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Gibbons



cajun:   Das Exemplar war sogar noch ├Ąlter als das verstorbene Krefelder Weibchen.
"A siamang thought to be the oldest of its kind in human care in the United States has died at a Tacoma zoo. According to a news release from Point Defiance Zoo & Aquarium, on Tuesday the siamang named Cho Cho was humanely euthanized after experiencing a decline in health.
According to the release, Cho ChoÔÇÖs life took a turn over the past week where his quality of life was worsening. Point Defiance Zoo & Aquarium head veterinarian Dr. Karen Wolf explained in the release that measures were taken to help Cho Cho get better, but nothing seemed to work. ÔÇťCho Cho was having difficulty moving around his habitat due to progressive osteoarthritis. He was receiving multiple pain medications to ease his discomfort, and his keepers had modified his habitat to make it easier for him to move around.
Despite these efforts, Cho Cho continued to decline,ÔÇŁ Wolf said in the given statement. TNT Diner The latest South Sound dining news, with restaurant openings and closings, reviews and more. This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply. According to the news release, the zoo is awaiting Cho ChoÔÇÖs autopsy results to see if the siamangÔÇÖs health decline might have been caused by his arthritis.
Point Defiance Zoo & Aquarium Courtesy Siamangs are a part of the primate family and are the largest species of gibbon. According to the release, Cho Cho was 55 years old and lived long past the median life expectancy of siamangs that are in human care, which is 27 years.
Quelle: https://www.thenewstribune.com/news/local/article262781888.html
(23.06.2022, 13:54)
cajun:   Es gibt Neuigkeiten zu m├Âglichen Unterarten des Wei├čhandgibbons in Malaysia. Bei Untersuchungen einer bestimmten Gensequenz, verschiedener in menschlicher Obhut gehaltenen Tiere, die f├╝r eine Wiederauswilderung vorgesehen sein k├Ânnten, hat man entdeckt, das die N├Ârdliche Population der der Halbinsel sich doch genetisch ziemlich von der s├╝dlichen Population unterscheidet. Die Studie hierzu ist aber noch nicht umfassend genug, um aussagekr├Ąftig zu sein.
Zum selber lesen (englisch): https://news.mongabay.com/2022/02/malaysias-white-handed-gibbons-may-be-two-subspecies-not-one-study-shows/
Quelle der Studie: Taxonomic and genetic assessment of captive White-Handed Gibbons (Hylobates lar) in Peninsular Malaysia with implications towards conservation translocation and reintroduction programmes: https://zookeys.pensoft.net/article/73262/
(15.02.2022, 15:12)
cajun:   Eine kleine Gibbonchronik aus Z├╝rich:
"Das Kappengibbon-Weibchen Qiw├Ęn wird f├╝nf.
Heute vor genau f├╝nf Jahren, am 6. Dezember 2016, kam das Kappengibbon-Weibchen Qiw├Ęn als Tochter von Khmer (M, 37) und Willow (W, 34) zur Welt. Dies war damals insofern eine ├ťberraschung, als dass Willow zu diesem Zeitpunkt eigentlich die Pille bekam. Dies, um das nat├╝rliche Geburtsintervall von zwei bis zweieinhalb Jahren etwas zu verl├Ąngern (wir berichteten). Bedrohte Tierart Kappengibbons gelten laut der Roten Liste der Welt-Naturschutzunion IUCN als ┬źstark gef├Ąhrdet┬╗. Seit der Geburt von Qiw├Ęns Grossmutter Iba vor 47 Jahren hat sich die Population wildlebender Kappengibbons um etwa zwei Drittel reduziert. Die Hauptbedrohung f├╝r die Kappengibbonbest├Ąnde sind die Jagd und die Fragmentierung und Zerst├Ârung ihres nat├╝rlichen Lebensraums. Grossfamilie im Zoo Z├╝rich Qiw├Ęn hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und wird langsam aber sicher erwachsen. Dies bedeutet auch, dass sie ihre Familie nat├╝rlicherweise bald verlassen w├╝rde. Daher wird sie den Zoo Z├╝rich vermutlich im n├Ąchsten Jahr Richtung England verlassen, wo sie eine eigene Familie gr├╝nden kann. Qiw├Ęns Familie lebt schon seit geraumer Zeit im Zoo Z├╝rich. Grossmutter Iba kam 1982 aus Thailand in den Zoo. Zwei Jahre sp├Ąter wurde Khmer, Qiw├Ęns Vater, geboren. ├ťber die Jahre kamen neue Familienmitglieder dazu, w├Ąhrend andere den Zoo verliessen, um in anderen Zoos eigene Familien zu gr├╝nden. Heute leben in Z├╝rich neben Qiw├Ęn noch ihre Schwestern Nyanyi (2013) und Srey (2018) sowie ihr Bruder Laju (2011). Nyanyi lebt in der Anlage nebenan zusammen mit Akio, einem M├Ąnnchen aus England. Laju bewohnt die Anlage im unteren Teil des Menschenaffenhauses zusammen mit Lawa (2011), einer Tante, als Gesellschafterin. Da Gibbons paarweise mit ihren noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren leben, bewohnen die Familienmitglieder verschiedene Anlagen. So leben zurzeit drei Generationen von Kappengibbons im Zoo Z├╝rich. Der Zoo Z├╝rich hat seit 1939 Gibbons in seinem Bestand. Vorerst waren dies Weisshandgibbons, sp├Ąter dann eben die Kappengibbons. Qiw├Ęn ist das 29. von 30. Jungtieren, die im Zoo Z├╝rich geboren wurden. Die unscheinbaren Menschenaffen Neben den bekannteren Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans und Gorillas geh├Âren auch die 16 Gibbon-Arten zu den Menschenaffen. Sie werden h├Ąufig als die kleinen Menschenaffen bezeichnet. Sie alle zeichnen sich durch das Fehlen eines Schwanzes aus. Gibbons haben von allen Menschenaffen die l├Ąngsten Arme im Vergleich zur K├Ârpergr├Âsse. Diese nutzen sie f├╝r das Gibbon-typische Schwinghangeln. Dabei schwingen sich die Tiere beh├Ąnde unter den ├ästen hindurch. Die Sehnen in den H├Ąnden sind verk├╝rzt. Das f├╝hrt dazu, dass die Finger bei ausgestrecktem Arm automatisch gebogen sind. Dies erm├Âglicht es den Gibbons, sich ohne Kraftanstrengung an den ├ästen festzuhalten."
Quelle: Pressemitteilung des Zoos
(14.12.2021, 11:29)
cajun:   Prag meldet die Nachzucht eines Silbergibbons:
"Im Prager Zoo wurde ein vom Aussterben bedrohter Silbergibbon geboren
"Dem Jungtier geht es gut, das Weibchen Alang Alang ist bereits eine erfahrene Mutter und k├╝mmert sich gut um dieses. Da es bei dieser Art keinen nennenswerten Geschlechtsdimorphismus gibt, werden wir das Geschlecht erst in einigen Jahren erfahren, nachdem es erwachsen geworden ist", sagte der leitende Primatenpfleger des Prager Zoos, Martin Voj├í─Źek. Ein stark gef├Ąhrdeter Silbergibbon wurde im Prager Zoo geboren, er kam am Samstagabend zur Welt. Nach Angaben des Zoos ist dies erst das vierte in Tschechien geborene Jungtier dieses Primaten. Es wird gesch├Ątzt, dass weniger als 2.000 erwachsene Tiere in freier Wildbahn leben, hei├čt es im Zoo. Das 16-j├Ąhrige Weibchen Alang Alang und das gleichaltrige M├Ąnnchen Flip kamen 2014 in den Prager Zoo. Ein Jahr sp├Ąter wurde ihnen das erste Silbergibbonjunge ├╝berhaupt in tschechischen und slowakischen Zoos geboren. Nun ging in diesem Jahr das sechsj├Ąhrige M├Ąnnchen Silver Arrow als zuk├╝nftiges Zuchtm├Ąnnchen in den Zoo Halle. Das am Samstag geborene Jungtier ist der dritte gemeinsame Nachkomme des Prager Zuchtpaares."
Quelle: https://ekolist.cz/cz/zpravodajstvi/zpravy/v-prazske-zoo-se-narodilo-mlade-ohrozeneho-gibona-stribrneho
├ťbersetzung: Zoopresseschau
(07.12.2021, 16:58)
cajun:   Seltner Nachwuchs in Polen:
"Carusa und Xian sind wieder Eltern geworden
Der Zoo in Wroc┼éaw berichtet von der Geburt eines eines N├Ârdlichen Wei├čwangengibbons - eines Vertreters einer vom Aussterben bedrohten Tierart. In der Natur wurden nur 150-160 Individuen identifiziert, in Zoos sind es knapp ├╝ber 200. Obwohl die Bildung eines Zuchtpaares unter Haltungsbedingungen problematisch ist, war der Zoo in Wroc┼éaw erfolgreich! Am 29. September dieses Jahres kam ein weiterer Nachkomme von Carusa und Xien, dem einzigen Paar in Polen, zur Welt. Die Wroc┼éawer Gibbons haben ideale Lebensbedingungen. Drei erwachsenen Affen stehen eine mit B├Ąumen bewachsene Insel, zwischen denen Seile angebracht sind, und eine Pagode mit Winterpavillon zur Verf├╝gung. "Dies ist einer der besten Gibbon-Anlagen in Europa. Hier k├Ânnen sie nat├╝rliche Verhaltensweisen umsetzen und haben Ruhe. Im Gegenzug belohnen sie es mit sch├Ânen Ges├Ąngen und Nachwuchs", sagt Rados┼éaw Ratajszczak, Pr├Ąsident des Wroc┼éawer Zoos. Derzeit sind 81 Vertreter dieser Art in 30 Zoos in Europa zu finden, darunter 9 Jungtiere, die im letzten Jahr geboren wurden. Man sieht also, dass sie sich in der Zucht recht gut vermehren. Es ist jedoch eine anspruchsvolle Art. Sie m├╝ssen nicht nur mit spezifischen Lebensbedingungen versorgt werden, sondern es ist auch sehr wichtig, einen vielf├Ąltigen genetischen Pool zu erhalten. Hier kommt der Erhaltungszuchtkoordinator ins Spiel, dessen Aufgabe es ist, die Population zu kontrollieren und Paare auszuw├Ąhlen. Dies ist eine echte Herausforderung, da die Geschichte der Kandidaten f├╝r ein Paar f├╝r ein paar Generationen zur├╝ck verfolgt werden m├╝ssen, und es gibt keine Erfolgsgarantie. "Die Bildung von Zuchtpaaren ist mit Affen noch schwieriger als mit anderen Tieren. Neben zahlreichen Bedingungen kommt es darauf an, ob sie sich m├Âgen oder nicht. Wir hatten Gl├╝ck, denn Carusa und Xian mochten sich sofort und Dao kam schon ein Jahr sp├Ąter", f├╝gt der Pr├Ąsident hinzu. In 40 Jahren haben die Menschen nicht wenig zum Aussterben der Wei├čwangengibbons beigetragen. In freier Wildbahn kommen sie nur in Vietnam, Laos und wahrscheinlich in China vor, obwohl sie dort seit 30 Jahren niemand mehr gesehen hat.
Quelle: Aus Mitteilung auf der Website des Zoos Wrocław https://zoo.wroclaw.pl/pl/carusa-i-xian-ponownie-zostali-rodzicami.htm)
├ťbersetzung: Zoopresseschau
(02.11.2021, 13:19)
Alexander Wilhelm:   Einer Dokumentation konnte ich entnehmen dass der bejing Zoo mindestens 2,0 Skywalker Gibbons h├Ąlt/hielt, wobei mindestens einer cb ist. Gibt es noch weitere Haltungen?
(05.06.2021, 10:55)
W. Dreier:   Der letzte Kloss-Gibbon Europas im Twycross-Zoo/GB. Er war der Sohn eines Basler Paares, etwa 30 Jahre alt. Diese Art wurde fr├╝her auch Zwergsiamang genannt, stammt von der kleinen Mentawai-Insel westlich von Sumatra
(01.05.2020, 18:54)
Ute Utita:   W├╝rde gerne wissen wohin die M├╝nsteraner hingekommen sind. Vorallem was aus Friedolin, Maria und Sanjay wurde.
(01.08.2011, 16:19)
WolfDrei:   Die letzte m├Ąnnliche Geburt im TP, Vater hell
(09.01.2011, 20:30)
Michael Mettler:   Einen ├Ąhnlich braunen Gibbon habe ich vor Jahren in N├╝rnberg gesehen.

Ich hatte zwar - ausgel├Âst durch irgendeine Zoo-PM - tats├Ąchlich schon mal den Gedanken, mir Infos ├╝ber den Erbgang zusammenzusuchen, aber umgesetzt habe ich das bisher nicht...
(09.01.2011, 19:03)
Anti-Erdm├Ąnnchen:   Wenn die Zusammenstellung blond/schwarz h├Ąufig vorkommt, vermittelt der Wei├čhandgibbon in den Tierg├Ąrten ja nahezu das selbe Bild wie der Schopfgibbon. Schade, da├č die braune Morphe selten ist, denn das hier sieht ja nun wirklich klasse aus: http://img.fotocommunity.com/Tiere/Wildlife/Impressionen-aus-dem-Berliner-Zoo-10-Hylobates-lar-Weisshandgibbon-a18600793.jpg. MM, wie man Dich kennt, wei├čt Du doch bestimmt auch, wie der Vererbungsgang der Fellfarben aussieht? ...
(09.01.2011, 18:08)
Michael Mettler:   @Anti-Erdm├Ąnnchen: Verschiedenfarbige Zuchtpaare sind in Zoos gar nicht selten. Aus der Erinnerung heraus w├╝rde ich behaupten, dass sie in tewa genauso h├Ąufig zu sehen sind wie "blonde" Paare. Am seltensten scheinen mir Paare aus zwei schwarzen Partnern zu sehen zu sein.

Bisher habe ich m.E. vier verschiedene F├Ąrbungen von Wei├čhandgibbons zu Gesicht bekommen: Am h├Ąufigsten Schwarz und "Blond", viel seltener ein schon fast elfenbeinfarbiges Hellblond und Honigbraun. Wobei die ├ťberg├Ąnge zwischen den drei nicht-schwarzen Varianten flie├čend sein k├Ânnten und eventuell auch Alter, Sexualzyklus (wie beim Schopfgibbon) oder Haltungsbedingungen eine Rolle spielen k├Ânnten, wie intensiv die F├Ąrbung ist.

Manche als Wei├čhandgibbons ausgeschilderten Tiere haben allerdings auch Fremdblut in den Adern (z.B. Kappengibbon), was sich zus├Ątzlich auf die Farbenvielfalt auswirken k├Ânnte. Ich wei├č nicht, ob das nach heutigem Kenntnisstand auch noch so ist, aber in einem ├Ąlteren Tierlexikon ist zu lesen, dass die Farbmorphen im Freiland je nach Unterart unterschiedlich h├Ąufig vorkommen oder bei manchen Unterarten nur eine Farbform vorhanden ist.
(09.01.2011, 14:48)
Anti-Erdm├Ąnnchen:   Da ich von meinem Heimatzoo her nur Schopfgibbons kannte, habe ich erst k├╝rzlich erstaunt zur Kenntnis genommen, da├č es bei Wei├čhandgibbons keinen Geschlechtsdimorphismus, daf├╝r aber unterschiedliche Farbschl├Ąge gibt. Mich w├╝rde interessieren, zu welchen Anteilen die Farbschl├Ąge in unseren Tierg├Ąrten gehalten werden, und ob die zusammengestellten Paare in der Regel gleich- oder verschiedenfarbig sind.
(09.01.2011, 10:40)
Henry Merker:   Und die taxonomische Zuordnung auch nicht gerade einfach - auch f├╝r Experten...

Gut, dann m├╝sste man also beim Zoo nachfragen, wenn man wissen m├Âchte, ob diese Art auch tats├Ąchlich im Bestand war, oder?
(08.11.2010, 20:04)
Michael Mettler:   @Henry Merker: Ich habe damals f├╝r die Liste nur alle in den Ver├Âffentlichungen zu findenden Arten aufgelistet, ohne deren Bestimmung ├╝berpr├╝fen zu k├Ânnen. Darunter gibt es m├Âglicherweise durchaus einige, unter denen man fr├╝her etwas Anderes verstand als heute oder die mangels besseren Wissens nach heutiger Sicht fehlbestimmt waren. Gerade bei Gibbons war ja das Arten-Kuddelmuddel in Zoos vor ca. den 80er Jahren nicht gerade klein.
(08.11.2010, 19:58)
Henry Merker:   @Michael Mettler (Primaten in K├Âln):
Betreffs der von Ihnen aufgelisteten Primaten in K├Âln habe ich ein Frage: Ist der Wei├čbartgibbon f├╝r K├Âln gesichert? Vorerst ist er ab heute auch in der Zootierliste gelistet.
(08.11.2010, 19:07)
Liz Thieme:   >Menschenaffenart auf Baumriesen entdeckt
Im Dschungel an der Grenze von Vietnam, Laos und Kambodscha haben Forscher eine neue Menschenaffenart aufgesp├╝rt. Die Tiere leben in den Wipfeln hoher B├Ąume - nun hat ihr ungew├Âhnlicher Gesang sie verraten. SPIEGEL ONLINE gibt eine H├Ârprobe.

G├Âttingen - In S├╝dostasien haben Forscher eine neue Menschenaffenart entdeckt. Sie lebt im tropischen Regenwald zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha. Die Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum in G├Âttingen (DPZ) sind den Gibbons nach eigenen Angaben anhand ihres charakteristischen Gesangs auf die Spur gekommen. Die neue Art hei├čt N├Ârdlicher Gelbwangen-Schopfgibbon (Nomascus annamensis).

Untersuchungen des Erbmaterials und eine Analyse des Gesanges h├Ątten eindeutig gezeigt, dass es sich um eine eigene Art handelt, berichten die Forscher um Christian Roos vom DPZ im Fachblatt "Vietnamese Journal of Primatology".

Damit seien jetzt sieben Arten von Schopfgibbons bekannt. Gibbons werden wegen ihrer relativ geringen K├Ârpergr├Â├če als "Kleine Menschenaffen" bezeichnet. Neben Gibbons geh├Âren Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos zu den Menschenaffen.

"Die Entdeckung ist eine kleine Sensation", sagt Roos. Dass diese seltene Gibbon-Art der Wissenschaft bisher unbekannt war, liege zum einen daran, dass die Bergregion, in der die Tiere leben, nur sehr schwer zug├Ąnglich sei. Zum anderen hielten sich die Affen nahezu ausschlie├člich in den Wipfeln hoher B├Ąume auf. Charakteristisch f├╝r Gibbons sind ihre langen Arme und die F├Ąhigkeit, sich mit weiten Schw├╝ngen pr├Ązise durch h├Âchste Baumwipfel zu hangeln.

Auf die Spur der neuen Art sind die G├Âttinger Wissenschaftler durch den besonderen Gesang der Tiere gesto├čen, der vermutlich der Territorialverteidigung dient. Die Analyse der Ton-Frequenz und der Tongeschwindigkeit habe gezeigt, dass es sich um eine eigene Art handelt, sagt Lutz Walter vom DPZ. Dies h├Ątten auch genetische Untersuchungen an Darmausscheidungen der Tiere belegt.

Die Anzahl der Individuen des N├Ârdlichen Gelbwangen-Schopfgibbons sch├Ątzen die Forscher auf noch etwa 100. Er sei damit ├Ąhnlich stark bedroht wie die anderen Schopfgibbon-Arten in S├╝dostasien. Grund daf├╝r sei die illegale Jagd. Gibbons w├╝rden als Haustiere gehalten, gegessen und zu traditioneller Medizin verarbeitet. Eine gro├če Bedrohung sei auch der Verlust des Lebensraumes durch Rodungen f├╝r Plantagen oder den Abbau von Bodensch├Ątzen. Als seltenste und am st├Ąrksten vom Aussterben bedrohte Affenart weltweit gilt der Hainan-Schopfgibbon, von dem es nur noch etwa 20 Individuen gibt.> Q: Spiegel Online
(21.09.2010, 18:24)
Bj├ÂrnN:   42.000 Kleideraffen w├Ąren schon ein sicherer Ganrant f├╝r das ├ťberleben der Art, sofern man die Population sch├╝tzt... Aber auf 800km┬▓, das ist gerade einmal die Fl├Ąche von Berlin.....
(02.09.2008, 14:41)
Michael Mettler:   Entdeckungen wie die geschilderte oder auch jene der "zus├Ątzlichen" Gorillapopulationen im Kongo sind vom "Wert" her fast mit der Entdeckung einer v├Âllig neuen Tierart vergleichbar.
(02.09.2008, 09:04)
th.oma.s:   frohe botschaft aus kambodschA in bezug auf schopfgibbon und kleideraffe: http://www.dnn-online.de/wissenschaft/drwi.html?p=/content/18794708.html
(01.09.2008, 21:13)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Nach der in Zoos beliebten Tradition, Tiere nach dem Direktor des Herkunftszoos zu benennen, h├Ątte einer der drei aus Leipzig nach Hannover gekommenen Gibbons eigentlich eher Siegfried hei├čen m├╝ssen :-) Immerhin hatten wir hier m.W. auch einen Hulman namens Richard - aus Frankfurt...

