werden fĂŒr Arten mit höherer Wertigkeit eher Zuchtprogramme ins Leben gerufen als fĂŒr "minderwertige" (ich kann nicht anders, als jetzt dieses Wort zu verwenden).
Ich behaupte auch mal, dass z.B. der Jaguar-RĂŒckgang in den Zoos auf die Ausweitung der Haltung bedrohter Leoparden-Unterarten zurĂŒck zu fĂŒhren ist - EINE gefleckte Katze pro Zoo reicht ja schließlich, und wenn es schon eine zweite sein soll, dann lieber Geparden....

Die HinzufĂŒhrung von WildfĂ€ngen ist fĂŒr die genetische VariabilitĂ€t jederzeit wĂŒnschenswert. Und fĂŒr Arten, deren in-situ-Erhalt fraglich bzw. logistisch ĂŒberaus aufwĂ€ndig ist (z.B. beim Äthiopischen Wolf, der durch Bastardisierung mit Haushunden genetisch verdrĂ€ngt wird), halte ich die ÜberfĂŒhrung eines Zuchtstammes in Zoos fĂŒr sehr sinnvoll. Die Frage ist nur wieder, welche Art dafĂŒr ihren Platz rĂ€umen muss - das ist das ewige Dilemma!

Und ich frage mich auch, warum man z.B. in Zoos noch jede Menge Anstrengungen betreibt, Afrikanische Steppenelefanten zu vermehren (und sogar noch zu importieren, siehe Dresden/Erfurt/Basel), die beleibe nicht bedroht sind, statt zu versuchen, mit Importen eine Zoo-Population des Waldelefanten aufzubauen, der ein Opfer des Regenwaldschwundes ist.
(09.11.2005, 00:00)
Dirk L:   Ich verweise auf Colin Tudge, "Letzte Zuflucht Zoo". Das sollten ja alle Zoo-Interessierten haben. Er faßt die Berechnungen von SoulĂ© usw. sehr gut zusammen. Die Idee dahinter ist, ĂŒber 200 Jahre 90 % der genetischen Vielfalt zu erhalten, und die Zahl der dafĂŒr benötigten Tiere hĂ€ngt von Generationszeit, vorhandener genet. Vielfalt und auch der "Effektiven Population" ab, also abzuglich der aus welchen GrĂŒnden auch immer nicht zur Fortpflanzung kommenden Tiere.
Aber, wie schon erwÀhnt, werden sowohl Ziel (200 Jahre?) wie auch Methode ("unter 90 % macht es keinen Sinn") lÀngst in Frage gestellt. Nach diesen Kriterien könnten wir wohl fast alle EEPs gleich einstampfen...

VerdrĂ€ngung findet zwanglĂ€ufig statt, solange die BestĂ€nde in den Zoos weiter reduziert werden. Wenn man die BestĂ€nde im Zoo erhalten will, mĂŒssen sich die Zoos halt zwangslĂ€ufig auf Arten einigen, die sie alle halten wollen, um dauerhaft genug Tiere zu haben. Erfreulicherweise hat man sich fast immer auch fĂŒr die bedrohteren entschieden. Andere - teils auch bedrohte - fallen schon aus PlatzgrĂŒnden raus. Schuld sind da aber nicht die Zuchtprogramme, sondern der mangelnde Platz.

Ich persönlich halte es fĂŒr ĂŒberholt, zwischen "Gefangenschaft" und "freie Wildbahn" zu unterscheiden. Bei vielen Arten kommt es jetzt schon zwangslĂ€ufig zum gemeinsamen Management beider Gruppen. Das wird kĂŒnftig noch viel stĂ€rker werden.
Der Zoo wird keine Arche sein können, in dem diverse Arten ohne Kontakt zur "Wildnis" nur als "Backup-Kopie" gehalten werden, sondern wird zunehmend mit dem Naturschutz-Magnagement gemeinsam die Arten "verwalten". Dazu gehören dann auch regelmĂ€ĂŸige Transfers vom Zoo in die Reservate und umgekehrt. Findet bei vielen Arten ja schon statt, bei allen Problemen, die noch gelöst werden mĂŒssen.
Bei einigen Arten bleibt die Zoopopulation sicher noch lĂ€ngere Zeit unter sich, und bei Berggorillas dĂŒrfte der Aufbau einer Zoopopulation (neben mangelndem Platz fĂŒr eine wirklich nachhaltige Zucht) auch am Widerstand der Anti-Zoo-NaturschĂŒtzer und Tierrechtler scheitern, die den Tieren ihre "Freiheit" lassen wollen - unabhĂ€ngig vom Gemetzel durch BĂŒrgerkrieg, Bushmeat und Ebola...

Ich denke, wir mĂŒssen uns kĂŒnftig an eine etwas weitere Sicht des Zoos gewöhnen, eingebunden in eine umfassendere Naturschutz-Strategie.
Da stehen wir natĂŒrlich noch ziemlich am Anfang.
(09.11.2005, 00:00)
IP66:   Aus der Berggorilla-Diskussion ist mittlerweile eine solche ĂŒber Sinn und Unsinn von Zuchtprogrammen entstanden. Es ist schön, daß dieses Forum so lebendig ist, ich glaube aber, daß es klug wĂ€re, hier einen eigenen Diskussionsfaden abzurollen. Folgende Fragen habe ich aus der Diskussion herauskristallisiert:
- Wie viele Individuen benötigt eine Gefangenschaftspopulation und wie bringt man diese unter?
- Wie wichtig ist es, bei den Zuchtpartnern auf gleichwertige ReprÀsentanz einzelner genetischer Linien Wert zu legen?
- VerdrĂ€ngen Arten, fĂŒr die ein Zuchtprogramm existiert, andere, die nicht dergestalt organisiert werden, aus unseren Zoos?
- Sind die von den Koordinatoren entwickelten Haltungsrichtlinien fĂŒr die Zucht relevant?
- Ist es legitim, zur Bereicherung von Gefangenschaftspopulationen oder zum Aufbau solcher Individuen aus der freien Wildbahn zu entnehmen?
(09.11.2005, 00:00)

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