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Zoo-Architektur



cajun:   Ein interessanter Artikel √ľber die Bauten und Tierh√§user des K√∂lner Zoos:
"Architekturpark Kölner Zoo
Mit rund 11.000 Tieren aus √ľber 850 Arten ist der K√∂lner Zoo einer der vielf√§ltigsten in Europa. Auch in anderer Hinsicht ist er facettenreich. Auf 20 Hektar Parkfl√§che bietet der dritt√§lteste Zoo Deutschlands Geb√§ude aus zahlreichen Architekturepochen. Viele H√§user stehen unter Denkmalschutz. Der alte Baubestand macht neben den vielen attraktiven Neubauten den besonderen Charmes des K√∂lner Zoos aus.

Hinter dem Eingang, dem Rundweg folgend, wartet auf Besucher mit der ‚ÄěVilla Bodinus‚Äú und dem ‚ÄěArnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus‚Äú gleich ein ganz besonderes Ensemble. Die Villa, benannt nach Gr√ľndungsdirektor Heinrich Bodinus, wurde erst j√ľngst f√ľr rd. 3 Mio. Euro mit gro√üem Aufwand kernsaniert und neu er√∂ffnet. Die Stadt K√∂ln stellte sicher, dass die hohen Auflagen an den Denkmalschutz dieses architektonischen Schmuckst√ľcks eingehalten werden konnten. Das klassizistische Geb√§ude von 1863 ist das √§lteste erhaltene Wohnhaus in Riehl. Fr√ľher Heimat der Zoodirektoren, ist es heute eine moderne Tagungs- und Eventlocation ‚Äď buchbar √ľber die Zoo-Gastronomie.
Wer in der ‚ÄěVilla Bodinus‚Äú feiern will, tut dies in bester Gesellschaft. N√§mlich einerseits in Nachbarschaft der nebenan lebenden Kubaflamingos. Und andererseits der direkt angrenzenden Bewohner des ‚ÄěArnulf-und-Elizabeth-Reichert-Hauses‚Äú. Das Geb√§ude wurde1899 als Vogelhaus erbaut und diente nach Zerst√∂rung im 2. Weltkrieg sp√§ter als Heimat f√ľr Primaten. Das markante Geb√§ude ist in seinen Formen einer russisch-orthodoxen Kirche nachempfunden. Der in Gelb und Wei√ü gehaltene Bau besteht aus einem Mittelschiff mit Apsis, zwei Seitenschiffen und vier flankierenden Eckt√ľrmen auf quadratischen Grundrissen. 2021 wurde er nach anderthalbj√§hriger, denkmalgerechter Kernsanierung feierlich wieder√∂ffnet. Mit seinen frei sich bewegenden Faultieren, V√∂geln und Primaten aus Mittel- und S√ľdaamerika ist das Geb√§ude direkt einer der Publikumsmagneten auf dem Zoogel√§nde geworden.

Ebenfalls aus der Gr√ľndungszeit stammt das ehemalige Antilopen- und Giraffenhaus in der Mitte des Zoos. Generationen von K√∂lnern war es jahrzehntelang als Elefantenhaus bekannt. Der einst√∂ckige Bau aus dem Jahr 1863 zeigt mit der Abfolge der Tore mit ihren Hufeisenb√∂gen oder den Pflanzendekors auf den Kapitellen der Pilaster Ankl√§nge an maurische Architektur, die damals modern war.

Folgen Besucher dem Rundgang weiter, gelangen sie zum Pavianfelsen. Er stammt von 1914 und war Teil eines nach den Prinzipen von Carl Hagenbeck geplanten Bereichs f√ľr unterschiedliche Arten, in dem sich Tiere frei bewegen konnten und nur durch Wasser und Gr√§ben von den G√§sten getrennt waren. Bestand hat bis heute der ca. 10 Meter hohe Pavianfelsen, den rd. 1.000 qm Weiherfl√§che umgeben. Unsichtbar angebrachte √Ėffnungen f√ľhren ins Innere, in das die Tiere sich zur√ľckziehen k√∂nnen. Tierpfleger erreichen die Innenbereich √ľbrigens durch einen unterirdischen Gang, der unter dem Wasser durchf√ľhrt.

Auch auf der zur Stammheimer Stra√üe hin liegenden Zooseite gibt es reizvolle Geb√§ude, die √§lter sind als man denkt. Die Rinderh√§user im Schweizer Blockhausstil stammen von 1884. Charakteristisch sind die profilierten Balkenk√∂pfe unter weit vorgezogenen D√§chern. Derzeit werden die Anlagen rund um die traditionsreichen Blockh√§user zur neuen Heimat f√ľr Spitzmaulnash√∂rner umgebaut. Er√∂ffnung ist in diesem Sommer.

