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Zoo-Architektur



cajun:   Eine Meldung aus Wien:
"Architekt Peter Hartmann verstorben
Anlagen im Tiergarten Schönbrunn zu planen, war fĂŒr den bekannten Wiener Architekten Dipl. Ing. Peter Hartmann stets eine besonders spannende Herausforderung. Dies erzĂ€hlte er gerne bei Interviews. Man könne die Tiere nĂ€mlich nicht nach ihren WĂŒnschen fragen. Am 24. Dezember ist Arch. Dipl. Peter Hartmann im 77. Lebensjahr verstorben.
Vieles im Tiergarten trĂ€gt seine Handschrift. Architekt Peter Hartmann hat vom Aquarium ĂŒber die Panda-Anlage, die Nashornanlage, den Baumkronenweg bis hin zur EisbĂ€renwelt unzĂ€hlige Projekte im Tiergarten geplant und gemeinsam mit unserem Team umgesetzt. Sein letztes großes Projekt war der Giraffenpark, der 2017 eröffnet wurde.
Bereits vor der Ausgliederung des Tiergartens aus der Bundesverwaltung war Hartmann hier tĂ€tig. Unter Direktor HR Dr. Walter Fiedler hat er die Greifvogel-Volieren nahe der MĂ€henspringer geplant. Er arbeitete 1989/90 auch als Mitglied der Arbeitsgruppe „Iterative Ideensuche von strukturellen Lösungen fĂŒr den Tiergarten“ des Wirtschaftsministeriums mit.
Der Tiergarten Schönbrunn hat einen langjÀhrigen Wegbegleiter auf seiner Erfolgsgeschichte verloren und ist in seinen Gedanken bei den Hinterbliebenen."
Quelle:https://www.zoovienna.at/de/news/architekt-hartmann-verstorben/
(04.01.2024, 15:16)
cajun:   Ein Artikel aus der NZZ zum 100. Todestag von Urs Eggenschwyler:
"Die einen hielten ihn fĂŒr ein Genie, die anderen fĂŒr einen Wahnsinnigen. Vor 100 Jahren ist der ZĂŒrcher KĂŒnstler Urs Eggenschwyler gestorben.
Die zwei Ohrfeigen sind derart heftig, dass die zwei MĂ€nner zu Boden gehen und bewusstlos liegen bleiben. Erst als die Samariter eintreffen, kommen sie wieder zu sich.
Der Mann, der zugeschlagen hat, heisst Urs Eggenschwyler. Und er hat ein schlechtes Gewissen. Ihn, den die Freunde als gutherzig beschreiben, hat jÀh die Wut gepackt.
Die beiden MĂ€nner hatten sich ĂŒber Eggenschwylers Löwen lustig gemacht. Und wenn Eggenschwyler etwas nicht ertragen kann, dann wenn jemand Tiere ungerecht behandelt. Also schlĂ€gt er zu.
Mehr als hundert Jahre ist das nun her. Eggenschwyler war «Bildhauer und Tierfreund» – so steht es auf seinem Grab. Er schuf die Bronzelöwen auf der StauffacherbrĂŒcke und die Löwenstatue am Hafen Enge. FĂŒr die Eingangshalle des Bundeshauses in Bern stellte er zwei BĂ€ren aus Bronze her.
Doch er war mehr als ein Bildhauer: Er gestaltete Werbeplakate, malte ÖlgemĂ€lde, fotografierte, fertigte fĂŒr die ZĂŒrcher ZĂŒnfte Prunkgeschirr an – und revolutionierte die Zoo-Tierhaltung. Er setzte sich fĂŒr die Abschaffung der Gitterhaltung ein und schuf fĂŒr die Zoos Basel und Hamburg die ersten naturgetreuen Tieranlagen.
Einige Zeitgenossen verglichen Eggenschwiler mit Leonardo da Vinci, dem Genie. Doch viele dĂŒrften ihn vor allem als Stadtoriginal wahrgenommen haben. Als kuriosen Mann, der mit einem Löwen an der Leine durchs Niederdorf spazierte.
Eggenschwyler galt als speziell – und genau so begann auch seine Lebensgeschichte, am 24. Januar 1849, auf einem Hof in Subigen bei Solothurn.
Ein frĂŒher Schicksalsschlag, der prĂ€gt
Am Tag, als Urs Eggenschwyler auf die Welt kommt, rechnet niemand mit ihm. Er ist eine FrĂŒhgeburt. Das prĂ€gt sein Leben.
Als Kind ist Eggenschwyler stĂ€ndig krank. Und als er Scharlach bekommt, verliert er fast das Gehör. Die leisen Töne verschwinden aus seinem Leben. Eggenschwyler hörte ab da nur noch LĂ€rm – etwa wenn der Vater, ein PĂ€chter und Fuhrhalter, die Bauern aus dem Dorf in der Stube zu Besuch hat.
Lieber als unter den Menschen ist Eggenschwyler bei den Tieren. Der Vater hat Pferde und KĂŒhe. Der junge Urs Eggenschwyler selbst zieht Katzen, einen Widder und eine Schildkröte auf. Im Garten baut er fĂŒr sie Tieranlagen. Im Dorfbach fĂ€ngt er Fische mit der blossen Hand – und rettet seiner kleinen Schwester das Leben, als sie eines Tages blau angelaufen im Wasser treibt.
Eggenschwyler selbst schreibt in seinen Memoiren: «Ich hatte immer eine Katze unter dem Arm und lutschte am Nuggi mit der Zunge unter dem Tassenrand, weshalb ich so eine breite Unterlippe bekam.» Die Liebe zu den Katzen bleibt, die Schwerhörigkeit auch – sie macht sein Leben schwer und einsam.
Irgendwann hört Eggenschwyler nicht einmal mehr die Gewitter. Und obwohl er als intelligentes Kind gilt, hat er in der Schule MĂŒhe, weil er nicht versteht, was der Lehrer der Klasse erzĂ€hlt.
Nach dem Abschluss zieht Eggenschwyler nach ZĂŒrich, dort macht er eine Lehre als Zeichner und Bildhauer. SpĂ€ter zieht er nach MĂŒnchen, um zu studieren. Doch wieder kommt ihm seine Schwerhörigkeit in die Quere. Er hat MĂŒhe, den Vorlesungen an der Akademie der KĂŒnste zu folgen.
Anstatt im Unterricht zu sitzen, geht er in die Menagerien und studiert die Anatomie von Löwen und anderen Wildtieren. Das Studium bricht er ab. Die Mutter zu Hause macht sich Sorgen. Sie versucht Eggenschwyler in die Schweiz zurĂŒckzulocken.
Er könne das Grabstein-GeschĂ€ft eines Bekannten ĂŒbernehmen, schreibt sie in einem Brief. Eggenschwyler antwortet: «Lieber will ich verhungern, als Grabsteinmacher zu werden.»
Schliesslich kehrt er 1878 doch zurĂŒck. In löchrigen Kleidern, dreckig und mit einem grossen Hut auf dem Kopf steht er eines Tages vor der HaustĂŒre seiner Schwester. Sie nimmt ihn auf. SpĂ€ter wohnt er in seinem Atelier. Es hat darin kein Bett, also schlĂ€ft er am Boden auf dem Teppich. Zum Leidwesen der Mutter bleibt er freischaffender KĂŒnstler.