Erichs Partnerin in Hannover hie├č allerdings nicht etwa Margot (dazu fiele mir allerdings ein nettes Wortspielchen f├╝r den Namen eines Magots ein...), sondern Mitzi.
(26.11.2007, 23:20)
Karsten Vick:   Kann m├Âglich sein. In der DDR war meist, wo ein Bennie war, ein Egon nicht weit, aber das hatte mit den Olsenbanden-Filmen zu tun. Wenn es noch mehr M├Ąnnchen zu benennen gab, hie├čen sie Kjeld und B├Şrge (so z. B. die Dresdner Mandrills).
(26.11.2007, 22:51)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Keine Ahnung. Vielleicht h├Ątte man ihn hier Egon genannt, wenn er ein paar Monate sp├Ąter nach Hannover gekommen w├Ąre...
(26.11.2007, 22:44)
Karsten Vick:   Und nach wem ist dann Lami benannt...?
(26.11.2007, 22:26)
Michael Mettler:   So weit ich wei├č, bekam Erich diesen Namen erst in Hannover, weil er von "dr├╝ben" kam - denn er wurde nach einem gewissen Herrn Honecker benannt...
(26.11.2007, 22:04)
Karsten Vick:   Sieht besser aus als ich dachte.
Legende: Auf die laufende (r├Âmische) Nummer folgt: Geschlecht, Name, ZB-Nr., Unterart (es sind alles Schopfgibbons), Zugang (wann und woher, "woher" = Ort + Geburtsdatum ODER Namen der Eltern), Abgang (wann und wohin), Bemerkungen (weiteres Schicksal, Nachkommen, zwischenzeitlicher Aufenthalt in anderen Zoos).
├ťber erg├Ąnzende Daten aus alten Pantheraheften w├╝rd ich mich freuen, das kann auch per E-Mail passieren.

@th.oma.s: Das gilt auch f├╝r die Dresdner Lar-Haltung. Dar├╝ber wei├č ich noch nichts weiter, als was Sie hier mal im Forum geschrieben haben: 2,2 Importtiere von einem niederl├Ąndischen H├Ąndler, 1973 der 1. Nachwuchs...
(26.11.2007, 21:54)
Karsten Vick:   So hier f├╝r Ralf Wagner und alle interessierten die Leipziger Gibbons. Es ist aus Excel erst in Word und von da hier ins Forum kopiert, ich hoffe es sieht nach was aus.
I 0,1 ?, Nr. ? ? 18.09.1963 Vietnam, geb. ? vor 1974 gestorben?
II 1,0 Charly, Nr. 4 siki 22.07.1964 Zoo Hanoi, geb. 1964 06.05.1975 Wingst danach M├╝nchen und Mulhouse, gest. 27.3.1997
III 1,0 Con Khi, Nr. 31 leucogenys 21.10.1974 Vietnam, geb. ? 12.08.1987 gestorben Wildfang, 5 Nachkommen (VI, VII, VIII, IX, XI)
IV 0,1 Hoa Do Thi, Nr. 32 leucogenys 21.10.1974 Vietnam, geb. 1974 09.08.1987 gestorben Wildfang, 5 Junge (VI, VII, VIII, IX, XI)
V 0,1 ?, Nr. ? ? 1974 Vietnam, geb. 1972 1978 gestorben
VI 1,0 -, Nr. 56 leucogenys 30.04.1980 Con Khi x Hoa Do Thi 29.05.1980 gestorben
VII 1,0 -, Nr. 61 leucogenys 09.08.1981 Con Khi x Hoa Do Thi 09.08.1981 gestorben
VIII 1,0 Erich, Nr. 66 leucogenys 29.01.1983 Con Khi x Hoa Do Thi 26.06.1985 Hannover 1992 nach Beekse Bergen
IX 1,0 Bennie, Nr. 73 leucogenys 07.07.1985 Con Khi x Hoa Do Thi 25.04.1986 Duisburg 1995 nach Chicago
X 0,1 Minni, Nr. 19 gabriellae 21.11.1986 Saigon, geb. ca. 1983 noch im Bestand 8.12.1986 - 14.9.1987 in Hoyerswerda
XI 1,0 Lami, Nr. 82 leucogenys 17.12.1986 Con Khi x Hoa Do Thi 17.06.1989 Hannover 1995 nach Columbus
XII 1,0 Lii, Nr. 23 gabriellae 04.06.1987 Saigon, geb. Dez. 1985 06.12.1996 Eberswalde 1.7.1987 - 14.9.1987 in Hoyerswerda
XIII 1,0 Otti, Nr. 77 leucogenys 12.11.1987 Usti, geb. ca. 1986 17.06.1989 Hannover 2002 nach Osnabr├╝ck
XIV 1,0 Dong Nai, Nr. 38 gabriellae 26.01.1989 Saigon, geb. April 1988 18.09.1999 Osijek 29.5.1989 - 6.12.1996 in Eberswalde
XV 0,1 Nam Katje, Nr. 39 gabriellae 26.01.1989 Saigon, geb. April 1988 29.05.1989 Eberswalde
XVI 1,0 Falco, Nr. 26 gabriellae 27.05.1999 Usti, geb. ca. 1986 16.05.2001 gestorben vorher u. a. in Lesna, im Wassergraben ertrunken
XVII 1,0 Arnold, Nr. 72 gabriellae 03.05.2002 Jihlava, geb. 26.7.1997 14.06.2002 gestorben im Wassergraben ertrunken

(26.11.2007, 21:39)
Uakari:   Ich meinte das mit dem EEP eher geh├Ąssig, n├Ąmlich EEP als Zuchteinschr├Ąnkung. Ich fordere ja auch ein EEP f├╝r Zool├Âwen.
Und bestimmt nicht um deren Bestand weiter auszubauen. Und weil die Karawane tats├Ąchlich immer weiter zieht, ├Ąrgere ich mich ja auch.
Mulhouse hat 3 Kappengibbonjungtiere,
an die vielen Schopfgibbonfamilien die ich allein dieses Jahr in Holland, Frankreich, Tschechien sah gar nicht zu denken. Also erz├Ąhle mir keiner es g├Ąbe keine bedrohten und unterartenreinen Alternativen zu Weisshandgibbons unklarer Herkunft
oder gar Mischlingen. Das Kronberg die weiterz├╝chtet ist mir nich bekannt, ich sah zuletzt nur 3 adulte Tiere.
(10.09.2007, 14:40)
Michael Mettler:   Was ich nicht verstehe, ist die Weiterzucht von Gibbonmischlingen (siehe Kronberg), da w├Ąre doch allm├Ąhlich mindestens Sterilisation angeraten. Die Mischlinge einfach in Auslandszoos abzugeben (wie es z.B. der Berliner Zoo getan hat), verlagert das Problem ja nur ├Ârtlich und zeitlich - eines Tages m├Âchte vielleicht auch der entsprechende Zoo an einem ESB/EEP teilnehmen, und dann zieht die Karawane weiter...
(10.09.2007, 12:25)
IP66:   Ein solches Proramm w├╝rde voraussetzen, da├č man sich ├╝ber den Unterartenstatus zumindest der neu importierten Tiere im Klaren w├Ąre - was anscheinend nicht der Fall ist. Da es sich, wie in der Diskussion hier dargelegt, um eine gar nicht so leicht nachzuz├╝chtende Art handelt, scheint es mir w├╝nschenswert, erst einmal den vorhandenen Bestand zu erhalten.
(10.09.2007, 12:01)
Uakari:  
Wie w├Ąre es denn mal mit einem richtigen EEP f├╝r den Weisshandgibbon, statt nur des Zuchtbuches. Von allen Gibbonformen hat seine grosse Zoopopulation
bekanntlich am wenigsten erhaltungsz├╝chterischen Wert. Wie uns die Zuchtmanager der Zoos immer so sch├Ân erkl├Ąren, heisst Erhaltungszucht oftmals auch nicht z├╝chten. (Man denke nur an die implantierten und gleichgeschlechtlichen Paare der L├Âwen├Ąffchen-EEPs oder an Zuchtgruppen vieler Arten die nach l├Ąngerer Zuchtpause
schwer wieder in Gang kommen). Das EEP k├Ânnte folglich die wirkungsvollste Methode darstellen, den Zoobestand dieser Gibbonart in den n├Ąchsten Jahrzehnten zu begrenzen.

(08.09.2007, 03:21)
Uakari:   Ich stimme zu, vom Foto ausgegangen w├╝rde man h├Âchstwahrscheinlich auf Lar tippen. Da man nun schon informiert ist, k├Ânnte es sein, das man sich einen gewissen Grauschimmer im Fell und eine etwas auff├Ąllige Kopfform nur einbildet. Schwieriger zu entscheiden als bei der Angolgiraffe k├╝rzlich. Um mal wieder negativ zu schliessen,
bringe ich hier meine Verwunderung zum Ausdruck, warum in Berlin entgegen des Erg├Ąnzungsprogramms, im Tierpark eine neues Lar-Zuchtpaar zusammengestellt wurde,
obwohl der Zoo Lars h├Ąlt und etwa Schopfgibbons in Berlin gar nicht zu sehen sind.

(24.08.2007, 22:47)
Michael Mettler:   Ich fand nun auch in einem gerade erhaltenen Zoof├╝hrer aus Salzburg von 1983/84 ein Foto eines m├Ąnnlichen Kappengibbons (oder, um nach den bislang gesammelten Informationen vorsichtiger zu sein: eines Gibbons, der auf den ersten Blick nach Kappengibbon aussieht). Wei├č jemand etwas ├╝ber die damalige Haltung? Laut ESB traf das sp├Ątere Zuchtpaar Wei├čhandgibbons erst 1985 in Salzburg ein.
(24.08.2007, 00:22)
Uakari:   Damit ist es um die Erhaltungszucht der Gibbons im Grossen und Ganzen schlecht bestellt. Silber- und Kappengibbons sind noch viel zu selten,
die bedrohten Hulocks, Klossgibbons, Schwarzen Schopfgibbons oder Hainangibbons gar nicht vertreten. Siamangs und Weisswangenschopfgibbons sind derzeit die besten Populationen (in der Hoffnung auf bestm├Âgliche Unterartenreinheit sag ich das), Weisshandgibbon-Mischmasch hat mit Erhaltungszucht gar nix zu tun und
sollte lieber unter der Rubrik just for show laufen.
(22.08.2007, 20:45)
Michael Mettler:   @WolfDrei, die Frage vom 27.7. kann ich nun beantworten: Die Amersfoorter Gibbons waren Ungkas (also keine Hulocks), der Zuchtstamm wurde von 1979 bis 2000 gehalten.
(20.08.2007, 23:32)
Michael Mettler:   Nun teste ich mal die neue Foto-M├Âglichkeit, ist ja f├╝r dieses Thema wie geschaffen: Der nebenan zu sehende Gibbon ist das Jungtier eines (h├Âchstwahrscheinlich) reinbl├╝tigen Wei├čhandgibbons und eines Wei├čhand-Kappengibbon-Mischlings. Optisch geht der m.E. ohne weiteres als Lar durch. Wenn dann noch ein abgebender Zoo (oder ein zwischengeschalteter H├Ąndler) unehrlich w├Ąre...
(20.08.2007, 21:50)
Michael Mettler:   ... und das alles betrifft keineswegs nur UNTERarten, sondern auch manche Arten. In meiner Nagerz├╝chterzeit nahm ich mal Kontakt zu einem zoologischen Museum auf in der Hoffnung, eine meiner Stachelmausformen dort bestimmen lassen zu k├Ânnen. Die Antwort war ├Ąhnlich wie der Sachverhalt bei den Gibbons: So lange wir nicht wissen, woher die Tiere stammen, k├Ânnen wir auch nicht sagen, zu welcher Art - geschweige denn Unterart - sie geh├Âren. H├Ątte ich das aber gewusst, h├Ątte ich vielleicht gar nicht zu fragen brauchen...

In unserer n├Ąheren Verwandtschaft geht das Prinzip sogar noch einen Schritt weiter. Wenn man sich mal B├╝cher ├╝ber die Evolution des Menschen ansieht, dann beklagen darin die Autoren nicht selten, dass viele fossile Neuentdeckungen gleich zu neuen GATTUNGEN erhoben wurden, selbst wenn nur ein Kieferfragment gefunden wurde. Und das zu einer Zeit, als laut einem der B├╝cher s├Ąmtliche bis dato gefundenen Hominidenfossilien weltweit zusammen in einen mittleren Schuhkarton gepasst h├Ątten... Da spielte das Streben nach wissenschaftlicher Bedeutung des jeweils eigenen Fundes wohl die Hauptrolle.

Was die Reinbl├╝tigkeit von Wildtieren betrifft: Unser frei lebendes Rotwild, laut Verbreitungsdefintion Cervus elaphus hippelaphus, wurde in vergangenen Jahrhunderten durch Einkreuzung skandinavischer (elaphus), englischer (scoticus), kaukasischer (maral) und anderer Hirsche "verbessert", zur Wiederansiedlung des Uhus in Mitteleuropa wurden auch Tiere eingesetzt, deren Eltern aus dem Iran stammten, und mindestens bei einem Projekt in Polen verwendete man zur Wiederansiedlung von Luchsen Zoo-Nachzuchten, bei deren Eltern die Definition nicht ├╝ber "Nordluchs" hinaus ging - was eventuelle Sibirer usw. einschlie├čt. Wer beweist eigentlich, dass die Verh├Ąltnisse in S├╝dostasien anders sind bzw. waren, wie ja schon der Hinweis auf die entlaufenen "pet gibbons" andeutete? Laut Fred Kurt wurden seit ewigen Zeiten Asiatische Elefanten kreuz und quer durch Ost- und Vorderasien gehandelt. Vielleicht haben sich auch Monarchen gegenseitig Hirsche geschenkt, so dass unter der Vorfahren der heutigen Vietnam-Sikas wom├Âglich irgendwann mal ein taiwanesischer, chinesischer oder japanischer Hirsch war....

In Richtung der Krumbiegelschen Giraffe gibt es noch ein Beispiel aus Halle: Die dort 1938 eingetroffene, in der Chronik abgebildete Giraffe l├Ąsst sich vom Aussehen her keiner Unterart zuordnen, stammte aber aus Ostafrika. Nun gibt es in Kenia ein breites Vermischungsgebiet zwischen Netz- und Massaigiraffe, das ausgerechnet im Hinterland der wichtigen Hafenstadt Mombasa liegt.... Den Rest kann man sich ausmalen. Genausogut k├Ânnen Gibbonmischlinge aus der Natur in die Zoos gekommen sein, die man dann mehr oder weniger verzweifelt in eine Kategorie zu stecken versuchte.
(16.08.2007, 09:22)
Karsten Vick:   Auf welch t├Ânernen F├╝├čen manch eine Unterartbeschreibung steht, m├╝ssen wir Unterartfans uns als erstes klarmachen und auch, dass es da keine Verbreitungs-Grenzen geben kann, es sei denn Fl├╝sse oder Meeresarme. Wenn ich da an Krumbiegels Beschreibung der Lagosgiraffe denke, in seinem NBB-Giraffenbuch, die er nach seiner Tochter Renate benannte. Grundlage waren Fotografien von drei oder so Tieren, die ANGEBLICH westlich des Nigers gefangen wurden und das Abgrenzungskriterium zu den Giraffen ├Âstlich des Niger war, dass am Hinterschenkel die Flecken von oben nach unten ABRUPT und nicht ALLM├äHLICH kleiner wurden. Genauso spa├čig auch die Unterartbeschreibungen beim Leoparden in Grzimeks Tierleben, wo auch noch jedes geografische Land seine eigene Unterart hatte. Und dann gibt es noch die Unterschiede, die wirklich auf Anpassung an das Klima zur├╝ckzuf├╝hren sind und die sich ├╝ber die Generationen der Zoohaltung verlieren. Siehe Bruno Schneiders Bemerkung ├╝ber die Leipziger Amur-, Bengal- und Sumatratiger, die sich ├╝ber die Generationen immer ├Ąhnlicher wurden. Interessant w├Ąre nun noch, wie sich solche F├Ąlle wie (auch ein Beispiel von unserer Tour in Hannover) die blauschn├Ąblige und die braunschn├Ąblige Schwarzente in der freien Wildbahn vermischen oder abgrenzen.
Es sind eben in der Natur keine Schubladen-Kategorien, sondern alles geht ineinander ├╝ber...
(16.08.2007, 00:58)
Andreas Hartung:   @MM: Ganz und gar meine Meinung - dass man Unterarten nur anhand ihres Verbreitungsgebietes unterscheiden k├Ânnen soll, wollte mir auch noch nie in den Kopf - denn das hie├če ja schlie├člich, dass keine relevanten, abgrenzbaren Merkmale in Form der genetischen Ausstattung, der Morphologie oder gerade im Falle der Gibbons auch der Territorialges├Ąnge vorhanden w├Ąren. Mit dem Zitat wollte ich in erster Linie die Auffassung von Dr. Geissmann, der mir DER Gibbonspezialist schlechthin in unseren Breiten zu sein scheint, herausstellen. Nichtsdestotrotz wird es schon seinen Grund haben, weshalb bei H. lar offenbar weiterhin vier Unterarten auf breiter Basis anerkannt werden (auch wenn es an der Zuordnung von Einzeltieren ├Âfters mal hapert...) und ist dessen Zoosituation diesbez├╝glich nicht besonders gl├╝cklich.
(16.08.2007, 00:03)
Karsten Vick:   Dass Rostock "nur" Unterartmischlinge gez├╝chtet hat, ist nat├╝rlich auch nur dem Zufall geschuldet, denn die beiden Zuchttiere kamen im Abstand von 10 Jahren als Silbergibbons (moloch) an. Und als solche galten damals alle Gibbons von Java und Borneo. Allein schon wissenschaftlich. Bei den H├Ąndlern h├Ątte auch ein Ungka von Sumatra unter dem Namen laufen k├Ânnen. Na ja. Ist schon spannend, das im Nachhinein zu erforschen.
Mit Michael habe ich auch schon hinter den Kulissen einige Daten ausgetauscht, ich bin gerade intensiv an den Ost-Berliner Gibbons dran.
(15.08.2007, 23:21)
Michael Mettler:   @Andreas Hartung: Das Lar-ESB scheint nicht im Internet zu sein (wahrscheinlich g├Ąbe es sonst einen Link von der Gibbon-Website dorthin), habe ich auf anderem Wege bekommen.

Mit der "Wertlosigkeit" der Zoo-Gibbons w├Ąre ich nicht so rigide. Selbst in dem bisschen Literatur, was ich in den letzten Tagen ├╝ber Gibbons gew├Ąlzt habe, hei├čt es schon, dass sie in ihren Heimatl├Ąndern schon lange als beliebte Haustiere gehandelt wurden und es dabei mit gro├čer Wahrscheinlichkeit dazu kam, dass Tiere aus anderen Verbreitungsgebieten in Freilandbest├Ąnde entkamen. Nicht alles, was wild in der Natur lebt, muss zwangsl├Ąufig unterartrein sein. In einer Zoozucht reicht nach g├Ąngiger Ansicht eine einmalige Einkreuzung einer fremden Unterart, um die Nachfolgegenerationen quasi zu "verseuchen" (siehe der Nordchinesische Leopard in der Amurleopardenzucht), im Freiland werden solche gelegentlichen Fremdlinge dagegen assimiliert und basta...

├ťbrigens finde ich es drollig, wenn man eine Gibbon-Unterart nur bestimmen kann, wenn man ihr Verbreitungsgebiet wei├č. Hat da jemand z.B. irgendwann ohne Festlegung von K├Ârpermerkmalen gesagt, das hier sind zwei verschiedene Unterarten, weil die eine aus dem Norden Thailands stammt und die andere aus dem S├╝den...? Das riecht ja glatt ein bisschen nach "Kolonial-Unterarten" wie beim Steppenzebra, wo man die Tiere des britischen Kenias als Grantzebra von den B├Âhmzebras des deutschen Tanganyikas unterschied, damit jedes Land sein eigenes Zebra hatte... Irgendwo las ich dieser Tage auch, dass die Unterartgliederung beim Ungka darauf beruht, welche Farbvariante in der jeweiligen Population vorherrscht. Daher w├Ąre z.B. ein schwarzer Ungka ohne Herkunftsangabe nicht einzuordnen, weil man nicht wei├č, ob er der Mehrheit der einen Form oder der Minderheit der anderen angeh├Ârt. Ich bin ja ein ausgesprochener Unterartenfan, aber solche Kriterien sind in meinen Augen l├Ącherlich - zumal sich das Verh├Ąltnis der Farbmorphen zueinander im Laufe der Zeit allein durch die Vererbungsregeln und Zuf├Ąlle verschieben kann und somit nicht als dauerhaftes Merkmal taugt. Die Folgerung von gibbons.de "man kann die Unterarten nicht verl├Ąsslich bestimmen, also m├╝ssen alle Zoo-Lare Mischlinge sein" finde ich ├╝brigens auch sehr verallgemeinert - auch unbestimmbare Tiere k├Ânnen schlie├člich absichtlich oder zuf├Ąllig rein weitergez├╝chtet worden sein!