Wenige Meter weiter steht das Giraffenhaus exemplarisch f√ľr den Wiederaufbau des Zoos nach dem Zweiten Weltkrieg. Das asymmetrische Satteldach und die abgeschr√§gten Betonst√ľtzen entsprechen ebenso dem damaligen Zeitgeschmack wie die mit Gelbklinker verblendete Seitenfront und den sichtbaren roten Backsteinfl√§chen. Der Zoo wird bald mit der Modernisierung dieses Hauses und der Vergr√∂√üerung der Giraffenanlage starten.

Die Zooverantwortlichen haben immer wieder die Aufgabe, die zur DNA des K√∂lner Zoos geh√∂rende alte Bausubstanz mit optimaler Tierhaltung nach neuestem Stand der Wissenschaft und aktuellen G√§steanspr√ľchen in Einklang zu bringen. Das ist aufwendig und kostet viel Geld. Denn f√ľr denkmalgerechte Sanierungen oder Erweiterungen bestehender Zoobauten gibt es keine Bauteile ‚Äěvon der Stange‚Äú. Alles muss sorgf√§ltig durchdacht werden. Ziel ist immer, den Besuchern spannend-neue Einblicke auf die Tiere zu geben und moderne Edukationselemente einzubauen, die die Menschen f√ľr Tiere und deren Schutz begeistert. Gleichzeitig gilt, den Besch√§ftigten optimale Arbeitsbedingungen f√ľr ein bestm√∂gliches Tiermanagement zu bieten. Mit dem Publikumsmagneten ‚ÄěArnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus‚Äú und der ‚ÄěVilla Bodinus‚Äú als stark genutztem Anlaufpunkt f√ľr Menschen, die im Zoo tagen und feiern wollen, ist dies zuletzt einmal mehr gelungen."
Quelle:https://www.koelner.de/news/stadtleben/architekturpark-koelner-zoo/
(26.05.2023, 12:22)
Klaus Schueling:   Buchtip:

Die Szenografie der Wildnis - Immersive Techniken in zoologischen Gärten im 20. und 21. Jahrhundert

Christina Kathrina May

Zoos sind Orte, an denen Menschen Wildtiere betrachten können. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Zootiere in Landschaftsszenarien ausgestellt, die das Publikum imaginär in die Herkunftsregionen der Tiere versetzen. Die jeweiligen Gestaltungsvorlieben verändern sich abhängig vom biologischen Wissen, der Ausstellungsdidaktik, den wechselnden Architekturstilen, aber auch von politischen Ideologien.

Die Szenografie der Wildnis zeigt, wie R√§ume im Zoo konstruiert und die psychologischen und physischen Grenzen zwischen Tieren und Publikum minimiert werden. Die Kategorie der Immersion, des Eintauchens in eine andere Welt, dient als Leitfaden der Analyse von Zoos in Deutschland, der Schweiz, den USA und den Niederlanden. Einflussreiche Architekturkonzepte und Bildmedien werden vorgestellt. Auch der Landschaftsgarten sowie kommerzielle und museale Ausstellungen dienen als Vorbilder. √úber die Verhaltensforschung lassen sich schlie√ülich √ľberraschende Bez√ľge zu den Planungen urbaner Infrastrukturen oder menschlicher Wohnbauten herstellen.

Die Szenografie der Wildnis
Immersive Techniken in zoologischen Gärten
im 20. und 21. Jahrhundert
ca. 370 Seiten|Softcover|150 x 210 mm| ? 38
Neofelis Verlag

www.buchkurier.de/de/product_info.php?info=p2397_die-szenografie-der-wildnis.html


4 Fallbeispiele werden detailliert behandelt:
- Hagenbeck (Panorama als Wohnung)
- Z√ľrich (die Biologisierung des Raums: Hedigers Territorien)
- Woodland Park Zoo in Seattle (Immersive Landschaften, Jones and Jones)
- Arnheim (Biosysteme: Welten unterm Dach)

.
(22.01.2020, 15:14)
Michael Mettler:   Hie und da sind es (zumindest in Deutschland) schlichtweg die √∂rtlichen Bauvorschriften, die einfache L√∂sungen vereiteln. Als man vor gut 30 Jahren das Tropenhaus in Hannover, aus dem gerade die Menschenaffen ausgezogen waren, f√ľr die Niederen Affen umgestalten wollte, stand eine kosteng√ľnstige Leichtbaul√∂sung auf dem Wunschzettel der damaligen Zooleitung - Vorbild waren m.W. Affenanlagen in Rheine. Von der zust√§ndigen Baubeh√∂rde wurde das aber rundweg abgelehnt. Letztlich musste der Zoo jene massiven Au√üenanlagen errichten, die noch heute f√ľr Drills & Co. genutzt werden und √ľber die wir damals gespottet haben, dass das hannoversche Bauamt nur "atomsichere" Zoobauten durchl√§sst...