Als ihn mehrere ZĂŒrcher ZĂŒnfte beauftragten, fĂŒr sie TafelaufsĂ€tze mit Tiermotiven zu fertigen, kauft sich Eggenschwyler einen Widder, einen Walliser Ziegenbock und ein Dromedar als Studienobjekte. Mit dem Dromedar soll er einmal an einem SechselĂ€utenumzug mitgelaufen sein, verkleidet als persischer TeppichhĂ€ndler. Um die Tiere unterzubringen, pachtet er 1891 beim Milchbuck ein GrundstĂŒck.
Wenige Monate spĂ€ter eröffnet er dort einen Privatzoo – den ersten Zoo ĂŒberhaupt in ZĂŒrich: Neben Widder, Bock und Dromedar zeigt er Affen, HyĂ€nen, Wölfe und ein Kaninchen. SpĂ€ter kommen Löwen hinzu und ein BĂ€r namens Urs.
Den Tieren schenkt er Zuneigung, die Anlage vernachlĂ€ssigt er – so kommt sie nie ĂŒber ein Provisorium hinaus. Obwohl die ZĂŒrcherinnen und ZĂŒrcher in den kleinen Zoo strömen und Eggenschwyler viele AuftrĂ€ge hat, kommt er kaum ĂŒber die Runden. Die Rechnungen und AuftrĂ€ge vergisst er, oder er lĂ€sst sie liegen, weil sie ihm nicht passen. Die Angestellten seines Zoos kontrolliert er kaum – so dass diese hĂ€ufig in die eigene Tasche wirtschaften.
Ein Freund schreibt Jahre spĂ€ter ĂŒber Eggenschwyler: «Oft fastete er zugunsten seiner Tiere und nĂ€chtigte, wenn er keine Wohnung hatte, wochenlang in seinem Tiergarten auf einer kleinen Bank, in eine Pferdedecke eingehĂŒllt und mit zwei Ziegelsteinen als Kopfkissen.»
Weil er selten eine eigene Wohnung hat, sitzt er manchmal stundenlang bei Freunden in deren Bibliotheken und liest. Manchmal ist er so vertieft, dass er vergisst zu essen und zu schlafen – bis ihn die Gastgeber zu spĂ€ter Stunde rauswerfen.
In der ZĂŒrcher Upper Class ist er beliebt – seiner Kauzigkeit zum Trotz, oder vielleicht gerade deswegen. Nur dank Freunden, die ihm aus Sympathie und Mitleid Kleinplastiken und Ölbilder abkaufen, kann Eggenschwyler ĂŒberleben. Auf diese Freunde kann er auch zĂ€hlen, als sein Leben eine jĂ€he Wendung nimmt.
Es ist das Jahr 1886, in ZĂŒrich liegt Schnee. Eggenschwyler bastelt fĂŒr sich und die Kinder aus dem Quartier einen riesigen Schlitten. Als er mit den kreischenden und lachenden Kindern die Quartierstrasse hinunterschlittelt, quert eine Droschke den Weg. Eggenschwyler sieht das Unheil kommen und schubst die Kinder ab dem Schlitten in den weichen Schnee. Doch sich selbst kann er nicht mehr retten. Er donnert mit dem Schlitten in die Droschke und bleibt schwer verletzt liegen.
Im Spital wird unter anderem ein doppelter Beinbruch diagnostiziert. Wochenlang muss Eggenschwyler im Spital bleiben. Die Kosten ĂŒbernehmen Freunde wie der Schriftsteller Gottfried Keller und andere ZĂŒrcher Prominente.
SpÀter erzÀhlt man sich, Eggenschwyler habe sich bei der Operation geweigert, narkotisiert zu werden. Er habe zusehen wollen, wie an seinem Bein geschnitten, gefrÀst und genÀht wurde.
Endlich Vater!
An den glĂŒcklichsten Tag seines Lebens erinnert sich Eggenschwyler in seinen Memoiren genau: Es ist der 1. Januar 1902. In seinem Tiergarten wird ein Löwe geboren. Eggenschwyler tauft ihn Leuli und nimmt ihn zu sich ins Bett, weil die Mutter sich nicht kĂŒmmert. Zwei Tage und zwei NĂ€chte lang wĂ€scht er ihn fast ununterbrochen mit einem warmen Schwamm – so wie es die Löwenmutter mit ihrer Zunge tun wĂŒrde. SpĂ€ter bezeichnet er, der nie verheiratet war und nie Kinder hatte, den Löwen als seinen Sohn.
Oft geht er mit ihm ins Niederdorf spazieren. Einmal reisst der Löwe sich los, rennt weg. Zu Hause wartet er brav vor der TĂŒr. Den Polizisten ist das trotzdem nicht geheuer, sie verbieten Eggenschwyler, mit dem Löwen spazieren zu gehen. Und so verlegt dieser die AusflĂŒge in die Nacht. In seinen Memoiren schreibt er, die Leute hĂ€tten Leuli im Dunkeln dann jeweils einfach fĂŒr einen sehr grossen Hund gehalten.
Als der Löwe vier Jahre alt ist, bekommt er Zahnprobleme. Eine Operation wird notwendig. Nach einer Morphiumspritze stirbt Leuli an HerzschwĂ€che. SpĂ€ter wird auch Eggenschwyler krank, er hat Asthma. Die letzten Monate seines Lebens verbringt er in einer Klinik. Den Aufenthalt kann er sich nur leisten, weil die Stadt ihn finanziell unterstĂŒtzt und weil er einige seiner Tiere verkauft.
Am 8. Dezember 1923 stirbt er. Die Menagerie wird abgerissen und ein Tramdepot gebaut. Eggenschwylers Tiere werden nach Seebach gezĂŒgelt. Dort soll bald der erste offizielle, öffentliche Zoo der Stadt ZĂŒrich aufgehen. Doch die Tiere finden in Seebach kein Happy End.
Zuerst bricht ein Elefant aus und wird von einem Zug ĂŒberfahren, dann verschwindet eine giftige Schlange spurlos, und ein WaschbĂ€r liegt tot in seinem Gehege. Schliesslich wird der Zoo nur eineinhalb Jahre nach der Eröffnung geschlossen.
Von Eggenschwyler ĂŒberdauern nur seine Statuen, die Erinnerungen an einen bĂ€rtigen Mann, der mit einem Löwen durchs Niederdorf spazierte, und ein paar ausgestopfte Wildtiere, die er einem Museum vermachte."
Quelle:https://www.nzz.ch/zuerich/der-zuercher-kuenstler-urs-eggenschwyler-genie-oder-wahnsinnig-ld.1768104
(05.12.2023, 10:19)
cajun:   Ein interessanter Artikel ĂŒber die Bauten und TierhĂ€user des Kölner Zoos:
"Architekturpark Kölner Zoo
Mit rund 11.000 Tieren aus ĂŒber 850 Arten ist der Kölner Zoo einer der vielfĂ€ltigsten in Europa. Auch in anderer Hinsicht ist er facettenreich. Auf 20 Hektar ParkflĂ€che bietet der drittĂ€lteste Zoo Deutschlands GebĂ€ude aus zahlreichen Architekturepochen. Viele HĂ€user stehen unter Denkmalschutz. Der alte Baubestand macht neben den vielen attraktiven Neubauten den besonderen Charmes des Kölner Zoos aus.