Zu Heidelberg: Interessanterweise fand ich in der Chronik f├╝r 1989 keinen einzigen Hinweis auf den Zugang von Wei├čhandgibbons, obwohl das so im ESB gelistet ist.
(15.08.2007, 23:04)
Andreas Hartung:   @MM: Danke! Eine Tabelle mit detaillierteren Verbreitungsangaben zu allen Gibbonformen findet man auf http://www.gibbons.de/main/index.html unter "Systematics". Dort auch ein Bestimmungsschl├╝ssel. Die Heidelberger H. lar entelloides liefen ├╝brigens unter "S├╝dlicher Wei├čhandgibbon" - sehr unpassend, da ja mit der Nominatform und dem sumatranischen H. lar vestitus zwei noch s├╝dlichere Unterarten existieren. Demgegen├╝ber ist H. lar carpenteri in der Piranho-Tierbestandsdatenbank als "Thail├Ąndischer Wei├čhandgibbon" eingetragen - genauso nichtssagend, weil auch entelloides dieses Land bewohnt. Mit den deutschen Namen der Lar-Unterarten ist es also offenbar nicht sehr weit her.
Auf gibbons.de hei├čt es allerdings auch: "Aufgrund unseres momentanen Wissensstandes ist die Identifikation der meisten Gibbonunterarten ohne Herkunftsangabe des Individuums unm├Âglich, und die Verbreitungsgrenzen vieler Formen sind unzul├Ąnglich bekannt. Da die Unterarten selbst der in den Zoos am h├Ąufigsten anzutreffenden Gibbonart, des Weisshandgibbons (Hylobates lar) nicht verl├Ąsslich bestimmt werden k├Ânnen, bedeutet dies, dass die gesamte Zoopopulation des Weisshandgibbons seit Generation aus Unterartmischlingen besteht. F├╝r etwaige zuk├╝nftige Wiederansiedlungsprojekte selten gewordener lokaler Gibbonpopulationen sind diese Zootiere damit wertlos. Dies gilt genauso f├╝r diverse andere Gibbonarten."
Andere Frage, ist das Lar-ESB eigentlich irgendwo im Internet zu finden?
(15.08.2007, 21:04)
Michael Mettler:   @Jana: Danke f├╝r die Bilder. Da kann ich verstehen, dass man Madeleine f├╝r einen reinen Lar h├Ąlt. Die Kappengibbon-Lar-Mischlinge der F1-Generation, die ich bisher gesehen habe, trugen die "Frisur" des Kappengibbons, bei der R├╝ckkreuzung solcher Tiere mit Lar scheint sich die Kopfbehaarung wieder viel mehr dem Lar zu n├Ąhern.
(15.08.2007, 18:28)
Jana:   @Michael Mettler: Ich muss mich korrigieren, da ich wass andere gemeint habe aber was andere geschreiben. Die Madeleine in Lesna hatte ungew├Âhnlich SCHMALEN weissen Gesichtsring.

Ich habe einige Fotos von ihr gefunden und trotz bescheidene Qualit├Ąt hochgeladen. http://zoo.oook.cz/zbytek/index.htm
(15.08.2007, 17:42)
Michael Mettler:   @Jana: Die Ex-Heidelberger Gibbons in Sosto m├╝ssen keine Mischlinge sein. Ihre Herkunftsangabe (also bevor sie 1989 nach Heidelberg kamen) lautet im ESB "NY-Medic" - ist leider nirgends erkl├Ąrt, klingt aber nach Labor. Ich muss mal in die Heidelberger Jahresberichte schauen, ob dort etwas zu finden ist.

Die aus dem Berliner Zoo nach Szeged abgegebenen Gibbons habe ich in Berlin noch gesehen. Das Paar bestand aus einem blonden, sehr kurzhaarigen Lar-M├Ąnnchen und einem fast schwarzen Weibchen, bei dem nur die Augenbrauen wei├č waren - fr├╝her h├Ątte man sowas automatisch als "Hulock" eingeordet, aber es war ein Kappengibbon-Lar-Mischling. Das blonde Jungtier, das ich bei ihnen sah, war und ist f├╝r mich von einem reinbl├╝tigen Lar nicht zu unterscheiden (ich habe Fotos von allen drei Tieren). Im BONGO nannte man das Junge damals verniedlichend einen "nicht ganz reinbl├╝tigen Lar"....

Auch von einem blonden Nordhorner Gibbon habe ich ein Foto vom Juni 1991. Dem Aussehen nach ist es kein Kappengibbon-Lar-Mischling der 1. Generation (also nicht das Zuchtm├Ąnnchen) und auch deutlich langhaariger als das in der Chronik abgebildete Zuchtweibchen - muss also eins der Nachzuchttiere sein. Und auch dieses hat einen sehr breiten wei├čen Gesichtsring. Kann aber nicht Madeleine gewesen sein, die wurde laut ESB erst 1994 geboren.

Als Partner f├╝r Madeleine gibt das ESB 2003 einen in Emmen geborenen Mann namens Jahe an. ├ťber Fellfarben gibt es dort keine Vermerke (obwohl sich das gerade bei dieser Tierart anbieten w├╝rde), allerdings sind manche Namen verr├Ąterisch: Blacky und Blondie sind z.B. beliebte Gibbon-Namen....

Hat zuf├Ąlligerweise jemand ein Foto des Nordhorner Zuchtmannes?
(15.08.2007, 10:02)
Jana:   Die Madeleine in Zlin-Lesna habe ich letzte Jahr gesehen, sie ist braun mit (f├╝r mich ungew├Âhnlich) breitem weissem Streifen in Gesicht und sie hatte helles Jungtier und Mann bei sich. Ausgeschildet waren sie als Lar. Es ist die Frage, ob man da weiss, dass es sich um Arten-Mischling handelt, oder in "gutem Glauben" sie so nennt.

Der Nyiregyhazi Allatpark liegt in Sosto (Ungarn) und ist heufig auch Sosto Zoo genannt. Ostrava hat da vor kurzem 2 letzte Lar-M├Ąnchen (beide Handaufzuchten) geschickt, damit sich eine alleinlebende Weibchen da nen Mann finden kann. Also vermehren sich die Mischlinge in vielen Zoos hemmungslos weiter.
(15.08.2007, 09:42)
Michael Mettler:   @Andreas Hartung: Die Nordhorner Gruppe soll aus dem Kappen-Lar-Mischlingsm├Ąnnchen, dem Lar-Weibchen und zwei seiner Nachkommen bestanden haben. Das Lar-Weibchen war definitiv blond (Foto in der Chronik), die Farbe der ├╝brigen Tiere wei├č ich nicht. Das kurzzeitig in Hannover eingestellte erste Jungtier des Zuchtpaares, das ich nie gesehen habe (diente vor├╝bergehend als Partner f├╝r einen handaufgezogenen Schopfgibbon), ist allerdings auf dem genannten Foto zusammen mit seiner Mutter zu sehen und war dunkel gef├Ąrbt. Ein weiteres, weibliches Nordhorner Jungtier kam ├╝brigens nach Zlin-Lesna und ist ebenfalls im ESB 2003 gelistet (hei├čt dort Madeleine).

Ex-Heidelberger Gibbons habe ich im ESB gefunden f├╝r Osijek (1,1 Olaf/Rudi und Chini, 2001 aus HD erhalten) sowie f├╝r Nyiregyha (kenne ich nicht, klingt ungarisch?) 2,1 Webster, Whitey und Valery, alle 1989 aus HD erhalten.

F├╝r die vier anerkannten Unterarten des Wei├čhandgibbons fand ich in der Literatur folgende Verbreitungen und Merkmale:

lar lar: S├╝den Thailands und Malaya. Dunkle Phase braun, helle Phase cremefarben. Letztere herrscht im Norden des Gebietes vor, erstere im S├╝den.

lar vestitus: Nordsumatra. Nur in einer F├Ąrbung vertreten: Hellbraun mit dunklerer Unterseite.

lar entelloides: Thailand (Tolle Angabe, nicht wahr? Scheint aber der mittlere Bereich, also die schmalste Stelle der Halbinsel gemeint zu sein.) Dunkle Phase schwarz, helle Phase honigfarben; sehr kurzes Fell.

lar carpenteri: Nord-Thailand, eventuell Yunnan (falls dortige nicht als yunnanensis abgetrennt). Dunkle Phase schwarz oder dunkelbraun, helle Phase cremewei├č; l├Ąngstes Fell aller Unterarten, am R├╝cken bis zu 8 cm lange Haare.

Nun wei├č ich nicht, wie sich Farbe und Haarl├Ąnge bei Kreuzungen vererben, ansonsten k├Ânnte man ja wenigstens carpenteri und entelloides relativ leicht bestimmen, und schwarze Lare d├╝rften demnach auch nur zu einer dieser beiden Formen geh├Âren; aber selbst im Gibbon Network ist man mit solchen Zuordnungen sehr vorsichtig. Da Gibbons zudem wie viele s├╝dostasiatische Tiere ├╝ber weite Entfernungen zu den Exporteuren gebracht wurden, d├╝rfte das Herkunftsgebiet in vielen bzw. den meisten F├Ąllen kaum zu ermitteln sein.

Noch ein Nachtrag zu den Mischlingszuchten: Speziell die Zuchten der 60er und 70er Jahre muss man nat├╝rlich unter anderen Vorzeichen betrachten als die sp├Ąteren. Der Kappengibbon galt noch als Unterart des Wei├čhandgibbons, die Verkreuzung beider war also nach damaliger Sicht nicht verwerflicher als die Verkreuzung der "verbliebenen" vier Unterarten des Wei├čhandgibbons heute. Gleiches gilt f├╝r Silber- und Borneo-Gibbon, und da zudem offensichtlich noch wenig Wissen ├╝ber viele Formen vorhanden war, wurden Hulock, Ungka, Silber- und Borneogibbon wohl nur "auf gut Gl├╝ck" bestimmt und schlichtweg aus Informationsmangel gekreuzt. Immerhin schien es ja speziell in den 60ern noch so zu sein, dass man schon gl├╝cklich war, Gibbons ├╝berhaupt l├Ąngere Zeit halten zu k├Ânnen.

Bei einigen Formen ist es auch so, dass Wildf├Ąnge nicht unbedingt reinbl├╝tiger sein m├╝ssen, da sich benachbarte Arten in ihren Grenzgebieten durchaus verbastardisieren (z.B. agilis und muelleri auf Borneo). Bliebe die Frage, ob die Mischlinge (die ja nach Zooerfahrungen anscheinend s├Ąmtlich fruchtbar sind) sich auch im Freiland weitervermehren oder ob dort Probleme bei der Partnersuche entstehen, weil sie nicht den artspezifischen Gesang "vorweisen" k├Ânnen - im Zoo gibt es ja wenig Auswahlm├Âglichkeiten...

(15.08.2007, 09:18)
Andreas Hartung:   Bestand denn die Nordhorner Zuchtgruppe zum Zeitpunkt ihrer Abgabe noch aus pileatus x lar, reinem lar und deren Nachwuchs? Sie gingen genauer gesagt in den Bosporus Zoo. Im letzten Februar habe ich sie dort besucht, es waren drei Tiere vorhanden, ein helles und zwei schwarze, laut Beschilderung alle drei aus Nordhorn (und als H. lar ausgewiesen). War das die komplette abgegebene Zuchtgruppe?

Interessant finde ich auch, dass die Heidelberger Gibbons bei meinem Besuch 1998 als H. lar entelloides ausgeschildert waren. Dies sind zugleich die einzigen mir bekannten eigentlichen Wei├čhandgibbons mit Unterartangabe im deutschsprachigen Raum, neben H. lar carpenteri im Leintalzoo Schwaigern (laut http://87012.homepagemodules.de/). Mittlerweile hat Hd ja keine Gibbons mehr - ist etwas ├╝ber deren Verbleib bekannt? Auch allgemein w├Ąre interessant, in welcher Anzahl ├╝berhaupt (noch) unterartreine eigentliche H. lar vorhanden sind. Dies d├╝rfte sich jedoch nur schwerlich herausfinden lassen, wenn selbst in der folgend genannten Auflistung nur verh├Ąltnism├Ą├čig sehr wenige unterartbekannte Tiere aufgef├╝hrt sind.

Falls noch nicht bekannt: Im Gibbon Network auf http://www.gibbons.de/main2/index.html gibt es unter "Zoo Gibbons" interessante weltweite Zoo- und Primatencenter-Haltungslisten f├╝r alle Gibbonformen ("The zoo gibbon population") sowie Daten zu den Studbooks, allerdings nur zu Silber- und Schopfgibbons und Siamangs auch in einsehbarer Form.
(15.08.2007, 02:26)
Michael Mettler:   Wenn ich meine bisherigen Notizen Revue passieren lasse, ist die Liste der Gibbon-Mischlingszuchten in deutschen Zoos erstaunlich lang.

Zoo Berlin: pileatus x lar, pileatus x moloch, evtl. pileatus x muelleri, lar x moloch und Hybriden untereinander. Zwischen 1961 und 1988 gab es mit einer m├Âglichen Ausnahme (lar) ausschlie├člich Mischlingsnachwuchs. Abgaben nach Gelsenkirchen, Hodenhagen und Szeged/Ungarn. F├╝r letzteren Zoo ist ein aus Jaderberg stammendes Mischlingsweibchen im Lar-ESB 2003 enthalten!

Jaderberg: pileatus x lar; Abgabe mind. 0,1, an den Berliner Zoo (siehe oben).

Saarbr├╝cken: pileatus x lar; Abgabe mind. 1,0, kam nach Nordhorn.

Nordhorn: (pileatus x lar aus Saarbr├╝cker Zucht) x lar; 1 Tier vor├╝bergehend in Hannover eingestellt (1988-89), sp├Ąter zur├╝ck; Zuchtgruppe 2000 in die T├╝rkei abgegeben.

Gelsenkirchen: 1985 2,2 diverse Mischlinge aus Berlin; 1 Paar z├╝chtete im Ruhrzoo weiter (M├Ąnnchen eventuell pileatus x moloch, Weibchen ziemlich sicher pileatus x lar), Familie ging sp├Ąter nach Tripolis; zweites Paar in Bad Pyrmont eingestellt und nach zwei Jahren an Ruhe (nicht Gelsenkirchen) zur├╝ck, Verbleib ist mir unbekannt.

Kronberg: pileatus x lar sowie pileatus x (pileatus x lar); Mischzucht besteht bis heute, Tiere im Lar-ESB 2003 enthalten!

Dortmund: agilis x muelleri, mehrfach gez├╝chtet. Mind. je 1,0 nach Duisburg und Cottbus.

Cottbus: (agilis x muelleri) x muelleri, mehrfache Nachzucht. Das muelleri-Weibchen ist zudem ein Unterarthybrid (m. muelleri x m. abbotti).

Rheine: lar x moloch. Sp├Ąter Umstellung auf reine lar, moloch-Weibchen nach M├╝nchen abgegeben. Die letzten 2,1 Mischlinge verlie├čen 1991 den Zoo (wohin?).

Hannover: agilis x moloch oder muelleri, 1 Jungtier, starb sp├Ąter in Hannover; (pileatus x lar) x muelleri, 1 Tot- und 1 Fr├╝hgeburt, Mischlings-Mann stammte aus Z├╝rich.

M├╝nster: Abstammung wegen sp├Ąterer Umbestimmung schwierig. Zuchtpaar im Allwetterzoo 1,0 muelleri muelleri und 0,1 (wahrscheinlich) muelleri x moloch, von dem eines der Elterntiere im Landois-Zoo aber auch 1,0 agilis gewesen sein k├Ânnte. Z├╝chteten mehrfach, davon mind. 1,1 nach Hamm.

Rostock und Schwerin sind Sonderf├Ąlle, denn sie z├╝chteten keine Art-, sondern "nur" Unterarthybriden muelleri muelleri x m. abbotti (Ursprungskreuzung in Rostock, danach Vater x Tochter in Schwerin; 0,1 aus Rostock nach Cottbus). Unterartkreuzungen d├╝rften aber auch bei diversen artreinen Lar-Zuchten vorliegen, denn h├Âchstwahrscheinlich wurden alle vier anerkannten Unterarten (lar, entelloides, carpenteri, vestitus - eine f├╝nfte namens yunnanensis gilt als fraglich)) importiert.

Die weitere Nachsuche d├╝rfte schwierig bis unm├Âglich werden, da es ├╝ber diverse kleine Parks kaum Material gibt.
(14.08.2007, 21:12)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Der Hinweis mit dem Circus ist interessant. Ich habe n├Ąmlich in meiner Sammlung zwei Zoof├╝hrer vom "Knie Zoo" und bin erst durch die Gibbon-Recherche auf die Idee gekommen, dass damit gar nicht der Kinderzoo in Rapperswil gemeint ist (wie ich bislang dachte), sondern der "rollende Zoo", sprich die Tierschau des Circus. Das d├╝rfte sich durch deine Recherche best├Ątigen - und vielleicht auch die unterschiedliche Zahl der Gibbons erkl├Ąren: Vielleicht war das in Rapperswil angekommene Paar der am Leben gebliebene Rest der angekauften Gruppe. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man die damaligen Schwierigkeiten bei der Gibbon-Haltung bedenkt; laut dem Krefelder Sammel-Jahresbericht 1959-1965 hat z.B. der dortige Zoo in diesem Zeitraum nicht weniger als acht (!) Wei├čhandgibbons verloren. Wegen der abweichenden Jahreszahl frage ich noch mal in Hannover nach. Wom├Âglich liegt in einem von beiden Zoos auch nur ein Schreibfehler vor.

Ich wei├č nicht, ob sich der mir vorliegende Kinderzoof├╝hrer aus Rapperswil genauer datieren lie├če, in dem ein eindeutiger Kappengibbon abgebildet ist.

Um in der Schweiz zu bleiben: Nachzucht-Mischlingsgibbons aus Z├╝rich waren wohl auch zeitweise in Basel eingestellt - zumindest ein M├Ąnnchen 1969-70.

Die Artreinheit von "optisch klaren Wei├čhandgibbons" muss man wohl angesichts vieler Kappengibbon-Lar-Kreuzungen hie und da auch mit Fragezeichen versehen. Ich kenne nun schon zwei F├Ąlle (Zoo Berlin und Nordhorn), in denen die "R├╝ckkreuzung" eines Kappen-Lar-Mischlings mit einem reinbl├╝tigen Lar Jungtiere brachte, die optisch von einem reinen Lar nicht zu unterscheiden waren. Leider hilft da auch das Lar-ESB nicht weiter. Erstens wurde anscheinend bislang nur einmal der lebende Bestand 2003 ver├Âffentlicht und zweitens sind darin sogar die Kronberger Gibbons enthalten, und das waren zu dem Zeitpunkt ein aus Z├╝rich eingestellter Kappengibbon-Mann und Kappen-Lar-Mischlinge...
(14.08.2007, 16:19)
Sacha Beuth:   @Michael Mettler: So, ich bin mit meiner Recherche bez. der Knie-Gibbons etwas weiter. Obwohl ich direkt beim Kinderzoo-Direktor nachfragte und der auch alle Hebel in Bewegung setzte, konnten leider nicht alle L├╝cken gestopft werden.

- Eine kontinuierliche Kinderzoo-Tierkartei besteht erst seit etwa 1980/81. Trotzdem wurden zwei Karteikarten gefunden, die den Zugang von 1,1 (und nicht 4,1) Gibbons (n├Ąhere Artbezeichnung nicht vermerkt) von der Firma Ruhe f├╝r den 14. 5. 1961 (nicht 1962) vermelden. Die Tiere lebten erst einige Monate beim Circus Knie, ehe sie zur Er├Âffnung des Kinderzoos ihre Anlage eben dort bezogen. Und das bringt uns zum n├Ąchsten Punkt:

- Der Kinderzoo wurde ja 1962 er├Âffnet. Gleichzeitig bezogen die Gibbons ihre Insel. Damit hatte m. W. auch die Schweizer Zoolandschaft ihre erste Gibboninsel.

- ├╝ber die 1964er Zucht liessen sich bis jetzt keine Unterlagen finden. Leider konnte ich auch nicht herauskriegen, ob es sich damals tats├Ąchlich um Kappengibbons handelte. Es besteht jedoch ein Eintrag f├╝r 1969 mit Hylobates lar, also Weisshandgibbon. Somit bleibt leider der Punkt offen, ob es sich damals um die erste Kappengibbonzucht in Europa handelte.
Daneben sind in der Kinderzoo-Kartei Geburten f├╝r 1982 und 1985 vermeldet.

- Die letzten beiden Gibbons (Weisshandgibbons, Vater und Tochter) wurden wie ich es in Erinnerung hatte, 2003 abgegeben und zwar an den Walter Zoo in Gossau SG.
(14.08.2007, 14:39)
Michael Mettler:   Einem hei├čen Tipp aus Hannover verdanke ich die Information, dass die deutsche Erstzucht eines Gibbons NICHT dem Zoo Berlin "geh├Ârt", sondern diesem 1961 lediglich die ErstAUFzucht gelang. Schon am 13.1.1958 hatte n├Ąmlich der Tiergarten N├╝rnberg ein Jungtier eines seit 1954 gehaltenen Silbergibbon-Weibchens; die Zeugung im Zoo ist also unzweifelhaft. Dieses Weibchen lebte mit einem Silber- und einem Wei├čhandgibbon-Mann zusammen, womit vorerst nicht eindeutig zu belegen w├Ąre, ob es sich um ein reinbl├╝tiges Jungtier handelte. Das Muttertier litt allerdings unter einer Grippeinfektion und starb am folgenden Tag daran, das Jungtier lebte nur einen Tag l├Ąnger. Nachzulesen im Jahresbericht 1958, der im "Zoologischen Garten" Band 28, Heft 2/3 ver├Âffentlicht wurde.