Ich habe ein bisschen das Gef√ľhl, dass vor allem kleinere und j√ľngere Zoos bessere Chancen haben, einfache und teilweise innovative L√∂sungen umzusetzen. Bei der "alten Garde" der Gro√üzoos scheint mir das schwieriger zu sein, da wollen sich die Architekten wohl viel eher austoben... Die Wilhelma als staatlicher Zoo steht darin f√ľr mich ziemlich unter Prestigeverdacht. Obwohl sie ja durchaus auch historische und noch immer genutzte Einfachl√∂sungen aufzuweisen hat wie die Kleins√§uger- und Vogelabteilung im Gew√§chshaustrakt.
(19.06.2014, 18:21)
zollifreund:   hat nicht geklappt, also nochmals das Gehege der Rostkatzen
(19.06.2014, 16:53)
zollifreund:   hier das optische Beispiel.
W√ľrde in Gelesenkirchen z.B. im Afrika- oder Asienbereich sehr gut funkionieren, da ist noch viel Platz f√ľr solche Anlagen
(19.06.2014, 13:41)
zollifreund:   oder um mal ein Beispiel aus einem anderen Zoo zu zeigen: das Sandkatzenhaus im Park des F√©lins - ein einfaches Gew√§chshaus mit 6 sehr gro√üz√ľgigen Innenanlagen f√ľr Sandkatzen. Einfach super, das beste was ich bisher gesehen habe.
Aber genauso gut auch Kleinkatzenau√üenanlagen. Baumst√§mme als Pfosten, dann ein Gitternetz, fertig. Das kostet nicht die Welt und die Anlagen sind sehr gro√üz√ľgig. Mit dieser Bauweise k√∂nnten viele neue Kleinkatzenanlagen in Deutschland gebaut werden, denn diese Tiergruppe ist in meinen Augen in den meisten Zoos unterrepr√§sentiert.
(19.06.2014, 13:38)
zollifreund:   Zum Thema Baukosten passt es hier vielleicht am besten: wie gerade im Thread Gehegeabgrenzungen am Beispiel Elefantenanlage Beauval aufgezeigt, gibt es auch heute noch M√∂glichkeiten kosteng√ľnstig zu bauen.
Das Thema Baukosten ist mir wieder mal so richtig bewusst geworden, da ich gerade kurz hintereinander die Wilhelma und Hellabrunn besucht habe und anschlie√üend eine kleine Frankreich-Tour gemacht habe. W√§hrend in Stuttgart f√ľr 22 Mio EURO gerade mal ein Haus f√ľr Gorillas und Bonobos gebaut wurde und in M√ľnchen ein Giraffenhaus f√ľr √ľber 3Mio EURO ( so hoch war der Sparkassenzuschuss) baute und dann nicht mal mehr Geld f√ľr weitere Antilopenstallungen vorhanden war, habe ich in Frankreich ganz anderes bauen kennen gelernt.
Nat√ľrlich sind die beiden erw√§hnten Bauten architektonisch sehr gut gelungen und auch die Tierhaltung hat sich sehr verbessert, ich frage mich nur, ob das nicht auch billiger gehen w√ľrde?
Wieder mal als Beispiel Beauval ( einfach weil hier in letzter Zeit im zweij√§hrigen Rythmus sehr gro√üe und sehr gute Neuanlagen er√∂ffnet wurden): hier erinnern die Stallungen f√ľr Nash√∂rner und Elefanten, aber auch die H√§user f√ľr die Menschenaffen von der Grundsubstand eher an Lagerhallen. Einfache, rechtigte Bauweise und dann Innen tiergerecht eingerichtet und Au√üen noch etwas verkleidet.
Ich habe momentan immer das Gef√ľhl, dass in Deutschland mehr die Architektur statt die Zweckm√§√üigkeit im Fordergrund steht und dann nat√ľrlich das Geld f√ľr weitere Projekte fehlt.
( Als Beispiel das Nashornhaus in Beauval)
(19.06.2014, 13:29)
IP66:   Dann mu√ü man den Giebel eine Recht avangardistische Idee bewerten - Jugendstiladaptionen in Zoos vor 1900 sind √§u√üerst selten. Ob man darin eine Erkl√§rung f√ľr die etwas merkw√ľrdige Verbindung eines sehr traditionellen Tierhauses mit diesen neuen Formen sehen kann. Die Probleme gab es allenthalben, etwa in Weimar, wo Herr van de Velde nicht mit dem Theaterneubau betraut wurde, weil es ihm als ornamental und avantgardistisch denkenden Architekten nicht zugetraut wurde, eine derart komplexe Bauorganisation zu bew√§ltigen. Dem k√∂nnte man in Kopenhagen dadurch entgangen sein, da√ü man den Entwurf von einem konventionelllen Architekten ausarbeiten lie√ü und dann an einen Avantgardististen weiterreichte, der die durchaus wirkungsvolle Idee der monumentalen √Ądikula beisteuerte.
(05.10.2009, 11:52)
Michael Mettler:   Ich verga√ü ganz zu erw√§hnen: Das Haus wurde 1898 erbaut (Architekt: Anton Rosen) und 1932 abgerissen.
(04.10.2009, 11:52)