Hinter dem Eingang, dem Rundweg folgend, wartet auf Besucher mit der „Villa Bodinus“ und dem „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ gleich ein ganz besonderes Ensemble. Die Villa, benannt nach GrĂŒndungsdirektor Heinrich Bodinus, wurde erst jĂŒngst fĂŒr rd. 3 Mio. Euro mit großem Aufwand kernsaniert und neu eröffnet. Die Stadt Köln stellte sicher, dass die hohen Auflagen an den Denkmalschutz dieses architektonischen SchmuckstĂŒcks eingehalten werden konnten. Das klassizistische GebĂ€ude von 1863 ist das Ă€lteste erhaltene Wohnhaus in Riehl. FrĂŒher Heimat der Zoodirektoren, ist es heute eine moderne Tagungs- und Eventlocation – buchbar ĂŒber die Zoo-Gastronomie.
Wer in der „Villa Bodinus“ feiern will, tut dies in bester Gesellschaft. NĂ€mlich einerseits in Nachbarschaft der nebenan lebenden Kubaflamingos. Und andererseits der direkt angrenzenden Bewohner des „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Hauses“. Das GebĂ€ude wurde1899 als Vogelhaus erbaut und diente nach Zerstörung im 2. Weltkrieg spĂ€ter als Heimat fĂŒr Primaten. Das markante GebĂ€ude ist in seinen Formen einer russisch-orthodoxen Kirche nachempfunden. Der in Gelb und Weiß gehaltene Bau besteht aus einem Mittelschiff mit Apsis, zwei Seitenschiffen und vier flankierenden EcktĂŒrmen auf quadratischen Grundrissen. 2021 wurde er nach anderthalbjĂ€hriger, denkmalgerechter Kernsanierung feierlich wiederöffnet. Mit seinen frei sich bewegenden Faultieren, Vögeln und Primaten aus Mittel- und SĂŒdaamerika ist das GebĂ€ude direkt einer der Publikumsmagneten auf dem ZoogelĂ€nde geworden.

Ebenfalls aus der GrĂŒndungszeit stammt das ehemalige Antilopen- und Giraffenhaus in der Mitte des Zoos. Generationen von Kölnern war es jahrzehntelang als Elefantenhaus bekannt. Der einstöckige Bau aus dem Jahr 1863 zeigt mit der Abfolge der Tore mit ihren Hufeisenbögen oder den Pflanzendekors auf den Kapitellen der Pilaster AnklĂ€nge an maurische Architektur, die damals modern war.

Folgen Besucher dem Rundgang weiter, gelangen sie zum Pavianfelsen. Er stammt von 1914 und war Teil eines nach den Prinzipen von Carl Hagenbeck geplanten Bereichs fĂŒr unterschiedliche Arten, in dem sich Tiere frei bewegen konnten und nur durch Wasser und GrĂ€ben von den GĂ€sten getrennt waren. Bestand hat bis heute der ca. 10 Meter hohe Pavianfelsen, den rd. 1.000 qm WeiherflĂ€che umgeben. Unsichtbar angebrachte Öffnungen fĂŒhren ins Innere, in das die Tiere sich zurĂŒckziehen können. Tierpfleger erreichen die Innenbereich ĂŒbrigens durch einen unterirdischen Gang, der unter dem Wasser durchfĂŒhrt.

Auch auf der zur Stammheimer Straße hin liegenden Zooseite gibt es reizvolle GebĂ€ude, die Ă€lter sind als man denkt. Die RinderhĂ€user im Schweizer Blockhausstil stammen von 1884. Charakteristisch sind die profilierten Balkenköpfe unter weit vorgezogenen DĂ€chern. Derzeit werden die Anlagen rund um die traditionsreichen BlockhĂ€user zur neuen Heimat fĂŒr Spitzmaulnashörner umgebaut. Eröffnung ist in diesem Sommer.

Wenige Meter weiter steht das Giraffenhaus exemplarisch fĂŒr den Wiederaufbau des Zoos nach dem Zweiten Weltkrieg. Das asymmetrische Satteldach und die abgeschrĂ€gten BetonstĂŒtzen entsprechen ebenso dem damaligen Zeitgeschmack wie die mit Gelbklinker verblendete Seitenfront und den sichtbaren roten BacksteinflĂ€chen. Der Zoo wird bald mit der Modernisierung dieses Hauses und der VergrĂ¶ĂŸerung der Giraffenanlage starten.