Wie es aussieht, steht ├╝brigens noch immer die deutsche Erstzucht des (reinbl├╝tigen) Kappengibbons aus. Bisher gab es nur reichlich Mischlingszucht mit Lar in verschiedenen Zoos. Und laut BONGO gab es im Berliner Zoo noch nie Kappengibbon-Nachwuchs, obwohl seit 1986 (also seit 21 Jahren!) nacheinander zwei reinbl├╝tige Paare gehalten wurden/werden.
(14.08.2007, 11:07)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Den Tierpark-Gibbons bin ich auch gerade auf der Spur :-) Schau mal in die 9. Ausgabe des TP-Wegweisers (1965, Titel: gezeichneter Tiger): Auf S. 80/81 sind ein dunkler Lar und ein "Ungka" abgebildet, und letzterer ginge - der S/W-Aufnahme nach zu urteilen - als muelleri durch, vielleicht das sp├Ąter nach Hannover abgegebene Tier. In sp├Ąteren Ausgaben gibt es auch eine Farbtafel mit im TP gezeigten Gibbons, auf der u.a. ein mal als "Unka" (ohne g), mal als Schlankgibbon bezeichnetes, braunes (!) Tier abgebildet ist. Im Text der Wegweiser taucht der Ungka teilweise auf, teilweise nicht. Die erste Gibbon-Nachzucht von 1973 ist in einem Wegweiser zusammen mit ihren Eltern Orje (blond) und P├╝ppi (dunkel) abgebildet, die beide eindeutig wei├če bzw. hell abgesetzte H├Ąnde haben, also war es ein Lar. Der 1981 nach Z├╝rich gegebene 0,1 Kappengibbon war laut Jahresbericht ├╝brigens erst 1980 im TP eingetroffen, geh├Ârte also nicht zum Anfangsbesatz.

Wie es aussieht, muss es vor dem Bau der Insel zwei provisorische Unterk├╝nfte f├╝r die Gibbons gegeben haben: Zuerst werden sie in Zusammenhang mit dem Menschenaffenhaus aufgef├╝hrt, danach f├╝r den Bereich zwischen Cafeteria und Schloss, und das Gibbonsymbol im Plan befindet sich auf der der sp├Ąteren gegen├╝ber liegenden Seite des Besucherweges.

Ich habe inzwischen Antwort aus Halle bekommen: Das verwitwete "Silbergibbon"-Weibchen ging am 10.7.1974 an Ruhe zur├╝ck.

Es verst├Ąrkt sich bei mir immer mehr der Eindruck, dass "Silbergibbon" ein Handels-Sammelbegriff f├╝r alle grauen Gibbons war, wenn man es schlichtweg nicht besser wusste (so ├Ąhnlich wie der "Inseltiger"). Viele Gibbon-Exporte aus S├╝dostasien scheinen ├╝ber H├Ąndler in Singapur und Laos gelaufen zu sein, egal woher die Affen stammten. Und wenn ich mir die Silbergibbon-Zeichnungen von Wilhelm Eigener in diversen Tierlexika anschaue, dann sehen die abgebildeten Tiere eigentlich nicht wie H. moloch nach heutiger Definition aus, sondern eher wie H. muelleri abbotti, also wie der Rostocker/Schweriner Zuchtmann.

Zwei weitere Zwischenschritte auf der Spurensuche:
a) Die Borneo-Gibbons in Hamm stamm(t)en aus der M├╝nsteraner Mischlingszucht.
b) In einem Zoof├╝hrer von Knies Kinderzoo in Rapperswil, den der Vorbesitzer laut Eintrag 1970 erworben hatte, wird eine Gibbon-Insel erw├Ąhnt, und abgebildet ist ein Kappengibbon-M├Ąnnchen in Umf├Ąrbung.
(09.08.2007, 09:23)
Karsten Vick:   Es ist aber auch in Schwerin von mehreren Wei├čhandgibbons die Rede. Ich kann mich dunkel erinnern, bei meiner ersten Sichtung der Schweriner Inselanlage (und das muss 1986 gewesen sein) auf der Insel einen "Silbergibbon" und im Winterk├Ąfig einen Lar gesehen zu haben, und dass ich damals ziemlich entt├Ąuscht war, da ich zu der Zeit viel vom Kontrastprogramm zwischen Schwerin und Rostock hielt und Silbergibbons gabs doch in Rostock!
Angaben zu fr├╝heren Rostocker Gibbons aus dem "Zoologischen Garten" interessieren mich, das gilt auch f├╝r Berliner, da bin ich n├Ąmlich jetzt dran.
Der Gibbon der 1971 nach Hannover kam, lief in Berlin jedenfalls als Ungka, denn in diesem Jahr wurde die Ungka-Haltung in Berlin aufgegeben, da sie sich nicht mit den Laren auf der Insel vertrugen.
Also die ganzen grauen Gibbonformen machens einem schon nicht leicht, die ├ťbersicht zu behalten. Das ganze Dilemma kommt ja wohl daher, dass kaum jemals Herkunftsorte bekannt waren. DANN n├Ąmlich w├Ąre die Bestimmung auch im Nachhinein total einfach gewesen, so sch├Ân nebeneinander, wie die Formen vorkommen. Aber so konnten sie den Leuten Sumatra-Ungkas und Borneogibbons als Hulocks vom Himalayarand verkaufen, blo├č weil sie wei├če Augenbrauen hatten.
(08.08.2007, 23:16)
Michael Mettler:   Ach ja, und noch etwas aus dem "Zoologischen Garten": Fr├╝her wurden darin auch noch manche Jahresberichte abgedruckt, z.B. die des Berliner Zoos. Im Jahresbericht f├╝r 1961, der 1968 (!) im ZG erschien, wird ├╝ber die erstmals in Deutschland gegl├╝ckte Gibbonzucht noch erw├Ąhnt, dass das Elternpaar mit dem Neugeborenen anfangs noch mit einem zweiten, j├╝ngeren M├Ąnnchen den K├Ąfig teilte - woraus nicht hervorgeht, zu welcher Gibbonform dieses z├Ąhlte.
(08.08.2007, 21:03)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Ich k├Ânnte mir vorstellen, dass der Wei├čhandgibbon Blacky zeitweise mit Joka zusammenlebte. Denn wenn sie schon 1986 nach Schwerin abgegeben wurde und Banju erst 1990 eintraf, w├Ąre sie fast vier Jahre partnerlos gewesen - und das als Naturaufzucht.

Bei der Recherche im "Zoologischen Garten" hatte ich gerade einen Artikel in der Hand, der ein Wei├čhandgibbonweibchen in Rostock und dessen Erkrankung betraf. Habe ich dummerweise schon wieder wegsortiert, kann mich aber daran erinnern, dass dieses Tier 1962 von einem nicht genannten westdeutschen Tierh├Ąndler eintraf, bei dem es vorher anderthalb Jahre im Privathaushalt gelebt hatte, und das es urspr├╝nglich aus irgendeinem Institut stammte.

Au├čerdem habe ich unter den "erstmailg gehaltenen Tierformen" im MILU gerade die Information gefunden, dass 1962 erstmals Gibbons in den Bestand aufgenommen wurden, und zwar Wei├čhandgibbon, Ungka und Schopfgibbon (abgebildet ist leider nur letzterer) - also schon sieben Jahre vor Einweihung der Gibboninsel. Bis mindestens 1971 kamen auch keine weiteren Gibbonformen hinzu, doch kam in diesem Jahr ein Gibbon aus dem Tierpark nach Hannover und wurde hier als muelleri in die Kartei aufgenommen; er starb hier 1975. Vermutlich hatte man den fr├╝her als Ungka eingeordnet, wie es ja z.B. auch in M├╝nster passiert war.
(08.08.2007, 20:55)
Karsten Vick:   So, jetzt hab ich ein Kapitel ostdeutscher Gibbonhaltung erforscht, n├Ąmlich die Rostocker und Schweriner M├╝llergibbons. Nur die Herkunft der beiden Rostocker Gr├╝ndertiere fehlt noch, aber Michael Mettler versucht, aus Ruhes Zeiten noch was rauszukriegen.
Die Haltung beginnt mit der Ankunft der Gibbonfrau Java 1969 in Rostock. Sie lebt mehrere Jahre mit dem Lar Blacky auf der Insel zusammen, so auch 1970, als WolfDrei die beiden fotografiert hat (s. u.). Es gab auch mal ein Paar Wei├čhandgibbons, was aber mit Blackys Frau passierte, lie├č sich nicht herausfinden, zu der Zeit gab es noch keine Jahresberichte.
1979 kommt von Ruhe der Gibbonmann Banju aka Silver, und Blacky zieht um nach Schwerin. Banju ist bei Ankunft kein kleines Kind mehr, denn schon im n├Ąchsten Jahr wird er Vater.
1980 wird per Kaiserschnitt ein Weibchen geboren, k├╝nstlich aufgezogen und 1982 nach Cottbus abgegeben.
1981 wieder ein M├Ądchen, wieder per Kaiserschnitt, diesmal nat├╝rliche Aufzucht, dieses Tier stirbt allerdings im Jahr darauf.
1983 kommt auf nat├╝rlichem Wege ein Weibchen zur Welt, wird normal von der Mutter aufgezogen. Dieses Tier wird 1986 nach Schwerin abgegeben und kommt nach deren Unterlagen zwei Jahre sp├Ąter dort anÔÇŽ (Diese Angabe stammt aus dem Jubil├Ąumsheft zum 40. Geburtstag des Zoos, diese Liste enth├Ąlt allerdings noch weitere Fehler, sowohl was Zeitangaben als auch gehaltene Arten betrifft.) In Schwerin hei├čt sie Joka.
1984 ├╝berwindet Banju den Graben und greift Besucher an (er hat eine Abneigung gegen b├Ąrtige M├Ąnner), daher lebt er von nun an im Affenhaus in einem K├Ąfig.
Trotzdem wird er noch mit dem Weibchen zur Paarung zusammengebracht, denn auch in den folgenden Jahren gibt es Nachwuchs. 1986 eine Totgeburt, normal geboren, 1987 der 3. Kaiserschnitt mit 1 totem Jungtier, 1988 der 4. Kaiserschnitt, an dessen Folgen die Mutter stirbt und das Jungtier stirbt nach 20 Tagen auch.
In der ganzen Zeit werden die Tiere in den Zoof├╝hrern als Silbergibbon (Hylobates moloch) bezeichnet, in den Tierbestandslisten gilt die Mutter als H. muelleri, der Vater wegen seiner silbergrauen F├Ąrbung als H. moloch, bis zum 7.7.1988. An dem Tag wird Banju von Prof. Geissmann besucht, fotografiert und als muelleri abbotti bestimmt. Folgerichtig wird in diesem Jahr auch die Angabe in der Tierbestandsliste ge├Ąndert. Java kriegt Prof. Geissmann nicht mehr zu Gesicht, sie soll zur Unterart muelleri muelleri geh├Ârt haben.
1990 wird Banju abgegeben und zwar nach Schwerin. Das muss fr├╝h im Jahr gewesen sein, denn dort trifft er seine Tochter Joka wieder und schon am 29.11.90 wird ihr Sohn Oliver geboren. Am 28.3.1993 folgt Sven und am 2.2.96 noch ein Jungtier, das aber nur eine Woche alt wird. Nach dem Tod von Joka (15.12.97) leben die drei M├Ąnner alleine, bis sie 2006 alle von einer Virusinfektion dahingerafft werden.
Die Gibboninsel in Schwerin wurde 1985 eingeweiht, sie besteht aus 2 nat├╝rlich gestalteten Inseln mit Kletterb├Ąumen und Seilen und sie hatte von Anfang an etwas, worauf die meisten Inselgibbons verzichten mussten ÔÇô einen Winter-Au├čenk├Ąfig. 2001 wurde ein neues Winterhaus angebaut, in dem der Besucher nun die Tiere auch bei schlechtem Wetter sehen kann.
Auch in Schwerin gab es vorher Wei├čhandgibbons und auch ├╝ber die Schweriner Partnerin von Blacky wei├č ich nichts. Es gab wahrscheinlich keine Zuchterfolge.
Jetzt gibt es in Schwerin ein junges Paar Kappengibbons, aus den Zoos Z├╝rich und Twycross.
(08.08.2007, 19:54)
Michael Mettler:   Laut Homepage des N├╝rnberger Tiergartens zog das dortige Paar Wei├čhandgibbons 2006 das 12. Jungtier auf. Das Besondere daran: Die Gibbons Heino (er ist blond...) und M├Ądi waren zu diesem Zeitpunkt bereits 41 Jahre alt und lebten schon 37 Jahre in N├╝rnberg!
(08.08.2007, 15:44)
Sacha Beuth:   @Michael Mettler: Schon m├Âglich. Daf├╝r muss ich allerdings erst einige Abkl├Ąrungen treffen. Bislang mal soviel: Die ehemalige Gibbonanlage in Knies Kinderzoo in Rapperswil (heute mit Kattas besetzt) besteht schon mindestens seit Mitte der 70er Jahre. Seit dieser Zeit bis zur Aufgabe der G-Haltung (ca. vor 4 bis 6 Jahren) war sie mit Weisshandgibbons besetzt (ein braunes Exemplar und ein weiteres, an dessen F├Ąrbung ich mich nicht mehr erinnere). Der Zirkus Knie f├╝hrte zwar in den 80ern einmal Flachlandgorillas in einem Schauwagen mit (Kopfsch├╝ttel), aber an Gibbons im "fahrenden Zoo" kann ich mich nicht erinnern. Jedenfalls bleibe ich dran.
(08.08.2007, 14:54)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Eine Frage in die Schweiz - wie ich erfuhr, erhielt der Circus Knie 1962 4,1 Kappengibbons von Ruhe aus Hannover. Ich nehme an, dass die in Rapperswil unterkamen? War dort wom├Âglich auch schon eine Inselfreianlage f├╝r Gibbons errichtet worden? Da im International Zoo Yearbook ein Zuchterfolg f├╝r 1964 angef├╝hrt ist, k├Ânnte Rapperswil zumindest die Schweizer, wenn nicht sogar die europ├Ąische Erstzucht f├╝r reinbl├╝tige Kappengibbons erzielt haben.
(08.08.2007, 12:05)
Michael Mettler:   Wei├č jemand zuf├Ąllig, woher die Gibbons in Hamm stammen? 2001 fotografierte ich dort ein als muelleri beschildertes Tier, kann mich aber an die restlichen nicht erinnern. Und ich suche auch noch nach dem Verbleib von 0,1 Silbergibbon (?) aus Halle, der nach dem Verlust des M├Ąnnchens 1973 verwitwet war.

@Sacha Beuth: Besten Dank. Es lohnt sich halt doch, "Altpapier" zu sammeln... :-) Bin ├╝brigens noch auf der Spur der acht Gibbons, die den Startbesatz im Menschenaffenhaus bildeten. Sieht hoffnungsvoll aus...
(07.08.2007, 11:42)
Sacha Beuth:   @Michael Mettler: Na das nenne ich mal eine gr├╝ndliche Recherche. Vielen Dank f├╝r Deine M├╝he.
(06.08.2007, 10:40)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Die Nachsuche im "Zoologischen Garten" war unerwartet ergiebig. In Bd. 17, Heft 1/5 (1950) gibt es einen langen Artikel ├╝ber den Z├╝rcher Zuchterfolg von 1945 und die Gibbonhaltung in Z├╝rich. Das Elternpaar kam 1939 aus Singapur und bezog einen "gro├čen Wohnk├Ąfig" von 3 m L├Ąnge, 1,5 m Tiefe und 2,5 m H├Âhe (diese Abmessungen muss man aus heutiger Sicht erst mal verdauen!), eingerichtet mit einem Sitzbalken, einer waagrechten "Turnstange" aus Metall und einem Pendelseil... Die Fotos des Artikels belegen, dass es sich schon bei diesem Paar um einen m├Ąnnlichen Kappengibbon und einen weiblichen, als milchkaffeebraun beschriebenen Wei├čhandgibbon handelte - also war schon die erste eine Mischlingszucht.

Im selben Artikel tauchen auch - etwas ausf├╝hrlicher - die Angaben von Dittrich auf, anscheinend hatte dieser ihn als Quelle genutzt. Urspr├╝nglich stammen die Fakten aus einer Ver├Âffentlichung von Yerkes. F├╝r die Erstnachzucht 1920 bei einem Privatmann in Siam, bei dem vier Wei├čhandgibbons frei auf dem Gel├Ąnde lebten, ist nur von "Geburt" die Rede, es geht nicht daraus hervor, ob das Junge auch dort gezeugt wurde. ├ťber dessen Lebensdauer wird nichts erw├Ąhnt.

Am 1.8.1923 wurde das erste Wei├čhandgibbon-Jungtier in Rangun geboren - auch hier kein Hinweis, ob es eine echte Zoonachzucht war. Dieses Junge fiel schon Anfang September einem nicht n├Ąher beschriebenen Unfall zum Opfer. Das zweite Junge des selben Muttertieres wurde aber eindeutig im Zoo gezeugt, und zwar auf ├Ąu├čerst ungew├Âhnliche Weise: Die Elterntiere lie├čen sich nicht zusammengew├Âhnen und mussten daher getrennt gehalten werden, was sie aber nicht abhielt, durch das Trenngitter zu kopulieren! Das Ergebnis war ein zweites Jungtier am 19.5.1924, ├╝ber dessen weiteres Schicksal nichts berichtet wird. Bleibt die Frage, wie artrein diese drei ersten Zuchterfolge waren, da man ja unter dem Begriff Wei├čhandgibbon auch Jahrzehnte sp├Ąter noch Lar UND Kappengibbon verstand.

Die Geburt von 1936 in Aarhus war ein "Silbergrauer Gibbon (Hylobates leuciscus)" - dazu m├╝sste man mal Pseudonym-Listen zu Rate ziehen, welche Form nach heutiger Sicht damit gemeint war. Auch hier kein Hinweis, ob es sich um eine Zeugung im Zoo handelte. Das Junge wurde von der Mutter nicht angenommen. Man behalf sich dadurch, dass man das Weibchen von Zeit zu Zeit festhielt, um ihm das Junge an die Brust legen zu k├Ânnen... Dieser Junggibbon lebte nur sechs Tage.

Der n├Ąchste "Silbergraue Gibbon" (1,0) wurde 1938 in San Diego geboren, seine Eltern lebten bereits seit zwei Jahren im Zoo. Schlie├člich werden noch drei Gibbon-Geburten zwischen 1941 und 1943 in Paris-Vincennes und Cleres genannt, ├╝ber die es aber nicht mal Informationen gab, zu welchen Arten sie geh├Ârten. Dittrich ordnete sie in seinem Artikel von 1976 dem Schopfgibbon zu und wird daf├╝r Gr├╝nde gehabt bzw. eigene Recherchen gemacht haben.

Bliebe also weiterhin zu kl├Ąren, wo in Europa der erste reinbl├╝tige Wei├čhandgibbon nach heutiger Sichtweise gez├╝chtet wurde (wobei reinbl├╝tig relativ ist, da auch die "heutige" Art H. lar noch mehrere Unterarten umfasst). F├╝r die deutsche Erstzucht w├Ąre nach momentanem Stand der Dinge Duisburg (1965) der hei├česte Kandidat, da Berlin bis mindestens 1967 ausschlie├člich Mischlinge z├╝chtete.
(05.08.2007, 09:25)
Michael Mettler:   Sollte nat├╝rlich "Grzimeks Tierleben" hei├čen :-) Ob Unterarten oder nur F├Ąrbungsvarianten, wurde darin noch mit Fragezeichen versehen. Mit Unterartbezeichnung genannt wird nur der Wei├čwangen-Schopfgibbon leucogenys, die beiden anderen erw├Ąhnten Formen haben komplett schwarze M├Ąnnchen. Von gabriellae und siki ist keine Rede, wobei letzterer m.W. ohnehin zeitweise umstritten war.

Und ich habe mir meine Schweriner Gibbon-Fotos angeschaut: Im September 2000 fotografierte ich drei Tiere. Zwei davon sind zusammen auf einem Bild und haben eine mehr oder weniger deutliche dunkle Kappe, der dritte lebte meiner Erinnerung nach von diesen getrennt (kann das sein?) und k├Ânnte dem Aussehen nach (einheitlich silbergrau) tats├Ąchlich Banju gewesen sein.
(04.08.2007, 21:07)
Michael Mettler:   @IP66: Gute Frage. Vielleicht lohnt sich da ein Blick in "Grziemks Tierleben", das ja in den 60ern erschien - mache ich nachher mal.