IP66:   Interessant finde ich, da√ü die √§gyptisierende √Ądikula einem ansonsten ziemlich schlichten, galerieartigen Bauk√∂rper vorgeschoben wurde. Kleinraubtiergalerien gab es schon in den Biedermeierzoos, vielleicht auch deshalb, weil es in diesem Tiersektor eine Menge gut zu haltender und auch einfach zu beschaffender Arten gab. Anscheinend waren diese Tiere, selbst wenn man die Hy√§nen und Geparden dazurechnet, eine Art Grundbesatz, den das Publikum erwartete. Die Zweist√∂ckigkeit der Anlagen kenne ich, dank Michael Mettler, auch aus den 60er Jahren in Hannover. Man scheint sie allerdings mit ein wenig schlechtem gewissen realisiert zu haben, jedenfalls tut die Architektur alles, um dem, der von weitem schaut, dieses Element zu verbergen, etwa dadurch, da√ü sie die Gitterstrukturen beider Etagen angeglichen hat. Besagte √Ądikula tut ein weiteres, da sie den Blick auf sich lenkt und den betrachter zun√§chst einmal mit Lotuskapitellen und prachtvollen Jugendstilornamenten besch√§ftigt, ehe er sich der Struktur der K√§fige widmet. Sie w√ľrde zeitlich in den Kontext des Gro√ütierhauses passen, geht allerdings zumindest mit den Kapitellen, vielleicht auch mit der Giebelform, ein wenig weiter in Richtung Exotisieren, allerdings auc dem breit ausgetretenen und gleichsam schon kanonischen √§gyptischen Pfad. Beim Blick auf den Giebel habe ich zun√§chst an Architekturen der Ilkhane in Zentralasien gedacht (es gab im 17. Jahrhundert eine wichtige d√§nische Gesandtschadt, die diese Gegenden besucht hat), die Form ist aber im skandinavischen Jugendstil so weit verbreitet, da√ü ich das f√ľr eine sekund√§re Herleitung halte. Der Fenstergaden, die den Innenraum beleuchtet, erinnert mich an das londoner Raubtierhaus, doch d√ľrfte es die Form auch hier und da auf dem Kontinent gegeben haben.
(04.10.2009, 10:31)
Mel:   Okay das wusste ich nicht, naja alles was ich von zirkussen wei√ü bassiert auf Kindheitserfahrungen aus dem DDR Staatszirkuss und das ist schon lange lange her, aber stimmt das mit dem Geparden kommt mir bekannt vor ;-)
(03.10.2009, 23:08)
Michael Mettler:   @Mel: Die etwas merkw√ľrdige Unterteilung in gro√üe und kleine Raubtiere hatten wir schon mal in Zusammenhang mit einem alten Geb√§ude in Karlsruhe, wo selbst Geparden noch zu den Kleinen gerechnet wurden. Aber darauf bin ich auch in der Literatur √ľber Circusdompteure immer wieder gesto√üen, dass als gro√üe Raubtiere offenbar nur L√∂wen und Tiger und vielleicht gerade noch Eis- und Braunb√§ren z√§hlten, denn auch da tauchen Leoparden und Pumas neben Hy√§nen als "Kleine" auf (bei Jaguaren ist mir das nicht bewusst, aber die gab es eh nur sehr selten in Dressurgruppen).
(03.10.2009, 22:31)
Mel:   Kleine Raubtiere ist gut ;-) Wenn mich nicht alles t√§uscht liegt da im linken Mittelk√§fig ein Jaguar oder Leopard. aber das Bild ist Super, habe noch nie eine Gesamtansicht eines geb√§udes mit solch praktizierter Haltung gesehen.
(02.10.2009, 22:49)
Michael Mettler:   Ich habe eine (Fast-)Gesamtansicht des dazugeh√∂rigen Hauses gefunden, n√§mlich des Hauses f√ľr kleine Raubtiere in Kopenhagen.
(02.10.2009, 21:03)
IP66:   Endlich einmal ein Bild von einer Regalhaltung, wie man sie heute nirgendwo mehr nachvollziehen kann - und dann auch noch mit den in dieser Hinsicht besonders einschl√§gigen Bewohnern!
Ich denke allerdings, da√ü man schon um die Jahrhundertwende gegen solche Anlagentypen anbaute, etwa durch Freianlagen des Hagenbeck-Typs, wobei die schn√∂rkellosen Gitter zeigen, da√ü auch die D√§nen 1910 die Gr√ľnderzeit √ľberwunden hatten. Interessanterweise haben dergleichen Tierregale selbst in den Artenzooneubauten der Nachkriegszeit keine Rolle mehr gespielt.
Denkmalpflegerisch w√ľrde ein solcher Bau heutzutage ein gewisses Problem bedeuten, wobei ich ich allerdings einen Besatz mit kletterfreudigen Kleins√§ugern, eine Zusammenlegung unter Beibehaltung des Zwischenbodens oder auch einen Anschlu√ü an Nachbaranlagen vorstellen k√∂nnte.
(26.09.2009, 10:45)
Michael Mettler:   Eine nahezu optimale Zoo-Architektur f√ľr Puristen unter den Zoofans: Die Fl√§che ist geschickt ausgenutzt, die Tiere sind gut zu sehen, es wurde kein Geld f√ľr Firlefanz ausgegeben, der nur vom Tier ablenkt, und kein Kunstfels verschandelt die schlichte, aber wertvolle Architektur der Anlage. Punktabzug gibt es lediglich f√ľr die fehlende geografische Passung der Arten - au√üer, man stellt das Ensemble geschickterweise unter ein Pal√§o-Thema (schlie√ülich kamen T√ľpfelhy√§ne und Wolf einst in Europa nebeneinander vor). √úberfl√ľssiger Nachwuchs entsteht hier √ľbrigens auch nicht, es besteht auch keine Gefahr der Inzucht oder Vermischung von Unterarten. Der Kopenhagener Zoo war 1910 eben seiner Zeit weit voraus! (Achtung, alles Ironie...)