Die Zooverantwortlichen haben immer wieder die Aufgabe, die zur DNA des Kölner Zoos gehörende alte Bausubstanz mit optimaler Tierhaltung nach neuestem Stand der Wissenschaft und aktuellen GĂ€steansprĂŒchen in Einklang zu bringen. Das ist aufwendig und kostet viel Geld. Denn fĂŒr denkmalgerechte Sanierungen oder Erweiterungen bestehender Zoobauten gibt es keine Bauteile „von der Stange“. Alles muss sorgfĂ€ltig durchdacht werden. Ziel ist immer, den Besuchern spannend-neue Einblicke auf die Tiere zu geben und moderne Edukationselemente einzubauen, die die Menschen fĂŒr Tiere und deren Schutz begeistert. Gleichzeitig gilt, den BeschĂ€ftigten optimale Arbeitsbedingungen fĂŒr ein bestmögliches Tiermanagement zu bieten. Mit dem Publikumsmagneten „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ und der „Villa Bodinus“ als stark genutztem Anlaufpunkt fĂŒr Menschen, die im Zoo tagen und feiern wollen, ist dies zuletzt einmal mehr gelungen."
Quelle:https://www.koelner.de/news/stadtleben/architekturpark-koelner-zoo/
(26.05.2023, 12:22)
Klaus Schueling:   Buchtip:

Die Szenografie der Wildnis - Immersive Techniken in zoologischen GĂ€rten im 20. und 21. Jahrhundert

Christina Kathrina May

Zoos sind Orte, an denen Menschen Wildtiere betrachten können. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden Zootiere in Landschaftsszenarien ausgestellt, die das Publikum imaginÀr in die Herkunftsregionen der Tiere versetzen. Die jeweiligen Gestaltungsvorlieben verÀndern sich abhÀngig vom biologischen Wissen, der Ausstellungsdidaktik, den wechselnden Architekturstilen, aber auch von politischen Ideologien.

Die Szenografie der Wildnis zeigt, wie RĂ€ume im Zoo konstruiert und die psychologischen und physischen Grenzen zwischen Tieren und Publikum minimiert werden. Die Kategorie der Immersion, des Eintauchens in eine andere Welt, dient als Leitfaden der Analyse von Zoos in Deutschland, der Schweiz, den USA und den Niederlanden. Einflussreiche Architekturkonzepte und Bildmedien werden vorgestellt. Auch der Landschaftsgarten sowie kommerzielle und museale Ausstellungen dienen als Vorbilder. Über die Verhaltensforschung lassen sich schließlich ĂŒberraschende BezĂŒge zu den Planungen urbaner Infrastrukturen oder menschlicher Wohnbauten herstellen.

Die Szenografie der Wildnis
Immersive Techniken in zoologischen GĂ€rten
im 20. und 21. Jahrhundert
ca. 370 Seiten|Softcover|150 x 210 mm| ? 38
Neofelis Verlag

www.buchkurier.de/de/product_info.php?info=p2397_die-szenografie-der-wildnis.html


4 Fallbeispiele werden detailliert behandelt:
- Hagenbeck (Panorama als Wohnung)
- ZĂŒrich (die Biologisierung des Raums: Hedigers Territorien)
- Woodland Park Zoo in Seattle (Immersive Landschaften, Jones and Jones)
- Arnheim (Biosysteme: Welten unterm Dach)

.
(22.01.2020, 15:14)
Michael Mettler:   Hie und da sind es (zumindest in Deutschland) schlichtweg die örtlichen Bauvorschriften, die einfache Lösungen vereiteln. Als man vor gut 30 Jahren das Tropenhaus in Hannover, aus dem gerade die Menschenaffen ausgezogen waren, fĂŒr die Niederen Affen umgestalten wollte, stand eine kostengĂŒnstige Leichtbaulösung auf dem Wunschzettel der damaligen Zooleitung - Vorbild waren m.W. Affenanlagen in Rheine. Von der zustĂ€ndigen Baubehörde wurde das aber rundweg abgelehnt. Letztlich musste der Zoo jene massiven Außenanlagen errichten, die noch heute fĂŒr Drills & Co. genutzt werden und ĂŒber die wir damals gespottet haben, dass das hannoversche Bauamt nur "atomsichere" Zoobauten durchlĂ€sst...