Zur Gibbonhaltung in Cottbus habe ich nun auch etwas gefunden, und zwar in den Ausgaben der dortigen Zeitschrift MARABU. Wie schon von Karsten Vick erw├Ąhnt kam das erste Rostocker Mischlingsweibchen 1982 nach Cottbus. Dessen Vater m├╝sste Banju gewesen sein, der in der Fotogalerie von http://gibbons.de als Beispiel f├╝r einen H. muelleri abbotti gef├╝hrt wird; das Rostocker Weibchen Java m├╝sste zur Nominatform geh├Ârt haben. Falls Cottbus nicht sp├Ąter ein neues Weibchen holte, scheint das in Rostock geb├╝rtige das Zuchtweibchen Viki/Vicky zu sein, das ab 1993 Nachwuchs hatte und folglich "nur" ein Unterartmischling war. Ihr Partner Vicko kam ebenfalls 1982 an und stammte aus Dortmund - das dortige Zuchtpaar lief lange Zeit unter "Hulock", letzter Stand der Dinge scheint zu sein, dass das M├Ąnnchen ein Ungka und das Weibchen ein Borneogibbon war. Laut MARABU hat das Paar in Cottbus 1993, 1995, 1997 erfolgreich aufgezogen. Ende 2000 war das neue Gibbonhaus bezugsfertig und es zog "die Dreiergruppe" um - also sind wohl zwei Mischlingsjungtiere abgegeben worden. Anfang 2000 wurde das vierte Junge des Paares geboren, und im folgenden Fr├╝hjahr war auch die Au├čenanlage - zwei Inseln - fertig. 2002 folgte Jungtier Nummer f├╝nf. 2004 ertrank der Zuchtmann Vicko. Wie es weiterging, wei├č ich (noch) nicht, da mit der MARABU von 2005 derzeit meine Sammlung endet.

Zu Schwerin: Laut 40-Jahre-Festschrift wurden von 1979-1989 Wei├čhandgibbons gehalten, 1988 begann die Haltung von Borneo-Gibbons. Einer davon m├╝sste Karsten Vick zufolge das 1983 in Rostock geborene abbotti x muelleri-Jungtier (0,1) gewesen sein. Laut Jahresberichten, die ich ab 1994 bis 2002 habe, gab es Ende 1994 vier Borneo-Gibbons in Schwerin, 1995 und 1996 wurden die als 1,3 angef├╝hrt, 1997 wandelten sie sich zum Jahresbeginn in 3,1, und im selben Jahr starb das Zuchtweibchen Joka. Danach sind bis einschlie├člich 2002 nur noch konstant 3,0 im Bestand gewesen (also Vater und zwei S├Âhne). Wei├č jemand, woher der Vater kam? 1990 wurde der verwitwete Rostocker Zuchtmann (also Banju) abgegeben - vielleicht ging der nach Schwerin und h├Ątte demnach dort mit seiner Tochter ein Zuchtpaar gebildet? Muss mal meine Fotos mit dem Bild auf der Gibbon-Website abgleichen.
(04.08.2007, 20:49)
IP66:   War man sich eigentlich 1960 schon ├╝ber die Unterartenaufspaltung der Schopfgibbons im Klaren? Eigentlich war es ja recht einfach, in den gemischten Gruppen die Unterartmerkmale zu unterscheiden, und ich stelle es mir momentan so vor, da├č man zun├Ąchst Gibbons nach den Bezeichnungen der H├Ąndler einkaufte, die Unterarten anhand dieser Tiere langsam unterscheiden lernte, und am Ende dann auf die Idee kam, unterartenreine Paare zusammenzustellen.
(04.08.2007, 15:56)
WolfDrei:   @MM: ich war vor ca 6 Wchen in Eberswalde: Das Jungtier des Jahres 2007 war schon recht mobil-scheint also "durchzukommen"
(04.08.2007, 13:32)
Michael Mettler:   Auch das St├Âbern im Europ├Ąischen Zuchtbuch f├╝r Schopfgibbons unterstrich die Erkenntnis, dass reinbl├╝tige Gibbonzuchten gr├Â├čtenteils erst sehr sp├Ąt erfolgten.

Der ├Ąlteste verzeichnete europ├Ąische Zuchterfolg f├╝r den N├Ârdlichen Wei├čwangen-Schopfgibbon (leucogenys) fand 1975 in Cleres statt; 1976 folgte die deutsche Erstzucht in Hannover. Dittrich erw├Ąhnte zwar auch Erfolge vor 1976 in Paris und London, doch geht daraus nicht hervor, ob es sich dabei um reine leucogenys handelte oder um Schopfgibbons insgesamt.

Die europ├Ąische Erstzucht des S├╝dlichen Wei├čwangen-Schopfgibbons (siki) fand 1987 in M├╝nchen statt; hier wurden insgesamt drei Junge des Paares geboren. Die siki siedelten allerdings schon 1991 nach Mulhouse um, wo der sehr kleine europ├Ąische Bestand dieser Form konzentriert wurde. Somit scheint die M├╝nchener Haltung die bislang letzte in Deutschland gewesen zu sein.

Der Gelbwangen-Schopfgibbon (gabriellae) wurde sogar erst 1990 erstmals reinbl├╝tig in Europa gez├╝chtet, und zwar in Mulhouse. Die deutsche Erstzucht gelang dem Zoo Osnabr├╝ck 1997, allerdings kann man von einem richtigen Zucht erfolg nicht sprechen: Das Muttertier, das heute mit seinem Partner in Hannover lebt, hat zwar bereits 6 Junge geboren (4 in Osnabr├╝ck, 2 in Hannover), aber kein einziges davon angenommen und aufgezogen. Als zweiter deutscher Zoo z├╝chtete Eberswalde ab 2000; hier verzeichnet das Zuchtbuch 5 Jungtiere(die erste waren anscheinend Zwillinge), wovon die drei ersten nicht aufwuchsen und f├╝r die Nachzuchten vom 1.6.2003 und 5.5.2004 "unknown" zu lesen ist - wei├č jemand zuf├Ąlligerweise, ob schon mal Nachwuchs aufgezogen wurde? Hannover war dann nach dem Gibbontausch mit Osnabr├╝ck der dritte und bislang letzte deutsche Zoo, der sich in die Z├╝chterliste eintragen durfte (Leipzig h├Ąlt zwar seit den 80ern Gelbwangen, hatte aber noch kein Jungtier) - aber wie oben geschildert, auch nicht erfolgreich. Falls es also nicht unbekannterweise schon in Eberswalde geklappt hat, steht die erste erfolgreiche AUFzucht des Gelbwangen-Schopfgibbons in Deutschland noch aus.

Der Schwarze Schopfgibbon (concolor) ist anscheinend noch nie in Europa reinbl├╝tig gez├╝chtet worden, das Zuchtbuch weist nur Mischlinge mit leucogenys aus, die ab 1981 in Twycross gez├╝chtet wurden.
(04.08.2007, 11:49)
IP66:   Gab es im alten Landois-Zoo eigentlich eine Gibbon-Insel? An Teichen mangelte es ja nicht.
(02.08.2007, 11:43)
WolfDrei:   Zur Rostocker Gibbon"beton"insel von Herrn Vick:auf meinen Fotos vom Mai 1970 sitzen auf dem Stahlrohr eine muelleri-Dame und ein Larm├Ąnnchen/schwarze Form
(02.08.2007, 08:20)
Michael Mettler:   Meine Rostocker Sammlung habe ich nun auch durchforstet und kann erg├Ąnzend zu den von Karsten Vick weiter unten genannten Daten noch sagen: Als Herkunft des 1979 angekommenen Silbergibbon-M├Ąnnchens wird tats├Ąchlich einmal Ruhe erw├Ąhnt. In allen Zoof├╝hrern hei├čen die Tiere Silbergibbons; selbst in der Ausgabe von 1990 hei├čt es noch, es w├╝rde "eine Familie Silbergibbons" gehalten - obwohl schon ab 1988 nur noch das M├Ąnnchen vorhanden war, das laut Tierbestandsliste 1990 abgegeben wurde (wohin?). Und was wurde aus dem letzten Jungtier, das ja nach dem Tod der Mutter eine Handaufzucht gewesen sein muss? In den Tierbestandslisten findet sich ├╝brigens noch eine weitere (f├╝nfte) Nachzucht, und zwar 0,1 1987; im gleichen Jahr aber auch der Verlust von 0,1, und da das Zuchtweibchen erst ein Jahr sp├Ąter starb, muss wohl das Jungtier nicht aufgewachsen sein. In besagter Bestandsliste l├Ąuft ├╝brigens das M├Ąnnchen als H. moloch und das Weibchen als H. muelleri, das Jungtier von 1988 wird im Jahresbericht als Borneo-Gibbon bezeichnet.

Ein ├Ąhnliches Namenswirrwarr gibt es auch f├╝r die Zucht in M├╝nster. Dort betrachtete man ein Gibbon-Paar zun├Ąchst als Ungkas. Das Weibchen Maria wurde 1967 im alten Landois-Zoo geboren (taucht nicht im IZY auf, ├╝ber die Eltern konnte ich auch nichts finden), das M├Ąnnchen stammte aus einer Privathaltung. Vor 1980 hatte Maria bereits drei nicht lebensf├Ąhige Jungtiere, erst das am 3.5.80 geborene M├Ąnnchen Tarzan konnte sie aufziehen. Danach folgten bis 1992 4,2 weitere Nachzuchten sowie 1993 Zwillinge, von denen einer tot geboren und vom anderen kein Geschlecht angegeben wurde. Als 1996 die Haltung beendet wurde, tauchte f├╝r ein M├Ąnnchen der Name Fridolin auf; ich vermute, dass dies der Vater der Nachzuchten war.

Die ersten 2,1 Jungtiere (1,0 1980, 1,0 1982, 0,1 1984) wurden in den Jahresberichten noch als Ungkas bezeichnet, eine Abgabe von 1984 lief aber ebenso wie das Jungtier von 1985 (1,0) schlicht unter "Gibbon". Im IZY war das Junge von 1984 als Mischling aus Borneogibbon und Silber-Borneo-Mischling verzeichnet... Ab 1985 hei├čen die Gibbons in den Zoof├╝hrern Borneo-Gibbons, ohne Hinweis auf Mischbl├╝tigkeit, ab der n├Ąchsten Nachzucht 1988 (0,1) auch in den Jahresberichten. 1990 und 1991 wird je ein M├Ąnnchen geboren, beide sterben 1992. 1993 dann die Zwillinge, und 1,0 Gibbon ertrinkt. Ab 1994 gibt es Tierbestandslisten per 31.12., und f├╝r dieses und das folgende Jahr lautet der Bestand 1,0 Borneo-Gibbon und 1,3 Borneo- x Silbergibbons. Wohin die Familie 1996 abgegeben wurde, wird nicht erw├Ąhnt.

Macht faktisch 1,1 Ausgangstiere mit wechselnden Artbezeichnungen, 8 lebende Nachzuchten, 3 Verluste und 6 Abgaben - macht eine Differenz von einem Tier unbekannten Schicksals.

In einem Kronberger Zoof├╝hrer fand ich schlie├člich noch den Hinweis, dass man die Ausgangstiere der Kappen-Wei├čhand-Mischlingszucht zur Bildung reiner Paare an andere Zoos abgegeben hatte, und zwar das Kappengibbon-M├Ąnnchen nach Z├╝rich (siehe unten) und das Wei├čhandgibbon-Weibchen (m├╝sste nach den Fotos zu urteilen ein blondes gewesen sein) an den Tierpark Berlin. Die Mischlinge blieben in Kronberg und vermehren sich dort m.W. immer noch.
(01.08.2007, 22:37)
IP66:   In der Tat l├Ądt der Begriff Schankaffe zu Deutungen ein, insbesondere im Falle seines Verschwindens ... War das ein freudianischer Verschreiber?
(01.08.2007, 11:35)
nurmichael:   Mal sehen, ob ein mir bekannter Schankaffe heute abend auch noch verschwindet. K├Âstlich...
(31.07.2007, 21:30)
Michael Mettler:   Hier nun alles, was Jahresberichte, B├╝cher und IZY ├╝ber die Z├╝richer Gibbonzucht VOR Umstellung auf reine Kappengibbons hergeben:

Erster Zuchterfolg von Wei├čhandgibbons (es bleibt vorerst offen, ob reinbl├╝tig) am 28.3.1945. Das m├Ąnnliche Jungtier w├Ąchst auf, f├Ąllt aber zusammen mit seinen Eltern 1948 einer Infektion zum Opfer. Anscheinend gab es von diesem Paar bis dahin keinen weiteren Nachwuchs. Danach habe ich bis 1958 keine Unterlagen. Der Jahresbericht 1958 enth├Ąlt aber eine Tierbestandsliste per 31.12. und darin keinerlei Gibbons. 1959 wurde das Menschenaffenhaus er├Âffnet und enthielt u.a. 8 Gibbons ungenannter Art- und Geschlechterzusammensetzung.

Am 15.12.1961 wurde ein Jungtier namens Satu geboren, laut JB das erste im neuen Haus. Auf dem Foto sieht man als Mutter einen eindeutigen Wei├čhandgibbon der schwarzen Morphe, das Jungtier ist hell gef├Ąrbt und hat verd├Ąchtigerweise eine angedeutete dunkle Kopfplatte. Obwohl es auch im IZY als Wei├čhandgibbon gef├╝hrt wird, best├Ątigt das den Verdacht, dass der Vater ein Kappengibbon war.

Am Ostersonntag 1962 folgt ein zweites Jungtier namens Duo von einer anderen Mutter, und beide Mutter-Kind-Paare k├Ânnen mit dem Vater zu einer Gruppe zusammengew├Âhnt werden. Vom Vater wird erw├Ąhnt, dass er schwarz war und Chapeau hie├č - auch das n├Ąhrt den Verdacht auf Kappengibbon. Duo d├╝rfte das Weibchen sein, das am 1.10.1970 in Hannover eintraf und am 22.4.1962 in Z├╝rich geboren war; es starb am 12.12.1970. In Zusammenhang mit der Zusammengew├Âhnung der Familiengruppe wird erw├Ąhnt, dass drei weitere vorhandene Gibbons von dieser getrennt gehalten werden m├╝ssen.

1964 folgte das dritte Jungtier namens Tiga, und auch dieses kam offensichtlich sp├Ąter nach Hannover (am 16.4.1970, als Geburtsdatum 30.9.1964 angegeben). Zu einem ungenannten Datum siedelte es nach Mallorca um (also wohl in Ruhes Safaripark). Das muss vor dem 31.12.1971 passiert sein, denn ab 1972 wurde der Zoo Hannover wieder st├Ądtisch, so dass es keine Verschiebungen mehr zwischen Ruhes Standorten gab.

Ebenfalls 1964, n├Ąmlich am 4.10., wurde in Z├╝rich 0,1 Ampat geboren. Davon gibt es im JB ein Foto, das wiederum ein schwarzes Wei├čhandgibbonweibchen zeigt (dieses trug den Namen Neger, der damals anscheinend noch nicht "political incorrect" war) sowie ein helles Jungtier, diesmal ohne dunklen Anflug auf dem Kopf. Ampat k├Ânnte eventuell im Zoo Z├╝rich geblieben sein - siehe unten.

1966 wurden zwei Gibbons abgegeben, ├╝ber die keine weiteren Angaben zu finden sind. Sie kamen jedenfalls nicht nach Hannover.

1967 wurden 2,0 Junge geboren und im IZY erstmals als Kappen- x Wei├čhandgibbon gelistet. Eines davon wurde am 6.2. geboren sein, kam am 16.4.1970 zusammen mit dem Weibchen Tiga nach Hannover und sp├Ąter nach Mallorca. Das zweite wude am 29.9.1967 geboren, kam am 9.6.1971 nach Hannover und von dort am 2.12.1971 nach Alfeld - weiterer Verbleib unbekannt.

Am 14.12.1968 gab es 0,1 Mischling, kam am 10.6.1971 nach Hannover und am 7.12.1971 nach Alfeld - weiterer Verbleib ebenfalls unbekannt.

0,1 1969 geborener Mischling wuchs nicht auf (ist nur im IZY verzeichnet, nicht im JB), im selben Jahr gab es aber auch Nachwuchs aus Kappengibbon-M├Ąnnchen und Kappen- x Wei├čhand-Weibchen (also wohl Vater x Tochter, m├Âglicherweise Ampat); dieses m├Ąnnliche Jungtier scheint aufgewachsen zu sein, es wird jedenfalls auch im JB erw├Ąhnt.

1970 wurde das letzte Jungtier dieser ├ära geboren, abermals ein Mischling. Laut IZY war der Vater ein Kappengibbon, die Mutter ein Wei├čhandgibbon der Unterart H. lar carpenteri. Im selben Jahr werden 4 Gibbons abgegeben (wie gesehen, davon 3 nach Hannover - Verbleib des vierten unbekannt).

Auch in den folgenden Jahren werden noch insgesamt 6 Gibbons als abgegeben erw├Ąhnt: 1971 zwei (nach Hannover, siehe oben), 1972 einer und 1973 drei (jeweils nach Unbekannt). Vermutlich war das die Aufl├Âsung der Haltung; im JB 1976 erschien erstmals wieder eine Bestandsliste, und in der waren keine Gibbons mehr enthalten. Im IZY-Census f├╝r 1973 wird zuletzt 1,0 Kappengibbon gef├╝hrt, doch da der Census in der ersten Jahresh├Ąlfte erhoben wurde, kann der Affe im zweiten Halbjahr den Halter gewechselt haben (oder gestorben sein).

Bleiben also drei Gibbons, die mit unbekanntem Geburtsdatum aus Z├╝rich nach Hannover kamen und hier als Mischlinge gef├╝hrt werden, offen. 1,1 trafen am 19.6.1962 ein und gingen eine Woche sp├Ąter nach Alfeld (weiterer Verbleib unbekannt). Sehr unwahrscheinlich, dass es sich wirklich um Mischlinge handelte, denn zu diesem Zeitpunkt waren die beiden ersten Z├╝rcher Nachzuchten gerade mal 6 bzw. 2 Monate alt... Da w├╝rde ich doch eher vermuten, dass es zwei der acht Gibbons aus dem Ursprungsbesatz waren, denn es hie├č ja, es gab 1962 nur noch das Zuchttrio und drei weitere, mit diesen unvertr├Ągliche Gibbons - macht also sechs und damit eine Differenz von zwei zum Startbesatz. Das dritte fragliche Tier (0,1, kam am 5.12.1964 nach Hannover, starb hier im Oktober 1971) k├Ânnte nat├╝rlich ebenfalls ein erwachsenes gewesen sein, aber durchaus auch die 1961er Nachzucht Satu.

Gesamtbilanz also: 8 Gibbons angeschafft, 10 Nachzuchten (davon eine nicht aufgezogen), 15 Gibbons abgegeben - macht eine Differenz von 2 (gestorben oder ebenfalls abgegeben). Nicht eingerechnet die Siamangs, die erst eine Weile nach den Hylobates-Gibbons eintrafen und ├╝ber deren Artreinheit es ja keine Zweifel gibt.
(31.07.2007, 18:04)
IP66:   Die Ergebnisse sollte man in die neue Puschmann-Auflage einarbeiten. Sie zeigen allerdings etwas, was mich nachdenklich gemacht hat: Auch in den 60er und 70er Jahren gab es einfache, massenhaft nachz├╝chtende Arten, und daneben die kaum z├╝chtenden Rarit├Ąten. Der Artenschwund, der viel und auch von mir beklagt wird, betrifft aber jetzt nicht, wie man erwarten k├Ânnte, die schwierigen Arten, er erfa├čt gleichsam beide Gruppen, und wo verschwinden sowohl einstmals gut z├╝chtende Meerkatzen wie bestimmte Schankaffen und, recht erstaunlich, sogar manche leicht z├╝chtende Makaken - Rhesusaffen sieht man mittlerweile seltener als Bartaffen.
(31.07.2007, 11:50)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Au├čer, dass ich die selben Angaben wie bei Puschmann auch in einem Artikel von Dittrich fand (und dort auch noch die vorangegangene Privatnachzucht), wei├č ich dar├╝ber leider auch nicht mehr. Vielleicht lie├če sich dar├╝ber etwas im "Zoologischen Garten" finden, aber davon habe ich nur Nachkriegsausgaben.