Gefunden in der Fotoausstellung zum 150-jährigen Bestehen des Zoos.
(25.09.2009, 21:46)
IP66:   Im 20. Jahrhundert gelang es, die Keramikproduktion in hohem Ma√üe zu rationalisieren und dadurch zu verbilligen. Das hatte nicht nur die Erfindung des Stapelporzellans (schon in der Zwischenkriegszeit) zur Folge, sondern verbilligte die Herstellung von Keramikfliesen, auch solchen mit einer aufwendigen Farbgebung. Diese hielten wohl fast gleichzeitig Einzug in die Badezimmer wie in die Zoos. Allerdings hat die nicht Natur imitierende Ausstattung von Gehegen eine l√§ngere Geschichte, zum einen √ľber die Ideen des Bauhauses in Dessau, wie sie in Z√ľrich oder Frankfurt realisiert wurden, zum anderen auf dem beliebteren expressionistischen Weg, etwa in den Affenfreianlagen und im Dickh√§uterhaus in Leipzig. Insofern vollzog Grzimek in Frankfurt recht naheliegende Gedanken nach, vor allem im Menschenaffenhaus. Als durchdachter und kreativer w√ľrde ich allerdings die keramischen Wandverkleidungen im Brehm-Haus in Friedrichsfelde nennen, bei der auch anspruchsvollere Materialien zum Einsatz kamen.
(10.06.2009, 14:29)
Michael Mettler:   Die neue Biografie √ľber Bernhard Grzimek bietet ein weiteres Beispiel daf√ľr, wie Neuerungen mit bestimmten Zoos oder Personen verkn√ľpft werden, auch wenn sie nicht die Erfinder waren. Da hei√üt es √ľber die Wiederaufbauphase in den 50er Jahren: "Im Raubtierhaus selbst hat Grzimek die W√§nde kacheln lassen, ebenso im Elefantenhaus, nachdem er damit bei den Menschenaffen √§u√üerst gute Erfahrungen gemacht hat." Der ehemalige Zooinspektor Neub√ľser erl√§utert dann die Beweggr√ľnde und sagt dabei: "Grzimek hat schnell erkannt, dass die Wanderung der Parasitenlarven auf dem Boden unterbrochen werden musste." Danach schildert er am Beispiel des Okapis: "Bodenheizung, Einsatz eines Desinfektionsmittels nach einem festgelegten Zeitplan, sofortiges Entfernen des Kotes, und eben die gekachelte Bauweise. Das war schon etwas Neues. Das hat er sich als Tierarzt gut ausgedacht." Danach hei√üt es dann noch: "... h√§lt die von Neub√ľser als 'Badezimmerarchitektur' bezeichnete Bauweise weltweit Einzug in die Zoos."