Ich habe ein bisschen das GefĂŒhl, dass vor allem kleinere und jĂŒngere Zoos bessere Chancen haben, einfache und teilweise innovative Lösungen umzusetzen. Bei der "alten Garde" der Großzoos scheint mir das schwieriger zu sein, da wollen sich die Architekten wohl viel eher austoben... Die Wilhelma als staatlicher Zoo steht darin fĂŒr mich ziemlich unter Prestigeverdacht. Obwohl sie ja durchaus auch historische und noch immer genutzte Einfachlösungen aufzuweisen hat wie die KleinsĂ€uger- und Vogelabteilung im GewĂ€chshaustrakt.
(19.06.2014, 18:21)
zollifreund:   hat nicht geklappt, also nochmals das Gehege der Rostkatzen
(19.06.2014, 16:53)
zollifreund:   hier das optische Beispiel.
WĂŒrde in Gelesenkirchen z.B. im Afrika- oder Asienbereich sehr gut funkionieren, da ist noch viel Platz fĂŒr solche Anlagen
(19.06.2014, 13:41)
zollifreund:   oder um mal ein Beispiel aus einem anderen Zoo zu zeigen: das Sandkatzenhaus im Park des FĂ©lins - ein einfaches GewĂ€chshaus mit 6 sehr großzĂŒgigen Innenanlagen fĂŒr Sandkatzen. Einfach super, das beste was ich bisher gesehen habe.
Aber genauso gut auch Kleinkatzenaußenanlagen. BaumstĂ€mme als Pfosten, dann ein Gitternetz, fertig. Das kostet nicht die Welt und die Anlagen sind sehr großzĂŒgig. Mit dieser Bauweise könnten viele neue Kleinkatzenanlagen in Deutschland gebaut werden, denn diese Tiergruppe ist in meinen Augen in den meisten Zoos unterreprĂ€sentiert.
(19.06.2014, 13:38)
zollifreund:   Zum Thema Baukosten passt es hier vielleicht am besten: wie gerade im Thread Gehegeabgrenzungen am Beispiel Elefantenanlage Beauval aufgezeigt, gibt es auch heute noch Möglichkeiten kostengĂŒnstig zu bauen.
Das Thema Baukosten ist mir wieder mal so richtig bewusst geworden, da ich gerade kurz hintereinander die Wilhelma und Hellabrunn besucht habe und anschließend eine kleine Frankreich-Tour gemacht habe. WĂ€hrend in Stuttgart fĂŒr 22 Mio EURO gerade mal ein Haus fĂŒr Gorillas und Bonobos gebaut wurde und in MĂŒnchen ein Giraffenhaus fĂŒr ĂŒber 3Mio EURO ( so hoch war der Sparkassenzuschuss) baute und dann nicht mal mehr Geld fĂŒr weitere Antilopenstallungen vorhanden war, habe ich in Frankreich ganz anderes bauen kennen gelernt.
NatĂŒrlich sind die beiden erwĂ€hnten Bauten architektonisch sehr gut gelungen und auch die Tierhaltung hat sich sehr verbessert, ich frage mich nur, ob das nicht auch billiger gehen wĂŒrde?
Wieder mal als Beispiel Beauval ( einfach weil hier in letzter Zeit im zweijĂ€hrigen Rythmus sehr große und sehr gute Neuanlagen eröffnet wurden): hier erinnern die Stallungen fĂŒr Nashörner und Elefanten, aber auch die HĂ€user fĂŒr die Menschenaffen von der Grundsubstand eher an Lagerhallen. Einfache, rechtigte Bauweise und dann Innen tiergerecht eingerichtet und Außen noch etwas verkleidet.
Ich habe momentan immer das GefĂŒhl, dass in Deutschland mehr die Architektur statt die ZweckmĂ€ĂŸigkeit im Fordergrund steht und dann natĂŒrlich das Geld fĂŒr weitere Projekte fehlt.
( Als Beispiel das Nashornhaus in Beauval)
(19.06.2014, 13:29)
IP66:   Dann muß man den Giebel eine Recht avangardistische Idee bewerten - Jugendstiladaptionen in Zoos vor 1900 sind Ă€ußerst selten. Ob man darin eine ErklĂ€rung fĂŒr die etwas merkwĂŒrdige Verbindung eines sehr traditionellen Tierhauses mit diesen neuen Formen sehen kann. Die Probleme gab es allenthalben, etwa in Weimar, wo Herr van de Velde nicht mit dem Theaterneubau betraut wurde, weil es ihm als ornamental und avantgardistisch denkenden Architekten nicht zugetraut wurde, eine derart komplexe Bauorganisation zu bewĂ€ltigen. Dem könnte man in Kopenhagen dadurch entgangen sein, daß man den Entwurf von einem konventionelllen Architekten ausarbeiten ließ und dann an einen Avantgardististen weiterreichte, der die durchaus wirkungsvolle Idee der monumentalen Ädikula beisteuerte.
(05.10.2009, 11:52)
Michael Mettler:   Ich vergaß ganz zu erwĂ€hnen: Das Haus wurde 1898 erbaut (Architekt: Anton Rosen) und 1932 abgerissen.
(04.10.2009, 11:52)
IP66:   Interessant finde ich, daß die Ă€gyptisierende Ädikula einem ansonsten ziemlich schlichten, galerieartigen Baukörper vorgeschoben wurde. Kleinraubtiergalerien gab es schon in den Biedermeierzoos, vielleicht auch deshalb, weil es in diesem Tiersektor eine Menge gut zu haltender und auch einfach zu beschaffender Arten gab. Anscheinend waren diese Tiere, selbst wenn man die HyĂ€nen und Geparden dazurechnet, eine Art Grundbesatz, den das Publikum erwartete. Die Zweistöckigkeit der Anlagen kenne ich, dank Michael Mettler, auch aus den 60er Jahren in Hannover. Man scheint sie allerdings mit ein wenig schlechtem gewissen realisiert zu haben, jedenfalls tut die Architektur alles, um dem, der von weitem schaut, dieses Element zu verbergen, etwa dadurch, daß sie die Gitterstrukturen beider Etagen angeglichen hat. Besagte Ädikula tut ein weiteres, da sie den Blick auf sich lenkt und den betrachter zunĂ€chst einmal mit Lotuskapitellen und prachtvollen Jugendstilornamenten beschĂ€ftigt, ehe er sich der Struktur der KĂ€fige widmet. Sie wĂŒrde zeitlich in den Kontext des Großtierhauses passen, geht allerdings zumindest mit den Kapitellen, vielleicht auch mit der Giebelform, ein wenig weiter in Richtung Exotisieren, allerdings auc dem breit ausgetretenen und gleichsam schon kanonischen Ă€gyptischen Pfad. Beim Blick auf den Giebel habe ich zunĂ€chst an Architekturen der Ilkhane in Zentralasien gedacht (es gab im 17. Jahrhundert eine wichtige dĂ€nische Gesandtschadt, die diese Gegenden besucht hat), die Form ist aber im skandinavischen Jugendstil so weit verbreitet, daß ich das fĂŒr eine sekundĂ€re Herleitung halte. Der Fenstergaden, die den Innenraum beleuchtet, erinnert mich an das londoner Raubtierhaus, doch dĂŒrfte es die Form auch hier und da auf dem Kontinent gegeben haben.
(04.10.2009, 10:31)
Mel:   Okay das wusste ich nicht, naja alles was ich von zirkussen weiß bassiert auf Kindheitserfahrungen aus dem DDR Staatszirkuss und das ist schon lange lange her, aber stimmt das mit dem Geparden kommt mir bekannt vor ;-)
(03.10.2009, 23:08)
Michael Mettler:   @Mel: Die etwas merkwĂŒrdige Unterteilung in große und kleine Raubtiere hatten wir schon mal in Zusammenhang mit einem alten GebĂ€ude in Karlsruhe, wo selbst Geparden noch zu den Kleinen gerechnet wurden. Aber darauf bin ich auch in der Literatur ĂŒber Circusdompteure immer wieder gestoßen, dass als große Raubtiere offenbar nur Löwen und Tiger und vielleicht gerade noch Eis- und BraunbĂ€ren zĂ€hlten, denn auch da tauchen Leoparden und Pumas neben HyĂ€nen als "Kleine" auf (bei Jaguaren ist mir das nicht bewusst, aber die gab es eh nur sehr selten in Dressurgruppen).
(03.10.2009, 22:31)
Mel:   Kleine Raubtiere ist gut ;-) Wenn mich nicht alles tĂ€uscht liegt da im linken MittelkĂ€fig ein Jaguar oder Leopard. aber das Bild ist Super, habe noch nie eine Gesamtansicht eines gebĂ€udes mit solch praktizierter Haltung gesehen.
(02.10.2009, 22:49)
Michael Mettler:   Ich habe eine (Fast-)Gesamtansicht des dazugehörigen Hauses gefunden, nĂ€mlich des Hauses fĂŒr kleine Raubtiere in Kopenhagen.
(02.10.2009, 21:03)
IP66:   Endlich einmal ein Bild von einer Regalhaltung, wie man sie heute nirgendwo mehr nachvollziehen kann - und dann auch noch mit den in dieser Hinsicht besonders einschlĂ€gigen Bewohnern!
Ich denke allerdings, daß man schon um die Jahrhundertwende gegen solche Anlagentypen anbaute, etwa durch Freianlagen des Hagenbeck-Typs, wobei die schnörkellosen Gitter zeigen, daß auch die DĂ€nen 1910 die GrĂŒnderzeit ĂŒberwunden hatten. Interessanterweise haben dergleichen Tierregale selbst in den Artenzooneubauten der Nachkriegszeit keine Rolle mehr gespielt.
Denkmalpflegerisch wĂŒrde ein solcher Bau heutzutage ein gewisses Problem bedeuten, wobei ich ich allerdings einen Besatz mit kletterfreudigen KleinsĂ€ugern, eine Zusammenlegung unter Beibehaltung des Zwischenbodens oder auch einen Anschluß an Nachbaranlagen vorstellen könnte.
(26.09.2009, 10:45)
Michael Mettler:   Eine nahezu optimale Zoo-Architektur fĂŒr Puristen unter den Zoofans: Die FlĂ€che ist geschickt ausgenutzt, die Tiere sind gut zu sehen, es wurde kein Geld fĂŒr Firlefanz ausgegeben, der nur vom Tier ablenkt, und kein Kunstfels verschandelt die schlichte, aber wertvolle Architektur der Anlage. Punktabzug gibt es lediglich fĂŒr die fehlende geografische Passung der Arten - außer, man stellt das Ensemble geschickterweise unter ein PalĂ€o-Thema (schließlich kamen TĂŒpfelhyĂ€ne und Wolf einst in Europa nebeneinander vor). ÜberflĂŒssiger Nachwuchs entsteht hier ĂŒbrigens auch nicht, es besteht auch keine Gefahr der Inzucht oder Vermischung von Unterarten. Der Kopenhagener Zoo war 1910 eben seiner Zeit weit voraus! (Achtung, alles Ironie...)