Was ich zwischenzeitlich noch erfuhr: Zwischen 1962 und 1971 ├╝bernahm Ruhe aus Z├╝rich insgesamt 3,5 dort geborene Mischlinge aus Kappen- und Wei├čhandgibbon, die alle nach Hannover kamen. 0,2 starben sp├Ąter hier, 1,1 gingen ca. 1970/71 nach Mallorca, die ├╝brigen von Hannover nach Alfeld (1,1 1962 sowie 1,1 1971; weiterer Verbleib unbekannt).
(31.07.2007, 10:30)
Sacha Beuth:   @Michael Mettler: Nachdem Du netterweise Deine Sammlung durchgew├Ąlzt hast, h├Ątte ich noch eine Frage: Gibt es ├╝ber die Welterstzucht des Weisshandgibbons in Rangun noch mehr Quellen. Ich habe n├Ąmlich auch nur die Angabe bei Puschmann gefunden und da steht nichts Genaueres. Woher stammen die Info resp. wie verl├Ąsslich ist sie (Wenn ich denke, dass selbst in Europa mit Vorkriegsdaten geschlammpt wurde resp. diese durch Kriegseinwirkungen vernichtet worden sind, wie ist es denn mit Angaben aus S├╝dostasien bestellt)? Handelt es sich wirklich um eine Zucht oder kam das Weibchen tragend in den Zoo? Und wie lange hat resp. haben die Ranguner-Nachzucht(en) gelebt?
(31.07.2007, 09:33)
Michael Mettler:   So, nach Durchsicht des IZY von 1972 nun die dortigen Zahlen (bis auf ein paar bemerkenswerte Ausnahmen lasse ich die Zahl der Formen innerhalb der Gruppen weg):
48 Menschenaffen
13 Gibbons
33 Schlankaffen (darunter 18 div. Stummelaffen, je 4 Kleider- und Nasenaffen und nur 7 sonstige asiatische Languren)
82 Meerkatzen (davon 45 Gr├╝ne)
5 Mangaben
99 Makaken plus eine nicht erkennbare Zahl von Rhesus (von dieser Art wird nur die weltweit gez├╝chtete Gesamtzahl genannt)
146 Paviane plus eine Zahl X f├╝r Mantelpaviane (siehe Rhesus); aufgegliedert in 9 Dscheladas, 23 Wald- und 114 Steppenpaviane, von diesen allerdings 71 in Safariparks
4 Klammeraffen

Interessant ├╝brigens auch, dass 1972 europaweit nur 4 Totenkopf├Ąffchen geboren wurden und ganze 53 Krallen├Ąffchen (davon allein 18 Wei├čb├╝schel- und 4 Wei├čb├╝schelmischlinge).

Es ist verst├Ąndlich, dass die Zahl der gez├╝chteten Gibbons als paarbildenden Tieren nie so gro├č sein wird wie die von Arten, die in gro├čen Horden gehalten werden. Ein Sprung von 5 auf 13 europaweit geborene Tiere innerhalb von 10 Jahren gewachsener tierg├Ąrtnerischer Erfahrung macht sich zwar prozentual gut, in der nackten Zahl hingegen nicht sonderlich.
(30.07.2007, 20:46)
Michael Mettler:   Unter den Pavianen befand sich nur ein einziger Dschelada (in Z├╝rich), daf├╝r aber immerhin 14 Drills, Mandrills und Mischlinge aus beiden. Der Rest verteilte sich auf den Mantel-/Steppenpaviankomplex. Die drei Schlankaffen waren ├╝brigens s├Ąmtlich "deutsche Erfolge": ein Hulman in Dresden, je ein Brillenlangur und Guereza in Frankfurt.

Nun m├╝sste ich mir eigentlich ein zehn Jahre j├╝ngeres IZY zur Hand nehmen und schauen, ob und wie sich die Zahlen ge├Ąndert haben. Denn da war die Importwelle der Schlankaffen und wahrscheinlich auch der Gibbons gr├Â├čtenteils vorbei, die Makaken und Paviane ebbten m├Âglicherweise schon ab, und mit dem Duisburger ├äquatorium war zwischenzeitlich eine gro├če Affensammlung hinzu gekommen.
(30.07.2007, 12:21)
IP66:   Man kann die Zahlen aber doch ein wenig bewerten, und das w├╝rde dann eher Ihnen rechtgeben: Da├č die Schlankaffenhaltung schwierig war, steht au├čer Frage, da wundern die drei Jungtiere fast schon einmal. Dann erkennt man sehr deutlich, da├č bei Makaken und Pavianen de facto dauerhaft Jungtiere zu sehen waren, wenn auch da wohl nur bei den "einfachen" Arten. F├╝r Menschenaffen, Mangaben und Gibbons ist dagegen recht wenig Nachwuchs zu verzeichnen, und die Meerkatzen stehen zwischen diesen beiden Polen, wobei ich f├╝r das folgende Jahrzehnt behaupten kann, da├č es doch sehr viele Meerkatzenhaltungen gab. Insofern finde ich, da├č die Zahlen Ihre These, da├č Gibbons recht h├Ąufig gehalten, aber kaum nachgez├╝chtet wurden, und dies auch in einem auff├Ąlligen Verh├Ąltnis zu anderen Affenarten, durchaus.
Die Inselanlagen werden da auch eine Rolle gespielt haben, wohl aber auch das Verschwinden der Affenh├Ąuser alten Typs (als Beispiel: Altbauten in Sch├Ânbrunn und K├Âln), die sich doch vor allem gut zur Haltung von Makaken und Pavianen, vielleicht auch noch von Meerkatzen eigneten.
(30.07.2007, 11:38)
Michael Mettler:   Wie sich zeigte, wurden in den ersten Jahrg├Ąngen des IZY nur die gez├╝chteten Arten und Zoos, aber keine St├╝ckzahlen angegeben. F├╝r das Jahr 1962 sind wenigstens bei einigen Zoos entsprechende Angaben zu finden, deshalb habe ich dieses Jahr genommen und - soweit nicht detaillierter angegeben - jeweils ein Jungtier pro Zuchtort angesetzt (es k├Ânnen mehr gewesen sein, ist aber nicht nachzuvollziehen). Und es bleibt festzustellen, dass seinerzeit nicht alle Zoos meldeten.

In Europa wurden 1962 5 Gibbons in 3 Formen geboren (und, um die anderen "Schwingaffen" mit sp├Ąterer Inselhaltung gleich dranzuh├Ąngen, nur ein einziger Klammeraffe). Zum Vergleich die anderen Altweltaffen (Mischlinge und Unbestimmte ebenfalls als Formen gewertet):
13 Menschenaffen in 3 Formen
3 Schlankaffen in 3 Formen
31 Meerkatzen in 12 Formen (davon allein 13 unterartlich/artlich nicht unterteilte Gr├╝ne Meerkatzen)
8 Mangaben in 4 Formen
54 Makaken in 11 Formen
94 Paviane in 11 Formen

Richtig aussagekr├Ąftig w├Ąren diese Zahlen nat├╝rlich nur, wenn man die Gesamtzahl der jeweils gehaltenen Tiere dazu in Relation setzen w├╝rde.
(29.07.2007, 22:41)
Michael Mettler:   @IP66: Leider gibt es das International Zoo Yearbook erst seit Ende der 50er Jahre, so dass nicht mal eben ein vergleichender Blick auf die Jahrzehnte davor m├Âglich ist. Aber ich will gern mal in die ersten Jahrg├Ąnge schauen, wie es zu dieser Zeit bei den genannten Affengruppen aussah.

Zumindest eine andere Affenart/-gruppe macht die Problematik der Gibbonzucht noch immer durch: der Hulman-Komplex. Zuerst war man froh, dass die Tiere am Leben blieben, dann verpaarte man, was gerade zu bekommen war, und heute besteht der gr├Â├čte Teil der Zoopopulation aus Hybriden, w├Ąhrend die Zoologie die ehemaligen Unterarten wie bei den Gibbons teilweise zu Arten "bef├Ârdert" hat....
(29.07.2007, 15:51)
IP66:   Vielleicht ist es ein wenig unh├Âflich, aber ich kann nicht recht nachvollziehen, ob diese Zuchtproblematik bei anderen Affenarten deutlich anders aussah - wenn man einmal von einigen wenigen Makaken-Arten absieht. Zun├Ąchst einmal Probleme bei der Eingew├Âhnung, dann die Neigung, zu viele Tiere in einen Gesellschaftsk├Ąfig zu sperren, die ersten Zuchterfolge, manchmal als Mischlinge, das Suchen nach einer besseren Haltungsform, und schlie├člich immer mehr immer erfolgreiche artenreine Zuchten. Ich kann mir vorstellen, da├č die Problematik bei Dscheladas, Meerkatzen oder Magaben ganz ├Ąhnlich aussah, und da├č die Erstzuchten auch nicht lange vor jenen der Gibbons erfolgten. Die Bauten sprechen jedenfalls daf├╝r, denn auch in Berlin standen bis zum ersten Weltkrieg nur zwei Affenh├Ąuser mit jeweils weniger als zehn K├Ąfigen zur Verf├╝gung und das Affentropenhaus entstand erst, nachdem sich die ersten Haltungserfolge eingestellt hatten.
(29.07.2007, 14:30)
Michael Mettler:   Ich habe in einem alten ZOOFREUND (Nr. 20/Sep. 1976) einen Artikel von Dittrich ├╝ber das erstgeborene Wei├čwangen-Schopfgibbonjungtier in Hannover gefunden, in dem auch zu den fr├╝hesten Gibbon-Zuchterfolgen ein paar Zeilen zu finden sind. Demnach geb├╝hrt die Krone der ersten Gibbon-Nachzucht ├╝berhaupt einem Privathalter aus Thailand (damals Siam), der bereits 1920 die Welterstzucht des Wei├čhandgibbons verzeichnete. Dann folgte der Zoo Rangun wie schon erw├Ąhnt 1923 und 1924, anscheinend ebenfalls mit Wei├čhandgibbons. Die Nachzucht in Aarhus vom August 1936 war ein Silbergibbon, der von der Mutter nicht angenommen wurde und nach 7 Tagen starb. 1938 folgte ein Silbergibbon in San Diego, 1945 ein Wei├čhandgibbon in Z├╝rich.

Der erste Schopfgibbon wurde 1941 im Privatzoo von Jean Delacour in Cleres geboren, danach folgte ein Jungtier 1943 in Paris-Vincennes, wo in der Folge etliche Schopfgibbons gez├╝chtet wurden. 1949 folgte London, 1973 Washington und 1976 schlie├člich Hannover mit dieser Art. Das hannoversche Zuchtpaar kam ├╝brigens 1969 aus Vientiane/Laos und somit m├Âglicherweise vom unten erw├Ąhnten H├Ąndler Domalain - denn der hatte dort seinen Hauptsitz.

Bei fast allen Angaben bleibt wiederum ohne Einsicht in die Zuchtb├╝cher unklar, welche Gibbonformen nach heutiger Sichtweise gemeint sind - siehe das Hin und Her beim Silber-/Borneogibbon und Wei├čhand-/Kappengibbon.

Dittrich erw├Ąhnt auch, dass zum damaligen Zeitpunkt (also 1976) j├Ąhrlich etwa 30 Gibbons in den Zoos der Welt geboren w├╝rden. Angesichts der Tatsache, dass sich diese Zahl auf mehrere Arten plus deren Mischlinge aufteilt, war das nicht gerade viel.
(28.07.2007, 21:15)
Michael Mettler:   Wie sich nach Blick in die Hallenser Jahresberichte ergab, kam es auch bei den von Ruhe aus Hannover erworbenen Gibbons zu einer "wundersamen Artumwandlung": Das in der hannoverschen Kartei als 1,0 Ungka und 0,1 Silbergibbon gef├╝hrte Paar lief an seinem neuen Standort unter "1,1 Silbergibbons" - wobei nat├╝rlich m├Âglich ist, dass Ruhe da mit seinen Angaben auf dem Lieferschein gemogelt hat... ├ťber den weiteren Verbleib des Weibchens habe ich nichts gefunden, das M├Ąnnchen starb 1973. Bemerkenswert die Todesursache: Neben Leberdegeneration auch Kohlenstaubablagerungen in der Lunge (mit der selben Diagnose starb 1973 auch ein L├Âwe)!

├ťbrigens f├Ąllt mir bei den ganzen Recherchen auf, dass in den 60ern und 70ern diverse Gibbons als von Privat erhaltene Einzeltiere in die Zoos kamen. Somit sind einige Eingew├Âhnungserfolge der damals noch als heikel geltenden Gibbons gar nicht den Zoos zuzuschreiben, sondern Privathaltern. Auch unter den importierten Gibbons mag sich zudem noch der eine oder andere befunden haben, der in seinem Ursprungsland schon eine Weile als Haustier gelebt hatte und damit etwas "stabiler" war als ein Frischfang.

Woraus sich gleich wieder eine interessante Frage ergibt: Gibt es bei Gibbons keine sozialen Sch├Ądigungen durch Handaufzucht? Anscheinend lie├čen sich die aus Privathand stammenden Einzeltiere relativ problemlos mit Artgenossen bzw. -verwandten zusammengew├Âhnen (jedenfalls ist nirgends etwas von Problemen zu lesen) und pflanzten sich z.T. auch fort.
(28.07.2007, 09:46)
Michael Mettler:   @WolfDrei: Danke f├╝r die Aufkl├Ąrung!
(27.07.2007, 20:32)
WolfDrei:   @MM: Mu├č da mal mein geographisches Wissen loswerden: Siberut ist eine der Mentawai-Inseln (westlich von Sumatra), also das eigentliche Vorkommensgebiet von H. klossi
(27.07.2007, 19:19)
Michael Mettler:   @WolfDrei: Also, die Geschlechtsumwandlung hat der erste Baseler Zwergsiamang durchgemacht. Im Jahresbericht 1969 wird als Geschenk 1,0 Zwergsiamang erw├Ąhnt (kam ├╝brigens aus Lions Country Safari, Kalifornien), der im IZY als 0,1 lief. 1970 kamen 1,2 aus Siberut (Malaysia?) hinzu - vielleicht nicht alle gleichzeitig, denn im IZY-Census, der in der ersten Jahresh├Ąlfte erhoben wurde, waren ja erst 1,1 angegeben, ab dem n├Ąchsten Jahr aber 2,2. Im Zusammenhang mit der Geburt von 1975 wird der kalifornische Zwergsiamang dann aber endg├╝ltig (und in diesem Fall unmissverst├Ąndlich) als Weibchen angegeben. Laut Jahresberichten wurde 1979 der letzte Zwergsiamang abgegeben (1,0), und tats├Ąchlich tauchte anschlie├čend einer f├╝r Twycross auf. Sieht also so aus, als sei Bilou das 1970 f├╝r Basel importierte M├Ąnnchen und der Vater des einzigen, nicht aufgewachsenen Jungtieres gewesen.

Bei der Gelegenheit habe ich im Census auch gleich mal nach Kappengibbons geschaut, die allerdings erst ab 1970 darin Eingang fanden. Auch da wieder Merkw├╝rdigkeiten, z.B. werden f├╝r 1972 4,1 f├╝r Wuppertal gelistet, wo es m.W. in den letzten Jahrzehnten ausschlie├člich "richtige" Wei├čhandgibbons gab. Folgende deutschen Halter fand ich f├╝r 1970-1984:
Zoo Berlin 1970-1973 je 1,0 und ab 1983 1,0
Krefeld 1970-1971 1,0
M├╝nchen 1970 2,2
Duisburg 1971 0,2
Hannover 1972 0,1
Saarbr├╝cken 1974-1975 2,0, dann bis 1982 1,0
Kronberg 1979 1,0
Tierpark Berlin 1981 0,1

Haltungen in nur einem Jahrgang sind dabei irgendwie merkw├╝rdig. Sowohl f├╝r Saarbr├╝cken als auch f├╝r den Berliner Zoo gibt es im Census eine einj├Ąhrige L├╝cke, die aber in natura nicht bestanden hat (Berlin, siehe unten) oder nicht bestanden haben d├╝rfte (Saarbr├╝cken). Und auch Kronberg d├╝rfte seinen Kappengibbon schon wesentlich l├Ąnger gehalten haben.

Hinzu kommen noch zwei Schweizer Haltungen:
Studen 1974 1,2 (wieder nur f├╝r einen Jahrgang??)
Z├╝rich 1970-1973 1,0, dann 1981-1982 1,1 (laut Jahresbericht das M├Ąnnchen aus Kronberg und das Weibchen aus dem TP Berlin), 1983 5,3 (laut JB war 1982 das M├Ąnnchen aus Saarbr├╝cken dazugekommen sowie 2,2 aus Bangkok) und 1984 4,3 (laut JB 1,0 eingestellt in Twycross).

Und nun wird es nochmal interessant: Im Jahresbericht 1984 schreibt der Z├╝rcher Zoo: "Erstmals in der 55-j├Ąhrigen Geschichte des Z├╝rcher Zoos wurden reine Gibbons von ihren M├╝ttern aufgezogen." Damit sind ein Siamang und ein Kappengibbon gemeint, und das l├Ąsst sich nun auf zweierlei Weise deuten: Entweder wurden die ersten Gibbonjungtiere (ab 1945) nicht von der Mutter, sondern mit der Flasche aufgezogen - oder es waren nun doch keine reinbl├╝tigen Wei├čhandgibbons, sondern schon damals Mischlinge (im IZY wurden erst sp├Ąter Kappen- x Wei├čhandgibbon-Bastarde aufgef├╝hrt).
(27.07.2007, 18:42)
WolfDrei:   @MM: Herr Mettler, zumindest war Bilou ein M├Ąnnchen, insofern w├Ąre dann der von Ihnen angedachte "Geschlechtswechsel" in Basel schlecht m├Âglich, sofern nicht noch ein Import erfolgte. Zum Ungka in Erfurt: "Mein" fotografierter hatte sowohl 1988 als auch 1995 zwei Arme, war aber dadurch gekennzeichnet, da├č ihm wegen einer Gesichtsl├Ąhmung immer leicht die Zunge heraushing. 2005 nicht mehr vorhanden.
(27.07.2007, 16:34)
Michael Mettler:   @WolfDrei: Kam Bilou vielleicht sogar aus Basel? Vom Alter her k├Ąme das hin. Laut IZY-Census, der jeweils in der ersten Jahresh├Ąlfte erhoben wurde, sah die Entwicklung in Basel so aus:
1969 0,1 vorhanden
1970 1,1
1971-1973 2,2
1974-1975 1,3 (da war anscheinend vorher ein Tier falsch gesext?)
1976 1,1
1977-1979 1,0
M├╝sste in den Jahresberichten nachschlagen, ob da genauere Angaben zu finden sind.

├ťbrigens stolpert man in Sachen seltenerer Gibbon immer wieder ├╝ber Perth, das scheint da Spezialgebiet zu sein (oder gewesen zu sein).

Nochmal zum Thema Ungka: In Erfurt fotografierte ich einen solchen im September 1999. Dieser war braun, hatte einen wei├čen Gesichtskranz und die arttypischen dunklen H├Ąnde und F├╝├če. Da mal jemand erw├Ąhnte, dass es dort einen einarmigen Gibbon gab: Auf dem Foto sehe ich tats├Ąchlich nur den rechten Arm, wei├č aber nicht, ob der linke verdeckt ist oder fehlt. Ein Tier ├Ąhnlicher bis gleicher F├Ąrbung nahm ich 1982 in Arnheim auf, das lebte damals als Einzeltier mit den Orangs zusammen; habe ich anhand des Aussehens als Ungka bestimmt, aber angesichts der Mischlingsschwemme lege ich daf├╝r meine Hand nicht ins Feuer.
(27.07.2007, 14:43)
WolfDrei:   Nachtrag zum "Zwergsiamang": im europ├Ąischen "Nichtfestlandbereich" gab es ein Tier in Twycross. Konnte "Bilou" noch 2004 aufs Bild bannen. Alter damals : 35 Jahre. 2006 ist Bilou gestorben
(27.07.2007, 14:09)
Michael Mettler:   @IP66: Da g├Ąbe es noch eine Parellele, und zwar bis in die Gegenwart: Auch bei Flamingos gilt anscheinend mancherorts noch der Grundsatz "lieber Mischlinge z├╝chten als Brutpaare auseinander rei├čen"...

@WolfDrei: Zumindest waren es anscheinend keine Hulocks. Ich habe in Amersfoort im April 2000 einen Gibbon fotografiert und als Ungka notiert, der einen wei├čen Augenbrauenstreifen und einen grauen Backenbart hatte, ansonsten aber schwarzes Fell und schwarze H├Ąnde. (Ein sehr ├Ąhnlich gef├Ąrbtes Tier habe ich 1986 in Duisburg fotografiert.) Und im Mai 2000 sah ich ein Paar in Apeldoorn, bei dem das M├Ąnnchen bis auf die schwarzen H├Ąnde wie ein schwarzer Wei├čhandgibbon gef├Ąrbt war und das Weibchen zwar etwas grauer wirkte, aber gar keine wei├čen Abzeichen hatte. Leider wei├č ich aber nicht mehr, ob ich den "Ungka" f├╝r beide Zoos tats├Ąchlich der Gehegebeschilderung entnahm oder anderer Quelle.

Eine Nachsuche im "Census of rare Animals" des IZY ergab ├╝brigens keinerlei Zwergsiamang f├╝r Erfurt zwischen 1959 und 1984, im deutschsprachigen Raum ist die Art nur f├╝r Basel belegt (1969-1979). Und die Rostocker Gibbons wurden im IZY anfangs als H. moloch, sp├Ąter als H. spec. bezeichnet, also die gleiche Entwicklung wie in Cottbus.