So entsteht der Gesamteindruck, dass Grzimek die Erfindung der "Badezimmerarchitektur" zugeschrieben wird (oder er sie sich als Marketinggenie selbst ans Revers geheftet hat?). Aber wom√∂glich war nur die Begr√ľndung f√ľr diese Bauweise neu, denn die Kombination aus Verkachelung von Tierr√§umen und Stallbodenheizung gab es z.B. schon ab 1932 im Flusspferdhaus des halleschen Zoos (vermutlich nicht zur Parasitenvermeidung, sondern schlichtweg zur einfacheren Reinigung) und Bodenheizung z.B. von Affenk√§figen sogar schon vor 1900 in verschiedenen Zoologischen G√§rten.
(12.05.2009, 09:43)
Anti-Erdm√§nnchen:   Ein paar Erg√ľsse dazu gibt es √ľbrigens auch im Faden "Innen-/Au√üenanlagen".
(02.12.2008, 20:49)
Anna Lena Stephan:   Ich war am Wochenende mal wieder in K√∂ln. Dabei ist mir was aufgefallen: Ich kenne viele Beispiele gro√üz√ľgiger Au√üenanlagen und relativ kleiner Innenanlagen f√ľr k√§lteempfindliche Tiere. Ist das in Deutschland nicht eigentlich ung√ľnstig? Es handelt sich ja dabei auch um ganz neue Anlagen, zum Beispiel die f√ľr Tapire in K√∂ln. Weitere Beispiele in vielen Zoos sind Flusspferd-, Malaienb√§r- und Pelikangehege.
Wer kennt noch weitere Beispiele bzw. Beispiele, wo f√ľr solche Tiere auch ger√§umige Innenanlagen bereit stehen.
(Mir ist klar, dass Innenanlagen mehr kosten, aber wenn man schon neu baut, sollte es auch artgerecht sein...)
(02.12.2008, 20:31)
Michael Mettler:   Die hannoverschen Eulenvolieren passen auch noch ins Schema, auch wenn hier verschiedene Grundfl√§chenformen kombiniert wurden. Was davon heute als Bartkauzvoliere dient, waren ja im Ursprung zwei (sp√§ter sogar drei) Volieren: Das linke Polygon (in Richtung Gepardenanlage) war durch eine Betonwand von dem langgestreckten Teil rechts getrennt und beherbergte die Schnee-Eulen; der lange Teil war mit Braunen Fischuhus und Brillenk√§uzen (in Gemeinschaft) besetzt. Um diesen Arten ungest√∂rte Brut zu erm√∂glichen, wurde die Voliere nachtr√§glich mittig per Trenngitter unterteilt. Im rechten Polygon sa√üen die Uhus, in der langen Voliere auf der anderen Wegseite die Bartk√§uze. F√ľr kleinere heimische Eulen wie Wald- und Sumpfohreule, Waldkauz und sp√§ter auch Stein-, Habichts- und Raufu√ükauz nutzte man ganz schlichte, √§ltere Rechteckvolieren mit Holzr√ľckwand (also im Wildpark-Stil) an anderer Stelle (beim Bau des Dschungelpalastes abgerissen). Die K√§uze zogen z.T. noch in die neueren Volieren um, nachdem sich der Zoo von den beiden tropischen Arten getrennt hatte. Diese lebten √ľbrigens ganzj√§hrig in den ungeheizten Quartieren, und der Zoo konnte mit ihnen immerhin eine deutsche Erstzucht (Brillenkauz) und eine Erstzucht au√üerhalb der Heimatl√§nder (Brauner Fischuhu) verzeichnen!
(26.08.2008, 12:57)
IP66:   Ich glaube, da√ü Sie da einem sehr menschlichem Ph√§nomen aufgesessen sind - auch mir geht es so, da√ü ich auch vor der Haust√ľre vorhandenen Ideen erst in der Ferne begegnen mu√ü, um sie in der N√§he zu entdecken.
Der Waldteil des hannoveraner Zoos ist ja nicht der uninteressanteste Bereich, da man dort mit wenig Geld etwas schaffen mu√üte, was zum Restpark pa√üte und sich von Wildparks hinreichend abhob. Eine √§hnliche Planung, allerdings ohne Streuk√§fige, erhielt ja auch M√ľnster mit seinen um den Kinderzoo angeordneten Gehegen f√ľr einheimische Arten.
(26.08.2008, 11:17)
Michael Mettler:   Nach dem Motto "den Wald vor lauter B√§umen nicht sehen" habe ich mir gerade an den Kopf gefasst - etwas √Ąhnliches wie den Osnabr√ľcker Vogelgarten habe ich doch sogar in "meinem" hannoverschen Zoo st√§ndig vor Augen, nur ist es heute nicht mehr in der Ursprungsform erkennbar: die K√§fige f√ľr Kleinraubtiere im waldigen Teil des Zoos. Urspr√ľnglich waren es vier gleichf√∂rmige Vielecke (fertiggestellt 1972), die beiden ersten wurden sp√§ter zusammengefasst (heute Nasenb√§renk√§fig), der dritte war lange Zeit vom Besucherweg abgeschnitten und ist heute Wolfsabsperrk√§fig, der vierte hatte diese (Nachfolge-)Funktion vorher inne und wurde beim Umbau der Wolfsanlage in den jetzigen Zustand weggerissen.
(25.08.2008, 19:23)
IP66:   Das Problem √§hnelt ja jenem, das durch den Neubau in M√ľnster entstand - letztlich wird es ganz problematisch, wenn irgendwo ein neuer Zoo entsteht und ein altes Gel√§nde samt seinen Bauten sich in ein mit Gewinn zu ver√§u√üerndes Grundst√ľck verwandelt. Ich denke aber, da√ü wir in Deutschland nicht mit Fingern auf die Polen zeigen sollten - j√ľngst wurde in Frankfurt ein vergleichbar wichtiges Baudenkmal beseitigt, √§hnliches geschah in K√∂ln, und selbst eine Kleinanlage wie Darmstadt hat fast alle ihre sehr qualit√§tvollen Gr√ľndungsbauten verloren.