Gefunden in der Fotoausstellung zum 150-jÀhrigen Bestehen des Zoos.
(25.09.2009, 21:46)
IP66:   Im 20. Jahrhundert gelang es, die Keramikproduktion in hohem Maße zu rationalisieren und dadurch zu verbilligen. Das hatte nicht nur die Erfindung des Stapelporzellans (schon in der Zwischenkriegszeit) zur Folge, sondern verbilligte die Herstellung von Keramikfliesen, auch solchen mit einer aufwendigen Farbgebung. Diese hielten wohl fast gleichzeitig Einzug in die Badezimmer wie in die Zoos. Allerdings hat die nicht Natur imitierende Ausstattung von Gehegen eine lĂ€ngere Geschichte, zum einen ĂŒber die Ideen des Bauhauses in Dessau, wie sie in ZĂŒrich oder Frankfurt realisiert wurden, zum anderen auf dem beliebteren expressionistischen Weg, etwa in den Affenfreianlagen und im DickhĂ€uterhaus in Leipzig. Insofern vollzog Grzimek in Frankfurt recht naheliegende Gedanken nach, vor allem im Menschenaffenhaus. Als durchdachter und kreativer wĂŒrde ich allerdings die keramischen Wandverkleidungen im Brehm-Haus in Friedrichsfelde nennen, bei der auch anspruchsvollere Materialien zum Einsatz kamen.
(10.06.2009, 14:29)
Michael Mettler:   Die neue Biografie ĂŒber Bernhard Grzimek bietet ein weiteres Beispiel dafĂŒr, wie Neuerungen mit bestimmten Zoos oder Personen verknĂŒpft werden, auch wenn sie nicht die Erfinder waren. Da heißt es ĂŒber die Wiederaufbauphase in den 50er Jahren: "Im Raubtierhaus selbst hat Grzimek die WĂ€nde kacheln lassen, ebenso im Elefantenhaus, nachdem er damit bei den Menschenaffen Ă€ußerst gute Erfahrungen gemacht hat." Der ehemalige Zooinspektor NeubĂŒser erlĂ€utert dann die BeweggrĂŒnde und sagt dabei: "Grzimek hat schnell erkannt, dass die Wanderung der Parasitenlarven auf dem Boden unterbrochen werden musste." Danach schildert er am Beispiel des Okapis: "Bodenheizung, Einsatz eines Desinfektionsmittels nach einem festgelegten Zeitplan, sofortiges Entfernen des Kotes, und eben die gekachelte Bauweise. Das war schon etwas Neues. Das hat er sich als Tierarzt gut ausgedacht." Danach heißt es dann noch: "... hĂ€lt die von NeubĂŒser als 'Badezimmerarchitektur' bezeichnete Bauweise weltweit Einzug in die Zoos."