Kennt jemand noch aus Hannover nach Halle gekommene Ungka-Silbergibbon-Paar? Wie sahen die denn aus?
(27.07.2007, 13:53)
WolfDrei:   @Herr Mettler, darf ich damit annehmen, da├č auch meine um 1991 in Amersfoort in den Niederlanden als "Hulocks" ausgewiesenen Tiere "nur" Hybride waren?
(27.07.2007, 11:16)
IP66:   Es ist interessant, wie lange Mischlingszuchten durchgehalten wurden, wobei mir als Parallele Gro├čppageien einfallen - Wuppertal hat ja noch jetzt einen ganzen Hybridenschwarm von Aras.
Interessant finde ich, da├č die gro├če Gibboninsel in Friedrichsfelde eigentlich eine Mischanlage war. Der Zoo hatte ja keinen richtigen Affenfelsen und kein Affenhaus, so da├č die Anlage eine Art Subsitut war. Wobei ich den Verdacht habe, da├č Dathe in seinen englischen Garten in Schlo├čn├Ąhe auch keinen Felsen stapeln wollte, sondern eher nach stuttgarter und hannoveraner Vorbild ein mehr oder weniger abstraktes Ger├╝st bauen lie├č. Allerdings darf man bei den Dimensionen der Anlagen im Tierpark nie vergessen, da├č er auf sehr gro├če Besucherzahlen hin angelegt war, die sich kaum vor einem Affenk├Ąfig nach dem Muster der H├Ąuser im berliner Zoo plazieren lie├čen.
(27.07.2007, 10:54)
Michael Mettler:   Inzwischen habe ich mir das Zuchtbuch f├╝r den Silbergibbon auch mal angesehen. Laut diesem gab es in der deutschen Zoolandschaft Silbergibbons tats├Ąchlich nur in Berlin, M├╝nchen und Rheine (hier ab 1970 das einzelne Weibchen, das dort mehrfach Mischlinge brachte und sp├Ąter zu artgleichen Partnern nach M├╝nchen kam). Dazu kommt noch ein einzelnes Weibchen in der Schweiz, das von 1975 bis zu seinem Tod 1981 in Rapperswil lebte.

Die hannoversche Silbergibbon-Geburt von 1968 (laut IZY) lie├č sich nach Anfrage beim Zoo als Mischling identifizieren. Zwar gab es laut Zookartei seit 1965 (und bis zu seinem Tod 1969) ein Silbergibbon-Weibchen im Zoo, das vorher sieben Jahre in Privathand gelebt hatte, aber der Vater des Jungen war ein Ungka. Und wieder einmal frage ich mich, warum ein solcher Mischling im IZY als reinbl├╝tiges Tier verzeichnet ist. Von Ende 1968 bis 1970 war noch ein zweites Silbergibbon-Weibchen im Zoo. Da beide nicht im Zuchtbuch angef├╝hrt sind, n├Ąhrt das meinen Verdacht, dass es sich nach heutiger Sichtweise um Borneogibbons handelte. Das letztgenannte Weibchen wurde ├╝brigens im Juni 1970 zusammen mit dem m├Ąnnlichen Ungka an den Zoo Halle abgegeben!

Bei gleicher Gelegenheit erfuhr ich ├╝brigens, dass der Gibbon-Spezialist Prof. Geissmann trotz intensiver Nachforschung keinen Hinweis auf zweifelsfrei nachweisbare Hulocks in einem europ├Ąischen Zoo finden konnte. Damit w├Ąre dann logischerweise auch die europ├Ąische Erstzucht dieser Art noch vakant.
(27.07.2007, 09:17)
WolfDrei:   Bez├╝glich H. klossi("Zwergsiamang") kann ich Herrn Vicks Annahme der Nichtexistenz in Erfurt best├Ątigen-zumindest ab der Zeit von 1973 ab, meinem ersten Besuch dort. Die erw├Ąhnten Siamangs existierten dort noch 2005: eine sehr alte Mutter mit ihrem Sohn.
(27.07.2007, 08:31)
Karsten Vick:   Ja nun, nicht der 3. Rostocker Nachzuchtgibbon ging nach Cottbus, sondern der 1., und ob DER 1995 noch im Bestand war ist nat├╝rlich nicht bewiesen. Im Zoof├╝hrer "Elefant" (lt. Klaus' Antiquariatsliste von 1988) werden sie auch als H. moloch gef├╝hrt, Im ZF "L├Âffler" 1995 als H. spec., zu der Zeit auf dem Schild aber ganz klar als muelleri.
(26.07.2007, 23:22)
Karsten Vick:   Die Herkunft der Rostocker Gibbons l├Ąsst sich nicht aus den Jahresberichten ermitteln (wobei Ruhe nicht unwahrscheinlich ist, die Rostocker haben viel mit Ruhe gehandelt), die Ankunftsdaten schon. Als erstes kam der Wei├čhandgibbon Blacky 1964, dann das Borneogibbonweibchen mit dem unpassenden Namen Java 1969. 1979 kam der passende Mann zum Weibchen, hat auch gleich gefunkt zwischen den beiden auf der einsamen Insel; Blacky wurde derweil nach Schwerin ausquartiert; zu der Zeit haben die beiden Zoos ein bemerkenswertes Kontrastprogramm in Bezug auf den Tierbestand realisiert. Der Gibbonmann ist sp├Ąter ├╝ber den Graben gesprungen und hat Leute angegriffen. In der Rostocker Jubil├Ąumsschrift ist die Episode ├╝berliefert, wie ein Mann vor der damals schon recht abgebr├╝hten Chefsekret├Ąrin die Hosen runterlie├č, um ihr "etwas zu zeigen", was dann der Gebissabdruck des Gibbons war.
Zwergsiamang in Erfurt hab ich noch nicht geh├Ârt, richtige Siamangs hatten sie und bis weit in die 90er auch noch einen Ungka.
Cottbus auf jeden Fall Borneogibbons, 1995 f├╝r mich die ersten, die auch so beschildert waren, darunter das 3. Nachzuchttier aus Rostock, also doch keine neue Art f├╝r mich, vielmehr ein alter Bekannter!
Zum Berliner TP f├Ąllt mir in Bezug auf den Ausgangspunkt, die Insel, immer wieder auf, dass diese ja eigentlich viel zu gro├č gebaut ist. Am Anfang muss darauf auch eine bunte Gruppe aus Lar, Ungka, 2 verschiedenrassigen Schopfgibbons und Geoffroys Klammeraffen gelebt haben. Sp├Ąter blieb auch hier nur ein Paar Wei├čhandgibbons ├╝brig, die nur 1-2x z├╝chteten.
(26.07.2007, 23:07)
Michael Mettler:   @th.oma.s: Gut m├Âglich mit den Zwergsiamangs in Erfurt - das ist aber ein Zoo, den ich aus Ver├Âffentlichungen schlecht rekonstruieren kann, denn es gibt kaum etwas ├╝ber ihn... In der ersten Liste unten hatte ich es ja auf die Erstzuchten bzw. Zuchtbeginne angelegt, und zumindest laut Intenrational Zoo Yearbook gab es keine Zwergsiamang-Nachzucht in Erfurt.

Die Geschichte der Gibbon-Zucht im Berliner Zoo ist wirklich ein verwirrendes Kapitel. Da ich Jahresberichte erst ab 1960 habe, kann ich f├╝r die Zeit davor nur auf die Zoof├╝hrer zur├╝ckgreifen, und demnach k├Ânnten der m├Ąnnliche Kappengibbon Struppi und mindestens der weibliche Wei├čhandgibbon Yellow etwa 1959 in den Zoo gekommen sein. 1961 wurden deren erstes Jungtier geboren, das im Februar 1962 starb. Im Oktober 1962 folgte das zweite, wuchs aber gar nicht erst heran. Im selben Jahr bekam der Zoo einen m├Ąnnlichen Wei├čhandgibbon, den er aber nicht mit Yellow zusammensetzte (wahrscheinlich, um das harmonierende Zuchtpaar nicht auseinander zu rei├čen), sondern ihm als Partnerin noch im selben Jahr einen aus Sumatra importierten Ungka beschaffte. 1963 hat es laut Jahresbericht keinerlei Ver├Ąnderung gegeben, w├Ąhrend im IZY die Geburt eines Wei├čhandgibbons verzeichnet ist.

Die Jahresberichte 1964 und 1965 fehlen mir, doch muss es in diesem Zeitraum ein weiteres Jungtier Kappengibbon x Lar gegeben haben sowie 1965 ein Jungtier Lar x Ungka, der im IZY als Silbergibbon gef├╝hrt wurde... 1966 folgte ein weiterer Bastard von Struppi und Yellow, und im selben Jahr starb 1,0 Kappengibbon (nicht Struppi), der vorher nirgends erw├Ąhnt wird - oder das war der Wei├čhandgibbon-Zugang von 1962. 1967 wird ein Wei├čhandgibbon geboren, Eltern sind das schwarze M├Ąnnchen Blacky und das blonde Weibchen Kim; es wird erw├Ąhnt, dass es sich um die 6. Gibbongeburt in Berlin handelt. ├ťber die Herkunft der Elterntiere kann ich nur spekulieren, dass sie 1964/65 in den Zoo kamen (wovon mir die Berichte fehlen) oder sie zwischenzeitlich artlich umbestimmt wurden. Im selben Jahr kam Hongabonga zufolge der weibliche Silbergibbon Paula in den Zoo; falls das im Jahresbericht erw├Ąhnt wird, habe ich es ├╝berlesen. 1968 folgte ein weiteres Jungtier von Struppi und Yellow, und es starb 1,0 Lar (Blacky?). 1969 wird es abermals kurios, denn bei der Vermeldung des 6. Junges des Mischpaares wird Yellow pl├Âtzlich als Silbergibbon bezeichnet... Das Junge musste in Handaufzucht genommen werden. Die Tierbestandsliste zum 125-j├Ąhrigen Bestehen am 1.8.1969 weist aus: 1,0 Kappengibbon (also Struppi), 0,2 Wei├čhandgibbons (das m├╝ssten dann Yellow und Kim gewesen sein), 0,2 Silbergibbons (eins davon Paula - woher kam das zweite, oder war das der fr├╝here Ungka?), 0,1 Kappen- x Wei├čhandgibbon und 1,0 Kappen- x Silbergibbon. Da der letzte nirgends als Nachzucht aufgef├╝hrt ist, l├Ąsst sich nur zusammenreimen, dass es sich um das Jungtier von 1965 handelt, dessen Vater der 1962 als Wei├čhandgibbon bezeichnete Zugang war und dessen Mutter tats├Ąchlich das als Ungka gleichzeitig angeschaffte Weibchen.

1970 gab es das letzte Jungtier von Struppi und Yellow, das abermals in Handaufzucht genommen wurde; im Dezember starb Yellow. Der Kappengibbon Struppi wurde daraufhin mit dem Silbergibbon Paula zusammen gesetzt. 1971 starb ein weiterer Wei├čhandgibbon nach einer Fehlgeburt (das m├╝sste dann Kim gewesen sein. Im selben Jahr nahm der Zoo vier Wei├čhandgibbon-Notf├Ąlle aus einem Import auf, von denen aber nur zwei ├╝berlebten. Da im Folgejahr zwei Wei├čhandgibbons unter "Verluste" auftauchen, scheint der Erfolg des Aufp├Ąppelns von kurzer Dauer gewesen zu sein. Im selben Jahr (1972) wird ein Kappen- x Silbergibbon von Struppi und Paula geboren und mit der Flasche aufgezogen. 1973 starb Struppi und damit der Vater von neun der zehn bis dahin in Berlin geborenen Gibbons.

1974 starben zwei nicht n├Ąher bezeichnete Gibbons (vermutlich Mischlinge), und es gab die Totgeburt eines Silbergibbons (als solcher auch im IZY gef├╝hrt), obwohl doch gar kein Silbergibbon-Mann vorhanden war... Vielleicht ein noch von Struppi gezeugtes Jungtier von Paula? 1975 keinerlei Ver├Ąnderung, 1976 abermals eine angebliche Silbergibbon-Totgeburt, aber daf├╝r konnte Struppi nun wirklich nicht mehr verantwortlich sein - vielleicht der Kappen-Silber-Mischlingsmann von 1965? Ein seit 1962 gehaltenes Silbergibbonweibchen starb 1976, was den Verdacht unterstreicht, dass dies das als Ungka gekaufte Tier war. Es folgt eine l├Ąngere Zuchtpause.

1981 wird dann ein Wei├čhand- x Silbergibbon geboren, obwohl es eigentlich keinen (reinen) Wei├čhandgibbon im Bestand gegeben haben d├╝rfte. 1982 gibt es ein Jungtier, dessen Eltern beide nicht n├Ąher bezeichnete Mischlinge sind. Im selben Jahr kommt 1,0 Kappengibbon neu in den Zoo. 1983 folgt dann der von Hongabonga schon erw├Ąhnte Silbergibbon-Mann Ivan als erstmals artgleicher Partner f├╝r Paula. 1984 passiert nichts, 1985 wird ein "nicht ganz reinbl├╝tiger Wei├čhandgibbon" geboren (nette Umschreibung f├╝r Mischling), und 2,2 erwachsene Mischlinge werden abgegeben, um Platz f├╝r reinbl├╝tige Gibbonpaare zu bekommen. 1986 kommt ein solches, n├Ąmlich 1,1 Kappengibbons aus Perth, und im selben Jahr wird das erste "richtige" Silbergibbon-Jungtier von Ivan und Paula geboren - und damit nach 25 Jahren Gibbonzucht der wahrscheinlich erste reinbl├╝tige Nachwuchs im Berliner Zoo (denn der "Wei├čhandgibbon" von 1967 scheint ja einen Kappengibbon als Vater gehabt zu haben). 1987 kommt 0,1 Wei├čhandgibbon in den Zoo, um mit dem vorhandenen M├Ąnnchen (und woher kam das?) verpaart zu werden. Laut Bestandsliste vom 1.10.1987 gab es zu diesem Zeitpunkt im Zoo 2,1 Silbergibbons, 2,1 Kappengibbons, 1,1 Wei├čhandgibbons und noch immer 0,2 Mischlinge ungenannter Zusammensetzung.

So, und die Jahre danach nehme ich zwar noch in Angriff, aber die Mischlingszucht d├╝rfte dann pass├Ę gewesen sein. Wie man sieht, herrscht ein heilloses Durcheinander bei den Art-/Unterartbezeichnungen, und es werden auch schon mal Mischlinge der Mutterart "zugeschlagen". (Die Siamangs habe ich ├╝brigens au├čen vor gelassen, da gibt es ja keine Misverst├Ąndnisse.) Mysteri├Âs bleibt das als Ungka importierte, sp├Ąter als Silbergibbon betrachtete Weibchen, denn es kam von Sumatra, wo es zwar Ungkas, aber keine Silbergibbons gibt...
(26.07.2007, 21:46)
th.oma.s:   dd erhielt vier lar wohl von einem niederl├Ąndischen tierh├Ąndler. daraus bildete sich das paar. habe sie als lar in erinnerung.sie waren auch als weishandgibbon ausgeschildert. hat erfurt nicht auch zwergsiamangs gehalten? in bezug auf cottbus glaube ich mich an borneogibbons zuerinnern.
(26.07.2007, 19:12)
Michael Mettler:   Das Weibchen lebte 16 Jahre allein?? Mag eher sein, dass es mit einem artfremden Partner vergesellschaftet war (Mischlinge hatte der Zoo schlie├člich genug zu bieten), was nat├╝rlich aus einem Zuchtbuch nicht zu ersehen w├Ąre - wie auch eventuelle Mischlingsnachkommen. Die Nachsuche in den Jahresberichten und BONGOs habe ich gestern nicht mehr geschafft, mal sehen, was daraus noch zu holen ist.

Rheine lie├č sich durch Zoof├╝hrer kl├Ąren: Da wurden gleich am Anfang definitiv Mischlinge gez├╝chtet, denn die Mutter der ersten beiden Jungen ist im Zoof├╝hrer abgebildet (ein Silbergibbon), und auf einem Foto des Hauses sieht man einen blonden Wei├čhandgibbon am Gitter h├Ąngen. Vom Silbergibbon-Weibchen habe ich sogar noch eine eigene Aufnahme. Wenn ich beim St├Âbern gestern richtig aufgepasst habe, ging das sp├Ąter nach M├╝nchen, wo es ein artgleiches Paar gab. Im IZY f├╝r 1984 ist der Rheinenser Nachwuchs dann auch als Lar x Silbergibbon aufgef├╝hrt.

Insgesamt scheint mir der "echte", javanische Silbergibbon eine gro├če Rarit├Ąt in unseren Zoos gewesen zu sein.
(26.07.2007, 15:24)
Hongabonga:   Ich habe mal im Zuchtbuch f├╝r Silbergibbons aus dem Jahr 2005 nach den Berliner Gibbons gesucht :
Der Berliner Zoo hat am 3. M├Ąrz 1967 den weiblichen Silbergibbon Paula von Privat erhalten. Bis zum 23. Februar 1983 lebte sie allein, denn da kam das aus Moskau stammende M├Ąnnchen Ivan. Das einzigste Jungtier(m├Ąnnlich) kam am 17. Juli 1986 zur Welt, mit dem Namen Jury. Ab dem 23. August 1992 lebt er in Perth. Paula starb am 11. Mai 1993 und Ivan lebt seit dem 21. M├Ąrz 1996 im GibbonConsCtr. F├╝r Berlin sind keine weiteren Silbergibbons bekannt.
Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen...
MfG
Hongabonga
(26.07.2007, 14:19)
IP66:   So richtig schwierig scheint es mit den Nachzuchten aber nicht gewesen zu sein ... oder sind die Erfolgt bei Meerkatzen oder Lemuren vor 1960 so viel besser? F├╝r die Duisburger Gibbons gilt ja derzeit auch - familiengetrennte - K├Ąfighaltung, wobei sie sich flei├čig weitervermehren.
(26.07.2007, 11:22)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Hast du bei deiner Rostock-Nachsuche zuf├Ąllig auch gefunden, wann die Gibbons in den Zoo kamen? K├Ânnten die noch von Ruhe sein?
(26.07.2007, 10:04)
Michael Mettler:   @Karsten Vick: Zwar habe ich mir nicht notiert, wann der Moskauer Silbergibbon-Mann nach Berlin kam, aber ihr erstes Jungtier - und damit anscheinend der erste reinbl├╝tige Nachzuchtgibbon jeglicher Art in Berlin ├╝berhaupt - kam 1986 zur Welt.

Die "Verwechslung" von Silber- und M├╝ller- alias Borneogibbon wird dadurch verst├Ąndlich, dass man fr├╝her beide als Unterarten von H. moloch betrachtete. Sie zu verkreuzen war also unter damaliger Sichtweise im Prinzip nicht schlimmer, als z.B. einen mexikanischen mit einem brasilianischen Ozelot zu verpaaren - bei vielen bzw. sogar den meisten Tierarten wird ja noch heute nicht auf Reinbl├╝tigkeit geachtet bzw. sie lie├če sich ohnehin nicht belegen. Auch die in den ├Ąlteren hannoverschen Zoof├╝hrern abgebildeten Silbergibbons sehen ├╝brigens eher nach muelleri aus als nach moloch, und die d├╝rften ja f├╝r die Nachzucht von 1968 verantwortlich gewesen sein. Gut m├Âglich also, dass erst das M├╝nchener Silbergibbon-Jungtier von 1984 die deutsche Erstzucht von H. moloch darstellte.

Richtig kurios wird es allerdings, wenn ich in einem Berliner Zoof├╝hrer lese, dass 1965 erstmals ein Mischling aus Wei├čhandgibbon und Ungka im Zoo geboren wurde und dieser dann im IZY als Silbergibbon gelistet ist! Da kommt Freude auf bei der Recherche... Ebenso merkw├╝rdig: Der f├╝r 1959 und den Zoo Z├╝rich im IZY verzeichnete Wei├čhandgibbon-Nachwuchs taucht im Jahresbericht des Zoos nicht auf. Das k├Ânnte bedeuten, dass er nicht aufwuchs oder gar tot geboren wurde und man ihn deshalb nicht erw├Ąhnte; Gleiches f├╝hrte z.B. dazu, dass selbst Flusspferdgeburten in Z├╝rich im JB ignoriert wurden. Aber warum bitte meldet man dann die Geburt ans IZY, wo ist da die Konsequenz...?

Immerhin konnte ich noch rausbekommen, dass der erste Z├╝richer Gibbon (ohne Art-/Unterartangabe) schon am 28.3.1945 zur Welt kam. Dieses eigentlich bedeutsame Ereignis wird ├╝brigens in der Z├╝richer Chronik mit keinem Wort erw├Ąhnt. Erst f├╝r den 25.12.1961 ist wieder Nachwuchs verzeichnet, als erstes Gibbonjunges im neuen Menschenaffenhaus. Gemeldet wurde es als Wei├čhandgibbon, in den Folgejahren ist bei den Nachzuchten oft nur von "Gibbons" die Rede, dann sind es wieder Wei├čhandgibbons und 1982 kommt eben der erste reinbl├╝tige Kappengibbon zur Welt. Will sagen: Was von den Z├╝richer Zuchterfolgen vor 1982 wirklich reinbl├╝tig war und was nicht, l├Ąsst sich aus den Ver├Âffentlichungen nicht ersehen. Denn nach alter Systematik war ja auch ein Lar x Kappengibbon ein "Wei├čhandgibbon". (Wobei beim "richtigen" Wei├čhandgibbon ja auch heute noch Unterarten unterschieden werden, so dass die Zoopopulation wahrscheinlich auch nicht lupenrein ist.)