(25.08.2008, 11:29)
Oliver Jahn:   @IP66, das kann ich mir noch immer nicht richtig vorstellen. Vieleicht sind ja doch ein paar Leute zur Vernunft gekommen und kippen diesen wahnwitzigen Plan.
(24.08.2008, 17:53)
IP66:   Den Aufnahmen nach scheint der posener Bau in der Dachl√∂sung entschiedener - und wohl auch gl√ľcklicher - formuliert als der k√∂lner. Schade nur, da√ü daf√ľr wohl der Altbau demn√§chst einem Einkaufszentrum zum Opfer fallen soll.
(24.08.2008, 14:38)
Oliver Jahn:   Leider nur von Au√üen.
(24.08.2008, 14:03)
Oliver Jahn:   Holla, wenn das mal nicht nach K√∂ln aussieht! Das ist schon ein sehr deutlicher Unterschied, zur ehemaligen Elefantenhaltung in Posen! Deutlicher geht es kaum.
(24.08.2008, 14:01)
WolfDrei:   und 2. Innen
(24.08.2008, 13:42)
WolfDrei:   Erhalte gerade aus Posen zwei Fotos des neuen Elefantenhauses.
1. Außenaufnahme
(24.08.2008, 13:41)
IP66:   Die aufgel√∂sten Fasanerien oder Raubvogelgalerien sind gar nicht so selten und haben hier und da sogar die Wildparks erreich: Mir f√§llt Dortmund ebenfalls mit polygonen K√§figen ein, dann die √§lteren Raubvogelk√§fige in N√ľrnberg, die den Typus der dort noch zur H√§lfte vorhandenen Eulenanlagen (in der N√§he des Elefantenhauses) abl√∂sen. Paradezoo der Entwicklung war, wie im Darmstadt-Thread erw√§hnt, M√ľnster, wo man ebenfalls versucht hat, die Vogelunterbringungen so zu verteilen, da√ü keine Reihen zustandekamen. Zahlreich sind die entsprechenden Anlagen auch in M√ľnchen (Robben, Paviane, Eisb√§ren, die Australien-Pavillons, die Afrika-Anlagen usf). In Sachen V√∂gel ist sind die Papageienanlagen im Terrassengarten der Wilhelma auch ein sch√∂nes Beispiel dieser Gattung.
Ich w√ľrde allerdings zwei Entwicklungen, die den Bauhaus-Zoo abl√∂sen, unterscheiden. Die eine versuchte in der Tat, die neuen M√∂glichkeiten des Betongusses und der dadurch sich ergebenden Gestaltungschancen zu nutzen (M√ľnster, die fraglischen Geb√§ude in Osnabr√ľck, M√ľnchen usf), die andere war bem√ľht, neben den Errungenschaften des Materials auch andere Gestaltungsm√∂glichkeiten zu nutzen. Naturgem√§√ü sind hier die Beispiele ein wenig √§lter: Das Brehm-Haus in Friedrichsfelde z√§hlt zu dieser Gruppe, das erfurter Affenhaus (das dortige Elefantenhaus w√ľrde ich eher der ersteren Katergorie zuordnen), das Menschenaffenhaus in Antwerpen.
Das darmst√§dter Wabenhaus steht ein wenig zwischen den beiden Richtungen, da es zwar auf im Betonbau sehr beliebte Formen zur√ľckgriff, aber bei der Gestaltung bem√ľht war, mit verschiedenen Oberfl√§chenreizen zu arbeiten.
Das Eindringen von Bepflanzungen in diese Architekturen ist von Anfang an zu beobachten, es nahm aber mit den Jahrzehnten zu und hatte schließlich den Typus "Urwaldhaus" zur Folge, dem ich die Beispiele in Hannover und Heidelberg zuzählen wollte.
(22.08.2008, 11:44)
Oliver Jahn:   Michael, ich hatte den Beitrag kaum geschrieben, da musste ich auch an den Vogelgarten in Osnabr√ľck denken. Stimmt genau, eine wirklich interessante Geb√§udegruppe (siehe Foto)
Wie sieht es eigentlich mit dem Raubtierhaus in Cottbus aus? Ich war ewig nicht mehr dort und wei√ü gar nicht, ob es noch steht und wof√ľr es genutzt wird. Aber ich habe es auch so in Erinnerung, als w√§re die Bauweise der K√§fige nicht in einer Reihe, sondern eher in schr√§gen Linien.
(21.08.2008, 17:18)
Michael Mettler:   In Sachen Formgebung w√ľrde ich mit meinem laienhaften Architekturverst√§ndnis sogar noch den Umbau des hannoverschen Tropenhauses in das heutige Niederaffenhaus Anfang der 80er als sp√§ten Ausl√§ufer dieser Welle sehen: Mehreckige K√§figformen, die einerseits die ehemals gerade Reihe auflockerten, andererseits den Affen einen Blick in wenigstens einen Nachbark√§fig erm√∂glichten und somit f√ľr Enrichment sorgten. Naturboden in Au√üenanlagen f√ľr Niedere Affen war √ľbrigens zu dieser Zeit auch noch die ganz gro√üe Ausnahme, wenigstens in deutschen Zoos. So betrachtet hatten die Tiere tats√§chlich Vorteile von dieser Neuerung; die massive Betonstruktur der Au√üenanlagen war ja keine Freiheit des Architekten, sondern eine Vorgabe des hannoversches Bauamtes, welches das f√ľr statisch notwendig hielt...