So entsteht der Gesamteindruck, dass Grzimek die Erfindung der "Badezimmerarchitektur" zugeschrieben wird (oder er sie sich als Marketinggenie selbst ans Revers geheftet hat?). Aber womöglich war nur die BegrĂŒndung fĂŒr diese Bauweise neu, denn die Kombination aus Verkachelung von TierrĂ€umen und Stallbodenheizung gab es z.B. schon ab 1932 im Flusspferdhaus des halleschen Zoos (vermutlich nicht zur Parasitenvermeidung, sondern schlichtweg zur einfacheren Reinigung) und Bodenheizung z.B. von AffenkĂ€figen sogar schon vor 1900 in verschiedenen Zoologischen GĂ€rten.
(12.05.2009, 09:43)
Anti-ErdmĂ€nnchen:   Ein paar ErgĂŒsse dazu gibt es ĂŒbrigens auch im Faden "Innen-/Außenanlagen".
(02.12.2008, 20:49)
Anna Lena Stephan:   Ich war am Wochenende mal wieder in Köln. Dabei ist mir was aufgefallen: Ich kenne viele Beispiele großzĂŒgiger Außenanlagen und relativ kleiner Innenanlagen fĂŒr kĂ€lteempfindliche Tiere. Ist das in Deutschland nicht eigentlich ungĂŒnstig? Es handelt sich ja dabei auch um ganz neue Anlagen, zum Beispiel die fĂŒr Tapire in Köln. Weitere Beispiele in vielen Zoos sind Flusspferd-, MalaienbĂ€r- und Pelikangehege.
Wer kennt noch weitere Beispiele bzw. Beispiele, wo fĂŒr solche Tiere auch gerĂ€umige Innenanlagen bereit stehen.
(Mir ist klar, dass Innenanlagen mehr kosten, aber wenn man schon neu baut, sollte es auch artgerecht sein...)
(02.12.2008, 20:31)
Michael Mettler:   Die hannoverschen Eulenvolieren passen auch noch ins Schema, auch wenn hier verschiedene GrundflĂ€chenformen kombiniert wurden. Was davon heute als Bartkauzvoliere dient, waren ja im Ursprung zwei (spĂ€ter sogar drei) Volieren: Das linke Polygon (in Richtung Gepardenanlage) war durch eine Betonwand von dem langgestreckten Teil rechts getrennt und beherbergte die Schnee-Eulen; der lange Teil war mit Braunen Fischuhus und BrillenkĂ€uzen (in Gemeinschaft) besetzt. Um diesen Arten ungestörte Brut zu ermöglichen, wurde die Voliere nachtrĂ€glich mittig per Trenngitter unterteilt. Im rechten Polygon saßen die Uhus, in der langen Voliere auf der anderen Wegseite die BartkĂ€uze. FĂŒr kleinere heimische Eulen wie Wald- und Sumpfohreule, Waldkauz und spĂ€ter auch Stein-, Habichts- und Raufußkauz nutzte man ganz schlichte, Ă€ltere Rechteckvolieren mit HolzrĂŒckwand (also im Wildpark-Stil) an anderer Stelle (beim Bau des Dschungelpalastes abgerissen). Die KĂ€uze zogen z.T. noch in die neueren Volieren um, nachdem sich der Zoo von den beiden tropischen Arten getrennt hatte. Diese lebten ĂŒbrigens ganzjĂ€hrig in den ungeheizten Quartieren, und der Zoo konnte mit ihnen immerhin eine deutsche Erstzucht (Brillenkauz) und eine Erstzucht außerhalb der HeimatlĂ€nder (Brauner Fischuhu) verzeichnen!
(26.08.2008, 12:57)
IP66:   Ich glaube, daß Sie da einem sehr menschlichem PhĂ€nomen aufgesessen sind - auch mir geht es so, daß ich auch vor der HaustĂŒre vorhandenen Ideen erst in der Ferne begegnen muß, um sie in der NĂ€he zu entdecken.
Der Waldteil des hannoveraner Zoos ist ja nicht der uninteressanteste Bereich, da man dort mit wenig Geld etwas schaffen mußte, was zum Restpark paßte und sich von Wildparks hinreichend abhob. Eine Ă€hnliche Planung, allerdings ohne StreukĂ€fige, erhielt ja auch MĂŒnster mit seinen um den Kinderzoo angeordneten Gehegen fĂŒr einheimische Arten.
(26.08.2008, 11:17)
Michael Mettler:   Nach dem Motto "den Wald vor lauter BĂ€umen nicht sehen" habe ich mir gerade an den Kopf gefasst - etwas Ähnliches wie den OsnabrĂŒcker Vogelgarten habe ich doch sogar in "meinem" hannoverschen Zoo stĂ€ndig vor Augen, nur ist es heute nicht mehr in der Ursprungsform erkennbar: die KĂ€fige fĂŒr Kleinraubtiere im waldigen Teil des Zoos. UrsprĂŒnglich waren es vier gleichförmige Vielecke (fertiggestellt 1972), die beiden ersten wurden spĂ€ter zusammengefasst (heute NasenbĂ€renkĂ€fig), der dritte war lange Zeit vom Besucherweg abgeschnitten und ist heute WolfsabsperrkĂ€fig, der vierte hatte diese (Nachfolge-)Funktion vorher inne und wurde beim Umbau der Wolfsanlage in den jetzigen Zustand weggerissen.
(25.08.2008, 19:23)
IP66:   Das Problem Ă€hnelt ja jenem, das durch den Neubau in MĂŒnster entstand - letztlich wird es ganz problematisch, wenn irgendwo ein neuer Zoo entsteht und ein altes GelĂ€nde samt seinen Bauten sich in ein mit Gewinn zu verĂ€ußerndes GrundstĂŒck verwandelt. Ich denke aber, daß wir in Deutschland nicht mit Fingern auf die Polen zeigen sollten - jĂŒngst wurde in Frankfurt ein vergleichbar wichtiges Baudenkmal beseitigt, Ă€hnliches geschah in Köln, und selbst eine Kleinanlage wie Darmstadt hat fast alle ihre sehr qualitĂ€tvollen GrĂŒndungsbauten verloren.
(25.08.2008, 11:29)
Oliver Jahn:   @IP66, das kann ich mir noch immer nicht richtig vorstellen. Vieleicht sind ja doch ein paar Leute zur Vernunft gekommen und kippen diesen wahnwitzigen Plan.
(24.08.2008, 17:53)
IP66:   Den Aufnahmen nach scheint der posener Bau in der Dachlösung entschiedener - und wohl auch glĂŒcklicher - formuliert als der kölner. Schade nur, daß dafĂŒr wohl der Altbau demnĂ€chst einem Einkaufszentrum zum Opfer fallen soll.
(24.08.2008, 14:38)
Oliver Jahn:   Leider nur von Außen.
(24.08.2008, 14:03)
Oliver Jahn:   Holla, wenn das mal nicht nach Köln aussieht! Das ist schon ein sehr deutlicher Unterschied, zur ehemaligen Elefantenhaltung in Posen! Deutlicher geht es kaum.
(24.08.2008, 14:01)
WolfDrei:   und 2. Innen
(24.08.2008, 13:42)
WolfDrei:   Erhalte gerade aus Posen zwei Fotos des neuen Elefantenhauses.
1. Außenaufnahme
(24.08.2008, 13:41)
IP66:   Die aufgelösten Fasanerien oder Raubvogelgalerien sind gar nicht so selten und haben hier und da sogar die Wildparks erreich: Mir fĂ€llt Dortmund ebenfalls mit polygonen KĂ€figen ein, dann die Ă€lteren RaubvogelkĂ€fige in NĂŒrnberg, die den Typus der dort noch zur HĂ€lfte vorhandenen Eulenanlagen (in der NĂ€he des Elefantenhauses) ablösen. Paradezoo der Entwicklung war, wie im Darmstadt-Thread erwĂ€hnt, MĂŒnster, wo man ebenfalls versucht hat, die Vogelunterbringungen so zu verteilen, daß keine Reihen zustandekamen. Zahlreich sind die entsprechenden Anlagen auch in MĂŒnchen (Robben, Paviane, EisbĂ€ren, die Australien-Pavillons, die Afrika-Anlagen usf). In Sachen Vögel ist sind die Papageienanlagen im Terrassengarten der Wilhelma auch ein schönes Beispiel dieser Gattung.
Ich wĂŒrde allerdings zwei Entwicklungen, die den Bauhaus-Zoo ablösen, unterscheiden. Die eine versuchte in der Tat, die neuen Möglichkeiten des Betongusses und der dadurch sich ergebenden Gestaltungschancen zu nutzen (MĂŒnster, die fraglischen GebĂ€ude in OsnabrĂŒck, MĂŒnchen usf), die andere war bemĂŒht, neben den Errungenschaften des Materials auch andere Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. NaturgemĂ€ĂŸ sind hier die Beispiele ein wenig Ă€lter: Das Brehm-Haus in Friedrichsfelde zĂ€hlt zu dieser Gruppe, das erfurter Affenhaus (das dortige Elefantenhaus wĂŒrde ich eher der ersteren Katergorie zuordnen), das Menschenaffenhaus in Antwerpen.
Das darmstĂ€dter Wabenhaus steht ein wenig zwischen den beiden Richtungen, da es zwar auf im Betonbau sehr beliebte Formen zurĂŒckgriff, aber bei der Gestaltung bemĂŒht war, mit verschiedenen OberflĂ€chenreizen zu arbeiten.
Das Eindringen von Bepflanzungen in diese Architekturen ist von Anfang an zu beobachten, es nahm aber mit den Jahrzehnten zu und hatte schließlich den Typus "Urwaldhaus" zur Folge, dem ich die Beispiele in Hannover und Heidelberg zuzĂ€hlen wollte.
(22.08.2008, 11:44)
Oliver Jahn:   Michael, ich hatte den Beitrag kaum geschrieben, da musste ich auch an den Vogelgarten in OsnabrĂŒck denken. Stimmt genau, eine wirklich interessante GebĂ€udegruppe (siehe Foto)
Wie sieht es eigentlich mit dem Raubtierhaus in Cottbus aus? Ich war ewig nicht mehr dort und weiß gar nicht, ob es noch steht und wofĂŒr es genutzt wird. Aber ich habe es auch so in Erinnerung, als wĂ€re die Bauweise der KĂ€fige nicht in einer Reihe, sondern eher in schrĂ€gen Linien.
(21.08.2008, 17:18)
Michael Mettler:   In Sachen Formgebung wĂŒrde ich mit meinem laienhaften ArchitekturverstĂ€ndnis sogar noch den Umbau des hannoverschen Tropenhauses in das heutige Niederaffenhaus Anfang der 80er als spĂ€ten AuslĂ€ufer dieser Welle sehen: Mehreckige KĂ€figformen, die einerseits die ehemals gerade Reihe auflockerten, andererseits den Affen einen Blick in wenigstens einen NachbarkĂ€fig ermöglichten und somit fĂŒr Enrichment sorgten. Naturboden in Außenanlagen fĂŒr Niedere Affen war ĂŒbrigens zu dieser Zeit auch noch die ganz große Ausnahme, wenigstens in deutschen Zoos. So betrachtet hatten die Tiere tatsĂ€chlich Vorteile von dieser Neuerung; die massive Betonstruktur der Außenanlagen war ja keine Freiheit des Architekten, sondern eine Vorgabe des hannoversches Bauamtes, welches das fĂŒr statisch notwendig hielt...