Und genau dieses Problem gibt es auch mit den Zuordnungen andernorts. Duisburg hielt z.B. mehrere Gibbonarten gleichzeitig und wohl auch z.T. zusammen, aber auf dem Jahresbericht von 1963 sind vier eindeutige Wei├čh├Ąnder abgebildet (und der eine davon tr├Ągt ein Jungtier, von dem weder im JB noch im IZY etwas zu finden ist, obwohl es die erste Duisburger Nachzucht gewesen sein k├Ânnte...). Aber kann man daraus wirklich schlie├čen, dass der dann 1965 geborene "erste" Gibbonnachwuchs wirklich ein reinbl├╝tiger Lar war? Immerhin m├╝ssen ja irgendwie die sp├Ąter vorhandenen Mischlinge entstanden sein.... SOLLTE das Junge reinbl├╝tig gewesen sein, war es jedenfalls nach meinen bisherigen Ergebnissen die deutsche Erstzucht von Hylobates lar nach heutiger Systematik.

Bei vielen der Zoos, die ich unten aufgef├╝hrt hatte, belegen Fotos die Haltung "richtiger" Wei├čhandgibbons. Nur ist bei Mutter-Kind-Bildern nie der Vater zu sehen, und der kann ja auch artfremd gewesen sein... Die Saarbr├╝cker Inselanlage wurde z.B. 1973 mit f├╝nf Wei├čhandgibbons besetzt. Bei genauerer Recherche stellt sich dann aber heraus, dass davon nur drei "richtige" Wei├čh├Ąnder waren und die beiden anderen Kappengibbons!

Dazu kommt noch, dass ein Zuchterfolg ja nicht unbedingt bedeuten muss, dass das Junge auch in diesem Zoo gezeugt wurde....
(26.07.2007, 00:19)
Karsten Vick:   Die Rostocker Gibbons der 80er Jahre wurden damals immer als Silbergibbons bezeichnet. Es gab 4 Geburten von demselben Paar, davon 3 per Kaiserschnitt (!). Den 3. dieser Eingriffe ├╝berlebte 1986 die Gibbonfrau nicht. Das 1. Jungtier von 1980 wurde nach Cottbus abgegeben, das 2. (82) starb, das 3. (83) ging nach Schwerin. In einer Pressemitteilung des Schweriner Zoos, heute noch auf ihrer HP zu lesen, wird dieses Tier als wahrscheinlicher Mischling der M├╝llergibbon-Unterarten muelleri und abbotti bezeichnet.
Nebenbei: 1986 musste der Gibbonmann von der Inselanlage entfernt werden, da er ├╝ber den Graben entkam und Besucher angriff.
Im Berliner Zoo gab es doch die Ost-West-Ehe von Silbergibbons, eine alteingesessene Frau und ein Mann aus Moskau, auch echte Java-Silbergibbons. Wann war das denn?
(25.07.2007, 23:46)
Michael Mettler:   Pardon, bei der nochmaligen Durchsicht meines Gekritzels sehe ich gerade, dass ich Z├╝rich eine Erstmeldung wieder klauen muss: Rapperswil meldete schon 1965 eine Nachzucht als reinen Kappengibbon.
(25.07.2007, 20:30)
Michael Mettler:   Also, DA habe ich mir ja was angelacht mit der Gibbon-Zuchtgeschichte... Bisher habe ich "nur" mal durch die International Zoo Yearbooks geschaut, von denen ich f├╝r die Jahre 1959-1984 die komplette Reihe habe. Die Daten darin sind aber selten komplett, weil manche Zoos gar nicht (vor allem kleinere), manche in der Anfangszeit nur gelegentlich meldeten und auch nicht alle "treuen" Melder von Beginn an mitgemacht haben. Und dann w├Ąre da das Zuordnungsproblem: Manche Nachzuchten, von denen ich aus anderer Quelle wei├č, dass es Mischlinge waren, sind praktischerweise der Mutterart zugeordnet (also nicht als Mischlinge angef├╝hrt), bei manchen stellte sich erst Jahre sp├Ąter heraus, dass sie tewas ganz Anderes waren, als man dachte, und dann wurden ja fr├╝her noch Arten, die heute als eigenst├Ąndig gelten, als Unterartkomplexe zusammengefasst - so dass z.B. ein Ungka x Kappengibbon als Wei├čhandgibbon gelistet sein k├Ânnte.... Ich taste mich jetzt mal langsam ran, am einfachsten ist es noch bei Siamang und Schopfgibbons.

Wenn das Siamang-Jungtier aus Milwaukee 1962 die besagte Welterstzucht gewesen sein sollte, dann m├╝sste Frankfurt 1969 gleichzeitig die deutsche und europ├Ąische Erstzucht gelungen sein. (Ich unterscheide hier nichtzwischen Erstzucht und ErstAUFzucht.) Die Schweizer Erstzucht nenne ich auch gleich, um Sacha Beuth zu begl├╝cken: Z├╝rich 1971. Insgesamt haben in den Jahren 1969-1984 folgende Zoos des deutschsprachigen Raumes Siamangs gez├╝chtet (wenn auch nicht immer regelm├Ą├čig): Frankfurt, Z├╝rich, Duisburg (ab 1974), M├╝nchen (ab 1974), Zoo Berlin (ab 1976), Dortmund (ab 1976), Studen/CH (ab 1977), Krefeld (ab 1979), Erfurt (ab 1980), Dresden (ab 1981). Darunter mehrere mit "gew├Âhnlicher" K├Ąfighaltung; allerdings sollen Siamangs auch l├Ąngst nicht so klimaresistent sein wie die anderen Arten.

Bei den Schopfgibbons ist die Liste k├╝rzer: Deutsche Erstzucht des N├Ârdlichen Wei├čwangen-Schopfgibbons (H. l. leucogenys) 1976 in Hannover. Ab 1980 gab es Schopfgibbon-Nachzucht in Leipzig ohne Unterartangabe, das m├╝ssten damals aber auch noch N├Ârdliche Wei├čwangen gewesen sein; jedenfalls kam mindestens ein Leipziger Tier sp├Ąter nach Hannover. Duisburg war ab 1983 der Dritte im Bunde. Im besagten Zeitraum d├╝rfte die s├╝dliche Unterart siki nicht in Deutschland gez├╝chtet worden sein, gehalten wurde sie sp├Ąter zumindest in M├╝nchen. Der Gelbwangen-Schopfgibbon (H. gabriellae) wurde damals m├Âglicherweise noch nicht gehalten (oder wenn, nur in Leipzig), der Schwarze Schopfgibbon (H. concolor) war zwar mal im Tierpark Berlin vertreten, aber ohne Nachzucht.

Ob es wirklich mal z├╝chtende Hulocks (H. hoolock) im deutschsprachigen Raum gab, bleibt fraglich. Dortmund nannte seine Gibbons so und meldete sie dementsprechend an das IZY (Nachzucht ab 1974), aber die Tiere wurden sp├Ąter als Mischlinge identifiziert. Daher w├Ąre ich auch vorsichtig bei der f├╝r 1969 aus Darmstadt gemeldeten Hulock-Nachzucht. In Europa gab es sonst im betreffenden Zeitraum nur Hulock-Zucht (oder solche, die man daf├╝r hielt) in La Palmyre/F.

Eine Art, die unverwechselbar ist, macht es uns einfach: Der Kloss-Gibbon, fr├╝her Zwergsiamang (H. klossi). Ein (noch dazu nicht aufgezogenes) Jungtier in Basel 1975, das war's auch schon.

So, und alle restlichen Gibbons der Untergattung Hylobates wurden fr├╝her vielfach als Unterarten von H. lar betrachtet (selbst bei sp├Ąterer Trennung fasste man noch wenigstens Borneogibbon und Silbergibbon zusammen) und teilweise bunt durcheinander gekreuzt, wobei ich nun erst mal zu rekonstruieren versuche, welche Nachzuchten reinbl├╝tig waren - denn nur das sind ja eigentlich Erstzuchten nach heutiger, die Formen als Arten betrachtender Sicht. Daher erst mal nur die Reihenfolge der Zuchtbeginne mit Gibbons des Lar-Komplexes: Z├╝rich 1959 (eventuell "richtiger" Wei├čhandgibbon), Berlin 1961 (definitiv viele Jahre lang nur Mischlinge), Rapperswil 1964 (evtl. Kappengibbon), Heidelberg 1964 (Lar x Ungka), Duisburg 1965 (Lar?), Wuppertal 1966 (Lar?), Darmstadt 1966 (Lar?), M├╝nchen 1967 (Lar?), Krefeld 1968 (Lar?), Kronberg 1968 (d├╝rfte der Beginn der Zucht Kappengibbon x Lar gewesen sein), Hannover 1968 (Silbergibbon?), Osnabr├╝ck 1972 (Lar?), Rheine 1972 (angebl. Lar, hatte aber sp├Ąter auch Mischlingszucht), Tierpark Berlin 1973 (Lar), Dresden 1973 (Lar), Neuwied 1973 (Lar), Bochum 1975 (Lar), Magdeburg 1975 (Lar), N├╝rnberg 1976 (Lar), Stuttgart 1976 (Lar), M├╝nster 1978 (angebl. Ungka, aber m.W. Mischling mit Borneogibbon), Saarbr├╝cken 1980 (Lar), Rostock 1980 (angebl. Silbergibbon, aber m.W. Mischling mit Borneogibbon), Gelsenkirchen 1981 (Lar?). Einen definitiv als rein angegebenen Kappengibbon fand ich erstmalig f├╝r Z├╝rich 1982, einen definitiv reinen Silbergibbon f├╝r M├╝nchen 1984.

Nun muss ich reichlich Jahresberichte w├Ąlzen.... Hat jemand Detailkenntnisse ├╝ber die Gibbonzuchten "seines" Zoos?
(25.07.2007, 20:23)
IP66:   Die Erstzuchtdaten passen ja gut zu den Haltungs├╝berlegungen. Eigentlich waren die 70er Jahre ja eine Hochzeit des Artensammelns, auch wenn da nicht alle Zoos mitmachten. Vielleicht war aber auch das ein Grund: Nachdem man Gibbongruppen nach dem Prinzip "Leben nicht lange und z├╝chten auch nicht" zusammengestellt" hatte, h├Ârte man von den Erfolgen der Inselhaltungen und ahmte sie nach. Damit waren zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, da ein Affenk├Ąfig f├╝r weitere Arten frei wurde und zugleich die Gibbons l├Ąnger lebten und wom├Âglich z├╝chteten. Den "Artenverlust" konnte man dadurch auffangen, da├č man eine neue gemischte Artengruppe einsetzte. In Duisburg habe ich bei Besuchen in den 70ern auch noch eine Reihe Mischgruppen erlebt, w├Ąhrend sie in K├Âln oder Wuppertal schon Auslaufmodelle waren - manche Zoos ├╝bernahmen neue Ideen halt weniger schnell als andere.
(25.07.2007, 18:20)
Michael Mettler:   Nochmal @Sacha Beuth: Die ersten Fragen lie├čen sich mit ein paar Handgriffen ins B├╝cherregal kl├Ąren.

In "Das Buch vom Zoo" von 1978 ist Milwaukee als Inhaber der Welterstzucht des Siamangs aufgef├╝hrt. Laut International Zoo Yearbook gab es 1962 dort Nachwuchs, m├Âglicherweise war das der erste. Im selben Buch ist ├╝brigens f├╝r Paris Vincennes erw├Ąhnt, dass ein Schopfgibbon-M├Ąnnchen bereits seit 1937 dort lebte.

In "Wildtiere in Menschenhand" gibt Puschmann als Welterstzucht eines Gibbons tats├Ąchlich Rangun und das Jahr 1923 an (1924 gab es noch ein Jungtier). Die genaue Art wird allerdings nicht erw├Ąhnt. Aarhus folgte 1936, Philadelphia 1940. In den deutschsprachigen L├Ąndern war Z├╝rich der erste Zoo (ab 1959 Wei├čhandgibbons und Mischlinge mit Kappengibbon), in Deutschland Berlin 1961 (z├╝chtete in der Folgezeit mehrfach, jedoch ausschlie├člich Mischlinge und diese auch untereinander; Reinzucht begann erst sehr viel sp├Ąter).
(25.07.2007, 17:24)
Michael Mettler:   @Sacha Beuth: Danke f├╝r den Tipp. Allerdings hatte ich f├╝r die erste Gibbonzucht ├╝berhaupt von irgendwoher einen s├╝dasiatischen Zoo (Rangun?) und die 20er Jahre im Hinterkopf. F├╝r Vorkriegserfolge und ausl├Ąndische bin ich eh auf B├╝cher angewiesen, meine Zoof├╝hrersammlung beschr├Ąnkt sich auf die deutschsprachigen L├Ąnder und die Nachkriegszeit.
(25.07.2007, 15:43)
Sacha Beuth:   @MM: Meines Wissens gelang in den 30er oder 40er Jahren im inzwischen aufgel├Âsten Tierpark Aarhus in D├Ąnemark die weltweite (und damit die auch die europ├Ąische) Erstzucht eines Gibbons (ich glaube Weisshandgibbon) unter Zoobedingungen. F├╝r den Siamang habe ich einen US-Zoo im Hinterkopf. Findest Du bestimmt raus, wenn Du eh nachschaust.
(25.07.2007, 13:23)
Michael Mettler:   @IP66: Leider habe ich bei der gestrigen Suche nach den Entstehungsdaten der Freianlagen vergessen, mir das genaue Erstzuchtdatum aus Berlin aufzuschreiben; meiner Erinnerung nach war es 1961. Auf jeden Fall war es ein Mischling aus m├Ąnnlichem Kappen- und weiblichem Wei├čhandgibbon und wurde als der erste in einem deutschen Zoo aufgezogene Gibbon bezeichnet (was die M├Âglichkeit offen lie├če, dass es schon vorher NICHT aufgezogene Geburten gab). Gehalten wurde das Paar laut Zoof├╝hrer im Menschenaffenhaus, also wohl in einem herk├Âmmlichen (wenn auch f├╝r Affen in Gibbongr├Â├če sehr ger├Ąumigen) Haltungssystem aus Innen- und Au├čenk├Ąfig, und vielleicht spielt f├╝r den Erfolg auch eine Rolle, dass es eben eine Paarhaltung war. Es folgten in Berlin weitere Nachzuchten, auch von weiteren Paaren - und schon ab 1962 war ja eine "Sommerinsel" eingerichtet worden.

Vorher gab es m.W. schon in Z├╝rich in den sp├Ąten 50ern einen jungen Wei├čhandgibbon, und das war wohl die europ├Ąische Erstzucht innerhalb dieser Primatengruppe. Folglich muss es also ab den 60ern diverse deutsche und europ├Ąische Erstzuchten bei den verschiedenen Gibbon-Arten gegeben haben. Da diese Zeit durch Zoof├╝hrer, Jahresberichte und International Zoo Yearbook gut dokumentiert ist, werde ich mich in meiner Sammlung mal auf die Spuren der Erstzuchten bzw. der allgemeinen Entwicklung machen.

M├Âglicherweise h├Ąngt der Insel-Bauboom Anfang der 70er Jahre sogar damit zusammen, dass Einfuhrverbote durch das Washingtoner Artenschutzabkommen drohten und manche Zoos noch schnell ihre Best├Ąnde aufstocken wollten, weil noch nicht genug zoogeborene Gibbons vorhanden waren...?
(25.07.2007, 12:25)
IP66:   Ich finde das au├čerordentlich erhellend. Die Ich frage mich allerdings, wie die Haltungserfolge vor 1945 aussahen. Da kamen die Tiere ja in konvetionelle Affenh├Ąuser, waren aber, bei Abwesenheit von Menschenaffen, doch attraktivere Schaust├╝cke. Immerhin gab es aber doch schon in den 60ern den ein oder anderen Zuchterfolg?
Vielleicht spielte zudem eine Rolle, da├č die meisten Gibbons auf ihren Inseln blieben - im Gegensatz zu anderen Affenarten. Schlie├člich kam vielleicht noch hinzu, da├č die englischen Gartenstrukturen aufgel├Âst wurden und man damit auch keine romantischen Teiche mich Inseln mehr brauchte - gerade Hannover und K├Âln sind da ja Beispiele. Insomma ist der Haltungsfortschritt also eine Folge sehr vieler Entwicklungen und kann wohl kaum auf eine Ursache allein zur├╝ckgef├╝hrt werden.
(25.07.2007, 11:44)
Michael Mettler:   Als Ableger des "Affenh├Ąuser"-Threads und des dortigen Themas Gibboninseln: Bei der Suche nach den Entstehungsdaten solcher Anlagen keimte in mir der Verdacht, dass die Inselhaltung von Gibbons mehr als nur eine gestalterische Modewelle in den Zoos war, n├Ąmlich vielleicht ein Quantensprung in Sachen Haltungserfolge und Kenntnis ├╝ber Sozialstrukturen.

Die meisten Gibboninseln scheinen zu ihrer Er├Âffnung mit Gruppen besetzt worden zu sein, gern auch mit solchen, in denen Arten und Unterarten bunt zusammengew├╝rfelt wurden. Rekord war m├Âglicherweise die schon mal zitierte 15-k├Âpfige "Gibbon-Herde" in Duisburg. Es sieht ganz danach aus, als sei noch in den 60er Jahren nicht allgemein bekannt gewesen, dass die nat├╝rliche Sozialstruktur von Gibbons aus einem festen Paar und seinem Nachwuchs besteht. Tats├Ąchlich gab es ja erst ab Anfang der 60er Jahre erste Zuchterfolge in Deutschland (zuerst im Berliner Zoo), so dass man auch nur auf wenige Erfahrungswerte zur├╝ckgreifen konnte.

Ebenso deutlich wird bei der Quellenlekt├╝re, dass befriedigende Haltungserfolge bei dieser Primatengruppe ebenfalls erst sehr sp├Ąt zu verzeichnen waren, wesentlich (n├Ąmlich um Jahrzehnte) sp├Ąter als bei den Gro├čen Menschenaffen, mit denen man sich aber vielleicht auch gr├Â├čere M├╝he gab - denn durch Krankheit oder falsche Ern├Ąhrung vorgesch├Ądigte Importtiere d├╝rfte es bei beiden Gruppen reichlich gegeben haben.

Interessante (und gleichzeitig bedr├╝ckende) Zahlenbeispiele zu dieser Thematik fand ich in zwei sehr gegens├Ątzlichen Quellen. Der ehemalige Tierh├Ąndler Jean-Yves Domalain, der haupts├Ąchlich in S├╝dostasien t├Ątig war udn nach eigener Aussage in den 60er Jahren eine Art Monopol auf dem Gibbonexport hatte, hat nach seiner L├Ąuterung vom Saulus zum Paulus die von ihm belieferten Zoos besucht - wobei man dazu sagen muss, dass er unter dem Begriff "Zoo" alles von der wissenschaftlichen Einrichtung bis zum privaten Hinterhof-Tierpark zusammenschmei├čt und sich seine Ausf├╝hrungen haupts├Ąchlich auf die damaligen Verh├Ąltnisse in Frankreich beziehen (er betont ausdr├╝cklich, dass die Verlustrate in den USA geringer und in der Schweiz und Deutschland am niedrigsten war). Von 275 gelieferten Gibbons waren bei seinen Besuchen einige Jahre sp├Ąter nur noch ganze 15 am Leben.

Im Anhang der 125-Jahre-Chronik des Zoos Hannover findet sich auf S. 209 ein kurzer Abriss ├╝ber Affenimporte der Ruhe-├ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei 161 zwischen 1959 und 1971 frisch importierten Niederen Affen aus 30 verschiedenen Arten (also wohl Wildf├Ąngen), die in Hannover eingew├Âhnt wurden, lag die Verlustrate bei unter 10% (den gr├Â├čten Anteil bildeten darunter die Schlankaffen). Bei 170 importierten Menschenaffen, also einer vergleichbar gro├čen Zahl, betrug die Verlustrate 23,5% - Zitat: "...verglichen mit der bei der Eingew├Âhnung anderer Wilds├Ąugetiere noch schmerzlich hoch liegend". Wahrscheinlich spielt dabei aber auch eine Rolle, dass bei den Niederen Affen ein erheblicher Teil aus erwachsenen Tieren robuster Arten bestand (z.B. Paviane und Makaken), w├Ąhrend Menschenaffen praktisch ausschlie├člich als Jungtiere importiert wurden. Am schlechtesten jedoch gelang die Eingew├Âhnung von Gibbons; im gleichen Zeitraum wurden 105 Gibbons importiert, von denen nur 48 eingew├Âhnt werden konnten - eine Verlustrate von rund 60%! Als Gr├╝nde werden Vorsch├Ądigung und Parasitenbefall genannt, aber auch - und das ist f├╝r die bauliche Seite interessant - die Unterbringung: "Man wusste in Hannover anf├Ąnglich auch noch zu wenig, unter welchen Klimabedingungen man die Gibbons am besten einzugew├Âhnen hatte. Erst in den 60er Jahren erkannte man, dass dies eher in k├╝hlen, gut bel├╝fteten R├Ąumen und nicht in warmen zu geschehen hatte." Wom├Âglich war mit dieser Erkenntnis der Grundstein f├╝r den Boom der Gibbon-Inseln in den 60er und fr├╝hen 70er Jahren gelegt.
(25.07.2007, 11:23)

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