In Osnabr√ľck gibt es noch eine zweite Sechseckstruktur: Der Vogelgarten ist mit Ausnahme des rechteckigen Aufzuchthauses komplett aus solchen Elementen (als Innenraum und Au√üenvoliere bestehend) aufgebaut, wenn auch in lockerer Form (beinahe wie ein Dorf).
(21.08.2008, 16:13)
Oliver Jahn:   Durch den Darmst√§dter Beitrag angeregt wollte ich gern die Zooarchitektur der 60er und 70er Jahre mal ein wenig thematisieren.
Wie in allen Zeiten wurden auch in diesen Zeiten zum einen rein zweckm√§√üige Bauten errichtet, √ľber die man kaum spricht. Zum anderen aber war dieses doch auch eine Zeit, in der Architekten moderne H√§user bauten, die den Tieren und Pflegern entsprechen mussten, die doch aber zum Teil auch architektonisch als recht interessant einzustufen sind. Da wurden Wabenformen verwendet, neue Kuppelbauten, einfache K√§figreihen wurden aufgelockert, g√§ngige Formen wurden verlassen, ganz neue Formen entstanden.
Das Warmhaus in Darmstadt ist, bzw. leider war ein Beispiel daf√ľr. Das S√ľdamerikahaus in Osnabr√ľck erinnert mich ebenfalls an diesen Stil.
Gab, oder besser noch gibt es heute noch solche Häuser, an denen man vielleicht öfter mal in einem Zoo achtlos vorbeigeht, obwohl sie evtl. eine solche doch etwas besondere Zooarchitektur darstellen?
Auf Anhieb fallen mir noch die leicht schräg versetzten Käfigreihen am alten Raubtierhaus in Erfurt ein. Auch das Affenhaus in Erfurt, welches ja heute noch steht, hat schon mit seinen unterschiedlichen Dachhöhen etwas Außergewöhnliches an sich.
Waren das nur Freiheiten des Architekten oder folgten diese Bautypen auch modernem Wissen √ľber bestimmte Tierhaltungen?


(21.08.2008, 14:39)
Shensi-Takin:   http://www.atmexhibits.com/
www.cemrock.com
www.jonesandjones.com
(04.08.2007, 17:12)
Shensi-Takin:   Anbei einige Links als Bsp. professioneller Gestalter von Zoogehegen & Schauaquarien:
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http://www.costofwisconsin.com/zoological_exhibits.htm
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(02.08.2007, 23:16)

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