In OsnabrĂŒck gibt es noch eine zweite Sechseckstruktur: Der Vogelgarten ist mit Ausnahme des rechteckigen Aufzuchthauses komplett aus solchen Elementen (als Innenraum und Außenvoliere bestehend) aufgebaut, wenn auch in lockerer Form (beinahe wie ein Dorf).
(21.08.2008, 16:13)
Oliver Jahn:   Durch den DarmstĂ€dter Beitrag angeregt wollte ich gern die Zooarchitektur der 60er und 70er Jahre mal ein wenig thematisieren.
Wie in allen Zeiten wurden auch in diesen Zeiten zum einen rein zweckmĂ€ĂŸige Bauten errichtet, ĂŒber die man kaum spricht. Zum anderen aber war dieses doch auch eine Zeit, in der Architekten moderne HĂ€user bauten, die den Tieren und Pflegern entsprechen mussten, die doch aber zum Teil auch architektonisch als recht interessant einzustufen sind. Da wurden Wabenformen verwendet, neue Kuppelbauten, einfache KĂ€figreihen wurden aufgelockert, gĂ€ngige Formen wurden verlassen, ganz neue Formen entstanden.
Das Warmhaus in Darmstadt ist, bzw. leider war ein Beispiel dafĂŒr. Das SĂŒdamerikahaus in OsnabrĂŒck erinnert mich ebenfalls an diesen Stil.
Gab, oder besser noch gibt es heute noch solche HÀuser, an denen man vielleicht öfter mal in einem Zoo achtlos vorbeigeht, obwohl sie evtl. eine solche doch etwas besondere Zooarchitektur darstellen?
Auf Anhieb fallen mir noch die leicht schrĂ€g versetzten KĂ€figreihen am alten Raubtierhaus in Erfurt ein. Auch das Affenhaus in Erfurt, welches ja heute noch steht, hat schon mit seinen unterschiedlichen Dachhöhen etwas Außergewöhnliches an sich.
Waren das nur Freiheiten des Architekten oder folgten diese Bautypen auch modernem Wissen ĂŒber bestimmte Tierhaltungen?


(21.08.2008, 14:39)
Shensi-Takin:   http://www.atmexhibits.com/
www.cemrock.com
www.jonesandjones.com
(04.08.2007, 17:12)
Shensi-Takin:   Anbei einige Links als Bsp. professioneller Gestalter von Zoogehegen & Schauaquarien:
http://www.t-dcl.com/
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http://www.costofwisconsin.com/zoological_exhibits.htm
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(02.08.2007, 23:16)

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